Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

Montagsmusik
Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli // Mehr Roboter wagen.

Urlaubsvertretung (flauschig)Es ist Montag, es gibt wahrlich Schöneres und das ist noch nicht einmal allzu lange her, aber man macht eben auch beim Dummsein nur ungern halbe Sachen. Als wär’s gestern gewesen, einander im Arm habend die Zeit zu vergessen und des Mondes tadelndem Blick keine Beachtung zu schenken, weil, als es perfekt schien, man doch selbst missachtet zu haben weiß. Wenn schon blöde, dann wenigstens mit Anlauf.

Apropos Anlauf. Neues aus Olympia: Deutschland ist erwartungsgemäß ganz gut im Schießen. In Syrien kommt ihm das zugute: In Aleppo kämpft Al Qaida, unterstützt von den USA, Deutschland, Türkei, Saudi-Arabien und Katar; die zahlen eben gut, muss man ja verstehen.

Bei allen Problemen, die ein Computer so hat (wusstet ihr zum Beispiel, dass euer Flachbildschirm gekapert werden kann?), wünscht man sich manchmal doch weniger Menschlichkeit in all dem Tohuwabohu. Man wies mich vor einigen Tagen darauf hin, dass selbst Roboter menschlicher seien als manche Menschen, wie ein Experiment von vor einigen Jahren beweise: Nach einer Weile entwickeln sie, die Roboter, einen eigenen Altruismus und lernen dessen Vorzüge zu schätzen. Und die Menschen? Sie füttern Enten mit ihren Kindern. Was ja, andererseits, auch irgendwie wieder niedlich ist.

Was allerdings keinesfalls niedlich ist, sind Montage, aber dagegen kann man etwas machen, nämlich die Musik an.

Oranssi Pazuzu – Tyhjä Temppeli

Guten Morgen.

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Katie Dey – Flood Network

katie dey - Flood NetworkIm Juni 2015 freute ich mich über das Debütalbum der australischen Künstlerin Katie Dey im Fazit folgendermaßen:

Ein Musik gewordenes WTF, das im noch vergleichsweise unverbrauchten 2015 bisher eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

Nachdem es einige Tage lang für symbolische 1.000 US-Dollar zu haben war, erschien gestern (mitsamt erheblicher Preissenkung) endlich das Nachfolgealbum namens „Flood Network“, weiterhin mit merkwürdigem artwork und Bandcamp-Stream.

Mit 17 Titeln und insgesamt 32:12 Minuten Laufzeit ist „Flood Network“ erneut recht kurz ausgefallen. Den roten Faden stellen acht Instrumentalstücke namens „(F1)“ bis „(F8)“ dar, die sich mit den übrigen Stücken abwechseln. Keineswegs sollte allerdings davon ausgegangen werden, dass ein stilistischer Zusammenhang besteht. Frau Dey macht auch weiterhin unter Missachtung konservativer Vorstellungen von einem musikalischen Rahmen, wonach ihr der Sinn steht, was „Flood Network“ schon in der Theorie an Wert gewinnen lässt. Und die Praxis?

Katie Dey – Fleas (Official Music Video)

„Flood Network“ ist die irgendwie konsequente Weiterentwicklung von „asdfasdf“. Bereits das eröffnende „All“ stolpert in gerade mal anderthalb Minuten mit Sigur-Rós-Stampfrhythmus, psychedelischer Akustikgitarre und brüchigem Gesang aus dem Lautsprecher in die weit offenen Ohren und Arme des Rezensenten und geht ausnahmsweise dann doch über in das fast halbminütige Intermezzo „(F1)“, das mit einem Hilferuf allerdings nichts zu tun zu haben scheint, sondern ein wenig Elektronik für das folgende „Fleas“ vorbereitet, das überhaupt in den seltsamen Radioclubbeats von 2016 aufgewachsen zu sein scheint. Spulen wir mal ein bisschen vor und bemerken wir eine Steigerung, denn natürlich gibt es dann doch noch so was Ähnliches wie einen longtrack, das Duo aus „Debt“ und „(F8)“ nämlich, das eine gemeinsame Melodie vereint; und natürlich, schon wieder, Sigur Rós zu guter Letzt, in „It’s Simpler To Make Home on the Ground“ nämlich, wenn auch abermals nur instrumental.

So I sit around / making animal sounds out of cutlery.
Fear o‘ the Light

Gesang ist Nebensache. Die Frau macht Musik nur für sich und lässt uns an sich teilhaben. Musik für die Leute machen andere Leute schon genug. Stagnation? Na, meinetwegen, denn das bedeutet immerhin, dass die Qualität nicht nachlässt. „Flood Network“ ist so undurchdringlich wie sein Vorgänger, ich wage nicht einmal zu ahnen, ob es mich bei all seiner Schräge absichtlich melancholischer stimmt.

„Flood Network“ ist die musikalische Begleitung für das Gefühl nach einem vertanen Tag, einem verlorenen Wochenende, einem verregneten Urlaub am Meer, nach zu viel Alkohol und zu viel Chemie, der Ton zum Film im Kopf nach dem Schrei der Natur – ein in Gänze wundervolles Album also. Nehmt euch die Zeit, es ist sie wert.

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Yezda Urfa – Cancer of the Band

Ich seh dichMontag. Android ist kaputt, aber der Sommer ist zurück. Er kommt ganz schön oft in diesem Jahr. Da kann man sich ja gar nicht mehr auf den Herbst freuen, wenn es endlich wieder normal wird.

Andererseits: Normalität 2016? Wer Argumente mag, wählt CDU. Keine Experimente! Die Hunde. Das Land davor. Hurz? In Olympia haben die Apotheker mal wieder Bestzeiten geschafft, Tausende jubeln mit Chips auf dem Sofa. Prekariats-TV für Gesportetwerdende.

Weniger zu bejubeln: Israel will Ausländer, die es nicht so gern sehen, wenn israelische Raketen Palästinenser zerfetzen, künftig nicht mehr ins Land lassen. Das ist immerhin besser als in anderen Unrechtsstaaten, da kommt man dann zwar noch rein, aber nicht mehr lebend raus. Den Guten, bewaffnet mit Parolen, Palästinensertuch und Israelfahne, gefällt das. Alle bekloppt, alle restlos bekloppt.

Was macht man eigentlich, wenn man einen überzähligen Behinderten hat? Ab damit!

Apropos ab: Musik ab!

Yezda Urfa – Cancer of the Band

Guten Morgen.

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Arbor Labor Union – Hello Transmission

Blumen, nichts als BlumenDa wacht man nichtsahnend auf und schon wieder ist Montag. Passenderweise regnet es dazu, alles Übrige wäre durchaus unangemessen.

Es ist Montag und das Land brennt noch immer nicht. Julia Schramm missfällt das. Da hat Syrien mehr Glück: In dem Land, in dem die Achse des Guten derzeit bevorzugt öffentliche Plätze zwecks baldiger Befriedung bombardiert, werden die Lebensmittel knapp. Verfluchter Hunger nach Krieg. Keine Sorge, euer Geld ist sicher.

Und sonst so? Knappe 50 Jahre, nachdem das Gegenteil sich als richtig herausgestellt hat, verschafft sich die Behauptung Gehör, Universitäten müssen dringend parteipolitischer werden, denn nur parteipolitische Bildung sei gute und richtige Bildung. Lang genug für ein angemessenes Hochrollen werden meine Zehennägel in diesem Leben nicht mehr.

Ein Trivium: Aus irgendeinem Grund ist „Riesenpimmel“ hier noch immer der häufigste Suchbegriff. Dabei ist mein Musikgeschmack doch fast genau so interessant.

Arbor Labor Union – Hello Transmission

Guten Morgen.

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Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 16 von 16 der Serie Jahresrückblick

Es ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst überschätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen – all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte – Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und mittlerweile auch der Auflösung von Beardfish überschattet wird.

In diesem für die Musik doch eher merkwürdigen Jahr gibt es auch gute Neuigkeiten: Beak> drohte es nicht mehr zu geben, aber Ende März wurde eine Neubesetzung angekündigt. Das zwischendurch erschienene Album „Couple in a Hole“, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erwähnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von Kula Shaker und Karokh, die allerdings weiterhin uneingeschränkt hörenswert sind.

Im Juni zweifelte Dirk Peitz auf „ZEIT ONLINE“ daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. Möge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragwürdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spaß mit folgenden Glanzstücken zu wünschen:

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MontagsmusikNetzfundstücke
Camel – Lady Fantasy // Gigawenig!

Kaffee?Welch Gaudium, welch Montag! Was fehlt: Die Sonntage, nur die Sonntage. Die spinnen, die Menschlichen.

Anderen fehlt Einfacheres, nämlich das Einmaleins:

Vodafone bringt Dich ins Gigabit-Zeitalter

Das heißt, Vodafone bringt mir eine Internetanbindung von einem oder gar mehreren Gigabit pro Sekunde? Haha, nein:

Telefoniere und simse unbegrenzt mit unserer Allnet Flat und surf rasend schnell mit bis zu 225 Mbit/s.

„Bis zu“, weil eine Funkzelle ja blöderweise ein geteiltes Medium ist; aber wer braucht schon so genaue Zahlen? Etwas fester sind die Werte zumindest an der heimischen Netzdose:

GIGASPEED – 400 Mbit/s für Dein Zuhause

Unter einem Gigabit hab‘ ich mir immer irgendwie mehr vorgestellt.

Gute Nachrichten aus den USA: Unlesbare Graffiti werden lesbar gemacht. ZOOB.

Erwähnte ich, dass Sonntage fehlen? Was bleibt: Mehr von ihnen einzufangen. Öfter mal was Altbekanntes.

Camel LIVE 2013 – Lady Fantasy – De Melkweg, Amsterdam (Andy Latimer) (Full HD Stereo)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Jeremy Flower – Take // Traurige Welten

Man fühlt sich nicht immer großEs ist Montag und ich bin sehr traurig.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe mich wieder einmal auf die unangenehme Weise daran erinnern lassen, dass es immer, immer noch ein wenig schlimmer geht; nicht nur wer mit wem, sondern auch wo, womit alle wesentlichen Fragen abgedeckt wären und das dringende Bedürfnis, für die nächste bestürzende Meldung in den Nachrichten selbst verantwortlich zu sein, um sich einfach ein bisschen abzuregen, blöderweise einfach nicht weggeht.

Ich bin sehr traurig, denn ich habe es völlig versäumt, den gestrigen Welt-Emoji-Tag angemessen zu feiern; andererseits hatte ich dazu schon im Mai alles Nötige geschrieben. Dazu passt die freitägliche Meldung, dass Google Emojis für gleichberechtigte Frauen standardisieren lässt und damit, glaubt man Facebook, Dutzende weiterer Geschlechter diskriminiert. Es kann keine Gleichberechtigung geben, so lange keine bisexuellen indianischen einbeinigen Transsexuellen ein eigenes Arzt-Emoji haben!

Ich bin sehr traurig, dass die von der CDU-geführten Regierung im Europäischen Parlament zu verantwortenden ertrunkenen Flüchtlinge – über 800 wurden vor ein paar Tagen aus dem Mittelmeer gefischt – in der Flut an Nonsensmeldungen wie der über drei tote Deutschenein, nicht auch noch Deutsche! – in Nizza völlig, hihi, untergingen. Auch andere Staaten haben es leider versäumt, ihren Teil zu einer übersichtlichen Weltlage beizutragen: Während ganz Europa noch blöde vor sich hintrauerte, putschte fast das Militär in der Türkei für mehr Frieden und Demokratie, denn so eine Militärregierung ist ja noch aus Ägypten dafür bekannt, besonders gut zur Friedenssicherung geeignet zu sein. Ihre erste Amtshandlung war das Verhängen einer Ausgangssperre. Klar: Wenn keiner mehr raus darf, kann draußen nichts mehr passieren.

Ich bin sehr traurig, aber es gibt ja Musik.

Jeremy Flower ~ Take ~ [ Chamber Rock ]

Jetzt ist es besser, glaube ich.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist

Gestern schrieb Clemens Setz auf „ZEIT ONLINE“ über ein Konzert des unbestritten erstklassigen Jazzpianisten Keith Jarrett ungefähr dies:

Ich war aufgeregt. Ich hatte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held meiner Jugend, noch aus jener Zeit, als ich dachte, ich könnte vielleicht selbst ein großer Jazzpianist werden. (…) Als Nächstes kam Keith Jarrett. Er sah nicht sehr glücklich aus. Er trat ans Mikrofon und sagte: „Ich spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Personen, die Fotos gemacht haben, das Gebäude verlassen haben!“ (…) Jarrett setzte, mit einer Hand Schweigen gebietend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unverschämtheit den Kontakt mit der Musik verloren. (…) Der Künstler entzieht uns rückwirkend seine Seele! Was wir gehört haben, war nicht wirklich er. Und falls es uns gefallen hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Herrje.

„Herrje“, was hat dieser Künstlerarsch doch eine völlig falsche Vorstellung von Musik! Es steckt kein Herzblut im Gehörten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen verbieten und das fast genau so wichtige Belästigen des interessierten Publikums mit Lichtblitzen erst recht nicht, denn völlig ungeachtet der Frage, ob die Gefühlsreise geneigter Anwesender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen vermögen, nicht von blödem Geknipse von Banausen unsanft beendet werden könnte und man sich das vielleicht mal früher überlegen sollte, darf man nicht aus den Augen verlieren, worum es wirklich geht, wenn man ein Konzert besucht, nämlich um einen weiteren Etappensieg im ewig währenden Wettkampf um Däumchen und Sternchen. Jemand macht was, egal was: Like. Warum den Abend genießen, wenn man ihn auch hinterher auf einem Bildschirm angucken kann? Die heutige Videotechnik lässt verblüffend echtes feeling aufkommen, als wäre man bei dem aufgenommenen Konzert selbst dabei gewesen.

Krass.

Clemens Setz schrieb weiterhin:

Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohnehin alles, also was soll’s, hier ist ein Blues. Zynische Musik. Bittere Imitationen seiner selbst, virtuos hingeknallt für ein dummes Publikum, das nicht still und unsichtbar sein kann. (…) Ich stellte mir vor, wie der Künstler vor dem Konzert ins Mikrofon sagt: (…) „Und schauen Sie nicht dauernd auf die Armbanduhr. Was hat Technologie hier neben mir und meiner Kunst zu suchen?“

Wenn ich noch dringend irgendwo hin muss oder einfach nur den Moment herbeisehne, dass der Mist vorn auf der Bühne endlich endet, dann ist es nicht die Aufgabe des Künstlers, seine Arbeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, denn er hat den ungeduldigen Konzertbesucher nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. Wäre ich selbst Musiker, ich würde mich gleichfalls erheblich an Menschen stören, die trotz freiwilligen Beiwohnens offensichtlich nicht gewillt sind, mir zuzuhören. Ich gehe ja auch nicht in eine Metzgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die ausbleibende dortige Befriedigung dieser Lust schon gar nicht am anwesenden Metzgerspersonal aus.

Da ich dies gerade schreibe, fällt mir auf, wem ich sicherlich nicht hätte zuhören sollen: Clemens Setz nämlich. Allerdings tu‘ ich ihm nicht den Gefallen und beschwere mich bei ihm darüber, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe, seinen Banausenquatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entscheidung. Ich höre lieber ein wenig Jazz. Das entspannt.

Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier dafür.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Hirsch Effekt – Bezoar // Töten voller Ethik

Schlafen, schlafen wär' mal wasEs ist Montag und die Laune ist dermaßen gehoben, dass man es tatsächlich ein bisschen bedauert, so ein anständiger Mensch geworden zu sein und überdies in einem Land zu leben, das es gar nicht gern sähe, würde man seiner Wut allzu nachhaltigen Ausdruck verleihen. Wahrscheinlich ist das auch nicht fair und wahrscheinlich hat man das alles so was von verdient, aber der Mensch, der Mensch an sich scheitert immer schöner.

Die Ermordung von Polizisten zu verurteilen sei andererseits rassistisch, erklärt dieser Diskussionsstrang auf „Indymedia“, so leicht wie angenommen ist es also nicht, Mord blöd zu finden und trotzdem moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Auf „SPIEGEL ONLINE“ fragt konsequent Heike Le Ker – sieht gar nicht so aus – ohne Anflug von Sarkasmus: „Die Polizei in Dallas hat Micah Johnson mit einem Roboter getötet. Hat sie damit eine ethische Grenze überschritten?“ – normales Töten ist bekanntlich super, so lange es in ehrlicher Handarbeit geschieht, aber ethisch fragwürdig wird’s bei SPON erst, wenn diese vermaledeite Technik ins Spiel kommt.

Technik – ein gutes Stichwort: Derzeit ist der neue Ingress-Abklatsch „Pokémon Go“ das erfolgreichste Spiel für „mobile Geräte“. Dabei profitieren die Macher wohl vor allem auch davon, dass Smartphones immer noch vorwiegend Dumbuser haben, denen Datenschutzhinweise grundsätzlich zu viel Text beinhalten, um gelesen zu werden:

Beispielsweise könnten wir Webbeacons nutzen, Cookies zu platzieren oder mit ihnen zu kommunizieren, um (…) die Wirksamkeit unserer Werbung zu überwachen.

Taubsis im Vorgarten sind eben nicht billig.

Ich bin so desillusioniert, ich hab‘ sogar Musik dabei.

The Hirsch Effekt – Bezoar

Guten Morgen?

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
The Animal In Me – Rap God

Du - ich - dieser Baum?Alles ist Montag, alles ist schlecht. Aufstehen, räuspern, durchdrehen. Wann war es anders? Damals, ja. Früher war so vieles besser, aber heute ist es schlecht.

Manches aber ist nicht nur schlecht, sondern auch etwas anderes. Schwuler Stolz hui, deutscher Stolz pfui. Wählt euren Zufall weise. Demnächst: Reihenweise abgeknickte Regenbogenfahnen, weil die Grünen es nicht wollen, dass ihr mit eurer Umwelt mal im Reinen seid. Schlecht, auf jeden Fall, ist Fußball. Im Fernsehen heißen Waliser „Kelten“ und Isländer „Wikinger“, Franzosen allerdings seltsamerweise nicht „Froschfresser“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auch schlecht, auf jeden Fall, ist es, ein Mann zu sein, also demnächst, wenn einvernehmlicher Geschlechtsverkehr vor dem Gesetz so lange eine Vergewaltigung ist, bis zweifelsfrei das Gegenteil bewiesen wurde, und vorsichtige Nichtteilnahme voraussichtlich sexistische Diskriminierung. Kann man es richtig machen? Klar: Einfach Frau sein. Gewonnen qua Geschlecht.

Schönes kommt derweil von den Vereinten Nationen: Internetzensur verletzt die Menschenrechte; das tut Krieg zwar auch, aber irgendwo muss man ja anfangen. Alles Weitere regelt ein Bundesgesetz. Es wäre verfrüht, uns nun darauf einen runterzuholen.

Machen wir stattdessen das Naheliegende: Hören wir ein Metalcover eines Eminem-Stücks.

Eminem – "Rap God" (Cover By The Animal In Me)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rotor – Volllast

Jetzt, hierEs ist Montag. Die Wetteraussichten sind angemessen trübe, weil es wieder einmal tief drinnen nagt, weil man sich montags ja dann doch immer so fühlt. Vermutlich ist es besser, es nicht zu bemerken, wenn man auch mal Glück hat, damit der Unterschied nicht so schrecklich auffällt. Emotional und nervlich am Ende mit drei Buchstaben: Ich. Es ist – ihr ahnt es – mitunter bedrückend, ich zu sein.

Die Flucht nach vorn – in die Nachrichten – ist also angesagt. Im Vereinigten Königreich und im Vatikan wird von der unterlegenen Minderheit im „Brexit“-Referendum angestrebt, das Referendum wiederholen zu lassen, weil die Mehrheit doof gewählt hat. Ich finde das nachahmenswert, mir gefällt die Wahl der Mehrheit in Deutschland nämlich auch nur äußerst selten. Was wissen die doofen Anderen schon von Politik? – Nur konsequent ist es da, dass Jean-Claude Juncker laut Medienberichten – die entsprechenden Medien möchten hier aufgrund des von ihnen unterstützten Leistungsschutzrechts nicht verlinkt werden – jetzt darauf drängt, den Euro in der EU zur Pflicht zu machen. Das haben die anderen Länder jetzt davon, nicht auch ausgetreten zu sein.

Mal was anderes: Seid ihr auch im Fußballfieber? Dann ist euch sicherlich entgangen, dass die Bundesregierung sich mal eben darauf verständigt hat, künftig auch eure Kinder überwachen zu lassen, wegen Terrors. Während ihr ins Ausland guckt, wird Schritt für Schritt euer Inland zerstört. Nationalelf erhält Motivationsschub, weil Betrunkener in Berlin Leinwand anbrüllt. Das erklärt einiges.

Genug der Lappalien. Es ist Zeit für etwas Musik.

Guten Morgen.

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Holy Esque – Strange

Ausschau nach dem PandaEs ist Montag. Nicht vor dem ersten Kaffee ansprechen. Das macht doch alles keinen Spaß mehr. Früher war mehr Unbeschwertheit, allerdings war früher auch mehr zu zweit. Früher war alles besser.

Andererseits: Endlich ist mal Schluss mit dem Patriarchat! Straffrei das Leben von Menschen zu zerstören ist Frauensache, was immer eine Frau jetzt eigentlich ist. Die ewige Stadt Rom wird künftig von der italienischen Partei der EU-Gegner regiert, aber vom nahe liegenden Etikett „Rechtspopulismus“, das medial längst der Standardwert für alles ist, was sich nicht ins Getriebe einfügen möchte, redet hier keiner, weil der neue Bürgermeister eine Frau ist, was bekanntlich immer und grundsätzlich höher wiegt als das, was sie zu sagen hat. Gestern hat kein ARD-Redakteur seine Kinder geschlagen. Alles unter Kontrolle, Situation normal.

Ihr allerdings gehört geschlagen: Emojis sind aus eurem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch, doch, das ist erwiesen. Die Sprache der Zukunft sind bunte Bildchen, digitale Höhlenmalereien ohne dauerhaften Wert. Schreiben ist eine verlorene Errungenschaft. Andererseits: Sollte die Jugend so schreiben wie sie spricht, ist das wahrscheinlich auch besser so.

Ein kurzer Blick in’s Föjetong. Wenn Taylor Swift (Popmusik, schlimm) einen neuen Partner hat, drängt sich natürlich vor allem eine Frage auf: Wie soll man die beiden nennen? Bedauerlicherweise ist „Dumm und Dümmer“ schon vergeben.

Beneidenswert, eigentlich.

Holy Esque – Strange

Oh I cried / cried cried cried.

Guten Morgen.

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The Dandy Warhols – Valerie Yum

Hunger!Es ist endlich wieder Montag, der Schlendrian hat ein Ende, und man hat es doch noch gut, andere müssen heucheln für Geld, nichwahr; und ausnahmsweise viel mehr als nach dem Sinn des Ganzen fragt man sich heute mal, wieso immer von „freier Bildung“ die Rede ist, wenn man doch kaum etwas anderes tut als Lehrgeld zu zahlen und das, was der Staat „Förderung“ nennt, nicht viel mehr ist als eine Leihgabe zu restriktiven Konditionen. Die Dummgebliebenen haben leichtes Feiern in diesen Tagen. Denen fehlt nichts in dem, was sie für ein Leben halten. Nicht einmal sie.

Genug davon. Penis! Na, alle wach? Dann habe ich gleich noch einen zweiten Kracher: Ich hätte fast der Grünen Jugend zugestimmt. – Aber eben auch nur fast: Während ich die einigermaßen feste Position (Allergikerwarnung: Genderei) über das saublöde EM-Gebrüll durchaus teile, ist die Einschränkung auf inländische Fahnen eher merkwürdig. Wie prima wäre es doch, hielte niemand auf der Welt seine Nationalität für beschreienswert! Andererseits möchte die Grüne Jugend ja sicherlich ihren Mutterverein, die Angriffskriegspartei „Die Grünen“, nicht allzu sehr verärgern, die gegen bestimmte Flaggen durchaus nichts einzuwenden hat, ukrainische Hakenkreuzflaggen zum Beispiel möchten sie niemandem nehmen, so lange es gegen den Iwan geht. Für die gute Sache ist jeder Verbündete rechts recht.

Ein Blick nach Düsseldorf: Flüchtlingsheim brennt nach Streit über religiöse Essensvorschriften. Wenn sich jetzt noch herausstellt, dass Veganer beteiligt waren, haben wir genug Klischees beisammen.

Ach, apropos Schland. Was für eine furchtbare Zeit.

the dandy warhols valerie yum

I just don’t care no more, I got valium. Hilft ja alles nichts.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikWirtschaft
Pure Reason Revolution – The Bright Ambassadors of Morning // Bedingungslose Grundaufregung

Was fehltEs ist, juchhei!, Montag; damit sind es nur noch fünf Tage bis zum Wochenende, was noch ein wenig schöner wäre, wäre sie auch da. Ein Käuzchen nickt verständnisvoll.

Weniger Verständnis weckt wie üblich die Wirtschaft: Das Schweizer Volk hat sich am Wochenende überwiegend gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen entschieden, bei der „ZEIT“, die ihren Lesern offenbar extra erklären muss, dass ein Ganzes 100 Prozent sind („entschieden sich 78 Prozent der Teilnehmer (…) dagegen. 22 Prozent stimmten demnach dafür“, das gibt ein Fleißbienchen im Klassenbuch), und in anderen Medien bis hin zum virtuellen Boxsack Twitter ist man natürlich weitgehend fassungslos darüber, dass das kommunistische Ideal sich noch nicht mal in der Schweiz durchsetzen kann, obwohl doch die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten stets ein verlässlicher Partner oder so bei der Durchsetzung der einzig richtigen Politik war. Aus den Reihen der SPD wird die Schweiz für die Volksentscheidung beklatscht, was in mir durchaus Zweifel reifen lässt, ob meine Skepsis bezüglich eines „bedingungslosen“ (sprich: leistungslosen) Grundeinkommens nicht vielleicht doch voreilig ist. Was die SPD gut findet, ist meist gar nicht so gut.

Der Ruf nach einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ ist verständlich, aber kurzsichtig: Wird der Gegenwert des Satzes „ich habe kein Geld“ von (wie bislang) 0 auf, sagen wir mal, 800 Euro angehoben, besitzt also jeder plötzlich einfach so 800 Euro, so verliert das Geld relativ dazu an Wert. Ein Beispiel: Im November 1923 betrug das Briefporto 10 Milliarden Mark, weil Geld wegen seiner übermäßigen Herstellung quasi nichts mehr wert war, was letztlich zu Hitler und ein paar sehr unangenehmen Zwischenfällen führte. Ein übertriebener Vergleich, sagt ihr? Vielleicht habt ihr damit sogar Recht. Wenn’s keiner weiß, kann keiner jubeln.

Woher, apropos, kommt es eigentlich, dass Nachrichtenartikel über Kinderpornografie überdurchschnittlich oft mit einem MacBook bebildert werden? Ted Unangst geht von einem Zusammenhang aus.

Kapellmeister, kapellmeistere!

Pure Reason Revolution- Bright Ambassadors Of Morning

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Jane’s Addiction – Nothing’s Shocking

Jane's Addiction - Nothing's ShockingDas Bundesverfassungsgericht hat unlängst festgestellt, dass „Sampling“ ein stilprägendes Element im Hip-Hop sei. Damit ist auf höchster Ebene entschieden worden, dass von künstlerisch wertvollen, kreativ geprägten Inhalten dort keine Rede sein kann. Wie anders ist’s doch in der Rockmusik!

Den 1980er Jahren haftet nichtsdestotrotz nicht völlig anlasslos (Phil Collins) das Etikett des Jahrzehnts an, über dessen soundtrack man lieber schockiert den schalldichten Mantel des Schweigens werfen sollte. Keineswegs schockierend aber ist das allmähliche Ende der musikalischen Grausamkeiten gegen Ende dieser Schreckensdekade. Dazu zählt neben den längst zu den Klassikern zu rechnenden Großtaten „Doolittle“ und „Blood Sugar Sex Magick“ auch das 1988 erschienene Album „Nothing’s Shocking“ der ausgerechnet US-amerikanischen Rockband Jane’s Addiction, mithin ihr erstes Studioalbum, dem im Vorjahr bereits ein Livealbum vorausgegangen war.

Das Titelbild des Albums erzählt eine ganz eigene Geschichte: Zwei schwarz-weiße nackte Frauen mit grotesken Brüsten und brennenden Haaren schauen spöttisch lächelnd auf den Betrachter herab. War das 1988, mithin: über ein halbes Jahrhundert nach dem goldenen Zeitalter, noch schockierend? Nun ja, in Nordamerika, wo noch heute ein sehr eigenes Verhältnis zur Prüderie gepflegt wird, möglicherweise schon, aber ansonsten trifft’s die Feststellung, hier sei nichts Schockierendes enthalten, schon ganz gut; vielmehr wird hier, Jahre vor der Gründung der stilistisch ähnlichen, aber ungleich bekannteren Rage Against The Machine, sozusagen nebenbei der Alternative Rock miterfunden.

Jane's Addiction-Mountain Song

Die obligatorische Beatles-Referenz („Jane Says“) sollte keineswegs als Blaupause für das ganze Album missverstanden werden – das fetzt. (Sagt man das noch, „fetzt“?)

Jane's Addiction- Pigs in Zen

Seit einigen Jahren sind Jane’s Addiction wieder vereint. Das scheint nicht die schlechteste Neuigkeit dieses Jahrhunderts zu sein.