Archiv für März 2016

In den NachrichtenProjekte
Licht an! II

Wurde ja auch mal wieder Zeit:

Um 20.30 Uhr ging in Städten auf der ganzen Welt für einen guten Zweck das Licht aus: Millionen Menschen verbrachten eine Stunde im Dunklen, um gegen den Klimawandel zu protestieren.

(SPON)

Mal abgesehen von dieser amüsanten Formulierung (gegen den Klimawandel protestieren, geh weg, böser Klimawandel!) haben die Organisatoren diesmal immerhin ihren Verstand benutzt:

Greg Bourne, Cheforganisator der „Earth Hour“ vom australischen WWF, gab zu, dass die Aktion eher Energie verbraucht anstatt zu sparen. „Es ist symbolisch. Und darum geht es“, sagte er. „Es kommt darauf an, ein sichtbares Zeichen für die Politik zu setzen, damit sie langfristige Entscheidungen trifft.“

Diese Symbolik mag mir auch erklären, wer kann; gegen etwas protestieren, indem man es provoziert, ist ein reichlich wunderlicher Ansatz, der sich indes auch auf Antifa-Demonstrationen hin und wieder beobachten lässt, wie mir zu Ohren kam.

Ich lasse dann mal das Licht brennen, um aktiv gegen den Klimawandel zu protestieren. Mit Energiesparlampen.
Natürlich.


Übrigens: eMule beba 2.50 ist fertig, wie immer mit vielen nützlichen Änderungen und der gewohnten Sicherheit inklusive einer Filterfunktion für Industrie-IPs. Frohes Tauschen!

KaufbefehleMusikkritik
Marnie Stern – This Is It and I Am It and You Are It and So Is That and He Is It and She Is It and It Is It and That Is That

Was mir ja nun – ganz entgegen meinen Gewohnheiten – seltsamerweise auch gefällt, ist der eigenartige Indie-Pop (laut Eigenbeschreibung ebenfalls progressive) der US-amerikanischen Gitarristin Marnie Stern. Ihr zweites, bereits 2008 veröffentlichtes (und damit für die Halbjahresliste 2009 leider nicht mehr zur Wahl stehendes) Album oben angeführten, überaus einprägsamen Titels klingt nach einer überaus brauchbaren Mischung aus The Kills und You Say Party! We Say Die!.

Das Album beginnt mit dem, wie es das Feuilleton auszudrücken pflegt, tanzbaren Prime und geht über die volle Länge von 41 Minuten, mit hier und da mehr am Rock orientierten Stücken, etwa genau so weiter und wird dabei kaum langweilig. Allein neigt man dazu, die Lautstärke übertrieben zu erhöhen.

Mehr zu hören gibt es auf MySpace. Viel Spaß!

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
25. März

25. März 1989:

Eine Diktatur liebt die andere: „DDR und Nicaragua verbinden enge brüderliche Beziehungen“, verkündet das „Neue Deutschland“ In Lettland haben die Menschen die Diktatur endgültig satt: in der Hauptstadt der Noch-Sowjetrepublik Riga gedenken rund 30 000 Teilnehmer in einem Schweigemarsch der Verbrechen der Sowjetdiktatur. Auf den Transparenten war die sowjetische Statistik in nüchternen Zahlen zu sehen[…].

25. März 2009:

Trotz allem kann heute bei einer Demonstration in Berlin die Rote Fahne mit Hammer und Sichel getragen werden, ohne dass es einen Aufstand der Anständigen gibt. Im Gegenteil: auf der jüngsten Demonstration gegen den Thor- Steinar- Laden in Berlin Friedrichshain, wurde von den Teilnehmern erwartet, dass sie sich hinter eben dieser Fahne zum Kampf „gegen rechts“ versammeln. Mancher im Zug trug Che Guevara auf der Brust, der mehr als 200 Menschen hingerichtet hat und nach wie vor als Kultfigur auf linken T-Shirts prangt.

Treffend beobachtet, vollständiger nachzulesen hier.

(Ähnliche Gegenüberstellungen gibt es täglich; höchst lesenswert!)

Persönliches
Leerer Blick

(… und dann liegt man da auf dem Bett, den leeren Blick an die Zimmerdecke gerichtet, und man denkt darüber nach, wie man die letzten Monate – waren es 10 oder schon mehr? – verbracht hat; nein, so viel zu denken gibt es da dann eigentlich nicht. Ein neuer Lebensabschnitt, natürlich, das ist es immer, und eigentlich verläuft ja auch alles ganz nach Plan, bis auf diese unbestimmte Kleinigkeit eben. Der Sänger mit der angenehmen Stimme singt von Sommern, die wie Züge vorbeiziehen, aber irgendwie zieht er selbst an einem vorbei, nur nicht ganz so laut und störend wie ein Zug. Bei dem Gedanken an diesen Vergleich muss man ein bisschen schmunzeln, aber man hat noch im gleichen Atemzug wieder vergessen, worüber man gerade schmunzeln wollte, und so lässt man es dann bleiben und denkt, den leeren Blick an die Zimmerdecke gerichtet, darüber nach, ob und was man stattdessen noch hätte bleiben lassen sollen und ob dieser Satz nun eigentlich akzeptabel formuliert ist, aber mindestens zweiteres ist einem dann doch irgendwie egal. Wenn man jemals eine Zeitmaschine hätte bauen wollen, dann jetzt; aber man kennt sich selbst ja nun schon ein paar Jahre und weiß, dass man wieder nur Unfug damit anstellen würde. Der leere Blick bleibt an der Zimmerdecke, vorbei an den Bildern, die das geistige Auge projiziert. Draußen singen die Vögel. Und übrigens …)

In den Nachrichten
Ab wie viel Blut ist ein Computerspiel eigentlich ein Killerspiel?

War ja fast klar:

Ein paar Winnender Familien, deren Töchter kürzlich zu einer obskuren Rangliste beitragen durften mussten, haben sich öffentlichkeitswirksam (stille Trauer reicht eben offenbar nicht) an die Regierung gewandt und, wie es sich für mit den modernen Medien nicht vertraute Menschen eben so gehört (cf. Causa von der Leyen), direkt blödsinnige Forderungen gestellt.

Neben dem üblichen, größtenteils recht undurchdacht wirkenden Kram, das die Autoren und Autorinnen offenbar ohne Berücksichtigung tatsächlicher Durchführbarkeit („gewaltfreies Fernsehen für Kinder und Jugendliche“, „mehr Jugendschutz im Internet“, „schärfere Waffengesetze“ usw.; mindestens die ersten beiden Forderungen sind irrational, Kinder und Jugendliche sind ja großteils nicht blöd) aufs Papier geschmiert haben, kommt natürlich auch wieder das gute, alte Counter-Strike zur Sprache:

Spiele, ob über Internet oder auf dem PC, die zum Ziel haben, möglichst viele Menschen umzubringen, gehören verboten. Gleiches gilt für alle Gewalt verherrlichenden Spiele, deren Aufbau und Darstellung sehr realistisch sind und bei denen viel Blut fließt.

Dass die so genannten „Killerspiele“ nicht unbedingt Gewalt verherrlichend sind, sondern vielmehr auch zur Schärfung von Teamgeist und taktischem Geschick dienen können, möchte ich hier nicht einmal besonders betonen, und auch nicht, dass als logische Konsequenz Polizei und Bundeswehr (eindeutig schlechte Vorbilder!) abgeschafft werden müssten; allerdings: Macht nicht erst ein Verbot viele Dinge reizvoll?

Ich behaupte: Viel weniger Kinder würden rauchen, wenn sie es dürften.
Ich behaupte: Viel weniger Kinder würden sich betrinken, wenn sie es dürften.
Ich behaupte: Viel weniger Kinder würden USK-18-Spiele spielen, wenn sie es dürften.

Wo doch Verbote ohnehin in diesem Fall reichlich wunderlich sind; schließlich ist es auch nicht unbedingt im Sinne des Gesetzes, wahllos Leute zu erschießen, was potenzielle Amokläufer dennoch nur überaus selten von ihrer Tat abhält.

In einem Diskussionsforum, in dem dieses Thema ebenfalls zur Sprache kam, schrieb ich vorhin dies:

Ernst August Wagner (nebenbei: ebenfalls in Winnenden gestorben) ist 1913 Amok gelaufen. Ich frage mich, was er vorher gespielt hat. Murmeln?

Aber es ist immer so schön leicht, jede Verantwortung von sich zu weisen.
Eigentlich interessant, dass noch niemand gefordert hat, Schützenvereine zu verbieten; wo sie doch freien Zutritt für schießwütige Jugendliche bieten!

Oder sollte man Jugendliche lieber verbieten? Aber wie passt das dann zum 27-jährigen Amokläufer in Alabama?

Vielleicht hatte Lukas Recht:

Wenn wir etwas verbieten müssten, dann die Pubertät.

MusikPersönliches
Absurdes im Alltag

Herzlich willkommen zum Auftakt, quasi zum Pilotbeitrag, einer weiteren überaus losen Serie in dieser Netzpublikation, betitelt „Absurdes im Alltag“.

Absurdes ist täglich um uns herum, nicht nur vertreten durch dada- und nihilistische Künstler.

Allein heute begegneten mir folgende zwei Absurditäten:

1) psd… weitersagen!

Die Werbeplakate der psd-Bank – Untertitel: Wissen, was Sinn macht – haben sich weitgehend unbemerkt in einigen Städten verbreiten lassen. Geworben wird mit dem absurden Motto „psd… weitersagen!„.

Bin ich tatsächlich der einzige Mensch, der wo es für widersinnig erachtet, zu verbreitende (weiterzusagende) Informationen flüsternd (pst!) zu übermitteln?

Bei der Bank werde ich vermutlich nie ein Konto eröffnen.
Weitersagen, aber bitte recht laut!

2) die Sache mit den roten Ampeln

Dass rote Ampeln nur wenige Menschen am Überqueren von Verkehrswegen hindern, ist für mehrere Beteiligte – und Unbeteiligte – oft lebensgefährlich und ein altbekanntes Thema; reden wir nich‘ mehr drüber.

Absurd allerdings ist’s, dass die meisten auf den ÖPNV angewiesenen Personen, die es derart übermäßig eilig haben, die gewonnene Zeit damit verbringen, um so länger an der Haltestelle zu stehen.

Warum überqueren regelmäßig ganze Menschentrauben flinken Schrittes rot beampelte Überwege und echauffieren sich anschließend darüber, dass es noch mehrere Minuten dauert, bis das erwartete Verkehrsmittel eintrifft?

Wer eine Antwort parat hat, möge sie als Kommentar hinterlassen.


Unbedingt empfehlenswerter Radiostream übrigens:
Radio Tonkuhle, knuffiger Hildesheimer Lokalsender, weltweit zu empfangen via Stream und Heimat der Schallgrenzen.
Viel Vergnügen!

In den NachrichtenProjekte
Die Sicherheit von Direktdownloads

Nachdem mir als – bekanntermaßen – Verfechter der etablierten eMule-Technologie in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Zeitgenossen fragwürdiger Ansicht mitteilten, dass Filesharing so was von unsicher sei und gegen „anonyme Techniken“ wie die so genannten Direktdownloads, zum Beispiel via Rapidshare, keine Chance mehr habe, nahm ich heute höchst zufrieden dies zur Kenntnis:

Derzeit wird im Rechtshilfeforum 123recht.net ein Fall besprochen, in dem ein User wegens des Uploads eines Metallica-Albums auf Rapidshare.com verdächtigt wurde und eine Hausdurchsuchung erhielt.

Ich bin einmal gespannt, was diesbezüglich noch geschehen wird. Bei eMule jedenfalls fühle ich mich derzeit überaus sicher.

In den Nachrichten
Pornos sind an allem schuld!

„Das mit dem Amoklauf“ wird täglich absurder:

Auf dem Computer des Amokläufers hatten die Ermittler Computerspiele wie „Counterstrike“ gefunden, aber auch Pornofilme.

(SPON, die BILD hätte das Material vermutlich „Fick-Filme“ genannt.)

Bleibt die Frage, was uns das sagt. Killerspiele sind böse, Nacktheit aber auch?
Wer Pornos herunterlädt, ist eine Gefahr für die Gesellschaft?
Oder ist das wieder nur so ein schlüpfriges Detail, das zeigen soll, dass der Protagonist „nicht normal“ war? Was für ein Bild hat der SPIEGEL dann eigentlich von der heutigen Jugend?

Vielleicht sollte mal jemand eine Statistik (apropos Statistik) erstellen, wie viele Amokläufer eigentlich im Besitz pornografischen Materials waren. Auf die nächste Verschärfung des Jugendschutzgesetzes bin ich gespannt.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Tag des Amoklaufs

Wir müssen den USA immer alles nachmachen!
Das habe ich ja nun schon mehrfach beklagt, und heute wird schon wieder fleißig Amok gelaufen.

Aus den Nachrichten möchte ich hierzu zitieren:

Spezial-Einheiten der Polizei stürmten das Elternhaus des Amokläufers, brachten die Mutter zu einem Verhör. Eine Waffe fehlte aus dem legalen Privat-Arsenal des Vaters, vermutlich die Tatwaffe.

Über das wie üblich überaus dämliche „vermutlich“ möchte ich hier gar nicht mehr viele Worte verlieren, indes gefällt mir die Arbeitsweise der Polizei. Die ist so schön irrational.

„Stürmen“ müssen hätten sie das Schulgebäude. Im Elternhaus gibt es nun mal nicht mehr viel zu stürmen. Oder wird das bei diesen „Spezial-Einheiten“ anders gehandhabt?

„Hier, Jungs, folgendes Problem: Der Kerl ist schon tot. Was stürmen wir dann jetzt?“
„Hmmm… wie wäre es mit dem Elternhaus?“
„Au ja!“

Ich stelle mir das lustig vor.
Lustig ist auch, was die Hast im Online-Journalismus gerade in solchen Situationen hervorbringt:
http://wirres.net/article/articleview/5152/1/6/

(Nachtrag: Weiterlachen kann man beim Niggemeier, zum Beispiel über Zahnbürsten-Budgets.)

MusikNetzfundstücke
Vögelchen!

Dass ausgerechnet der nun nicht gerade durch Sensationsgier bekannt gewordene SPIEGEL mit Fotos toter Menschen Besucher zu erheischen sucht, ist schon bedrückend. Da braucht man ein wenig Aufheiterung.

Wie wäre es mit ein wenig Postrock?
Benedikt hat wieder mal was Gutes aus Deutschland ausgegraben:

I am the Architect konstruieren und bauen seit 2007 an einem klassisch inspirierten, beeindruckend guten Postrock (…). Für den Fan der üblichen Konsorten der mal lauten und mal leisen instrumentalen Postrocker ist das wirklich klasse Innenohrfutter. Die Architekten haben einen deutlichen Hang zu ätherischen, gelegentlich fast gazenden Tönen, können aber auch schön brav Gitarrenwände hochziehen und wieder einfallen lassen. Sind halt Architekten.

Anhören kann man sich den Spaß hier; natürlich für lau.

Diejenigen von euch, für die der Spaß beim Musikhören im Vordergrund steht, sollten indes einen Blick auf ein Musikvideo werfen, das die (übrigens überaus gute) Musiksendung Tracks kürzlich bewarb:
Der YouTube-Nutzer stianhafstad hat Ausschnitte einiger Ernie-und-Bert-Episoden zu einem durchaus amüsanten Video zusammengefügt, in dem die beiden Protagonisten zu den Klängen von „Ante Up“ des Rapduos M.O.P. musizieren.

Oder man guckt sich stundenlang tanzende Vögel an. Ist auch witzig.

Hihi. :)