Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Netzfundstücke
Lecker Lammsäure

Das befürchtete Dönerverbot – von der „WELT“ anderswo als Niedergang ausgerechnet deutscher Esskultur schwarzgemalt – sollte niemanden schrecken, die Craft-Beer-Szene weiß Rat:

Lammsäure

Prost Mahlzeit.

ComputerIn den Nachrichten
#34c3: Endlich wieder Studenten-CeBIT!

Hurra:

Bis zum nächsten Chaos Communication Congress ist es nicht mehr weit und die geplanten Vorträge stehen soweit fest. (…) Der #34C3 ist restlos ausverkauft.

Das Prinzip von Masse statt Klasse, das veranstalterseits seit Jahren fortwährend penetranter die hackerübliche und begründet bewährte Meritokratie ersetzt, damit auch diejenigen, die nichts können außer sich blöde T-Shirts anzuziehen und sich die Haare zu färben, in inklusiver Manier nicht dazu angehalten werden müssen, auch mal was Vernünftiges zu lernen, damit sie sich mal nützlich machen können und nicht bloß vier Tage lang in der Fummelecke („Lounge“) abhängen, ist auch 2017 noch Antrieb und mäßig gut verborgenes Erfolgsgeheimnis des ehemaligen Hackervereins. Irgendwie linke Kongresstouristen aus der Peripherie fragwürdiger Vereine machen den Laden voll und sorgen für prima Presse, da ist ein weniger einladendes Umfeld für den traditionell eher introvertierten Nerd mit massenfremden Spezialinteressen allenfalls Kollateralschaden. Wer Informatik schon mangels Themenkenntnis nur aus Soziologensicht sieht, der wird scheitern. Christian Kahle jammerte heute auf „WinFuture“, dass es „nicht gerade erfreulich“ (ebd.) sei, dass viele Frauen – als sei das das wichtigste Kriterium – trotz all der teuren Förderung immer noch gar keinen Bock auf ein Informatikstudium hätten. Ich fürchte, beim „Congress“ würde diese Wortwahl nicht einmal mehr semantisch hinterfragt.

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MusikNetzfundstücke
Man stelle sich vor, „kein Besitz“ sei im Besitz.

Gute Nachrichten: Beim Android-Cheeseburger-„Emoji“ – was auch immer das mit Gefühlen zu tun haben mag – liegt der Käse jetzt, also in der neuesten Android-Version, endlich an der richtigen Stelle. Da die wichtigen Probleme der Welt damit vorerst gelöst sein dürften, können wir uns jetzt endlich mal wieder dem Kapitalismus zuwenden, dem musikalischen diesmal.

Vor etlichen Jahren nämlich sang John Lennon, Schmusesänger und Frisurenträger, in einem seiner langweiligeren und deshalb bekannteren Lieder ungefähr, man möge sich eine Welt vorstellen, in der es keinen Besitz gibt, in der jeder alles mit jedem teilt und wie schön diese Welt doch sicherlich sei. So schön wie Venezuela, merkte bereits 2016 ein frecher Zyniker an, den Geträume nicht besonders beeindruckt zu haben scheint. Die Urheberrechte an diesem Lied wurden im Juni 2017 jedenfalls zur Hälfte John Lennons Witwe Yoko Ono, selbst erfreulich erfolglose Musikerin und ansonsten vor allem dafür bekannt, fremdes Geld auszugeben, zugeschlagen, was formell (ich selbst kenne die Geschichte des Liedes nicht aus erster Hand) vor allem bedeutet, dass sie Geld bekommt. Geld kann man ja immer mal brauchen. Stellt euch vor, es gebe keinen Besitz – traurige Zeiten wären das für manchen Künstler, wie es scheint.

Wie ich ausgerechnet heute darauf komme? Nun, ich wurde heute auf einen drei Tage alten Tweet aufmerksam gemacht, in dem ein Autor und Produzent von so Sitcoms die Bemerkung anbrachte, ihm sei unlängst rechtlich untersagt worden, eine seiner Figuren sagen zu lassen, man möge sich keinen Besitz vorstellen; anscheinend handelt es sich bei dieser Phrase auch dann um eine urheberrechtlich geschützte, wenn sie nicht im Liedkontext erscheint. Während ich das aus Ironiesicht einigermaßen begeisternd finde, beneide ich die zuständigen „Juristen“ nicht, immerhin ist es anscheinend Teil ihres Berufs, triviale Liedtexte auswendig zu lernen, um Übereinstimmungen in allerlei Texten zu finden.

Ob Rammstein und Scooter wohl auch solche Anwälte beschäftigen?

Netzfundstücke
Fotoshooting (optimiert)

Womit entfernt Ihr unerwünschte Objekte auf Euren Fotos?

Ich hab immer ’ne Knarre im Hosenbund dabei. Falls die unerwünschten Objekte sich nicht freiwillig entfernen, helf ich damit ein bisschen nach. :ugly:

(Quelle; apropos)

Netzfundstücke
Den Kapitalismus einfach austrinken

Das, sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“, ist eigentlich auch alles, was man über den Marxismus noch sehen oder lesen muss:

Seufz; bzw. saufz.

NerdkramsProjekte
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um (2).

Ich arbeite momentan quasi nebenbei an einem etwas umfangreicheren Browserdingens, zu dem ich zu gegebener Zeit vielleicht noch ein bisschen Vermarktungsblabla fallen lassen werde. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, habe ich für den endlich veröffentlichten Chromefox „Firefox“ 57 eine einfache Erweiterung geschrieben, die auf deutsch- und englischsprachigen Websites das gefährliche Bingowort „Cloud“ durch „die Computer anderer Leute“ ersetzt, zum Beispiel auf Vergleichsportalen:

So klingt es gleich viel richtiger.

Ich vermute, die Grammatik ist in mancher Formulierung noch nicht ganz sauber. Die erste Testversion ist jedenfalls auf Mozilla.org zu finden. Die Lizenz – wie meist – ist die WTFPL. Erfrischenderweise findet Mozillas automatische Überprüfung, die Lizenz sei nicht sehr schön formuliert. Ich bin immer wieder überrascht.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Liegengebliebenes vom 17. November 2017

Feminismus sei Sexualkommunismus, resümiert Hadmut Danisch.


Die seit einem Vierteljahrhundert obsolete NATO kann – hier muss ich erneut dem türkischen Präsidenten zustimmen – auch weg.


Nachdem sich ausreichend viele Menschen darüber beschwert haben, dass es auf Twitter auch dann möglich war, nachzuweisen, dass man wirklich der ist, der man zu sein vorgibt, wenn man ziemlich konservative politische Ansichten hat, hat Twitter jetzt Konsequenzen gezogen und nimmt „den Rechten“ die Verifikation weg. Ein blaues Häkchen bedeutet jetzt nicht mehr nur, dass man wirklich man selbst ist, sondern auch, dass man politisch auf der Seite der Guten steht. Wer mir mindestens acht Nachteile dieses Vorgehens nennen kann, bekommt ein Fleißbienchen, wird danach allerdings wahrscheinlich von Twitter gesperrt.


Apropos Sperren: Während sich in Deutschland alle Medien an der AfD abarbeiten, beschließt die CDU im Europäischen Parlament wieder mal widerliches Zeug, diesmal schon wieder Netzsperren.


Läuft bei Fußfesseln, nämlich davon.


Kommen wir von alten zu neuen Jugendwörtern: Das „Jugendwort des Jahres“ ist auch diesjährig weder ein Wort noch wird es von Jugendlichen verwendet.

Spaß mit Spam
Unschlagbarmedia

Was passiert eigentlich, wenn man beim Internetdiensteanbieter Unitymedia seinen Vertrag nicht allzu frühzeitig verlängert?

Nun, man bekommt irgendwann eine E-Mail mit einem persönlichen Treueangebot, das es ermöglicht, für einen Aufpreis von nur 0 Euro im Monat ein genau so schnelles Internet zu haben wie vorher, um zu verhindern, dass man einfach den Vertrag kündigt und neu abschließt, was einen immensen Aufpreis von minus 10 Euro im Monat mit sich brächte.

[derGrinch] damit du ein treuer kunde bleibst
[derGrinch] zum vorzugspreis von wie immer
[Lars] ja richtig, weil neukunden für den selben tarif nämlich 25 euro zahlen, nicht wie ich, 35.

(Beschneidung und Markierung von mir.)

Das hat man dann halt davon. :irre:

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Nachtrag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.

Twitter kannich erwähnte es gestern – jetzt 280 Zeichen. Die Deutsche Bahn beschwerte sich vermeintlich selbstironisch, dass die Zeichen für die möglichen Gründe für eine Zugverspätung immer noch nicht reichen.

Selbstverständlich hält die Verdoppelung der Zeichenanzahl niemanden auf Twitter davon ab, Twitter gründlich misszuverstehen und seitenlange Selbstgespräche („Threads“) zu beginnen, jetzt noch länger als zuvor, worauf – je nach Thema – dann „Experten“ aus der vornehmlich linkspolitischen Szene (das kann natürlich auch ein Zufall sein) dergestalt reagieren, dass sie den Anfang dieses Selbstgesprächs verlinken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der ganze Thread.“ drüberschreiben, denn so spannend anmoderierte Vorträge besucht man doch gerne. Dass der großartige Android-Twitterclient Tweetings jüngst wie auch ZenTweet eine Option erhalten hat, Tweets, deren Länge 140 Zeichen überschreitet, gar nicht erst anzuzeigen, lindert die Idiotie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig überraschend – oft die gleichen Menschen, die sich einerseits darüber beschweren, dass Twitter sich hinsichtlich seiner neuen Funktionen nicht nach seiner nicht zahlenden Kundschaft richtet, andererseits den Dienst aber für etwas missbrauchen, wofür er gar nicht da ist. Die Zeichenbegrenzung, wie lang auch immer sie nun sein möge, sollte dazu anleiten, eben nicht diese „Tweetstürme“, wie sie im Englischen genannt werden, loszulassen, also einen Text auf eine mehrstellige Anzahl an einzelnen Tweets zu verteilen, sondern sich kurz zu fassen. Dass Twitteraccounts, die von irgendwelchen „linken“ Demonstrationen berichten, in der Regel vor dem eigentlichen Text noch die Uhrzeit nennen, als wären ihre Leser zu dämlich, eine Uhr zu benutzen, war schon wunderlich genug. – Einer meiner langjährigen Twitterkontakte monierte gestern, dass der Wechsel von „Tweetstürmen“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zeichen Twitter schier unbenutzbar gemacht habe, weil das Kurze, Prägnante dieses Mikroblogsystems bis dahin das Hauptargument gewesen sei, wieso man dort statt zum Beispiel auf Google+ oder Instagram seine Kontakte pflege, und hat damit eigentlich völlig Recht.

Ich teile die Auffassung allerdings nicht, dass ein Wechsel der Plattform hin zu einem anderen fremdgehosteten System, das noch mehr Gelaber ermöglicht, die Fehlkonzeption von Twitter vergessen lässt. Es spricht nichts dagegen, dass längere Monologe eben nicht dort stattfinden, wo sie schwer zu durchschauen, zu zitieren und vor allem wiederzufinden sind, sondern in einem eigenen Blog oder Nichtblog festgehalten werden, dessen neue Beiträge man dann nach Belieben auch etwa auf Twitter und sonstwo automatisch verbreiten kann. Mit Medium gibt es, so ungern ich das auch zugebe, mittlerweile auch einen vergleichsweise unblöden Dienst, der einem das lästige Einrichten weitgehend abnimmt und auf dem man sozusagen sofort lostippen kann. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung mehr für „Twitter-Threads“, die über die vorgeschobene Ausrede, dass man dort wenigstens gelesen werde (warum denn?), hinausgeht.

Jaja, Dinge im Web auszuformulieren ist nicht mehr modern, Informationen sind im Fluss, heute Abend interessiert es niemanden mehr, was man heute früh noch für wichtig hielt. Im weißen Rauschen der Twitterstürme bekommt man seine Viertelstunde Ruhm praktisch täglich, zumal sich selbst Tageszeitungen längst auf Twitter bedienen, wenn ihre Redaktionen mal wieder nicht wissen, womit sie die Seiten befüllen sollen. Es bedarf allerdings schon einer äußerst kurzen Aufmerksamkeit für das eigene Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die allesamt zum selben Beitrag gehören, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gerade tut, für niemanden eine Bereicherung darstellt.

„Thread!“ ist, dieser Schluss drängt sich förmlich auf, ein Szenebegriff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begriffen, die, wenn sie im eigenen Stummschaltfilter stehen, nicht zu Gesicht zu bekommen niemandem eine lesenswerte Information vorenthält.

Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.


In weiteren Nachrichten: Der Deutsche Tierschutzbund warnt: Tiere, die nur leben, damit wir sie umbringen und essen können, werden mitunter nicht artgerecht gehalten. Wie ärgerlich.

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Moderate Kürze / Moderate Gesellschaftsreform

Auf Twitter darf man seinen Nonsens jetzt in 280 statt 140 Zeichen verpacken. „SPIEGEL ONLINE“ hat dafür eine amüsante Formulierung gefunden:

Die Kürze soll auch zukünftig weiter bestehen bleiben, allerdings etwas moderater.

Das Verlagssterben sollte sich wirklich ein bisschen beeilen, allerdings etwas weniger moderat.


Auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, „Dr.“ Dietmar Bartsch, findet weniger moderate Lösungen für nicht gegebene Probleme ansonsten ganz annehmbar:

Differenzierten Blick auf #Oktoberrevolution werfen! Aber Fakt ist: Sie hat eine Chance gegeben, eine andere Gesellschaftsordnung aufzubauen

Mir fallen ohne langes Überlegen noch manche andere politische Großereignisse des 20. Jahrhunderts ein, die zu ein paar Millionen Toten, aber immerhin auch einer anderen Gesellschaftsordnung geführt haben, aber wenn ich ihretwegen um einen differenzierten Blick bäte, bekäme ich sicherlich manch unerfreuliche Zuschrift.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik CIX: Lobbykampf in SPIEGELs Klassenzimmer

Ende Oktober SPONte die vom krawalligen „Hamburger Abendblatt“ abgestiegene Redakteurin Verena Töpper („believes in gender equality“, V. Töpper über V. Töpper), die bei ihrem inzwischen auch nicht mehr ganz neuen Arbeitgeber unter „Leben und Lernen“ ansonsten zum Beispiel über Menstruationsprobleme „schreibt“, sichtlich besorgt über das Engagement von EDV-Unternehmen in Schulen, die es doch tatsächlich wagen, ihre eigenen Produkte als Unterrichtsmaterialien vorzuschlagen:

Die wollen doch nur helfen – oder?

So sieht eine journalistische Überschrift aus – oder?

Ich erspare versehentlichen Lesern einmal den ersten Teil des Artikels und verweise stattdessen auf den Kommentar von Spreeblick zum gleichen Ursprungstext. Bemerkenswert finde ich aber, was weiter unten noch steht:

„Wir beobachten eine massive Zunahme von Lobbyismus an Schulen“, sagt René Scheppler von der Lehrergewerkschaft GEW. „Vor allem IT-Firmen nutzen die Unterfinanzierung des Bildungssystems für Marketingzwecke. (…) Wird das eine Apple- oder eine Microsoft-Schule?“ (…) Mit Macht drängt vor allem Google weltweit in Klassenzimmer.

Und zwar so:

Fast sieben Millionen Euro hat Google nach eigenen Angaben seit 2011 in Lehrer- und Schüler-Workshops, den für den Informatikunterricht entwickelten Kleinstcomputer Calliope und in die Programmierplattform Open Roberta gesteckt.

Der Spannung wegen möchte ich hier einen kurzen Exkurs einschieben: Als ich noch ein kleiner, fröhlicher Junge war, besuchte ich selbstverständlich auch manche Schule, gelegentlich sogar als Schüler. Während ich – wie jeder gute Akademiker – sämtliche Lehrinhalte bis heute wieder vergessen habe, kann ich mir die Namen der meisten Schulbuchverlage, die mir in dieser Zeit bezüglich einer unbedingten Kaufempfehlung über den Weg liefen, noch bis heute merken, denn es waren nicht besonders viele.

Als besonders penetrant habe ich den Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, von denen lässt man sich doch gern was beibringen) in Erinnerung, der im Wechsel mit Klett und Westermann die Zeit vor dem Studium praktisch im Alleingang bestritt und dabei kaum Platz neben sich ließ. Das ist durchaus auch wörtlich gemeint, denn Schultaschen sollten ja vor eigentlichem Gebrauch auch erst einmal gepackt werden. Dieser Verlag hat seine Bekanntheit in Schulen, die ihm dafür jahrzehntelang Einnahmen garantieren, vermutlich eher nicht durch irgendeinen Zufall erhalten, sondern durch etwas, was Verena Töpper sich wahrscheinlich von irgendwem als Lobbyismus bezeichnen lassen würde, wenn sie nicht so sehr auf Technikkonzerne – sie benutzt laut Twitters Metadaten übrigens ein iPhone, aber es wäre höchst unsachlich von mir, daraus eine bestimmte Haltung gegenüber Technik abzuleiten – fixiert wäre: Der „Computerwettbewerb“ (Quelle: Internet) zum Thema Frankophonie etwa, ausgerichtet vom Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, kreisch!) und unterstützt von Fernsehsendern und Kultusministerien, ist mal in Hameln, mal in Hessen, mal selbst in Oldenburg zu finden.

Da hilft man einander doch gern und schaut auch einmal darüber hinweg, dass der Cornelsen-Verlag kein wohltätiges, sondern ein kommerziell interessiertes Unternehmen ist, das sich in den Klassenkampf zwischen Google, Apple und Microsoft nur allzu gern einmischt: „Der deutsche Schulbuchverlag Cornelsen setzt auf die Cloud-Lösung Office 365 für Bildungseinrichtungen des Software-Konzerns Microsoft. Auf der Online-Plattform scook können Lehrer und Schüler Lehrmaterialen beziehen und sich digital vernetzen.“ (Kommune21) – das sind dann wohl allesamt Microsoft-Schulen. Dies soll freilich nicht heißen, dass Cornelsen irgendwie parteiisch wäre: Neben Konkurrenzunternehmen wie Google und SAP – beide von Verena Töpper als schreckliche Lobbyisten identifiziert, vor deren Einfluss sich ein um die Bildung besorgter Bürger fürchten sollte, ist an der Entwicklung des „Kleinstcomputers Calliope“ (V. Töpper, der Exkurs ist überraschend vorüber) auch der Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, ich kriege hier noch einen Haschmich) beteiligt.

Oben hatte ich geschrieben, der Cornelsen-Verlag arbeite mit verschiedenen Kultusministerien und Fernsehsendern zusammen. Gibt es an dieser Stelle schon Vermutungen, mit welchen Unternehmen der Cornelsen-Verlag sonst noch so zusammenarbeitet? Richtig:

In Kooperation mit dem Spiegel-Verlag ist die erste Unterrichtseinheit mit Inhalten aus Dein Spiegel im Lehrkräfte-Portal von Cornelsen erschienen.

Verdammter massiver Lobbyismus immer.

Verena Töpper beendet ihren Artikel mit einem der üblichen „journalistischen“ Kniffe von Redaktionen wie der ihren, nämlich mit einer Sorge um unsere Zukunft:

Und wie subtil sich das Sponsoring in die Köpfe der Kinder schleicht, zeigt eine Szene am Rand der Eröffnung von Googles neuer Zukunftswerkstatt in München: Als ein kleiner Junge die Musiknote G in einem Programm auswählt, sagt er ganz selbstverständlich: „Ich nehme jetzt das G wie Google.“

Unfassbar: Ein Kind auf einer Google-Veranstaltung, das weiß, dass „Google“ mit einem „G“ anfängt, und, vermutlich umgeben von allerlei Googlewerbung, bei „G“ auch zuerst an „Google“ denkt – und die Regierung guckt nur zu!

Verena Töpper will doch nur helfen – oder?

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um.

Aus der beliebten Reihe „wer nutzt denn bitte 2017 noch Desktopanwendungen für seine Dokumente?“: Bei „Google Docs“, der bescheuerten Google-„Webanwendung“ zur Erstellung und Verwaltung von so Officekram in „der Cloud“, also auf den Computern anderer Leute, wurden aus Versehen Benutzern ihre Dokumente weggenommen, weil ein Filter, also eine vorsätzlich eingebaute Analysefunktion, der Meinung war, das Geschriebene sei ungeeignet für Google.

Welche Art von Texten diese Analysefunktion, sobald sie endlich wie gewünscht funktioniert, denn überhaupt zulassen oder nicht zulassen wird, bleibt angenehm undokumentiert. Es wäre ja auch langweilig, würde ein so genannter „Dienst“ eines „Dienstleisters“ wie Google einfach mal seinen Dienst verrichten. Zuverlässigkeit ist sooo 90er.

MontagsmusikNetzfundstücke
Hammock – Things of Beauty Burn

Brückentag (Symboleule)Es ist Montag, ein „Brückentag“, was ungefähr bedeutet, dass viele behaupten, es sei ein freier Tag, aber beinahe keiner frei zu haben scheint. Klar: Morgen ist Gedenktag Martin Luthers, da gibt es nichts mehr einzukaufen und ohne tägliches Einkaufen drehen die Leute schier durch, was vom Wetter bedauerlich begünstigt wird. Wir lieben die Stürme, aber doch bitte nur in der Musik und nicht auf der Bahnstrecke! – Amazon kommt bald zur Tür rein, was kann da schon passieren?

Brandstifter hat Angst vor Feuer: „Telekom-Chef“, schreibt „heise online“, macht sich Sorgen darum, ob mögliche Käufer der Staatsanteile der Telekom „Interesse an der Infrastruktursicherheit“ hätten. Infrastruktur, die Älteren erinnern sich, ist das, was die Telekom nur ungern bereitstellt. Ohne diese Infrastruktur sind manche Geschäftsmodelle aber nur schwer umzusetzen: Minijobber sollen Kinderpornos sichten, allerdings für Geld. Ganz schön unbedacht von der Polizei, es gibt doch wahrlich genug Menschen, die das völlig gratis täten, eine Rangliste mit Sternchen gäbe es sozusagen frei Haus dazu.

Gibt es auch frei Haus, hört sich aber besser an: Musik.

Hammock – Things of Beauty Burn

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 27. Oktober 2017

Politischer Diskurs (2017): Politiker wird aus Protest mit Flaggen beworfen.


Schlechte Nachrichten für t3n: Auch und gerade für geschäftliche Massenmails ist Reintext effizienter als unnötig kompliziert formatierte HTML-Vorlagen.


Auf „ZEIT ONLINE“ wird der bescheuerten Behauptung, Gendergedöns sollte Allgemeinbildung sein, widersprochen: „Genauso gut könnte man es peinlich nennen, wenn jemand nichts über Neurowissenschaften weiß.“


Apropos Diskriminierung, apropos „ZEIT ONLINE“:

Je sexualisierter die Lebenswelt wird, je pornografischer die Werbung, je exhibitionistischer die Selbstpräsentation des Erfolgs, desto verbohrter, kleingeistiger und prüder wird die Moral, die all die Schweineställe angeblich zusammenhält.


Das CERN hat herausgefunden, dass das Universum eigentlich gar nicht existieren kann. Schade.


„flatter“ benennt Freund und Feind im medialen Diskurs:

Zuletzt gab es eine „gemäßigte Opposition“ von „Rebellen“ in Syrien, die sich kurz nach dieser medienweiten Einheitsbezeichnung dabei haben erwischen lassen, wie sie einem Teenager gemäßigt den Kopf abgeschnitten haben.

Zum Glück keine Extremisten.

NerdkramsPiratenpartei
Suchmaschinenoptimierung dank Lesezeichenignoranz

Als ich noch ein wenig jünger und das Web noch interessant war, galt bei Gestaltern dieses Webs, zu denen zeitweise auch ich gehören wollte, allen FRAMEs zum Trotz die von Tim Berners-Lee höchstpersönlich tradierte Regel, dass es keinen ersichtlichen Grund gebe, warum coole URIs überhaupt geändert werden sollten, jedoch einige gute Gründe, die dagegen sprechen.

Zu diesen Gründen zählt, dass es durchaus denkbar ist, dass es Menschen geben könnte, die einen URI zwecks späterer Wiederverwendung in ihren Browserlesezeichen hinterlegt haben. Ändert sich dieser URI und gibt es keine serverseitige Umleitung der alten auf die neuen URIs, so laufen die Lesezeichen ins Leere, was nicht nur unpraktisch, sondern zudem oft höchst unerfreulich ist. Mit Xanadu wäre das nicht passiert.

Nun mag man es digitalen Laien noch verzeihen, wenn sie über die Folgen ihres Handelns nicht nachdenken, weil sie zum Beispiel statt Lesezeichen einfach eine Suchmaschine benutzen und alles ab Seite 2 der Ergebnisse – als seien diese unveränderlich – sie ohnehin nicht interessiert, aber solche Laien werden auch einigermaßen selten als Webentwickler eingestellt. Schwerer wiegen Verstöße bei denen, die darum bitten, sich auf das Neuland zu freuen, und sich so als diejenigen darstellen, die verstanden haben wollen, wie das Netz funktioniert: Seit der letzten Erneuerung der Website der Piratenpartei Deutschland sind wieder einmal manche alte Verweise auf Besucherseite aus SEO-Gründen kaputt. Muss man ja verstehen: Wenn man seine Seitenstruktur aus Kosmetikgründen über den Haufen wirft, dann ist es wichtig, dass zuerst einmal die großen Suchmaschinen darüber in Kenntnis gesetzt werden, denn eine politische Partei, die sich der Transparenz verschrieben zu haben behauptet, sollte zwar jederzeit ihre bisherigen Aktionen publiziert haben, aber doch nicht immer an der gleichen Stelle. Bürger langweilen sich, wenn sie nicht dauernd suchen müssen.

„Coole“ URIs werden nicht geändert? Einer der Websitetechniker sieht das so:

Ach, die alte Diskussion wieder. „Cool URLs dont change“. Jaja klar. Damals.
Wir leben aber heute und machen Webseiten für Menschen.

Denn anders als Computer wollen Menschen gar nicht, dass ihre Lesezeichen morgen noch funktionieren. Bemerkenswert ist allerdings, dass ähnlich alte Verweise auf das berüchtigte Piratenpartei-Wiki sich, Diskussionsalter hin oder her, bis heute einer bemerkenswerten Lebendigkeit erfreuen.

Wer war noch mal die Zielgruppe der Piratenpartei?