Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum Anschlag in Nizza

Unser totalüberwachtes Nachbarland Frankreich hat wieder einmal unter Beweis gestellt, dass Vorratsdatenspeicherung, allgegenwärtige Installation von Kameras und Verhängung des Ausnahmezustands abgesehen von der Einschränkung sämtlicher relevanten Freiheitsrechte im Gegensatz zur Bombardierung Syriens gänzlich folgenlos bleiben.

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Rechtsfreie Räume voller Hass

Was macht eigentlich das Bundesinnenministerium, dessen Errichtung eines rechtsfreien Raums durch die Freilassung eines „Staatstrojaners“ vor inzwischen 1.741 Tagen vom Chaos Computer Club publiziert worden war?

Nun, es bekämpft natürlich auch weiterhin „das Böse“, behauptet es auf Twitter:

Rechtsfreier Raum

In der Theorie klingt das möglicherweise ganz nett, in der Praxis aber geht es eben nicht um die Bekämpfung rechtsfreier Räume – dafür fehlt dem Malwareministerium auch die nötige Rechtschaffenheit – und schon gar nicht um die Bekämpfung von „Hassrede“, was auch immer das genau sein soll, sondern explizit um die Rechten, wie Razzien belegen. Das Ziel dahinter: Weglöschen von allem, was nach „Hass“ aussieht, was bedauerlicherweise Geschmackssache zu sein scheint, von Medien, über die ein deutsches Ministerium gar keine Entscheidungsgewalt hat. „Warum soll ein US-amerikanisches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht strafbar sind? Am deutschen Gefühlswesen soll die Welt genesen? Ihr spinnt doch!“

Zur gleichen Zeit wie das Bundesinnenministerium rief auch die Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung“), zu deren namhaften Mitgliedern auch die bekannte Hassrednerin Julia Schramm zählt, dazu auf, man möge als anständiger Bürger doch etwas gegen „Hetze“ unternehmen, vermied es dabei jedoch, bekanntzugeben, auf welche Weise man Julia Schramm wohl zur Ruhe bringen könnte; jedenfalls: die Twitterer beim BMI waren spontan so begeistert, dass sie die Broschüre öffentlich bewarben und sich gleichzeitig von Julia Schramm distanzierten, will heißen: wenn eine Hassrednerin Tipps gegen Hass gibt, dann disqualifiziert sie das noch nicht als „Expertin“, was bedauerlicherweise auch manches aussagt.

Um Zweifel an dem Selbstverständnis der Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung“) nachdrücklich auszuräumen, hat die Vorsitzende besagter Stiftung, im taktischen Vorteil durch jahrelange Erfahrung als Stasispitzel, dieser Tage unmissverständlich verdeutlicht, dass es ein Unding sei, wenn sie, der – wie bekannt – frühere Stasispitzel, als früherer Stasispitzel bezeichnet werde.

Die Stiftung verlangt, den Beitrag aus der Mediathek zu löschen.

So gehört sich das in einem funktionierenden Staat: Steuerfinanzierte Fernsehsender werden von Leuten, die sich von Satire, die lediglich erkennbar die persönliche Lebensleistung dieser Leute würdigt, beleidigt fühlen, um die Entfernung dieser Satire gebeten, auf dass die reine Lehre nicht geschmälert werde. Die Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung“) ermutige Initiativen vor Ort, sich für demokratische Kultur stark zu machen, tönt die Website dieser Stiftung, und vielleicht kam mir gerade ein bisschen Kotze hoch.

In der Türkei schafft man es so bis ganz nach oben.


Apropos mediale Inkompetenz: „SPIEGEL ONLINE“ – wer sonst? – hat seit kurzem eine eher schlecht funktionierende Paywall. Sie funktioniert so schlecht, dass ihr, statt zu zahlen, einfach mit ein bisschen Javascript die „Verschleierung“ aufheben könnt. Qualität gibt’s eben nicht umsonst.

In den NachrichtenMusik
Warum Keith Jarrett zu bejubeln ist

Gestern schrieb Clemens Setz auf „ZEIT ONLINE“ über ein Konzert des unbestritten erstklassigen Jazzpianisten Keith Jarrett ungefähr dies:

Ich war aufgeregt. Ich hatte ihn nie zuvor live erlebt. Der Held meiner Jugend, noch aus jener Zeit, als ich dachte, ich könnte vielleicht selbst ein großer Jazzpianist werden. (…) Als Nächstes kam Keith Jarrett. Er sah nicht sehr glücklich aus. Er trat ans Mikrofon und sagte: „Ich spiele nicht eine einzige Note auf diesem Klavier, bis die zwei Personen, die Fotos gemacht haben, das Gebäude verlassen haben!“ (…) Jarrett setzte, mit einer Hand Schweigen gebietend, noch eins drauf. Er habe durch unsere Unverschämtheit den Kontakt mit der Musik verloren. (…) Der Künstler entzieht uns rückwirkend seine Seele! Was wir gehört haben, war nicht wirklich er. Und falls es uns gefallen hat, zeigt das nur, wie dumm wir sind. Herrje.

„Herrje“, was hat dieser Künstlerarsch doch eine völlig falsche Vorstellung von Musik! Es steckt kein Herzblut im Gehörten? Das ist egal, es ist beliebig. Der Mann kann uns doch nicht das Atmen verbieten und das fast genau so wichtige Belästigen des interessierten Publikums mit Lichtblitzen erst recht nicht, denn völlig ungeachtet der Frage, ob die Gefühlsreise geneigter Anwesender, auf die sie mit guter Musik aufzubrechen vermögen, nicht von blödem Geknipse von Banausen unsanft beendet werden könnte und man sich das vielleicht mal früher überlegen sollte, darf man nicht aus den Augen verlieren, worum es wirklich geht, wenn man ein Konzert besucht, nämlich um einen weiteren Etappensieg im ewig währenden Wettkampf um Däumchen und Sternchen. Jemand macht was, egal was: Like. Warum den Abend genießen, wenn man ihn auch hinterher auf einem Bildschirm angucken kann? Die heutige Videotechnik lässt verblüffend echtes feeling aufkommen, als wäre man bei dem aufgenommenen Konzert selbst dabei gewesen.

Krass.

Clemens Setz schrieb weiterhin:

Er schien uns zu sagen: Ihr beklatscht ohnehin alles, also was soll’s, hier ist ein Blues. Zynische Musik. Bittere Imitationen seiner selbst, virtuos hingeknallt für ein dummes Publikum, das nicht still und unsichtbar sein kann. (…) Ich stellte mir vor, wie der Künstler vor dem Konzert ins Mikrofon sagt: (…) „Und schauen Sie nicht dauernd auf die Armbanduhr. Was hat Technologie hier neben mir und meiner Kunst zu suchen?“

Wenn ich noch dringend irgendwo hin muss oder einfach nur den Moment herbeisehne, dass der Mist vorn auf der Bühne endlich endet, dann ist es nicht die Aufgabe des Künstlers, seine Arbeit so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, denn er hat den ungeduldigen Konzertbesucher nicht darum gebeten, an einem Ort zu sein, an dem er gar nicht sein will. Wäre ich selbst Musiker, ich würde mich gleichfalls erheblich an Menschen stören, die trotz freiwilligen Beiwohnens offensichtlich nicht gewillt sind, mir zuzuhören. Ich gehe ja auch nicht in eine Metzgerei, wenn ich Lust auf Salat habe, und lasse die ausbleibende dortige Befriedigung dieser Lust schon gar nicht am anwesenden Metzgerspersonal aus.

Da ich dies gerade schreibe, fällt mir auf, wem ich sicherlich nicht hätte zuhören sollen: Clemens Setz nämlich. Allerdings tu‘ ich ihm nicht den Gefallen und beschwere mich bei ihm darüber, dass ich meine Zeit damit verschwendet habe, seinen Banausenquatsch zu lesen, denn das war meine eigene und vor allem freie Entscheidung. Ich höre lieber ein wenig Jazz. Das entspannt.

Und ich brauche nicht mal ein Foto vom Klavier dafür.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Hirsch Effekt – Bezoar // Töten voller Ethik

Schlafen, schlafen wär' mal wasEs ist Montag und die Laune ist dermaßen gehoben, dass man es tatsächlich ein bisschen bedauert, so ein anständiger Mensch geworden zu sein und überdies in einem Land zu leben, das es gar nicht gern sähe, würde man seiner Wut allzu nachhaltigen Ausdruck verleihen. Wahrscheinlich ist das auch nicht fair und wahrscheinlich hat man das alles so was von verdient, aber der Mensch, der Mensch an sich scheitert immer schöner.

Die Ermordung von Polizisten zu verurteilen sei andererseits rassistisch, erklärt dieser Diskussionsstrang auf „Indymedia“, so leicht wie angenommen ist es also nicht, Mord blöd zu finden und trotzdem moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Auf „SPIEGEL ONLINE“ fragt konsequent Heike Le Ker – sieht gar nicht so aus – ohne Anflug von Sarkasmus: „Die Polizei in Dallas hat Micah Johnson mit einem Roboter getötet. Hat sie damit eine ethische Grenze überschritten?“ – normales Töten ist bekanntlich super, so lange es in ehrlicher Handarbeit geschieht, aber ethisch fragwürdig wird’s bei SPON erst, wenn diese vermaledeite Technik ins Spiel kommt.

Technik – ein gutes Stichwort: Derzeit ist der neue Ingress-Abklatsch „Pokémon Go“ das erfolgreichste Spiel für „mobile Geräte“. Dabei profitieren die Macher wohl vor allem auch davon, dass Smartphones immer noch vorwiegend Dumbuser haben, denen Datenschutzhinweise grundsätzlich zu viel Text beinhalten, um gelesen zu werden:

Beispielsweise könnten wir Webbeacons nutzen, Cookies zu platzieren oder mit ihnen zu kommunizieren, um (…) die Wirksamkeit unserer Werbung zu überwachen.

Taubsis im Vorgarten sind eben nicht billig.

Ich bin so desillusioniert, ich hab‘ sogar Musik dabei.

The Hirsch Effekt – Bezoar

Guten Morgen?

In den NachrichtenPiratenpartei
Nicht links, nicht rechts, sondern stolz auf einen Zufall

Am kommenden Wochenende findet in München der alljährliche „Christopher Street Day“, eine merkwürdige Übersetzung der anglophonen „Gay-Pride“-Veranstaltungen, statt, anlässlich dessen homo-, bi- und transsexuelle Menschen die Straßen säumen und sich darüber freuen, nicht heterosexuell zu sein, jubelnd begleitet von Teilen der linken Szene, denn selbstverständlich sind Stolz auf das Heimatland, Stolz auf die Hautfarbe und Stolz auf das Geschlecht völlig deplatziert, denn auf etwas, was man nicht selbst erreicht hat, stolz zu sein ist mindestens dämlich, aber gay pride ist natürlich etwas völlig anderes, denn bekanntlich ist die sexuelle Orientierung immer eine bewusste Entscheidung, auf die man zu Recht stolz sein kann.

Dabei kommt das zweitägige Spektakel zu einer Zeit, in der es eigentlich nicht viel zu feiern gibt: Jakob Augstein („SPIEGEL ONLINE“) verwechselt Populismus – wer nicht Populist ist, kann kein erfolgreicher Politiker sein – mit Demagogie und ganz Twitter einschließlich Anhängern der rechtspopulistischen SPD stimmt unbelesen zu. Der „Brexit“ ist insbesondere an der Börse überwunden und gerät allmählich wieder in Vergessenheit, die Empörungsspanne des durchschnittlichen Bürgers beträgt nur wenige Tage und Schlandball ist trotz großem Getöse, dass man doch als klarer Sieger verloren habe, auch vorbei, das geht eben gerade vor. In den USA finden immer noch ständig Schießereien statt, wie gewohnt macht jedoch niemand, der eine politische Entscheidung treffen könnte, das Recht auf Waffenbesitz dafür verantwortlich, denn die Waffenhersteller zahlen gut, sondern den Rassismus, denn Rassisten zahlen nicht ganz so gut. In Deutschland ist derweil die Beweislastumkehr für Vergewaltigung zum Gesetz gemacht, der Bundesnachrichtendienst ermächtigt und die Nato noch etwas aggressiver geworden.

Das wären ja prima Voraussetzungen für die Piratenpartei, ihre eigentliche Wichtigkeit mal wieder ins Gespräch zu bringen. Und tatsächlich gibt es von der bayrischen Piratenpartei schon heute ein öffentlich sichtbares Bekenntnis zu den staatenübergreifenden Grundwerten, die die Piratenpartei stets zusammengehalten hat und die in diesen Tagen so wichtig geworden sind wie seit langem nicht mehr:

Sexuelle Vielfalt und Fußball.

Münchner Allianz Arena strahlt zum #CSD ab 21:30.

Das ist ja auch mal ganz schön.

In den NachrichtenSonstiges
Urheberrecht des Tages

Eure Rundfunkgebühren, mittlerweile wohl „Haushaltsabgaben“ genannt, deren Bezahlung uns allen einen Zugang zu den grandiosen Erzeugnissen deutscher Film- und Fernsehkunst, zum Beispiel, äh, Fußball im Fernsehen, gewährt, die in der so genannten „Mediathek“ für eine begrenzte Zeit abrufbar sind, weil so ein Server ja auch mal schlafen muss, bezahlen offensichtlich keine Kunst:

Prödel hat in dem zwölf Sekunden langem Video alle Elfmeter-Schüsse des deutschen Teams beim Viertelfinale gegen Italien übereinandergelegt. Bei Twitter und Facebook hat es inzwischen die Runde gemacht[.] (…) Auf Youtube, wohin Prödel sein Elfer-Video ebenfalls hochgeladen hat, ist statt des Filmchens mit den Schüssen der siegreichen deutschen Mannschaft nur noch der Text „Dieses Video enthält Inhalte von UEFA. Dieser Partner hat das Video aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt“ zu lesen. Wo kämen wir auch dahin, wenn die kostbaren Medienrechte an der Euro 2016 von jedermann umgangen werden? (…) Am Nachmittag dann war Prödels komplette Twitter-Seite verschwunden.

Wäre ich Fußballer, würde ich jetzt, da ich sozusagen zum Urheber ernannt wurde, folgerichtig die UEFA nach meinem Anteil an den Einnahmen fragen, wie das eben so üblich ist.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
The Animal In Me – Rap God

Du - ich - dieser Baum?Alles ist Montag, alles ist schlecht. Aufstehen, räuspern, durchdrehen. Wann war es anders? Damals, ja. Früher war so vieles besser, aber heute ist es schlecht.

Manches aber ist nicht nur schlecht, sondern auch etwas anderes. Schwuler Stolz hui, deutscher Stolz pfui. Wählt euren Zufall weise. Demnächst: Reihenweise abgeknickte Regenbogenfahnen, weil die Grünen es nicht wollen, dass ihr mit eurer Umwelt mal im Reinen seid. Schlecht, auf jeden Fall, ist Fußball. Im Fernsehen heißen Waliser „Kelten“ und Isländer „Wikinger“, Franzosen allerdings seltsamerweise nicht „Froschfresser“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auch schlecht, auf jeden Fall, ist es, ein Mann zu sein, also demnächst, wenn einvernehmlicher Geschlechtsverkehr vor dem Gesetz so lange eine Vergewaltigung ist, bis zweifelsfrei das Gegenteil bewiesen wurde, und vorsichtige Nichtteilnahme voraussichtlich sexistische Diskriminierung. Kann man es richtig machen? Klar: Einfach Frau sein. Gewonnen qua Geschlecht.

Schönes kommt derweil von den Vereinten Nationen: Internetzensur verletzt die Menschenrechte; das tut Krieg zwar auch, aber irgendwo muss man ja anfangen. Alles Weitere regelt ein Bundesgesetz. Es wäre verfrüht, uns nun darauf einen runterzuholen.

Machen wir stattdessen das Naheliegende: Hören wir ein Metalcover eines Eminem-Stücks.

Eminem – "Rap God" (Cover By The Animal In Me)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtSonstiges
Liegengebliebenes vom 2. Juli 2016

Im aktuellen „SPIEGEL“ treffen Feminismus, Antideutschtum und Veganismus vortrefflich aufeinander:

Die Sprecherin der Linksjugend wurde von Migranten vergewaltigt. Der Polizei sagte sie zunächst nur, sie sei bestohlen worden, von Männern, die deutsch sprachen. (…) Gören mit ihrer weißen Bluse, dem streng zur Seite geflochtenen Zopf und dem glitzernden Herzanhänger würden viele für eine angehende Betriebswirtin halten, hätte sie nicht eine Freundin mit lila gefärbten Haaren als Verstärkung mitgebracht. Woher sie sich kennen? “Unter veganen Antifaschisten kennt man sich eben”, antwortet Gören.

Fazialpalmierend weiterlesen auf Blendle (Bezahllink, pardon).


Beim „Mitteldeutschen Rundfunk“ wurde vorgestern getwittert:

ICE aus Angst vor Terroranschlag in Niedersachsen evakuiert. Ein Reisender hatte laut Koranverse zitiert. Kein Sprengstoff gefunden.

Nicht mal auf die Terroristen ist noch Verlass. :twisted:


Wo muss denn unbedingt noch mehr Internet rein? Richtig:

Windel meldet dem Smartphone, wenn sie voll ist

Ich finde ja, das ist eine Scheißidee.


Habt ihr schon „Kartoffelsalat“, den großartigen Film mit diversen deutschen YouTube-„Stars“, gesehen? Nein? Gut so!

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik in Kürze: Potenzgeprotze mit „ZEIT ONLINE“

ZEIT.de, heute, 7:53 Uhr:

Die Brexit-Anführer wollten die nationale Kontrolle erobern. (…) Ihr Potenzgeprotze hat der Demokratie geschadet. (…) Weil Johnson und die anderen ihre großspurigen Versprechen nicht einlösen, verstärken sie ihre Anhänger nur noch in der Wahrnehmung, dass die Politik sowieso nichts mehr ändern kann oder will. Dass sie als Bürger ausgeliefert sind.

ZEIT.de, heute, 7:29 Uhr:

Nicht nur in Europa, auch in Großbritannien hoffen viele, die Brexit-Entscheidung ließe sich noch mal umkehren. (…) Gibt es noch Wege, den Austritt Großbritanniens aus der EU zu verhindern? Wir stellen fünf Möglichkeiten vor[.}

Man versprach mir Verlagssterben.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rotor – Volllast

Jetzt, hierEs ist Montag. Die Wetteraussichten sind angemessen trübe, weil es wieder einmal tief drinnen nagt, weil man sich montags ja dann doch immer so fühlt. Vermutlich ist es besser, es nicht zu bemerken, wenn man auch mal Glück hat, damit der Unterschied nicht so schrecklich auffällt. Emotional und nervlich am Ende mit drei Buchstaben: Ich. Es ist – ihr ahnt es – mitunter bedrückend, ich zu sein.

Die Flucht nach vorn – in die Nachrichten – ist also angesagt. Im Vereinigten Königreich und im Vatikan wird von der unterlegenen Minderheit im „Brexit“-Referendum angestrebt, das Referendum wiederholen zu lassen, weil die Mehrheit doof gewählt hat. Ich finde das nachahmenswert, mir gefällt die Wahl der Mehrheit in Deutschland nämlich auch nur äußerst selten. Was wissen die doofen Anderen schon von Politik? – Nur konsequent ist es da, dass Jean-Claude Juncker laut Medienberichten – die entsprechenden Medien möchten hier aufgrund des von ihnen unterstützten Leistungsschutzrechts nicht verlinkt werden – jetzt darauf drängt, den Euro in der EU zur Pflicht zu machen. Das haben die anderen Länder jetzt davon, nicht auch ausgetreten zu sein.

Mal was anderes: Seid ihr auch im Fußballfieber? Dann ist euch sicherlich entgangen, dass die Bundesregierung sich mal eben darauf verständigt hat, künftig auch eure Kinder überwachen zu lassen, wegen Terrors. Während ihr ins Ausland guckt, wird Schritt für Schritt euer Inland zerstört. Nationalelf erhält Motivationsschub, weil Betrunkener in Berlin Leinwand anbrüllt. Das erklärt einiges.

Genug der Lappalien. Es ist Zeit für etwas Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 26. Juni 2016 (Feminismus-Spezialausgabe)

Es gibt Grund zu feiern:

Das Plus-Size-Model Ashley Graham hat mit einem Instagram-Foto Millionen Frauen begeistert. Auf einem Fahrrad fliegt ihr Rock so hoch, dass man einen Großteil ihrer Cellulite sieht.

Das nächste große Ding: Models mit einem Hautproblem. Gibt’s schon welche mit Schuppen?


Gina-Lisa Lohfink, derzeit in allen Klatschspalten zu Hause und mir bis dato unbekannt, nach kurzer Recherche allerdings auch nicht für kennenswert befunden, muss sich, meint Bundesrichter Thomas Fischer, zumindest nicht vorwerfen lassen, wie all die anderen Kurzzeitbekanntheiten aus dem Arbeitslosenfernsehen nichts Sinnvolles gelernt zu haben:

Das (stark heruntergerechnete) Nettoeinkommen dieser Beschuldigten müsste demnach bei etwa 400 Euro pro Tag (= 12.000 Euro pro Monat) liegen, was plausibel ist, denn als Mensch mit dem Beruf „Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten“ sollte man schon deutlich mehr verdienen als der Präsident eines Obersten Bundesgerichts.

Gibt ja sowieso zu viele von denen.


Sowieso und immer lesenswert:

Und ich finde es seltsame Zeiten, in denen eine Gesellschaft Millionen über Millionen für eine ihrer Gruppen aufbringt, deren in Talkshows herumgereichte Vertreter eben diese Gesellschaft zugleich ein Patriarchat nennen, das sie unterdrückt.


Die Neue Zürcher Zeitung findet in einem Text, in dem sie durchweg das schauderhaft klingende und überdies falsche „Studierende“ statt „Studenten“ verwendet, die political correctness in den USA übertrieben.


Ihr seid Männer und wolltet schon immer mal wissen, woher die für die angebliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verantwortliche ungleiche Verteilung von Arbeitszeiten stammt? Ganz einfach: Wenn Frauen so lange arbeiten würden wie ihr, protestierte ihr Körper dagegen. Bei Männern ist das natürlich etwas völlig anderes, ein Büro fernab von Hobbys, Freunden und Familie ist schon evolutionär bedingt ihr natürliches Terrain.

In den NachrichtenPolitik
Morgen erst mal schön Anschlag. LOL :-)

Solche Überschriften solltet ihr möglicherweise vorerst vermeiden. Die USA nämlich haben, glaubt man ausnahmsweise „heise online“, eine prima Möglichkeit gefunden, die Einreise von Terroristen erheblich zu erschweren:

Gibt es in den nächsten 60 Tagen keinen Einspruch, sollen Einreisende zukünftig (…) freiwillige Angaben zu ihrer Social-Media-Präsenz machen können. (…) Im vergangenen Jahr war Kritik laut geworden, als klar wurde, dass Details über eine Schießerei bereits im Vorfeld über Privatnachrichten über Facebook ausgetauscht wurden.

Denn wie ja jedes Kind weiß, erkennt man einen Terroristen problemlos und vor allem fehlerfrei daran, dass er seine Pläne im Voraus in sozialen Medien bekanntgibt. Sicherheit durch Datensammlung!

Facepalm

(via Schwerdtfegr)

In den NachrichtenPolitik
Drei Thesen zum Austritt „Großbritanniens“ aus der EU

Union Flag, ca. 2020Erstens:

Der seitens der EU-Verfechter geäußerte Ruf nach dem Weiterbestehen eines stramm durchbürokratisierten starken Überstaates, der doch bitteschön zusammenzuhalten hat, weil er nur so seine Rolle als Weltmacht gegenüber den Anderen behaupten kann, ist nicht wesentlich mehr als Ausdruck des Wunsches nach einem Großeuropa, dem nur mehr die charismatische Führerfigur fehlen möge. Befeuert wird dies durch das fortwährende Streben, den kalten Krieg mit dem verhassten Nachbarn im Osten („dem Iwan“) keinesfalls abkühlen zu lassen. Es mutet wenigstens seltsam an, dass es Menschen zu geben scheint, die wie selbstverständlich nationalstaatliches Begehren für sonstwie rechts statt für natürlich gegeben halten und als Gegenentwurf ausgerechnet die Institution EU präsentieren.

Zweitens:

Wenn, wie es den medialen Anschein hat, das wesentliche Problem der EU mit einem Austritt eines Mitgliedsstaates darin besteht, dass die Börsen („der Markt“, „die Wirtschaft“, niemals aber „der Mensch“) darunter leiden, dann hat dieser Mitgliedsstaat zweifelsohne die richtige Entscheidung getroffen.

Drittens:

Es ist für die Attraktivität der Europäischen Union für die übrigen oder gar potenzielle neue Mitgliedsstaaten und somit für ihre weitere Stabilität sicherlich nicht von Vorteil, wenn ihre Vertreter der Umsetzung eines demokratischen Referendums so viele Stöckchen in die Speichen halten wie nur irgendwie möglich. „EU-Vertreter haben bereits angekündigt, dass sie an den Briten ein Exempel statuieren werden[,] um andere Staaten abzuschrecken“, schreibt Christoph Sydow auf „SPIEGEL ONLINE“ und ahnt selbst wohl nicht, wie klug diese Wortwahl war.

In den NachrichtenPersönliches
Neues vom Anfasszwang

Den Brauch, einander die Hand zu reichen, um einander zu beweisen, dass man zumindest in einer Hand keine Waffe trägt, kann ich zumindest historisch verstehen, wenngleich ich es aus hygienischen Gründen (ich fasse die meisten Menschen nur ungern an) selbst so häufig zu vermeiden versuche wie möglich, ihm nachzukommen. Selten traf ich bei begründet verweigerter Entgegennahme der so lax wie künstlich entgegengestreckten schweißnassen Hand auf Unverständnis, niemals allerdings traf ich bislang auf Spießer wie diese Lehrerin:

Vier Mal soll die Pädagogin der Schule in Berlin-Pankow den Geistlichen unter Hinweis auf deutsche Gebräuche nachdrücklich aufgefordert haben, ihr die Hand zu reichen. Der Imam legte stattdessen die Hand aufs Herz – dies sei die höchste in seiner Religion mögliche Respektbezeugung bei der Begrüßung einer Frau. Das habe der Lehrerin jedoch nicht ausgereicht, sie habe daraufhin das Gespräch abgebrochen.

Wer einander anzufassen sich weigert, verhalte sich frauenfeindlich, lautet die Argumentation; was in einer Zeit, in der der Feminismus gewohnt laut krakeelend versucht, nicht explizit genehmigte Berührungen zur Beinahevergewaltigung umzudefinieren, so manches aussagt. Wer eine Lehrerin nicht anfassen will, der verwirkt dadurch sein Recht darauf, dass sie ihren Pflichten nachkommt. Ist schließlich Deutschland hier. Hier wird gefälligst konservativ gewählt, Trottelsport bejubelt und einander bei jeder sich bietenden Gelegenheit angefasst. Da muss man sich schon integrieren oder man fliegt raus aus der Gesellschaft. So geht das ja nun nicht.

Bei Bonobos ist es übrigens Teil des sozial erwünschten Verhaltens, Spannungen durch Penisfechten abzubauen. Wir können viel von Bonobos lernen.


Apropos Beknackte: Nach der Räumung eines widerrechtlich besetzten Gebäudes zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge haben Linksextreme in Berlin mehrere Autos in Brand gesteckt. Das hat die Polizei jetzt davon.

In den NachrichtenMontagsmusik
Holy Esque – Strange

Ausschau nach dem PandaEs ist Montag. Nicht vor dem ersten Kaffee ansprechen. Das macht doch alles keinen Spaß mehr. Früher war mehr Unbeschwertheit, allerdings war früher auch mehr zu zweit. Früher war alles besser.

Andererseits: Endlich ist mal Schluss mit dem Patriarchat! Straffrei das Leben von Menschen zu zerstören ist Frauensache, was immer eine Frau jetzt eigentlich ist. Die ewige Stadt Rom wird künftig von der italienischen Partei der EU-Gegner regiert, aber vom nahe liegenden Etikett „Rechtspopulismus“, das medial längst der Standardwert für alles ist, was sich nicht ins Getriebe einfügen möchte, redet hier keiner, weil der neue Bürgermeister eine Frau ist, was bekanntlich immer und grundsätzlich höher wiegt als das, was sie zu sagen hat. Gestern hat kein ARD-Redakteur seine Kinder geschlagen. Alles unter Kontrolle, Situation normal.

Ihr allerdings gehört geschlagen: Emojis sind aus eurem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch, doch, das ist erwiesen. Die Sprache der Zukunft sind bunte Bildchen, digitale Höhlenmalereien ohne dauerhaften Wert. Schreiben ist eine verlorene Errungenschaft. Andererseits: Sollte die Jugend so schreiben wie sie spricht, ist das wahrscheinlich auch besser so.

Ein kurzer Blick in’s Föjetong. Wenn Taylor Swift (Popmusik, schlimm) einen neuen Partner hat, drängt sich natürlich vor allem eine Frage auf: Wie soll man die beiden nennen? Bedauerlicherweise ist „Dumm und Dümmer“ schon vergeben.

Beneidenswert, eigentlich.

Holy Esque – Strange

Oh I cried / cried cried cried.

Guten Morgen.