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Was nicht passt, wird passend gemacht.

In den NachrichtenPolitik
Schmalhans des Tages: Thomas de Maizière, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 14 von 14 der Serie Schmalhans des Tages

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD gedenkt, medial belegt, noch vor der nächsten Bundestagswahl – obwohl abzusehen ist, dass auch weiterhin der Großteil der Wähler gar nicht erst auf die Idee käme, dem freiheitsfeindlichen Treiben der dreisten Drei per Abstimmung zugunsten einer anderen Partei Einhalt zu gebieten – am BVerfG vorbei den Einsatz von Schadsoftware gegen die eigenen Bürger zum Gebot zu erklären, indem sie einfach ins Gesetzbuch reinschreiben, dass sie das dürfen.

Der Rechtsstaat wolle es so, sagte der amtsbedingt fachlich gänzlich desinteressierte Minister des Inneren, Thomas de Maizière, im Stuhlkreis derer, die sich selbst dafür, dass sie es schaffen, halbwegs fehlerfrei WordPress zu installieren, zur Koryphäe in Medienpolitik ernannten, nämlich auf der nunmehr vergangenen „re:publica“-Konferenz:

Der Staat kann dem Minister zufolge nicht akzeptieren, „wenn es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in einem Messengerdienst gibt, dass deswegen, weil es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt, automatisch rechtsstaatliche Befugnisse des Staates zur Strafverfolgung in diesem Dienst technisch ausgeschlossen sind. (…)“

Der Staat also finde es unvorteilhaft, wenn die Bürger auch mal unbeobachtet über Privates reden möchten, und in letzter Konsequenz erstaunt es mich, dass das Zukleben von Briefumschlägen überhaupt noch legal ist. Sprechend indes ist der Terminus von den „rechtsstaatlichen Befugnissen“, der hier eine angenehmer klingende Formulierung für „Befugnisse und Rechte des Staates“ zu sein scheint, was zwar ähnlich klingt, aber nicht ähnlich bedeutet.

Rechtsstaatlichkeit bedeutet laut Klaus Stern (zitiert in u.a. Wikipedia), dass „die Ausübung staatlicher Macht nur auf der Grundlage der Verfassung und von formell und materiell verfassungsmäßig erlassenen Gesetzen mit dem Ziel der Gewährleistung von Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit zulässig“ sei, meint mithin also einen Staat, dessen Maxime vor allem Menschen- und Bürgerrechte sind, wozu einige Jahrzehnte nach „Aufmachen, Gestapo!“ tatsächlich auch zumindest grundlegender Liberalismus im Sinne der Unverletzlichkeit privater Lebensbereiche gehören sollte, was in einer vollgecyberten Zeit wie der unseren sich letztlich vielfach auf das Digitale reduzieren lassen kann, sind Computer doch heute Fotoalbum, Tagebuch und Briefkasten zugleich.

Unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen haben die Computer fremder Leute für den Staat ergo nicht weniger unberührbar zu sein als ein Ehebett: So lange dort nicht gerade ein Mord im Entstehen begriffen ist, hat dort kein noch so eifriger Gesetzeshüter etwas verloren.

Leider hütet der Staat Gesetze, die ihm selbst nicht von Vorteil sind, eher ungern, hält aber um so mehr von seinen eigenen Befugnissen, was eben bedeutet:

Daher halte er Quellen-TKÜ und Online-Durchsuchung „unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen für zwingend geboten“.

Geboten wäre im Übrigen auch eine Revolution oder zumindest eine grundlegende Reform des Wahlsystems, um die weitere Unterwanderung des menschlichen Miteinanders seitens eines übergriffigen Staates zu vermeiden; aber auf mich hört ja keiner.

Ich hab‘ den nicht gewählt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2017

Ich bin mir nicht sicher, ab welcher Schwere der Vergehen einer Regierung gemäß Art. 20 Abs. 4 GG ein Widerstand geleistet werden darf, aber ich bin durchaus gewillt, diese Option gegen die schlimme SPD zumindest in Erwägung zu ziehen: Hassminister Heiko Maas würde gern das offensichtlich verfassungswidrige Netzwerkdurchsetzungsgesetz noch diese Woche beschließen lassen. Der Rechtsstaat, das sind die anderen.


„Linux ist sicher“ des Tages: Über eine der unzähligen Sicherheitslücken in Ubuntu – mein Mitleid mit seinen oft verächtlich auf Windows hinabblickenden Nutzern hält sich in sehr engen Grenzen – war es möglich, den störenden Anmeldezwang, um auf die Dateien eines anderen Benutzers zuzugreifen, einfach zu umgehen.

(via Schwerdtfegr)


Eine erschreckende Vermutung, die alles, was wir bisher über Musik zu wissen meinten, in Frage stellt: Werden Texte in der Popmusik immer repetitiver?


Wenn Blinde über Farben reden, werden sie irgendwann Computerjournalist bei der Tagesschau:

IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken.

Siehe auch:

Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

Wir leben in erstaunlichen Zeiten.


Hihi:

Auf dem Fußboden bleibt die ominöse Buchstabenfolge “FCK ARN” zurück. Nach einigem Gerätsel lässt sich das wohl nur als hastiger Beginn der Worte “FICKT ARNE HOFFMANN” interpretieren, was immerhin mal eine feministische Forderung wäre, der ich zustimmen kann, auch wenn ich bisher nicht auf den Gedanken kam, sie auf Trottoirs zu sprühen. War der ganze Pick-up-Kram also doch zu etwas gut …

:lachtot:

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Was die Bahn wiederum aus WannaCry nicht gelernt hat

Die Deutsche Bahn zieht aus dem jüngsten Problem mit der NSA-Schadsoftware beinahe die richtigen Schlüsse:

Zugfahren ohne klassische Fahrkarte: Die Deutsche Bahn plant, das digitale Ticketing einzuführen.

Schadsoftware sei kein Thema:

Es gebe schon seit längerem ein Cyber-Security-Team sowie Systeme zur Früherkennung.

Diese Systeme scheinen auf der bahneigenen Infrastruktur bedauerlicherweise nicht installiert worden zu sein. Aber fürchtet euch nicht, alsbald ist auch der letzte Dorfbahnhof vor Schadsoftware gefeit:

„Wir bauen die Videoüberwachung an unseren Bahnhöfen massiv aus“, sagte Lutz. „Bis Ende 2017 werden wir zusätzlich zu dem bereits geplanten Etat weitere zehn Millionen Euro investieren, um mehr als 1000 Bahnhöfe mit 7000 zusätzlichen Kameras auszustatten.“

Da traut sich dann kein Virus mehr hin. :ja:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Farflung – Endless Drifting Wreck

In der Ferne leiser Donnerhall.Es ist Montag. Die Wählerschar Nordrhein-Westfalens hat sich wieder einmal Unsinn zusammengewählt, was lustig ist, so lange man dort nicht wohnen muss. Lustig auf jeden Fall: In Brasilien werden Frauen mit zu großem Gesäß nun von der Wahl zur Miss BumBum ausgeschlossen.

Zur Musik, denn Musik ist, was das alles wesentlich erträglicher gestaltet: Aufgrund aktueller Vorkommnisse soll die Bundeswehr ein neues Liederbuch bekommen. Möglicherweise wären hier die eingängigen Weisen von Frau Fischer und Herrn Petry zwecks Abschreckung etwaiger Feinde eine lohnenswerte Ergänzung.

Apropos: Am vergangenen Wochenende fand offenbar das alljährliche Wettsingen der europäischen Interpreten belangloser anglophoner Schlagermusik statt. Auch in diesem Jahr bitte ich davon Abstand zu nehmen, mir irgendetwas über den deutschen Beitrag (es gab doch einen deutschen Beitrag?) mitzuteilen. Das Leben ist zu kurz für einen schlechten Musikgeschmack, auch, weil es ohnehin bereits zu viel Musik gibt, die es sich zu hören lohnte.

Vor allem an einem Montag.

FARFLUNG • Endless Drifting Wreck • Rockhouse, Salzburg, June 13th 2016

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Buckethead – Pike 244: Out Orbit

Machen wir zwischendurch mal wieder etwas schönes, ziehen wir uns einen heißen Gitarrenporno rein!

Buckethead ist der Künstlername eines US-amerikanischen Multiinstrumentalisten, der Ende der 1980-er Jahre beschloss, sein Gesicht hinter einer weißen Maske zu verbergen und einen Eimer von Kentucky Fried Chicken auf seinen Kopf zu setzen. Statt in die Psychiatrie gelangte er stattdessen zu Ruhm und (vermutlich) Reichtum, indem er teils mit zeitgenössischen Musikern, teils allein bis dato 264 Musikalben veröffentlichte, von denen seit 2011 alle bis auf eines als so genannte Pikes, wofür ich gerade im Wörterbuch nachschlagen müsste, in immer kürzeren Abständen erscheinen und selten 30 Minuten lang sind. „Out Orbit“ von Januar 2017 ist eines davon, es kommt auf fast 28 Minuten Laufzeit und ist das insgesamt 274. Album unter dem Namen Buckethead. Da hat jemand Langeweile.

Der Musiker mit dem Eimerkopf hält sich mit Genres nicht lange auf, bereits das eröffnende „Invisible Railroad“ quetscht in viereinhalb Minuten mehr Genres als es irgendwie vernünftig wäre. Thrash Metal, Spacerock, Bluesrock, Progressive Metal und Indie-Rock geben einander die Klinke der Drehtür in die Hand.

Buckethead – Invisible Railroad (Buckethead Pikes #244)

„To Infinity and Beyond (dedicated to Craig Sager)“ ist im Wesentlichen Hardrock mit Spaceeffekten. Womit der Ende 2016 gestorbene Sportreporter Craig Sager diese Ehre verdient hat, weiß ich nicht. Noch interessanter ist das viertelstündige Titelstück, in dem Bluesrock, Jazzrock, Americana und Spacerock einander abwechseln, ohne dass dabei auch nur einen Takt lang der groove vom Anfang verloren ginge. Man schwinge das Tanzbein oder wenigstens den Kopf.

Buckethead – Out Orbit (Buckethead Pikes #244)

Das abschließende, wiederum deutlich kürzere „Assortments“ rundet „Out Orbit“ vortrefflich ab. Insgesamt trägt das Album seinen Namen sicherlich zu Recht, denn der omnipräsente Spacerock ist hier roter Faden und Hauptakteur zugleich; geeignet für all jene, die Gitarren spitze finden und Gesang nicht für essenziell halten.

Bucketheads Debütalbum „Bucketheadland“ gibt es auf Amazon.de derzeit für etwas über 500 Euro zu kaufen. Qualität kostet. „Out Orbit“ hingegen gibt es auf des Künstlers Website für unter zehn Euro zum Streamen und Herunterladen. Es möge genutzt werden.

ComputerIn den Nachrichten
Was wir aus WannaCry lernen können

Eine von der NSA programmierte Schadsoftware für seit längerer Zeit nicht aktualisierte Installationen von Microsoft Windows legt seit ein paar Stunden weltweit mitunter lebenswichtige Infrastruktur lahm. Wie sich das für eine anständige Sicherheitslücke heute gehört, hat sie mit „WannaCry“ natürlich sofort einen griffigen Namen und vermutlich auch ein Logo, eine Website und ein trendiges Shirtdesign bekommen.

Daraus könnte man jetzt – wie es in den einschlägigen Foren natürlich bereits der Fall ist – folgern, dass erstens das alles mit einem System, das nicht von Microsoft stammt, nie passiert wäre, als läge das Problem nicht in der mangelnden Wartung vorhandener Systeme begründet und ließe sich mit einem Wechsel auf ein anderes nicht gewartetes System lösen, dass zweitens dringend die Cyberwehr etwas gegen den Iwan, denn dieser wird vermutlich schnell als vermeintlicher Schuldiger ausgemacht werden, unternehmen sollte und dass drittens dieses Vernetzen aller möglichen Geräte eine furchtbare Idee ist, was zumindest völlig richtig ist.

Die entscheidende Erkenntnis aber lautet (außer natürlich, dass ein Mensch, der keine Sicherheitsupdates durchführt, jedes Recht, einen Computer zu administrieren, auf Lebenszeit verlieren sollte und dass Virenscanner ausschließlich dem Geldbeutel ihrer Verkäufer von Nutzen sind):

Die Vereinigten Staaten, übrigens durchaus auch bereits die guten Vereinigten Staaten mit dem guten Präsidenten Barack Obama, leisteten und leisten sich eine Terrorzelle, die, staatlich gefördert, gezielt Schadsoftware schreibt, die lebenskritische Infrastruktur schwächen kann. Dabei wird nicht, etwa durch eine landesweit verfügbare Fehlerkorrektur, Vorsorge dafür getragen, dass wenigstens die eigenen Bürger nicht zu Schaden kommen, und wie zum Hohn nennt sich diese Terrorzelle dann auch noch die Agentur für nationale Sicherheit, als habe ein Krankenhausvirus einen Nutzen für das weitere Wohlergehen der Nation; anders ausgedrückt: Staatliche Einrichtungen der USA gefährden jetzt gerade in diesem Moment die Gesundheit europäischer Zivilisten.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die Reaktion der Weltöffentlichkeit wohl ausfiele, wäre die Schadsoftware stattdessen syrischen oder jemenitischen Ursprungs; einen konsequent und objektiv geführten Krieg gegen den Terror inklusive Amtsenthebung und jahrelanger Wegsperrung nebst ausgiebiger Folter der Verantwortlichen habe ich mir allerdings, Humanismus hin oder her, selten so sehnlich herbeigewünscht wie heute.

In den NachrichtenPolitik
Seid Terroristen! (3)

Das laut übereinstimmenden Medienberichten – Länder, in denen nur böse Menschen wohnen, werden traditionell eher nicht berücksichtigt – meistterrorisierte Land der Welt, nämlich Frankreich, ist aus irgendeinem bedauerlichen Versehen heraus auch dasjenige Land in der Europäischen Union, dem Freiheit und Bürgerrechte die fremdesten sind. Seit inzwischen fast 18 Monaten befindet sich das Land im Ausnahmezustand, dessen Legislatur neben anderen Unannehmlichkeiten auch Ausgangssperren, Durchsuchungen und Hausarreste ohne richterlichen Beschluss, mit unseren westlichen Werten kaum vereinbar, zu geltendem Recht erklärt. Selbstverständlich bedeutet eine Entrechtung von Frankreichs Bürgern nun nicht, dass nichts mehr passiert; die erhöhte exekutive Aufmerksamkeit sorgt lediglich dafür, dass Drogenkonsumenten noch schneller als bislang totgeschossen werden.

Statt Frankreich aber, wie es für eine Wertegemeinschaft mit freiheitlichen Prinzipien eigentlich selbstverständlich sein sollte, unehrenhaft aus der vermeintlichen „Europäischen Union“ zu entlassen, auf dass es in seiner Liberalitätsfeindlichkeit sich selbst überlassen bleibe, äußert man vielfach Verständnis. Gebeuteltes Land. Muss ja. Geht ja nicht anders.

Und da das Erfolgsmodell Überwachungsstaat als Prototyp in Frankreich nun genug Zeit zur Reifung hatte, passiert hierzulande überraschenderweise dies:

Die Bundesregierung will die Liste der Delikte verlängern, bei deren Verfolgung Vorratsdaten abgefragt werden dürfen. (…) Neben Delikten wie Völkermord, Hochverrat, Mord und Totschlag, Verbreitung von Kinderpornografie sollen Ermittler künftig auch bei „Einbruchdiebstahl in eine dauerhaft genutzte Privatwohnung“ auf die Daten zugreifen können, wie es im Gesetzesentwurf heißt.

Möglich gemacht wird das von der üblichen Mehrheit der rechtspopulistischen Parteien CDU/CSU und SPD. Der christdemokratische Schulzzug kennt kein Halten mehr, befeuert von der Angst, die Bösen könnten mal eine Wahl gewinnen und Europa – dieses wunderbar westlich-freie Europa – in einen einzigen großen Polizei- und Unrechtsstaatenbund, hex-hex!, verwandeln. Zum Glück haben die Populisten in Frankreich und den Niederlanden nicht die wesentliche Mehrheit errungen; leider sind wir weit davon entfernt, die grundlos zweistellige Dauerregierung durch den Liberalismus zu ersetzen, der uns nun endlich einmal zusteht.

Eine anlasslose Speicherung der Kommunikationsdaten all jener, die sich unter deutscher Jurisdiktion aufhalten, senkt die Hürde für eine anlasslose Auswertung immens. Die selbst vorgenommene Verschlüsselung jedes Datenverkehrs ist und bleibt der letzte Ausweg für den, der seine Freiheit bewahren will. Seid Terroristen, seid keine Franzosen!

Nichts ist so gefährlich für die Freiheit wie ein Bürger, dem sie egal ist.

Sonstiges
Was zur #rp17 schon 2009 zu sagen blieb

Nämlich:

Ein Bekannter meinte zu dem Programm nur trocken, er würde dann mal sein Blog einstampfen. Mit solchen Leuten wolle er nichts zu tun haben.

(Beziehungsweise: Wenn die Lautsprecher von „Netzpolitik.org“ und der gescheiterte Werbefachmann Sascha Lobo mit anderen populistischen Nicht- und Möchtegerntechnikern über die Tötung von Pandas und die Politik der AfD diskutieren, das Darknet für Neuland halten und wie Blinde von Farben einander von sexueller Revolution zweinull erzählen, dann hat das mit der „Netzgemeinde“ ungefähr so viel zu tun wie Hannover mit Lebensfreude.)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt: Non scholae sed moriando discunt. (II)

Demonstrationsrecht des Tages:

(…) packen drei Feldjäger der Bundeswehr einen jungen Mann, der sich schreiend wehrt, und zerren ihn brutal über den Anleger. Ein paar Meter weiter halten drei andere Militärpolizisten einen zweiten jungen Mann fest, der sich ebenfalls nach Kräften verteidigt. (…) Die beiden festgehaltenen Aktivisten hatten lediglich ein großes Transparent mit der Aufschrift »Kein Werben fürs Sterben« hochgehalten. Sie konnten nach Überprüfung ihrer Personalien gehen, auch die Personalien vier weiterer Aktivisten wurden überprüft.

Entmenschlichte Kämpfer, die dafür bezahlt werden, mit allein zu Tötungszwecken gebauten Geräten ausgerüstet in fremden Ländern herumzufahren, mögen es offensichtlich gar nicht, wenn man Krieg als eine Gefahr für die Unverletztheit von Menschen bezeichnet.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Twenty Sixty Six And Then – The Way That I Feel Today

Was fehltEs ist Montag und es wird warm. Das ist ein wenig schade, denn bald werden die Straßen und die Züge wieder gesäumt sein von schwitzenden Menschen mit zu wenig Zeit. Ein Salzstreuer, der keine Musik spielt, ist ein schlechter Salzstreuer, aber wer bin ich schon, dass ich mir Werturteile anmaße?

Es ist Montag und es wurde gewählt. In der Hoffnung, die Nazis so loswerden zu können, hat die Wählerschaft Schleswig-Holsteins lieber CDU und SPD, ein bewährtes Gespann auch auf Bundesebene, wenn es darum geht, die Freiheitsrechte mündiger Bürger zu beschneiden, eine theoretische Koalitionsmehrheit verschafft. Bei der Wahl zwischen gefährlichen Faschistoiden und der AfD entscheidet sich der Möchtegern-Intellektuelle dann doch lieber für ersteren Gegner seiner Freiheit. Kollege Journalist sagt, die SPD sei gut, also ist sie das auch. Im gleichermaßen faschistoiden Frankreich – dem Land mit dem andauernden Ausnahmezustand und der Totalüberwachung jedes menschlichen Seins – wurde derweil statt Marine le Pen zum Glück ein Europabefürworter zum Verantwortlichen für die weitere Entrechtung der Franzosen ernannt. Das Problem war noch nie der Präsident, es war, ist und bleibt die Politik seines Parlaments. Lernen durch Schmerz, nur ohne Lernen.

In weiteren verzichtbaren Nachrichten: YouTube-Nervensäge „Bibi“ von „Bibis Beauty Palace“ hat ein wunderschönes Lied aufgenommen. Ich empfehle den Montag jedoch stattdessen mit etwas angenehmerer Musik zu beginnen.

Twenty Sixty Six And Then – The Way That I Feel Today 1972

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: OTUS – 7.83Hz

OTUS - 7.83HzApropos Bomben.

Unter der Schumann-Resonanz versteht man, wie die Schwarmintelligenz weiß, „das Phänomen, dass elektromagnetische Wellen bestimmter Frequenzen entlang des Umfangs der Erde stehende Wellen bilden“. Eine dieser Frequenzen – die intensivste – liegt bei etwa 7,83 Hertz.

Das im März 2016 veröffentlichte Studioalbum „7.83Hz“ der italienischen Doom-Sludge-Band heißt sicherlich nicht zufällig so, denn mit derartiger Musik verbinde ich weniges so sehr wie Schallwellen. Seine Wiederveröffentlichung im März 2017 ist ein willkommener Anlass, es einmal genauer zu begutachten.

OTUS – Theta Synchrony

Laut offizieller Beschreibung handelt es sich bei „7.83Hz“ tatsächlich um ein Konzeptalbum, das allerdings mit Schallwellen weniger zu tun hat als mit ganz anderen Phänomenen, indem es in insgesamt drei Kapiteln das nicht völlig unbekannte Zitat Timothy Learys, man möge „einschalten, einstellen, aussteigen“ („turn on, tune in, drop out“), vertont.

Das Ergebnis freilich klingt weniger hippiesk als die Beschreibung es glauben lassen mag, denn das hier ist, verdammt noch mal, Doom-Metal mit einer Extraportion Arschtritt, mithin: genau das Richtige für einen entspannten Feierabend, wie ich meine.

OTUS – Avidya (full song)

Ich höre Postrock, Stoner Rock und eine Menge aufgestauter Energie; wer daran teilhaben möchte, dem sei Bandcamp.com ein Hafen.

Feuer frei.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Zuckerbomben für Afghanistan

Stark und schön müssen sie sein, unsere tapferen Soldaten im Osten, vom Volk geliebt und von Kindern beschenkt:

Die Rhein-Neckar-Zeitung (8. April 2017) berichtet unter der Schlagzeile »Fünftklässer schicken Osterpakete an deutsche Soldaten in Afghanistan« geradezu begeistert. »In der Feldpost waren diesmal Osterpakete mit Leckerbissen und Wünsche auf gesunde Heimkehr«, freut sich das Lokalblatt. »Unglaubliche 41 Kilogramm Leckereien kamen so zusammen. Aber das war noch nicht alles, was die Schüler zum Mutmachen versandten: In die Pakete legten sie für jeden Soldaten einen Osterbrief mit vielen Glücks- und Frühlingsbildern, der herzliche Grüße aus Neckargemünd nach Masar-e Sharif übermittelte sowie ein Foto der Klassen mit dem stellvertretenden Schulleiter Joachim Philipp, der ebenso wie Schulleiter Horst Linier das Vorhaben von Anfang an unterstützte.«

Es ist immer wieder erfreulich, wenn der Nachwuchs schon so früh lernt, was im Leben zählt; nämlich insbesondere ein glückliches Ostern für die Heeresgruppe Südasien. Blut Schokolade und Ehre, wem sie gebühren.

Die größten Arschlöcher sitzen manchmal in den kleinsten Schulen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Black Angels – Entrance Song // Der dümmste Klaas Heufer-Umlauf, der je gelebt hat

Jetzt 'n Panda!Es ist Montag, Tag der Arbeit und frei ist’s auch noch. Die heutigen Nachrichten wird man nicht lesen wollen, denn es ist absehbar, dass manche Gewalttat blumig (etwa als „Aktivismus“) umschrieben werden wird. Wenigstens muss man das Bett heute nicht verlassen, um das hautnah mitzuerleben; und wenigstens ist hautnah auch so ein Wort, das an einem Montagmorgen trotzdem immer wieder einen Schauer heraufbeschwört. Menschlichkeit ist nicht der beste Charakterzug des Menschen.

Vergesslichkeit allerdings auch nicht: Das geplante Internetzerstörungsgesetz der scheidenden – hehe, „Scheide“ – und vermutlich auch kommenden Bundesregierung hätte fast ein Erfolg werden können; bedauerlicherweise hat jemand bemerkt, dass es aktiv dazu auffordert, dass Internetzugangsanbieter mit Inkrafttreten zum längerfristigen Speichern auch von Kinderpornografie verpflichtet würden. Speichern statt Löschen, gegen so was sind wir (lies: die) 2009 noch auf die Straße gegangen – das war freilich, bevor die Piratenpartei Wahlkampf lieber mit bezahlbarem Wohnraum, Geschlechterfragen und kostenlosem Geld für alle als mit so Netzkram gemacht hat.

In der Türkei indessen ist ausnahmsweise prominent nicht Facebook oder Twitter, sondern die Wikipedia gesperrt worden. Aus politischer Sicht ist das natürlich nur allzu verständlich, denn wenn jeder Bürger eines Unrechtsstaates einfach so die eine Definition eines Unrechtsstaates nachlesen kann, ist das der staatlichen Reputation vermutlich eher abträglich. Folgerichtig erwägen die Außenminister der Europäischen Union (zu denen, wir erinnern uns schmerzverzerrt, unsererseits Sigmar Gabriel zählt) die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei unbeirrt fortzusetzen. Wer jetzt noch die Briten für unbesonnen hält, weil sie es gar nicht erwarten können, dieses entsetzliche Konstrukt „Europäische Union“ endlich hinter sich zu lassen, der gehört vermutlich auch zu denjenigen Menschen, die gelegentlich einen anderen Menschen dafür bezahlen, ihnen körperliche und seelische Schmerzen zu bereiten. Ja, Herrin! Ich bin ja kein EU-Skeptiker, aber ich ahne, warum ein Staat mit starker, nicht schützender Hand bei den Heckler-und-Koch-Funktionären und den Internetmissverstehern einen einwandfreien Ruf genießt.

Durch die Nachrichten geht derweil Klaas Heufer-Umlauf, zweite Hälfte des überragend unsympathischen Komikerduos Joko und Klaas, das seinem Haussender ProSieben gute Dienste beim Versuch leistet, eine Alternative zum mindestens ebenso unerträglichen und erschreckend infantilen Jan Böhmermann zu etablieren. Beifall erhielt ebendieser (dieser Klaas, nicht jener Jan) dem Vernehmen nach für ein flammendes Plädoyer für das Weiterbestehen einer starken Europäischen Union, wobei Panzer sicherlich helfen mögen. Ein weiteres Zerbrechen der Union aufgrund unüberlegter Entscheidungen des Volkes würde bedeuten, „wir“ seien „die dümmste Generation, die je gelebt hat“, und während ich mir da mit Blick auf verschiedene Kriege in der deutschen Vergangenheit noch nicht so ganz sicher bin, würde ein Zutreffen dieser Vermutung aber zumindest erklären, wie eine Flitzpiepe wie Klaas Heufer-Umlauf es überhaupt ins öffentliche Bewusstsein schaffen konnte.

Was allerdings viel mehr öffentliches Bewusstsein verdient hätte: Musik.

The Black Angels – Entrance Song

Guten Morgen.

ComputerIn den Nachrichten
Äpfel und Birnen

Alt: Äpfel mit Birnen vergleichen und dafür ausgelacht werden.

Neu: Äpfel mit Birnen vergleichen und gewinnen!

In einem Rechtsstreit konnte Apple einen Sieg erzielen. Die EU-Markenrechtsbehörde EUIPO folgte dem Einspruch des Unternehmens mit dem Logo eines angebissenen Apfels. Laut der Behörde hat die Silhouette einer Birne zu viel Ähnlichkeit mit dem Apple-Motiv.

:wallbash:

Sonstiges
Medienkritik CIV: „JOY“: Du bist schön*.

Gewohnt sonderbar ist natürlich auch die Maiausgabe der andauernden „JOY“, deren Titelseite den Spagat zwischen der angeblichen Schönheit des Lesers und mancherlei Vorschlag zur Verbesserung dieser Schönheit durch das aufgedruckte Bild von Mila Kunis, deren visage mich auch nach Jahren noch nicht zu reizen vermag, nicht etwa endgültig ad absurdum führt, sondern quasi perfektioniert.

You are beautiful, aber Trickjeans, ein volles Portemonnaie (wenngleich mit sympathischer Schreibweise) und natürliche Schönheit dank Deckfarbe im Gesicht sollten es schon sein. Mich persönlich spricht allerdings vor allem „NETFLIX & SCHLANK“ an: Nicht vom Sofa aufstehen zu müssen harmoniert ganz gut mit meiner momentanen Lebensplanung.

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