Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

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KaufbefehleMusikNerdkrams
Höchst erfreulicher Briefwechsel wegen eines Wikipedia-Löschantrages

Für all diejenigen meiner Leser, die sich für die Antwort auf die total spannende Frage interessieren, wie es eigentlich in meinem Posteingang aussieht, folgt hier eine kurze Antwort aus aktuellem Anlass:
Eine vortreffliche Mail landete gestern in meinem Posteingang und veranlasst mich zu einer Korrektur.

Während einer meiner zahlreichen in der deutschsprachigen Wikipedia versumpften Stunden bemerkte ich, eher zufällig, einen Löschantrag auf das Lemma The Void’s Last Stand, was einerseits gut war, denn sonst hätte sich die folgende Geschichte nicht ergeben, und andererseits geradezu danach zu schreien schien, dass ich mir das mal ansehe.

The Void’s Last Stand, ihr erinnert euch sicher, ist die Aachener Antwort auf The Mars Volta und ihr Debütalbum eine Wucht. Meine eilig hingeschmierte Lobeshymne auf diese wirre Geräuschansammlung wurde prompt auf der Internetseite der Band zitiert, und ich werde immer noch gut unterhalten, lausche ich wieder einmal den Klängen dieser Musiker; Grund genug, mich in der Löschdiskussion wie auch im Artikel selbst kreativ zu betätigen. Der Begriff „Löschipedia„, der gern für die deutschsprachige Wikipedia verwendet wird (weil’s hier eben so etwas wie Mindestvoraussetzungen für Artikel gibt und nicht jeder Schmonz enzyklopädisch wertvoll ist), ist bei ständig steigenden Artikelzahlen (es gibt natürlich auch immer weniger, was noch nicht geschrieben wurde) jedenfalls bestenfalls Bockmist.

Das Ziel der de.WP (ich kürze das jetzt mal ab) ist es keinesfalls, alles nur erdenkliche Wissen der Menschheit zu sammeln, andernfalls hätte ebenso jedes Lebewesen, über das irgendjemandem irgendetwas bekannt ist, einen eigenen Artikel verdient, mich eingeschlossen; vielmehr geht es um den Aufbau einer Enzyklopädie über Themen aus allen Fachbereichen, sei es Recht, Biologie oder Musik. Dass bloße Werbetexte ebenso keinen Platz in einem solchen Komplex bekommen sollten wie Diffamierungsaufsätze („Felix aus der 9b riecht nach Nillenkäse!“) oder nicht genehmigte Kopien urheberrechtlich geschützter Kolumnen, stellt, so sollte man meinen, keine besondere Hürde dar, und es kann doch eigentlich auch nicht allzu schwer sein, für zum Beispiel eine Musikgruppe, der man über die Grenzen des eigenen Heimatdorfes hinausgehende Bekanntheit unterstellt, Nachweise zu finden, die ihr selbige bescheinigen, und wenn doch, sollte man mal in Erwägung ziehen, dass man mit seiner Einschätzung vielleicht doch daneben lag. Schon toll, diese Wikipedia, so lange alles drinsteht, was man sucht; und fehlt etwas, bloß nicht selbst Hand anlegen, lieber warten, bis es jemand anders tut, und sich derweil darüber aufregen, dass man nie findet, was man sucht, und überhaupt, warum selbst einen Artikel schreiben, wenn keine Gegenleistung in Form von mindestens ausführlichen Dankesschreiben von den Administratoren höchstpersönlich zu erwarten ist? Das ist ja wohl das Mindeste!

An dem Beispiel so einer gemeinschaftlich erarbeiteten Enzyklopädie inklusive gemeinschaftlich erarbeitetem Regelwerk kann man die soziale Kompetenz der Mitwirkenden erkennen. Die digitale Bohème als Spiegelbild der modernen Ellenbogengesellschaft – klingt wie ein prima Buchtitel. (Eventuelle Autoren, die jetzt auf dumme Gedanken kommen, werden gebeten, sich rechtzeitig aus der Deckung zu trauen.)

Verzeihung, mir entglitt das Thema. Zeit, es wieder einzufangen:

Als ich gerade an der Verbesserung und, hoffentlich, Rettung des Artikels arbeitete, schrieb mir Sänger Jonas Wingens, der wie ich bisweilen in der progrock-dt-Mailingliste mitdiskutiert, eine Dankesmail, aus der sich ein Dialog entwickelte, in dessen Verlauf es, natürlich, auch um das bereits erwähnte Album ging. Zufällig erfuhr ich so, dass es inzwischen eine Neuauflage mit ausreichend gut lesbaren Buchstaben gibt, die, wohl weil die Produktion so großer Buchstaben übermäßig viel Geld und Arbeit kostet, nicht mehr im Eigenvertrieb für 4 Euro exkl. Versand (selbst schuld, wer meinen Kaufempfehlungen nicht rechtzeitig Folge leistet), sondern für einen etwas höheren Betrag via Long Hair Music – ein CD-Vertrieb, der auch sonst überaus gute Musik im Katalog feilbietet – erhältlich ist. Sollte nun also jemand als Neuleser hier eintreffen und meine Jahresrückschau 2009 lesen: Mein damaliger Kritikpunkt bezgl. der Schriftgröße ist hiermit nichtig.

Und jetzt bleibt zu hoffen, dass der Löschantrag in der Wikipedia abgelehnt wird. Die Entscheidung fällt demnächst.

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Kurz verlinkt VII: Grotesk, grandios und irgendwas ohne „g“.

Grotesk: Die schwarz-gelbe Koalition überlegt sich nun ein „Löschgesetz“ statt der „Internetsperren“.

„Die gegenwärtige Bundesregierung beabsichtigt eine Gesetzesinitiative zur Löschung kinderpornografischer Inhalte im Internet“, heißt es in dem fünfseitigen Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Regierung will also ein Gesetz, aber ein anderes.

Man werde sich bis dahin „auf der Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes ausschließlich und intensiv für die Löschung derartiger Seiten einsetzen, Zugangssperren aber nicht vornehmen“ (…).

Das gefällt mir natürlich erstens inhaltlich, weil es das Thema Internetzensur weitgehend vom Tisch (von welchem auch immer) fegen dürfte, und zweitens propagandistisch, weil der Einfluss und der Zulauf der Piratenpartei eben offenbar doch bereits groß genug sind; ich frage mich jedoch, wie ich mir diese Gesetzesinitiative vorstellen soll, die „auf der Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes“ fußen soll. Es ist nicht legal, Kinderpornografie ins Internet zu stellen, und daran, dass Provider hierzulande nicht erst seit kurzem verpflichtet sind, gegebenenfalls illegale Inhalte umgehend zu entfernen, meine ich mich ebenfalls zu erinnern. Ohne Jux: Das geplante Gesetz würde mich tatsächlich mal interessieren. (Nachtrag vom 10. Februar: Wird wohl nichts mit Entwarnung, schade.)

Grandios nach all dem eintönigen Politikgeschwafel (war dann erst mal wieder mein letzter Beitrag zur Politik, isch schwör): Auf Feynsinn.org gibt es eine fiktive Kurzgeschichte zu lesen, in der die durch stundenlanges Warten auf Ereignisse verschwendete Lebenszeit einen neuen Wert bekommt. Man stelle sich vor, sie sei wie eine Parkuhr. Lesenswert!

Apropos: Außer mir scheinen sich noch zahlreiche weitere Personen über den Entschluss der Betreiber von sf.net echauffiert zu haben, „Schurkenstaaten“ auszusperren, und so hat man als Projektverwalter dort nunmehr selbst die Wahl, ob man seine Projekte auch für Nordkoreaner oder ähnliche Schurken öffnen möchte; rein rechtlich natürlich nur, wenn man kein US-Amerikaner ist – das ist, immerhin resp. leider, schon ein Fortschritt.


Und wer übrigens schon immer mal sehen wollte, wie einfach sich so ein Panzerschrank öffnen lässt, der möge hier hinklicken und sich an dem Anblick ergötzen.

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Tocotronic – Schall und Wahn

Tocotronic ist eine dieser Musikgruppen, von denen man schon mal irgendwo irgendwas gehört hat und mit denen man irgendwas assoziieren kann, selbst ohne bewusst ein Lied von ihnen zu kennen. Was mir spontan bei Tocotronic einfällt: Popkultur. Spex, musikexpress und wie sie alle heißen. Und was mir wiederum bei Popkultur einfällt: Allein das Wort schon!

Vor drei Jahren kam ich erstmals bewusst mit der Musik von Tocotronic in Berührung, begann mich mit deren frühen Alben anzufreunden. „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein„, zitierte auch ich schon und empfand es schon Jahre, bevor ich das Lied kannte, wie wohl die meisten Jugendlichen bisweilen einem Herdentrieb und dem Wunsch folgend, irgendwo Anschluss zu finden. Was das für ein Genre war, war mir damals einigermaßen egal; irgendwie auffällig eigenständiges Indiegeschrammel mit deutschen Texten, die nicht immer einen Sinn ergaben, manchmal aber auch einen, der nach der Hineininterpretation einer möglichst Zeigefinger schwingenden Bedeutung geradezu zu schreien schien; „Geschrammel“ möchte ich hier übrigens keinesfalls als Wertung, lediglich als Beschreibung verstanden wissen.

Dann kam „Kapitulation“, und es stellte einen Richtungswechsel dar: Die Lieder wurden nicht länger, aber ruhiger. Nach dem Abtritt von Blumfeld schienen Tocotronic, wenngleich noch immer kaum politisch textend, ihr musikalisches Erbe antreten zu wollen, und sie machten ihre Sache gut. Stücke wie Harmonie ist eine Strategie oder das Titellied zeigten eine veränderte Band, die längere Texte und mehr Melodie auf auch weiterhin nur kurzer Laufzeit unterbrachte, und selbst ihre juvenil-aggressiven, an frühe Ton Steine Scherben erinnernden Momente (Sag alles ab) klangen irgendwie reifer und, letztlich, besser. Es blieb Geschrammel, aber auf hohem Niveau.

Und jetzt also „Schall und Wahn“. Tocotronic haben sich mit „Kapitulation“ offenbar bei den üblichen Rezensenten beliebt gemacht, und so überschlagen sich die ins Internet schreibenden Hörer quasi vor blinder Begeisterung, und die wenigsten von ihnen versuchen dabei nicht, irgendwelchen Sinn hinter offenkundig albernen Liedern wie „Bitte oszillieren Sie“ zu finden, wirkliche Verrisse gibt es nicht einmal auf Amazon.de zu lesen, wo sich sonst die Schreihälse der Rezensentenszene zu tummeln pflegen. „Schall und Wahn“ ist ein Phänomen. Peter nennt die Presseschau hierzu sinngemäß eine blinde Heldenverehrung von schwafelnden Angebern, und damit hat er vermutlich ebenso Recht wie Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow, der, nach der Bedeutung der Texte befragt, eine zu naive Herangehensweise kritisiert. (Eine der besten Antworten, die ich von einem Musiker je auf eine dumme Frage lesen durfte: „Ich finde [die Frage], ehrlich gesagt, doof.“)

Das Album ist keine Offenbarung voller kryptischer Botschaften, die entschlüsselt werden müssten. Es ist allerdings tatsächlich das am ausgereiftesten klingende Album, das Tocotronic bislang veröffentlicht haben. Der auf „Kapitulation“ eingeschlagene Weg wird weiter verfolgt und geschliffen, in den Texten ist die Weltverbesserung Nonsens („Bitte oszillieren Sie“, „Macht es nicht selbst“) und Reflexion („Im Zweifel für den Zweifel“) gewichen. Mit „Stürmt das Schloss“, ein Lied in der Tradition von „Sag alles ab“, ist auch ein krachender Ohrwurm auf dem Album zu finden. (Ist „SdS“ eine Abkürzung für „Stürmt das Schloss“, oder hat es eine tiefere Bedeutung? Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Liedern, deren Text man versteht, ist es ja, dass die Interpretation allein einem selbst überlassen bleibt – so kann man einem Lied gleich mehrfach etwas abgewinnen und muss dafür nicht einmal kryptische Musikmagazine kaufen.)

Tocotronic sind erwachsen geworden, und sie unterlassen es zum Glück, das auch zu zeigen. Ich nehme an, „Schall und Wahn“ wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben, und ich freue mich über jeden Versuch, den Gegenbeweis anzutreten. Das Album gibt es derzeit auf Deezer.com zum Probehören. Nicht übel. Gar nicht übel.

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In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik XXI: Sprachschuld

Eins der interessantesten Sprachbilder, die Justizberichterstattungen zieren, ist das Schuldigsprechen, das mir soeben wieder einmal auf SPIEGEL Online auffiel:

Mord an Abtreibungsarzt: Todesschütze schuldig gesprochen lautet die Überschrift. Die Vorgeschichte wird kurz erwähnt:

Acht Monate nach der Ermordung des prominenten amerikanischen Abtreibungsarztes George Tiller ist der Todesschütze von einem Gericht im US-Bundesstaat Kansas schuldig gesprochen worden.

(…) Tiller war im Mai vergangenen Jahres im Foyer seiner Kirche in Wichita erschossen worden. Der 67-Jährige hatte eine von drei Kliniken in den USA geleitet, die auf Schwangerschaftsabbrüche im fortgeschrittenen Stadium spezialisiert sind.

Die von mir hervorgehobenen Satzteile sind hier besonders interessant, denn wir lernen:

1. Ein „Todesschütze“ ist noch nicht per se schuldig.
2. US-amerikanische Ärzte besitzen eigene Kirchen.

Und so ein Mordprozess ist in den Handfeuerwaffen nicht unbedingt kritisch gegenüber stehenden Vereinigten Staaten auch sonst recht seltsam:

Er gestand in seinem Prozess, den Arzt im Eingangsbereich der Kirche erschossen zu haben, bekannte sich aber nicht schuldig, weil der Mord an dem Abtreibungsarzt in seinen Augen gerechtfertigt war. Er habe Tiller davon abhalten wollen, „weitere Babys zu töten“. Er bereue die Tat nicht.

Daraus ergeben sich wiederum zwei Folgerungen:

1. Auch ein bekennender „Todesschütze“ ist noch nicht per se schuldig.
2. Reue scheint ein nötiger Aspekt zu sein, um unschuldig zu morden.

Bei SPIEGEL Online stimmt man diesem Aspekt zu, immerhin ist in Fettschrift bereits in der Einleitung zu lesen:

Der Angeklagte zeigte keine Reue vor Gericht: (…)

Hätte er es getan, was hätte sich geändert? Wäre er womöglich also nur schuld, nicht jedoch schuldig gewesen? Ich bin kein Jurastudent oder gar darüber hinaus in juristischen Fragen bewandert, jedoch hoffe ich, dass die deutsche Rechtsprechung da ein wenig undifferenzierter vorgeht. (Nachtrag: Aufklärung vom Fachmann gibt’s in den Kommentaren.)

(Apropos undifferenziert: Dieses unsägliche iPad-Dings ist nicht nur mindestens überflüssig, sondern zudem vor neunzehn Jahren schon besser da gewesen. Nur, damit sich keiner beschwert, dass ich mich zu wenig mit diesem Hype befasse. Das soll’s dann jetzt aber auch gewesen sein.)

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Freiheit für den Schurkenstaat!

„Ja, spinne ich denn?“, so sollte eigentlich der erste Satz dieses Artikels lauten, aber allzu leicht wollte ich es meinen Kritikern auch nicht machen, also hole ich lieber etwas weiter aus:

Wie einige meiner treuen Leser womöglich bereits bemerkt haben, bin ich Entwickler diverser SourceForge.net (sf.net, bewusst nicht verlinkt) lagen, was insbesondere für Teamarbeit einige unschätzbare Vorteile mit sich brachte. Eine der wichtigsten Eigenschaften freier Software ist eben ihre Freiheit, die nicht durch lokale Gesetze wie zum Beispiel ein allzu enges Urheberrecht eingeschränkt werden kann. Laut dem GNU-Projekt, Wegbereiter der freien Software, ist an „frei“ wie in „freier Rede“ und nicht wie in „Freibier“ zu denken, was freie Software von bloßer Freeware (also Gratisprogramme mit Lizenzbeschränkungen) unterscheidet.

Dies war eigentlich eine unumstößliche Wahrheit, die nicht zuletzt dank milliardenschwerer Förderer wie eben sf.net aufrecht erhalten werden konnte.

Nun aber haben sich die Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten zu Wort gemeldet, die von Freiheit (Stichwort: Guantánamo) ungefähr so viel verstehen wie unsere zuständigen Minister vom Internet, und fanden es natürlich gar nicht gut, dass im eigenen Land so viel von dieser Freiheit herrscht, von der auch andere profitieren, selbst so genannte „Schurkenstaaten“, die vor einigen Jahren jemand so bezeichnete, der den USA selbst einen nicht allzu guten Leumund einfuhr; und sie schwangen also ihren längeren Hebel (was ich mir wahrlich nicht vorstellen möchte) und beschlossen ungefähr folgendes:

sf.net solle fortan den fünf Staaten Kuba, dem Iran, Nordkorea, dem Sudan und Syrien jeglichen Zugang zu den eigenen Angeboten verwehren, da dies als „Export in Schurkenstaaten“ gewertet würde, und sf.net gehorchte; nicht aus Überzeugung, versteht sich, sondern weil die GPL und vergleichbare Lizenzen eben weniger Wert besäßen als US-amerikanische Impertinenz Gesetzgebung.

Eine am Montag erfolgte Stellungnahme endete im Wortlaut so:

We regret deeply that these sanctions may impact individuals who have no malicious intent along with those whom the rules are designed to punish. However, until either the designated governments alter the practices that got them on the sanctions list, or the US government’s policies change, the situation must remain as it is.

Frei übersetzt und zusammengefasst: Tja, schade, kann man aber nichts machen; sollen halt die bösen Schurkenstaaten sich kooperativ verhalten, dann ist alles wieder in Ordnung. Es muss dann doch sein: Ja, spinne ich denn?

Von weltweit ansässigen Programmierern erstellte Webseiten, Programme und Datenbanken unterliegen seit neuestem US-amerikanischen Exportbestimmungen („[t]he specific list of sanctions that affect our users concern the transfer and export of certain technology to foreign persons and governments on the sanctions list“, Hervorhebung von mir) und dürfen nicht aus fiesen Staaten wie Nordkorea heruntergeladen werden, weil die US-amerikanische Regierung das nicht so mag?

Wer irgendetwas auf eine US-amerikanische Webseite hochlädt (Google Code, heißt es, habe ähnliche Beschränkungen eingeführt), betreibt also nicht nur Export (komisch; ich war bislang der Ansicht, „Exportieren“ hieße „hinterher isses in einem anderen Land“), sondern überträgt auch noch die Vollmacht zur Lizenzänderung auf die zuständige Regierung. Michael Manske stellt richtig fest:

Man muss sich leider fragen inwieweit man sich bei in den USA betriebenen Plattformen noch des „Open“ in Open Source sicher sein kann.

Da bleibt es einem nur noch übrig, sich an den Kopf zu fassen, langsam bis 10 zu zählen und den geordneten Rückzug anzutreten. Mehrere Entwickler haben bereits Konsequenzen gezogen, ich meinerseits schaue mich auch bereits nach einer neuen, adäquaten Heimat für die letzten meiner dort verbliebenen Projekte um.

Ich rate allen Lesern, die ebenfalls unter einer freien Lizenz entwickeln, dazu, es mir gleichzutun. Freie Software ist kein Politikum, und sie darf es niemals werden. Und das Wichtigste ist: Freiheit gilt auch für „Schurkenstaaten“.

Um das zu erkennen, muss man wahrlich kein Schurke sein.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt V: Von weltlichen Werten, Weltkonzernen und Weltsprachen

Weltliche Werte halten Einzug in das „Web 2.0“, das Netz, in dem man intimste Details mit „Freunden“ teilt oder zumindest mit irgendwelchen Leuten, die in einer „Freundesliste“ stehen; im Zweifel also mit der ganzen Welt. Und weil man ja nichts zu verbergen hat und man die „neue“ Technik gern dazu nutzt, Menschen gleicher Interessen kennen zu lernen, hat man in den USA einen neuen Trend der dortigen Netzbewohner aufgespürt:

Dank Blippy können Nachbarn und Freunde im Internet sehen, was der Einzelne per Kreditkarte bezahlt: Musik, Schuhe, Hotel mit der Geliebten. Das soll Spaß machen (…). Seit wenigen Tagen ist der Zugang für alle offen.

Spaß! Feiern! Gute Laune! Diese albernen bunten Hütchen aufsetzen, der Welt seine Rechnungen präsentieren und pausenlos dümmlich grinsen. (Hat irgendein verrückter Wissenschaftler eigentlich irgendwann mal Nervengas in US-amerikanische Belüftungsanlagen gekippt? Anders kann ich mir das nicht erklären.)

Der ebenfalls US-amerikanische Weltkonzern Apple wirft mal wieder ein neues, nutzloses Produkt auf den Markt, und die berichtenden Pressevertreter überschlagen sich mal wieder geradezu in Lobhudeleien. Eine Analyse des SPIEGEL-Online-Berichtes hat Nicolas Neubauer vorgenommen, die zeigt, warum man Berichterstattungen über Apple-Produkte grundsätzlich kritisch gegenüber stehen sollte. Lesenswert und amüsant.

Apropos amüsant: Ein Leser wies mich mit den Worten „selten so fremdgeschämt wie in diesem vid, und zeitgleich kriegste übelst wut“ (in Originalschreibweise) auf dieses Video hin, in dem der zur Endlagerung in Brüssel vorgesehene baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger die so genannte Weltsprache Englisch als Amtssprache der Europäischen Union (deren Mitgliedsstaaten eben immer noch mehrheitlich deutschsprachig sind, was gern vergessen wird) anpreist und seine eigenen Kenntnisse dieser Sprache demonstriert. Um Himmels Willen, möchte ich da beinahe ausrufen, nein, bitte nicht!

In den NachrichtenNerdkrams
formspring.me: Keine weiteren Fragen.

Eine der unmöglichsten Auswüchse dieses Web zweipunktnull ist derzeit der Dienst formspring.me (aus reinem Trotz ohne anklickbaren Verweis), den zwar, wieder mal, alle nutzen, aber von dem keiner so genau weiß, wofür eigentlich. Angeboten wird ein schlichtes Formular, das dazu genutzt werden soll, dem Besitzer (möglichst kurze) Fragen zu stellen; sozusagen Twitter in Dialogform.

Da die Fragen grundsätzlich anonym gestellt werden, kann man formspring.me prima nutzen, um Selbstvermarktung (Dialoge mit sich selbst) wie auch Pöbeleien an den Mann zu bringen. Welchen guten Zweck also kann dieser Dienst erfüllen?

Franziska Bluhm schrieb richtig:

Freunde fragen direkt, per Mail oder Telefon, Bekannte vermutlich auch und die meisten Internetler haben ja mittlerweile zigtausend Möglichkeiten der Kommunikation.

Was macht also den Reiz aus? Ich weiß es nicht. Vielleicht gehört erstmal ein großes Ego dazu, sich da überhaupt anzumelden. Man muss ja schließlich erst einmal davon ausgehen, dass die Welt da draußen wirklich Fragen stellen will (…).

Ich kenne selbst einige formspring.me-Nutzer, keiner davon konnte mir bisher einen brauchbaren Grund für seine Teilnahme nennen. Das häufigste Argument: formspring.me ist das kommende Ding oder vergleichbares. Die Meinungen gehen entsprechend auseinander: Die einen beklagen die mangelnde Transparenz und nennen formspring.me eine bloße Werbeaktion des Anbieters, die anderen werfen wieder mal Unsinnstermini wie „das bessere Twitter“ in den luftleeren Raum und freuen sich, dass sie endlich die Möglichkeit haben, wildfremden Menschen ihr Privatleben zu offenbaren.

Guter Vorsatz für 2010: Auch diesen Dienst erfolgreich meiden.

Ohne weiteren Kommentar zum Schluss noch meine Lieblingsnachricht der letzten Tage: Guantánamo kann noch nicht geschlossen werden, weil sie erst Geld für ein anderes Gefängnis brauchen, in dem sie dann, vermutlich, eigentlich genau das gleiche praktizieren werden.

(Der jährliche Gedanke an Heiligabend: Wer nur einmal im Jahr in die Kirche rennt und lieben Leuten Geschenke macht, hat einen Grundgedanken des Weihnachts-„Festes“ gründlich missverstanden und sollte sich schämen.)

Nerdkrams
vis, Vim, vi

Mein Vim mit deaktivierten überflüssigen Leisten beim Schreiben dieses Textes.Da ich in den letzten Tagen schon Kommilitonen, Onlineforen und das IRC damit belästigt habe, ist es nur konsequent, dass ich mich auch hier wieder einmal mit einem Thema befasse, das eher meine computeraffinen Leser interessieren dürfte und das alle anderen Besucher wahrscheinlich Augen rollend überlesen werden:

Vim ist der beste Vielzweckeditor dieses Planeten.

Ursprünglich als ein quelloffener Nachbau des inzwischen über 30 Jahre alten UNIX-Programms vi (kurz für visual) programmiert, hat sich Vim inzwischen dank des eingebauten Skriptinterpreters zu einem der flexibelsten und mächtigsten plattformunabhängigen Texteditoren gemausert, dessen Tastenkürzel längst auch in anderen Programmen genutzt werden und, einmal auswendig gelernt, die eigene Produktivität um ein Vielfaches erhöhen können. Einmal Vim, nie wieder etwas anderes. Häufig benutzte Tastenfolgen können sogar als Makro gespeichert werden, so dass auch komplexe Textänderungen durch das Drücken weniger Tasten immer wieder wiederholt werden können.

Dieser Beitrag soll dem Zweck dienen, interessierten Lesern einen kurzen Überblick über Vim unter Windows (erbitte Verzeihung für diese Einschränkung) zu vermitteln und zu zeigen, dass Bedienkonzepte aus einer Zeit, in der Tastaturen noch ganz anders aussahen und Betriebssysteme nicht selten UNIX hießen, nicht automatisch Schnee von gestern sein müssen, sondern auch heute noch viele Vorteile bieten.

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FotografieMusikNerdkramsPersönliches
Realsatire in Hannover

Vogelspuren im Schnee
Vogelspuren im Schnee
Hier war gestern, was immerhin mindestens eine weitere Person bemerkt hat, statt der gewohnten unprofessionell wirkenden Textwüste nur eine schlichte Textseite zu sehen, die in schwarzer Schrift einen Wartungsmodus implizierte.

Was war kaputt?

Nun, ich war wieder einmal eifrig dabei, dieser Internetpräsenz einen aktualisierten WordPress-Unterbau zu verpassen, als ein übler Fehler auftrat, indem die Aktualisierung der Datenbank dieses Systems, manchmal immerhin mit irre führender Fehlermeldung, schlicht fehlschlug. Eine Anfrage im deutschsprachigen Hilfeforum brachte mich der Lösung des Problems leider nicht näher, so dass ich als Notfalllösung erst einmal eine kurze Information hinterließ und mich zu meiner sonnabendlichen Unternehmung aufmachte, die aus einem Besuch auf dem Hannöverschen Weihnachtsmarkt (will sagen: gemeinschaftlichem Warmgetränkekonsum mit Niveau und einem möglichst griesgrämigen Gesichtsausdruck wegen der Musik [Last Christmas! Argh!] und wegen des Wetters und wegen Weihnachten allgemein) bestehen sollte.

Vor meiner Abfahrt hatte ich mich noch gewundert, wieso auf bahn.de seit kurzem „pünktlich“ neben manchen Zugverbindungen zu lesen ist. Inzwischen habe ich es herausgefunden: „Pünktlich“ bedeutet „die planmäßige Abfahrtszeit wird ungefähr eingehalten“, alles andere bedeutet auch wirklich alles andere. Sollte hier jemals der zuständige Finanzheini der Deutschen Bahn vorbeischauen: Ihr könntet eine Menge Geld sparen, wenn ihr das mit den Fahrplänen einfach ganz sein ließet und lieber in ein paar zusätzliche digitale Informationstafeln investiertet. Gerade derzeit, da technische Schwierigkeiten auf vereisten Strecken offenbar der Regelfall sind, ist es doch ein ziemlicher Unsinn, von „planmäßigen Abfahrtszeiten“ zu reden, die sich dann, je nach weiterem Streckenzustand, immer wieder ändern. Immerhin beweisen eure Durchsager trotz entfallener Ruhepause zwischen Hin- und Rückfahrt noch Humor: „Wenn Sie wollen, dass dieser verdammte Zug endlich weiterfährt, machen Sie bitte die Türen frei!“. Das hat dann auch funktioniert.

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In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePersönlichesPolitik
Opera Unite: Kinderkram für Sensationslüsterne

Zwischendrin wieder einmal ein kurzer Beitrag für unsere Computerfreunde:
Mit einem wie üblich riesigen Brimborium hat Opera Software das neue Opera Unite zum Testen freigegeben, eine Art virtuelles soziales Netz auf dem eigenen PC, das unter anderem den einfachen Austausch von Dateien ermöglicht.

Hierzu wird ein minimaler Webserver auf dem eigenen Rechner gestartet, der dann mit den gewünschten Inhalten, zum Beispiel Bildergalerien, bestückt werden kann. Außerdem kann man anderen Unite-Nutzern Notizzettel hinterlassen, falls diese abwesend sind.

Nun bietet Opera Unite trotz des Wirbels, den man um es macht, nichts, was es nicht seit Jahren schon gäbe. Das plattformunabhängige Sockso zum Beispiel dient als lokaler Musikserver, Abwesenheitsnachrichten kann man über viele Messenger-Protokolle hinterlassen, und der Austausch von beliebigen Dateien über einen Server ist mit lokal installierbaren FTP- und HTTP-Servern inzwischen auch für Einsteiger problemlos durchführbar.

Insgesamt bietet Opera Unite also nichts, was die Nutzung des Internets revolutionieren würde. Im Gegenteil, die Nutzung eines lokalen Webservers für derlei teils triviale Zwecke ist eine Verschwendung von Computerleistung, mithin elektrischer Energie und damit Geld.


Prima hingegen: In Deutschland wird für die Verbesserung von Schul- und Studienbedingungen gestreikt. Ein ehrenhaftes Ziel, wenn auch manche offenbar über die Stränge schlagen:

Und als schließlich etwa achtzig Protestler die Hörsäle stürmten und “Solidarisieren, Mitmarschieren!” skandierten, wusste ich plötzlich wieder ganz genau, warum mir das alles nicht gefällt: Ich mag einfach kein Gebrüll und kein Marschieren.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Streik zumindest Kompromisse schließen lässt; ein funktionierendes Bildungssystem ist die Grundlage für einen funktionierenden Staat. Aber die Streikenden sollten es nicht versäumen, weiterhin friedlich zu agieren. Schief gegangen ist es zuletzt vor etwas über 40 Jahren.

Toi, toi, toi!
Sozusagen.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Die Aprilscherze dieses Jahr sind ja mal wieder ein Brüller.

heise bringt, wie eigentlich immer, irgendwas Obskures über Geheimdienste, die IRC-Galerie tut ebenfalls so, als wäre sie von einem Ministerium gekapert worden, blendet zudem am unteren Rand jedoch einen unerträglichen roten Balken ein (an alle, die laut Statistik danach suchen: Hiermit bekommt man ihn weg!), und WinFuture.de ist auch nicht sonderlich einfallsreich.

Gefallen tut mir allenfalls der Scherz, dass der seltsame skandinavische Browser Opera nach den Maus- nun auch Gesichtsgesten einführen soll. Einmal blöd gucken, um eure Lieblingsseite anzuzeigen, sozusagen. Habe gegrinst. (Die Seite blieb allerdings geöffnet.)

Gar nicht lachen konnte ich übrigens auch über die Nachricht, dass die GEMA Geld von YouTube kassieren will. Ob das auch ein verdammt aufwändiger Aprilscherz war?

Es ist schon schlimm mit diesem Tag.

(Und dieser „Bärlin, du bist so wunderbar“ intonierende Werbeheini geht mir auch auf die Nerven. Ich kann mir zwar nicht merken, wofür er wirbt, aber auf Berlin habe ich die nächsten geschätzten 107 Jahre keine allzu große Lust mehr. Spart Geld, immerhin.)

Nerdkrams
Das Ende einer Ära

Kein Scherz, um so trauriger:
Nachdem das Ende von Windows XP offiziell angekündigt wurde, ist nun auch für Windows 3.11, den Vorgänger von Windows 95, endgültig Schluss:

for those that were not aware, we recently announced that effective November 1st, 2008, OEM’s will no longer be able to license Windows for Workgroups 3.11 in the embedded channel. Now we all know that it’s been long gone in the standard (retail/OEM) channel, but one of the unique things in the embedded business is that we allow the classic OS products to be sold longer than the other channels. it’s *finally the end of an era!

(Quelle)

„Sag zum Abschied leise servus…“

NerdkramsProjekte
Neues Weblogdesign

Das letzte, wie ich hoffe.
Diverse kleine Anpassungen werden vermutlich noch folgen, einige wurden bereits vorgenommen. Verbesserungswünsche bitte hier unten drunter und nicht wieder anderswo damit nerven.

Danke an meine Muse fürs Inspirieren.

Off-Topic zu Ende, prost.

NerdkramsNetzfundstücke
Frage des Tages

What is your favorite number between 0 and 20? (runterscrollen bis „THE BUZZ“) – amüsantes Völkchen, diese Wisconsiner!

Könnte natürlich auch am Land liegen; die haben halt keine anderen Sorgen als Lieblingszahlen und eventuell böse Hacker; ich zitiere mal:

Der Anti-Spam-Aktivist David Ritz ist von einem Gericht im US-Bundesstaat North Dakota zur Zahlung von insgesamt 60.000 US-Dollar und zur Übernahme von Anwaltskosten verurteilt worden. Sein Vergehen: Er benutzte den UNIX-Befehl „host -l“ und stieß damit einen Zonentransfer beim DNS-Server der Firma Sierra Corporate Design an.

(…)

Das Gericht stellte fest, dass Ritz dabei seine „Identität hinter Proxies verbarg, ein UNIX-Betriebssystem verwendete und neben anderen Methoden Shell Accounts einsetzte. Außerdem gab er sich als Mail-Server aus.“ Die auf diese Weise gewonnenen Informationen machte Ritz publik. Diese Information, stellte das Gericht fest, sei nicht öffentlich verfügbar gewesen. Damit habe Ritz die Datensicherheit von Sierra gefährdet, Ritz sei also als Hacker einzustufen, schließlich sei der Befehl „host -l“ dem normalen Anwender nicht bekannt.

Beziehungsweise eben dies:

Ritz has port scanned thousands of computed, including those of Sierra.

Da wünscht man denen fast den CCC auf den Hals.

Kopf -> Tisch -> Tisch kaputt,
– euer PPPinguin

Nerdkrams
Internet Explorer 7: Review

Weil ich das im letzten Blogeintrag nicht mehr verwursten konnte, hier mal außerhalb der Norm ein kleiner Technikbericht…
Habe als technisch interessierter Weblogger einen kurzen Blick auf den neuen Internet Explorer geworfen; und wie schon Gevatter Gaul (Ren & Stimpy Show) sagte: Nein, Sir, gefällt mir nicht.
 
 
Was sofort auffällt
Erster Start: Aha, die zahllosen Vorab-Screenshots hatten leider Recht, das Ding sieht zum Verzweifeln aus. Aber interessanterweise hat Microsoft endlich mal eine Oberfläche entwickelt, die sich nicht ins Standardaussehen von Windows (das ja per se auch nicht sonderlich attraktiv ist) einfügt.
(Fast noch schlimmer treiben sie’s bisher nur in Office 2007; wer Screenshots sucht, kann sich ja mal hier umschauen…)
 
Standardmäßig keine Menüleiste, überhaupt keine Symbolleiste; für Deskmodder ein Graus. Stattdessen „Tabbed Browsing“ (mehrere Seiten in einem Fenster), „Livefeeds“ (RSS-Ticker als dynamische Lesezeichen) und eine Adressleiste, über deren Inspiration ich nicht allzulange nachdenken musste:
 

Firefox
 

Internet Explorer
 
Übrigens, diese tuffigen Symbole rechts neben den Tabs im IE lassen sich für Firefox auch nachrüsten; die entsprechende Erweiterung nennt sich „MenuX“, gibt’s hier
 
 
Technische Aspekte
Die schlechte Nachricht zuerst: der neue IE benutzt neue Standardschriftarten, is‘ also nix mehr mit „sans-serif = Arial“; hier werden Webdesigner umdenken müssen.
Schönerweise hingegen wurde die Rendering-Engine endlich mal komplett umgekrempelt; es gibt immer noch einige Unstimmigkeiten zwischen den CSS-Standards und der IE-Darstellung, aber bisherige Firefox-Pluspunkte wie zum Beispiel fest stehende Textcontainer (fixed) können jetzt ohne krude Browserweichen dargestellt werden.
 
Auch sehr schön sind die neuen Sicherheitseinstellungen: fast alle relevanten Neuerungen von Firefox 2.0 (allen voran der Phishingschutz) finden sich im IE wieder; jetzt hängt Microsoft nur noch wenige Monate anstelle vieler Jahre hinterher, Respekt (kleiner Zynismus an dieser Stelle)!
 
Und beim Featureklau aus Firefox war Microsoft großzügiger als erwartet: Im Popupmenü „Extras“ – das die sehr unpassend platzierte Menüleiste gut ersetzen kann – findet sich sogar ein Addon-Management, das für die Verwaltung von Browserplugins (BHOs, Browser Helper Objects) zuständig ist; sehr nützlich, wenn Verdacht auf infizierte ActiveX-Objekte besteht.
 
 
Resümee
Der Internet Explorer 7.0 ist – das muss ich als sonst Microsoft-kritischer Benutzer leider zugeben – eine sehr brauchbare Erfindung. Es wurde nicht am falschen Ende gespart; die Neuerungen in der CSS-Darstellung waren (und sind) ebenso wichtig wie das Tabbed Browsing – bisher ein K.O.-Kriterium im Browservergleich. Auch die Sicherheitsfeatures sind ein Schritt in die richtige Richtung. Lediglich das bunte Durcheinander der Oberfläche hätte nicht sein müssen; warten wir mal ab, was noch passiert…


So, ‚tschuldigt den kleinen Exkurs, der nächste Eintrag wird wieder interessanter…
– euer Cyberterrorist