Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

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Musik 12/2015 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil von 15 der Serie Jahresrückblick

Die bisher schönste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass Phil Collins nie wieder ein Lied komponieren möchte. Das ist vielleicht in der gewaltigen Nachrichtenmenge völlig untergegangen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete Stefan Niggemeier in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ davon, dass Claus Kleber anlässlich seiner Honorarprofessur beklagte, dass die Jugend zu einem bedeutenden Teil Nachrichten nur noch häppchenweise statt in vollständiger Darbietungsform zur Kenntnis nehme; im selben Artikel war davon die Rede, dass es Nachrichten also so gehe wie Musik. Offensichtlich ist die Jugend über die Schönheit aktueller musikalischer Kleinode gar nicht mehr informiert (das liegt bestimmt an den zu kurz zusammengefassten Nachrichten). Höchste Zeit also, dass wir uns wieder einmal mit der primasten Musik des Jahres 2015 befassen.

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In den NachrichtenMontagsmusik
echolyn – Mei

PlüschEs ist Montag, es ist seltsam schwermütig. Die Woche vor dem Fest ist traditionell nicht die leichteste für Menschen, die gern ihre Ruhe haben. Dank Vehemenz steht zumindest der Last-Christmas-Zähler noch auf Null, eine Änderung bleibt ungewünscht. Trotzdem: Sehnsucht. Man möchte eigentlich gar nicht daran denken, schon, weil Montag ist und man nicht da ist, wo man eigentlich sein wollte und vermutlich sollte.

Die nahe Welt als Ganzes ist verrückt. Glaubenskriege sind scheiße. Außer gegen die! Von dieser Disneyschmonzette im Kino, deren Kenntnis ich für keine kulturelle Bereicherung hielte, und der gar schrecklichen Mitteilung, dass Stefan Raab nicht mehr den Clown gibt, einmal abgesehen kennt sie momentan nur noch ein großes Thema: Was soll der FC Bayern München nur ohne seinen Trainer machen? Na ja, vielleicht einen anderen Trainer engagieren und weitermachen, aber genüssliches Auswalzen ist ja auch mal schön. Seit ein paar Tagen ist die Vorratsdatenspeicherung vorerst in Kraft, diese Website hat damit endlich mal ein dauerhaftes Archiv und ein paar weitere Leser bekommen und die meisten Bürger interessieren sich offensichtlich nicht besonders dafür. Brot und Spiele, Freunde, Brot und Spiele. – Andererseits ist das image der SPD als Arbeiterpartei damit zumindest nicht beschädigt worden. Arbeiter wurden ja noch nie besonders gut behandelt.

Einfach mal mit den Leuten zu reden ist vermutlich auch zu viel verlangt. Andere wagen diesen Schritt: Einfach mal einen Amokläufer fragen, was der Unsinn eigentlich soll. Es ist, so kann man’s zusammenfassen, nicht hilfreich, geisteskrank zu sein, wenn man nicht gerade eine politische Karriere anstrebt.

Denken wir doch lieber an etwas Schönes. Denken wir an das, was wir brauchen, an das, was wir wollen, und an das, was uns fehlt.

Und denken wir überdies an echolyn.

echolyn – "Mei" Live 2003 With Orchestra (50 Minute Long Prog Epic)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikkritikPolitik
Gorillaz – Feel Good Inc.

Echt jetzEin Montag und kein Blick zurück. Nicht jede Lücke lässt sich füllen. Damals, als das Ideal noch siegte; damals, als es uns noch scherte. Wie retten wir denn jetzt die Welt?

Tüdelüt, die Nachrichten. Die, wie man sie bisweilen bezeichnet, „CDU-Rebellen“ – ich sehe sie schon vor mir, diese verrückten Punks – scheuen den Machtkampf, berichtet „ZEIT ONLINE“. Einig Volk wollen wir sein. Der Saarbrücker Umweltdezernent derweil unterstützt die Forderung nach Polizeiuniformen aus fairem Handel, weil grün immer gut ist. Knüppel dazu? Es ist auch nicht leicht, politisch korrekt zu sein. Es geht ja immer nur um’s Geschäft. Hotelzimmer stornieren gegen Rechts!

Nei-ei-ein, nicht ablenken lassen. Die Welt ist grau. Dezember. Ich habe dieses Jahr noch kaum ein Weihnachtslied als solches wahrgenommen und schneien tut’s auch nicht. Irgendwas ist faul. Die SPD hat sich nach „hitziger“ „Diskussion“ mehrheitlich für noch mehr Verrat entschieden (wie breit diese Mehrheit gewesen sein muss, vermag ich mir bei aller Feiererfahrung gar nicht auszumalen).

Nicht immer ist das Ziel, was erreichbar scheint.

Gorillaz – Feel Good Inc. (Remastered)

(Betrübt schlurfend ab.)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
The Dillinger Escape Plan – Milk Lizard

SchuuuhuuuuuiiiiiiMontag. Zusammen aufzuwachen wäre noch etwas grandioser, wenn da nur nicht dieses Vermissen danach wäre; aber wie könnte man seinen Montag ansonsten besser beginnen als mit Kaffee und zu zweit? Manchmal: Dankbar sein.

Ein jingle spielt. Die Nachrichten. Great Schrott. Kann man sich eigentlich auch totlachen? Das wäre mal ein humaner Krieg. Warum nicht gleich Krieg gegen Niederschläge in Form von Regen am Wochenende? Vielleicht sollte man Terrorismus einfach verbieten. Andererseits: Religion ist Krieg.

Das ist alles so deprimierend. Gucken wir ins Tierreich. – Das kann man ja mal verwechseln: „Ich dachte, die Frau in meinem Bett sei ein riesiger Panda.“ Die sehen sich aber auch immer alle so ähnlich.

Es ist ja nicht alles schlecht. Es gibt jetzt Klopapier mit Lebkuchengestank. Dann muss man das Zeug nicht erst essen und spart einen Weg. Aber ich will nicht klagen. Seid besinnlich, sonst…

The Dillinger Escape Plan – Milk Lizard – Live on Fearless Music

Guten Morgen.

MusikNetzfundstücke
Zitat des Tages: Musiksmombies

Dermaßen viele Ausrufezeichen, wie ich hier gern setzte, verstießen gegen jede Regel des guten Geschmacks, also setze ich kein einziges:

Als eine Stunde des Konzerts vorüber ist, denke ich, dass die Hirntoten nun langsam genug Fotos vom immergleichen Motiv (Klavier, Klavierspieler, Sänger, mal sitzend, mal stehend) geschossen haben müssten, aber weit gefehlt. Sie knipsen immer neue Bilder, die genau so aussehen wie die 5.000, die sie in der letzten halben Stunde geschossen haben. Mit Blitz. Immer dieser Blitz. Nochmal: Was stimmt mit den Menschen nicht? Der Saal ist dunkel, es gibt atmosphörische Musik und sie blitzen. Das ist wie bei einer Beerdigung auf den Sarg scheißen. Das tut man einfach nicht und das weiß normalerweise auch jeder. Nur in Berlin wieder nicht, hier wissen sie nichts.

Menschen. Sie werden so schnell doof.

In den NachrichtenMontagsmusik
JPL – Invisible Death

Keine EuleMontag. Aufzuwachen von Geräuschen der besten aller Partnerinnen vermag manches zu erleichtern, auch die Uhrzeit. „Mistwetter statt Kaffee“ ist das neue „Brot statt Böller“. Das alte war auch doof.

Die Nachrichten überschlagen sich derweil: Günther Jauch hört mit Monologsmoderation auf. Doch, echt! Dann muss man ja wieder Fußball gucken, wenn man nicht schlafen kann. Wie anstrengend ist das denn‽ – Andererseits könnte es schlimmer sein. Man könnte mit Kind zur Arbeit gehen. Nix geben. Nix zeigen. Ich mag eh keine fremden Babys.

Und es war, ist und wird noch mehr Advent, Kinder werden umworben und indoktriniert. Die Infantilisierung und Indoktrination mit dem sparentflammten Geist der Weihnacht geht voran. Zum Glück zahlen wir Rundfunkgebühren, sonst wäre das Fernsehprogramm dieser Tage sicherlich nicht besonders spannend. Ab Ende Dezember dürft ihr Menschen wieder offen hassen. Das Christsein ist sowieso verbrannt, seit Christen sich politisieren.

Die Einschläge kommen näher. Niemand hält die Enten auf. Es wäre Zeit für die Jahresrückschau, aber unsereins ist ja faul und ein bisschen erkältet. Stattdessen also erst mal JPL. Eine gute Band, ein gutes Album (das aber anders heißt).

Guten Tag.

MontagsmusikNerdkramsNetzfundstücke
Faust (live) // Total verchromt / Ampeln für Anfänger

Huh?Man soll den Montag nicht vor dem nächsten Montag loben. Nicht alles ist entbehrlich. Manchmal sind Menschen ja auch furchtbar dumm. Sogar in Metropolen:

Die Signalfarbe “Gelb” wird in Deutschland für Fußgängerampeln in aller Regel nicht genutzt. Ausnahme hierbei ist die Stadt Düsseldorf, die über “Rot-Gelb-Grün”-Signale für Fußgänger verfügt. Einige Menschen sind irritiert über diese Gelbphase, weshalb die Stadt Düsseldorf eine achtseitige Broschüre verteilte. Thema war: So gehen Sie in Düsseldorf über die Straße.

Natürlich ist diese Broschüre in ziemlich leichter Sprache verfasst. Wer schon von einer dreifarbig leuchtenden Ampel überfordert ist, dem mutet man lieber auch keine komplizierten Sätze zu. Vielleicht hätte es aber auch ein Bilderbuch getan.

Was es übrigens keinesfalls tut, ist Chromium, der Browser, auf dem Google Chrome, Vivaldi, Opera und sicher noch viele weitere basieren. Dieser Tage stellte sich heraus, dass all diese Browser nicht nur ein Hintertürchen (Vorsicht: Link auf Google Plus) besitzen, das es ermöglicht, Zwangserweiterungen mit vollen Zugriffsrechten zu installieren, sondern auch einen defekten Zufallszahlengenerator hat. „Der Browser ist weiterhin ein verwirrender und gefährlicher Ort“ (ebd.), aber man muss ja mit der Zeit gehen. Sicherheit ist so 2010.

Popmusik zum Glück auch.

Kläng, dingelding.

Faust live at Festival BBmix 2014

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 19. November 2015

Pünktlich zum heutigen internationalen Männertag habe ich mir die tödliche Männererkältung zugezogen. Meine verbleibende Lebenszeit ist daher wahrscheinlich kurz. Bevor ich also abtrete und der Nachwelt ein CDU-regiertes Deutschland hinterlasse, kann ich ein paar Nachrichten der letzten Tage trotzdem nicht unkommentiert lassen. Es gibt Schlimmeres.

Netzpolitik zum Beispiel mag „tot“ sein, aber sinnlos ist sie bei Weitem nicht: Ein US-Geheimdienstler findet, an Terrorismus seien allein Datenschützer schuld. Zum Glück haben wir in Deutschland ein paar Parteien, die sich trotzdem um eine lebenswerte Gesellschaft kümmern, zum Beispiel die „Grünen“, die endlich eine Möglichkeit gefunden haben, ihrem image als Partei der Waffennarren und erhobenen Zeigefinger eine neue Form der Beklopptheit zu geben:

„Um sicherzustellen, dass alle Menschen gleichermaßen genannt und dadurch mitgedacht werden, wird in unseren Beschlüssen ab jetzt der Gender-Star benutzt“, begründet der Bundesvorstand seinen Vorstoß.

Beziehungsweise eben der*die Bundesvorstand*in. Ich finde es übrigens durchaus angenehm bissig, bei der Sprachverhunzung dem Patriarchat weiterhin den Kern eines Wortes und den Frauen das überflüssige, aber immerhin letzte Wort („*in“) zu überlassen.

Da wir gerade bei Parteien sind: Laut „SPIEGEL ONLINE“ sei die AfD derzeit die drittstärkste Kraft im Bundestag. Wie praktisch, dann muss man nicht mehr wählen gehen, wenn der Wahlausgang Jahre zuvor rückwirkend per Umfrage festgelegt wird. Hunde, wollt ihr ewig leben? Manche jedenfalls nicht: Das Netz ist gespalten. Was wir jetzt brauchen, sind mehr traurige Menschen mit Zetteln, mehr Flaggenavatare auf Twitter und mehr Tonnenboys (m/w).

Apropos Tonnenboys bzw. och nei, du: Xavier Naidoo („Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“, aus: „Wo sind sie jetzt?“), der wohl bekannteste Gefangene der Deutschland GmbH, darf 2016 im „Eurovision Song Contest“ für dieses schwer gebeutelte Land „singen“. Nun könnte man einwerfen, dass es ja ein Länder- und kein Musikerwettstreit sei, und dann hört man sich einmal die dort aufgeführten austauschbaren englischsprachigen Mitklatschschlager der vergangenen Jahre an und zieht seinen Einwand zurück. Seien wir doch ehrlich und geben zu, dass wir uns mindestens seit dem Jahr nach Nicole Ohnenachnamens erschreckend erfolgreichem „Ein bisschen Frieden“ nicht mehr mit den Auftritten identifizieren können und mit der Musik noch viel weniger. Dass aus Deutschland nicht viel gute Musik kommt, mag stimmen; dass aber der „Eurovision Song Contest“ ein medial aufgeblasener Schlagerwettstreit und kein ernst zu nehmendes künstlerisch bemerkenswertes Musikfestival ist und Xavier Naidoo mit seinem melodisch und textlich bestenfalls nur belanglosen Gejammer nicht einmal der lachhafteste mögliche Vertreter Deutschlands ist, wird vor lauter Politisierung viel zu sehr verdrängt.

„Leike Setteleit“ war auch nicht deshalb ein Erfolg, weil es so gut zu Deutschland passen würde.

Gute Besserung uns allen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Mono für Alle! – Gentrification

UuaaaahEs ist Montag. Ein Blick nach links und lächeln. Zumindest war es diesmal kein Traum. Das Käuzchen schweigt und genießt, das Leben kann beginnen.

Allmählich verdaut man dann auch, was letzte Woche außer den erneuten Anschlägen in Frankreich, unserem Nachbarland mit scharfer Vorratsdatenspeicherung zur effizienten Gewaltprävention, mitsamt dringend erforderlichen Belanglosigkeiten noch geschah. Endlich wurde wieder jemand getötet, damit das Töten aufhört. Der unbewaffnete neunjährige Autist hingegen, der unlängst von der US-amerikanischen Polizei erschossen wurde, war gar nicht bedrohlich. Hoppla! Aber solche Fehler können ja mal passieren in dieser verrohten Gesellschaft, die nach der Überwindung von Lesesucht, die im 19. Jahrhundert unser Miteinander gefährdete, und Fernsehen, das im 20. Jahrhundert unser Miteinander gefährdete, inzwischen durch Smombiefizierung gefährdet wird. Das Jugendwort des Jahres erkennt man ja normalerweise daran, dass es niemand benutzt.

Unverzeihlich ist es hingegen, wenn auf Müllermilch eine Dunkelhäutige prangt. Allein der Name schon – „Schoko“! Das heißt doch jetzt Farbigolade. Gegen einen muskulösen dunkelhäutigen Musiker hätte man aber wahrscheinlich nichts gehabt. Die werden ja nicht diskriminiert dadurch.

Man weiß schon gar nicht mehr, was man noch zeigen soll. Menschen jedenfalls nicht.

Dann eben Elektrodingsbums.

G-e~n*T-r-i^f.i.K.@.t#i+0N — [mono für alle]

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Grünlich Grau – Niederstes Gewänz

Niederstes GewänzGewänz. Was zur Hölle ist Gewänz?

Fest steht, dass in den 1990-er Jahren eine Band des Namens „Niederstes Gewänz“ wirkte. Offenbar geht diese Wortkreation zurück auf ein Zitat aus dem 1993 veröffentlichten Film „Doc Snyder hält die Welt in Atem“ von – wem auch sonst? – Helge Schneider. Ist doch albern. Woher „Grünlich Grau“, der Name der im Folgenden gemeinten Musikgruppe, stammt, konnte ich allerdings nicht eindeutig herausfinden.

Worum geht es? Nun, Grünlich Grau machen im positiven Sinne bekloppte Musik. Auf dem Album „Niederstes Gewänz“ schreiten „Kalle“, „Hannes“, „Kranz“ und „Frieder“ schleunig durch die Stile, vom 70er-Politrock („Bunker“) über Techno („Spacesurfer“) bis zu wirrstem RIO („294: Der Geschmack der Vorrichtung“) ist alles dabei. Die Sprache der (wenigen) Texte ist mal Französisch, mal Englisch und mal Deutsch; das ist, wie der geneigte Musikfreund spätestens seit Eclipse Sol-Air weiß, keineswegs verwirrend, sondern wunderbar passend. An Humor mangelt es der Band ohnehin nicht: Der Text von „Bunker“ zum Beispiel, so behauptet’s die Presseinformation, stamme von Hans Sprungfeld.

Auf Bandcamp.com und per eMule kann man sich das ganze verdammte Ding herunterladen, bei ersterer Möglichkeit auf Wunsch auch gegen eine Spende in beliebiger Höhe. Ich lege dies nahe.

MontagsmusikPiratenpartei
Jakob – Blind Them With Science

Remember, rememberEin flauschloser Montag, der davor war irgendwie schöner. Teufel, geht das immer schnell. Es wird Grippezeit, und auch die Piratenpartei hatte sich da was eingefangen: Florian „d1etpunk“ Bokor ist milde keifend ausgetreten, wie gewohnt noch im Gezeter mit „willkommen draußen“ von denen begrüßt, die es für einen Erfolg halten, politisch gescheitert zu sein. Dieser Florian Bokor war auch jener, welcher im Januar 2014 anlässlich eines Bundesparteitags fremde Flaggen hissen ließ, das Piratenschiff also gleichsam kampflos vor versammelter Mannschaft den Seeroibern, die nicht mehr einte als der Klassenkampf gegen das Böse, übergab.

Vielleicht hätte er sich vorher wenigstens ein wenig mit „seiner“ Partei beschäftigen sollen, denn das, was ihm fehlte, war nie weg. Für ein Bekenntnis zu den immer gleichen Werten aber gibt es vielleicht einfach zu wenig Applaus von den Willkommendraußens. Rum und Ähren. Evidenzbasiertes politisches Geschick ist so 2009.

Klopp lernt das Verb „to lose“, überschrieb man bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Artikel über ein verlorenes Fußballspiel von Jürgen Klopps neuem Verein, dem FC Liverpool, und möglicherweise bringe ich dem zuständigen Redakteur jetzt auch mal ein neues Verb bei, nämlich „to facepalm“, und möchte das zur weiteren Interpretation einfach einmal hier herumliegen lassen. Andere Leute lassen Schlimmeres herumliegen, zum Beispiel lässt ein Herr Collins die Kunstfigur „Phil Collins“ herumliegen, während er befürchtet, jetzt doch noch cool zu werden. Immerhin scheint er trotzdem seine Musik zu kennen: „Es sind nicht nur Kritiker, denen manche meiner allgegenwärtigen Bestseller längst aus dem Hals heraushängen!“ Radiosender allerdings kriegen offensichtlich nicht genug davon. Hoffentlich bringt bald jemand ein drittes Lied raus.

Oder es spielen einfach mehr Radiosender was Anständiges. Ich hätte da einen Vorschlag.

Jakob – Blind Them With Science live@Bleach (Brighton, UK 24-04-2015)

Guten Morgen.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Hooffoot (live)

Kalt draußenDas Internet freut sich: Die Website des größten deutschen Totholzverschwenders sperrt nun Leute aus, die ihren Rechner gern vor Kriminellen schützen möchten. Allerdings sind sie sogar dafür zu doof, denn die mobile Website (soll heißen: die, die man sieht, wenn man versehentlich mit einem smartphone draufgeht) lässt sich von Adguard zumindest unter Android nicht am Funktionieren hindern. Damit kann ja auch keiner rechnen.

In der Türkei steigt derweil ’ne Feier: Dem Erdoğan seine Partei hat die absolute Mehrheit zurückerobert, und wer bei Eroberungen an Kreuzzüge und blutige Gemetzel denkt, hat damit angesichts der dortigen Kurdenschlachterei vermutlich nicht Unrecht. Die OSZE beklagte den mit Gewalt geführten Wahlkampf, was die Bundesregierung natürlich brennend interessiert: „Regierungssprecher Steffen Seibert begrüßte am Montag den friedlichen Verlauf der Wahl“, man will ja den Großkunden nicht verlieren: Kurden nutzen deutsche Waffen gegen den IS, während die Türkei ihrerseits (über die NATO militärischer Verbündeter Deutschlands) Kurden bombardiert. Frieden schaffen, ihr Affen.

Apropos Affen: Apple lässt CCC-Apps auf Apple TV nicht zu, weil man im CCC naturgemäß auch Apples Betriebssysteme technisch analysiert. Vielleicht sollte der CCC auf dem anstehenden 32. Congress im Gegenzug Apple-Geräte vom Gelände verbannen.

Man könnte ja auch ganz andere Dinge tun, zum Beispiel Hooffoot hören.

Hooffoot — Burg Herzberg Festival 2015

Guten Morgen (n.V.).

In den NachrichtenMontagsmusik
Postmodern Jukebox – Seven Nation Army

Da gucksteMontag. Gute Neuigkeiten: Alles hilft gegen Krebs. Blöderweise verursacht auch alles Krebs. Vielleicht doch weniger Wissenschaft und mehr Politik? Heiko „Vorratsdaten“ Maas sagt ausgerechnet zur „BILD“, dass islamkritische Demonstranten für brennende Flüchtlingsheime verantwortlich seien, und wofür die „BILD“ dann verantwortlich ist, möchten wir lieber nicht ausführen, es könnten Kinder mitlesen.

Es könnte schlimmer sein. Man könnte Veganer sein. Derweil empfindet es Hasnain Kazim als Verrat an den europäischen Werten, wenn die EU dem Unrechtsstaat Türkei aus Asylantengründen eine Mitgliedschaft andient, verrät aber leider nicht, was diese europäischen Werte denn genau sind. Vielleicht der Kaufpreis für die Waffen, mit denen da unten die Leute einander meucheln. Wenigstens die Wirtschaft funktioniert noch.

Und natürlich das schöne Ritual der montäglichen Begrüßung mit herrlicher Musik.

Seven Nation Army – Vintage New Orleans Dirge White Stripes Cover ft. Haley Reinhart

And the feeling coming from my bones
says: find a home.

Man kann das alles ernst nehmen. Man muss aber nicht.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Pharaoh Overlord – Mystery Shopper

SchuhuhMontag. Das Smartphone verkündet, es sei stark bewölkt, und genau so fühlt es sich auch an. Zäunen wir doch einfach Österreich ein, vielleicht löst das ja ein Problem.

Apropos Probleme: Öffentlich, nicht frauenöffentlich. Aber manchmal sind sie ja schon für einen Lacher gut: barbusige Femen stürmen Sex-Messe, das war bestimmt schockierend für alle Anwesenden, beim Lustwandeln unverhofft mit Nacktheit konfrontiert zu werden. Die Grünen beschäftigen sich mit sich selbst und die Regierung pervertiert derweil die Freiheit, die Vorratsdatenspeicherung ist noch immer nicht besiegt. Ist es nicht wunderbar, Tag für Tag etwas zu haben, für das sich das Kämpfen lohnt?

Der eigentliche Kampf ist ja ohnehin der, der sich nur gewinnen lässt, wenn man ihn gewinnen lässt. Auf dem eigenen Schweinehund ins Verderben zu reiten verspricht zumindest noch frischen Wind um die Nase, aber man verzichtet dankend und schmachtet. Der magische Montag birgt manchmal auch Überraschendes.

Augen zu und durch.

Pharaoh Overlord – Mystery Shopper @ Dunajam 2012

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Space Riders – Give Gravitation to the People

RoboteuleEs ist Montag. Habt Angst! Angst!

Aber wovor? Vor Kim Kardashian, vor der CDU oder vor der Apokalypse? Nah‘ dran: Fürchtet euch vor Robotern! Zumindest scheint diese Angst verbreitet zu sein; so verbreitet, dass Stephen Hawking höchstselbst, seinerseits ja längst auf Robotik angewiesen, beschwichtigte, ihr müsstet euch vor manchen Dingen fürchten, aber nicht vor Robotern. Fürchtet den Kapitalismus und tötet den Thermomix!

Die Politik, so postuliert Henrik Müller vom ewig seichten „SPIEGEL ONLINE“, sei „gefangen in einer Abfolge von Ausnahmezuständen“, und vielleicht könnte man vieles davon lösen, wenn man endlich Sigmar Gabriel aus dem Land jagen würde, vielleicht aber auch nicht. Krise? Welche Krise?

„Google Incorporated“ schickt mir eine „vertrauliche“ Gewinnnachricht von einer *.or.id-E-Mail-Adresse. Das klingt seriös, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das, was fehlt, in keinem Gewinnspiel jemals errungen werden könnte.

Erst mal wach werden.

BLACK SPACE RIDERS – Give gravitation to the people (Official Video)

Guten Morgen.