Archiv für die Kategorie ‘und so’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

In den NachrichtenPolitik
Vorwärtsverteidigung (2)

Ah, die schrecklich bedrängte NATO wird endlich konkret, was ihre Verteidigung betrifft:

Die USA werfen Russland den Bruch eines wichtigen Abrüstungsabkommens vor[.] (…) Die USA vermuten dem Bericht nach, dass Russland schon seit 2008 gegen das Abkommen verstößt – doch auch Russland erhebt solche Vorwürfe gegen die USA. (…) Nach den Medieninformationen herrsche bei der Nato „ernste Besorgnis“.

Da helfe, glaubt man den Guten, nur (u.a.) das:

Ausbau der nuklearen Abschreckungskraft der Nato

Verdammter Putin. Erst lässt er Russland nicht unwidersprochen militärisch umzingeln und jetzt zwingt der einen auch noch zu mehr Atomwumms.

Wofür brauchen wir die NATO noch mal?

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Grüne Armee Fraktion

Das, freilich, kommt mir durchaus bekannt vor:

Ich fand die Sprache unserer Erklärungen sehr schwer verständlich und kritisierte das auch. Aber Brigitte meinte nur: „Wer sich wirklich für unseren Kampf interessiert, versteht das auch.“

Darauf einen Genderstern.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Lautsprecher, aber Leishörer

Da es noch immer Menschen für eine großartige Idee halten, sich vom eigenen Ersparten Dinge ins Schlafzimmer zu stellen, die menschliche Geräusche durch das Internet an irgendwelche Server zur Auswertung schicken können, sei vielleicht noch auf diese großartige Zusatzfunktion verwiesen:

Sprachgesteuerte digitale Assistenten lassen sich kapern, ohne dass der rechtmäßige Nutzer es hören kann.

Neu: Nichtsprachsteuerung! Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass diese Funktion einen Nutzen für irgendwem außer dem rechtmäßigen Besitzer des Geräts haben könnte, denn sonst wäre es ja ein geradezu rekordverdächtig dämliches Tun, sich einen solchen Assistenten ins Haus zu holen, nicht wahr?

Bonuspointe:

Diese Verzerrungen können Hacker ausnutzen, um Befehle auszulösen, die für Menschen (…) wie sinnloses Geplapper klingen (…).

Jetzt verstehe ich den Wahlkampf der Grünen!

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum „linksunten“-Verbot

Während man auf „SPIEGEL ONLINE“ lesen kann, dass es offenbar „linksextreme Internetseiten“ gibt, die also nachts vermutlich heimlich Steindateien auf Naziserver schmeißen, schwelt in den sozialen Netzwerken unter bedauerlicher Ausblendung der Frage, ob die unbedingte Freiheit des Internets nicht vielleicht auch irgendwas mit der unbedingten Freiheit, Blödsinn in es hineinzuschreiben, zu tun hat, die Diskussion darüber, warum der Staat in seinem traditionellen linken Halbjahr vor einer Wahl jetzt zur Abwechslung mal etwas gegen Linksextremismus tue, denn so sei der Wunsch nach der Löschung von Hass im Netz doch bitteschön nicht gemeint gewesen; und warum denn so Naziseiten immer noch online seien, obwohl jene doch viel schlimmer seien, denn „linksunten“ habe ja nicht nur zur Gewalt angeleitet und aufgerufen, sondern auch etwas zur Aufklärung von NSU- und ähnlichen Fällen beigetragen, als würde das jede Begeisterung für die Gefährdung eines unbeschadeten Lebens von Zivilisten und Polizisten invalidieren und als setze unter anderem die Störung des zivilen Bahnverkehrs in Deutschland ein merkliches Zeichen gegen das Unrecht im Nahen Osten, was jedenfalls mir nicht wesentlich schmerzärmer aufstößt als die Wiederholung der so alten wie dummen Geschichte, die Regierung des Dritten Reichs habe immerhin auch Arbeitslosigkeit ab- und Infrastruktur aufgebaut, so schlimm könne sie also gar nicht gewesen sein.

PersönlichesPiratenpartei
Warum Basisdemokratie kein Blankoscheck sein darf

Davon, dass die zeitliche Nähe zwischen dem Niedergang der Hackerkultur und dem gesellschaftlichen Aufstieg von Leuten, deren wesentliches Interesse der Neudefinition ihres Geschlechts gilt, war hier bereits 2016 die Rede, ich stellte hierfür einen Zusammenhang zwischen dem Chaos Computer Club und der Piratenpartei her, wobei ich insbesondere die Folgen für ersteren Verein thematisierte. Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal die andere Seite geringfügig genauer beleuchten.

Es gibt nämlich gute Gründe, dass es mehrere Parteien gibt, und diese liegen nicht nur darin, dass die Existenz nur einer Partei dem jedenfalls papiernen Anspruch der Repräsentation des ganzen heterogenen Volks zuwiderliefe, weswegen im Übrigen auch eine prozentuale „Hürde“ für den Einstieg in irgendein Parlament meiner Auffassung von Volksvertretung nicht entspricht. Es gibt, bewusst griffig verkürzt, mit den „Grünen“ eine Ökopartei, es gibt mit der SPD eine ehemalige Arbeiterpartei, es gibt eine BGE-Partei dieses Namens, es gibt eine erschreckend apolitische „Partei“ namens PARTEI, es gibt mit der „Union“ sogar zwei Parteien für den politisch apathischen Durchschnittsbürger; es gibt außerdem eine Partei, die sich für netzpolitische Belange einzusetzen pflegte, und ihr Name ist Piratenpartei.

Die Piratenpartei, aufgebaut in und dank der Annahme, jeder Beitrag sei eine große Hilfe bei der Umsetzung der politischen Pläne, was später als „Basisdemokratie“ zusammengefasst wurde, kämpfte überzeugend dafür, dass die Belange derer, die 2017 kollektiv beleidigend als „die Netzgemeinde“ bezeichnet werden, als sei das Netz eine abweichlerfreie Sekte und kein Kommunikationsmedium, eine größere Rolle in der Bundespolitik spielen sollten. Bedauerlicherweise wurde die Bereitschaft, keinen am Thema Interessierten abzuweisen, bald dergestalt fehlinterpretiert, dass davon ausgegangen wurde, dass jede noch so bescheuerte Idee, der in anderen Parteien nicht genug zugehört wurde, bei der Piratenpartei gut aufgehoben sei, von Kernkraftkritik über Radikalfeminismus bis hin zum leistungslosen Gratisgeld („BGE“).

Dass das klare und von allen anderen deutschen Parteien weit entfernte, somit einmalige Profil der Partei, die sich für eine politische Integration des Internets in gesellschaftliche Fragen einsetzt, seit 2011 zusehends mehr verwässert wurde, ist Teil des Problems, dessen Folgen sich in perverser Gesetzgebung und Vermehrung von Überwachungsmechanismen zeigen, und es gibt gute Gründe, daran denjenigen eine persönliche Schuld zu geben, die den Unterschied zwischen der Hilfe beim Aufbau einer schlagkräftigen Parteibasis und der Möglichkeit, seine eigene Agenda zu publizieren, nicht verstanden haben.

Ich erkläre das Problem einmal mit einer Analogie: Nehmen wir an, es gibt jemanden, der zu Hause „kein Internet“ hat und dessen Hobbys Rübenzucht und Taubenjagd sind. Welche Partei vertritt seine persönlichen Interessen am besten, in welcher würde er sich willkommen fühlen und gar mit seiner Expertise diese Partei voranbringen? In einer netzpolitischen, einer wirtschaftsorientierten gar?

Eine Partei, man verzeihe mir den Zirkelschluss, heißt Partei, weil sie Partei für eine bestimmte Gruppe (ihre Klientel, ihre Stammwählerschaft eben) ergreift, nicht aber zwangsläufig für jeden geistigen Totalausfall, der gerade was sagen will. Offene Arme für jeden Fantasten haben schon ganz andere Projekte als bloß eine Partei zerstört. Wenn jemand offensichtlich völlig andere politische Vorstellungen als ich selbst habe, dann nehme ich das zur Kenntnis, weiß aber auch, dass ein Konsens nicht funktionieren kann, weshalb ich diesen Jemand auch nicht „einzubinden“ und „teilhaben“ zu lassen versuche. Es ist ein gewaltiger Fehler, als Partei anzunehmen, dass jeder Knallkopf Gehör finden sollte, wofür Zeit geopfert werden müsste, die stattdessen auch in sinnvollere Tätigkeiten, zum Beispiel für den Kampf für anständige Netzpolitik, investiert werden könnte. Parteien sind keine Buchklubs.

Die Piratenpartei – Offenlegung: noch immer mit meiner Mitgliedschaft ausgestattet – ist konzeptionell eine netzpolitische Partei, zusammengesetzt zweifellos aus Menschen verschiedenster Art. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Wer jedoch zwar vor vielfältigen Ideen nur so überschäumt, jedoch keinerlei Interesse an einer modernen Netz- oder wenigstens Urheberrechtspolitik hat, der ist in einer politischen, innerparteilichen Diskussion mit mir persönlich nicht willkommen, weil er anders als diejenigen, die wenigstens in den Themen, die der Piratenpartei überhaupt einen Grund zum Fortbestand verleihen, eine diskussionswürdige Meinung vertreten, lediglich ein Klotz am Bein wäre, denn er hat zur Umsetzung der Ziele, für die diese Partei überhaupt existiert, nichts beizutragen, was es wert wäre, gehört zu werden.

Eine Partei muss auch mal sagen: Leute, ihr seid uns hier echt im Weg.

(Zweitverwertet aus einer Diskussion auf Twitter.)

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi ist daran schuld (Nachtrag).

Ein Gedankenspiel: In naher Zukunft wird ein Rechtsaußen mit der Absicht, einen von ihm ungeliebten, weil provokanten linken Benutzer loszuwerden, eine Spendenkampagne eröffnen, um das führende soziale Netzwerk – der Einfachheit halber nehmen wir an, es sei Facebook – zu kaufen. Befeuert von einem weltweiten überwiegend positiven Medienecho wird das ein riesiger Erfolg: Binnen weniger Wochen ist das übernommene Facebook nicht nur um einen, sondern um viele Benutzer ärmer, denn wenn man schon mal einen Sperrknopf gekauft hat, dann will man ihn auch nutzen. Sehr bald ist freie Rede nur noch eine schwächer werdende Erinnerung in diesem Netzwerk, die verbleibenden Benutzer akzeptieren das aber, denn es war ja immerhin auch ein Provokant unter den Entfernten.

Will man das?

Will man das?

Die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson hat eine Crowfunding-Kampagne gestartet, um genügend Aktien des Unternehmens Twitter zu kaufen, und so Einfluss nehmen zu können. Ihr Ziel: Donald Trump zu verbannen.

Stille wird unterschätzt.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Skinny Puppy – VIVIsectVI

Skinny Puppy - VIVIsectVIIch höre aber auch immer einen Scheiß.

Auf einem meiner Streifzüge durch die Wikipedia wegen eines eigentlich ganz anderen Themas – ich kann niemandem empfehlen, die Wikipedia zu durchstreifen – stieß ich aus Versehen auf die kanadische Post-Industrial-Band Skinny Puppy und bekam urplötzlich Lust, die Tauschbörse meines Vertrauens nach ihr zu fragen. Das erstbeste Ergebnis war deren Album „VIVIsectVI“ (Amazon.de), was, vermutlich, irgendwas mit „666“ zu tun hat, von 1988, und es ist so grauenhaft, dass es mir schon wieder erschreckend gut gefällt.

VX Gas Attack – Skinny Puppy

Tonband- und effektlastige elektronische Tanzmusik, von beteiligten Musikern selbst als „Psychedelic Industrial“ bezeichnet, mit verzerrt vorgetragenen Texten über Naturschutz, Vergewaltigung und Chemiewaffen, als hätten Throbbing Gristle versehentlich mal die falschen Drogen genommen, bricht hier über den sonst jazzumschmeichelten Rezensenten herein.

Was ist das und warum kann ich es nicht einfach wegmachen?

Human Disease (S.K.U.M.M.) – Skinny Puppy

All is a disease. Die Texte, angeblich via Bewusstseinsstrom und somit eigentlich unabsichtlich entstanden, sind mindestens so verstörend wie ihre Verpackung und vielleicht ist das ein Teil der Anziehungskraft, die „VIVIsectVI“ ausübt. Man sollte ja stets den Horizont, den Tellerrand und so weiter zu weiten bereit sein, bis nur noch ein großes Loch übrig bleibt. In so Serien kommt aus großen Löchern ja gern einmal allerlei Ungemach.

Dreams amaze me, time escapes me („Dogshit“).

Man wird ziemlich blöd davon. Auch mal schön.

FotografieMir wird geschlecht
Wenn Sie arbeiten, will ich das Gehalt.

Feminismus in einem Bild:

Gleicher Lohn für keine Arbeit.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Polizei findet Terrorautos in Barcelona

Auf „ZEIT ONLINE“ gibt Karsten Polke-Majewski – prima Name eigentlich – anlässlich der kürzlich erfolgten Anschläge in Barcelona anderthalb gesicherte Fakten bekannt:

Ein (…) Lieferwagen ist (…) in die Fußgängerzone La Rambla in Barcelona gefahren und hat mindestens 13 Menschen getötet. (…) Die Polizei soll zudem ein weiteres Auto gefunden haben, vielleicht sollte es als Fluchtwagen dienen.

Erst fährt ein Lieferwagen von ganz allein irgendwo rein und dann steht irgendwo in Barcelona auch noch ein zweites Auto herum, das vielleicht dem Lieferwagen als Fluchtwagen dienen sollte und vielleicht auch nicht. Die Automobilindustrie schreckt auch vor nichts mehr zurück.

(via @MarvinWendland1)

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt daran die Schuld.

Waffennarretei und Einwanderungskritik, ließ dieser Tage das Essensportal Instagram seine Benutzer wissen, seien selbstredend gern gesehen, aber Fotos fetter Igel würden keineswegs geduldet und ihre Verbreitung führe versehentlich zum sofortigen Ausschluss des Verursachers.

Ob es insofern eine besonders gute Idee ist, Algorithmen statt Menschen über richtig und falsch, über legal und illegal, über den Unterschied zwischen Igelfotos und zum Beispiel Kinderpornografie entscheiden zu lassen, ist eine Frage, die sich unkritisch technikhörige, weil klickhungrige Massenmedien bedauerlicherweise viel zu selten stellen, was nicht nur Unsinn wie Instagram betrifft, sondern auch viel weiter reichende Auswirkungen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewordenen Denkfehlern von Heiko Maas wissen. Bis zur endgültigen moralischen Klärung dieses Problems verbleiben immerhin noch Menschen an den Schalthebeln, denen der Konsens, der so etwas wie eine weltweite Vernetzung überhaupt erst sinnvoll machte, nicht ganz so wichtig ist wie ihr eigener moralischer Standpunkt, weshalb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeilern des Internets rütteln, um das Böse angemessen zu besiegen.

„ZEIT ONLINE“ (unisono mit anderen zeitgenössischen Publikationen) berichtet heute etwa vom Kampf „des Internets“ gegen „die Nazis“:

Wer sich als Websitebetreiber von einem (…) Unternehmen benachteiligt fühlt, kann theoretisch einfach zu einem anderen gehen. Doch faktisch werden viele dieser acht Ebenen von sehr wenigen, sehr mächtigen Unternehmen kontrolliert. Wer ihre Dienste nicht nutzen kann, ist im Netz unsichtbar, schwer erreichbar, angreifbar, geschäftsunfähig.

Der Hintergrund des Artikels ist, dass der verschlüsselungskritische Netzdienstbetreiber Cloudflare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wichtig, dass Domänensperrungen allenfalls auf judikatives Urteil hin erfolgen müssten, auf die Eskalation der US-amerikanischen Scharmützel zwischen alternativen Rechten und regressiven Linken (irgendwas mit einem Auto) dergestalt reagierte, dass er die reißerische Website „Daily Stormer“ aus der öffentlichen Erreichbarkeit entfernte. Derjenige, der diese Entscheidung getroffen hatte, nämlich der Vorstandsvorsitzende von Cloudflare, verteidigte sie zunächst mit der Begründung, dass er die Autoren des „Daily Stormer“ für Arschlöcher halte, veröffentlichte jedoch außerdem einen doppelzüngigen Blogartikel, in dem er zwar zugab, dass Cloudflare hier eingegriffen hatte, um den Verdacht, das Unternehmen unterstütze heimlich Neonazis, zu zerstreuen, es gleichzeitig aber bedauerte, dass Cloudflare das überhaupt könne; als sei der Vorwurf, dass ein für die Neutralität des Internets nicht völlig unwichtiges Unternehmen sich nicht für die richtige politische Seite entscheidet, ein Anlass, ebendiese Neutralität über den Haufen zu werfen.

Ob man nun die Meinungsfreiheit weit genug auslegt, um ihre Ausübung auch „den Nazis“ zuzugestehen, oder nicht, spielt bei der Bewertung des bedeutsamsten Problems in dieser Sache jedenfalls keine Rolle, das da nämlich lautet: Je intensiver „die Nazis“ (oder wer auch immer die aktuell meistverachtete Gruppierung sein mag) weggelöscht werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie irgendwann eine ausreichend große Schlagkraft entwickelt haben, um ihr eigenes unzensiertes Gegennetz aufzubauen; womit sie, „die Nazis“, letztlich gewonnen hätten, denn dem gesundkonsolidierten Wohlfühlinternet, in dem es Einhornkotze und Nutella regnet, stünde ihr Abgrund entgegen, der sicherlich seine Ecken und Kanten haben dürfte, was den Humanismus betrifft, aber nichtsdestotrotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloudflare werden, wenn sich die Netzpolitik in bestehender Weise weiter entwickelt, die Schuld daran tragen, dass die Letzten, die sich noch über ein freies Internet freuen dürfen, irgendwann „die Nazis“ sein werden, während hierzulande in enger Zusammenarbeit mit Übersee die SPD, der bescheuerte Axel-Springer-Verlag und GitHub ihr bedauerlicherweise Bestes tun, um einen schon in der bloßen Theorie fatalen Kompromiss aus globaler Freiheit und kleingärtnerischem Verständnis von Recht und Unrecht zu finden und zu etablieren, notfalls mit juristischer Gewalt. Kann, wem jedes Mittel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Darknet kann man ja auch nicht mehr. Da sind jetzt auch eure Eltern.

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffentlichen Dateiablage!

Applekunden in New York sind erbost:

In New York missbrauchen offenbar Exhibitionisten das AirDrop-Feature und schicken wahllos iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den modernen Exhibitionisten zum Opfer zu fallen, muss AirDrop so eingestellt sein, dass man Daten von jedem Nutzer empfangen kann.

Früher war ein „Opfer“ ja noch jemand, der einen tatsächlichen Schaden davontrug, und niemand, dem Fremde in einen Ordner, den er absichtlich für die ganze Welt zum Schreiben freigegeben hat, irgendwelche Bilddateien legen, aber früher hatten unsere Telefone auch noch Schnur und Scheibe.

In den NachrichtenMontagsmusik
North Sea Radio Orchestra – Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Montag, ein Tag voller Ungemach. Pandabären sind fantastisch, jedoch noch nicht ausreichend verbreitet; ein Zustand, den zu ändern es gilt, so lange das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dominanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, nämlich an den USA, dem Staatenbund mit den smarten Haustüren, völlig unverständlich ist, sind ja auch die Nachrichten. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Menschenmenge fährt, was also offensichtlich nicht so schlimm ist – der Ausruf „Fuck!“ hingegen, den ein Passant angemessenerweise tätigt, wurde überpiept. Tote sind schade, aber Fluchen ist tabu!

Zur gestrigen Feier des Jahrestags des Mauerbaus gab das Auswärtige Amt auf Twitter bekannt, dass es froh sei, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskämen, und hat damit nicht einmal Unrecht, denn die Außengrenzen der EU bestehen vor allem aus Wasser und hohen Zäunen. So fortschrittlich war die DDR nicht.

Die „Frankfurter Allgemeine Woche“ titelte unlängst, keine Droge werde so sehr verharmlost wie Cannabis. Während sich die folgenden Diskutanten weitgehend darüber einig waren, dass die eigentlich furchtbarste verharmloste Droge Alkohol sei, saß ich total high mit der einzigen Droge herum, deren Glücksgefühl schon ab der Geburt legal zu erzielen ist: Musik.

North Sea Radio Orchestra: Vishnu Schist [Official Video]

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hundredth – Rare

Zu den angenehmen Überraschungen des Jahres 2017 zählt nunmehr auch das neueste Studioalbum „Rare“ des US-amerikanischen Shoegaze-Quartetts Hundredth (Amazon.de). Im Klanggewand der 80-er Jahre entfaltet sich eine erfreulich breitwandige musikalische Landschaft, auf der das Gras nicht bloß grün, sondern auch noch voller wild sitztanzender, vielfarbener Kühe ist.

Das ist so natürlich Quatsch, geschrieben im Überschwang. Fest steht aber, dass die mir bisher unbekannten Hundredth, sich laut Internet mit „Rare“ musikalisch neu erfindend, das Kunststück schaffen, grauenhafte – ich höre tatsächlich Placebo und die Pet Shop Boys heraus – Einflüsse zu im positiven Sinne bemerkenswerter Musik zu kombinieren.

Hundredth – Youth (Visual)

Das kann daran liegen, dass die dekadenüblichen Spielzeugkeyboards auf „Rare“ keine nennenswerte Rolle spielen, denn stattdessen gibt es mal aggressive, mal überzeugt hüpfende, oft mehrschichtige Gitarrenklänge zu kraft- und damit druckvollem Rhythmus aus selbstsicherem Bass und erfreulich wenig zurückhaltendem Schlagzeug; post-hardcore nennt sich das in den einschlägigen Werbetexten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave kreisen hier neugierig in immer engeren Kreisen umeinander, die Stimmung ist eigenartig; die Dichte fördert Melancholie, die Darbietung jedoch animiert verschiedene Körperteile des Konsumenten zur autarken Bewegung. Kann man bedrückt sitztanzen? Ich versuche es einfach mal.

Hundredth – Neurotic (Official Music Video)

„Rare“ ist ein fraglos im dunklen Jahrzehnt verwurzeltes Album, das trotzdem modern klingt und Spaß macht – wahrlich: so was ist selten. Und deswegen ist es gut.

In den Nachrichten
Braunschweiger Neuland

Das Digitalisierungsunternehmen Deutsche Telekom macht sich um die Zukunft der Telefonzellen kaum Sorgen, denn diese haben gegenüber diesen neumodischen Mitnahmetelefonen einen wesentlichen Vorteil, wie die heutige „Braunschweiger Zeitung“ berichtet:

„Immer mehr Menschen benutzen statt Telefonzellen ihr Handy. Gerade im ländlichen Bereich verlieren viele Telefonzellen deshalb an Bedeutung“, erklärt Telekom-Sprecher McKinney. Dabei kann so eine Telefonzelle mehr als gedacht: „Unsere Münzetelefone (sic) akzeptieren noch D-Mark-Münzen.“

(via @freshmango)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Googles eingebildetes Frauenproblem

In der Reihe der Technikorganisationen, in denen ein zersetzendes Klima herrscht, seit Krawallfeministen allerlei Geschlechts die Ansicht durchzuboxen versuchen, ein kuscheliges Miteinander sei in der EDV mindestens genau so wichtig wie, vermutlich aber noch weitaus wichtiger als Produktivität (denn gegenseitiges Verständnis dafür, wenn man sich heute geschlechtsmäßig als Apache-Kampfhubschrauber fühlt, hat einem Unternehmen gefälligst mehr zu bedeuten als dass man deswegen heute leider nicht produktiv arbeiten kann #aufschrei), steht nach dem Tor-Projekt und GitHub jetzt, wie man liest, auch Google.

Google, eines dieser Unternehmen, die stolz einen „Code of Conduct“ vor sich hertragen und natürlich eine eigens für Diversität zuständige Vizepräsidentin überbezahlen, als sei Geschäftserfolg zweitrangig, versucht gerade einen Sturm im Wasserglas zu überwinden, nachdem einer seiner Angestellten, der in einem internen Schreiben die Ansicht vertrat, dass Frauen in der EDV nicht völlig grundlos unterrepräsentiert sind, sondern womöglich einfach naturgemäß andere Interessen haben, womit der Wunsch Googles, Frauen aktiv zu fördern, letztlich Männer diskriminiere, als Beweis dafür, dass er damit völlig Recht hatte, der Arbeitslosigkeit übergeben wurde.

Ich meinerseits halte ja – anders, als der Feminismus, den andererseits eine Unterrepräsentierung in mies bezahlten Handwerksberufen augenscheinlich keineswegs zu interessieren scheint, denn „Geschlechtergerechtigkeit“, also leistungsunabhängig hohes Gehalt, soll es bitteschön nur dort geben, wo genug Nettogeld reinkommt, es gern hätte – nach wie vor sehr viel vom Verdienstprinzip. Wer scheiße programmiert, der ist auch dann jemand, der scheiße programmiert, wenn er ein gefälligst wertzuschätzendes Geschlecht hat und/oder zu haben glaubt. Daran ändert auch ein Verhaltenskodex bemerkenswert wenig. Ein Geschlecht zu haben ist noch kein sinnvoller Beitrag für die Gesellschaft. Selbstredend ist die mediale Rezeption seitens fachferner Autoren eine andere: Im „Tagesspiegel“ zum Beispiel behauptet Oliver Voss von vornherein, Informatik sei einst Frauensache gewesen, als bestehe zwischen dem Umstand, dass für das Programmieren von Computern in deren Frühzeit, also in den 1940-er Jahren, kaum lebendige, nicht gefangene und nicht anderweitig beschäftigte Männer zu finden waren, und dem Fakt, dass gerade ein Weltkrieg stattfand, keinerlei Zusammenhang. Frauen hatten eben nicht besonders viel zu tun und waren auch eher ungern an der Front.

Dabei scheint der ursprüngliche Fehler, der bei Google (und so weiter) gemacht wurde, allein der zu sein, das Geschlecht überhaupt zu einem entscheidenden Kriterium für irgendetwas gemacht zu haben. In einer Welt, die Geschlechtergrenzen einreißen soll (es gebe, sagt man, sowieso unzählbar viele Geschlechter), ist der Versuch, ein bestimmtes Geschlecht stärker aktiv einzubinden als ein anderes, ein moralischer Rückschritt, der sich ins linksregressive Narrativ der Zeit zwar harmonisch einfügt, dessen Folgeschäden jedoch unabsehbar bleiben.