Archiv für die Kategorie ‘und so’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

MontagsmusikSonstiges
Bent Knee – Terror Bird // Lügenhumanismus

Montag (Symboleule)Es ist Montag. Kein Panda, stattdessen Präsidenten: Donald Trump hat in Davos von „Lügenpresse“ gesprochen und die öffentlich-rechtliche ARD hat diesen Vorwurf für sich selbst sogleich bestätigt. Das ist angesichts der horrenden Gebühren für diesen Fernsehstuss immerhin angemessen ehrlich.

Spannender ist allerdings das Inland: In Berlin haben ein paar geschichtsvergessene Schwachköpfe beschlossen, dass eine Auflistung von Personen und Dingen sexistisch sei und daher getilgt gehöre. Eine Zeitlang habe ich mich gefragt, wieso ausgerechnet in Berlin offenbar so viel Idiotie auf so engem Raum zu finden ist, auf „WELT ONLINE“ fand ich jedoch vorgestern einen eher berlinzentrischen Artikel, in dem der wahre Satz steht, für „Mainstream“ bekomme man „keine Retweets, keine Hashtags, keine Demonstrationen“ und müsse schon deswegen die Welt mit Dingen nerven, die an irgendeinem soziokulturellen Rand liegen, um aufzufallen. Lästigkeit als Antwort auf nicht gestellte Fragen unserer Zeit – prima Stadtmotto eigentlich.

Eine Lösung für das Langeweileproblem könnte man unbedarft in der Politik suchen, aber die Politik redet sich mit Humanismus heraus. Es gibt mittlerweile tatsächlich mehrere miteinander konkurrierende Parteien, die den Humanismus als Leitlinie übernommen zu haben behaupten. Das ist selbstverständlich Unsinn: Parteipolitik widerspricht Humanismus schon aufgrund ihres taktisch fraglos sinnvollen Anspruchs auf Allgemeingültigkeit, denn zu gelebtem Humanismus gehört immer auch die Frage, ob nicht vielleicht der Gegner weniger Unrecht hat als man selbst. Eine politische Partei, die sich in einem Wahlkampf, in dem sie ihre eigenen Ideen als die einzig sinnvollen herauszustellen versucht, humanistisch nennt, belügt diejenigen, die sie wählen sollen, von vornherein entweder aus Dummheit oder mit Absicht und sollte sich schämen.

Dummheit erklärt in der Politik aber manches: Seitens der EU sollen demnächst Uploadfilter vorgeschrieben werden, auf dass das Hochladen von vermeintlich urheberrechtlich geschütztem Zeug automatisiert abgewiesen werden kann. Ich halte das für eine gewohnt seltsame Idee und empfehle eine Unterstützung gegnerischer Aktionen. Während man dies tut, kann man ja Musik hören.

Zum Beispiel diese:

BENT KNEE – Terror Bird (Live at The Record Co.)

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik CXI: „Jolie“ und der Fickverdienst

Der Zufall und mein wahrscheinlich erschreckendes, wenn auch zynismusgetriebenes Vergnügen an dem, was Zeitschriftenmacher offensichtlich für frauentypische Zerstreuung halten, ließen die noch aktuelle Februarausgabe der selten langweiligen Zeitschrift „Jolie“ in meinen Besitz geraten.

Passend zum aktuellen Weltgeschehen beschäftigt sich diese Ausgabe des Magazins mit sexuell motivierter Unterdrückung von Menschen, was auf dem Titelbild, das ich aus Pointengründen diesmal erst später hier zu zeigen beabsichtige, jedoch nicht sofort zu erkennen ist: Die sich räkelnde, erschreckend unbekleidete Dame namens Rita Ora, über deren Tun ich mich zu informieren gerade nicht ausreichend interessiert bin, wird vor allem von den Schriftzügen „Happy Fashion – 351 Teile, die sofort glücklich machen“, „Der Detox Guide (sic!) 2018″ und „Alles, was schlank & schön macht“ umweht. Dass zu letzteren Dingen auch die „Hollywood-Methode“ (ebd.) zählt, hat damit auch noch nichts zu tun: Es geht natürlich um Essen.

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In den NachrichtenNetzfundstückePolitikWirtschaft
Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die University of Oxford hat herausgefunden, dass auch längere Prüfungsdauern nichts daran ändern, dass Frauen – statistisch gesehen – schlechter in Mathematik und EDV als Männer und dafür vermutlich besser in Kuschelwuschel und Knuddelwuddel sind. Vielleicht könnte man das mit einer Quote lösen.


Christopher Lauer hat was in Medien reingevloggt und Hadmut Danisch platzt der Kragen: „Bedingungsloses Grundeinkommen, freie Drogen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?“


Dazu (irgendwie) auch Jan Fleischhauer, der auf „SPIEGEL ONLINE“ feststellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu streiten behaupten, vollends verloren haben.


Was wir von anderen Staaten lernen können: In Indien ist das Internet verstopft, weil dort einander jeder einen guten Morgen wünschen möchte.


Lesenswert: „Wie die FAZ im redaktionellen Gewand die Botschaften ihrer Auftraggeber an den Leser bringt“.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Annexion bitte nur gegen Bares

Im August vergangenen Jahres nörgelte die damalige Bundesregierung anlässlich der Übereignung der Krim an Russland folgendermaßen herum:

Danach werde die russische Annexion der ukrainischen Krim als ein Bruch des Völkerrechts betrachtet, der die europäische Friedensordnung infrage stelle. (…) Staatliche Grenzen müssten akzeptiert werden.

Warum das von der ekligen NATO sicherheitshalber bedrohte Russland fortan übermäßig sanktioniert wurde, wird klar, wenn man aktuelle Nachrichten liest, zu deren Zustandekommen es seitens der Bundesregierung allenfalls ein entrüstetes Schütteln des Zeigefingers zu lesen gab, nämlich zum Beispiel diese:

Israel erweitert laut mehreren ortsansässigen Quellen seinen Einfluss auf das von der Opposition besetzte südliche Syrien. (…) Die Erweiterung der Sicherheitszone kennzeichnet eine Bewegung hin zu einer tieferen Einmischung Israels in Syriens Bürgerkrieg. (…) Israel macht sich nicht nur Sorgen wegen des Irans und dessen Allierten im Libanon, sondern auch um seine Kontrolle über die Golanhöhen. Israel hat das 1.200 km² große Gebiet 1967 eingenommen und hält es seitdem besetzt. Anders als die anderen von ihm besetzten Gebiete hat Israel die Golanhöhen 1981, von der internationalen Gemeinschaft verurteilt, offiziell annektiert.

(Nicht besonders textnahe Übersetzung von mir.)

Während Fefe noch rhetorisch spekuliert, ob die amtierende Bundesregierung wenigstens diesmal auch das israelische Verschieben fremder staatlicher Grenzen sanktionieren würde, habe ich eine Vermutung, warum bei völkerrechtswidrigen Abscheulichkeiten seitens der Türkei und eben Israels von spürbaren Strafen seitens der internationalen Gemeinschaft abgesehen wird: Anders als Russland sind diese Staaten zwar nur mittelmäßig zuverlässige Verbündete, aber wenigstens leidlich zahlungskräftige Kunden.

Daran, dass Deutschland Israel zwecks effizienter Vorwärtsverteidigung auch noch mit Kriegswaffen beliefert, stört die Politik daher auch nicht, dass damit Kriegsdinge getan werden, sondern, was die Innenpolitik des Empfängers sonst so macht: „Es gibt nach wie vor Korruptionsvorwürfe gegen Benjamin Netanjahu und sein Umfeld. Das ist nicht ausgeräumt.“ Seine eigenen Grenzen auf der Landkarte herumzuschieben wäre unter der Bedingung, dass die deutsche Rüstungswirtschaft davon finanziell profitiert, ja völlig legitim, aber bei Korruption hört das Verständnis auf. Da geht es immerhin um Geld!

Braucht Russland eigentlich noch ein paar Panzer?

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Half Past Four – Land of the Blind

Half Past Four - Land Of The BlindUm halb fünf Im Jahr 2016 veröffentlichte die fünfköpfige kanadische Band Half Past Four ihr drittes und bislang letztes Studioalbum „Land of the Blind“ (Amazon.de, Bandcamp). Von sich selbst behaupten die Musiker, sie seien „eine der besten Progressive-Rock-Bands aus Kanada“, was zumindest eine mutige Behauptung ist, wenn man sowohl Rush als auch die diversen Sprosse von Godspeed You! Black Emperor dem Progressive Rock zurechnet, denn dann wird es knapp mit der Bewertung.

Stilistisch sehen sich Half Past Four allerdings sowieso anderswo:

Seit nahezu zwei Jahrzehnten haben sie einen einmaligen Klang entwickelt, der traditionellen Progrock neben anderen mit Folk, Country, Jazz und klassischen Genres verbindet.

In der Tat ist Eintönigkeit hier nicht gegeben. Schon im eröffnenden „Mathematics“ wird die Retroprog-Schiene von Beardfish bis echolyn auf- und abgewandert, von einem offensichtlichen Rückgriff auf Genesis und die unvergessenen Gentle Giant unterscheidet Half Past Four hier fast nur Sängerin Kyree Vibrant, deren Kunst ich allerdings für beachtlich halte.

Half Past Four – Mathematics (Official Video)

Während in „Toronto Tontos“ die Exzentriker von Primus wahlweise zitiert oder persifliert werden, vermag ich das textlich bemerkenswerte „Mood Elevator“ keiner anderen Band zuzuordnen. Sommerlicher Bluesrock’n’Roll, wenn’s denn ein Genre sein muss.

Half Past Four – Mood Elevator (Official Video)

Mit dem Stimmungsfahrstuhl fahre ich erst einmal nach oben. Ich bin erfreut und hoffe auf Fortsetzung.

In den NachrichtenPolitik
Punk ist nicht tot, Punk ist jetzt Sozialdemokrat.

Aus dem trotz der feministischen Grundüberzeugung männlichen Vorsitzenden des Vereins des ältesten Mädchens Berlins, das in kindlich-patzigem Tonfall von sich behauptet, es könne schon deshalb kein Mädchen sein, weil es immerhin seit einer Vierteldekade einer Jugend- und nicht etwa einer Kinderorganisation vorstehe, nämlich der „Jusos“, sprudelt seit gestern wiederholt eine total tolle Idee heraus:

Wer jetzt in die #SPD eintritt, kann in einigen Wochen #Groko oder #NoGroko sagen. Ein schöner Anlass, sich einen Ruck zu geben.

Denn wenn eins die SPD-Führung davon überzeugen wird, dass es eine wenig ertragreiche Idee war, in offenbar selbstmörderischer Absicht den Ausstieg vom Ausstieg zu vollziehen, dann ja wohl eine Schar neuer Beitragszahler infolge dieser Idee!

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Hammock – Clarity // 44 Prozent rational.

EulmeldungEs ist Montag. Durch Deutschland sollte etwas gehen, am besten ein Pandabär, denn Pandabären sind eine wertvolle Ergänzung für jede Gesellschaft; zumal eine Gesellschaft, der der kritische Rationalismus völlig fehlt, den Menschen kein Gewinn sein kann. Mehr Karl Popper (und mehr Pandabären) wagen!

Kein Wochenende ohne Politikschmerzen: Die SPD hat „gewählt“ und zu 56 Prozent kein Interesse mehr an ihrem eigenen Geschwätz von gestern. Wenn die 44 Prozent Restbehirnten in der SPD zur nächsten Bundestagswahl eine eigene Partei gründeten, könnten sie, wie ich vermute, anschließend ohne Zweifel die Regierung führen. Tun sie das nicht, dann sind auch sie schuld an dem, was kommt. Dass Martin Schulz zwecks Anregung von Zugehörigkeitsgefühl irgendwas über ein „sozialdemokratisches Europa“ delirierte und dabei ignorierte, dass „Sozialdemokratie“ in ganz Europa niemand mehr so wirklich irgendwo hinwählen will, ist ziemlich sprechend. – Es ist erwiesen: Berlin macht doof. Ob da ein Zusammenhang besteht?

Ein Blick ins Ausland: In Großbritannien ist die beim Bumsen meistgenannte Person angeblich Donald Trump. Die Menschen haben Geschmack. Im anderen Ausland, in Thüringen, sind sich Medien derweil unsicher, ob man bei einem Verhältnis von 76 zu 75 nun von einer Mehrheit oder einer Gleichheit reden sollte; entschieden hat man sich überwiegend für zweitere Formulierung, was journalistisch bestimmt irgendwie begründbar ist.

Es ist Montag und damit ist es Zeit für Musik. Döpdapdöpdöppieps! Ansonsten hören wir doch einfach ein wenig Hammock.

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Parlamentarische Rachedemokratie

Woher kommt es eigentlich, dass die AfD immer noch nicht verschwunden ist, sondern auch weiterhin Zuspruch erhält? Nun, vor allem an der Irrationalität, mit der ihre Gegner ihr eigenes Verhalten einschätzen.

Dass der Bundestag ein Arbeitsparlament ist, ausbleibende Anwesenheit also nicht zwingend etwas mit fehlendem Arbeitswillen zu tun hat, weil die wesentliche Arbeit, die über Abstimmungen hinausgeht, ohnehin in anderswo tagenden Gremien stattfindet. Die landläufige Vermutung, dass Politiker sich erst selbst das Gehalt erhöhen und dann nicht mal etwas dafür tun wollen, weil sie im Bundestag häufiger mal fehlen, ist also nicht zwingend zutreffend. Trotzdem wäre es verfehlt, sie hier vor der Skepsis ihrer Bürger zu bewahren, denn abgesehen von ihren alltäglichen Verfehlungen, nämlich zum Beispiel der, dass sie es für irgendwie wählergewollt halten, wenn sie sich nicht für die Interessen ihrer Wähler, sondern für ganz andere Dinge einsetzen (ehemalige Piratenwähler, die mit ihrer Stimme statt zur Verbesserung deutscher Netzpolitik Ressourcen für Pamphlete zugunsten von Gratisgeld und Posexparaden verschwendet haben, kennen das zur Genüge), was mich fragen lässt, ob der Verbraucherschutzbund sich nicht bei Gelegenheit mal mit den Werbeversprechen von Parteien befassen sollte, gibt es manchmal auch diese ganz konkreten Ärgernisse des politischen Alltags, die daran zweifeln lassen sollten, ob eine Expertokratie nicht doch die bessere Staatsform wäre.

Gestern nämlich „berichtete“ unter anderem „SPIEGEL ONLINE“, dass die AfD sich des seit über einem halben Jahrhundert SPD-erprobten „Tricks“ bediente, die Geschäftsordnung des Bundestages gelesen zu haben:

Eine Sitzung des Bundestags musste am späten Donnerstagabend abgebrochen werden. Grund war ein AfD-Antrag.

Nein, der Grund war, dass die anwesenden Parlamentarier gegen die Geschäftsordnung verstoßen wollten, der Auslöser war ein Antrag; aber Sprache liegt nun einmal nicht jedem, der was in Qualitätsmedien reinschreiben darf. Der Antrag bat eigentlich nur um Verifikation:

Der Bundestag musste am späten Donnerstagabend eine Sitzung abbrechen, weil das Plenum wegen zu wenig anwesender Abgeordneter nicht beschlussfähig war. Die Nachzählung, den sogenannten Hammelsprung, hatte die AfD-Fraktion verlangt.

Dass der Fraktionsvorsitzende der AfD den Antrag als „Rache“ für eine zuvor erfolgte Nichtwahl eines AfD-Mitglieds in irgendein Gremium, war zwar ein rhetorischer Schuss in den eigenen Fuß, aber wenn der Bundestag aus Rache nach Geschäftsordnung und nicht regelwidrig arbeitet, dann sollte das eigentlich für niemanden ein Problem darstellen, was vor allem dadurch bestätigt wird, dass einige unangenehme Gesetze – zuletzt das „NetzDG“ – bei Anwesenheitsprüfung vermutlich nicht so schnell Realität geworden wären.

Tut es aber doch. Beispielhaft greife ich mir Thomas Mockenhaupt, sonst nicht weiter bemerkenswerter SPD-Mitarbeiter, heraus, der diese „Rache“ folgendermaßen betwitterte, woraufhin in ebenjenem Medium eine erhitzte Debatte entbrannte, die im Konsens ausbleibende Anwesenheit bei Abstimmungen mit Arbeitsverweigerung gleichsetzte, weshalb sie hier nicht weiter von Belang sein soll:

Dieser billige Kirmestrick der Rechtsextremen ist ein guter Beweis, dass es denen nicht um ernsthafte Politik, sondern nur um Klamauk und das Untergraben der Demokratie geht.

Mit einer Demokratie, die „untergraben“ wird, indem ihre Legislative sich an ihre selbst auferlegte Geschäftsordnung zu halten gebeten wird, ist es nicht weit her, möchte man meinen. Wir sind der Souverän, wir haben die da hingesetzt.

Wo bleibt eigentlich die Revolution?

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz verlinkt: „Alexa, mach etwas völlig anderes!“

Unhörbare Sprachsteuerung war gestern, heute ist Sprachmodifikation:

Aus einer vorhandenen Audiowellenform können Forscher jetzt eine quasi identische Version erzeugen, die Spracherkennungsprogramme etwas völlig anderes transkribieren lassen.

(Übersetzung von mir.)

Was könnte da schon passieren?


Nachtrag vom 21. Januar: Amazons Sprachassistentin gibt jetzt Widerworte und bezeichnet sich als Feministin. So was stellt man sich doch gern ins Wohnzimmer.

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld IV: Wie Geld, nur defekt.

Am 2. Januar 2018 veröffentlichte Pseudonymus „Mr. Money Mustache“ einen trotz des Namens recht lesenswerten kritisch-analytischen Blogartikel, in dem er wie viele andere vor ihm schlüssig aufzeigte, wieso der frei erfundene „Wert“ eines Bitcoins schon daher überzogen ist, weil der Betrag, der neben „BTC in USD“ steht, erst mal von irgendwem bezahlt werden müsste, um nicht bloß in einer Sackgasse zu enden. (Dass der Autor bei der Bildbeschreibung Twitter und reddit miteinander verwechselt, sei ihm verziehen.) Es sei der Neid der Besitzlosen der Antrieb des Autors und seiner Mitmeiner, unkte es hierauf in den Kolumnen, denn wenn Bitcoin wirklich eine solche Blase wäre, wäre es längst geplatzt.

Zur allgemeinen Überraschung stellte sich nur wenige Tage später heraus, dass der frei erfundene „Wert“ eines Bitcoins auch nach unten gehen kann. Das Wehklagen war groß, manche setzten für dieses Spielgeld immerhin ihre Existenz aufs Spiel, verbitten sich aber auch aus der Gosse heraus noch die Behauptung, sie hätten sich „verzockt“: Auf reddit wird seit Tagen gemahnt, dass, wer verkaufte, das schon bald bereute. Das kennt man noch von der Immobilienblase vor ein paar Jahren: Alles Feiglinge, das. HODL, prost! Dass mit dem Bitcoin, für dessen Fall wirtschaftlich naive Meinungsmedien unter anderem China verantwortlich machen, das das „Schürfen“ von Spielgeld angeblich erheblich zu sanktionieren gedenkt, auch alternative „Währungen“ wie Ripple große Kursverluste hinnehmen mussten und müssen, die man überhaupt nicht „generieren“ kann, weil es alle „verfügbaren“ Einheiten bereits gibt, sagt über das Finanzverständnis derer, die das Spiel begeistert mitgespielt haben, mehr aus als über diejenigen, die als Ewiggestrige und als Büttel des Finanzsystems verschrien werden.

Es sei, befand der Nachtwächter, sehr sprechend, dass diejenigen, die das Geldsystem ersetzen wollen, sich vor allem Sorgen darüber machen, dass ihr Spielgeld nicht mehr so viel rückständiges Echtgeld „wert“ ist. Die Revolution will heim zu Mutti.

Es nennt sich Kommunist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bürgerliche Existenz sichert.
Nicolás Gómez Dávila

In den NachrichtenPolitik
Kurz angemerkt zur jüngsten Sonntagsfrage

SPD in Umfrage bei 18,5 Prozent – wenn das Guido Westerwelle wüsste!

Tage wie diese – Die Toten Hosen (Official Video)

In den Nachrichten
Was am Wochenende nicht passiert ist.

Auf „T-Online“ wird „berichtet“:

Ein Passagierflugzeug der türkischen Fluglinie Pegasus ist bei der Landung im nordtürkischen Trabzon von der Piste abgekommen und fast ins Schwarze Meer gestürzt. (…) Auch Pegasus teilte mit, die 162 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder seien bei dem Vorfall am Samstagabend nicht verletzt worden. Der Sender CNN Türk berichtete: „In Trabzon fehlten 25 Meter bis zur Katastrophe.“

Mir fehlten indessen noch ungefähr 25 Hände und Stirnen für eine angemessene Reaktion. Wieder knapp am Rekord vorbei – fast!

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Bombaim & La La La Ressonance – Kin

Ich seh schwarzEs ist Montag. Bim bim bim! Für ein paar Lacher eignet sich jeder Philosoph, tiefer muss man ja nicht bohren. Gott ist tot und man selbst kommt heute auch nicht so recht aus dem Bett.

In anderer Hinsicht sollte man wachen Auges sein: Antivirusfirmen haben Microsoft verklagt, weil die Sicherheitsmaßnahmen von Windows Vista sie nicht mehr in den Kernel gelassen haben. Das Problem mit der Computersicherheit, das sei ergebnisoffen festgestellt, ist offensichtlich nicht, dass die Leute keinen Virenscanner einsetzen, sondern, dass sie diesen Firmen immer noch Geld (oder wenigstens Reklameeinnahmen) bezahlen wollen.

Zu jedermanns Lieblingsthema, der Innenpolitik, gibt es leider Neuigkeiten zu vermelden: „CSU-Landesgruppenchef Dobrindt“, heißt es beim Deutschlandfunk, habe den SPD-Vorsitzenden aufgefordert, „die Kritik an den Sondierungsergebnissen zu beenden“ – die sollen froh sein, überhaupt mitregieren zu dürfen! Gute Nachrichten derweil aus Großbritannien: Die Insel wird Europa geografisch nicht verlassen, versprach Minister David Jones.

Gibt’s doch nicht? Doch, es gibt anscheinend alles schon: Um ein Problem zu lösen, habe ich am Wochenende ein Programm geschrieben. In einem Forum wurde ich sodann darauf hingewiesen, dass dieses Problem schon vor Jahren viel besser gelöst wurde. Bestimmt gibt es dafür auch eine Moral oder dergleichen.

Was es aber niemals zu geben aufhören sollte: Musik.

Black Bombaim & La La La Ressonance – "Kin" (B1)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Bardo Pond – AcidGuruPond

Bardo Pond - AcidGuruPondVor inzwischen über vier Jahren befand ich das Album „Peace on Venus“ der US-amerikanischen Band Bardo Pond für unbedingt hörenswert. Danach hatte ich selbst die Gruppe zu meinem Bedauern ein wenig aus den Augen (und Ohren) verloren.

Eher zufällig lief ich daher unlängst ihrem 2016er Album „AcidGuruPond“ (Bandcamp, Amazon.de) quasi über den Weg, das eine – wenn auch nicht die erste – musikalische Zusammenarbeit mit den landesüblich verrückten Japanern Acid Mothers Temple und der Krautrockkonstante Guru Guru ist und genau so klingt, nämlich wie das, was man sich wohl vorstellte, sollte man sich eine drogenumwölkte Geistesreise vorstellen.

Das Album ist weitgehend instrumental, der effektgeladene seltene Gesang eher eine zusätzliche Tranceschicht; auf die Ohren gibt es kosmischen Kraut (klar: Guru Guru) und jede Menge Psychedelia zwischen Hippiegitarre („Purple“) und Drones („Blue“). Dass die fünf Stücke wie Farben heißen, passt ausgezeichnet, denn wie ein Kaleidoskop projiziert sie herrliche Bilder in den Verstand.

Bardo Pond ‎- Acid Guru Pond

Bardo Pond sind inzwischen weitergezogen, im Februar wird ihr neues Album „Volume 8“ veröffentlicht werden und ihr gleichfalls famoses Nebenprojekt Curanderos war auch nicht untätig. Ich allerdings verweile noch etwas, bin erfreut und empfehle.

In den NachrichtenPolitik
Abschließend angemerkt zum Sondierungsergebnis von CDU, CSU und SPD

Zur langweiligsten Regierung der Nachkriegszeit sei unter Berücksichtigung meines Versprechens, die gähnende Leere nicht mit weiteren Worten zu belasten, einer- und der überraschenden Erkenntnis, dass in einer rechtspopulistischen Regierungskoalition „linke“ Gedanken nicht zu haben sind, andererseits in Bezug auf die absehbare weitere Entwicklung der Umfrage- und letztlich Wahlergebnisse nur mehr die Fraktionsvorsitzende der SPD gewissermaßen als Menetekel zu zitieren und zu zeigen.

Andrea Nahles: Bätschi!