Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik in Kürze: Im „Neuen Deutschland“ mit Eskimos über Indianer reden.

Medial scheint es eine Art Winterloch zu geben: Der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“ – nur echt mit Bettellayer, denn Sozialismus ist teuer – war es ein berichtenswertes Anliegen, dass der Liberalismuskritiker Patrick Schiffer, über den auf der hiesigen Website in der Vergangenheit manches erzählt wurde, die Piratenpartei verlassen hat.

Wie es der guten Berichterstatter Art ist, wurde sogleich der abermalige Tod der Piratenpartei verkündet. Zu Wort kamen natürlich ausschließlich diejenigen, die es nicht betrifft; „Journalist“ Sebastian Weiermann twitterte stolz, er habe hierüber mit einem Grünen, einem Liberalen und einem Linken gesprochen. Mit Eskimos über Indianer reden.

Eine vermeintliche Begründung für dieses Verhalten ist im letzten Absatz des „Artikels“ zu finden:

Bei den Piraten engagieren sich immer weniger Menschen.

Dass die „Linken“ wie alle anderen Parteien auch seit der ersten Hochphase der Piratenpartei im Jahr 2009 ebenfalls einen gewaltigen Mitgliederschwund verzeichnen müssen und Parteimitgliedschaft im Allgemeinen seit dem Ende der DDR nichts mehr ist, was die Massen bewegt, steht natürlich dann doch besser anderswo.

In den NachrichtenNerdkrams
„Meltdown“ und „Spectre“ beweisen: Open Source bedeutet Korruption.

Es gibt etwas zu feiern im Land der nie enden wollenden bizarren Lust an der Selbstentmannung, nämlich in Linuxland, wo die meisten Sicherheitsforscher zu wohnen scheinen, sichtlich berauscht von Dingen, von denen ich lieber nichts abbekommen möchte: Es durften wieder bunte Bildchen gemalt und Wörter aus dem Englischwörterbuch einer Zweitverwendung zugeführt werden. Ich frage mich ja, wann wohl die erste Sicherheitslücke nur deshalb irgendwo absichtlich eingebaut wird, damit man auch mal so ein Logo bekommt.

Das Doppelloch aus „Meltdown“ und „Spectre“ hat die unfeine Eigenheit, dass es nicht etwa Betriebssysteme, sondern Prozessoren betrifft und vermutlich in Teilen bereits in den 1980er Jahren auf DEC-Systemen, von denen Intel sich manches abgeguckt zu haben scheint, zu finden war. Zu lösen ist das Problemchen letztlich also nur auf unterster Ebene, notdürftig geflickt werden die meisten Stellen, aus denen die Fehler heraustropfen, allerdings zunächst unter Windows, macOS und Linux.

Diese Reihenfolge überrascht, wenn man weiß, dass sich die Entwickler von OpenBSD schon vor über zehn Jahren der potenziellen Ärgernisse in wenigstens x86-kompatiblen CPUs bewusst waren. Die Gründe dafür sind allerdings rein ökonomischer Natur:

Details of the vulnerability within Intel’s silicon are under wraps: an embargo on the specifics is due to lift early this month, perhaps in time for Microsoft’s Patch Tuesday next week. Indeed, patches for the Linux kernel are available for all to see but comments in the source code have been redacted to obfuscate the issue.

Das heißt übersetzt und zusammengefasst: Derjenige Hersteller, der einen mit „Sicherheitslücke“ nur unzureichend beschriebenen Fehler in einer Kernkomponente der meisten derzeit verwendeten Computer verursacht hat, trifft allein die Entscheidung, welche Betriebssysteme vor ihr sicher sein dürfen und welche nicht, und verhängt auf der Grundlage reinen Bauchgefühls ein Embargo gegen die Veröffentlichung von Details. Wer sich an ein solches Embargo nicht hält, der darf beim nächsten Mal eben nicht mehr mitspielen; OpenBSD, dessen Projektleiter Theo de Raadt von irgendwelchen Geheimnissen auf Kosten einer möglichst breiten Computersicherheit ausdrücklich nichts hält, hat jetzt (wie auch andere BSDs) das Nachsehen.

Open Source ist sicher – wenn die Wirtschaft das so will. Aber Hauptsache, das Logo ist schick.


Nachtrag vom 5. Januar:
Der „heise“-Verlag bläst Alarm: Nicht nur gewöhnliche Intelprozessoren sind betroffen, sondern sogar die in Apple-Geräten!!!11!

In den NachrichtenNerdkrams
Passwortcloud dank Reklame im Web

Es freut sich Technikblogger „caschy“:

Nutzer von Android 8.0 Oreo bekommen nämlich Autofill in die Hand gedrückt, der Entwickler greift hierbei nach eigenen Aussagen auf das neu geschaffene Autofill-API zurück, wie es bereits mehrere Passwort-Manager auf der Android-Plattform machen. Bedeutet für euch, dass Inhalte in Passwort-Formularen automatisch unter Android ausgefüllt werden können.

(Absatz zwecks Lesbarkeit umformatiert.)

Was aber tut dieses „Autofill-API“? Nun, laut Dokumentation – Übersetzung und Hervorhebung von mir – ungefähr das, was es auch in gewöhnlichen Webbrowsern auf anständigen Rechnern tut, nur eben auf Android- statt bloß auf Webebene:

Benutzer können Zeit beim Ausfüllen von Formularen sparen, indem sie „Autofill“ auf ihren Geräten nutzen. Android macht das Ausfüllen von Formularen, etwa Konto- und Kreditkartenformularen, mit der Einführung des Autofill-Frameworks einfacher. Dieses Framework verwaltet die Kommunikation zwischen der App und einem Dienst zum automatischen Ausfüllen.

Ist ja immer alles praktisch und wir leben nun mal im Jahr 2018, da muss man sich an so etwas gewöhnen, nicht wahr?

Nein, nicht wahr:

Forscher haben zwei verschiedene Scripts ausgemacht (…), die darauf ausgerichtet sind, identifizierbare Informationen aus browserbasierten Passwortmanagern auszulesen. Die Scripts verrichten ihr Werk, indem sie unsichtbare Anmeldeformulare im Hintergrund der Website einfügen und alles, was die Browser automatisch eintragen, aufschaufeln. (…) Die Plugins fokussieren sich überwiegend auf die Benutzernamen, aber den Forschern zufolge gibt es keine technischen Vorkehrungen dagegen, dass sie auf demselben Weg auch Passwörter sammeln.

Bislang entstammen die Fundstücke der Reklameszene, wer also – wie jeder vernünftige Mensch – seinen Browser von derlei Krempel frei hält, der dürfte nicht ganz so gefährdet sein wie die Zielgruppe todgeweihter Verlage, die unbeirrbar der Ansicht sind, das Blockieren von Schadsoftware sei vor allem geschäftsschädigend. Eine noch wesentlich angenehmere Atmosphäre wird allerdings geschaffen, wenn man einfach darauf verzichtet, irgendwas automatisch ausfüllen zu lassen. In Webbrowsern und in Android selbst ist das noch eine optionale, also abschaltbare Funktion.

Dass das zwangsläufig zu fragwürdigen Kommentaren seitens technikhöriger Zeitgenossen führen wird, denn es sei doch eh egal, weil Google/Facebook/Apple/NSA/Amazon sowieso schon alles über den Protagonisten wissen, sei hier einmal freudig in Kauf genommen. Digitale Selbstverteidigung hieß früher Paranoia.

In den NachrichtenPolitik
Endlich 2018 (Symbolmeldung)! 

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“

Es forderte Markus Beckedahl, Gründer und Lautsprecher des schrägen Personalityblogs „Netzpolitik.org“ und qualifizierter Maasversteher, auf dem zur Genüge kommentierten „Congress“:

Netzaktivist Markus Beckedahl hat vor Risiken im Umgang mit Algorithmen gewarnt und eine bessere Kontrolle der Künstlichen Intelligenz gefordert. (…) „Es ist ein weites Feld: Gesundheitsalgorithmen muss man anders regulieren als Facebook-Algorithmen“, erklärte der Blogger.

Diese vorgeschriebenen Handlungsabläufe (lat. „Algorithmen“) sollte wirklich mal jemand in den Griff bekommen. Die geraten sonst noch außer Rand und Band!

ComputerIn den Nachrichten
Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons verstoßen gegen die Hackerethik.

Auf Twitter wurde ich nach meinem Ablästern über den derzeit voll abgehenden „Congress“, von dem Außenstehende vor allem mitbekommen, dass Teilnehmer viele Bilder von bunten Lichtern auf Twitter hochladen, als wäre meine Vermutung, die meisten Besucher kämen nur dorthin, um sich bunte Lichter anzugucken, weil ihr Verständnis von Technik bei solchen bunten Lichtern bereits endet, gar nicht allzu abwegig gewesen, verschiedenfach anklagend gefragt, wieso ich „Bengel“ (ebd.) mir denn die Behauptung erlaube, dass die Anwesenden gar keine Hacker seien, und ich „Opa“ solle doch bitte „das Maul halten“ (ebenfalls ebd.), als seien die Linuxkasper mit den MacBooks heutzutage die neuen Hacker und die alten Hacker seien keine mehr.

Zur Definition von „Hacken“ sollte ich, wurde mir entgegengeschleudert, doch bitte mal im Duden nachgucken, aber das war nicht sehr ergiebig, weshalb ich mich im weiteren Verlauf wieder auf die Folklore stützte. Was einen Hacker zufolge dieser Folklore vor allem ausmacht, ist neben dem kreativen Umgang mit Technik – Sozialarbeiter, ich wiederhole mich, sind eben keine Hacker – auch und gerade das Befolgen der Hackerethik, in der laut offizieller Verlautbarung des Chaos Computer Clubs unter anderem dies steht:

Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.

Dies ist, wie regelmäßige Leser meiner Ausführungen zum „Congress“ genervt erkennen sollten, eine verquaste Ausdrucksweise für Meritokratie: Kannste was, dann biste was, alle weiteren Eigenschaften deiner Person sind deine Privatangelegenheit. So weit, so prima. Nun hat sich gestern ein großartiger Troll auf Twitter dahingehend geäußert, dass mit ihm „die Identitären“, die lambdatragenden Buhmänner irrationaler „Linker“, auf dem „Congress“ zugegen seien. Hei, da war die Stimmung am Sieden: Die Genossen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis wegklatschen. „Hacker“, kommunizierte man mir gegenüber, hätten sich ja schon immer gegen Mörder und Pack gestellt, was geschichtlich natürlich fragwürdig, im gegebenen Kontext allerdings auch eine Antwort auf eine überhaupt nicht gestellte Frage ist, denn der geistige Sprung von „sympathisiert mit Identitären“ zu „bringt Leute um“ ist doch schon einer, für den man ein ziemlich schiefes Weltbild haben muss. Hacker hatten schon immer ein schiefes Weltbild.

Ich habe keine Ahnung, was diejenigen, die nun gaulandesque zum Wegklatschen von jemandem aufrufen, dessen einziges Vergehen es sein soll, ihre politischen Werte nicht zu teilen, nun zu sein glauben – mit der Hackerethik jedenfalls kollidieren sie in einem wichtigen Punkt: Werte tut man nicht, Werte hat man. Ein vernünftiger „Congress“ würde Verstöße gegen die Hackerethik mit einem Hausverbot ahnden, aber einen vernünftigen „Congress“ sucht man vergebens.

Was zu beweisen war.


Nachtrag vom 30. Dezember 2017: Warum sind „Hacker“ auf einem „Congress“ eigentlich immer so sehr von bunten Lichtern begeistert? Na, wegen der Kopfschmerzen natürlich.

In den NachrichtenMontagsmusik
Cosmic Triggers – Quant Um

Schlaf in himmlischer SchuhuEs ist Montag. Fast wäre er unbemerkt geblieben, aber merkwürdig schmeckender Kaffee ist normalerweise ein sicheres Zeichen dafür, dass man lieber auf den Kalender gucken sollte, um sich sogleich daran zu erinnern, wie es war, als man noch glücklich war. Oh, du fröhliche. Kein Pandabär unter dem Baum.

Was ist Frosch? Mindestens: ein Erkennungszeichen „der Rechten“, denn Pauschalisierung erleichtert das angenehm entspannende Unverständnis. Die Gegenseite stolzierte am vergangenen Mittwoch durch ausgerechnet Deggendorf und beschwerte sich dort darüber, wie man hier in Deutschland behandelt würde. Was, Arbeitslose? Nein, es waren natürlich Flüchtlinge. Arbeitslose haben vor lauter Sanktionen gar keine Zeit zum Demonstrieren und kein Geld zur Anreise, aber es heißt natürlich auch nicht „Arbeitslose welcome“, denn dann wäre der Schritt nicht weit, die rechtspopulistische „große Koalition“ statt des willkommenen Prügelknaben AfD als Unheil auszumachen, und das würde ja bedeuten, dass „die Rechten“ nicht allzu falsch liegen. Darf nicht sein, weil es nicht sein darf. Der Deutsche an sich symbolprotestiert eben gerne gegen die Wirkung der Ursache.

Selbst die christlichen Kirchen lassen verlauten, sie teilten nicht die Weltanschauungen der AfD. Verständlich: In der AfD sind vermutlich zu viele Frauen in hohen Ämtern. Die Kunstfigur Jan Fleischhauer fragt inzwischen in einer ausnahmsweise lesenswerten Kolumne auf „SPIEGEL ONLINE“, ob die „Sozialdemokraten“ an Angstneurosen litten, die sie dazu verleiteten, an Regierungsbildungen in beide Richtungen nur kriechend teilzunehmen. – Andere Störungen machen reich, nicht arm: Ein Eisteeproduzent hatte plötzlich den dreifachen Börsenwert, nachdem er „Blockchain“ als Namensbestandteil adaptiert hatte. Lecker Geldgier.

In eigener Sache: Am vergangenen Wochenende habe ich aus Versehen eine neue Version meiner furchtbaren Blogsoftware einer nichts ahnenden Weltöffentlichkeit um die Ohren gehauen. Masochisten wird ein Ausprobieren empfohlen. Freunde der schönen Künste hingegen sollten die Woche stattdessen mit Musik beginnen.

Cosmic Triggers – Quant Um

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Familienspaß mit „ZEIT ONLINE“

Ah, die Weihnachtsfeiertage – für viele Menschen traditionell ein Ärgernis, denn wer nicht überzeugend genug seine Kritik an falscher Besinnlichkeit äußert, der sieht sich bald in einen Sitzkreis aus Verwandten versetzt, mit denen man über irgendetwas reden soll.

Es fehlt ein geeignetes Gesprächsthema? „ZEIT ONLINE“ hilft gern aus:

Keine Debatte war 2017 so grundsätzlich wie die über Sexismus. Zum Jahresabschluss zehn Positionen aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion als Gesprächsgrundlage für Familienfeiern

Frohes Fest.

In den NachrichtenNerdkrams
UEFIs Rache

Stimmt schon, ist viel besser als Windows:

Unter bestimmten Umständen zerstört die Desktop-Ausgabe des aktuellen Ubuntu 17.10 das Bios vor allem (aber nicht nur) von Lenovo-Rechnern. (…) Auf den genannten Rechnern zerstört Ubuntu 17.10 Desktop die Firmware derart, dass sich dessen Einstellungen nicht mehr speichern lassen.

Dass Tim Schürmann ein BIOS („Bios“) nicht von einem EFI unterscheiden kann: Geschenkt, ist halt „Golem.de“. Nun ist allerdings einer der großen Vorteile eines BIOS („Bios“) gegenüber einem EFI, dass es nicht einfach programmierbar und erweiterbar ist. Ich verstehe schon: Heutige Computernutzer wollen ihre Startparameter mit der Maus zusammenklicken können, mit einem BIOS geht das halt nicht so gut.

Muss wirklich jeder einen Computer benutzen dürfen?

In den NachrichtenMusik
„Und darum zünd ich dein Radio an.“

Das Jahr endet für US-Amerikaner bitter:

[Mariah Careys] Weihnachts-Evergreen „All I Want for Christmas Is You“ feiert sein Comeback in den Top Ten der USA – 23 Jahre nach seiner Veröffentlichung.

So amüsant ich es auch finde, dass konsumorientierte Kaufhäuser das gar grausige Gejammer, in dem es textlich immerhin darum geht, dass man eben keine teuren Geschenke kaufen soll, alljährlich für eine geeignete Begleitung des beabsichtigten Kaufrauschs halten: Das Schlimmste an Weihnachtsliedern sind und bleiben die Weihnachtslieder.

Und darum hack ich (hack ich) dein Radio klein.

Die Ärzte – Radio brennt – Formel-1 -1988

:zensur:

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kein Sex ohne Antrag, keine Ehe mit Genehmigung.

Welche konkreten Folgen hatte eigentlich die unsägliche „Me-Too“-Kampagne außer ein bisschen Pressequälerei? Nun, hierzulande nicht besonders viele, der noch amtierenden Bundesregierung liegt anscheinend noch ihr Einsatz für das „Team Gina-Lisa“ schwer im Magen; im ehemals liberalen Schweden jedoch dreht die natürlich rot-grüne Koalition ein wenig durch:

Dies ist ein historischer Gesetzesvorschlag, der immer die Zustimmung beider Sexualpartner einfordert. Er regelt das, was eigentlich selbstverständlich ist, dass Sex freiwillig sein sollte. Ist er es nicht, dann ist er strafbar.

Dass es zielführend wäre, wenn der Partner freiwillig mitmacht, steht für vernünftige Menschen außer Frage, ungeklärt ist aber, wie im Zweifel die Beweisführung verlaufen soll: Müssen in schwedischen Discotheken künftig Notare vor den Toiletten bereitstehen oder genügt es, die Anbahnungsgespräche in Bild und Ton aufzuzeichnen? – Aus den Reihen der schwedischen „Grünen“ wurde zur Unterfütterung des Vorhabens abermals die Behauptung angeführt, es sei Frauen – anderen Menschen anscheinend nicht – mitunter erst Tage später klar, dass sie trotz anfangs andersartiger Kommunikation eigentlich gar keinen Geschlechtsverkehr haben wollten. Zu erkennen, dass das dem Prinzip, man solle sich gefälligst vorher bezüglich möglichen Fickens einigen, grundlegend widerspricht, ist eine geistige Transferleistung, die zu erbringen von „Grünen“ auch in Schweden vermutlich zu viel verlangt wäre.

In der „Berliner Zeitung“ schrieb Filmwissenschaftlerin (u.a.) Regine Sylvester im November dieses Jahres:

Ich frage mich, welche sexuellen Praktiken durch eine „ausgeklügelte Vereinbarung“ ihr Feuer behalten.

Spaß am Sex ist Unterdrückung! :motz:


„Flüchtlinge willkommen“ des Tages: „Mit den neuen geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern wird die Tradition der Zwangsverheiratung auch bei uns Alltag werden.“

In den Nachrichten
Kurz notiert zu sächsischen Panzern

In einer Gesellschaft, deren einzig wahrnehmbare Kritik daran, dass eine föderale Polizei sich mal eben ein paar neue Panzer besorgt, darin besteht, dass ihr die Sitzbezüge nicht gefallen (obwohl die Kombination aus antifaschistischer Fraktur und deutscher Eiche sehr angenehm ironisch wirkt), möchte man ja auch nicht unbedingt leben müssen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Grumbling Fur (abermals) – The Ballad of Roy Batty // Spendensammler außer Atem

Kalt, ne?Es ist Montag. Vor der Tür hausieren abermals etliche Spendensammler, die ihr eigenes Wohlergehen für den größten Zweck der aus menschlich rationaler Sicht ekligen „Weihnachtszeit“ halten, obwohl doch längst jeder weiß, dass, wer das dringende Bedürfnis verspürt, Geld zu verschenken, dieses viel lieber in die Rettung von Pandabären, Vögeln mit ulkigem Namen und so Computerkrams investieren sollte; obwohl es mir eher merkwürdig erscheint, anzunehmen, gerade in einer Zeit des besinnungslosen Geschenkekaufs sitze das Geld bei Passanten lockerer als sonst.

Trotz des Wochentags (Montag!) gibt es gute Nachrichten: Die NSA saugt gar nicht grund- und ziellos Daten ab, heißt es, denn die längst legendäre Spioniererei habe sowohl Grund als auch Ziel. Dann ist ja alles in bester Ordnung. Keineswegs in Ordnung ist die Gesundheit von Radsportlern: Anscheinend ist Asthma keine ausreichende Beeinträchtigung, um sich von doch recht fordernder körperlicher Betätigung zurückzuziehen. Wenn ich Atemprobleme habe, gehe ich ja auch immer erst zum Ausdauersport.

Immer mal was Neues von Firefox: Mit etwas Pech zeigt es Websites auch mal absichtlich falsch an, weil es Reklame für die – zugegebenermaßen – recht sehenswerte Serie „Mr. Robot“ herunterlädt, ohne vorher nachzufragen. Es soll ja niemand behaupten, dass es Mozilla an Kreativität mangele. Wer auf dem Laufenden bleiben will, der filtert das Web sowieso via RSS vor, das erspart Enttäuschungen.

Apropos Enttäuschungen: Im Fernsehen und in Zeitungen wird schon wieder das Jahr gerückblickt, als sei ab sofort nichts mehr los. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass noch in diesem Monat manch gute Musik erscheint oder ein guter Mensch stirbt. Ersteres wäre allerdings wünschenswerter. Vielleicht kommt sie schneller, wenn man sie anlockt? Versuchen wir es doch mal!

Grumbling Fur – The Ballad of Roy Batty (Official Music Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Schmalhans des Tages: Uffa Jensen, TU Berlin.

Dieser Artikel ist Teil 15 von 15 der Serie Schmalhans des Tages

(Vorbemerkung: Oh, ein heißes Eisen. Gleich mal anfassen!)

Auf „SPIEGEL ONLINE“ trompetete gestern Uffa Jensen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zwecks Interviews anlässlich muslimischer Beschwerden über die Ernennung Jerusalems zur israelischen Hauptstadt unter anderem folgende Anmerkungen über das Antisemitismusproblem, das hierzulande ja eigentlich kein besonders großes mehr sei, heraus:

Wir haben in Deutschland bereits ein sinnvolles Gesetzeswerk, wie etwa das Verbot der Holocaustleugnung und andere Paragraphen, um uns gegen Feinde der Demokratie zu schützen.

Darüber, ob es aus demokratischer Sicht sinnvoll ist und irgendeinen größeren Schaden in der Zukunft verhindern kann, das Lügen über Polithistorisches gesetzlich zu ahnden, wird voraussichtlich noch zu diskutieren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, sondern ein zulässiges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hingegen nicht übersehen werden: Ist eine Masse von Menschen erst einmal erhitzt genug für menschlich unfeine Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, sondern der Motor sein. Demokratie funktioniert nur wie ursprünglich gewünscht, wenn es der legislativen Mehrheit nicht an der Bildung für kluge Entscheidungen fehlt. Placebodemokratisch legitimiert ist jedenfalls auch das andauernde zahlreiche Ertrinken im Mittelmeer. Die größten Feinde einer funktionierenden Demokratie sind meist jene, die behaupten, ein Parlament aus aufstrebenden Mittelsmännern sei demokratisch gewünscht.

Dass die plötzliche Existenz des Staates Israel ausgerechnet auf dem sehr unjüdischen Gebiet Palästinas seit seiner Gründung im Jahr 1948 die demokratischen Rechte der damals deutlichen muslimischen Mehrheit, die ihr Überleben durch fortwährende Angriffe einer von Dritten installierten Minderheit zu Recht gefährdet sieht (das nennt man dann „Nahostkonflikt“, als wäre der Zweite Weltkrieg auch bloß ein „Europakonflikt“ gewesen), verletzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natürlich nicht thematisiert. Macht man nicht als deutschsprachiges Leitmedium, wäre ja rechts. Ein von der fortwährenden Zerfetzung seines Nachwuchses durch israelische Abwehr befreites Palästina passt nicht zur westlichen Diskussionskultur.

Die Kurve zur Relativierung muslimischer Israelfeindlichkeit bekommt Uffa Jensen aber schnell; darauf angesprochen, dass sich in Deutschland lebende Juden vor allem vor dieser fürchteten, weiß er zu antworten:

Zumal die Bedrohung für Juden in Deutschland vor islamistischen Terrorangriffen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der antisemitisch motivierten Straftaten von Rechtsextremen verübt wird.

Der Fachmann von der TU Berlin erkennt hier messerscharf, dass Islamisten und Rechtsextreme zwei vollkommen unterschiedliche Gruppen von Menschen sind; was natürlich Blödsinn ist, denn Extremismus ist kein von deutscher Kultur bedingtes Phänomen, sondern ein menschliches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gelsenkirchen.

Man möge, nachdem das klargestellt ist, nur nicht zwecks Abgrenzung auf die Idee kommen, zwischen Antisemitismus und Antizionismus zu unterscheiden, indem man irgendwelche Wörter erfinde, denn das durchschaut Uffa Jensen sofort:

„Israelkritik“ als Wort selbst ist einmalig. Es gibt keinen entsprechenden Begriff für ein anderes Land. Niemand spricht doch zum Beispiel von „Spanienkritik“.

Nun ist Uffa Jensen natürlich nicht immer in der Nähe eines recherchetauglichen Geräts und kann daher nicht wissen, dass sowohl „Deutschlandkritik“ ein medial verwendetes Wort ist, das in letzter Zeit gern im Zusammenhang mit dem ungeliebtesten US-amerikanischen Präsidenten seit George W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kritik“ nicht nur existiert, sondern bei einer großen deutschen Suchmaschine gar als ein anderes Wort für Antiamerikanismus aufgeführt ist – der, um den Kreis zu schließen, laut verschiedenen Quellen angeblich oft gemeinsam mit Antisemitismus auftritt, woraus ungeübte Leser vielleicht einen Umkehrschluss ziehen möchten, sofern ihnen denn danach zumute ist. Wie israelische Antisemiten in den Plan passen, erläutern Uffa Jensen und „SPIEGEL ONLINE“ an dieser Stelle nicht.

Der „Nahostkonflikt“ jedenfalls ist ein wirtschaftliches Problem, keinesfalls ein kulturelles und auch nur ein geringfügig politisches, wenngleich er von einer rein politischen Entscheidung überhaupt erst ausgelöst wurde. Die Verzweiflung über diese Kurzsichtigkeit spült schließlich das Gewäsch von Uffa Jensen direkt in den Nachrichtenleser; so weit ist es schon. Worum es überhaupt geht? Um Solidarität mit hässlicher Gesellschaft hier oder mit traditionell Aufgescheuchten dort? Quatsch: Um Reflektion natürlich. Anderen Ländern den Frieden einzuprügeln (oder einzuubooten) hat noch keinen Staat zum Lichtbringer gemacht. Der Schuldige ist meinerseits ausgemacht: Die Überkompensation eher nicht so guter gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den 1930ern und 1940ern durch eine internationale Wertegemeinschaft wird allmählich teuer.

Was würde Kishon tun?

In den NachrichtenMontagsmusik
Collapse Under The Empire – Dark Water

Huiiiiiiiiiiiii!Es ist Montag. Überraschenderweise fällt im Dezember Schnee; damit hat niemand gerechnet, auch die Deutsche Bahn zeigte sich überrascht, indem sie erst mal ein paar Züge anhielt. Auf ungewöhnlich normales Wetter vorbereitet zu sein ist im temperaturbezogen wankelmütigen Deutschland eine völlig überzogene Erwartung. Ein gepolsterter Po würde vieles erleichtern, aber man ist nun mal als Mensch geboren. Das ist nicht immer schön.

Man hat ja auch nur völlig absurde Vorbilder zur Verfügung: Ein „Influencer“ musste vor kurzem von der Feuerwehr gerettet werden, weil er zugunsten von irgendwelchen Werbeeinnahmen seinen Kopf in ein zementgefülltes Mikrowellengerät gesteckt hatte und sich nicht mehr befreien konnte. Zu meiner Zeit haben Vorbilder wenigstens noch Drogen genommen und hatten deswegen eine erträgliche Ausrede für etwaigen Schwachsinn, aber Drogen nimmt man ja heute auch nicht mehr, weil die eigene Gesundheit von falschen Idealen gelenkt wird.

Die Ersatzdrogen sind natürlich keine besseren, was den Killcount, wie wir zu meiner Zeit sagten, betrifft: Erst neulich hat der Feminismus wieder umgebracht, indem eine junge Frau, die selbst über ihre Sexualität bestimmen wollte, für dieses Vergehen in den Tod getrieben wurde. Soziale Gerechtigkeit bedeutet eben auch, dass jemand, der sein Geld mit Bumsen verdient, diese Arbeit gefälligst jedem Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung zugutekommen zu lassen hat, sonst Nazi. Ist das „links“ oder kann das aus anderen Gründen weg?

Ein CDU-Vertreter findet, die SPD solle weniger Forderungen stellen, wenn sie mitregieren wolle. Possenspieler am närrischen Hofe zu sein will wohl verdient werden.

Was stattdessen viel mehr gespielt werden sollte: Musik.

Collapse Under The Empire – Dark Water (official music video)

Guten Morgen.