Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMusik
Musikindustrie beklagt erfolgreiche Werbung durch sich selbst und ist empört.

Wie man eine Studie gründlich missversteht, erklärt heute mal wieder die Musikindustrie (nur echt mit typischen heise-Sätzen wie „In Schwellenländern wie Mexiko oder Brasilien sowie in Südkorea und Italien lauschen über zwei Drittel der Onliner zu Songs auf dem Handy“, was auch immer der letzte Teil des Satzes grammatikalisch überhaupt heißen soll):

82 Prozent der Besucher des Videoportals (YouTube, A.d.V) nutzen die Plattform, um sich Musik-Clips anzuschauen und Songs zu hören. (…) 58 Prozent [von ihnen] stoßen dort auf musikalische Neuentdeckungen. (…) Für die Labels wird damit deutlich, dass die Gratis-Services zunehmend als Alternative genutzt werden, um nicht für Musik bezahlen zu müssen.

Oder eben auch, dass die kostenlose Werbung ganz gut funktioniert, nicht?

Ich selbst habe auf YouTube schon manchen Künstler „entdeckt“, der sonst meiner Aufmerksamkeit völlig entgangen wäre, was schade gewesen wäre. Allerdings ist das Phänomen, dass es – Panik! Panik! – Musik kostenlos im Internet zu hören gibt, kein neues: Als ich noch jünger war, hörte ich in neue Musikalben lieber via Napster (später: Audiogalaxy, KaZaA, bis heute: eMule) hinein als mich hinterher über einen Fehlkauf zu ärgern. Taschengeld und Musikverschwendung passen nicht so gut zueinander. Seitdem hat sich viel geändert: Ich kann mir heute mehr Musik leisten als früher, „muss“ es aber seltener.

Was der Pionier Myspace einst etablierte, nämlich Platz für Musiker, die ihre Werke kostenlos der Öffentlichkeit zum Anhören zur Verfügung stellen wollten, ist heute vor allem dank Bandcamp so beliebt und vielgenutzt wie nie zuvor. Diese Loslösung von klassischen Vertriebswegen – mithin auch: von YouTube, denn die dortige Tonqualität hält sich doch meist in engen Grenzen, was die Aufregung über YouTube noch anachronistischer scheinen lässt als sie es ohnehin ist – bedeutet auch einen Wechsel der Paradigmen und mehr Freiheiten (sowie geringfügig mehr Pflichten) für die Musiker selbst. Manche lassen ihre Alben im Voraus von ihren fans bezahlen („Crowdfunding“), manche stemmen diese Bürde selbst, verlassen sich aber dafür hinsichtlich der Werbung auf die crowd, die über Musikblogs wie Schallgrenzen, Nicorola und 33rpmPVC ihren Teil dazu beiträgt, dass geile Musik auch geile Aufmerksamkeit erfährt. Die wesentliche Rolle einer Plattenfirma, Finanzierung und Vermarktung nämlich, füllt heute ein Musiker, der technisch versierte Freunde oder selbst ausreichend viel Interesse am Thema hat, dank der verdammten Digitalisierung bei Bedarf gänzlich allein aus.

Das Internet, diese Tod und Unglück bringende Hydra, ist insofern natürlich ein Feind der Plattenfirmen; den sie indes nicht schlagen können, so sehr sie es auch versuchen. Das haben sie zum Teil bereits erkannt, immerhin unterhält unter anderem Vevo (eine Partnerschaft zwischen, Sony Music „Entertainment“ und der Universal Music Group) außerhalb der Einflusssphäre der GEMA jeweils einen gut gefüllten YouTube-Kanal für eine ganze Menge an reichen, schönen, berühmten und teilweise nicht völlig üblen Musikern aus dem eigenen Portfolio und Lizenzverträge mit den einschlägigen Streamingdiensten, die sich insbesondere dadurch auszeichnen, dass die Musiker noch weniger Geld dafür bekommen als es ohnehin bereits der Fall ist, tun ihr Übriges. Die Musikindustrie fand nun also überrascht heraus, dass dadurch, dass sie kostenlos Musik zur Verfügung stellt, viele Menschen diese kostenlose Musik auch hören, ohne etwas dafür zu bezahlen. Wenn das doch nur jemand geahnt hätte!

Entfiele YouTube, entfiele also nichts als ein weiterer Vertriebsweg. Für das Gros der fiesen Verbrecher vor dem Bildschirm, die diesen Vertriebsweg als potenzielle Kunden gern weiterhin beschreiten würden, würde sich allenfalls ein digitales Lesezeichen ändern, für die Lizenzinhaber aber wird sich die fehlende Möglichkeit der Gratispropaganda über YouTube mit ziemlicher Sicherheit sehr unangenehm auf die Bilanzen auswirken.

Im Originalartikel heißt es weiterhin:

Nutzerrechte müssten aber so gestaltet sein, dass sie nicht Geschäftsmodellen Vorschub leisteten, „die letztlich nur schmarotzen und die Kreativen und ihre Partner nicht an den Einnahmen partizipieren lassen“.

Zum Beispiel dem der Musikindustrie, die ihren Künstlern, wenn es ganz blöd kommt, ungefähr 4,5 Prozent von den Einnahmen eines Albums abgibt. Für Musik bezahlen, geht es nach ihrem Willen, also vor allem diejenigen, die sie überhaupt erst aufnehmen.

Der Tod der Musikindustrie wird ein rettender sein. Stoßen wir darauf an!

(via Schwerdtfegr)


Meine diesjährige Kandidatur blieb erwartungsgemäß hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht hätte ein anderes Wahlkampfmotto geholfen: Wählen Sie mich bloß nicht!

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Paolo Conte – Via con me // Total versifft!

kaffeeEs ist Montag, das ist selten ein gutes Zeichen. This is penis. In Niedersachsen wurde gewählt, die CDU hat gewonnen. Bringt ja eh‘ nix. Die da oben. Was sie wollen. Immer.

In den letzten Wochen kochte zum wiederholten Male ein Thema hoch, das ich für zum wiederholten Male begraben hielt: Auf Twitter gibt es Trolle. Doch, wirklich! Wie gewohnt werden pseudonyme Prangerseiten erstellt, auf denen sich irgendwelche Würstchen darüber aufregen, dass Selbstdarsteller und gewaltbegeisterte Feministinnen, die sich auf Twitter, auf YouTube und/oder in ihren Blogs fortwährend im Glanz ihrer eigenen Großartigkeit zu sonnen versuchen, für ihre oft dümmlichen Aussagen auch mal ausgelacht und nicht nur ausgiebig verehrt werden. Da habe sich, erzählt die Gegenseite, eine homogene Gruppe von Leuten zusammengeschlossen, um sich auf Einzelne einzuschießen, ohne dass diese ihnen etwas getan haben; leider kam ich bei meinen eigenen Recherchen nicht besonders weit, denn viele der beteiligten Accounts haben mich blockiert, ohne dass ich ihnen etwas getan habe, denn bei den Guten gibt es eigene Prangerlisten, erstellt von sehr merkwürdigen Feministinnen wie Randi Harper und Jasna Strick, auf denen ich mitunter selbst draufstehe, weil ich mit den falschen Leuten nicht jede Kommunikation unterlasse oder so ähnlich. Und diese Guten, die unkritisch fremde Hasslisten abonnieren, beschweren sich dann, dass ihnen nicht jeder für ihr selbstgerechtes Geschwalle den Arsch pudert, unterstützt von den Medien, die sich ja immer wieder freuen, auf der Seite der Gerechtigkeit mal mit ihrem Holzschwert fuchteln zu dürfen; um dann, wenn sie entlarvt wurden, natürlich von nichts mehr zu wissen zu meinen. Ist ja alles bloß Internet.

Wenn dieses Internet und Linux aufeinander treffen, fallen Späne: Eine Linux-Malware greift aktuell IoT-Geräte wie IP-Kameras mit veralteter Firmware an. Ist ja Linux, ist ja sicher.

Chips, Chips; sie und ein Seufzen.

Paolo Conte – Via con me

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Apple klinkt sich aus.

Als ich noch jung und ein bisschen blöder war als heute, war die Welt der Steckverbindungen für Tontechnik eine einfache: Kopfhörer und Lautsprecher hatten einen DIN-Stecker, der auf exakt eine Weise in die dafür vorgesehene Buchse gepasst hat, und wenn man es mit „sanftem“ Druck auf eine andere Weise versucht hat, war der Stecker und damit das Gerät in der Regel hinüber. Zudem war der DIN-Stecker ein rein deutsches Phänomen, Audiozubehör zu importieren war also nur bedingt sinnvoll. Etwas später hatten sich neben den Cinch- die heute noch immer üblichen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker durchgesetzt, die eine willkommene Verbesserung, auch und gerade bedientechnisch, darstellten: Sie passen in jedem Drehwinkel in die dafür vorgesehene Buchse, haben auch im Ausland (sofern man mal dort sein muss) eine ausreichende Verbreitung, nehmen deutlich weniger Platz weg und sind prinzipiell, notfalls in der 2,5-Millimeter-Ausführung, auch bei geringem freien Platz meist noch problemlos einzuplanen. Das ging jetzt jahrzehntelang gut; kaufte man einen neuen Kopfhörer, so passte sein Stecker in der Regel überall hinein, und war der Widerstand niedrig genug, klang er höchstwahrscheinlich auch überall gleichermaßen prima.

Ein Sprung ins Jahr 2016. Auf dem Appleblog SPIEGEL ONLINE (jetzt noch hässlicher) freut sich Matthias Kremp derzeit darüber, dass Apple bei seinem heute mit gewohnt großem Getöse, als habe man versehentlich Krebs geheilt, vorgestellten „neuen“ iPhone – jetzt auch in Diamantschwarz, wie man sich Diamanten eben so vorstellt – die Kopfhörerbuchse weglässt und stattdessen voll auf den hauseigenen, proprietären Lightningport sowie Bluetooth setzt. Als Musikfreund und Appleskeptiker finde ich das wenig überraschend, aber zumindest dieses Kommentars wert.

Wer brauche schon noch Audiokabel?, fragte mich hinsichtlich meiner Irritation über die Aufgabe des Quasistandards ein von Musik und Apple gleichermaßen überzeugter Arbeitskollege. Und rein theoretisch implizierte er das Richtige: Apples ersatzweise herausgebrachte Funkohrstöpsel, Batterielaufzeit fünf Stunden und somit nur was für Leute, denen die Berieselung eigentlich auch scheißegal ist, kosten nur lächerliche 160 US-Dollar, Apple legt seinen Lebensstil-gadgets einen Adapter für die Lightning-Schnittstelle bei, die nur für Applegeräte sinnvoll ist, und Bluetooth wird, den Datenverlust bei kabelloser Übertragung betreffend, auch immer besser; man muss nur beide Geräte in Sichtweite bringen, miteinander koppeln und schon, mit etwas Glück, funktioniert es. Das ist viel besser als einfach „Stecker rein und los“.

Spätestens 2017 wird es, den Medien zufolge, keine Kopfhörer mit Klinkenstecker mehr geben, proprietäre und komplizierte, verlustbehaftete Datenübertragung ist die Zukunft, Kinder. Merkt ja eh‘ keiner, den Unterschied.

Oder eben ein Schritt um Jahre zurück.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Blues Pills – Lady in Gold // Populismus vor Pommern

Montag (heute mal so)Es ist Montag. Kaum hat man sich, sich noch schlaftrunken in ihrer Nähe wähnend und von diesem Montag daher zumindest vorübergehend positiv beeindruckt, aus dem Bett geschält, treffen schon die ersten Schreckensnachrichten über einen herein: Die rechtspopulistische SPD hat in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag mehr Stimmen erzielt als es zu wünschen gewesen wäre, während die dortigen Grünen für fortwährende Beleidigung der Intelligenz ihrer Wähler mit dem Rauswurf bestraft wurden. Das Volk ist ein schlichtes, wie es scheint, folgerichtig hat auch die AfD an Bedeutung gewonnen. Die Kinder üben schon die ersten Anschläge. Alles Nazis? Mitnichten; und eine Lösung gibt es auch: Statt sich als eine der Parteien hervorzutun, die sich zusammentun, um einander die Finger in die Ohren zu stecken, wäre es zuweilen vermutlich nicht völlig verkehrt, den Ursachen für eine Radikalisierung des Wählers eine bürgernahe Politik entgegenzusetzen, statt die Vorbringer etwaiger Bedenken pauschal zu beschimpfen und sich ihrer Wünsche an die Politik in der Folge nicht weiter anzunehmen. Die AfD verdankt ihre Wahlergebnisse vor allem den anderen Parteien und am wenigsten sich selbst. Zur Beruhigung eine angenehme Meldung aus der Tierwelt: Pandabären sind keine gefährdete Tierart mehr. – So, jetzt geht’s wieder.

Aus der Welt der Technik: Aufgrund diverser Leaks ist Tor gerade mal wieder in aller Munde, aber Tor ist völlig uninteressant geworden, seit dort offenbar übersexualisierte SJWs das Ruder übernommen haben und die engagierten Technik-nerds das nicht mehr ertragen. Ein Opferstuhlkreis schafft wohl kaum ein angemessenes Klima zur sinnvollen Weiterentwicklung und Pflege eines derart komplexen Netzes. Wenn doch heutzutage schon überall so ein Netz drinsteckt: Probleme mit dem Auto? Einfach aus- und wieder einschalten!

Jetzt aber erst einmal abschalten.

BLUES PILLS – Lady In Gold (OFFICIAL VIDEO)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: MaidaVale – Tales of the Wicked West

MaidaVale - Tales of the Wicked WestMaida Vale ist eine Haltestelle der Londoner U-Bahn sowie der Name eines Studiokomplexes der BBC, in dem unter anderem John Peel regelmäßig aufnahm. Eine Band danach zu benennen ist, je nachdem, entweder zumindest ungewöhnlich oder entsetzlich banal. Das schwedische Frauenquartett MaidaVale, gegründet 2012, hat es trotzdem gewagt und legte erst im kürzlich vergangenen August mit seinem Debütalbum „Tales of the Wicked West“ eines dieser Alben vor, deren Grandiosität eine Würdigung mehr als nur verdient hat.

Der häufig im Internet zu findende Vergleich mit den Blues Pills, ebenfalls eine schwedische Retro-Band mit Sängerin, ist ein bisschen unfair, ABBA haben mit MaidaVale ja auch nicht viel gemeinsam. Wo Blues Pills es mit Retro-Rock versuchen, gibt es von MaidaVale sozusagen die volle Breitseite: Psychedelischer Bluesrock (Led Zeppelin, Jimi Hendrix) trifft auf drogenschweren 70-er Krautrock; die Gitarre singt aus vollem Hals, das Schlagzeug treibt sie voran, dazu spielt Linn Johannesson einen knackigen Bass mit ordentlich groove, während Matilda Roth mit einer unglaublich passenden, in den letzten Jahrzehnten leider viel zu selten gewordenen Stimme von „Rassismus, Kriegswahn und zwischenmenschlichen Minenfeldern“ (Jochen König) singt.

MaidaVale – (If You Want The Smoke) Be The Fire

Den musikalischen trip halten also nur die Texte vom Entstehen ab, so dass man immerhin die Wahl hat, ob man verreisen oder sich über die Welt aufregen möchte. Zwei Alben in einem also – wo sonst gibt es das? Kleine Experimente wie das einminütige „Truth/Lies“, ein verzerrtes Experimentalstück in irgendwie Talk-Talk-Tradition, ergänzen das Album ganz gut, aber hauptsächlich bleibt keine Zeit zum Ausruhen. Das ist gut, denn so kann man „Tales of the Wicked West“ – die subtile Spitze im Titel wird erst im Zusammenspiel mit den Themen offensichtlich – vorbehaltlos in sich aufnehmen und wirken lassen.

MAIDAVALE – DIRTY WAR (Live in Studio Underjord)

Das abschließende „Heaven and Earth“, das es angeblich nicht auf alle Versionen des Albums geschafft hat, lässt auf elf Minuten Länge erstmals und schließlich Raum zum Durchatmen. Etwaige Erinnerungen an das Yes-Album gleichen Namens sind kurzzeitig auszublenden. Gesungen wird hier nicht mehr, stattdessen versuchen MaidaVale sich an einer Art „Post-Bluesrock“: Eine einfache Gitarrenmelodie in acht Takten beginnt und zieht sich bis zum Ausklang des Stücks und damit des Albums durch, es setzt die spacige Gitarre ein und soliert in einer Weise, dass dem geneigten Hörer die Sinne ejakulieren. Ein musikalischer Wochenendausflug ans Wildwasser mit einer Pfeife in der Hand. Eine sehr angenehme Reise.

Auf Bandcamp gibt es das komplette Album zum Anhören und Kaufen, Vinylfreunde werden momentan allerdings nur auf Amazon.de fündig.

MontagsmusikPiratenparteiPolitik
Red Bazar – Paragon // Von Linken und Schiffern

Warm hier heute, finden Sie nicht?Es ist Montag, Tag 1 nach der friedlichen Explosion inmitten sonnigsten Wetters, das selbst den Mond blendete. Die Piratenpartei hat vieles komplizierter gemacht. Patrick wer? Na, Schiffer! Wie in Claudia Schiffer! Welch treffender Name für einen Piratenkapitän, welch bedeutsame Verwandtschaft. Kann ja nur gut werden mit so einer Cousine, sonst wäre das medial gar kein Thema, nicht wahr? Nichts könnte mich dazu bringen, einem einzigen, erst recht nicht so vielen seriösen Journalisten vorzuwerfen, er wäre mehr an solchem Firlefanz als an Politik interessiert. Das wäre doch auch wirklich unangebracht von mir. – Gab es denn auch Politik? Immerhin: Forschungsanstrengungen zur friedlichen Nutzung der Kernfusion sind sinnvoll. Zur Hölle mit den Hippies.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag lässt wissen, dass die CDU/CSU keinesfalls eine linke Partei zu sein beabsichtigt. Das ist nun sicherlich sehr überraschend und auch ein wenig enttäuschend für ihr linksautonomes Wählerklientel. Mindestens genau so überrascht ist mal wieder die Onlineredaktion des heise-Verlags, die panisch vermeldete, dass Passwörter, die ihr auf den Computern fremder Leute (in der so genannten „Cloud“) ablegt, möglicherweise gar nicht so gut versteckt sind, dass da niemand reingucken kann. Aber ist ja so praktisch, das alles.

Man kann sich das Leben aber, statt einfacher, auch deutlich schwerer machen, zum Beispiel, indem man seine sexuellen Vorlieben zum Politikum macht: „Derzeit werden die LGBT-Rechte von einer Kopfgeburt aus der Rechtsabteilung von Anti-LGBT-Gruppen attackiert“, gut, andere Menschen finden ja auch Lokomotiven interessant. So lange die offensichtlich bedeutsamen gesellschaftlichen Probleme in den USA so aussehen, hat die Welt zumindest nicht zu befürchten, dass es noch schlimmer wird.

Machen wir sie doch so lange ein bisschen besser, zum Beispiel mit Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Wassermanns Fiebertraum – Jetzt oder nie // Mänbäng!

Die Bahn kommtEs tagt der Mond, es klagt der Kauz; Montag, Mist. Dabei hat sich das Wochenende schon länger angefühlt als nötig und man war selbst schuld daran. Andererseits: Hurra – ein gefühlt langes Wochenende! Die Kunst besteht darin, umzuschalten und Störungen als Angebot aufzufassen.

Weil man ja eigentlich doch schon gern mal wieder lachen würde, zum Beispiel über Nordkoreas „Netflix“-Konkurrenten, der lustigerweise Manbang heißt, was man doch bitteschön nicht unbedingt englisch aussprechen sollte (gesellschaftliche Unart auch: „Mänbäng“ lesen). Fast genau so lustig: Twitter hat jetzt einen Qualitätsfilter, was ungefähr gleichbedeutend mit einem Schönheitsfilter für Hannover wäre, er ließe nämlich nur noch vereinzelte Ruinen durch; einstellbar, jaja, aber wer würde das wollen?

Die Bundesregierung hat angekündigt, dass es demnächst ratsam sein könnte, Vorräte angelegt zu haben. Wie damals im Krieg, die Älteren erinnern sich wahrscheinlich noch. Habt Angst! Hört ihr? Angst! Nach der Burka sollen jetzt auch Rucksäcke auf öffentlichen Plätzen verboten werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis endlich auch mal jemand das terroristische Essen von Leberwurstbrot im Zug verbietet. Das wäre schön.

Noch schöner, allerdings: Musik.

Hier.

Wassermanns Fiebertraum – Jetzt oder Nie (Official Music Video)

Guten Morgen.

Montagsmusik
Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli // Mehr Roboter wagen.

Urlaubsvertretung (flauschig)Es ist Montag, es gibt wahrlich Schöneres und das ist noch nicht einmal allzu lange her, aber man macht eben auch beim Dummsein nur ungern halbe Sachen. Als wär’s gestern gewesen, einander im Arm habend die Zeit zu vergessen und des Mondes tadelndem Blick keine Beachtung zu schenken, weil, als es perfekt schien, man doch selbst missachtet zu haben weiß. Wenn schon blöde, dann wenigstens mit Anlauf.

Apropos Anlauf. Neues aus Olympia: Deutschland ist erwartungsgemäß ganz gut im Schießen. In Syrien kommt ihm das zugute: In Aleppo kämpft Al Qaida, unterstützt von den USA, Deutschland, Türkei, Saudi-Arabien und Katar; die zahlen eben gut, muss man ja verstehen.

Bei allen Problemen, die ein Computer so hat (wusstet ihr zum Beispiel, dass euer Flachbildschirm gekapert werden kann?), wünscht man sich manchmal doch weniger Menschlichkeit in all dem Tohuwabohu. Man wies mich vor einigen Tagen darauf hin, dass selbst Roboter menschlicher seien als manche Menschen, wie ein Experiment von vor einigen Jahren beweise: Nach einer Weile entwickeln sie, die Roboter, einen eigenen Altruismus und lernen dessen Vorzüge zu schätzen. Und die Menschen? Sie füttern Enten mit ihren Kindern. Was ja, andererseits, auch irgendwie wieder niedlich ist.

Was allerdings keinesfalls niedlich ist, sind Montage, aber dagegen kann man etwas machen, nämlich die Musik an.

Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli

Guten Morgen.

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Katie Dey – Flood Network

katie dey - Flood NetworkIm Juni 2015 freute ich mich über das Debütalbum der australischen Künstlerin Katie Dey im Fazit folgendermaßen:

Ein Musik gewordenes WTF, das im noch vergleichsweise unverbrauchten 2015 bisher eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

Nachdem es einige Tage lang für symbolische 1.000 US-Dollar zu haben war, erschien gestern (mitsamt erheblicher Preissenkung) endlich das Nachfolgealbum namens „Flood Network“, weiterhin mit merkwürdigem artwork und Bandcamp-Stream.

Mit 17 Titeln und insgesamt 32:12 Minuten Laufzeit ist „Flood Network“ erneut recht kurz ausgefallen. Den roten Faden stellen acht Instrumentalstücke namens „(F1)“ bis „(F8)“ dar, die sich mit den übrigen Stücken abwechseln. Keineswegs sollte allerdings davon ausgegangen werden, dass ein stilistischer Zusammenhang besteht. Frau Dey macht auch weiterhin unter Missachtung konservativer Vorstellungen von einem musikalischen Rahmen, wonach ihr der Sinn steht, was „Flood Network“ schon in der Theorie an Wert gewinnen lässt. Und die Praxis?

Katie Dey – Fleas (Official Music Video)

„Flood Network“ ist die irgendwie konsequente Weiterentwicklung von „asdfasdf“. Bereits das eröffnende „All“ stolpert in gerade mal anderthalb Minuten mit Sigur-Rós-Stampfrhythmus, psychedelischer Akustikgitarre und brüchigem Gesang aus dem Lautsprecher in die weit offenen Ohren und Arme des Rezensenten und geht ausnahmsweise dann doch über in das fast halbminütige Intermezzo „(F1)“, das mit einem Hilferuf allerdings nichts zu tun zu haben scheint, sondern ein wenig Elektronik für das folgende „Fleas“ vorbereitet, das überhaupt in den seltsamen Radioclubbeats von 2016 aufgewachsen zu sein scheint. Spulen wir mal ein bisschen vor und bemerken wir eine Steigerung, denn natürlich gibt es dann doch noch so was Ähnliches wie einen longtrack, das Duo aus „Debt“ und „(F8)“ nämlich, das eine gemeinsame Melodie vereint; und natürlich, schon wieder, Sigur Rós zu guter Letzt, in „It’s Simpler To Make Home on the Ground“ nämlich, wenn auch abermals nur instrumental.

So I sit around / making animal sounds out of cutlery.
Fear o‘ the Light

Gesang ist Nebensache. Die Frau macht Musik nur für sich und lässt uns an sich teilhaben. Musik für die Leute machen andere Leute schon genug. Stagnation? Na, meinetwegen, denn das bedeutet immerhin, dass die Qualität nicht nachlässt. „Flood Network“ ist so undurchdringlich wie sein Vorgänger, ich wage nicht einmal zu ahnen, ob es mich bei all seiner Schräge absichtlich melancholischer stimmt.

„Flood Network“ ist die musikalische Begleitung für das Gefühl nach einem vertanen Tag, einem verlorenen Wochenende, einem verregneten Urlaub am Meer, nach zu viel Alkohol und zu viel Chemie, der Ton zum Film im Kopf nach dem Schrei der Natur – ein in Gänze wundervolles Album also. Nehmt euch die Zeit, es ist sie wert.

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Yezda Urfa – Cancer of the Band

Ich seh dichMontag. Android ist kaputt, aber der Sommer ist zurück. Er kommt ganz schön oft in diesem Jahr. Da kann man sich ja gar nicht mehr auf den Herbst freuen, wenn es endlich wieder normal wird.

Andererseits: Normalität 2016? Wer Argumente mag, wählt CDU. Keine Experimente! Die Hunde. Das Land davor. Hurz? In Olympia haben die Apotheker mal wieder Bestzeiten geschafft, Tausende jubeln mit Chips auf dem Sofa. Prekariats-TV für Gesportetwerdende.

Weniger zu bejubeln: Israel will Ausländer, die es nicht so gern sehen, wenn israelische Raketen Palästinenser zerfetzen, künftig nicht mehr ins Land lassen. Das ist immerhin besser als in anderen Unrechtsstaaten, da kommt man dann zwar noch rein, aber nicht mehr lebend raus. Den Guten, bewaffnet mit Parolen, Palästinensertuch und Israelfahne, gefällt das. Alle bekloppt, alle restlos bekloppt.

Was macht man eigentlich, wenn man einen überzähligen Behinderten hat? Ab damit!

Apropos ab: Musik ab!

Yezda Urfa – Cancer of the Band

Guten Morgen.

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Arbor Labor Union – Hello Transmission

Blumen, nichts als BlumenDa wacht man nichtsahnend auf und schon wieder ist Montag. Passenderweise regnet es dazu, alles Übrige wäre durchaus unangemessen.

Es ist Montag und das Land brennt noch immer nicht. Julia Schramm missfällt das. Da hat Syrien mehr Glück: In dem Land, in dem die Achse des Guten derzeit bevorzugt öffentliche Plätze zwecks baldiger Befriedung bombardiert, werden die Lebensmittel knapp. Verfluchter Hunger nach Krieg. Keine Sorge, euer Geld ist sicher.

Und sonst so? Knappe 50 Jahre, nachdem das Gegenteil sich als richtig herausgestellt hat, verschafft sich die Behauptung Gehör, Universitäten müssen dringend parteipolitischer werden, denn nur parteipolitische Bildung sei gute und richtige Bildung. Lang genug für ein angemessenes Hochrollen werden meine Zehennägel in diesem Leben nicht mehr.

Ein Trivium: Aus irgendeinem Grund ist „Riesenpimmel“ hier noch immer der häufigste Suchbegriff. Dabei ist mein Musikgeschmack doch fast genau so interessant.

Arbor Labor Union – Hello Transmission

Guten Morgen.

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Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 16 von 16 der Serie Jahresrückblick

Es ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst überschätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen – all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte – Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und mittlerweile auch der Auflösung von Beardfish überschattet wird.

In diesem für die Musik doch eher merkwürdigen Jahr gibt es auch gute Neuigkeiten: Beak> drohte es nicht mehr zu geben, aber Ende März wurde eine Neubesetzung angekündigt. Das zwischendurch erschienene Album „Couple in a Hole“, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erwähnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von Kula Shaker und Karokh, die allerdings weiterhin uneingeschränkt hörenswert sind.

Im Juni zweifelte Dirk Peitz auf „ZEIT ONLINE“ daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. Möge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragwürdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spaß mit folgenden Glanzstücken zu wünschen:

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MontagsmusikNetzfundstücke
Camel – Lady Fantasy // Gigawenig!

Kaffee?Welch Gaudium, welch Montag! Was fehlt: Die Sonntage, nur die Sonntage. Die spinnen, die Menschlichen.

Anderen fehlt Einfacheres, nämlich das Einmaleins:

Vodafone bringt Dich ins Gigabit-Zeitalter

Das heißt, Vodafone bringt mir eine Internetanbindung von einem oder gar mehreren Gigabit pro Sekunde? Haha, nein:

Telefoniere und simse unbegrenzt mit unserer Allnet Flat und surf rasend schnell mit bis zu 225 Mbit/s.

„Bis zu“, weil eine Funkzelle ja blöderweise ein geteiltes Medium ist; aber wer braucht schon so genaue Zahlen? Etwas fester sind die Werte zumindest an der heimischen Netzdose:

GIGASPEED – 400 Mbit/s für Dein Zuhause

Unter einem Gigabit hab‘ ich mir immer irgendwie mehr vorgestellt.

Gute Nachrichten aus den USA: Unlesbare Graffiti werden lesbar gemacht. ZOOB.

Erwähnte ich, dass Sonntage fehlen? Was bleibt: Mehr von ihnen einzufangen. Öfter mal was Altbekanntes.

Camel LIVE 2013 – Lady Fantasy – De Melkweg, Amsterdam (Andy Latimer) (Full HD Stereo)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jeremy Flower – Take // Traurige Welten

Man fühlt sich nicht immer großEs ist Montag und ich bin sehr traurig.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe mich wieder einmal auf die unangenehme Weise daran erinnern lassen, dass es immer, immer noch ein wenig schlimmer geht; nicht nur wer mit wem, sondern auch wo, womit alle wesentlichen Fragen abgedeckt wären und das dringende Bedürfnis, für die nächste bestürzende Meldung in den Nachrichten selbst verantwortlich zu sein, um sich einfach ein bisschen abzuregen, blöderweise einfach nicht weggeht.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe es völlig versäumt, den gestrigen Welt-Emoji-Tag angemessen zu feiern; andererseits hatte ich dazu schon im Mai alles Nötige geschrieben. Dazu passt die freitägliche Meldung, dass Google Emojis für gleichberechtigte Frauen standardisieren lässt und damit, glaubt man Facebook, Dutzende weiterer Geschlechter diskriminiert. Es kann keine Gleichberechtigung geben, so lange keine bisexuellen indianischen einbeinigen Transsexuellen ein eigenes Arzt-Emoji haben!

Ich bin sehr traurig, dass die von der CDU-geführten Regierung im Europäischen Parlament zu verantwortenden ertrunkenen Flüchtlinge – über 800 wurden vor ein paar Tagen aus dem Mittelmeer gefischt – in der Flut an Nonsensmeldungen wie der über drei tote Deutschenein, nicht auch noch Deutsche! – in Nizza völlig, hihi, untergingen. Auch andere Staaten haben es leider versäumt, ihren Teil zu einer übersichtlichen Weltlage beizutragen: Während ganz Europa noch blöde vor sich hintrauerte, putschte fast das Militär in der Türkei für mehr Frieden und Demokratie, denn so eine Militärregierung ist ja noch aus Ägypten dafür bekannt, besonders gut zur Friedenssicherung geeignet zu sein. Ihre erste Amtshandlung war das Verhängen einer Ausgangssperre. Klar: Wenn keiner mehr raus darf, kann draußen nichts mehr passieren.

Ich bin sehr traurig, aber es gibt ja Musik.

Jeremy Flower ~ Take ~ [ Chamber Rock ]

Jetzt ist es besser, glaube ich.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist

Gestern schrieb Clemens Setz auf „ZEIT ONLINE“ über ein Konzert des unbestritten erstklassigen Jazzpianisten Keith Jarrett ungefähr dies:

Ich war aufgeregt. Ich hatte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held meiner Jugend, noch aus jener Zeit, als ich dachte, ich könnte vielleicht selbst ein großer Jazzpianist werden. (…) Als Nächstes kam Keith Jarrett. Er sah nicht sehr glücklich aus. Er trat ans Mikrofon und sagte: „Ich spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Personen, die Fotos gemacht haben, das Gebäude verlassen haben!“ (…) Jarrett setzte, mit einer Hand Schweigen gebietend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unverschämtheit den Kontakt mit der Musik verloren. (…) Der Künstler entzieht uns rückwirkend seine Seele! Was wir gehört haben, war nicht wirklich er. Und falls es uns gefallen hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Herrje.

„Herrje“, was hat dieser Künstlerarsch doch eine völlig falsche Vorstellung von Musik! Es steckt kein Herzblut im Gehörten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen verbieten und das fast genau so wichtige Belästigen des interessierten Publikums mit Lichtblitzen erst recht nicht, denn völlig ungeachtet der Frage, ob die Gefühlsreise geneigter Anwesender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen vermögen, nicht von blödem Geknipse von Banausen unsanft beendet werden könnte und man sich das vielleicht mal früher überlegen sollte, darf man nicht aus den Augen verlieren, worum es wirklich geht, wenn man ein Konzert besucht, nämlich um einen weiteren Etappensieg im ewig währenden Wettkampf um Däumchen und Sternchen. Jemand macht was, egal was: Like. Warum den Abend genießen, wenn man ihn auch hinterher auf einem Bildschirm angucken kann? Die heutige Videotechnik lässt verblüffend echtes feeling aufkommen, als wäre man bei dem aufgenommenen Konzert selbst dabei gewesen.

Krass.

Clemens Setz schrieb weiterhin:

Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohnehin alles, also was soll’s, hier ist ein Blues. Zynische Musik. Bittere Imitationen seiner selbst, virtuos hingeknallt für ein dummes Publikum, das nicht still und unsichtbar sein kann. (…) Ich stellte mir vor, wie der Künstler vor dem Konzert ins Mikrofon sagt: (…) „Und schauen Sie nicht dauernd auf die Armbanduhr. Was hat Technologie hier neben mir und meiner Kunst zu suchen?“

Wenn ich noch dringend irgendwo hin muss oder einfach nur den Moment herbeisehne, dass der Mist vorn auf der Bühne endlich endet, dann ist es nicht die Aufgabe des Künstlers, seine Arbeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, denn er hat den ungeduldigen Konzertbesucher nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. Wäre ich selbst Musiker, ich würde mich gleichfalls erheblich an Menschen stören, die trotz freiwilligen Beiwohnens offensichtlich nicht gewillt sind, mir zuzuhören. Ich gehe ja auch nicht in eine Metzgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die ausbleibende dortige Befriedigung dieser Lust schon gar nicht am anwesenden Metzgerspersonal aus.

Da ich dies gerade schreibe, fällt mir auf, wem ich sicherlich nicht hätte zuhören sollen: Clemens Setz nämlich. Allerdings tu‘ ich ihm nicht den Gefallen und beschwere mich bei ihm darüber, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe, seinen Banausenquatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entscheidung. Ich höre lieber ein wenig Jazz. Das entspannt.

Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier dafür.