Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ / Chromefox‘ Googleanalyse

Was über Python-„Programmierer“ und GitHub-Nutzer im Übrigen noch zu verlinken bleibt:

Ein Python-Modul, das automatisch den erstbesten leidlich relevanten Code von StackOverflow.com herunterlädt und einbindet – besternt von über 1.400 GitHub-Konten.

:wallbash:


Die zivilisatorische Decke unter Datenschützern wird dünner: Firefox bindet Google Analytics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Penis!

Da hatte jemand Spaß:

Zerstörter Fels „Trollpenis“: Er steht wieder (…) Er wollte – ja, es ist wirklich nicht einfach, diese ganze Sache ohne Zoten zu erzählen – er wollte also den „Trollpenis“ wieder stehen sehen. (…) Nun muss die ganze Sache – sorry auch hier für die Wortwahl – noch ein paar Tage aushärten. (…) Die Touristen können also – und das ist jetzt wirklich die letzte zweideutige Formulierung dieses Textes – kommen.

„SPON“-Redakteure. Da steckt man auch nicht drin.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Männer, Frauen und Transalgorithmen sind vor dem Gesetz gleich.

Apropos „die EDV nicht verstehen“:

In Anlehnung an das zehn Jahre alte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) spricht sich Maas für ein „digitales AGG, ein Antidiskriminierungsgesetz für Algorithmen gegen digitale Diskriminierung und für vorurteilsfreies Programmieren“ aus.

Ich fordere eine Algorithmenquote in deutschen DAX-Vorständen von mindestens 30 Prozent! :aufsmaul:

ComputerMontagsmusikNetzfundstücke
Cosmic Fall – Haumea

Euli krank, Euli Bettchen.Es ist Montag. Juchhei! Es pocht der Kopfschmerz genüsslich im Takt, so musikalisch war man seit Jahren nicht gelaunt. Das Regenwetter als Symbol für das Wohlbefinden zu betrachten ist eines Zynikers würdig, also tun wir das und drehen geringfügig durch. Früher war mehr Dingens.

Eine Studie belegt, dass Solarenergie der Umwelt größeren Schaden zufügt als Kernenergie. Das hätte ja ruhig mal wer vorher sagen können! Aber die Mär von der „sauberen“ Energie der „Zukunft“ – als stürbe der Planet später, transportierte man die erplünderten Ressourcen nur noch mit Solarautos fort – hält ganze Industriezweige am Leben und Industriezweige sind für irgendetwas „wichtig“.

Mancher Menschen Idiotie betrifft wenigstens nur andere Leute: Linuxnutzer mit einer Null vorn in ihrem Anmeldenamen kriegen vom neuen großen Ding systemd volle Systemrechte geschenkt. Das sei kein Fehler, sagen die Entwickler, weil eine Null vorn gar nicht sein könne, und wenn doch, mache man was falsch, denn das sei so nicht gedacht. Mit dem Erfolg von Linux auf irgendwelchen Quatschsystemen hat technisch orientiertes Denken wohl leider nicht gerechnet.

Machen wir es zu unserem eigenen Schutz so wie die Entwickler von systemd und schalten erst einmal das Hirn ab – nur lieber mit ein wenig guter Musik.

Guten Morgen.

Nerdkrams
Deutschland ergeht sich in Plattformgewäsch.

Medien auf: Alles voller „Plattformen“.

„Plattformen“, erklärt Steffan Heuer aktuell in einem mehrseitigen Artikel im Wirtschaftsmagazin „brand eins“ (S. 48 ff.), seien die Dienste von Unternehmen wie Facebook, Amazon und Slack, von denen Entscheider aus Einfachheitsgründen gern mal Gebrauch machen. Dass Slack, das restriktive IRC für Mausschubser, als Standardlösung für Firmenchats und das Betriebssystem Unix als Computerfirma (Seite 53 unten) bezeichnet wird, nimmt dem Artikel freilich manche Seriösität.

Trotzdem sind „Plattformen“ (als wäre nicht jede poplige Webseite bereits eine kleine „Plattform“!) gerade auch wegen des „NetzDG“, des vom Bundestag jüngst durchgewinkten Zensurgesetzes, gerade wieder ein aktuell schwelendes Thema: Patrick Breyer, einer der wenigen verbliebenen Datenschutz- und Netzpolitikfachleute der Piratenpartei, hat dieser Tage seinen Twitteraccount entfernt und wird fortan nur noch auf GNU Social erreichbar sein. GNU Social, den Jüngeren muss man das erklären, ist eine vom fanatisch religiösen GNU-Projekt gesteuerte „dezentrale“ Alternative zu Twitter, die ähnlich aussieht, aber zumindest in der Theorie von jedem Benutzer selbst installiert werden kann, so dass die Anzahl an miteinander vernetzten Servern beliebig groß ist und eine zentrale Zensurinfrastruktur nicht ohne Weiteres eingerichtet werden kann. Von GNU Social gab es in der Vergangenheit mit Quitter eine twitterähnliche Instanz, die während einer der ungezählten Wellen von „wir gehen jetzt alle von dem doofen Zensurtwitter weg“ in den letzten Jahren einen bedeutsamen Zuspruch fand; erst vor wenigen Wochen fanden Gab.ai und Mastodon als weitere Twitteralternativen größere mediale Aufmerksamkeit.

Nun steht und fällt natürlich der Erfolg einer solchen „Plattform“ (meinten Sie: Website?) mit einer ausreichend großen Sogwirkung, und wer vor ein paar Jahren das Gewese um Ello, Minds und Diaspora mitbekommen hat, die allesamt ein viel besseres Facebook sein sollten, aber bis heute von den meisten der wenigen Benutzer vermutlich höchstens als Zweit- oder Drittkanal zu Twitter genutzt werden, der fasst sich bei Aufforderungen, man möge doch bitte in irgendeines dieser wie Unkraut nachwachsenden „dezentralen Netze“ kommen, nur mehr an die Stirn. Twitter ist nicht so groß geworden, wie es heute ist, weil es besonders aktiv die Daten seiner Nutzer schützt, sondern, weil man gern nicht nur mit sich selbst reden würde. Auf GNU Social (und so weiter) sind die Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Menschen in Ermangelung anderer Menschen hingegen eher begrenzt, was durch die unregelmäßig auftretende Aufteilung der community in diverse, teilweise miteinander inkompatible Besser-als-Twitters nicht besser wird.

Natürlich gibt es Dienste, die man hinsichtlich ihrer liberalen Technik irgendwie besser finden kann als andere, die zumeist irgendwelchen kommerziell orientierten Unternehmen gehören. Man kann also seine Erreichbarkeit in den großen „sozialen Netzwerken“ auf ein Minimum beschränken und der dritte oder vierte Benutzer von GNU Social werden. Man kann auch aus Prinzip irgendein Nischenbetriebssystem nutzen, für das es höchstens drei brauchbare Anwendungen gibt, um es Microsoft mal so richtig zu zeigen. Man kann sich auch ein Bein abhacken, damit skrupellose Schuhhersteller nur noch die Hälfte bekommen. Blödheit ist ja nicht verboten.

Effektiv ist sie nur eben auch nicht unbedingt.

(Offenlegung: Man findet mich sowohl auf Diaspora als auch auf Quitter, jedoch bin ich insbesondere auf Quitter allenfalls alle paar Wochen einmal lesend aktiv.)

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 23. Juni 2017

Moderner Feminismus scheint seine Protagonistinnen so einsam zu machen, dass sie um eine neue Errungenschaft nicht herumkamen: Sie heiraten sich jetzt selbst. :roll:


Geheimdienstüberraschung zum Ersten: Der deutsche Geheimdienst BND hat angeblich auch in den USA spioniert. Das konnte, impliziert man beim „SPIEGEL“, ja wohl niemand ahnen!


Geheimdienstüberraschung zum Zweiten: Es könnte sich zum allgemeinen Erstaunen herausgestellt haben, dass die Bundesregierung bei der Beschreibung der Zusammenarbeit mit der NSA gelogen haben könnte. Zum Glück haben wir einen Ausschuss, der das herausgefunden hat, sonst wäre das sicherlich niemandem auch nur eingefallen!


Für einen festen Monatsbetrag kann man bei Amazon jetzt eine kleine Auswahl an E-Books herunterladen, jubelt Daniel Berger auf „heise online“. Dieses laut Pressedarstellung aufregend neue Konzept sollte sich unbedingt einmal durchsetzen, um diese schmerzliche Marktlücke einer Art Videothek für Bücher zu füllen. Vielleicht sogar mit papiernen Büchern?


Das Schlimmste am neuen SPD-Spionagegesetz? Nein, nicht der Staatstrojaner, der wird aller Voraussicht nach ohnehin erstens abwehrbar (nein, „schab eh Linux“ wird nicht genügen) sein und dürfte zweitens vom BVerfG gekippt werden. Viel schlimmer: Zeugen einer vermuteten Straftat verlieren einen Großteil ihrer Bürgerrechte. Wer wählt so was?


Apropos Verbrecherparteien: Verfassungsfeindlichen Parteien soll künftig die Staatsfinanzierung entzogen werden; dass dieses Gesetz aller Voraussicht nach nur für programmatisch, nicht aber für tatsächlich verfassungsfeindliche Parteien wie die SPD gelten wird, ist beinahe das einzig Traurige daran.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: „Danke für unsere Überwachung, hier ist Ihr Gutschein.“

Da kommt einem direkt der Kaffee wieder hoch:

Zum 1. August 2017 startet ein sechsmonatiges Projekt zur Erprobung von intelligenter Videotechnik. (…) Wer am häufigsten durch die markierten Kamerabereiche läuft, hat die Chance, neben einem Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro einen von drei attraktiven Hauptpreisen zu gewinnen.

Zuckerbrot jetzt, Peitsche später.

NerdkramsNetzfundstücke
„SPIEGEL ONLINE“ weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so steht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mailboxen, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmählich erste noch recht chatlastige Vorläufer des heutigen Webs, darunter CompuServe, das heute zum damaligen Konkurrenten AOL gehört. Die Computer zur damaligen Zeit konnten wie auch die Leitungen nur vergleichsweise wenig zu einem „Multimedia-Erlebnis“, wie das Angucken von Unsinn in heutiger Werbesprache heißt, beitragen, jedes Byte war wertvoll – ein Grundsatz, der heutzutage leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

Um trotzdem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu können, entwarf man bei CompuServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafikformat GIF (Graphics Interchange Format, also „Grafikaustauschformat“), das mit der erst 1984 veröffentlichten LZW-Kompression eine damals innovative Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitungen recht ansehnliche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Farben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorherigen Graustufenbildern darstellte und noch problemlos ausreichte, um auf gängigen Bildschirmen nicht blöd auszusehen, besaßen jedoch Funktionen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-Format wieder ähnlich populär werden sollten, nämlich das Festlegen von Farben als „transparent“ sowie insbesondere das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einer Animation; eine GIF-Datei kann praktisch beliebig viele Teilbilder, mindestens aber 0, enthalten.

Obwohl das LZW-Verfahren (und damit GIF) bis ins derzeitige Jahrtausend hinein patentbehaftet war und wohl auch wegen der Dateigröße setzte sich das ansonsten funktionsreichere APNG (animiertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitungen immer schneller und die Computer immer leistungsfähiger wurden. Während die begrenzte Farbenzahl GIF für einfache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fortgeschrittenen, mitunter sogar zu kleineren Dateien führenden Formaten JFIF („JPEG“) und PNG an Boden verlieren ließ, blieb es für einfache Animationen doch die erste Wahl, woran selbst das Aufkommen und Abebben von Flash sowie die Entwicklung von HTML5 und Webvideoformaten nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind symbolisiert das junge World Wide Web bis heute recht treffend.

Diese neuen Webvideoformate kamen GIF sogar entgegen: Der beliebte Bilderhoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes „Format“ an, das hochgeladene animierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tatsächlich Speicherplatz gespart werden kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Datenbank für animierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in „sozialen Netzwerken“ auch auf Smartphones einen neuen Ansturm auf witzige Animationen (leider nur noch selten das gute alte Baustellen-GIF), inzwischen von störenden Dateigrößenhemmungen befreit, aus.

Wenn man all das nicht verstanden hat, aber trotzdem im Fachmagazin „SPIEGEL ONLINE“ mit halbgarem Technikwissen reüssieren möchte, klingt obige Erklärung stattdessen ungefähr so:

Ein Gif, die Abkürzung steht für Graphics Interchange Format, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauerschleife nur einige wenige Bilder, häufig ohne Ton.

Zumindest der letzte Teil des Satzes ist ziemlich präzise. :-?

ComputerIn den Nachrichten
Wenn JavaScript Menschen zu Letzten macht

In einem inhaltlich durchaus lesenswerten Artikel über die von den technisch Zuständigen maßgeblich mitignorierte Internetanbindung auf dem Dorf (namentlich: Schlamberg, Bayern) lässt Sophie Rohrmeier das Ehepaar Hubert und Birgit Heinrich sich über die verfügbare Netzanbindung beschweren:

Von 105.912 Personen in Deutschland, die in dieser Woche den Test gemacht haben, landet Huberts Internetanschluss auf Platz 100.984. Birgit Hubert fragt: „Wie kann das sein, in einem Land wie Deutschland?“

Ja, wie denn nun: Hubert? Birgit? Heinrich? Egal, darum soll es nicht gehen, sondern darum, wie es sein könne, dass man „in einem Land wie Deutschland“ (nämlich Deutschland) in einer Rangliste der Schnellsten weit unten steht? In Deutschland sollte es keine Menschen geben, die schneller in irgendetwas sind als man selbst, und zwar für niemanden!

Was für eine Internetleitung haben die Hubert-Heinrichs denn und was haben sie damit vor?

16.000 kbit schnell sollte das Netz sein – was ohnehin nicht viel ist. Tatsächlich sind es jedoch nur 1.400 bis 1.800. (…) Wenn das Netz es zuließe, könnte [Birgit H., A.d.V.] im Homeoffice arbeiten und so langsam wieder in den Beruf finden.

Beinahe DSL 2000 (von sowas hätten wir früher ja nicht mal zu träumen gewagt) sind zweifellos nicht unbedingt eine für irgendwelchen Multimediakram geeignete Geschwindigkeit, an dieser Stelle widerspreche ich nicht. Interessant ist jedoch die Annahme, das Netz sei in der gegebenen Geschwindigkeit für „Homeoffice“ (E-Mails lesen und versenden, im Web rumsurfen, Dateien auf irgendwelche Server laden und so weiter) nicht geeignet, denn das bedeutet, dass irgendwas im Web, wo die Leute heutzutage ihre E-Mails, Dokumente und so weiter rumliegen haben, weil ihnen niemand gesagt hat, dass es sinnvollere Protokolle als das HTTP dafür gibt, plötzlich langsamer geworden ist als früher, denn in den (teilweise bis heute) auslaufenden Neunzigern hat sich kaum jemand ernsthaft beschwert, dass man mit seiner gebündelten ISDN- oder ähnlichen Leitung gegenüber anderen Marktteilnehmern ernsthaft benachteiligt sei, weil man im Gegensatz zu diesen nicht schnell genug arbeiten könne.

Könnte es womöglich daran liegen, dass die durchschnittliche Website inzwischen über zwei Megabyte groß ist (das sind fast anderthalb Disketten), von diesen ominösen, für so etwas wie „Homeoffice“ im Jahr 2017 bedauerlicherweise üblich scheinenden „Webanwendungen“, für die Webbrowser von Arschlöchern als Ersatz für ein Betriebssystem missbraucht werden und die im Wesentlichen aus ignorant großem – hat ja jeder heute zig Megabit zu Hause – JavaScript bestehen, müssen wir da gar nicht erst gesondert anfangen? Könnte es daran liegen, dass dieser geballte JavaScript-Unfug längst vor allem sich selbst dient und dass es insofern eine grauenvolle Idee ist, einen Webbrowser statt einer auf den jeweiligen Anwendungsfall optimierten Desktopanwendung zum Arbeiten zu verwenden?

Das Problem mit dem Digitalstandort Deutschland ist es nicht vorrangig, dass die Internetverbindungen immer weniger für effizientes Arbeiten tauglich wären, sondern, dass für die Datenübertragung so instinktiv wie fälschlich zu einem Protokoll gegriffen wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Programm, das dafür nicht gedacht ist, eine Website aufzurufen, die die Probleme, die das falsche Programm im falschen Protokoll notwendigerweise bei der Umsetzung bereitet, auf eine Weise, die dafür ungeeignet ist, zu umgehen („beheben“) versucht.

Aber wer weiß 2017 schon noch so genau, was ein „Hypertext“ eigentlich sein soll?

MontagsmusikNetzfundstücke
Jimi Hendrix – Hey Joe // Freiheit ist auch das Recht, Unrecht zu haben.

Es ist Montag?!Es ist Montag. Der Sommer scheint vorüber, zumindest herbstet es sehr. Die Betrübnis, die sich einstellt, auf das Wetter zu schieben wäre nicht angemessen, denn ein Blick auf den Kalender offenbart mehr. Menschlichkeit ist eine Schwäche der Evolution und sehr ärgerlich. Käuzchenwort des Tages: Ungemach.

Gegen eine etwas andere Art von Ungemach will die staatlich finanzierte Aktion „DoppelEinhorn“ (natürlich unter Missachtung geltender Schreibweisen) etwas tun, die, bebildert mit einer nicht mal ironisch interessanten und respektlos duzenden Comicfigur, zum Beispiel suggeriert, es gebe kein „Grundrecht auf Scheißelabern“, als sei nur von der Meinungsfreiheit gedeckt, was erstens wahr ist und zweitens von niemandem kritisiert wird, denn so ein Grundrecht wäre keines. Nun ist es im besten Sinne fraglich, ab welchem Beklopptheitsgrad Meinungsfreiheit aus staatlicher Sicht zum „Scheißelabern“ wird und ob es letztendlich überhaupt zielführend ist, das Reden von Stuss unter Strafe stellen zu wollen, so lange nicht klar ist, wo die Grenze zwischen erlaubter Meinung und illegalem Stuss liegt: Bei positiven Rezensionen von Musik von Phil Collins oder erst bei der Leugnung des Holocausts – und warum?

Gute Nachrichten derweil: Wissenschaftsleugnung ist jetzt ein Freiburger Studienfach. Sobald ausgependelt werden konnte, welche Sternenkonstellation daran schuld ist, wird es sicherlich eine entsprechende Onlinedemonstration geben.

Bis dahin: Musik.

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Warum Informatik kein Programmierunterricht ist (Nachtrag)

Das größte ungelöste Problem bei der von Kurzsichtigen angetrebten Verpflichtung zum Programmierenlernen (denn das ist das, worauf der vielstimmige Ruf, „Informatik“ möge doch bitte Grundschulfach und nicht bloß langjährige Ausbildung oder gar Studium sein müssen, im Wesentlichen hinausläuft; als würde auch nur ein einziges EDV-Netz, das nur von Programmierern betreut wird, dauerhaft halbwegs funktionieren!) ist im Übrigen auch, dass es mehr Programmierer als Aufgaben gibt. Sam Kriss schrieb zu der Utopie der Weltfremden:

Ihr Alter oder Ihre Ethnie oder Ihr Geschlecht sind egal, sie gehören in das Zeitalter der Objekte. Lernen Sie einfach zu programmieren und alles wird gut. Aber etwas fehlt: Was programmieren? Um was zu tun? Und warum? (…) Kein Startup leistet etwas neues oder interessantes. Was nicht verwundern sollte: wie oft hat irgendjemand eine wirklich gute Idee? Was Sie bekommen, ist nur Code, der herumschwappt und schließlich in der Form von Apps und Firmen erstarrt, die nur existieren, um zu existieren. (…) Es gibt Startups, die Zehntausende für Namen und Logo ausgeben, bevor sie überhaupt ein Produkt haben oder wissen, ob es irgendwer haben wollen würde. Das nennt man Innovation, aber was es eigentlich repräsentiert, ist eine Kultur, die das verstümmelte Geröll des Alten aufhäuft, um irgendetwas neues zu schaffen, und eine morbide Wirtschaftsordnung, die in ihrer eigenen überflüssigen Liquidität ertrinkt und willens ist, in jede Blase zu investieren, die ihr begegnet.

(Übersetzung wie üblich von mir.)

Die lächerliche Katja Kipping von den lächerlichen „Linken“ hat sich beschwert, dass dieses Internet einem den ganzen ruhigen Feierabend versaut. Vielleicht sollte man bei solchem grobem Unfug ansetzen, wenn es um die Definition dessen geht, was jeder Mensch als EDV-Grundbildung besitzen sollte – wenn es bei denen, die Gesetze machen wollen, schon an der Kenntnis vom Ausknopf scheitert, wie soll dann ein staatlich geregelter Informatikunterricht jemals mehr als perspektivlose Programmieraffen, überbezahlte sprichwörtliche Inder quasi, hervorbringen?

(via jwz)

In den NachrichtenNerdkrams
Linuxnutzer entsetzt: Von der NSA entwickelte Software ist überraschend unsicher!

Wikipedia (schon länger):

SELinux (…) ist eine Erweiterung des Linux-Kernels (…). SELinux wird maßgeblich von der NSA und von dem Linux-Distributor Red Hat entwickelt.

Nachrichten (gestern):

Das sudo-Kommando in Linux-Distributionen mit SELinux-Unterstützung enthält eine kritische Schwachstelle. Über diese können Anwender beliebige Daten auf dem System überschreiben und sich so mehr Rechte sichern, als ihnen eigentlich zustehen.

Die Einschläge kommen näher.

ComputerNetzfundstücke
Telekom: Die Industrie von morgen mit dem Internetzugang von gestern.

Auf Twitter machte vor ein paar Tagen die begeisternde Frage der Mobilsparte der Telekom die Runde, was man mit un-fass-baren vier Gigabyte Übertragungsvolumen per Monat denn so alles anfangen würde. Eine beliebte Antwort lautete, dass man mit vier Gigabyte gerade so die Strecke bis nach Dänemark schaffen könnte, eines unserer Nachbarländer, in denen das mobile Internet (allein der Begriff schon!) eher weniger von Drosselungen und Volumentarifen betroffen ist, glaubt man den einschlägigen Statistiken und Berichten.

Im Festnetz allerdings macht sie kaum eine bessere Figur. Als dominanter Anbieter in Deutschland, einem Land mit einem eigentlich nur von zwei Konzernen dominierten Markt für festnetzbasierte Internetanschlüsse, sieht die derzeitige nicht rein wirtschaftliche Erfolgsstatistik der Telekom so mau aus wie ihre Aktienkurse: Laut einem Akamai-Bericht (wer es tabellarisch mag und Fließtext doof findet, der möge direkt ab Seite 34 nach dieser Ausdrucksform Ausschau halten) aus dem Vorjahr – seitdem hat sich daran vermutlich eher wenig getan – liegt Deutschland hinsichtlich der durchschnittlichen Übertragungsgeschwindigkeit über IPv4 auf dem 26. Platz, hinsichtlich der Maximalgeschwindigkeit sogar nur auf Platz 43 – jeweils immerhin noch vor Österreich. Auf dem globalisierten Weltmarkt spielt Deutschland, „Industrie 4.0“ und sonstige Bonusfelder für’s Bullshitbingo (was genau war denn dann die „Industrie 1.0“?) hin oder her, auch deshalb kaum eine Rolle, denn:

Ein Maschinenbauer ohne superschnelle Datenleitung wird halt die Maschinen seiner Abnehmer nicht online warten können. (…) [D]ie Telekom versteht unter dem „Anschluss der Zukunft“ keine erhöhte Geschwindigkeit – sondern eine signifikant NIEDRIGERE. (…) Stück für Stück zeigt sich, dass die Deutsche Telekom in ihrem aktuellen Vorgehen ein Krebsgeschwür im Hirn des Wirtschaftsstandortes Deutschland darstellt.

Und die sind die technisch Verantwortlichen für die deutsche cloud (weil: ist ja alles sicherer, wenn BND statt NSA am Knoten hängt). Nicht, dass ich es nicht guthieße, würde die totale Vernetzung sich deshalb noch etwas langsamer fortbewegen als in anderen Ländern, und nicht, dass ich irgendeinen Viernullblödsinn für einen immanenten Bestandteil modernen Zusammenlebens hielte, aber eine gewisse Öffnung des Netzmarktes auch hinsichtlich der Finanzierung kleinerer Unternehmen könnte doch manches deutlich interessanter machen.

Hallo Zukunft!
Telekom, ca. 2006

Computer
Vermerk zur Rückkehr der Einbahnleitung dank IPTV

1997:

Geh‘ mal aus dem Internet, ich will telefonieren!

2017:

Geh‘ mal aus dem Internet, ich will fernsehen!

(Auch: Zu wenig Internet im device? Keine Sorge, Rettung naht!)