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Ich spreche keine Kaufempfehlungen aus, ich bin ja nicht Amazon.

In den NachrichtenKaufbefehlePolitik
Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.

Is’n Ding: Die deutsche Regierung will mit dem Geld, das sie für Nebensachen wie Kindergärten, Bildung und Kultur dann wohl doch nicht mehr ausgeben möchte, die Hypo Real Estate retten und nebenbei die US-amerikanische Finanzkrise abwenden. Kein Problem, die paar Kröten haben wir ja alle in der Tasche. Immerhin ist der Aufschwung da.

(„Die Abhängigkeit des Landes von ausländischem Öl sei eine der größten Bedrohungen für die USA“, sprach der Weise aus dem Morgenland; enttäuschend immerhin, das hat Herr Bush jun. seinerzeit doch weit klüger lösen können. Beispielsweise, indem man das Ausland zu eigenen Kolonien erklärt. Na, vielleicht kommt man ja noch drauf.)

Interessanter ist aber, wie so oft, das, was die Welt ach-so-furchtbar bedroht:

Die neue amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice kündigte direkte Gespräche der Amerikaner mit Teheran über das umstrittene Atomprogramm an.

(SPON)

Ah, herrlich. Endlich unternimmt mal jemand was.
Direkte Gespräche mit dem Iran, auf dass man sich dort von dem frevelhaften Tun der Urananreicherung abwende.

Am Ende bauen die Iraner eine oder mehrere Atomraketen und bedrohen damit Staaten, deren Religion/Regierung/Staatsform ihnen nicht in den Kram passt. Das wäre doch richtig fies.

Nein, Atomwaffen sollten denen vorbehalten sein, die sie für nicht aggressive Zwecke zu nutzen wissen.
Sie würden sich beispielsweise gut im Vorgarten machen, man könnte Kletterbohnen oder ähnliche Pflanzen an ihnen züchten. Die Amerikaner zum Beispiel sind für ihre friedliche Nutzung von Atomenergie und Waffenforschung ja bekannt. Wer würde ihnen den Besitz beider Techniken verargen?

Aber zurück zu den geplanten „Gesprächen“:
Es ist ja nun wahrlich nicht so, dass sich in der Vergangenheit irgendjemand dieser Sache angenommen hätte. Nein, erst jetzt, zu Beginn unserer neuen Zeitrechnung mit Beginn der Geburt des Obama, unseres HErrn, wird der Menschheit der Friede gebracht. Halleluja, lobet ihn!

Dieses ominöse Gefängnis in irgendsoeiner Bananenrepublik hat Hussein er ja bereits öffentlichkeitswirksam geschlossen, und all die eingekerkerten vermeintlichen Staatsfeinde können frohen Mutes in eine blendende Zukunft blicken.

Angesichts dieser Wortgewandtheit (vermutlich ergab sich ungefähr dieser Dialog: „Close it!“ „OK.“) und politischen Gewieftheit ist es doch nahezu unvermeidlich, dass auch der Iran, dieser dunkle Fleck auf dem Po des Teufels, bereit ist, von seiner bisherigen Außenpolitik (die da lautete: „Pfeif auf Sanktionen, wir sind nicht die Schoßhündchen des Westens“) umgehend abzukommen.

Und nun aber mal eben, bevor ich beim Schreiben versehentlich platze vor Lachen, ein wenig ernster:
Der „Dialog“ zwischen der Welt und dem Iran findet bereits seit mehreren Jahren ohne Konsequenzen statt. Die Vereinten Nationen appellieren an den knuffigen kleinen Staat, er möge seine Urananreicherung doch bitte umgehend unterbinden und würde zum Dank auch Unterstützung in der Nutzung von Wind- und Wasserenergie bekommen. Der Adressat antwortet, er habe keinerlei Interesse daran, seine Bürger ohne Atomenergie leben zu lassen, und das ist, das möchte ich hier zu bedenken geben, auch sein gutes Recht. Meist folgt dann ein Gespräch zwischen irgendeinem Uno-Bediensteten und einem iranischen Unterhändler, das ergebnislos verläuft und einen noch schärfer formulierten Brief der Uno zur Folge hat, auf den dann wiederum noch gleichgültiger geantwortet wird.

(Henryk M. Broder beschrieb unter anderem diese unendlich scheinende Geschichte in seinem jüngsten Buch Kritik der reinen Toleranz, das auch zu erklären versucht, wieso in diesem Land des Öfteren religiöse Toleranz die Wirkung von Gesetzen aufhebt. Sollte man mal gelesen haben.)

Ich bin ja mal gespannt, wie Frau Rice diese Geschichte zu beenden pflegt. Vielleicht spricht ihr neuer Präsident ja auch ein Machtwort.

„Stop it.“
„OK.“

Oder, was auch nicht allzu unwahrscheinlich ist, die Uno lässt einen noch schärfer formulierten Brief schreiben.
Mit besten Wünschen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2008 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 3 von 18 der Serie Jahresrückblick

Hallo, liebe Diesleser,
schon wieder ist ein halbes Jahr vergangen, 2008 neigt sich dem Ende zu. Ein guter Zeitpunkt ist’s also, rechtzeitig zu den letzten Weihnachtseinkäufen eine abschließende Rückschau auf die Alben des Jahres sowie der letzten Jahrzehnte zu halten.

Wie immer kann ich natürlich nur jene Alben in die Rückschau aufnehmen, die mir vorliegen und die mir ausreichend vertraut sind. Dennoch ist zu hoffen, dass der eine oder andere von euch sich mit der Retrospektive auseinandersetzt und womöglich etwas entdeckt, was ihm gefällt. Ergänzungen, sofern auf solider Kenntnis des Ergänzten beruhend, sind natürlich jederzeit willkommen.

Der Vollständigkeit wegen:
Einige Alben, die mir beim Anspielen zwar spontan gefielen, über die ich jedoch noch kein ausreichendes Urteil fällen konnte, fehlen aus ebendiesem Grund. Lieber einen Qualitätskauf zu wenig als einen Reinfall zu viel in der Liste.

Da sich auch mein Musikgeschmack indes hin und wieder wandelt, sei diesmal vorweg erwähnt, dass die Nummerierung zwar durchaus eine „Topliste“, jedoch keine geordnete darstellt. Das Kapitel „Deutschrock“ möchte ich aus Gründen der Übersicht diesmal auch gesondert anfügen.
Für alles, was im Folgenden aufgeführt wird, kann ich jedenfalls gleichermaßen den Kauf empfehlen.

Frohes Hören daher bei diesen Tonträgern:

Teil 1: Diverse Genres

  1. Tindersticks – The Hungry Saw
    „And still we try to reach for what is gone tonight, and they’re here“ (Yesterday’s Tomorrow)

    Die britische Band Tindersticks um Sänger Stuart A. Staples ist mit ihren Werken kaum bekannt, wird für bekanntere Gruppen wie Nick Cave & The Bad Seeds allerdings gern als Vorbild zitiert.

    Dabei haben sie musikalisch kaum gemeinsam:
    Das Album The Hungry Saw ist alles andere als lärmig, das Genre Rockmusik lässt sich keinesfalls auf es anwenden. Die ursprüngliche Besetzung wurde mit diesem Album zur Hälfte aufgelöst, so dass Perkussion und Streicher, die das Album weitgehend bestimmen, eine noch melancholischere Stimmung als noch auf seinen vergleichsweise fröhlichen Vorgängern verbreiten. Der tiefe, gebrochene Gesang, der Gegner dieser Musikrichtung (spontan kommt mir das Wort „Kammerfolk“ in den Sinn) mitunter an eine nicht allzu kindliche Version von Kermit dem Frosch denken lassen mag, lässt den Hörer am Ende des Albums merkwürdig leer, aber auch befreit zurück.

    Auf jeden Fall ist eine Hörprobe zu empfehlen, zum Beispiel Yesterday’s Tomorrow auf YouTube.

  2. The Hold Steady – Stay Positive
    „I know you’re pretty pissed, I hope you’ll still let me kiss you.“ (Magazines)

    Um die Stimmung, in der The Hungry Saw den Hörer hinterlässt, wieder zu erwärmen, hilft wie so oft ein wenig Indie-Rock.
    The Hold Steady aus New York werden bisweilen mit Bruce Springsteen verglichen, machen aber weitaus mehr Spaß.

    Vergleiche sind schwierig zu ziehen; The Hold Steady haben einen durchweg eigenen Stil, der sie von den übrigen Vertretern der in der Regel recht eintönigen „Indie-Welle“ (Kaiser Chiefs und wie sie alle heißen) erfreulich unterscheidet.

    Der Name des Albums ist Programm, so abgeschmackt dies auch klingen mag. Optimistische Texte über verschiedene Aspekte des Lebens, gepaart mit abwechslungsreichen Melodien, verbreiten ein Feeling, das sich gewaschen hat, aber hallo.
    (Ich hoffe, die Parodie auf moderne Medien ist mir halbwegs gelungen.)

    Hörproben:
    Amazon.de hat 30-sekündige Hörproben im Archiv.

    Leider bringt auch Stay Positive die unangenehme Eigenart vieler „Indie“-Alben mit, dass sich beim dritten oder vierten Hördurchlauf der „Aha-“ bzw. „Oho-Effekt“ weitgehend abgenutzt hat. Damit keine Langeweile aufkommt, geht’s direkt weiter mit dem nächsten Album:

  3. Sigur Rós – Með suð í­ eyrum við spilum endalaust
    „Allt gleymist í smásmá stund og rætist samt, opna augun, ó nei!“ (Inní­ Mér Syngur Vitleysingur)

    Die Isländer mit dem eigenartigen Falsettgesang sind zurück, ohne jemals weg gewesen zu sein, und sie legen nach ihrem inzwischen drei Jahre altem Werk Takk… („Danke…“), das mit seiner geradezu sprühenden Fröhlichkeit – wie immer dies aussehen mag – nach dem elegischen, nachdenklichen Doppelalbum () einen Bruch im Stil des Quartetts darstellte, einen Nachfolger vor, der dies konsequent weiterführt.

    „Mit einem Brummen in den Ohren spielen wir endlos weiter“, in der Tat, dies scheinen sie zu tun:
    Wäre nicht der erste Teil des Albums mit den eingängigen Mitsumm-Melodien der seltsam heiteren Single Gobbledigook und des oben bereits zitierten Inní­ Mér Syngur Vitleysingur, so könnte man dieses Album in der Endlosschleife hören, ohne es direkt zu bemerken; bereits wenig später nämlich breiten Sigur Rós wieder ihre Klangwelten aus.

    Und da bei Sigur Rós, anders als bei vielen dieser ekligen Chartsmusiker, kein Album das gleiche ist wie sein Vorgänger, gibt es auch auf Með suð í­ eyrum við spilum endalaust viele Details zu entdecken. So wird zum Beispiel All Alright erstmals auf (immerhin schlecht verständlichem) Englisch intoniert; in Stück 7 (Ára Bátur) wirkt gar das Londoner Sinfonieorchester mit.

    Das (passende) Titelfoto – einige fröhliche Nackte in freier Natur – wurde übrigens konsequent in das Video zu Gobbledigook überführt. So ist auch für’s Auge was dabei.

    Hörproben:
    Auf YouTube.com gibt es die Videos zu Gobbledigook und Inní­ Mér Syngur Vitleysingur zu beäugen. Viel Spaß!

  4. Cog – Sharing Space
    „I don’t listen at all to the government, I just say: No, why do you hate?“ (Swamp)

    Von schwebender Esoterik nunmehr wieder zurück zu erdigem Rock.
    Bezüglich der australischen Gruppe Cog ist den meisten Lesern dieser Zeilen vermutlich nur bekannt, dass ihr aktuelles Album, obwohl nicht mehr „brandneu“, bei Amazon.de lächerlich wenige Kundenrezensionen (zum Zeitpunkt des Verfassens exakt 1) hat und folglich keinen allzu hohen Verbreitungsgrad zu haben scheint.

    Das ist durchaus schade, denn Cog machen wirklich gute Musik. Das Gitarrengeschrammel findet nicht im Vordergrund, sondern als Liedbegleitung statt, stattdessen haut der Schlagzeuger drauf, dass es kracht.
    (Das ist ausnahmsweise nicht bildlich gemeint.)

    Warum die englische Wikipedia Cog als progressive rock einstuft, wundert mich ein wenig; sich selbst nennt die Band schlicht eine Rockband. Ich würde zudem noch das Adjektiv „Independent“ dazupacken, denn trotz aller Gefälligkeit: Im Radio laufen sie meines Wissens nie.
    (Gegenbelege bitte jederzeit zukommen lassen!)

    Textlich haben Cog ein paar sehr gute Ideen parat – ein Beispiel habe ich oben zitiert -, und wer jetzt noch herausfindet, an wen mich der Sänger erinnert, tut mir einen großen Gefallen. Ich komme nicht darauf.

    Hörproben:
    In ihrem MySpace-Profil kann man einige Lieder von Cog gratis anhören und mit der richtigen Technik auch herunterladen.

    :)

    Eine Melange aus dem Gesang und der Fröhlichkeit von Sigur Rós und der Independent-Attitüde von Cog und The Hold Steady hat das folgende Album zu bieten:

  5. Portugal. The Man – Censored Colors
    „Lay me back down in the holes and the warmth that we’ve warmed up.“ (Lay Me Back Down)

    Ich ertappe mich selbst nur selten dabei, Lieder im ÖPNV, in Mathematikvorlesungen und/oder während der Körperreinigung mitzusummen, aber Lay Me Back Down ist ein verdammter Ohrwurm, seit Monaten schon. Das vom Feuilleton gepriesene Vorgängerwerk Church Mouth war durchaus auch recht nett, aber Censored Colors ist schlicht grandios.

    Das Eröffnungsstück (das nun schon mehrfach erwähnte Lay Me Back Down) führt, was heutzutage nicht mehr (?) allzu selbstverständlich ist, tatsächlich in die Stimmung des Albums ein; es mag durchaus sein, dass da der Überschwang aus mir spricht (und im Kopf den Refrain von Lay Me Back Down mitsummt), jedoch ist die sprichwörtliche Sonne, die beim Hören aus dem Gesäß des Konsumenten strahlt, noch eine fast zu blasse Metapher.

    Der hohe Gesang wird vermutlich an sich nicht jedermanns Geschmack entsprechen, aber er passt zur Musik. Mal im Ernst: Metal-Gegrunze zu Sommermelodien?

    Ein Amazon.de-Rezensent hat das Album übrigens wie folgt bewertet:

    Wer in die Platte reinhört, bemerkt schnell, dass es sich hier um eine Band mit einem unverwechselbaren Sound handelt. Egal, ob sie leisere Töne anschlägt, die an Cake, Deus, At-the-Drive-In erinnert. Oder ob die Band 40 Jahre Rockmusik wie durch ein Kaleidoskop in völlig eigenständige, extrem tanzbare Songstrukturen integriert. Dabei schafft es die Band immer wieder, Tempo- und Stilwechsel innerhalb eines Stücks ohne jede Bruchstelle harmonisch einzufangen. Viele der Songs wirken so wie Hymnen, die bei jedem Hören wachsen und wachsen.

    „Tanzbar“ ist, wenn auch ein recht metaphorischer Kunstbegriff, eins der beiden Wörter, mit dem sich dieses Album am besten zusammenfassen lässt. Das andere ist „fröhlich“, aber das habe ich oben schon verbraucht.

    ;)

    Hörprobe:
    Es erscheint voraussichtlich nur wenig überraschend; als Hörprobe zu diesem Album empfehle ich das Video zu Lay Me Back Down auf YouTube.com. Mitsummen oder entrüstet schließen; ihr habt die Wahl!

  6. The Ascent Of Everest – How lonely sits the city !

    Auch die Abschlussliste 2008 muss nicht auf ein wenig instrumentalen Postrock verzichten. Das Leerzeichen vor dem Ausrufezeichen gehört, soweit mir bekannt ist, zum Titel des Albums und ist daher kein Schreibfehler.
    Wobei es doch schwer genug ist, beim Rezensieren dieses Albums keine Schreibfehler zu machen: Titel wie As the City Burned We Trembled for We Saw the Making of Their Undoing in Our Own Hearts und Mountains: c) Sing Out as Hope Rises With the First Breath of Dawn zeigen, wo The Ascent Of Everest anzusiedeln sind. Auch die Genregrößen Mogwai, deren Musik The Ascent Of Everest sich oft nähern, sind dafür bekannt, ihren Stücken gern überlange Titel (ein Beispiel: I Love You, I’m Going To Blow Up Your School) zu geben.

    Da The Ascent Of Everest, von den Sprachfetzen in A Threnody For the Victims of November Second abgesehen, auf Gesang verzichten, kann man nur spekulieren, was die Titel zu bedeuten haben; aber entscheidend ist, was drin ist.
    Und das ist eine ganze Menge.

    Die genretypischen Gitarrenwände, wie sie zum Beispiel Oceansize oder die von mir in der Halbjahresrückschau hoch bewerteten Dear John Letter aufbauen, lassen The Ascent Of Everest weitgehend unaufgebaut, dennoch gibt es hier durchschnittlich 10-minütige Instrumentalorgien mit Crescendi und Decrescendi auf die Ohren.

    Damit man mich nicht falsch versteht:
    The Ascent Of Everest sind solider Postrock, wie man ihn kennt und toll findet. Nicht überragend gut, aber auch nicht überragend schlecht.
    Dieses Album ist vielmehr repräsentativ für die anderen Werke dieser musikalischen Schublade zu betrachten, die in diesem Jahr erschienen, darunter auch The Hawk Is Howling von Mogwai, das in der Presse bereits ausreichend, so meine ich, gewürdigt wurde.

    Hörproben:
    Teile des Albums stellt die Band in ihrem MySpace-Profil zum kostenlosen Hören bereit.

    Zusatztipp:
    Wer auch am Ende dieses Jahres von dieser Musikrichtung noch nicht genug hat, dem sei der Sampler 2008 der beiden Labels Cavity Records und The Mylene Sheath ans Herz gelegt, auf dem unter anderem die grandiose Band If These Trees Could Talk sich austoben darf.
    Mehr dazu unten.

Womit wir auch schon bei einer zentralen Frage wären:
Am Jahresende ist oft kein Geld mehr für Tonträger übrig – was tun?

Kein Problem:

Teil 2: Kostenlos muss nicht schlecht sein

Radiohead haben es vorgemacht (In Rainbows), Marillion (ihr wisst schon, die mit Kayleigh) haben in diesem Jahr mit dem Doppelalbum Happiness Is The Road nachgelegt:
Auch Musik, die man kaufen kann, muss nicht teuer sein.

Einer der für alle Beteiligten positiven Effekte des Internets ist die Möglichkeit, die eigenen Werke einem großen Publikum in kurzer Zeit zugänglich zu machen.
Auch auf die Gefahr hin, dass diese Vorgehensweise auch auf lange Sicht wenig einträglich bleibt – Radius System, auf deren Album Escape / Restart ich zum ersten Halbjahr 2008 an dieser Stelle hingewiesen hatte, haben sich mittlerweile aufgelöst -, so bieten im Internet doch auch weiterhin gute, jedoch weithin unbekannte Bands ihr geistiges Eigentum frei an.

In diesem Halbjahr sind mir (bzw. Peter) neben den unvermeidlichen Marillion vor allem diese Gruppen aufgefallen:

  1. Hermelin – Hermelin

    Hermelin kommen aus Hannover und machen – was auch sonst? – Post-/Alternative Rock. Dabei gehen sie reichlich bissig zu Werke, was ich hier bereits vor einer Weile anmerkte; sowohl die Postrockheroen Isis und Mogwai als auch die Noiserocker Sonic Youth sind erkennbare Inspirationen.

    Bezugsmöglichkeiten:
    Das Album kann man wahlweise bei 12rec.net, der Plattenfirma der Band, oder bei eMule herunterladen.

    Wer meine Begeisterung für Gitarrentürme resp. -stürme nicht teilt, für den ist vielleicht eher dies interessant:

  2. The Woodlouses – Life … And Simple Pleasures

    The Woodlouses („die Kellerasseln“) kommen aus Frankreich, aber das merkt man nicht.
    Ihre Musik beschrieb Peter folgendermaßen:

    Musikalisch wird ordentlich ausgeteilt. Zwischen knackigen Alternative und noisigen Gitarrensounds, catchy Melodien und ruppige Ausbrüche ist alles vorhanden, was das Herz begehrt.

    Es wird erfreulich wenig gebratzt, stattdessen musizieren The Woodlouses irgendwo zwischen The Velvet Underground, Oasis und Oceansize, zwischen Noise und Pop/Rock.
    Gefällt!

    Bezugsmöglichkeiten:
    Das Album gibt es auf der Webseite der Band als Gesamtpaket oder einzeln zum Herunterladen; bei eMule steht’s aber auch herum.

  3. Cavity Records / The Mylene Sheath – Sampler 2008

    Unter dem Stichwort The Ascent Of Everest erwähnte ich diese Kompilation bereits kurz.
    In Kürze: Es handelt sich um eine Zusammenstellung von Stücken, deren Interpreten bei den Labels Cavity Records oder The Mylene Sheath unter Vertrag stehen, darunter auch bekannte Gruppen wie Caspian und If These Trees Could Talk. Genre(s): Postrock und/oder Shoegazing. Kurz genug?

    Bezugsmöglichkeiten:
    Herunterladen kann man sich das Archiv von der Internetpräsenz von The Mylene Sheath oder bei eMule.

„Halt“, höre ich da die Stimmen auf den preiswerten Plätzen einwenden, „was ist mit der deutschen Musik?“

Die Frage ist schnell beantwortet, denn, wie ich eingangs anmerkte, es folgt ein weiterer Teil dieses Beitrags:

Teil 3: Deutschrock

Im Jahr 2008 gab es natürlich nicht nur viel Indie- und Postrock, sondern auch soliden Rock mit deutschen Texten. Vier nicht üble Vertreter dieser Gattung folgen:

  1. Sport – Unter den Wolken
    „Ohne Worte fällt das Sprechen schwer.“ (Der Schmerz)

    Die Hamburger Gruppe Sport, der auch Kante-Gitarrist Felix Müller angehört, habe ich, Asche auf mein ergrautes Haupt, in der Zeitschrift VISIONS zum ersten Mal zur Kenntnis genommen.
    Und das offenbar durchaus nicht zu früh: Schon das erste Lied Gehirnerschütterung übertrifft das offenbar als melodische Inspiration dienende Tag mit Schutzumschlag von Bela B. an Schlagkraft. Die Gehirnerschütterung ist indes keine Folge übertriebener Leibesertüchtigung; vielmehr drehen sich die Texte um Interhumanes wie das leidige Thema Liebe oder Zweifel. Und obwohl diese Texte auch Ekelpopgruppen wie den Killerpilzen zuzutrauen wären, möchte ich doch betonen: Hier wird sozusagen gerockt, ohne Luft zu holen.

    Auf Amazon.de heißt es in Originalorthografie:

    Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen, nervte einst Reinhard Mey. Das Hamburger Trio Sport beschäftigt sich natürlich trotzdem lieber mit dem Elend „Unter den Wolken“ und bohrt mit intelligenten und kitschfreien Texten in mancher Wunde. Es geht um gescheiterte Sinsuche, Verlust, Depresssion.

    Hörproben:
    Reinhören kann man natürlich ebenfalls auf Amazon.de. Es ist eine gute Idee.

    Aber auch die schon länger etablierten Musiker waren 2008 recht produktiv:

  2. Farin Urlaub Racing Team – Die Wahrheit übers Lügen
    „Ich bin nur ein Mann, aber auch ich hab Gefühle; ich gebe gern zu, es sind nicht so viele.“ (Krieg)

    Nicht schlecht:
    Kaum ist die aktuelle Tour seiner Stammband Die Ärzte vorüber, geht Farin Urlaub wieder ins Aufnahmestudio und spielt mit seiner persönlichen Begleitband, dem Racing Team, dessen Name nun erstmals auf dem Titelbild eines Studioalbums zu lesen lst, anderthalb neue Alben ein.

    Warum anderthalb?

    Nun, tatsächlich besteht das Album aus beinahe zwei Alben; das erste, größere („Büffelherde“) besteht aus elf Rocksongs, unter anderem aus der Vorabsingle Nichimgriff, auf dem zweiten („Ponyhof“) gibt es vier Ska-Stücke zu hören.

    Der deutlichste Unterschied zum vorigen Studioalbum Am Ende der Sonne liegt, wie so oft, in den Texten:
    Von wenigen Ausnahmen (u. a. Die Leiche) abgesehen kann man sich über die meisten von ihnen wieder herrlich amüsieren.
    „Der Papst sagt: In der Nase bohrn ist noch kein In-sich-gehn!“ (I.f.d.g.) – jawohl!

    (Alle Texte des Albums gibt es hier zum Lesen.)

    Über die Identität von Gobi Todic, des Titelhelden eines der Stücke, wird im Internet derzeit auch vielfach diskutiert. Ob er ein kommunistischer Kämpfer war oder eine fiktive Figur ist, ist meines Wissens noch immer ungeklärt, das ist aber auch nicht Gegenstand dieser Rezension. Das Lied indes gefällt mir.

    Dass das Stück Insel von der zweiten CD Seeed mindestens kopiert, wenn nicht gar prima parodiert, und der Refrain von Monster unfertig klingt, tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch.
    (Zum Glück muss ich hier keine Punkte vergeben!)

    Hörprobe:
    Das offizielle Video zu Nichimgriff gibt es natürlich auf YouTube.com, wo man mit ein wenig Geduld vermutlich auch den einen oder anderen Mitschnitt anderer Lieder des Albums finden kann.

    ;)

    Und wer lieber Krach als Rock mag, dem kann natürlich auch in diesem Jahr geholfen werden:

  3. Die Toten Hosen – In aller Stille
    „Schau dich an, willst du unsterblich sein? Gott sei Dank: Leben ist tödlich.“ (Leben ist tödlich)

    Das aktuelle Album der Punkrockgruppe Die Toten Hosen heißt In aller Stille und ist das neueste Album dieser Rückschau, damit auch das, mit dem ich noch am wenigsten vertraut bin.
    Somit ist folgender Text ein relativ unbedarfter erster Höreindruck und beleuchtet vermutlich viele Bestandteile des Albums nur unzureichend.

    Ähnlich dem oben beschriebenen Die Wahrheit übers Lügen des Herrn Farin Urlaub ist auch auf In aller Stille ein Stilwechsel zu hören.
    Obwohl das derweil bereits vier Jahre alte Vorgänger-Studioalbum Zurück zum Glück einige durchweg gute Lieder bot (mein Favorit: Ich bin die Sehnsucht in dir), aber für das weitgehende Fehlen der bekannten „Mitgrölhymnen“ vielfach kritisiert wurde, bleiben Die Toten Hosen, dies sei ihnen zugestanden, auf dem eingeschlagenen Kurs.

    In der ersten Single Strom steckt viel Kraft, die mit wenigen Ausnahmen auch dem Rest des Albums innewohnt. Von den eher ruhigen Nummern sticht Auflösen, ein Duett (mit einer Frau! Was ist passiert?), textlich hervor; bei den Ärzten würde solch ein Lied wieder zu wochenlangen Diskussionen darüber führen, ob das ein Zeichen für eine bevor stehende Trennung der Gruppe ist, herrje. „Wenn wir uns jetzt auflösen…“

    Zudem aufgefallen sind mir Disco, ungewohnt mit Discoklängen unterlegt, und Leben ist tödlich, das textlich auf Unsterblich vom gleichnamigen Album Bezug nimmt.

    Hörproben:
    Auf der Website der Toten Hosen gibt es derzeit eine Sonderseite zum Album, auf der man auch Hörproben findet.

    Das ist noch zu wenig experimentell?

    Es folgt eine letzte kurze Kaufempfehlung:

  4. 1000 Robota – Du nicht er nicht sie nicht
    „Du fragst dich sicher: Warum verschwendest du deine Zeit?“ (Mein Traum)

    Auf diese knuffigen Jungmusiker aus Hamburg (ich hoffe, hier stimmen meine Informationen) bin ich, wie so oft, bei den Schallgrenzen gestoßen.
    Und noch am 31. Oktober schrieb ich dort:

    ich weiß nicht.. werd mit denen nicht grün :)
    irgendwo zwischen, hm, fehlfarben und tocotronic, nur monotoner…

    Inzwischen muss ich diese Kritik ein wenig abschwächen.
    Bei den von mir erlauschten Inspiratoren Fehlfarben und Tocotronic bleibe ich, hinzu kommt allerdings noch eine Prise Die Goldenen Zitronen (Mein Traum), und schon sieht das ganz anders aus und klingt auch im Unterbewussten viel angenehmer.

    Textlich und gesanglich ist die Inspiration durch die Fehlfarben meines Erachtens die deutlichste, der größte Unterschied liegt darin, dass die Texte der 1000 Robota – wie schon die der oben erwähnten Sport – sich primär um Interhumanes drehen.

    Freunde mindestens der Fehlfarben können einen Blindkauf wagen, für alle anderen gibt es eine Hörprobe:
    Das Lied 1234567 gibt es seitens der Plattenfirma Tapete Records gratis zum Herunterladen.

Teil 4: Rückschau

Auch diesmal möchte ich meine Analyse des diesjährigen Musikkonsummarktes mit einer Rückschau auf die letzten 40 Jahre der Musikgeschichte schließen, wie immer von hinten nach vorn und wie immer ohne Anspruch auf allgemein anerkannten Musikgeschmack.
Ergänzungen sind natürlich auch hier jederzeit gern gesehen.

  • Vor 40 Jahren:
    The Velvet Underground – White light / White heat

    1968 war ein überaus produktives Jahr für die Rockmusik.
    Benebelt vom Sommer der Liebe tanzten die Blumenkinder zu den psychedelischen Klängen von Listening und der bereits mit Klangcollagen arbeitenden West Coast Pop Art Experimental Band, die Beatles veröffentlichten das selbstbetitelte Doppelalbum, das heutzutage wegen seines Covers meist das Weiße Album genannt wird, und in New York machten sich The Velvet Underground, seit ihren ersten Auftritten im Rahmen der Schau Exploding Plastic Inevitable als Andy Warhols Todesschwadron bekannt, selbstständig.

    Das Album White light / White heat, erstmals unabhängig von ihrem ehemaligen Mentor produziert und somit auch ohne die von diesem geförderte Sängerin Nico, ist das experimentellste Album der Gruppe geblieben. Ein gefälliges, radiotaugliches Lied wie das weiche Sunday Morning vom Debütalbum ist hier nicht zu finden, der Einsatz von Rückkopplungen und Verzerrung ist sogar noch verstärkt worden. Einzig auf Here She Comes Now, das auch von Nirvana sein könnte, halten sich die vier Musiker ein wenig zurück, dennoch klingt auch dieses Stück, als würde jederzeit der Ausbruch erfolgen. Die Abblendung mag dann doch überraschend scheinen.

    The Gift, von mir im Zusammenhang mit Nick Cave schon einmal erwähnt, ist eine Kurzgeschichte über ein Liebespaar, an deren Ende – natürlich – Blut fließt. Das Titelstück White light / White heat hingegen ist Avantgarderock ähnlich European Son vom Erstalbum.

    Der Höhepunkt der sechs durchweg – für damalige Verhältnisse – brutalen kakophonischen Krachorgien ist das abschließende, über 17 Minuten lange Sister Ray, dessen surrealistischer Text von Drogen, Mord und Transvestitismus handelt.
    Kleiner Ausschnitt gefällig?

    Cecil’s got his new piece, he cocks and shoots between three and four,
    he aims it at the sailor, shoots him down dead on the floor.
    „Aw, you shouldn’t do that!
    Don’t you know you’ll stain the carpet?
    Don’t you know you’ll stain the carpet?
    And by the way man, have you got a dollar?“

    Durchaus harter Stoff im Jahr der Liebe, die gewollte Provokation hat ihr Ziel indes sicherlich nicht verfehlt.
    Leider warf Lou Reed den eher avantgardistischen John Cale noch im selben Jahr aus der Band, so dass die Nachfolgealben aus künstlerischer Sicht vergleichsweise belanglos blieben.
    Das Erbe der radikalen The Velvet Underground bleibt jedoch bis heute in Bands wie Joy Division, Sonic Youth und vielen anderen erhalten.

  • Vor 30 Jahren:
    The Rolling Stones – Some Girls

    1978 war, bedingt auch durch den Aufstieg des Punk, außer dem Progressive Rock erstmals auch eine weitere bis dahin populäre Musikrichtung im Abwind:
    Die Gegner der Disco-Kultur kritisierten die vergleichsweise banalen Texte und die einfallslosen Rhythmen. Bis die Initiative „Death to Disco“ um den DJ Steve Dahl sich formieren sollte, dauerte es noch ein Jahr. Bis dahin blieb Bands wie den Rolling Stones wie auch zahllosen frühen Metalbands die Wahl, sich mit der neuen Jugendkultur zu arrangieren oder sie zu ignorieren.

    The Rolling Stones entschieden sich für ersteres; auf dem Album Some Girls finden sich neben dem bekannten Beast of Burden auch zwei eher untypische Stücke:

    Während Shattered durch Mick Jaggers Sprechgesang auffällt und sich somit musikalisch wie auch textlich zwischen Funk und frühem Rap bewegt, stellt Miss you mit seinem markanten Bass, den mehrstimmigen Chören und dem Saxofonsolo eine Verbeugung vor der Discomusik dar.

    Wieso dieses Album regelmäßig als einer der schlechtesten Stones-Tonträger bewertet wird, ist für mich unbegreiflich.
    Es ist mein persönlicher Favorit.

  • Vor 20 Jahren:
    The Fall – The Frenz Experiment

    1988: Das Jahrzehnt der Retortenmusik ist fast vorüber. Dass Video Killed The Radio Star des New-Wave-Duos The Buggles, das die Ära des Musikfernsehens einläutete, von einem Album des Titels The Age of Plastic stammt, war im Nachhinein ein Wink des Schicksals.

    Bereits zwölf Jahre zuvor wurde die Avantgarde-Rock-Band The Fall gegründet, die sich ähnlich wie ihre musikalischen Vorbilder The Velvet Underground durch experimentellen Noise Gehör verschafften.

    Im Jahr 1988 erschienen zwei Alben, deren erstes den Titel The Frenz Experiment trägt und sich gegenüber anderen Werken der Band dadurch unterscheidet, dass man die verzerrten Texte des Sängers Mark E. Smith verstehen kann.

    ;)

    Dass The Fall trotz allen Anspruchs bis heute weitgehend unbeachtet bleiben, konnte auch John Peel, der bekennender Anhänger der Band war, nur wenig beeinflussen. Schön ist’s jedenfalls zu wissen, dass der Avantgarde-Rock sich nicht von zeitweiligen neuen Musikströmungen verdrängen ließ und lässt.

  • Vor 10 Jahren:
    J.B.O. – Meister der Musik

    Das Ende der 90-er Jahre hatte außer ekligem Kindergeburtstags-Pop wie Aqua und Blümchen auch die Wiederentdeckung des Progressive Rock durch Bands wie Echolyn im Gepäck; dies allerdings verlief zunächst weitgehend unbemerkt.

    Und so ist es hoffentlich auch wenig erstaunlich, dass ich die musikalische Entwicklung der 90-er Jahre diesmal am Beispiel des Albums Meister der Musik der fränkischen Metalkomiker J.B.O. aufzeigen möchte.

    Mit Meister der Musik nahmen J.B.O. ihr vorerst letztes Album mit wenig anspruchsvollen, aber durchweg saukomischen Coverversionen bekannter Musikstücke auf; der Nachfolger Sex Sex Sex fiel eher durch seine grotesk erscheinende Death-Metal-Attitüde (Ein kleiner Vampir) als durch Fäkalhumor auf.

    Aber zurück zu Meister der Musik:
    Dieser Tonträger enthält tatsächlich alles, was man von J.B.O., deren Schlumpfozid im Stadtgebiet wie auch das Album Explizite Lyrik wenige Jahre zuvor auf Jugendpartys recht verbreitet schien, zu erwarten hatte. Metallica wurden auf dem Werk, das auch eine Art „Rahmenhandlung“ beinhaltet, ebenso parodiert wie Mike Oldfield und andere Musikanten diverser Stile.

    So zotig Meister der Musik allerdings auch sein mag:
    Es ist vom musikalischen Aspekt überaus gelungen und, verglichen mit Gruppen der Art Knorkator oder Donald Dark, sicher nicht die schlechteste Trinkfeierbeschallung.

Mit dieser illustren Liste von Tonträgern endet nunmehr also meine Musikrückschau 2008.
Bei ausreichend Zuspruch gibt es 2009 eine neue.

Auf dann!

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Surrealismus in Bild und Ton

Seit kurzem, rein filmtechnisch, meine zweite große Leidenschaft (meine erste ist, nach wie vor ungeschlagen, Woody Allen):
Luis Buí±uels surrealistische Werke.

Bekannt geworden (die Pixies haben sogar ein Lied daraus gemacht) ist vor allem sein Erstwerk Ein andalusischer Hund von 1929.

Sie versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen!Der Kurzfilm (ungefähr 17 Minuten lang) ist im Wesentlichen eine Ansammlung von Traumsequenzen. Der Film beginnt damit, dass ein Mann seiner Frau, die auf dem Balkon steht, von hinten mit einer Rasierklinge das Auge zerschneidet, wie auch eine vorbeiziehende Wolke den Vollmond zerschneidet – in Nahaufnahme natürlich, damit man sich schön ekeln kann. Später kriechen auch Ameisen aus seiner Hand, als er sie genau betrachtet.

Und da 1929 schon ein paar Jahre her ist, steht der Film inzwischen gemeinfrei zur Verfügung, und zwar hier.
Wer indes nicht ein allzu großer Freund des verwendeten Filmformats ist, dem empfehle ich, den Film zusammen mit einem anderen Film des gleichen Ursprungs – Das Goldene Zeitalter – auf Datenträgern zu erwerben. Die Kunst ist es wert.

Ich wünsche angenehme Unterhaltung.

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Vorsicht, nackte Menschen!

Nachdem ich bereits in einigen früheren Einträgen, zuletzt in diesem, die (übrigens großartige) isländische Postrockgruppe Sigur Rós in Form einer Randbemerkung erwähnte, möchte ich ihr Schaffen heute einmal für ein kleines Gedankenexperiment nutzen:

Was wäre, wenn im Volk der VSvA (vulgo USA) etwas mehr Konsequenz resp. Konsens bezüglich gesellschaftlicher Normen (im Besonderen Prüderie einerseits und Waffengewalt andererseits) herrschte?

Vermutlich würde man dann immer noch etliche Milliarden US-Dollar aus dem Fenster werfen bzw. in die Luft schießen, einmal bildlich ausgedrückt.
Vermutlich würden andererseits allerdings auch Sigur Rós nackte Leute abbilden dürfen, ohne zensiert und von amerikanischen Medienkonzernen bzw. -tochterunternehmen als „nicht jugendtauglich“ deklariert zu werden.

„Vorsicht, nackte Menschen! – Sind Sie wirklich mindestens 18 Jahre alt?“
(Die Frage liegt nahe, wie es konservative US-Amerikaner eigentlich mit dem Geschlechtsverkehr halten; andererseits …)

’s ist schon ’n Kreuz mit den Amis; den ganzen Tag Leute totschießen, wen juckt’s?
Öffentliches Ärgernis erregt man nur, wenn man nackt ist. –
Oder Marilyn Manson hört.

Wer macht denn auch so was?


Dienstleistung für mein jugendliches und/oder YouTube-kontofreies Publikum:
Eine jugendfreie Version des Videos gibt’s hier zum Gucken und das komplette Album hier zum Kaufen. Macht reichlich davon Gebrauch!

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Musik 06/2008 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 2 von 18 der Serie Jahresrückblick

Hallo,

im Überschwang meines derzeit enorm hohen Musikkonsums habe ich beschlossen, schon jetzt eine Halbjahresanalyse aufzustellen:

Was hat der Musikmarkt in diesem Jahr an Perlen zu bieten?

Einiges davon habe ich in früheren Einträgen schon verwurstet, bei Interesse bitte dort nachlesen.
Auf die charts möchte ich aus hoffentlich verständlichen qualitativen Gründen nicht eingehen. Zur Erstellung der ersten Top 5 der ersten beiden Quartale 2008 dient mir meine eigene playlist, die doch recht prall gefüllt ist.

Anzumerken sei vorweg, dass nur Alben berücksichtigt werden, die ich gerade vorliegen habe; außerdem erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das kommt dann erst am Ende des Jahres. Da sich Texteindrücke in einer Kurzrezension – für ausführliche Rezensionen fehlt mir schlicht die Kompetenz – nur schwer einfangen lassen, habe ich aus jedem Album eine möglichst aussagekräftige Textzeile herausgesucht. Ich hoffe, das Experiment gelingt.

Zudem:
2008 bedeutet auch 40 Jahre „’68“. Die Entwicklung der Musik anhand der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Strukturen lässt sich anhand eines willkürlich gewählten, doch markanten Beispiels anschaulich nachvollziehen, dazu jedoch unten mehr. Und vielleicht findet ja einer von euch nebenbei auch eine Geschenkidee für musikbesessene Freunde und Bekannte. (Wäre natürlich ein netter Nebeneffekt.)

Es folgen die Top 5, nummeriert nach persönlicher Wertung:

  1. Dear John Letter – Between Leaves | Forestal
    „Finally time erases time, and all I can do is hide“ (Clearing | Leaving)
     
    Ich hatte es ja vor zwei Beiträgen schon angedeutet, daher hier nur die um einige Höreindrücke erweiterte Zusammenfassung:

    Nach der bzw. dem an sich schon wunderbaren EP der Augsburger Dear John Letter folgt nunmehr ein Album, das mit einem gewohnt aufwändigen artwork aus der Masse der Plastikhüllen-CDs heraussticht und zudem das erwähnte Erstlingswerk an Tonqualität noch zu übertreffen vermag.

    Die ungefähre Dreiviertelstunde an Musik geht auch wie im Flug vorbei:
    Wenngleich Dear John Letter sich nur ungern in ein Genrekorsett zwängen lassen wollen, so ist hier doch der Postrock allgegenwärtig. Gitarrenwände schwillen an und ebben ab, immer wieder setzt der emotional hochwertige Gesang ein und wieder aus. Keine Sekunde wird verschwendet, auch endlos wirkende Schlagzeugsoli werden mit Bedacht eingesetzt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musiziert. Die großen Vorbilder Oceansize, aber auch Mogwai lassen in fast jedem Takt grüßen.

    Apropos Gesang: Der ist nicht lediglich schmückendes Beiwerk, sondern trägt auch wesentlich zur Stimmung bei. So ist nicht nur die verträumt, aber auch verzweifelt wirkende Stimme des Herrn Fischer ein prägendes Element des Albums, auch die Texte können überzeugen. Nichts mit „I love you baby“, hier geht’s seelisch-schmerzvoll zur Sache.

    Hörprobe:
    Eindrücke vom Album sowie von der/dem EP kann man auf MySpace sammeln.

    Und wenn man sich nach dem letzten der insgesamt sechs Stücke von dreieinhalb bis 11 Minuten Spielzeit in einer anderen Welt wiederfindet und sich seltsam leicht, aber auch leer fühlt, ist es Zeit für ein wenig Abwechslung:

  2. Nick Cave & the Bad Seeds – Dig Lazarus Dig!!!
    „Prolix! Prolix! Nothing a pair of scissors can’t fix.“ (We call upon the author)
     
    Der ehemalige Fürst der Finsternis Nick Cave hat Blut geleckt. Nachdem er schon mit seinem Nebenprojekt Grinderman ordentlich auf die Kacke gehauen hat, gibt’s mit Dig Lazarus Dig!!! auch wieder eine durchaus offensichtlich davon beeinflusste Scheibe der Bad Seeds zu kaufen.

    Reime sucht man, wie bei Cave üblich, fast vergebens, nur hier und da wird gedichtet; aber Freunde dieser Art von Musik, genretechnisch zwischen Blues, Rock und Dark Wave einzuordnen, erfreuen sich ohnehin vermutlich mehr am zynischen Sprechgesang und düsteren Klang (noch ein Reim!) des Altmeisters als an den Texten.

    Die sind indes bissig bis belanglos, doch wen kümmert’s?
    Nach mehreren Durchläufen macht’s Klick, und es werden Reminiszenzen erkannt, unter anderem an das fast schon legendäre The Gift von den noch legendärereren Velvet Underground. Düstere Erzählungen im Vordergrund, und im Hintergrund gibt’s Rückkopplungen, „Lärm“ en masse. Eine willkommene Abwechslung zu all dem rosaroten Weichspülpop im Radio.

    Hörprobe:
    Bei YouTube lässt sich der oben angedeutete Vergleich zwischen The Gift und We call upon the author anhand zweier Livevideos hoffentlich nachvollziehen.

    Und wem das dann doch zu anstrengend ist, für den hält auch der erfreulicherweise konstant aufgewertete Indie-Markt einiges bereit, was zwar durchaus radiotauglich wäre, aber sich gegen Superstars, Popstars und ähnlich arme Würstchen nur schwer zu behaupten weiß:

  3. Blackmail – Tempo Tempo
    „You might die from medication, but it’ll surely kill the pain“ (False Medication)
     
    Blackmail aus Koblenz sind ein weiterer Beleg dafür, dass die deutsche Musikszene weitaus mehr zu bieten hat als nur Dieter Bohlen und die Flippers. Auf Tempo Tempo gibt’s zwar für Blackmail-Kenner keine Überraschungen, aber soliden Poprock zu hören, der kaum Erwartungen offen lässt.

    Kenner würden vielleicht bessere Vergleiche finden, ich jedoch würde Blackmail irgendwo zwischen The Killers und den Dandy Warhols einordnen. Der Gesang bewegt sich zwischen den Spätwerken der Beatles, Placebo und Under the Influence of Giants, während Bass- und Schlagzeugspiel mit den Gitarrenbrettern Schritt zu halten versuchen. Hier und da blitzt sogar Postrock auf, bspw. die Laut-Leise-Wechsel in Speedluv. Insgesamt also solide Sommermusik für anspruchsvolle Musikfreunde, denen auch Placebo-ähnliche Texte, wie sie auf diesem Album dominieren, nichts ausmachen.

    Hörprobe:
    Das Video zu Shshshame (welch ein Titel!) gibt’s, wie üblich, bei YouTube.

    Und falls das zu anspruchslos ist: Im Jahr 2008 wird auch wieder mächtig gefrickelt.

  4. The Tangent – Not as good as the book
    „It’s half past nine on Tuesday morning, and still nobody“â„¢s landed yet on Mars“ (Not As Good As The Book)
     
    Da nun das geplante Bühnen-Comeback der Progressive-Rock-Dinosaurier Yes auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss, trifft es sich gut, dass die britische Formation The Tangent wie bisher jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht hat.

    Und das hat’s in sich:
    Über 94 Minuten Spielzeit, verteilt auf zwei CDs und konzipiert als ein, nun ja, Konzeptalbum. Das Konzept des Albums zu verstehen fällt mit der Special Edition vermutlich am leichtesten, enthält diese neben den CDs zusätzlich eine 85-seitige Science-Fiction-Geschichte, die die Hintergründe der Liedtexte umfasst und erweitert.

    Diese Geschichte ist abstrus genug, aber schnell erzählt:
    Der Protagonist Dave, in den 70-ern Progressive-Rock-Anhänger, vernichtet am 20. Juni 2008 (scheint also tatsächlich nur Science Fiction zu sein) versehentlich mit dem Album Relayer von Yes die Welt. 80.000 Jahre später versuchen Historiker, mithilfe von 298 CDs aus unserer Zeit zu rekonstruieren, wie die Menschen im 21. Jahrhundert gelebt haben.

    Hierzu wird inhaltlich fleißig zitiert und angespielt, es geht unter anderem um Microsoft, Mobiltelefone, Yes und Genesis. Durch Yes und Genesis scheinen auch die acht beteiligten Musiker inspiriert worden zu sein, die die Inspirationen mit massig Canterbury-Prog, Jazzrock und schepperndem 70-er-Jahre-Rock vermischt und in einzelne Stücke verpackt haben, die genretypisch zwischen fast vier und über zwanzig Minuten lang sind.

    Dabei schaffen sie das Kunststück, dass selbst das Stück The full Gamut über die gesamte Spielzeit von 22:42 Minuten wie ein einheitlicher Klangkosmos klingt und immer wieder zum Kernthema zurückfindet – Kenner dieser Musikrichtung werden sich an YesTales from topographic oceans erinnern.

    Aber hier gilt wie schon bei Dear John Letter:
    Dieses Album ist nicht fürs Autofahren, Buchlesen oder für die Hausarbeit geeignet. Man muss sich darauf einlassen, denn auch beim zehnten Hördurchlauf sind hier und da noch neue Details, neue Anspielungen und Zitate zu entdecken.

    Hörprobe:
    Das erste Lied A crisis in mid life, das zwar eingängigste, aber durch die 80-er-Jahre-Keyboards auch untypischste Stück des Werkes, gibt es bei YouTube zu hören.

    Zu fröhlich? Bitte sehr, Abhilfe schafft folgendes Werk:

  5. Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band – 13 Blues For Thirteen Moons
    „We’re building train wrecks in the setting sun“ (Black Waters Blowed/Engine Broke Blues)
     
    Allein schon der Name der Gruppe, aus verständlichen Gründen oft zu A Silver Mt. Zion gekürzt, ist eine Aufnahme in diese Liste wert.

    Nie gehört? Durchaus verständlich, handelt es sich doch um ein Nebenprojekt der zurzeit für eine unbestimmte Dauer auf Eis liegenden und alles andere als radiokompatiblen Postrock-Heroen Godspeed You! Black Emperor. Während die Musik von GY!BE, so die offizielle Abkürzung des Namens, jedoch ebenso sperrig ist wie der Name selbst und mehr mit Sigur Rós als mit Oceansize gemein hat, ist es bei A Silver Mt. Zion eher umgekehrt:

    Der Name des Albums ist Programm. Blues, wenngleich in einer zappaesk schrägen Darbietungsform, gibt’s hier reichlich, gepaart mit brachialen Wut- und Verzweiflungsausbrüchen sowohl der Instrumente als auch des Sängers. Anders ausgedrückt: Hier wird rückgekoppelt, draufgehauen und gejammert, dass es eine wahre Freude ist. Die vier Lieder, zwischen 13 und fast 17 Minuten lang, beschwören eine Nico-ähnliche Stimmung herauf; das Wort „beschwören“ scheint angesichts der bewusst herbeigeführten Trostlosigkeit und Verzweiflung indes fast schon lächerlich.

    Auf den Babyblauen Seiten wird dies treffend beschrieben:

    Die zerbrechliche Schönheit, die noch die ersten Alben der Band bestimmt hat, ist über weite Strecken einem desperat-melancholischen Gitarren-Streichergelärme gewichen, in dem sich ab und zu auch noch Orgel- und Trompetenklänge gerade noch ausmachen lassen. Wie sich E-Gitarren und elektrisch verstärkte Streicher aneinander reiben und scheppern, erinnert gelegentlich an die Briten von High Tide, die vor über 35 Jahren eigentlich ganz andere Musik gemacht haben.

    Hörprobe:
    Bei YouTube gibt’s Liveversionen von 13 Blues For Thirteen Moons und Engine Broke Blues zu hören und zu sehen. Die sind zwar aus qualitativen Gründen nicht so druckvoll wie die CD-Versionen, aber genügen für einen Einblick. Festhalten!

Ohne Bewertung, für Interessierte zum Reinhören, nur der Vollständigkeit wegen:

  • Van der Graaf Generator – Trisector
     
    Als Van der Graaf Generator sich 2005 nach über 20 Jahren Pause mit einem neuen Album zurückgemeldet hatten, weckte dies Hoffnungen auf ein neues H to He who am the only one; die Gruppe um den charismatischen Sänger Peter Hammill mit dem markanten Klang von David Jacksons Saxofon hatte die Entwicklung des Progressive Rock mit diesem Album maßgeblich beeinflusst. Nun haben sie ihr zweites Album nach der Wiedervereinigung veröffentlicht, und erstmals seit 1968 wurde das Saxofon durch E-Gitarre und verstärkten Orgeleinsatz ersetzt. Die Gründe für die Trennung von ihrem Saxofonisten will die Gruppe noch immer nicht bekanntgeben, jedoch steht außer Frage, dass die neue Instrumentalisierung den typischen VdGG-Klang stark beeinflusst.

    Tatsächlich ist von dem sonst allgegenwärtigen Klang der frühen Meisterwerke Killer und Pioneers over c. außer Hammills Stimme nicht mehr viel übrig, dafür haben die nunmehr drei Musiker neben dem bewährten Rock (Drop Dead) jetzt auch Canterbury-ähnliche Klänge (The Hurlyburly) für sich entdeckt, teilweise wirkt das Album gar unerwartet radiokompatibel (All that before).

    Hörprobe:
    Vor allem für Einsteiger, aber auch für etwas erfahrenere VdGG-Hörer ist vor dem Blindkauf ein Vergleich des Klassikers Killer mit dem neuen All that before zu empfehlen.

  • Radius System – Escape / Restart
     
    Ich hatte bereits in einigen Foren sowie hier auf diese grandiose Musikgruppe hingewiesen, möchte daher nurmehr erneut Peter von den Schallgrenzen zitieren:

    Mächtige Gitarrenwände werden hochgezogen, hin und wieder wieder eingerissen und von neuem türmen sich Sounds auf Sounds. Große Vorbilder der Franzosen dürfte Oceansize sein. Ebenso kompromisslos wie die Briten werden die üblichen Strukturen über Bord geworfen und mit Gitarre, ambienten Elektroniksounds, Samples und wuchtigem Rhythmusfundament Songs fürs Leben gemeißelt.

    Hörprobe:
    Fällt diesmal aus, den Spaß gibt’s komplett kostenlos ohne Verpflichtungen oder dubiose Umwege.

  • The Kills – Midnight Boom
     
    Was ist das für ein Stil? Minimalistic-Electro-Poprock? Egal, die spex findet das Duo The Kills klasse, und ich als eigentlich bevorzugt rockaffiner Audiophiler stelle fest, dass mich die einfachen Klänge des Albums auch mitreißen. Warum? Wer weiß! Ist jedenfalls mal was anderes, vergleichbar allenfalls mit dem, was die übertolle Sendung Tracks allwöchentlich empfiehlt.

    Und so bleibt mir auch nur ein Verweis auf die Hörprobe:
    Auf YouTube gibt’s das meines Erachtens überaus gute Lied Sour Cherry zu hören, inklusive Text zum Mitsingen.

  • King’s X – XV
     
    Irgendwo zwischen Progressive Metal und Hardrock musiziert das texanische Trio King’s X. Und obwohl die Genreeinordnung sowohl eine Nähe zu Tool als auch zu Rush umfasst, so schafft diese Gruppe es dennoch seit über 25 Jahren, trotz des selten variierten typischen King’s X-Klanges nie nach der eigenen Coverband, sondern immer wieder frisch und neu zu klingen. Beneidenswert.

    Musikalisch geht’s hier gewohnt zur Sache, nur der Gesang nervt mich persönlich ein wenig. Stellt euch eine Metalversion von Rush mit viel, viel Headbanging (Deutsch: Kopfbumsen, Hirnfick quasi) und einem dem Gothrock entstammenden Sänger vor, der bisweilen wie Rod (Die Ärzte bzw. Abwärts) klingt (Pray).

    Aber das ist zum Glück Geschmackssache, und darüber lässt sich bekanntlich nicht immer streiten. Daher als Kompromiss die letzte Hörprobe:
    Auf Amazon.de lässt sich jedes Lied auf dem Album ausschnittsweise probehören.

Rückschau:

  • Vor 40 Jahren:
    The United States of America – The United States of America
     
    In die Zeit der Studentenaufstände fiel auch die verstärkte halluzinogener Drogen zur Erweiterung der eigenen Kreativität und des Bewusstseins. Zu den bekanntesten von LSD beeinflussten Gruppen zählen Grateful Dead und Quicksilver Messenger Service.
    Das einzige Album der Gruppe The United States of America, erschienen zur Hochzeit der LSD-Verbreitung, ist ein musikalischer Drogentrip mit Beatles-Gesang und schwebenden Psychedelic-Klängen. Die Gruppe experimentiert mit Klangcollagen und Synthesizern und perfektioniert quasi nebenbei das Konzept eines Musikalbums als in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk.
    2004 erschien eine Neuauflage des Albums mit zehn zusätzlichen Liedern.
     
  • Vor 30 Jahren:
    Hinn í­slenski Þursaflokkurinn – Hinn í­slenski Þursaflokkurinn
     
    Gegen Ende der 70-er Jahre waren Vertreter von Psychedelic und Progressive Rock an einem kreativen Tiefpunkt angelangt. Es gab, so schien es, nichts mehr zu sagen, und während Yes sich in gefälligere Rockgefilde begaben und King Crimson sich erstmals komplett auflösten – es sollten noch mehrere Auflösungen folgen -, wandte sich die Zuhörerschaft dem Folk zu.
    Und davon gab es reichlich: In Deutschland vertraten Ougenweide den Mittelalter-Folk, in Großbritannien brachten Jethro Tull dem Publikum die Flötentöne bei, und in Island schließlich nahm sich Hinn í­slenski Þursaflokkurinn, der isländische Trollhaufen, klassisches Liedgut vor.
    Vielleicht ist es die isländische Sprache, die dem Album seinen Zauber verleiht, vielleicht ist es auch die für Folkrock ungewohnte, vorwiegend akustische Instrumentierung, aber es entfaltet eine befremdliche Schönheit schon in den ersten paar Minuten. Die Traumwelt isländischer Folklore wird in diesem Album eingefangen und komprimiert, und der Chorgesang tut ein übriges. Schade, dass die Gruppe trotz aller Ambitionen keine Bekanntheit erzielen konnte.
     
  • Vor 20 Jahren:
    Die Toten Hosen – Ein kleines bisschen Horrorschau
     
    Im Jahr 1988 wurde das damals bereits 26 Jahre alte Buch A Clockwork Orange an den Kammerspielen Bad Godesberg mit Beteiligung der Toten Hosen aufgeführt. Passend hierzu entstand auch dieses Album, das zwar nur schwerlich mit der damals aktuellen politischen Situation in Verbindung zu bringen ist, jedoch die musikalische Entwicklung jener Jahre widerspiegelt:
    Nach Rock (60-er Jahre), Progressive Rock und Discofieber (70-er Jahre) sowie Synthie-Pop und NDW (80-er Jahre) hatte man genug von den musikalischen Experimenten. Der Stellenwert der Musik änderte sich: Sie diente nicht mehr als Ausdrucksform von Protest und als Identifikationsinstrument einzelner Gruppen, sondern wurde zunehmend massentauglich. Die Toten Hosen bildeten als etablierte (also auch „massentaugliche“) Punkrock-Gruppe da keine Ausnahme, allein der inhaltlich experimentelle Charakter dieses Albums, das A Clockwork Orange nacherzählt, lässt noch ein wenig musikalischen Wagemut erahnen.
     
  • Vor 10 Jahren:
    Die Ärzte – 13
     
    Das Ende der 90-er Jahre stand im Zeichen von Ballermann und Kommerz. Alle innenpolitischen Katastrophen schienen überwunden, den Kampf gegen die Politik der USA hatte man aufgegeben, als jugendlicher „Rebell“ wollte man im Allgemeinen nur noch seinen Spaß haben.
    Das belegt auch dieses Album, dessen bekannteste Lieder Männer sind Schweine und Rebell gesellschafts- und musikkritisch als direkte Referenzen herangezogen werden können. „Punk“ gab’s nur noch in Verbindung mit „Fun“ – keine Gewalt, keine Provokation und vor allem keine Politik mehr. Funpunk-Gruppen wie Die Ärzte hatten hier ihre musikalische und vor allem auch kommerzielle Blütezeit. Und erst gegen Mitte unseres Jahrzehnts begannen die Ansprüche an musikalische Qualität mit der Britpop- und Indiewelle wieder zu wachsen…

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dear john letter: Between Leaves – Forestal

Wunderbar, ganz vergessen:
Die von mir vor einiger Zeit hoch gelobte Postrockgruppe dear john letter hat in diesem Jahr das erste reguläre Album veröffentlicht.

Sein Name Between Leaves | Forestal, auf Deutsch ungefähr „Zwischen Blättern / Waldbezogen“, spiegelt die Musik schon recht gut wieder:
Die Stimmung wechselt zwischen malerisch-lyrischen Momenten und verzweifelter Wut, wird aber nie schwülstig oder brachial. Das Album lebt von der Fortentwicklung des bereits auf der EP im Ansatz vorhandenen, offensichtlich von Genregrößen wie Oceansize beeinflussten, aber dennoch eigenständigen Stils der Gruppe.

Schwermütige, nachdenkliche Musik also, die zu Sommer, Sonne, Strand nicht so recht passen mag, den Hörer jedoch schon nach wenigen Minuten auf eine Reise der Gedanken schickt, die auch in einer Endlosschleife des CD-Spielers nie eintönig wird. Eine Auswahl der Lieder gibt es wie immer hier zu hören.

Nun aber das artwork:
Vorbei ist’s mit selbstgekleisterten Buchcollagen, nun ist Zeit für Kunst.

Und auch diesmal ist es ein Gesamtkunstwerk:

Das Album von außen: Blatt mit Vogel. Das Album von innen: Einschübe und Titelliste.

In den beiden Seiten des genähten Etuis – „CD-Hülle“ wäre untertrieben! – gibt’s ein Textblatt, die CD selbst und ein paar aus schwarzer Pappe ausgeschnittene Tierfiguren, für die dear john letter selbst auf ihrer Webseite eine zur Musik passende Verwendung vorschlagen:

Zur Nachahmung wärmstens empfohlen!


Nachahmen kann man übrigens auch hier.

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Bären, Bill und Medienkritik II

Holla, welch ereignisreiche Tage liegen hinter uns und krümmen sich vor Schmerzen.

Fangen wir mit dem an, was die Menschen wohl zurzeit am meisten bewegt, von dem ich jedoch aufgrund meines nahezu inaktiven Medienkonsums nur versehentlich in Kenntnis gesetzt wurde. Nein, nicht so irrelevanter Käse wie der systematische Massenmord in der Gegend um (T)China (dazu später mehr), sondern weit boulevardeskeres, das jedes Leid der Welt mühelos, so scheint es, in den Schatten zu stellen weiß:

BILD-Deutschland hat einen neuen Bärenskandal.

Es ist schon ein Unding, dass ein Bär, der in einem mitteleuropäischen Zoo derart umsorgt wird, dass er seine natürliche Umgebung längst verdrängt zu haben schien, sich plötzlich seiner animalischen Instinkte besinnt und die sein Gehege säubernden Tiere, mithin also seine Raumreinigungsfachkräfte f.k.a. Putzfische, verspeist.
Da es sich m. W. immerhin um inländische Fische handelt, könnte man, hätte man die notwendige Chuzpe, gar behaupten, der einstmals niedliche süße Knut sei eine Gefahr für jeden deutschen Fisch, und von dort ist’s bekanntlich nicht weit zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Indes bin ich der törichten Ansicht, der Abschuss eines weiteren Bären erzeugte in diesem Land kein allzu großes Medienecho mehr, zumal sich Bären mit albernen Namen in diesem Land ja nahezu inflationär vermehren. „Bruno, Knut und Flocke“; sollte ich einst durch eine wie auch immer geartete Fügung des Schicksals mich Romanautor nennen dürfen und die Nachfolger der Drei ??? oder auch nur TKKG kreieren wollen, so sind dies schon jetzt einprägsame und kinderbuchgerechte Namen für die Protagonisten. Fein, fein, keine Frage.

Eine hingegen überaus berechtigte Frage ist’s, wer oder was den Bären an sich nun derart ins Zentrum des öffentlichen Interesses zu rücken weiß. Die oft als Argument missbrauchten Knopf- bzw. leider eben nur knopfähnlichen Augen der Jungtiere sind schon seit mindestens 24 Jahren nicht mehr überraschend, und in jungen Jahren ist, mit Ausnahme des Menschen, eigentlich jedes Tier einigermaßen süß; vor allem Pinguine, deren interessantes Äußeres, den Kinofilmen vergangener Jahre zufolge, das öffentliche Bewusstsein allem Anschein nach bereits erreicht zu haben schien.


Wo Deutschland sich ja zur Ablenkung von den ständigen schlechten Nachrichten (Steuererhöhungen, Krieg et.al.) ohnehin gern mit Symbolfiguren um- bzw. eingibt, und sei es nur der so genannte Sänger der Mädchenrockträgergruppe Tokio Hotel, bei dessen Vokaldisharmonien ich persönlich mitunter den Wohlklang des durchaus umstrittenen Gesangs von Dagmar Krause erst so richtig zu schätzen beginne; über Musikgeschmack (siehe auch weiter unten) lässt sich bekanntlich mitunter trefflich streiten.

Und dieser Bill ist doch nun wirklich zum Knuddeln. Hilflos wie ein Eisbär liegt er da und lässt sich seine Stimme entfehlern, total süß umringt von seinen liebenden Ventilatoren, und damit er die sprachlose Zeit mindestens so gut zu überstehen weiß wie bspw. ich, gibt er zuvor diversen anderen Klatsch- und Tratschheinis mündliche und im Anschluss der renommierten Fachzeitschrift Vanity Fair ein schriftliches Interview, in dem er der Welt all das mitteilt, was BILD und BRAVO ihm bislang nicht zu entlocken wussten, unter anderem eben, dass er von Groupies nicht viel hält („Groupie-Sex ekelt mich an“ und vermutlich vice versa); und ich kommentiere einige Auszüge desselben nunmehr wie folgt:

Ich war nicht jemand, der sich meldet und dann leise erzählt. Ich war immer am Rumschreien.

Einige schlechte Eigenschaften aus früher Kindheit legt ein Mensch zeit seines Lebens nicht mehr ab, heißt es.

Ich wusste immer, dass ich die Schule nicht brauche, weil ich Sänger werde.

Frei übersetzt scheint dies eine wertvolle, bereits dutzendfach erfolgreich erprobte Regel für jeden angehenden Prominenten zu sein:
Hauptsache reich und berühmt, Bildung wäre dem Erfolg nur hinderlich.

Ich hatte im Singen immer schlechte Noten, weil ich irgendwelche Volkslieder singen musste.

Richtiges Eingeständnis, aber falscher Schluss. Schade!

Manchmal gucken wir uns an und müssen lachen, weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand ein Poster von einem von uns im Zimmer hat.

Das geht mir übrigens ähnlich.

Indes, mit 1½ Sätzen schaffte es der Befragte in meinem Ansehen wider Erwarten deutlich zu steigen, weshalb ich diesen Teil des heutigen Eintrags auch mit ihnen beende:

VF: Haben Sie schon mal zu einem Mädchen gesagt: „Ich liebe dich“?
B.K.: Ja. Habe ich aber nicht so gemeint.


Es wird also, wie man sieht, in der Tat Zeit, dass Deutschland sich nach neuen süßen Symbolfiguren umschaut; analog zu Eisbär „Flocke“ würde sich der Boulevard sicher auch für Haarreh „Krischna“* brennend interessieren, allein schon wegen des bescheuerten Namens.
Sollte sich nunmehr aber eine Forscherseele daran machen, ein ebensolches Haarreh (Nacktrehe sind vermutlich nicht allzu fotogen) tatsächlich zu züchten, so erbitte ich zumindest, dass es mehr kann als nur dämlich im Gehege kauern und Flaschenmilch saufen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Änderung der Gangart? Nicht immer dieses dröge Rehgehopse; ein etwas unbeholfener Wackellauf sieht doch viel süßer aus. So ein richtig schön hilfsbedürftiges, leicht debiles Säugetier wie auch ebenjener Bill – ein Traum.

Zumal in dem von jeder anständigen Weltpolizei globalisierten Demokratie mindestens verhassten China der diesjährige Wackel-, äh, Fackellauf große globale Kreise zu ziehen vermag.

Dabei sein ist alles, heißt es in Bezug auf die mit Olympia eigentlich nur noch namentlich verwandten modernen Olympischen Spiele auch heutzutage, in einer Zeit der Gewinner, mit Blick auf das offenbar allgegenwärtige doping in fast perverser Weise leitspruchartig. Wen kümmert da schon Tibet? Das Wenige, was uns an Tibet fasziniert, ist ohnehin in einer fast lebenslangen Wanderausstellung ständig auch hierzulande zu sehen. Oder?

Wie tönten schon einst Die Goldenen Zitronen so treffend?
„Hier wurde niemand ausgegrenzt im Wettbewerb der Leuchten.“


Übrigens und apropos „tönen“ wird es, trotz oder aber auch wegen all des obigen Wortschwalls betreffs unsäglicher popular music, tatsächlich mal wieder Zeit für eine Musikempfehlung. Doch welche?
Nun, aufmerksamen Lesern könnte meine neuerliche Affinität zu der leider weithin unbekannten deutschen bayrischen Progressive-Metal-Gruppe High Wheel bereits aufgefallen sein.

Tatsächlich lautet meine diesmonatige Empfehlung wie folgt:
Kauft das Album Back from the void dieser unglaublich faszinierenden Musikgruppe, sobald ihr es irgendwo findet!

Freunde aktueller Porcupine-Tree-Veröffentlichungen, aber auch der frühen Van-der-Graaf-Generator– und Yes-Werke, die obendrein von Gesangschören ähnlich Gentle Giant angetan sind (insbesondere das Lied Void hat selbige zu bieten), sollten einen Blindkauf wagen; diejenigen unter euch, liebe Leser, denen das mal so absolut nichts sagt und die dies auch nicht zu ändern gedenken, werden nach dem unverbindlichen Reinhören noch immer ihre vorschnelle Entscheidung gegebenenfalls zu revidieren fähig sein.

Ich meinerseits, während der vergangenen Tage stets von anspruchsvoller Musik umgeben, benötige nun erst einmal ein wenig seichten Popscheiß, um wieder aufnahmebereit zu sein. Take on me!

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Finden Sie DAS etwa komisch?


Heute ein possierliches Büchlein, vgl. bitte nebenstehendes perverses Bildchen, aus Island (auuuuuuuus Island!) erworben. Bitte selbiges durchführen und mindestens schieflachen beim Betrachten, dankesehr.

Kaufbefehle
Max Goldt – „Die Kugeln in unseren Köpfen“

Nettes Büchlein, derzeit recht preiswert zu haben und von mir sogleich zitiert, bspw. zum Thema „Würfelförmige Eier“:

Leute, die sich keine komischen Sachen kaufen, können mit ihrem Besuch nur Torte mampfen und bumsen. Zu besprechen haben die nichts.

Außerdem enthält dieses bezaubernde Machwerk einen Erfahrungsbericht, Drogen betreffend:

Lächerlich, daß Leute ihr Geld verjubeln, um Möbel mit lila Rand zu sehen.

Und nicht zuletzt wird auch die stetig abnehmende Kommunikation in dem, was sich teilweise „Freundeskreis“ nennt, bedauert:

Das hab ich mir schon immer gedacht. Daß Leute, die mit einem reden, eigentlich lieber mit jemand anderem reden würden. Das Tätigkeitswort „reden“, welches im Satz hiervor auftaucht, kann man effektvoll mit anderen Verben wie z. B. „eumeln“, „Pixiebücher lesen“ oder „sterben“ vertauschen.

Und ab dafür.
– euer Pinguin


Nachtrag, weil auch sehr schön zu sehen:
Während in unserem Land Englisch und Türkisch zur Umgangssprache mutieren bzw. mutiert werden, wird in den USA der Euro als zweite Währung akzeptiert. Verkehrte Welt? Oder doch endlich die richtige?

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Musiktipp: Stolen Babies

Und weil’s so schön war:

Im vergangenen Jahr trat eine weitere kaputte Musikgruppierung aus dem Umfeld der durchaus durchgeknallten Avantrock-Kabarettisten Sleepytime Gorilla Museum in die „Öffentlichkeit“ bzw. den Underground:
Sie nennen sich „Stolen Babies“ und machen zusammengefasst wüsten Popkrach.

Fix Sadler von meiner Lieblingsmailingliste drückte es so aus:

(…) Stolen Babies agieren wesentlich songdienlicher, kommen direkt auf den Punkt (mit der Faust in die Fresse) und sehen sich vermutlich selber eher dem Hardcore-POP (HARDCORE bitte wörtlich nehmen) zugehörig, als dem Avantgarde… Da singt so ’ne Dame mit einem Gerülpse und Geröchel, dass einem schlecht werden mag… Und die gleiche Dame beweisst auf dem gleichen Album, dass sie aus dem nichts heraus zum ALLERFEINSTEN der Sangesgilde gehört… Zwischen Gwen Stefani, Lisa Dalbello und Kotzy Kotzen Kotzer… (wer es hört; ja, auch diese kreischende Quietschröhre is datt auch noch attraktive, kleine Mädel…) Darüber hinaus haben wir Psycho-Kirmes, Akkordeon, Violine, Trompete, Geschepper, Geklimper, verrückte Arrangements und Power bis zum Abwinken. Hampelfax könnte man auch sagen und täte der Mucke damit nicht unrecht. Die ganze Geschichte ist Artwork-technisch absolut rund, Digipak, spitzenstimmungsvolle Bilder aus dem Hause Schatten-Schnitte (…)

Ein makabres Musikvideo mit dem Titel „Push button“ gibt’s hier zu bewundern. Allein schon die Umsetzung ist künstlerisch absolut wertvoll.

Und bei MySpace sind sie natürlich auch vertreten; reichlich morbid, aber beeindruckend!

Viel Vergnügen…

KaufbefehleMusikkritik
Musikreview: dear john letter.

Hallo, liebe Leserschar,

durch Zufall stolperte ich kürzlich über eine noch recht junge Augsburger Musikgruppe, die sich zynisch „dear john letter“ nennt und ihr bisher gesamtes Å’uvre bei ausgerechnet der Sammelseite für Mainstreamgothics MySpace zum kostenfreien Drinversinken zur Verfügung stellt.

Die Musik ist sehr psychedelisch, es wird viel Wert auf Tiefe gelegt – oberflächlich ist hier nichts, Sigur Rós und die ganz, ganz alten Pink Floyd lassen deutlich grüßen.

Auf ihrer Homepage nun gibt es die erste EP mit vier Liedern, ach, was sag ich, Klangwelten für 7 Euro (inkl. Versand) zu erstehen – in Eigenproduktion gefertigt und jedes Exemplar ein Unikat (nummeriert!). Die Ausgabe sollte trotz der Gratistracks bei MySpace drin sein – es lohnt sich! Nicht nur die Klangqualität ist berauschend, auch das knapp 20-minütige Livevideo von Februar d. J. kann überzeugen.

Meine EP hat übrigens die Nummer 07023. ;-)

Viel Spaß und gute Unterhaltung!
– euer Pinguin (abgehoben trotz Flugunfähigkeit)

In den NachrichtenKaufbefehleMusik
Das Runde muss in das Eckige

Huhu, liebe Fußballfans, und natürlich huhu Natha :>,
bei Durchsicht meiner Notizen fiel mir doch tatsächlich auf: Bald ist wieder Bürgerkrieg, äh, Fußball-WM! Da dachte ich mir als i.d.R. halbwegs akzeptabel informierter Nichtanhänger jeglicher sportlicher Betätigung und in meiner Rolle als Webspammer, äh, -blogger, guckste doch mal, ob du das irgendwie verwursteln kannst. Et ecce, da finden sich einige Suspecta:

Beginnen wir mit der Vorgeschichte: Vor wenigen Jahren kommt das „endgültige Satiremagazin“ Titanic nach einigen Jahren öffentlichkeitswirksamer Politaktionen (als Beispiele seien nur mal die „Wahlkämpfe“ für die SPD (Motto: „wir geben auf.“) sowie für die F.D.P. („judenfrei und Spaß dabei“) erwähnt) auf die cet. nicht mal schlechte Idee, bei der Wahl des Austragungsortes 2006 mitzustimmen. Der Versuch, die Jury mit einem Paar Würsten und einer Kuckucksuhr (sic!) zu bestechen, resultierte immerhin darin, dass das entscheidende Jurymitglied (Zitat: „This final fax broke my neck“) sich verstört seiner Stimme enthielt; im Rückblick nun auch darin, dass wir Deutschen in Kürze haufenweise grölende, pöbelnde, betrunkene Neg-, äh, starkpigmentierte Menschen afroamerikanischer Herkunft begrüßen „dürfen“ – übrigens eine fremde Feder, mit der sich „Kaiser“ Beckenbauer heute gern schmückt. Der Depp.

Apropos Neger – gehen wir über zum nächsten Punkt, nämlich dem Slogan* „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Eins vorweg: Wer sich so was ausdenkt, pappt sich auch bunte „Du bist Deutschland“-Kackhaufen aufs Auto. Andererseits, wusste da das Organisationskomitee wieder mehr als ich? Denn nun ist’s wurscht, wie schlecht die Deutschen spielen – wir können hinterher mit Fug und Recht behaupten, es seien ja ohnehin nur Freundschaftsspiele gewesen. Ich frag mich nur: Wessen Freunde woll’n wir sein? Um Gottes Willen nicht die von diesem grausigen Goleo-Viech (was symbolisiert das eigentlich? Christoph Daum auf Koks?) – da schon lieber die vom Schiedsrichter (Merk?)!

Bin ich übrigens der Einzige, dem die tolle WM-Hymne jetzt schon auf den Zeiger geht? …

P.S.:
Olé Brasilia!

P.P.S.:
Bisheriges Topalbum des Jahres: Tool – 10.000 Days. Kann ich nur wärmstens empfehlen. Das Album nebst Rezension gibt’s hier. Allein schon das Artwork (derzeit gibt’s eine vermutliche Limited Edition mit beigelegter Lupe, damit man’s besser beäugen kann) ist den Kauf allemal wert. HTH!

* Slogan kommt übrigens aus dem Gälischen (slough ghain = Schlachtruf) – na, dämmert’s?