Archiv für die Kategorie ‘und so’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

In den NachrichtenPolitik
Liegengebliebenes vom 21. Januar 2017

Im Kampf gegen „Gefährder“ will die schwarz-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg eure Computer überwachen können. Es gibt durchaus Terroristen, von denen ich mich schon weniger gefährdet gefühlt habe als von CDU und Grünen.


Kein Computerprogramm kann so trivial sein, dass die GNU-Heinis es nicht ruinieren können: Denial-of-Service-Lücke in GNU ed.


Auf „ZEIT ONLINE“ freut sich Caroline Kraft:

Das Netzwerk „Schmalbart“ will Populismus und Fake-News den Kampf ansagen. Ganz einfach: durch Fakten.

Den antipopulistischen Drall erkennt man ja schon am Namen des Netzwerks, denn, wie jeder weiß, ist eine überdies humorvoll gebrauchte (haha, Breitbart, Schmalbart, hihi) Hitlerreferenz ein sicheres Zeichen für Besonnenheit und Anstand. Das ist Fakt. :hitler:


Joachim Gauck, noch amtierender Bundespräsident und designierter Vorgänger von Frank-Walter „Guantánamo“ Steinmeier, hat das Wesen der Demokratie noch einmal betont:

Ohne eine effiziente Sicherung der europäischen Außengrenzen, ohne eine geregelte europäische Einwanderungspolitik (…) werden krisenhafte Zuspitzungen auch in Zukunft zu erwarten sein.

Unklar bleibt, inwiefern das nun besser als die AfD ist, aber ich bin ja auch kein Journalist.


Apropos Nieten als Präsidenten: Der so genannte „Journalismus“, der den Amtsantritt von Donald Trump wider Erwarten nicht völlig am Berufsethos vorbei verhindern konnte, hat inzwischen einen Bewusstseinszustand erreicht, den sich ein Arzt mal genauer ansehen sollte.

PersönlichesSonstiges
Passengers (3D): Die Spannung ist kaum auszuhalten.

(Vorbemerkung: Es folgt eine Filmbeschreibung. Keine Sorge – der Film ist hinterher noch genau so spannend wie vorher.)

Aus Versehen sah ich gestern den Film „Passengers“ in der 3D-Fassung, mithin meinen ersten 3D-Film. Kinos aus Preis- und Qualitätsgründen weitgehend zu meiden bringt auch seine Besonderheiten mit sich.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Mann aus der Mittelschicht lernt auf einem gestrandeten Raumschiff zufällig eine leidlich ansehnliche Frau aus besseren Verhältnissen kennen. Wahnwitzige Prognosen über den weiteren Filmverlauf abzugeben schien zu Unrecht verfrüht, denn der Film endet genau auf jene Weise, auf die Filme dieser Art nun einmal enden, wobei wider Erwarten die einzige leidlich spannende Teilhandlung in „Passengers“ kurz vor Ende des Films und selbstredend in letzter Sekunde abgebrochen wird.

Von einer Science-Fiction-Komödie war bezüglich „Passengers“ die Rede, allerdings werden sowohl Wissenschaft als auch Witzigkeit allenfalls angekratzt, niemals jedoch durchstoßen. Fiktion aber gibt es zuhauf, angefangen bei der reichlich unrealistischen Handlung an sich und längst nicht endend beim glücklichen und, ich erwähnte es bereits, unglaublich langweiligen Ende. Dass es diesen Film in 3D gibt, verleiht seiner Grauenhaftigkeit nochmals ein besonderes flair, denn nach der Einleitung des Films – die Sony-Animation gefällt mir in 3D bedauerlicherweise recht gut – gibt es praktisch keine Szene mehr, die von den supermodernen Supereffekten zu profitieren wüsste; stattdessen sieht man des Öfteren Chris Pratt ausdruckslos vor einem Hintergrund herumstehen. Wird es jemals eine deutsche Neuaufnahme geben, möchte ich schon jetzt Til Schweiger für diese Rolle vorschlagen.

Schön, so was mal gesehen zu haben. Man spart sich künftig so viel Frust.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
David Guetta – Memories

Was war DAS?Es ist Montag. Das Wochenende liegt noch schwer in den Knochen, man ist das Menschliche eben einfach nicht mehr gewohnt oder war es einfach noch nie. Zweifel und Misanthropie im Rausch zu ertränken lässt Wirrnis sich verschieben, während man noch ein Duell führt mit dem, was man für Wahrheit zu halten schien; Konsum, Konsum. Man ist so durch, wie man sich fühlt. Zur Perfektion allein genügt hätte, was selten so fehlte wie diesmal. Ein Königreich für einen Pelz.

Die Welt trägt das Ihre zur vollendeten Fassungslosigkeit bei. Sicherheitslücke im Herzschrittmacher, da hätte bestimmt einfach nur mehr Internet rein gemusst. Die Menschen werden ja auch nicht klüger, mit Bildung ist dem nicht mehr beizukommen: Schüler zu doof? Einfach Punkte schenken. Geben wir ihnen doch gleich einen Doktortitel und einen Vorstandsposten dazu, damit ihnen keine Nachteile entstehen gegenüber so Pack, das für seine Leistungen noch ehrliche Arbeit hätte verrichten müssen.

Wo es für Mathematik nicht reicht, braucht man auf sonstige geistige Tiefe auch nicht mehr zu hoffen: Randalierer behindern Hochschulvortrag eines AfD-Vertreters und freuen sich hinterher darüber, welch erlesenen Dienst sie dadurch der Meinungsvielfalt erwiesen haben. Den Ideen mancher Mitmenschen würde ein wenig Anstand durchaus mehr Gewicht verleihen.

Es ist, jedenfalls, Montag. Hey, hey.

David Guetta Feat. Kid Cudi – Memories (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Tore zum Mistmachweb (Nachtrag)

Ich so, 2014:

Auf dem Browser der Zukunft sollte „Bitte keine Werbung einwerfen“ stehen.

Europäische Union so, gestern:

Das Stichwort lautet „Privacy by Design“: Die Software-Anbieter sollen verpflichtet werden, alle Voreinstellungen Privatsphäre-freundlich zu gestalten. Das heißt beispielsweise, dass Cookies von Drittanbietern, etwa Werbenetzwerken, erst einmal geblockt werden sollen. Der Browser soll sich die Einwilligungen vom Nutzer einholen müssen.

Die Wirtschaft so, kurz darauf:

Diese Verordnung stellt etablierte und von den Verbrauchern akzeptierte Geschäftsmodelle in Frage und negiert fundamentale Prinzipien der Digitalen Wirtschaft. Das Internet, wie wir es heute kennen, wird es damit nicht mehr geben.

Das Internet, wie wir es heute kennen, jetzt so:

Party (Lizenz: CC0)

(via Trash-Log)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt: Rinks. (2)

Apropos:

Unterhalb von „denen mache ich jetzt ihren Lebensunterhalt kaputt, die sollen obdachlos in der Gosse verrecken“ gibt es bei den Linken anscheinend keinen politischen Diskurs mehr.

:aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Can – Little Star of Bethlehem

Es ist Montag, der Schlendrian hat ein Ende; allein schlendert es sich zuweilen auch weniger sanft. Vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung, wenn man nicht so genau hinsah und sich einfach gehen ließ. Die Schwäche eines Menschen für den Anderen heißt nicht nur dramaturgisch so.

Weniger dramaturgisch als dramatisch: Deutschland hat Angriffskriege mit Jahresbeginn für geduldet erklärt, wenn’s nur den Iwan oder sonstige Terroristen trifft. Dem Endsieg der Guten steht also nichts mehr im Wege. Zugestimmt haben mit Bauchschmerzen, leider aber ohne Verstand, natürlich auch die Grünen, deren Aggression im Kosovo die Kriegsunschuld Deutschlands nach fuffzich quälenden Jahren ja endlich beendete. Die sind wieder wer.

Urdemokratisch sind sie noch dazu, denn auch sie lassen ihre Mitglieder abstimmen. Wähle eine Frau oder deine Stimme ist für’n Gulli, aber du darfst dir immerhin aussuchen, ob zusätzlich ein Mann mitmachen darf. So läuft das und sie bemerken nicht einmal, wie sehr sie damit das grundlegende Verständnis von der Gleichheit der Menschen pervertieren. Der Futtertrog will erstritten sein.

Musik, sonst Aufregen.

Can-Little Star Of Bethlehem (Full Length Version-Alternate Mix HQ Audio-Rare)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritikPersönliches
Kurzkritik // So melancholisch muss man erst mal sein: Halma – Granular

Manchmal – selten, aber mit steigender Frequenz -, wenn die Gesamtsituation den Verfasser dieser Zeilen zu mehr Trübsinn als Freude verleitet, greift er (also: ich) nicht unbedingt zur Flasche oder zum Texteditor, sondern in die Spielekiste, denn dann steht ein wunderbarer Kanal zur Gedankenreinigung offen: Halma spielen, um die Sehnsucht zu vertreiben.

Das Hamburger Quartett dieses Namens nämlich veröffentlichte 2015 mit „Granular“ (vgl. Amazon) bei der Plattenfirma von, natürlich, Nihiling ein wunderbares Slowcorealbum, dessen bassgeführtes Instrumentalfundament unter die Haut geht wie sonst nur Tätowierungen, aber sich als ihnen in jeder Hinsicht überlegen zeigt.

Halma – Granular [Full Album]

Der Musik gewordene Melancholieschwamm entschleunigt, ohne träge zu wirken. Klänge wie ein Herzschlag, das Album zum #wasfehlt-Hashtag. Von Krautrock ist gelegentlich die Rede, wird über dieses Album gesprochen. Selten war es so packend, dass das mal nicht stimmte. Eine tiefe Verbeugung nach Hamburg und ein Glas in die Höhe. Ich bin beeindruckend bedrückt.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Was hat Markus Beckedahl eigentlich gegen eine liberale Gesellschaft?

„tante“, 29. November 2016, über die unsägliche „Digitalcharta“ von Markus Beckedahl und so weiter:

Artikel 5 ist für die Meinungsfreiheit sehr gefährlich, insbesondere, weil der Eingriff grundsätzlich vor das Vergehen geschoben wird.

„heise online“, 31. Dezember 2016, über Markus Beckedahls verbale Selbstfünf auf dem schrecklichen 33C3:

Bei den geplanten Maßnahmen gegen Terror und Fake-News im Internet droht die Etablierung einer Zensur-Infrastruktur, warnt Blogger Markus Beckedahl. (…) „Wir sind zu wenige, um für alle Probleme auf der Welt auch sofort die Lösung präsentieren können.“ Deshalb sei es nötig, dass sich mehr Menschen an der Diskussion beteiligten und die Gesetzgebungsverfahren in Brüssel kritisch begleiteten.

Wer begleitet eigentlich Markus Beckedahl kritisch?

In den NachrichtenNerdkrams
Seid Terroristen! (2)

Der richtige Tag, um Terrorist zu werden, ist heute.

Seit Silvester darf der BND offiziell Daten aus ganzen Telekommunikationsnetzen mit Auslandsverkehren auch im Inland komplett abschöpfen, ein halbes Jahr lang auf Vorrat speichern und mit Dritten austauschen.

Es ging nie um Terrorismus.

In den NachrichtenMontagsmusik
King Buffalo – Kerosene

Hallo, es ist Montag. Darf man auch keinem erzählen. Die Zeit vergeht schon zu Jahresbeginn immer langsamer, je tiefer sich der Graben auftut. Niedlich müsste man sein; und aber: der erste volle Tag des Jahres ist der schwerste, sagen sie und irren nicht.

Irre auch: Pünktlich zum Ende des alten, letztlich von niemandem mehr vermissten Jahres gab es offensichtlich einen bewaffneten Zwischenfall in Istanbul. Auf reddit gab es vorübergehend fast 50.000 Zuschauer des Liveevents. Diese neuen Medien dienen der Menschlichkeit offensichtlich nur am Rande. Omma, komma gucken, da is was los! Wie zum Trotz dauerte die Silvesternacht ein wenig länger, der Schaltsekunde wegen. Prompt fiel der Entlastungsdienst Cloudflare aus, weil man dort nicht darauf vorbereitet war, und natürlich wird das niemandem, der entscheiden, aber nicht verstehen muss, die bescheuerte Idee, man solle prinzipiell die cloud als seine virtuelle Heimat begreifen, austreiben. Die cloud ist das neue Tamagotchi.

Notration Musik: Folgt.

King Buffalo – Kerosene

Guten Morgen.

Persönliches
Als sei die Welt morgen eine bessere // 2017 + 0

(Und schon wieder steht man auf verlorenem Posten und blickt in die lauter werdende Nacht, dort, wo sich manches schon ergab, momentan jedoch nur die, die auch mal loslassen können, das Beisammensein feiern, als begönne morgen eine neue Zeit und nicht nur ein neues Kalenderblatt, einander überbietend mit immer größerem und bunterem Feierzubehör. Das Morgen wird ein wunderbares sein; beziehungsweise nicht, weil das, was an Tagen wie diesem so sehr brennt wie sonst nie, unrettbar ist, weil man die Menschen und unter diesen insbesondere sich selbst einfach nicht versteht und man das Elend einfach irgendwann aufgibt, wenn man erst einmal alt genug ist. Manche Folge ist drückend, weil sie ohne Ausweg scheint, denn man hat nicht nur nicht alle beisammen, sondern ist es eben auch nicht, weil die sozialen Fassungslosigkeiten sich längst zu einem Totalschaden zusammengefügt haben. Bitte drücken, sich nachschenkend gedacht.

Leonard Cohen – Teachers

Silvester feiern zwischen Betonklötzen und Zäunen. Vintageparty wie früher, aber wieder einmal sind alle wesentlichen Jahresrückblicke außer dem eigenen schon geschrieben worden, bevor das Wichtige geschah, und vielleicht sollte man vom Rückblick auf Jahre allgemein Abstand nehmen, so dass die Leute sich wieder selbst an das erinnern müssen, wer und was sie bewegte, was einem selbst zumindest noch immer leicht fällt. Es ist sie. Es ist immer nur sie.

Irgendwo pfeift eine Rakete und erleuchtet die nun schweflige Nacht. Einige von denen, die ihre Hände behalten, werden heute, ihrem äußeren Zustand nach zu urteilen, ziemlich gut schlafen. Das Jahr kann man wechseln, dieses Gefühl aber nicht.

Auf ein Neues.)

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 28. Dezember 2016

Überraschenderweise wurde mindestens eines der zahlreichen Spionageprogramme Großbritanniens dazu verwendet, Hundehalter und ähnliche verdächtige Subjekte zu überwachen. Wirklich schade, dass die nicht mehr in der EU sein wollen.


Es gibt keinen Rechtsruck, es gibt eine Linksflucht.


Wovon Kanadier völlig verstört werden: Graffiti, die die Existenz eines dritten Geschlechts verneinen. Ich hab‘ den Beruf verfehlt, Psychotherapeut in Vancouver hätte ich werden sollen.


Felix Schwenzel fasst das Geschäftsgebaren von 1&1 (u.a.) treffend zusammen:

wer länger als zwei jahre unser kunde bleibt ist ein vollidiot.


Ausnahmsweise kommentiert der Postillon die Weltlage mal besser als ich es könnte:

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist nach eigenen Angaben froh, dass nach dem Terror-Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin niemand den Sinn und Zweck der deutschen Kriegsbeteiligungen im Nahen Osten hinterfragt.

Schon merkwürdig, wieso die da alle weg wollen. Ist doch schön warm da.


Mangelernährung des Tages: Geht es nach dem Willen des Bundesagrarministers, so sollen Veganer, Vegetarier und andere eigenartige Mitmenschen, die ihren stets stolz vorgetragenen freiwilligen Verzicht auf ein schönes saftiges Stück Fleisch mit Kompost pflanzlichen Ersatzstoffen zu kompensieren versuchen, selbige künftig nicht mehr als Fleisch und Wurst bezeichnen dürfen. Make Fleisch Tier again!

In den NachrichtenMontagsmusik
Kungens Män – Där pepparn växer

Kann man schon wieder rauskommen oder ist noch Weihnachten?Man kommt ja aus dem Feiern gar nicht mehr raus; eben war noch Besinnlichkeit (arm sind jene, die diese nur wenige Tage im Jahr für eine Tugend halten) mit Speisen bis zum Abwinken und heute, freu, freu, ist schon wieder – ihr ahnt es – Montag, ein Montag ohne vorhergehendes Wochenende, das man so nennen könnte, und Stephanstag obendrein, Gedenktag des Schutzpatrons der Kutscher und Maurer also, den man bei Kopfschmerzen anrufen möge und wenn es einem nach einem angenehmen Sterben gelüstet. Gestern starb, dem Vernehmen nach ebenfalls zumindest angenehm, George Michael, dem die Welt viel („Last Christmas“) zu verdanken hat. Frohes Fest. Die Musikersterblichkeit ist im auslaufenden Jahr eine erschreckende.

Apropos Sterben: Wenn mir langweilig ist, programmiere ich Dinge, die fällige Jahresrückschau jedoch wird prokrastiniert. Wer wird wohl gewinnen? Im Zweifel mag Geduld helfen wie sonst eben auch. Aber vielleicht ist das auch gar nicht wahr, Fakenews sozusagen. Zum geplanten Abwehrzentrum gegen missliebige Behauptungen jeglicher Art sei an dieser Stelle vielleicht nur kurz angemerkt, dass ausgerechnet diejenigen Parteien, die diesen Vorstoß maßgeblich vorantreiben zu müssen meinen, sich bisher nicht durch einen besonders konservativen Umgang mit Wahr- und Offenheit bemerkbar zu machen wussten.

Hab‘ ich gerade „Musik“ geschrieben? Ja, ich habe „Musik“ geschrieben; und nicht nur das, ich spiele sogar welche ab:

Kungens Män – Där pepparn växer (Live at Psychedelic Network Festival, Würzburg 2015-11-27)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz notiert zu den aktuellen Vorgängen in der deutschsprachigen Wikipedia

Wenn das Schiedsgericht in einem großen Projekt zur gemeinsamen Erstellung und Pflege einer Enzyklopädie unter lautem Getöse implodiert, weil plötzlich jemand, der von den aktiven Enzyklopädisten mehrmals in Folge als herausragendes Mitglied der Gemeinschaft erkannt und daher in ein Richteramt gewählt wurde, seine Mitgliedschaft in der AfD bekanntgab, woraufhin mehrere andere Schiedsrichter, denen die Gemeinschaft ebenfalls ihr Vertrauen ausgesprochen hatte und die bis dahin vollkommen zufrieden miteinander waren, von ihrer Aufgabe zurücktraten, was letztlich dazu führte, dass über Klarnamenszwang in der Wikipedia nachgedacht wird und sich die hauptsächliche Diskussion um die Frage dreht, welche Gesinnung man als Freiwilliger in der Wikipedia denn haben dürfe, um konstruktiv und produktiv mithelfen zu dürfen, dann heißt das Problem, das hier zweifelsohne existiert, vermutlich eher nicht Rechtspopulismus.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Chaos Orchid Club (Nachtrag): Der #33c3 und die Feigen_blätter.

Stefan Krempl („heise online“) findet, ich hätte ein Szeneblog, weil ich zufällig meinen Unmut über die politische Entwicklung des „Congresses“ zu einem passenden Zeitpunkt verschriftlichte. Das ist eigentlich ein bisschen unfair, weil ich es eigentlich zu vermeiden versuche, diese Webpräsenz zu einem dieser elenden Nerdblogs verkommen zu lassen; aber gut, „heise online“ („Das Erwachen der Macht: Star Wars ist endlich erwachsen“, 16. Dezember 2015 u.v.m.) hält sich ja auch für eine Fachpublikation.

Seit meinem Aufreger ist manche Zeit ins Land gegangen und seitdem nicht wieder aufgetaucht, währenddessen geschahen im Wesentlichen zwei Dinge: Zum Ersten wurde der vorläufige „Fahrplan“, also die Vortragsliste, veröffentlicht. Einer meiner Kommentatoren, Thomas Wallutis, zählte auf dieser Liste die Themenblöcke zusammen und stellte fest, dass der mit Abstand größte der Blöcke „Ethics, Society & Politics“ ist, mit 42 Vorträgen liegt dieser Sonderblock für Tagungstouristen, für die das Hackertum allenfalls noch lustige Folklore im Rahmenprogramm ist, sogar noch vor „Security“ (37) und sowieso weit vor „Science“ (17); Politik und Wohlfühlflauschiwatti sind eben wichtig, da sollen die Altnerds sich mal nicht so anstellen. Können ja auf Wahlpartys gehen, wenn sie was mit Computern machen wollen. In „Ethics, Society & Politics“ komme sogar am Rande mal was Technisches vor, stellte er fest, also mal Ruhe bewahren hier. Es werden ja immer noch ein paar EDV-relevante Vorträge reingelassen, so schlimm wird’s dann wohl nicht sein. Das Feigenblatt – Entschuldigung, Sie haben da noch etwas Hacken zwischen den Zähnen – ist von wohlfeiler Art.

Zum Zweiten hat der CCC (da kann man noch so wortreich die Unterschiede zwischen dem Chaos Computer Club und der „Congress“-Veranstaltungs-GmbH zu erklären versuchen) das „Awarenessteam“ für den kommenden „Congress“ noch einmal erklärt; zusammenfassend sind das ein paar Freiwillige, die Hilfe bei Seelenwehwehchen anbieten:

Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus und andere Diskriminierungsformen sind auch dann nicht okay, wenn sie unbeabsichtigt geschehen. (…) Das Awarenessteam steht euch insbesondere zur Seite, wenn:
– ihr euch belästigt oder diskriminiert fühlt
– eure persönlichen Grenzen missachtet wurden
– ihr (akute oder strukturelle) Diskriminierung von anderen Teilnehmenden wahrnehmt
– ihr euch unwohl fühlt und eine Person zum Reden braucht

„Ableismus“, wie Fefe 2014 einmal anschaulich erläutert hat, ist die vermeintliche Diskriminierung von Menschen, die nicht alles können, was man selbst kann; insofern heiße es (siehe ebd.) selbstverständlich „Stand_Sitz_Liegepunkt“ statt „Standpunkt“, denn nicht jeder Mensch ist des Stehens mächtig. Es sei übertrieben, davon zu reden, dass der „Congress“ von Leuten mit einer eher merkwürdigen Agenda in eine bestimmte Richtung gelenkt werde, gaben Leser meines vorherigen Beitrags zum Thema zu bedenken, aber so sicher bin ich mir da keinesfalls.

Wenn sich eines dieser zarten Pflänzchen, die unbedingt auf einem vermeintlichen „Hackerkongress“ sein zu wollen meinen, von einer vermeintlich rüden Zurückweisung, wie sie in introvertiert-technophilen Hackerkreisen durchaus nicht unüblich ist, derart verstört fühlt, dass ein ganzes Team nötig ist, um sein ansonsten irreparabel zerrüttetes Seelenheil wieder auf ein lebensfähiges Niveau zu hieven, dann hat etwas in seiner Entwicklung zu einem gesellschaftstauglichen Menschen dermaßen wenig funktioniert, dass der „Congress“ sich höchstwahrscheinlich eher nicht als geeigneter Therapieplatz anböte. Der da war nicht nett zu mir. Gehaltsverhandlungen mit den Betroffenen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.

Vor ein paar Jahren gab es mit den „Creepercards“ schon einmal eine Aktion, die das „Awarenessteam“ ins öffentliche Bewusstsein brachte, indem ebensolche Orchideen ihr ständiges Beleidigtsein in Kartenform mitbrachten, was zu geradezu bizarren Anschuldigungen führte, allerdings in den folgenden Jahren nicht mehr wiederholt wurde. Nein, die neuen Mittel sind subtiler.

Und sie wirken viel zu gut.