Anfang 2023:
Twitter stellt die Nutzung seines APIs unter Strafe. Alternativen zu den eigenen Twitterprogrammen werden so verunmöglicht. Alteingesessene Nutzer verlassen reihenweise die Plattform.
Neulich:
Reddit erhöht die Kosten für die Nutzung seines APIs auf bizarre Summen, sein Chef belügt die davon betroffenen Nutzer. Alternativen zu den eigenen Redditprogrammen werden so verunmöglicht. Alteingesessene Nutzer verlassen reihenweise die Plattform.
Jetzt (läuft noch):
YouTube versucht dezentrale Alternativen zu den offiziellen YouTube-Programmen zu verbieten.
Manchmal glaube ich, ich hätte das Zeug dazu, Geschäftsführer eines namhaften Technikkonzerns zu werden. Man muss nur die Nachrichten lesen, die dümmsten Ideen der Konkurrenz sammeln und dann sagen: das brauchen wir auch!
Den Istzustand der Wirtschaft und seine Hintergründe hier abermals zu erläutern wäre langweilig, das haben andere schon mal besser, mal schlechter getan. Im Abreißkalender der Ausreden, warum es den Menschen im reichen Deutschland finanziell zusehends schlechter geht, stand letztes Mal ein Krieg zwischen zwei mit Deutschland nicht verbündeten Staaten. Diese Ausrede gilt bis auf Widerruf.
Steigende Steuern und „Abgaben“ (also Geld, das man zwar – wie bei jedem anderen gelungenen Raub (nach Thomas von Aquin) eben auch – unter Androhung schwerer Strafe zu zahlen verpflichtet ist, das aber nicht „Steuer“ heißt) erschweren uns allen das Halten unseres Lebensstandards, vom einfachen Arbeiter bis hin zu den überbezahlten Verzichtbaren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die müssen ja auch von irgendwas leben.
Kai Gniffke, seit fünftausend Jahren in der SPD und nicht ganz so lange ARD-Vorsitzender, möchte als guter Vorgesetzter natürlich die Lebensqualität seiner Mitarbeiter erhöhen und quatscht daher:
Der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke hat sich für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen. (…) Mit Blick auf die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte Gniffke unter anderem die Preisentwicklung an.
Mir möchte scheinen, Kai Gniffke ist da einer ganz heißen Sache auf der Spur: Menschen, die immer mehr Geld ausgeben müssen, brauchen auch immer höhere Einnahmen oder weniger Ausgaben. Den Bürgern, denen die Preisentwicklung schwer zu schaffen macht, allerdings mit der Begründung, dass die Preise steigen, die Preise steigen zu lassen wirkt auf mich zumindest undurchdacht. Wäre es, wenn man schon nicht will, dass die eigenen Mitarbeiter zu viel Geld ausgeben müssen, nicht vielmehr zielführend, diejenigen ihrer Ausgaben, auf die man selbst Einfluss hat, zu senken?
Das Geschäftsmodell der ARD würde sich im konsequenten Marktliberalismus kaum zu behaupten wissen.
Es ist ein beruhigendes Gefühl für die Psyche, wenn ein Produkt einen Preis hat, der auf 9 statt auf 0 endet. Völlig folgerichtig kostet Apples neue Taucherbrille – das Internet fragte bereits witzelnd nach einem Apple-Schnorchel – bei Verfügbarkeit 3.499 US-Dollar, in Deutschland absehbar also ein paar Euro mehr.
Es ist Montag. Bitte stören: Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung ist auf einem Rekordtief. Weil aber sowieso erst 2025 wieder gewählt wird, ändert das nichts.
In Kevelaer gibt es jetzt einen Parkscheinautomaten mit Gottesdiensttaste. Schöne Idee: Auf St. Pauli könnte es demnächst Parkscheinautomaten mit einer Quickietaste geben, in Berlin einen Parkscheinautomaten mit einer Kotztaste. Spannende (meinerseits ungeklärte) Frage: Gilt die Gottesdiensttaste auch für satanische Messen oder ist nachts das Parken sowieso frei? – In Japan betrachten sie Religion unterdessen als Gefährdung des Kindeswohls. Vorbildlich, zweifellos.
Apropos Gefährdung des Kindeswohls: Till Lindemann macht Musikerdinge und die Presse ist entsetzt, weil sie sich nicht vorzustellen wagte, dass man auch als Prominenz noch bumsen mag. Wäre ich noch geringfügig zynischer und machte das zu meinem Lebensinhalt, käme ich mit den Dingen, die ich tun müsste, um möglichst vielen Menschen gleichzeitig absichtlich unangenehm zu sein, nicht mehr hinterher: Andere Parteien wählen, anderen Saft trinken, andere Bücher lesen, andere hashtags verfolgen, andere Klamotten tragen, andere Musik hören. Vielleicht sollten sie Bratwurst zum Album verkaufen.
Die deutsche Frauen-Bundesliga hat einen Sponsorenvertrag mit Google Pixel abgeschlossen und soll jetzt den Namen „Google Pixel Frauen-Bundesliga“ tragen.
Ah, 1. Juni. Dort, wo es niemanden stört, beginnt heute der jährliche pride month, also Stolzmonat, in dem Menschen, deren sexuelle Vorlieben auch oder ausschließlich ihresgleichen umfassen, sich sehr darüber freuen; dort jedoch, wo es um die Rechte selbiger nicht so gut bestellt ist, möchte man lieber nicht auffallen. Wann finden eigentlich die Christopher-Street-Day-Paraden in Uganda statt?
In seinen nicht bindenden Schlussanträgen schlägt Generalanwalt (AG) Szpunar vom Gerichtshof der Europäischen Union eine “Neuausrichtung der Rechtsprechung des Gerichtshofs zur Auslegung von Artikel 15 Absatz 1 der Richtlinie 2002/58 in Bezug auf Maßnahmen für das der Quelle einer Verbindung zugeordnete Luxemburg” vor, und zwar in Form einer Rechtsprechung, “die eine generelle und unterschiedslose Vorratsspeicherung von IP-Adressen (…) zum Zwecke der [Bekämpfung] von Online-Straftaten vorsieht, bei denen die IP-Adresse das einzige Ermittlungsmittel ist.”
Von diesen Gestalten Warnungen vor irgendwelchen ostwärtigen „Überwachungsstaaten“ zu erhalten ist – wie im verlinkten Text ausgeführt – bestenfalls eine Beleidigung der Intelligenz der Empfänger. Keine Ahnung, warum immer noch so viele Menschen die Europäische Union immer noch für einen Hort von Freiheit und Demokratie halten. Der Journalist Julian Assange wird seit 1.511 Tagen von ihren Freunden und Verbündeten unter Folter an weiterem Journalismus gehindert. Das macht alles echt keinen Spaß mehr.
(Musik? Musik. Einfach, um einander zu beruhigen.)
Unverändert gilt: Seid Terroristen! Ein sicheres VPN ist Selbstverteidigung. Nur, wer ein wirklich langweiliges Leben hat, hat vermeintlich nichts zu verbergen.
Ein Mann kommt Olaf Scholz gefährlich nahe. Trotz Personenschützern und Polizei gelingt es ihm, den Kanzler auf dem Rollfeld am Flughafen Frankfurt zu umarmen.
Das muss diese Volksnähe sein, von der die SPD immer spricht.
Wie man’s auch nimmt: Ich möchte auch mal ein Amt haben, in dem fremde Menschen, die Körperkontakt mit mir suchen, allein dafür eingesperrt werden. Ich bin gern bereit, mich von der erstbesten Partei als Kanzlerkandidat aufstellen zu lassen. Ich werde auch ganz ohne Elan darauf verzichten, einen dahergelaufenen Wicht nach Berlin einzuladen. Versprochen.
Es ist – allem Protest zum Trotz wie zum Hohn – Montag. Beim Blick über das Zeitschriftenregal eingefallene Frage: Warum empfiehlt die „Women’s Health“ eigentlich Fahrräder mit Motor („E‑Bikes“), wirbt aber gleichzeitig für „mehr Fitness“? Und: Wäre ein Auto nicht noch schneller?
Hierzulande wird man oft zu mehr Bewegung getrieben, in den USA ist ein Spaziergang illegal. Es könnte alles schlimmer kommen. – Wir bleiben bei Quatschheftchen: Eine „künstliche Intelligenz“ schreibt jetzt uninteressante Rezepte auf Totholz, nur diejenigen Berufe, auf die wir keine Lust haben, müssen wir immer noch selbst ausüben. Irgendwann besorge ich mir mal eine falsche Telefonnummer, registriere mich mit dieser Telefonnummer bei ChatGPT und dann frage ich es mal nach einer guten Idee für die Revolution. Wird Zeit.
Schöne Idee vom Nürnberger Zoodirektor: „Die beiden sollen sich nicht fortpflanzen, weil ihre genetische Linie schon überrepräsentiert ist.“ Das ist eine gute Grundeinstellung, finde ich. Im Text steht überdies, dass es gesellschaftlich derzeit kein Konsens sei, dass Gorillas leckeres Mittagessen seien (Zebras hingegen wohl schon), aber gerade ändert sich ja viel. Guten Appetit, aber nicht übertreiben: Dicke sind Mörder (Tucholsky, fast).
Apropos Musik, die Aufmerksamkeit bedarf. Für mich ist’s ja auch noch vor dem vierten Kaffee, da ist die milde Krönung Dröhnung die bessere Wahl als der Espresso.
Monika Roscher Bigband – Queen Of Spades (Official Video)
Im November 2017 veröffentlichte das niederländische Trio Edgar’s Hair, also „dem Edgar seine Haare“, benannt wahrscheinlich nach einem Friseursalon oder so (das ist jetzt eine von mir frei erfundene Anekdote), das erste von bisher zwei Studioalben. Es ist ein Doppelalbum, dessen Inspiration das ermüdende Büchlein „Die Möwe Jonathan“ gewesen sein soll (das wiederum nicht), und trägt den Titel „Jonathan’s Dive“ (TIDAL, Bandcamp.com, Amazon.de).
Zu hören gibt es nach dem über 12 Minuten langen Einleitungsstück „Glitterings Height“, das bereits eine dichte Atmosphäre aufbaut, um stilecht auf das Album einzustimmen, genau das, worauf der Verfasser dieser Zeilen heute Lust hat: Tatsächlich an Anna von Hausswolff erinnerndes Erhaben-Kathedrales („Banished To A Solitary Life On The Far Cliffs“) steht gleichberechtigt neben sanftem, aber immer auch beklemmend dichtem Jazzrock („Floating Time“, „The Messenger“), gewürzt mit hörbaren und von den Musikern selbst, so behauptet’s das Internet, zitierten Einflüssen von Gruppen wie Motorpsycho, Mogwai und Sigur Rós („The Gull Sees Farthest Who Flies Highest“), ohne dabei das übergeordnete Klangbild zu verlieren.
Der crimsonesque, nicht mal zweiminütige Gitarrenausbruch „God’s Plan“ reißt als vorletztes Stück nur kurz aus der Trance, bevor der veritable, freiformatige Zwanzigminüter „Stratosphere“, der in der Tat auch eine Weltraumreise passend untermalen könnte, das Album beschließt. „Jonathan’s Dive“ sei ein Album mit soundscapes, also Klangflächen, behauptet die Bandcampseite zum Album. Tatsächlich wird viel mit Geräuschen experimentiert – im Titelstück „regnet“ es gar. Text gibt es nur spärlich und wird auch nicht vermisst.
Ein wirklich erfreuliches Album also, und zum Glück auch keine einmalige Angelegenheit: Bereits 2021 kam der deutlich kürzere, stilistisch aber sehr ähnliche Nachfolger raus. Von mir aus können sie das so weitermachen.
Die „Letzte Generation“ sei eigentlich so was wie Pegida, nämlich besorgte Bürger, ließen Sie medienwirksam (Archivversion) die unvorbereitete und damit schutzlose Öffentlichkeit wissen. Mindestens unangemessen erscheint es Ihnen zudem, Menschen, deren Taten Ihnen selbst zufolge einen Straftatbestand erfüllen, als Straftäter zu bezeichnen:
Die Letzte Generation würde ihre Meinung vertreten und für einige der „Maßnahmen“ gebe es den Straftatbestand der Nötigung, sagte der Astrophysiker. (…) „Ihr seid keine Mafia, ihr seid keine Kriminellen, ihr seid besorgt wie wir alle“, sagte der Wissenschaftler.
Und damit gelte:
„Es kann nicht sein, dass man euch behandelt wie Kriminelle“, sagte Lesch am Donnerstag in München.
Unbeantwortet und darum hier gestellt bleibt insofern die Frage: Wie sind Menschen, deren Taten Ihnen selbst zufolge einen Straftatbestand erfüllen, denn stattdessen zu behandeln?
Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit erhielt ich heute eine Einladung zu einer „Bevölkerungsschutzleuchtturmübung“. Ungefähr 0 Ergebnisse (0,20 Sekunden).