Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenNerdkrams
Smartes Gucken (Nachtrag): Kopf aus, Licht an

Was übrigens auch dringend smart gemacht werden muss, indem man Android drauf installiert:

Lichtschalter.

Was kann schon schiefgehen?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Marc Ribot Trio – Fat Man Blues

WachwachwachEs ist Montag, es ist Zeit, sich nochmals bevorzugt gemeinsam im Bett herumzudrehen (wenn nicht gar: zu wälzen), bevor die Pflicht ruft. Nachtschlafende Zeit harmoniert nicht mit Tageslicht.

Anderen ist die Fleischeslust eher fremd:

Über den freundlichen Wink an die Jungstudenten in Form von Kondomen herrschte ja noch ein leidlicher Konsens im Studentenrat. Doch dann kam der Plan zur Anschaffung von je 5 000 veganen Kondomen und 5 000 dem – so die Erläuterung – „sicheren Oralverkehr an Frauen“ gewidmeten Lecktüchern zur Abstimmung. Und wurde von der Mehrheit auch prompt gutgeheißen[.]

Denn wenn Erstsemester eins wirklich brauchen, dann sind es vegane Kondome und Lecktücher!

Aber wen interessieren schon solche Kinkerlitzchen, wenn es doch weit schlimmere Nachrichten zu vermelden gibt? Hessen hat gestern gewählt und die Rechtspopulisten haben gewonnen: Ungefähr vierzig Prozent der Wähler gaben CDU oder SPD ihre Stimme. Hessen hatte ich gar nicht als so rückständig in Erinnerung. Viel moderner versucht derweil „ZEIT ONLINE“ zu sein, die einen Artikel über das Zeichen „@“ anlässlich des Todes des Erfinders der E-Mail Ray Tomlinson „Very s@d news“ betitelt, „Very satd news“ also, was einerseits herrlich 90er, andererseits aber auch nicht weniger als dämlich ist.

Lasst uns ungeachtet all dessen beschwingt in die Woche starten.

Marc Ribot Trio Fat Man Blues

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitikSonstiges
Liegengebliebenes vom 4. März 2016

Das Recht auf Waffenbesitz sei ein essenzieller Bestandteil der Freiheit jedes US-Amerikaners, heißt es aus einschlägigen Kreisen. Ich vertrete ja schon seit längerer Zeit die Meinung, dass Waffenbesitz Doofheit gleichzeitig voraussetzt und fördert. Beweisstück G:

Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Washington wollte ein paar Fotos mit Waffe von sich machen. Beim letzten Selfie schoss er sich versehentlich in den Kopf.

Mit etwas mehr Bildung wäre das vielleicht nicht passiert; oder mit mehr Schlaf:

Ein 16-Jähriger hat im US-Bundesstaat Tennessee mehrfach auf seine Familie geschossen, als er von seiner Mutter geweckt wurde. Der Grund: Er war sauer, weil er nicht aufstehen und in die Schule gehen wollte.

:irre:

(unter anderem via Schwerdtfegr)


Ihr habt eine Vollmeise und wollt sie euch versilbern lassen, aber die Gender-Studies-Studiengänge sind leider schon voll? Keine Panik – es gibt nun auch einen Bachelorstudiengang für vegane Ernährung mitsamt dazu passender Stiftungsprofessur, damit aus euch doch noch was werden kann.


Zur Causa Volker Beck – nachdem selbst Hanfpflanzenbesitzer Cem Özdemir dessen Drogenkonsum als eines Grünen unwürdig beschrieb, was nach der Pädophiliegeschichte zumindest eine ziemlich niedrige Messlatte ist – sei allenfalls noch die „taz“ in falschem Kontext zitiert: Wo die Grünen regieren, ist es mit ihrer Moral nicht weit her.


Wenn es doch nur eine Schale für das Innere von Orangen gäbe! (Allergikerwarnung: Verweis geht zu Google+.)

In den NachrichtenWirtschaft
Fachkräftebezahlungsmangel

Auf WELT.de (möchte aufgrund des Leistungsschutzrechts hier nicht verlinkt werden) ist seit heute neben allerlei weiteren Geschichten auch diese zu lesen:

Deutschland ist immer stärker auf Zuwanderer angewiesen, um seine wachsende Fachkräftelücke zu schließen. (…) Dies zeigt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direktor Michael Hüther fordert deshalb ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild, damit gut qualifizierte Arbeitsmigranten unbürokratischer als bisher nach Deutschland kommen können.

Dabei liegt im Interesse der deutschen Wirtschaft (lies: von Arbeitgebern) oft primär die Gewinnmaximierung: „Hunderttausende Akademiker arbeiten zu Niedriglöhnen“ („WELT am Sonntag“, 2014). Gut ausgebildete einheimische Fachkräfte sind sich ihres Wertes auf dem Arbeitsmarkt oft bewusst und sind nicht bereit, sich unter Wert zu verkaufen.

Ist ja alles nicht so schlimm: Arbeitslosenzahl steigt im Januar weniger als üblich, irgendwann ist halt jeder Markt mal gesättigt; „danach gab es zum Jahresbeginn so viele freie Stellen wie nie zuvor“ (aus dem gleichen Artikel), was merkwürdig anmutet, bedenkt man, dass es für immer mehr freie Stellen auch immer mehr Entlassungen zu geben scheint.

Oder Menschen, die gar nicht erst eingestellt werden. Es gab laut „taz“ vor einem Jahr etwa 2,4 Prozent arbeitslose Akademiker in Deutschland, bereits bereinigt um die Zahl derer, die Praktika, Volontariate und ähnliche Umwege beschreiten, um nicht auf der Straße zu sitzen. Dabei trage der ach so soziale Mindestlohn nicht unbedingt zu einer Besserung bei:

[E]in Absolvent darf ab 2015 nur noch unter bestimmten Bedingungen ein Praktikum absolvieren, nämlich dann, wenn es der berufsqualifizierenden Weiterbildung dient, die bis dahin noch nicht abgeschlossen sein darf.

Und so kommt es, dass ich einen Anruf einer renommierten Tageszeitung aus dem hessischen Raum erhalte, die mir versichern, mein Fall sei eingehend beraten worden, aber man müsse mir mitteilen, mein Praktikumsvertrag, abgeschlossen für 2015, werde aufgelöst.

Der hiesige Arbeitsmarkt leidet nicht unter einem „Fachkräftemangel“, der sich nur mit oft schlecht ausgebildeten, aber dafür günstigen ausländischen Arbeitern mildern ließe. Er leidet an wirtschaftlichen Erwägungen (lies: am Geiz) derer, die ihn beklagen.

Und, wie immer, an der SPD.

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenparteiPolitik
Jane Getter Premonition – Surprised // Tortenpolitiker

Alles schläft, Eulchen wachtHurra, ein Schaltmontag! Nichts, was wir heute tun, wird Konsequenzen haben; um so wichtiger ist es, den Tag so zu beginnen, wie es kaum richtiger sein könnte, satt und zu zweit nämlich. Romantisch und doof wie Käuzchen und Mond.

Selbstverliebtheit überlassen wir also getrost denen, die sie verdienen. Donald Trump zum Beispiel gehe es – huch! – nur um Donald Trump, lässt Martin Klingst Leser von „ZEIT ONLINE“ wissen, schreibt aber leider nicht dran, was trotz des Überangebots an medial verwertbarer heißer Luft, die offensichtlich raus muss, einen Nicht-US-Amerikaner außer bloßer Lust am Nonsens eigentlich an dieser Wahl interessieren sollte. Als hätte das Inland nicht genug Ärger!

Andererseits ist die Kindisierung der Politik auch hier ein Problem: Beatrix von Storch mit einer Torte beworfen, haha, „getortet“, roflol, sozusagen; das Netz sitzt deswegen seit gestern im Stuhlkreis und klatscht jauchzend, denn so etwas ist gut für den politischen Diskurs: Die Frau wähl‘ ich nicht, die hat Torte im Gesicht. Hat die nicht auch irgendwas mit Ausländern gesagt? Haha, Torte! Die Piratenpartei als einstiges Sinnbild des politischen Hedonismus hat ihre Tortigkeit derweil vorübergehend ausgesetzt und das sei, so heißt es aus ihren Reihen, wahlweise schlecht oder gut für sie. Vielleicht lässt sich das mit einer Kuchenschlacht beilegen.

Was wir nun aber erst einmal beilegen, ist die Erinnerung daran, dass das Wochenende vorüber ist. Denken wir an etwas Schönes, denken wir an Musik.

Jane Getter Premonition featuring Corey Glover "Surprised" Live at the Iridium

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Zur Einweihung von Möbelhäusern braucht man kein Abitur

Diejenigen, die, wie ich, aus Medienkompetenzgründen Fernsehgroßereignisse samt und sonders zu meiden pflegen und deswegen selten rechtzeitig zur Stelle sind, um deren Abstimmungen überhaupt mitzubekommen, seien an dieser Stelle gewarnt: In – relativ zum gemachten Aufhebens – wenigen Wochen wird die „deutsche Björk“ („STERN“), ein derzeit noch siebzehnjähriges Allerweltsmädchen mit einem furchtbaren Vornamen, von dem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ noch im Dezember 2015 annahm, es würde auf eine Teilnahme an dem Wettstreit verzichten, nach einem Achtungserfolg in der ebenso überflüssigen Fremdschamsendung „The Voice of Germany“ in Stockholm mit, wie es sich für Germany eben so gehört, weiterem englischsprachigem Dudelpop versuchen, anlässlich des diesjährigen schrecklich bedeutsamen „Eurovision Song Contests“ Deutschland wieder einmal zu einer Siegernation zu machen.

Inwiefern „ganz Deutschland“ sich darüber nun freuen sollte oder nicht, möchte ich hier eigentlich nicht weiter diskutieren, weil ich mich wohl nur wiederholte; allein sah ich heute im lokalen Quatschblatt ein paraphrasiertes Gespräch mit dem Leiter der Schule der designierten Enttäuschenden, denn natürlich ist ein solcher Schulleiter geradezu als Koryphäe zu begreifen, wenn man etwas über eine Person herausfinden möchte, der also brav solches sprach:

[Sie] könne selber entscheiden, ob sie sich weiterhin beurlauben lassen wolle, sagte der Schulleiter. Alternativ könne sie, wann immer möglich, im Unterricht erscheinen und versuchen, das Abitur zu bestehen.

Natürlich gibt es Gegenbeispiele, der Frontmann von Scooter etwa – die Kirschen sind nicht wichtig – hatte einst sogar ein Studium begonnen. Aber was genau nehmen oft ganz gut ausgebildete Flüchtlinge diesem Land eigentlich weg?

ComputerIn den Nachrichten
Differenzierte Reaktionen

2014:

Bei Facebook haben auch Nutzer aus Deutschland nun 60 Möglichkeiten, Angaben zu ihrem Geschlecht zu machen – zum Beispiel „geschlechtslos“, „intersexuell“ oder „genderqueer“. (…) „Für viele ist es extrem wichtig, ihre Identität darzustellen“, erklärt Facebook-Sprecherin Tina Kulow die neue Funktion in einem „Welt“-Interview.

2016:

Ab sofort können [Facebook-]User nicht nur ihre Zustimmung, sondern auch Zuneigung, Erstaunen, Belustigung, Trauer oder Wut zu den Posts ihrer Freunde per Mausklick ausdrücken.

Denn wer hat schon mehr als sechs Emotionen?

ComputerIn den Nachrichten
Hacker, Cracker, Bauernfänger: Mein Freund, der Baum.

Eine schnelle Recherche in meinen eigenen Archiven ergab, dass ich bereits 2010 den „Bundestrojaner“ für unprima hielt; der dann aber auch bald verschwand, was mich seitdem immer wieder rhetorisch fragen ließ, was eigentlich die für ihn Verantwortlichen heute machen.

Inzwischen weiß ich es: Er ist wieder da, und wie durch einen merkwürdigen Zufall erschien gleichzeitig auch Gerhart Baum (F.D.P.; fragt mal eure Eltern) wieder im kollektiven Bewusstsein, um seine Meinung dazu kundzutun:

Der Staat wird ja hier zum Hacker. Das ist das Problem.

Das „Problem“ sehe ich persönlich nicht darin, dass der Staat „zum Hacker“ wird. Hacker tun niemandem etwas, Hacker geben sich mit Fertigsoftware auch eher ungern ab. Hacker gehen kreativ mit Technik um, um der Gesellschaft im Bestfall nützlich zu sein. Ein Staat, der aus alten Panzern digital beleuchtbare Whiskeyregale zimmerte, wäre ein Staat, der zum „Hacker“ wird. Ein Staat, der Trojaner einsetzt, wie es zu meiner Zeit picklige Fünfzehnjährige getan haben, um damit aus bloßer Freude am Destruktiven Schaden anzurichten, ist wie auch jeder andere Staat, der irgendwelche Vorkehrungen trifft, um zu verhindern, dass seine Einwohner Geheimnisse vor ihm zu haben versuchen, kein Hacker, sondern ein Unrechtsstaat.

Hacker sind diejenigen Menschen, an denen es nun ist, ihrerseits Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.

Weiter im Text:

Hat er eine eigene Hacker-Technologie, oder kauft er sie von Kriminellen, um Sicherheitslücken auszunutzen, oder fordert er sogar Unternehmen auf, wie jetzt Apple unter Druck ist, diese Hintertüren zu offenbaren, die dann allerdings nicht nur dem Staat offen stehen, sondern auch anderen, zum Beispiel Kriminellen.

Oh, so eine (vorausgesetzt: funktionstüchtige) Überwachungssoftware ermöglicht es auch „zum Beispiel“ Kriminellen, mein Recht auf Datenschutz und Privatsphäre zu missachten? Jetzt mal rein aus Jux: Wem denn sonst?

Wer nun annimmt, dass Gerhart Baum eigentlich gar nicht verstanden hat, was so ein Trojaner mit Bürgerrechten zu tun hat: Doch, das hat er. Er gibt sogar einen guten Ratschlag:

Ich möchte genau wissen, dass mit diesem Trojaner kein Missbrauch getrieben werden kann, und das ist mein Grundrecht auf Gewährleistung und Vertraulichkeit der Integrität informationstechnischer Systeme. (…) Ich, der Bürger, muss mich darauf verlassen können, dass die Technik einwandfrei funktioniert und nicht gegen mich arbeitet.

Will heißen: Gerhart Baum als Bürger möchte von einer Software, die einzig dem Zweck dient, seine Grundrechte einzuschränken, die Sicherheit haben, dass sie nicht gegen ihn arbeitet.

Den Herrn sollte man tunlichst genau im Auge behalten, wie mir scheint.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Jethro Tull – Bourée

MontagskauzMontag. Nein, Moment: Montag! Welch famoser Kontrast ein verregneter Montag doch ist, wenn man das Wochenende stattdessen zu zweit verbrachte! Dieses Unterangebot an Sonntagen, übrigens, gilt es vom freien Markt baldmöglichst zu korrigieren.

Apropos Sonntag: Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland, der gestern endete, hatte ein Organisator der AG SingleMalt einen Antrag eingereicht, der prompt angenommen wurde: Die Parteiprogramme sollen künftig geschlechtersensible Sprache berücksichtigen. Schade, dass der gute Ruf von Whiskey darunter leiden muss, denn nüchtern kommt hoffentlich niemand auf so eine beknackte Idee. Und die Netzpolitik? Nun ja: Über 5.000 Menschen in Deutschland sind stündlich so doof, dass sie alles anklicken, was wie eine Datei aussieht. „heise online“ rät zu mehr Sicherheitsupdates, ich rate unverändert zu einem Pflichtführerschein für das Internet.

Keine Sorge, es gibt Schüsslersalze gegen Leichtgläubigkeit. Wenn es schon anderweitig an Sicherheitsmaßnahmen gegen Idiotie mangelt: Jeb Bush, weder klügerer noch talentierterer ehemals potenzieller Nachfolger des Nachfolgers von George W. Bush, twitterte vor nicht allzu langer Zeit ein Symbolbild für Amerika, namentlich eine Waffe mit seinem Namen darauf, denn wenn so ein Amerikaner etwas wählen kann, was tötet, dann macht er das auch, weshalb die dortige „Cosmopolitan“ ihren Leserinnen nicht etwa dazu rät, von Waffenträgern fernzubleiben, sondern sich nur auf solche einzulassen, die einen Waffenschein besitzen. Die meucheln nicht, die wollen nur spielen.

Die deutsche „JOY“ indes – die mit Emma Watson vorne drauf – stellt fest: „Fell-Klamotten machen Männer verrückt!“ (Seite 52). Ob ich mich über eine Frau mit Plüschpantoffeln nicht eher köstlich amüsierte als dadurch verrückt zu werden, möchte ich nicht klar beurteilen können, beschränke mich somit auf die Feststellung, dass ich Informationen über die Männer total stier („kann je nach Kontext entweder supergut oder superblöde bedeuten“, Seite 49) finde.

Ebenfalls total stier: Jethro Tull.

Jethro Tull – Bourée, TV Broadcast 1999 HD

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Maserati – Monoliths

Nicht im Bild: KäuzchenWelch ein Montag, welch ein Fest. Valentin hieß Karl und mehr möchte man nicht wissen müssen. Zu zweit ist Tristesse fast auszuhalten und Verliebtheit sowieso.

Das Fernsehen aber nur schwerlich. Laut den Nachrichten, die ja gelegentlich ihre eigene Metaebene bilden, diskutierten kürzlich diverse Berufsschwätzer bei einer Frau Anne Will – von meinen Gebühren!!1 – ebendort über die Frage, ob Großmächte moralisch handelten. Ganz schön viel Sendezeit für ein einfaches „Nö, lol“. Andererseits scheint anlässlich der dortigen Kämpfe zwischen Sympathisanten der Leute mit prima Bomben („dem Westen“) und Sympathisanten der Leute mit weniger prima Bomben („den Russen“) manchmal nicht völlig klar, wer nun eigentlich für das Gute demonstriert.

Früher hatte das, was mancher unter einer Demonstration verstehen mag, wenigstens noch einen klangvollen Namen, heute heißt eine solche, wie jüngst in Augsburg, zum Beispiel Amore statt Peng Peng. Glotz glotz, nix kapier. Sackhüpfen gegen Rechts. Sollte sich bis dahin noch ein halbwegs Erwachsener unter den Anwesenden befunden haben, so hat man danach vermutlich nie wieder etwas von ihm gehört.

Von wem man übrigens allerdings wirklich mal wieder mehr hören sollte, sind Maserati. Fangen wir doch gleich heute damit an.

Maserati – Monoliths (Live on KEXP)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweetwachstum / Schrödingers Boolean

Und dann war da noch Twitter.

Das damalige Nebenprodukt einer eigentlich ganz anderen Software, das 2006 als eine Art „SMS fürs Web“ entwickelt wurde, fand mit seinem simplen Konzept sehr schnell Abnehmer, also Nutzer; dies wohl auch, weil es ein einigermaßen eigenständiges Ziel verfolgte und nicht versuchte, ein besseres MySpace, StudiVZ, Friendster oder mittlerweile Facebook zu sein. Offene APIs sorgten für eine ungeahnte Vielzahl an „alternativen“ Twitterclients (zum Beispiel für meinen), das Echtzeitmodell ließ Twitter mitunter zu einem wichtigeren Nachrichtenportal werden als Nachrichtenportale selbst.

Ärgerlich am „Wachstum“ eines solchen Dienstes aber sind, von den Folgen für potenzielle Konkurrenz wie GNU Social – Kennt ihr nicht? Seht ihr! – einmal abgesehen, für ihn selbst zwei Faktoren: Zum Einen ist exponenzieller Zuwachs an Benutzern irgendwann unrealistisch bis unmöglich, was ein Problem ist, das sich Twitter immerhin mit den Herstellern von Mobiltelefonen teilt, es hat eben kaum ein Mensch mehr als nur zwei Ohren; zum Anderen kann ein Unternehmen mit solchem Personal und solcher technischer Infrastruktur nicht beliebig lange damit rechnen, dass man von gutgläubigen Investoren leben kann. Gerade, wenn man wie Twitter ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell den Börsengang wagt, wird die Lage mit der Zeit selten entspannter.

Nun hätte Twitter einfach den logischen Schritt vollziehen und bezahlte Konten einführen können, die dann zum Beispiel animierte Avatare oder sonstige für die meisten Menschen völlig egale Extras als Belohnung bekommen hätten. Stattdessen hat man sich bei Twitter angesehen, was (erster Fehler) der Marktführer Facebook so anders macht als man selbst, und (zweiter Fehler) beschlossen, dass einiges dort genau das ist, was Twitter, das überhaupt nicht versucht hatte, ein „soziales Netzwerk“ zu sein, dringend brauche. Anstupsen war es bedauerlicherweise nicht.

Twitter bekam also ein neues Aussehen, geschwätzigere Benutzerprofile, die Möglichkeit, sich in Direktnachrichten ohne die übliche Begrenzung auf 140 Zeichen auszudrücken, und nun endlich auch die Funktion, kein Echtzeitmedium mehr zu sein: Man kann Tweets jetzt nach Relevanz sortieren, wohlgemerkt: nach der von Twitter geschätzten Relevanz, was ungefähr „je mehr Leute einem Benutzer folgen, desto relevanter ist sein Sermon“ bedeutet. Dass diese Option nicht nur abschaltbar, sondern auch standardmäßig deaktiviert ist, sich für bestehende Nutzer also bis auf Weiteres nichts ändert, milderte die Protestwelle kaum ab. Wieder einmal ist Twitter „endgültig“ gestorben, wieder einmal werden obskure Alternativen als die künftige Heimat ganz Twitters angepriesen; beginnend mit nächster Woche werden diese Alternativen dann allesamt wieder Staub ansetzen, weil ein Nichttwitter eben keinen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Nutzerzahl von Twitter stagniert, und das hat durchaus Gründe, die nichts damit zu tun haben, dass Twitternutzer eigentlich lieber bei Facebook wären.

Warum führt Twitter nicht endlich auch Glücksnüsse ein? :motz:


Apropos :motz::

Computer sind prima, weil sie binär funktionieren und es nur richtig und falsch gibt, richtig?

Falsch!

Ein Programm hat, grob zusammengefasst, zwei mögliche Zustände beim Beenden, nämlich true (alles hat funktioniert) oder false (irgendwas lief beim Ausführen schief), dabei entspricht der Rückgabewert 0 oder „gar nichts“ in der Regel true und jede größere Zahl false. Das true-Programm (true.c) aus dem GNU-Projekt – das ist das, mit dem sich Linuxnutzer angeblich herumärgern müssen – lässt das aber offen:

true ist unter handelsüblichem Linux also entweder true oder false, das ist Definitionssache. :mrgreen: Dass für eine derartige Aufgabe 80 Zeilen nötig sind, erklärt sich überwiegend daraus, dass ja Versions- und Hilfeausgaben nötig sind, falls der Benutzer mal nicht weiß, welche Version von „gib 0 zurück“ er nun eigentlich verwendet.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teilweise via @ixception)

In den Nachrichten
Christliche Pappnasen (Nachtrag): Nous sommes le carnaval!

Erinnert sich noch jemand an das witzige Komikerduo „Erkan und Stefan“, das vor nicht besonders langer Zeit – also vor ungefähr 34 Jugendsprachen – die so genannte „Kanak-Sprak“ zum witzigen Stilmittel erhob und damit durchaus vergleichsweise erfolgreich war?

Erkan und Stefan – Respektive Berufe – Türsteher

Florian „Stefan“ Simbeck macht inzwischen etwas Seriöseres, er regt sich zum Beispiel im Web über Karnevalswagen auf:

Der Faschingsumzug im oberbayerischen Steinkirchen beschäftigt nun auch die Ermittlungsbehörden in Oberbayern: Sie ermitteln wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Bei dem Umzug fuhr auch ein als Panzer dekorierter Wagen mit den Aufschriften „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“.

Die Botschaft hinter dem Wagen wie auch hinter vielen ähnlichen – Mario Sixtus, der vom Charliesein nichts hält, verteilte erstaunlich wenig wortreich Inflektive darüber – ist offensichtlich eine Satire auf die gegenwärtige Entwicklung hin zu einer restriktiveren Asylpolitik. Das hätte Mario Sixtus und den Ermittlungsbehörden natürlich mal jemand sagen können, dass Karnevalsumzüge oftmals bissige Kritik an der Politik des Landes thematisieren und nicht nur allenfalls für sehr betrunkene Menschen gerade noch mittellustige Furzwitzfeiern sind. Was Satire davor schützt, zum Instrument irgendeiner Herrschaft zu werden, ist ja gerade ihr pubertär-anarchistischer Geist, der über alles seine Witze reißen will. Ein anderes Medium empfiehlt scheinironisch die Einrichtung eines Satireministeriums, um erlaubte (also solche, an der sich niemand stößt) von unerlaubter Satire zu trennen, was es immerhin von der Ägide des bisher letzten Reichspropagandaministers („Der politische Witz wird ausgerottet“, Februar 1939) unterscheidet, der das offensichtlich auch nicht besonders ironisch gemeint hat.

Nein, vom Terrorismus lassen „wir“ – der Westen – uns die Späße nicht verbieten. Wir bringen die Späße schon vorher in Sicherheit.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Terrorgeld

Das hat Allzwecklosminister Schäuble schon richtig erkannt: Wer in diesem Land trotz der horrenden Steuern, der Inflation und der Mietpreise noch über eine nennenswerte Summe Bargeldes verfügt, der macht bestimmt was Anrüchiges.

Nur solle die Geldwäsche besser bekämpft werden. Und deshalb erwägt das Ressort von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte von 5.000 Euro einzuführen. (…) Bei dem Vorstoß, Zahlungen oberhalb einer gewissen Grenze verpflichtend per Überweisung vorzunehmen, gehe es nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerbetrug im großen Stil.

Geldtransfers mit größeren Beträgen sind also künftig bevorzugt virtuell vorzunehmen. Angst vor Überwachung? So ein Quatsch. Die USA haben doch versprochen, in Zukunft ein bisschen reuiger zu gucken, wenn ihre Geheimdienste bei der Arbeit ertappt werden. Auch eine Art von Moral.

Seid erkennbar; wichtiger noch: seid verfolgbar! Es ist ja zu unser aller Wohl. Es wird die meisten Verbrechen effizient verhindern, wenn etwa durch unsaubere Geschäfte erworbenes Geld nur noch in Koffern ausgetauscht werden kann, die höchstens 5.000 Euro beinhalten. Mehr geht nicht, mehr ist ja verboten.

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich Schiller: „Kabale und Liebe“

In den NachrichtenNerdkrams
Datenschutz unter Fuchsfeuer

Im Forum von „heise online“ vermeldete heute ein pseudonymer Nutzer, es brauche eine Alternative zur Suchmaschine von Google, denn „wir“ könnten nicht „unser“ gesamtes Wissen durch Google „vorfiltern“ lassen. Wenn doch nur jemand eine zweite Suchmaschine und ein unabhängiges Nachschlagewerk erfände!

Einen zweiten Browser könnten „wir“ übrigens auch mal brauchen. Bei Mozilla, einem der früher offensichtlichen Werbekunden von Google, hat man schon seit längerer Zeit ein gespaltenes Verhältnis zu Privatsphäre und Datenschutz; bei der Entscheidung zwischen letzteren Dingen und einer möglichst deppensicheren user experience fallen diese Kriterien mitunter auch völlig aus der Planung.

Ein häufiges Problem von Webnutzern ist es, sich all die komplizierten Kombinationen aus Benutzernamen und Passwörtern zu merken. Nicht jeder möchte eine separate Passwortverwaltung nutzen. Hierfür gibt es zum Beispiel den etablierten Dienst OpenID, der von vielen Websites unterstützt wird; viele Menschen besitzen bereits eine OpenID-Kennung, ohne es zu wissen. Mozilla aber fand, es sei den Benutzern nicht zuzumuten, Anmeldedaten über einen Server ihrer Wahl verifizieren zu lassen, und ersann Mozilla Persona, dessen einziger nennenswerter Unterschied zu OpenID darin besteht, dass es die Passwörter für 24 Stunden im Browser speichert, was für den Datenschutz sicherlich prinzipiell sehr hilfreich ist.

Nachdem Mozilla bekanntgegeben hatte, Persona wegen mangelnden Zuspruchs im November dieses Jahres einzustellen, musste natürlich eine selbstgestrickte Alternative her, deren schnelle Verbreitung von vornherein sichergestellt sein sollte. Das neue große Dingsbums nennt sich Firefox-Accounts, es wurde bisher vorrangig für den Dienst „Firefox Sync“ verwendet und soll künftig die einzige Anmeldemethode für alles sein, was mit Mozilla zu tun hat. Verhindert wird damit die Trennung zwischen mehreren Pseudonymen (ein einzelner Benutzer von Mozilla-Produkten wird damit leichter identifizierbar), ebenso wird es nicht mehr möglich sein, sich mit einer beliebigen, nicht eindeutig zuordenbaren E-Mail-Adresse zum Beispiel auf der Addons-Seite anzumelden.

Demnächst wird dann ein Mozilla-Entscheider vielleicht diese neue, hippe Funktion „Anmelden mit Facebook“ entdecken. Das würde das Problem ja ein für allemal…

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Purposeful Porpoise – Cycles

ChrrrrrrEs ist Montag, ab jetzt geht’s bergab. Das Sonntagsmiteinander erinnert stets daran, wie sehr es das Leben aufwertet und sich dadurch unverzichtbar macht. Stand up, stand up, stand up. Das Dasein als Aphorismus, man wollte es nicht anders. Attraktion macht Sprachgefühl kaputt und das ist eigentlich nur ein bisschen furchtbar.

Man könnte es ja auch schlimmer haben, man könnte stattdessen Staatsbesuch aus dem Iran bekommen. Erst mal die beschniedelten Statuen verstecken. Sonst glaubt der noch, Italiener hätten eine aufgeklärte Gesellschaft.

Darf man 2016 eigentlich noch von einer aufgeklärten Gesellschaft reden? Da fliegen immerhin Handgranaten auf Flüchtlingsheime, was ja nun nicht besonders zivilisiert wirkt; aber keine Sorge, die Schuldige ist vom Föjetong schon ermittelt worden: Frauke Petry (AfD) befürwortet bewaffneten Grenzschutz, was natürlich kontrovers diskutiert („AfD verbieten! Nazis auf’s Maul!“ usw.) wird, denn die Deutschen sollen bitteschön nett zu Leuten sein, die hier reinwollen. Anderen geht das ja auch immer noch nicht schnell genug: Der offensichtlich nicht mehr völlig dichte Nato-Generalsekretär, ein Herr Stoltenberg, fordert mehr deutsche Berufsmörder beim Einsatz gegen das Böse. Irgendwo mehr Soldaten hinzuschicken war bekanntlich schon immer ein Garant für ein friedliches Miteinander.

Frieden ohne staatlich geförderte Gewalttäter können oder wollen sie nicht, aber „organisieren können die Deutschen“ (Traudl Junge, 2001) allerdings, und dafür reicht es allemal: Hitler ist nun kein Ehrenbürger von Uetersen mehr. Das hat er nun davon.

Wir hingegen haben von diesem Montag auch Musik.

Purposeful Porpoise – Cycles

Guten Morgen.