Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenPolitik
Endlich: Clownverbot in Österreich!

In den NachrichtenPolitik
Kritische Begleitung und ihre Gefahren

(Vorbemerkung: Zynismus befreit den Geist, ich kann ihn insofern nur empfehlen.)

In den Tagen vor der Wahl wird die ohnehin schon nicht gerade wertneutrale Berichterstattung traditionsbewusst noch kreischender. Auch Anna Biselli vom schräg-grünen Personalityblog „Netzpolitik.org“ (hier wie bisher aus ethischen Gründen nicht verlinkt) grub am vergangenen Montag die Piratenpartei wieder aus, nur um darauf hinzuweisen, dass man die ja gerade nicht so wählen könne, weil das Thema so was von durch sei; so weit muss man seine eigenen Ausscheidungen halt auch erst einmal werfen können, dafür gibt es mindestens meinen Respekt.

Wenigstens der Rest der Medien, ob sozial oder nicht, hält sich brav ans Narrativ und verbreitet zwecks Feindesabwehr unter anderem Grafiken vom Vorjahr, die das „rechte Netzwerk“ des Buhmanns AfD – von denen lassen wir uns doch nicht unsere christsoziale Politik wegnehmen, ist schließlich Deutschland hier – „aufdecken“, dabei keineswegs die personellen Verbindungen mit der NPD übersehen, die mit der „Union“ aber geflissentlich ignorieren. Das muss man verstehen, die „Union“ war schon etabliert, als die Eltern der gerechten Demokraten noch mit der Rassel um den christlich-westlich guten Weihnachtsbaum gestolpert sind, und etablierte Politik kann nicht schlecht sein, denn sonst wäre sie ja nicht etabliert.

Die durch den ausbleibenden Kampf gegen die CDU/CSU freien Ressourcen werden daher in die Schlacht für die gerechte Sache gesteckt, wobei man das selbstverständlich nicht „Schlacht“ nennt, denn das wäre militant und unlinks. Stattdessen wird das Vorhaben rhetorisch ungefähr so betitelt:

Am Sonntag Abend rufen wir dazu auf die Wahlparty der Hamburger AfD kritisch zu begleiten.

Wie begleitet man eine Wahlparty kritisch? Unter „kritischer Begleitung“ stellte ich mir, bis ich diesen Quatschsatz gelesen habe, meist eine journalistische Tätigkeit vor, indem regelmäßig irgendwelche semantischen oder ausnahmsweise auch mal fachlichen Analysen des Gesagten in einschlägigen Periodika erscheinen. Wie Journalisten wirken die Seitenmacher auf mich jedoch ebenso wenig wie mir klar ist, wie umfangreich eine Berichterstattung über einen Abend des kalorienreichen Balkenguckens überhaupt sein kann. „Eilmeldung: Mitglied der Hamburger AfD verstößt gegen seinen Diätplan!“

Dass diese „kritische Begleitung“ sich andererseits auch nicht auf das Schwenken von Plakaten beschränken, sondern auch in engerem Zusammenhang mit destruktiver Interaktion stehen dürfte, zeigt eine Einladung für denselben Wahlabend in Berlin in der gleichen rechtschreibkritischen Publikation, aber an anderer Stelle:

Ziehen wir der AfD den Stecker!
Licht aus für Rechte Infrastruktur!

Nun ist kritische Begleitung ja noch kein Terrorakt, denn ein Terrorakt impliziert im Gegensatz zu einem Sabotageakt nach allgemeiner Auffassung Menschenschaden, und Pflastersteine haben bekanntlich noch niemandem geschadet; die kritische Begleitung der Polizeiarbeit anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg sorgte ebenfalls ausschließlich für ein friedlicheres, solidarisches Miteinander und hat niemandem geschadet, der es nicht qua Beruf in praecipio verdient hätte. Selbst die kritische Begleitung von Touristen durch IS-Sympathisanten ließe sich sicherlich auch mit einem friedlicheren Wort als „Terrorismus“ betiteln. Die haben halt die falsche Partei Religion und dafür kriegen sie jetzt ordentlich Ärger. Selbst schuld, wer sich der neuen Weltordnung verweigert.

Niemand muss Tourist sein.

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Kurz verlinkt: Gerechter Qualm

In den Nachrichten
Oktoberfest ist wie Hitler.

Apropos Oktoberfest.

Selbiges war noch nicht einmal richtig angelaufen, da gab es schon die ersten Beschwerden: In einer Onlinepublikation aus dem weiteren Umfeld der Veranstalter wurde darauf hingewiesen, dass ein Bierzelt voller Alkoholisierter sowie sich Alkoholisierender möglicherweise nicht der richtige Ort sei, um seine grünen Hippieideale von unglücklicher Liebe für alle Geschlechter mit allen Geschlechtern zu propagieren, um Rücksicht auf die rustikaleren Teilnehmer zu nehmen, die wenig Interesse an einem Praxisbericht aus dem Alltag mit Homosexualität haben. Sofort sprangen sich als gerecht verstehende Ritter jedwelchen Geschlechts aus dem virtuellen Gebüsch hervor und quakten drauflos, dass das nicht in Ordnung sei und der Veranstalter kein Recht habe, für eine von ihm veranstalteten Feier einfach irgendwelche Regeln aufzustellen, die ihnen persönlich missfallen. Dass die meisten der Drauflosquaker nicht selbst betroffen zu sein scheinen, bekräftigt die Vermutung, dass als sich „modern“ bezeichnendes „Linkssein“ im Wesentlichen aus Empörung im Namen anderer Leute und somit aus deren unerbetener Entmündigung besteht.

Der Konsens scheint jedenfalls nicht zu sein, dass man, wenn man mit dieser Verlautbarung nicht einverstanden ist, nicht einfach nicht dahin geht, wo man sich für nicht erwünscht hält (was bei Berücksichtigung der Rosa Wiesn ohnehin noch fragwürdig ist, eine „Hetero-Wiesn“ suche ich jedenfalls gerade vergeblich), und stattdessen sein eigenes Fest abhält, sondern, dass man dem Veranstalter jetzt erst recht dringend weiter auf den Sack gehen müsse, denn dann sei man sicher viel willkommener. Homophobie müsse „überall bekämpft werden“, laberte Sebastian Dicke von der Bochumer Piratenpartei drauflos, denn „Homophobe“ – als hätte irgendwer „Schwuchteln müssen draußen bleiben“ geschrieben – seien wie Rechtsradikale, woraus ich besorgt die Information entnehme, dass auf dem diesjährigen Oktoberfest höchstwahrscheinlich irgendwelche Wutbürger herumlaufen werden, die nur da sind, um sich mal so richtig über Wildfremde aufzuregen, und den Unterschied zwischen dem Anzünden von Asylantenheimen und Naserümpfen beim Anblick eines gleichgeschlechtlichen Pärchens für nicht vorhanden halten. Oktoberfest ist wie Hitler, erst trinkt man zu viel und hinterher ist man auf der Autobahn.

Nun also wird München sich ein paar Tage lang an wunderschönen Bildern von feierfreudigen Menschen ergötzen dürfen, ob es will oder nicht, und andere Städte – kaum eine größere Stadt lässt die Gelegenheit für ein paar bayerische Tage ungenutzt – ziehen ihm gleich, denn Tradition ist nicht nur wichtig, sondern macht auch reich: „Nach Berechnungen des Veranstalters (…) betrug der Wirtschaftswert des Oktoberfests 2014 gut eine Milliarde Euro“ (muenchen.de); Geld, das, dies sei als Bemerkung gestattet, stattdessen auch für Wichtigeres (Schulen, Renten, Musik) ausgegeben werden könnte. Allein: Feierndes Volk ist fröhliches Volk und fröhliches Volk mag keine Veränderungen. Wäre ich bayerischer Politiker, ich feixte tagelang.

Jede Aufweichung führt zu Verharmlosung. Verharmlosung führt zu mehr Konsum. Und mehr Konsum führt zu mehr drogenbedingten Gesundheitsschäden.
Marlene Mortler, leider über Cannabis

In den Nachrichten
Bemerkung im Zusammenhang mit Journalismus

Auf „SPIEGEL ONLINE“, SRF.ch, „20 Minuten“, in der „Kleinen Zeitung“ und anderen Qualitätsmedien wurden heute Bemerkungen im Zusammenhang mit Terrorismus in Paris gemacht:

Ein Mann hat mit einem Messer einen patrouillierenden Soldaten in Paris angegriffen. (…) Der Mann soll Bemerkungen im Zusammenhang mit Allah gemacht haben.

Beziehungsweise:

Aus Ermittlerkreisen hiess es, der Angreifer habe etwas im Zusammenhang mit «Allah» gesagt.

Beziehungsweise:

Der Mann soll etwas im Zusammenhang mit „Allah“ gesagt haben.

Hoffentlich wird der Richter Bemerkungen im Zusammenhang mit einer Strafe machen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtWirtschaft
Medienkritik in Kürze: Forscher finden zweierlei Maß.

Wofür brauchen wir eigentlich Volkswirte? Na, damit sie Erstaunliches herausfinden können:

Wie Volkswirt Thomas Strobel von der italienischen Bank Unicredit ermittelt hat, steigen die Preise auf dem Oktoberfest beispielsweise in diesem Jahr um 3,1 Prozent – und liegen damit deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. (…) Die Maß Bier auf der Wiesn kostet inzwischen bis zu 10,95 Euro und damit im Schnitt 25 Cent mehr als vor einem Jahr.

Wie, außerhalb des Oktoberfests kostet ein Dreiviertelliter Bier gar nicht so viel? Man überreiche dem studierten Herrn einen hoch dotierten (wg. Bank) Preis!


Vermessen auch: Auf „taz.de“ findet „AutorIn“ (muss man wohl nicht so genau wissen) Tanya Falenczyk es sichtlich unschön, wenn eine Partei auf Plakaten darauf hinweist, dass auch Väter vor dem Gesetz gleich seien, was offensichtlich automatisch dem Feminismus zuwiderläuft (im Artikel grob als „Antifeminismus“ zusammengefasst); was wiederum über den Feminismus ekelhaft vieles aussagt.

In den NachrichtenPolitik
Was die SPD gerrn schaffen würrde

In derr bedauerrlicherrweise bislang unbegrrenzten Rreihe derr Dinge, die eine Parrtei, die seit 1998 beinahe pausenlos mitrregierrt, gerrn schaffen würrde, dürrfte sie doch nurr endlich auch mal mitrregierren, gab es vorrgesterrn eine neue Episode:

Über bessere Pflege kann man zwölf Jahre reden oder man kann die Vorraussetzungen schaffen.

Überr besserre Bildung hat derr twitterrnde SPD-Parrteivorrstand („SPD Parteivorstand“, danke, keine weiterren Frragen) anderrerseits ja nichts gesagt. Das überrlässt err verrmutlich lieberr den Norrdrrhein-Westfalen.


Wer kennt es nicht? Man wacht morgens auf und ist aus Versehen im IS. Hoppla!

In den NachrichtenPolitik
Das unerträgliche Gepöbel junger Politikerinnen

Wir schreiben das Jahr 2014. In einer der hässlicheren deutschen Städte zieht sich eine damalige chancenreiche Kandidatin der Piratenpartei Deutschland halb aus, um die britischen Luftstreitkräfte schriftlich um die erneute Bombardierung derselben Stadt zu bitten. Der Fall findet internationale Aufmerksamkeit und sorgt für parteiinternen Zwist, der schließlich, weil der Rauswurf zu lange dauert, zum Austritt eines Teils des „antideutschen“ Flügels führt. Die meisten dieser Flügelkämpfer finden Zuflucht bei den „Linken“, der aufgrund der prominenten Neuzugänge schnell einige namhafte gemäßigte Mitglieder entfliehen, weil sie das absehbare Elend lieber von außen betrachten wollen.

Der ehemaligen Piratenkandidatin tat das nach eigener Aussage furchtbar leid, nicht so gemeint, hupsi. In der „Linken“ wird sie später – wie auch andere dümmlich handelnde Exmitglieder ihres Exflügels – hoch angesehen sein und für sie im Berliner Abgeordnetenhaus (das waren die mit dem Flughafen) herumsitzen. So weit, so sprechend für die Zustände in Berlin.

Ein Sprung ins Jahr 2017: Eine junge Hamburger „Politikerin“, die ebenfalls für die „Linke“ in den Bundestag einziehen möchte und anderswo mit weinendem Emoji bekanntgibt, sie möchte Deutschland „nie mehr wieder sehen“, bittet – wenigstens mal mit Klamotten an – herzend um eine Liste von Trottelpornos, also von Filmen, die den Tod einer bestimmten Menschengruppe (hier: Deutscher) abbilden. Weil es nicht jeder so amüsant findet, dass sich jemand merklich besser fühlt, wenn er seinen (und selbst den eigenen) Mitbürgern beim Sterben zusieht, wurde natürlich auch in mitunter deutlich übertriebenem und ähnlich unangebrachtem Maße darauf reagiert, denn wenn eine junge Deutsche Deutsche sterben sehen möchte, dann gilt das doch sicher auch für die eigene Familie und die eigene Person, nicht wahr?

Nein, natürlich nicht wahr, es war nicht so gemeint, hupsi:

In einem Statement charakterisierte Rambatz ihr Posting als eine Mischung aus „Unbedarftheit und eigensinniger Ironie“ und klagte über Morddrohungen und „rechten Shitstorm“. Ihr Post sei lediglich „satirisch überspitzt“ gewesen, nun werde sie jedoch „mit Mord und Vergewaltigung bedroht“.

Denn der deutsche Staat, das muss man doch verstehen, ist zwar eine eklige Einrichtung, die man nie wieder sehen möchte und deren Bewohner bitteschön zwecks Belustigung mindestens virtuell sterben sollten, aber das ist natürlich ironisch überspitzte, unbedarfte Satire, was man schon daran erkennt, dass es kein bisschen witzig ist. Satire und Ironie (ich hätte jetzt eher auf Zynismus getippt) dürfen bekanntlich alles, auch gewaltsamen Tod spaßig finden, so lange es der Tod anderer Menschen ist und der so Wünschende nicht rechts ist, denn dann ist es nicht mehr lustig.

Man verstehe mich nicht falsch: Wer jemandem höchstselbst Gewalt androht, der ist ausnahmslos ein Mensch, mit dem man nicht näher etwas zu tun haben wollen sollte, weder in der Politik noch in der Kneipe. Die satirisch überspitzten und bestimmt auch total ironischen und unbedarften Reaktionen von Menschen, die den Spaß an gewaltsam sterbenden Völkern unabhängig von der Form ihres Einwands zu Recht für einigermaßen widerlich halten, rechtfertigen jedoch im Nachhinein keineswegs, dass jemand, der das verhasste Deutschland trotzdem mitregieren will (denn auch ein Arbeitgeber, den man scheiße findet, zahlt manchmal ein ausreichendes Gehalt), das mit der Menschenwürde in einem solchen Umfang aktiv missversteht.

Anders als im Fall ihrer deutschlandkritischen Berliner Parteikollegen hat hier der Bundesvorstand der Partei jedoch nicht helfend interveniert, sondern die Abgabe des Listenplatzes empfohlen. Im nächsten gewählten Parlament wird Sarah Rambatz also ziemlich sicher keinen Platz erhalten, was der „Linken“ zwar grundsätzlich positiv anzurechnen ist, mich aber vor die Frage stellt, warum die Freude über den Filmtod von Deutschen so viel schwerer zu wiegen scheint als die Bitte um die reelle Bombardierung deutscher Großstädte.

Vielleicht hätte sie sich auch ausziehen und beschriften sollen.

Warum sie sich in einer Partei organisiert haben, kann ich mir nicht erklären.
Hannes Kling

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 6. September 2017

Angenommen, dass die explizit wie implizit geäußerte Gleichsetzung von AfD und NSDAP sowie von Mitgliedern der jeweiligen Partei mit Schlägern der SA/SS durch irgendwas auch nur im Ansatz moralisch zu rechtfertigen und nicht von vornherein ein Grund ist, jedwelches Gespräch mit dem Gleichsetzer umgehend abzubrechen und ihn unter dringenden Verdacht des Wahnsinns zu stellen: Dass der abscheuliche Fernsehkasper Jan Böhmermann Altnazis wie den ehemaligen Bundespräsidenten Karl Carstens einfach wegleugnet, passt bis jetzt ganz gut in mein Bild von seinem Publikum.


Dreiste Solarstromlobbyisten frohlockten Ende August ins Internet rein, dass bald die Energiekapazitäten für Solarenergie diejenigen für Kernkraft übersteigen würden. Was freilich nicht im Artikel steht, ist, dass auch ein großes leeres Fass eine große Kapazität hat, nur drin ist dann halt nichts. Eine leere Batterie treibt unabhängig von ihrer Größe („Kapazität“) nun mal keine Großstadt an.


ZOMG H4Xx0rZ! (1): Werbebanner schürfen Bitcoins. Es gibt keine Entschuldigung mehr, Werbung nicht zu blockieren.


ZOMG H4Xx0rZ! (2): Wenn Computerlaien im Landtag von Sachsen-Anhalt auf alles klicken, was wie ein Verweis aussieht, und dadurch Schadsoftware ins Netzwerk holen, nennt man das offenbar einen „Hackerangriff“. Verdammter Putin!


Sowohl Angela Merkel als auch Martin Schulz wollen nicht, dass die Türkei in die EU kommt, behaupteten sie. Es ist also nicht davon auszugehen, dass die Türkei kein EU-Mitgliedsstaat wird.


Toxische Männlichkeit ist aberkanntes Heldentum.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Was blüht denn da?Es ist Montag, schon jetzt nur schwer zu ertragen. Hier kommt man nur mit Kaffee raus. Der alte Trott muss dennoch wiedergefunden werden, sonst glauben die Leute noch, hier gäbe es immer nur so geilen Scheiß wie vorgestern. Hausgemachte Enttäuschungen sind die besten, das kennt man hier, man will es so.

Wenigstens politisch ist alles in diesem Land im Lot: Teile der deutschen Bundesregierung denken darüber nach, ob es vielleicht allmählich mal Zeit werden könnte, eine etwas weniger nachgiebige Haltung gegenüber der türkischen Innenpolitik – als ginge diese die deutsche Bundesregierung etwas an – walten zu lassen. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, erhält vielleicht der übernächste türkische Präsident einen vorsichtig formulierten Brief mit der leisen Bitte um Mäßigung.

Der linken Twitteria geht inzwischen, salopp gesagt, voll einer ab, weil Vertreter der lustigen PARTEI das Grundrecht auf Privatheit und informationelle Selbstbestimmung des politischen Gegners missachteten und sich unerlaubt in deren Facebookgruppen ausbreiteten. Andersherum wäre das vermutlich gemeinhin als Protofaschismus und/oder als sonstwie ungut wahrgenommen worden, aber wenn man „Satire“ draufklebt, wird es zum Witz. Es ist beängstigend, wer heutzutage alles wählen darf. Die gerechte Strafe allerdings lässt nicht lange auf sich warten: „Klar bürgen wir für jemanden. Was? Dann haben wir Pflichten?“

Was jedenfalls ich noch immer lieber wähle als Parteien: Musik.

Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Vorwärtsverteidigung (2)

Ah, die schrecklich bedrängte NATO wird endlich konkret, was ihre Verteidigung betrifft:

Die USA werfen Russland den Bruch eines wichtigen Abrüstungsabkommens vor[.] (…) Die USA vermuten dem Bericht nach, dass Russland schon seit 2008 gegen das Abkommen verstößt – doch auch Russland erhebt solche Vorwürfe gegen die USA. (…) Nach den Medieninformationen herrsche bei der Nato „ernste Besorgnis“.

Da helfe, glaubt man den Guten, nur (u.a.) das:

Ausbau der nuklearen Abschreckungskraft der Nato

Verdammter Putin. Erst lässt er Russland nicht unwidersprochen militärisch umzingeln und jetzt zwingt der einen auch noch zu mehr Atomwumms.

Wofür brauchen wir die NATO noch mal?

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Grüne Armee Fraktion

Das, freilich, kommt mir durchaus bekannt vor:

Ich fand die Sprache unserer Erklärungen sehr schwer verständlich und kritisierte das auch. Aber Brigitte meinte nur: „Wer sich wirklich für unseren Kampf interessiert, versteht das auch.“

Darauf einen Genderstern.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Lautsprecher, aber Leishörer

Da es noch immer Menschen für eine großartige Idee halten, sich vom eigenen Ersparten Dinge ins Schlafzimmer zu stellen, die menschliche Geräusche durch das Internet an irgendwelche Server zur Auswertung schicken können, sei vielleicht noch auf diese großartige Zusatzfunktion verwiesen:

Sprachgesteuerte digitale Assistenten lassen sich kapern, ohne dass der rechtmäßige Nutzer es hören kann.

Neu: Nichtsprachsteuerung! Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass diese Funktion einen Nutzen für irgendwem außer dem rechtmäßigen Besitzer des Geräts haben könnte, denn sonst wäre es ja ein geradezu rekordverdächtig dämliches Tun, sich einen solchen Assistenten ins Haus zu holen, nicht wahr?

Bonuspointe:

Diese Verzerrungen können Hacker ausnutzen, um Befehle auszulösen, die für Menschen (…) wie sinnloses Geplapper klingen (…).

Jetzt verstehe ich den Wahlkampf der Grünen!

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum „linksunten“-Verbot

Während man auf „SPIEGEL ONLINE“ lesen kann, dass es offenbar „linksextreme Internetseiten“ gibt, die also nachts vermutlich heimlich Steindateien auf Naziserver schmeißen, schwelt in den sozialen Netzwerken unter bedauerlicher Ausblendung der Frage, ob die unbedingte Freiheit des Internets nicht vielleicht auch irgendwas mit der unbedingten Freiheit, Blödsinn in es hineinzuschreiben, zu tun hat, die Diskussion darüber, warum der Staat in seinem traditionellen linken Halbjahr vor einer Wahl jetzt zur Abwechslung mal etwas gegen Linksextremismus tue, denn so sei der Wunsch nach der Löschung von Hass im Netz doch bitteschön nicht gemeint gewesen; und warum denn so Naziseiten immer noch online seien, obwohl jene doch viel schlimmer seien, denn „linksunten“ habe ja nicht nur zur Gewalt angeleitet und aufgerufen, sondern auch etwas zur Aufklärung von NSU- und ähnlichen Fällen beigetragen, als würde das jede Begeisterung für die Gefährdung eines unbeschadeten Lebens von Zivilisten und Polizisten invalidieren und als setze unter anderem die Störung des zivilen Bahnverkehrs in Deutschland ein merkliches Zeichen gegen das Unrecht im Nahen Osten, was jedenfalls mir nicht wesentlich schmerzärmer aufstößt als die Wiederholung der so alten wie dummen Geschichte, die Regierung des Dritten Reichs habe immerhin auch Arbeitslosigkeit ab- und Infrastruktur aufgebaut, so schlimm könne sie also gar nicht gewesen sein.

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi ist daran schuld (Nachtrag).

Ein Gedankenspiel: In naher Zukunft wird ein Rechtsaußen mit der Absicht, einen von ihm ungeliebten, weil provokanten linken Benutzer loszuwerden, eine Spendenkampagne eröffnen, um das führende soziale Netzwerk – der Einfachheit halber nehmen wir an, es sei Facebook – zu kaufen. Befeuert von einem weltweiten überwiegend positiven Medienecho wird das ein riesiger Erfolg: Binnen weniger Wochen ist das übernommene Facebook nicht nur um einen, sondern um viele Benutzer ärmer, denn wenn man schon mal einen Sperrknopf gekauft hat, dann will man ihn auch nutzen. Sehr bald ist freie Rede nur noch eine schwächer werdende Erinnerung in diesem Netzwerk, die verbleibenden Benutzer akzeptieren das aber, denn es war ja immerhin auch ein Provokant unter den Entfernten.

Will man das?

Will man das?

Die ehemalige CIA-Agentin Valerie Plame Wilson hat eine Crowfunding-Kampagne gestartet, um genügend Aktien des Unternehmens Twitter zu kaufen, und so Einfluss nehmen zu können. Ihr Ziel: Donald Trump zu verbannen.

Stille wird unterschätzt.