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Ab wie viel Blut ist ein Computerspiel eigentlich ein Killerspiel?

War ja fast klar:

Ein paar Win­nen­der Fam­i­lien, deren Töchter kür­zlich zu ein­er obskuren Ran­gliste beitra­gen durften mussten, haben sich öffentlichkeitswirk­sam (stille Trauer reicht eben offen­bar nicht) an die Regierung gewandt und, wie es sich für mit den mod­er­nen Medi­en nicht ver­traute Men­schen eben so gehört (cf. Causa von der Leyen), direkt blödsin­nige Forderun­gen gestellt.

Neben dem üblichen, größ­ten­teils recht undurch­dacht wirk­enden Kram, das die Autoren und Autorin­nen offen­bar ohne Berück­sich­ti­gung tat­säch­lich­er Durch­führbarkeit (“gewalt­freies Fernse­hen für Kinder und Jugendliche”, “mehr Jugend­schutz im Inter­net”, “schär­fere Waf­fenge­set­ze” usw.; min­destens die ersten bei­den Forderun­gen sind irra­tional, Kinder und Jugendliche sind ja großteils nicht blöd) aufs Papi­er geschmiert haben, kommt natür­lich auch wieder das gute, alte Counter-Strike zur Sprache:

Spiele, ob über Inter­net oder auf dem PC, die zum Ziel haben, möglichst viele Men­schen umzubrin­gen, gehören ver­boten. Gle­ich­es gilt für alle Gewalt ver­her­rlichen­den Spiele, deren Auf­bau und Darstel­lung sehr real­is­tisch sind und bei denen viel Blut fließt.

Dass die so genan­nten “Killer­spiele” nicht unbe­d­ingt Gewalt ver­her­rlichend sind, son­dern vielmehr auch zur Schär­fung von Teamgeist und tak­tis­chem Geschick dienen kön­nen, möchte ich hier nicht ein­mal beson­ders beto­nen, und auch nicht, dass als logis­che Kon­se­quenz Polizei und Bun­deswehr (ein­deutig schlechte Vor­bilder!) abgeschafft wer­den müssten; allerd­ings: Macht nicht erst ein Ver­bot viele Dinge reizvoll?

Ich behaupte: Viel weniger Kinder wür­den rauchen, wenn sie es dürften.
Ich behaupte: Viel weniger Kinder wür­den sich betrinken, wenn sie es dürften.
Ich behaupte: Viel weniger Kinder wür­den USK-18-Spiele spie­len, wenn sie es dürften.

Wo doch Ver­bote ohne­hin in diesem Fall reich­lich wun­der­lich sind; schließlich ist es auch nicht unbe­d­ingt im Sinne des Geset­zes, wahl­los Leute zu erschießen, was poten­zielle Amok­läufer den­noch nur über­aus sel­ten von ihrer Tat abhält.

In einem Diskus­sions­fo­rum, in dem dieses The­ma eben­falls zur Sprache kam, schrieb ich vorhin dies:

Ernst August Wag­n­er (neben­bei: eben­falls in Win­nen­den gestor­ben) ist 1913 Amok gelaufen. Ich frage mich, was er vorher gespielt hat. Murmeln?

Aber es ist immer so schön leicht, jede Ver­ant­wor­tung von sich zu weisen.
Eigentlich inter­es­sant, dass noch nie­mand gefordert hat, Schützen­vere­ine zu ver­bi­eten; wo sie doch freien Zutritt für schießwütige Jugendliche bieten!

Oder sollte man Jugendliche lieber ver­bi­eten? Aber wie passt das dann zum 27-jähri­gen Amok­läufer in Alaba­ma?

Vielle­icht hat­te Lukas Recht:

Wenn wir etwas ver­bi­eten müssten, dann die Pubertät.

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