Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXIX: … aber für’s Fernsehen niemals!

Achwat, Sarah Kuttner?

Sich selbst findet Kuttner „viel harmloser, als alle glauben: anständig, nicht ernsthaft rabaukig“, und sie sage „nicht am laufenden Band ficken, kacken, kotzen. Ich bin nicht anstrengend, und nackig mach ich mich im TV schon gar nicht“, so die Autorin (…).

Das wäre bekanntlich unter ihrer Würde. Sie weiß, wovon sie spricht, sollte man meinen:

Im Juli 2003 erschienen von ihr Aktfotos in der deutschen Ausgabe des Playboy.

Und Frau Kuttner dann so:

„(…) Bestenfalls muss man auf sein eigenes Wertesystem verzichten. Ein erfolgreicher Moderator ist sich für kaum etwas zu schade.“

Außer halt fürs Fernsehen.

(via @chriszim (via @janboehm))

Netzfundstücke
Obama: Rechts im Bild.

Nun kann man bei diesem Artikel auf n24.de schon die Überschrift amüsant finden:

Obama begnadigt „Peace“ und „Liberty“

Die Todesstrafe für Frieden und Freiheit wird also auf unbestimmte Zeit ausgesetzt; das ist erfreulich. Tatsächlich aber handelt es sich bei „Peace“ und „Liberty“ um Truthähne.

Und weil man so einen Truthahn nur schwer von US-amerikanischem Nachwuchs unterscheiden kann, bin ich der Redaktion von N24 für die wichtige Bildunterschrift natürlich sehr dankbar:

Beinahe hätte ich sie verwechselt.

(Danke an L.!)

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt LXVII: Was wirklich gegen Terrorismus hilft, …

… der nicht nur aktiv gefördert, sondern auch tatkräftig unterstützt wird vom so genannten „Verfassungsschutz“, der die Verfassung ungefähr so erfolgreich schützt wie der „schwarze Block“ die Demokratie, ist nicht etwa ein NPD-Verbot, sondern es sind mehr Kompetenzen.

Mit der Vorratsdatenspeicherung nämlich wäre das alles nie passiert. Weil das mit der Vorratsdatenspeicherung nicht so leicht ist, muss stattdessen eine andere Lösung her, sagte schon Ehrhart Körting von der (Achtung!) SPD (Tusch!) im Jahr 2004; die sich allerdings auch nicht entscheiden kann, ob die Vorratsdatenspeicherung nun gut oder nicht so gut ist.

Er brachte seinerzeit einen Vorschlag ein, der sich schon eher nach der SPD anhört und den jetzt vor dem Hintergrund der Geschehnisse um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ auch Innenminister Friedrich aufgreift.

Wie nämlich verhindern wir in Zukunft, dass der Verfassungsschutz die Aktivitäten terroristischer Vereinigungen (ein scheußlicher Terminus) nicht nur nicht bekämpft, sondern auch noch aktiv unterstützt oder gar initiiert; dass also eine Bande gewaltbereiter „Verfassungsschützer“ bis dahin eher gemäßigte Bürger zu Neonazitum anstiftet und so Terrororganisationen im Untergrund errichtet, über die sich hinterher alle wundern?

Klar:

Nach den Ermittlungspannen im Fall der Neonazi-Mordserie will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Verfassungsschutz auf Bundesebene stärken.

„Ermittlungspannen“; kann ja mal passieren. Wir können beruhigt sein, dass die CSU sich jetzt endlich mal darum kümmert.
Dann kann nämlich nichts mehr schiefgehen.

Netzfundstücke
Playboy? logo!

Man müsse ja mit der Zeit gehen, argumentierten die Macher der Kindersendung logo! und staffierten ihre Moderatoren neu aus:

(via chriszim)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kurzform: Kaufen Sie nicht verkäufliche Waren hier!

Ganz großes Tennis auch, CHIP.de:

All der Hickhack um die aktuellen Entwicklungen um Apple und ein Verkaufsverbot oder Nichtverkaufsverbot von iPhones in Deutschland aufgrund verfahrenstechnischer Gegebenheiten kann euch nicht davon abhalten, noch ein wenig Kohle in Form von Provision zu scheffeln, der automatisierten Einblendung von irgendwelchem Werbeunfug sei „Dank“.

Das Landgericht Mannheim verbietet Apple für Deutschland mit sofortiger Wirkung den Verkauf von Geräten, die ein Mobilfunk-Patent von Motorola verletzten (sic!).

Allerdings verweist Patent-Experte Müller zu Recht darauf, dass es Apple Inc. hierzulande nicht nur verboten ist „mobile Geräte zu liefern“, sondern auch sie „anzubieten“.

Günstig kaufen: Apple iPhone 4 32GB ab 449,90 €

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Kopfwehtexte: Julia Schramm und das Schwurbelproblem

(Vorab: Dies ist die Wenigerkurzfassung eines Beitrags, den ich bereits anderswo veröffentlicht hatte. Wer ihn schon kennt, der möge anderswo weiterlesen.)

Im August 2011 habe ich zum ersten Mal etwas ausführlicher von der so genannten „Spackeria“, einer Ansammlung von Menschen mit der immerhin recht eigenwilligen Ansicht, Datenschutz sei nicht mehr zeitgemäß oder so, gehört, als Spackeria-Mitglied (oder heißt das „Spackerin“?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Partei aufgrund der Ansicht besagter Ansammlung von Menschen einigermaßen unbeliebt machte. Das Thema ebbte allerdings wenig später ebenso ab wie das Thema „Staatstrojaner“; manches lässt sich eben ganz gut aussitzen. Abgesehen von Michael Seemann, besser bekannt als mspr0, dessen eines Blog ich manchmal lese, aber selten verstehe, verschwanden Julia Schramm und die Spackeria wieder aus meinem Wahrnehmungsfeld.

Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigentlich ist, von obigen Eigenschaften einmal abgesehen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht sonderlich interessieren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, verstehe ich zumindest, wieso die Spackeristen beim einfachen Volk so unbeliebt sind: Sie verlieren sich in endlosem Geschwurbel ohne Hand und Fuß.

Die Spackeria hat ein Schwurbelproblem.

Der Michael Seemann hat manchmal interessante Ideen (die ich zum großen Teil allerdings nicht so toll finde und nicht verwirklicht sehen will – aber man darf ja durchaus auch andere Anschauungen interessant finden), nur hat er das Problem, dass er diese Ideen unter seitenweise Geschwurbel versteckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.

Heute nun hat sich Julia Schramm wieder zu Wort gemeldet; nicht allerdings als Vertreter der post-privacy, sondern als Mitglied der Piratenpartei. Für den „Freitag“ referierte sie über das vermeintliche „Geschlechterproblem“ der Piratenpartei.

Gegen die Einleitung habe ich, von der Interpunktion abgesehen, nicht einmal etwas einzuwenden:

Bei den Piraten kämpfen die männlichen gegen die weiblichen Nerds. Der gegenseitige Vorwurf: Frauen- bzw. Männerfeindlichkeit. Dass es um Teilhabe geht, vergessen alle

So weit, so richtig, und so wenig werden die Grünen das jemals verstehen. Und dann aber:

Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer, sträuben sich innerhalb der Partei mit erstaunlicher Heftigkeit gegen den Begriff Feminismus.

„Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer“, also insbesondere Mitglieder beider Geschlechter, nicht aber Hermaphroditen (?!), sträuben sich als Piraten gegen den Begriff Feminismus? Nein, gegen den Begriff hat niemand etwas, nur gegen Geschlechter- statt Kompetenzquoten, aber das kann man ja mal verwechseln, wenn man sich schon „Spackeria“ nennt. Wobei, nur wenige Sätze später, es heißt:

Für einige ist Feminismus synonym mit Quote.

Unter anderem anscheinend für einen Teil der Autorin, der andere Teil der Autorin hat es verstanden, behauptet er; oder behauptet es der andere? (Ihr merkt, liebe Leser: Texte von Julia Schramm zu verstehen ist nicht leicht.)

Während nun der Piraten-Nerd zum so verhassten Internetausdrucker beim Thema Feminismus wird, mutieren die durchschnittlichen FeministInnen zum Nerd und beschimpfen den Piraten-Nerd für den eklatant uninformierten Umgang mit feministischen Begriffen und dem dazugehörigen Denken.

Diesen Satz musste ich dreimal lesen. Wer schafft weniger? – Der Nerd also wird zum Antinerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Feminismus geht; bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Nichtpiratennerds von allem außer Feminismus keinen Schimmer haben? Bedeutet das überhaupt irgendetwas?

Ich habe es immer noch nicht geschafft, besagten Text zu Ende zu lesen, ohne vollends den Faden zu verlieren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Vermutung bestätigen, dass der Text keinerlei weitere Informationen enthält?

Weiter unten – das fiel mir beim Überfliegen auf – schrieb Julia Schramm dies:

Denn nur über Exklusivwissen und gemeinsames Handeln wird die so lang ersehnte Inklusion vollzogen, die so viel gutes Gefühl, ja Anerkennung vermittelt.

Vielleicht schreibt man als Mitglied der Spackeria seine Veröffentlichungen ja deshalb immer so, dass keiner, der nicht aus dem gleichen Wissensfundus schöpft, noch versteht, worum es eigentlich geht: Dies gewährleistet eine Exklusivität der eigenen Interessensgemeinschaft, denn die Einstiegshürde, nämlich das nötige Abstraktionsvermögen, um den Sinn zu erkennen, erscheint für Außenstehende unüberwindbar.

Mein Kopf tut weh, ich mach‘ die Augen zu… (Nena)

NetzfundstückePiratenparteiPolitik
Katrin (CDU): Vogel.

Der Preis für größtmöglichen Realitätsabstand geht in diesem Monat traditionell wieder an die CDU, diesmal an das dortige Mitglied Katrin Vogel, die irgendjemand blöd genug war zu wählen und die deshalb folgenden Unsinn unredigiert in irgendein – zum Glück nur lokales – Quatschblatt drucken lassen durfte:

Wahr ist, dass die Piratenpartei sich für eine Lockerung des Betäubungsmittelgesetzes einsetzt, um so etwa der Drogenmafia das Geschäft zu ruinieren und sie so letztendlich überflüssig zu machen. Komplett daneben liegt sie aber mit der Behauptung, die Piratenpartei unterstütze den freien Zugang zu Kinderpornografie im Internet. Inzwischen habe sie das eingesehen, schreibt Frau Vogel:

Im Programm der Piraten habe ich viele Punkte zur Ablehnung der Zensur im Internet gefunden aber keine Äußerung zur Verurteilung von Kinderpornographie im Internet oder Vorschläge zur deren Bekämpfung.
Durch hunderte von emails, als Reaktion auf meinen Artikel, ist mir deutlich geworden, dass es offensichtlich Ziel vieler Mitglieder oder Anhänger der Piraten ist, kinderpornographische Seiten komplett zu löschen.

Sie wirkt ehrlich überrascht. Wie, die Piratenpartei steht gar nicht für kostenlose Kinderporno-Flatrates?!

Fünf Jahre Piratenpartei kann man eben schon mal verschlafen, wenn man in der CDU ist, und mit dem langweiligen Geschwätz, das Parteien von sich geben, die nicht mal im Bundestag sitzen, muss man sich ja ohnehin nicht beschäftigen. Da steht die Union drüber, gelle? – Ich frage mich, ob die Entschuldigung es ebenfalls in dasselbe Quatschblatt schafft. Ich bin kein Jurist, aber ich bezweifle, dass dieses halbherzige „hoppla!“ die bereits geschehene üble Nachrede nebst negativen Folgen für das Ansehen der Piratenpartei bei Lesern des Quatschblattes im Nachhinein aufhebt. Um es mit Katrin Vogel zu sagen:

Demokratie hat auch Grenzen.

Aber nur so ein Denkanstoß, Frau Vogel: Wofür genau steht eigentlich Ihre CDU, die Kinder für ihren Wahlkampf missbraucht und nicht davor zurückschreckt, entsprechendes Material auch öffentlich vorzuführen? Für angewandtes Arschlochtum?

Das wird man ja wohl noch fragen dürfen in diesem Land.


Nachtrag vom 30. November 2011: In den Kommentaren zu diesem Beitrag hat Katrin Vogel meine Vermutung, eine Korrektur würde ausbleiben, widerlegt. Danke hierfür.

Netzfundstücke
Licker in front of the village!

Ich gebe zu, ich habe von Ökonomie nur allzu wenig Ahnung. Als Geschäftsführer eines kundennahen Unternehmens würde ich wohl kläglich versagen, auch deshalb, weil Kunden mir im Arbeitsleben als der Hauptgrund für nicht eingehaltene Fristen und allgemein eher als Störquelle erscheinen.

Was mir weniger unwahrscheinlich Freude bereiten würde, wäre eine Tätigkeit als derjenige Unternehmenskasper, der für das öffentliche Auftreten zuständig ist. Mit Nonsensberufsbezeichnungen wie „public relationship manager“ oder sonstigem Firlefanz will ich mich dafür gar nicht unbedingt „schmücken“ können, aber die Aufgabe selbst ist inzwischen anscheinend lächerlich einfach geworden, gemessen an dem dafür in Aussicht gestellten Gehalt.

Die Firma Schlecker nämlich durfte in den letzten Wochen viel Kritik für ihr neues Unternehmensmotto „For you. Vor Ort.“ einstecken, die zusätzlich anschwoll, als Schlecker erklärte, man habe sich dem eher niedrigen Bildungsniveau des typischen Schleckerkunden angepasst. Anders ausgedrückt: Wer ständig Englisch quäkt, ist blöd.

Diese Paraphrasierung missfällt Schlecker aber ebenfalls, denn so habe man das gar nicht gemeint:

Nun kommentieren einige Internet-Nutzer den veröffentlichten Brief und setzen ein niedriges und mittleres Bildungsniveau mit „dumm“ oder „unterbelichtet“ gleich. Das ist in der Sache ebenso falsch und zynisch, (sic!) wie aus unserer Sicht unverschämt und arrogant. Es entlarvt letztlich diejenigen, die sich derart äußern.

Liebe Leser, liebe Firma Schlecker, man helfe mir doch bitte ein wenig auf die Sprünge:

„Unsere Kunden haben in der Regel ein bestenfalls durchschnittliches Bildungsniveau“ bedeutet nicht, dass man seine eigenen Kunden auf unverschämte und arrogante Weise für, nun, eher ungebildet hält? Aber was denn dann? Für „dümmlich“ nämlich hält man sie nicht:

Unsere Mitarbeiter, die zum überwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.

Sie sind eben Prekarier, wat willste machen; aber dümmlich sind sie ganz sicher nicht!

Eigentlich sei die Aufregung aber auch völlig überzogen, heißt es im Hause Schlecker weiter, denn, meine Güte, so ein Unternehmensmotto sei ohnehin bedeutungslos:

Wir haben uns bewusst auch deshalb für das Motto entschieden weil es polarisiert, weil sich Menschen darüber austauschen und weil es in Erinnerung bleibt. Genau das ist die Kernaufgabe eines Unternehmensmottos.

Ach so – ich war bislang der Meinung, ein Unternehmensmotto solle das Selbstbild des Unternehmens und seine Werte reflektieren und nicht für billige Schlagzeilen herhalten.

Aber ich habe, wie erwähnt, natürlich auch keine Ahnung von Wirtschaft.

(Bonuspointe für Leser aus den schleckernahen Bildungsschichten: Das Schlecker-Blog ist zurzeit unter fäkaler Subdomäne zu erreichen.)

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXI: Probleme.

Probleme hat das Unternehmen Google in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Es kursiert aber ein Google+-Beitrag eines Google-Beschäftigten, der ihn versehentlich für alle Besucher sichtbar gemacht hatte, dies aber dann doch noch bemerkte und – zum Glück zu spät – den für interne Kreise bestimmten Text löschte. Ja, Google und die Transparenz.

Worum es in besagtem Beitrag geht? Nun, der Schreiber nennt das größte Problem von Google, gemessen an Konkurrenten wie Amazon und Facebook, beim Namen: Mit Plattformen haben sie es nicht so.

That one last thing that Google doesn’t do well is Platforms. We don’t understand platforms. We don’t „get“ platforms. Some of you do, but you are the minority.

Für jene, die der englischen Sprache zumindest leidlich mächtig sind und schon immer mal herzlich über Manager und Google-Interna lachen wollten, ist das eine großartige Lektüre. (Vorsicht, Geeksprache enthalten.)


Probleme eher mathematischer oder ähnlich theoretischer Natur haben oft auch viele Darsteller in den Filmen, in denen Menschen mit fortlaufender Spielzeit immer weniger Kleidung am Leib tragen. Dass die zu lösenden Probleme oft eher trivial sind, fällt dem Betrachter dabei selten auf, denn der Schnitt sorgt oft dafür, dass er davon abgelenkt wird, zu bemerken, dass die Protagonisten oft zu blöd für die einfachsten Aufgaben sind.

Aber wofür gibt es das Deep Web Internet? Konsequenterweise ist den Problemen auf Tafeln in so Filmen eigens ein Blog gewidmet.

Viel Spaß und einen schönen Sonntag!

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Dennis Ritchie

Was bei den noch immer andauernden Nachrufen auf Steve Jobs und die bange Frage, wie es denn nun mit Apple weitergehe, wohl mal wieder keiner mitbekommen hat:

Am 9. Oktober 2011, nur wenige Tage nach Steve Jobs, verstarb mit Dennis Ritchie einer der wirklich essenziellen Persönlichkeiten der EDV-Geschichte, ohne den Apple vermutlich ebenso wenig existieren würde wie Linux und Windows in ihrer heutigen Form, denn er hat nicht nur die Programmiersprache C, die für spätere Entwicklungen wie C++ und Java maßgeblich war, entwickelt, sondern auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Betriebssystems Unix gehabt, aus dem später BSD (und, darauf basierend, Mac OS X) und viele weitere Betriebssysteme erwuchsen. Selbst Windows bedient sich einiger Konzepte, die erstmals in Unix zu finden waren.

Kristian Köhntopp bringt es auf den Punkt:

Es ist absolut unmöglich, mit Computern zu arbeiten und mit den Arbeiten und den Ideen von Dennis Ritchie nicht an jedem einzelnen Tag in direkten Kontakt zu kommen.

Dennis Ritchie war, anders als Steve Jobs, ein Mann der leisen Worte. Seine Person stand nie im Mittelpunkt, seine Verdienste für die EDV waren um so größer. Vielleicht war das sein Fehler; eine kurze Umfrage in meinem direkten Umfeld ergab, dass niemand mit dem Namen Dennis Ritchie etwas anzufangen weiß, Steve Jobs jedoch ist ihnen allen bekannt.

Und so bleibt das Andenken an diesen Weg weisenden Mann, gestützt von nur wenigen deutschen Medien, denen vorbehalten, die sich mit der Materie ohnehin auseinandersetzen. Dass sich ein US-Präsident, einer der Gründer von Microsoft und der Vorstandsvorsitzende von Facebook kondolent zeigen, war bei Steve Jobs noch beinahe eine Selbstverständlichkeit – aber Dennis Ritchie hat eben keine bunten lifestyle gadgets vermarktet, sondern nur ihr Betriebssystem maßgeblich mitgestaltet.

Und so wird Mark Zuckerberg vermutlich dazu schweigen. Andererseits: Vielleicht ist das auch besser so.

Netzfundstücke
Jappy: 2011 minus 1920 < 14

Zu den abwechslungsreicheren Tätigkeiten während der ständigen Recherche nach Berichtenswertem gehört es, hin und wieder plötzliche Einfälle zu haben und ihnen nachzugehen.

Vorhin zum Beispiel fiel mir plötzlich ein, dass ich von dem Vollpfosten-Netzwerk Jappy.de seit ein paar Monaten nichts mehr gehört hatte, und aus Jux und ein bisschen Langeweile wollte ich einmal nachsehen, warum das so ist; selbstverständlich unter Berücksichtigung gewisser Datenschutzgrundsätze (man beachte insbesondere den eindrucksvollen Deppenapostroph):

Hier allerdings war ich offenbar zu vorsichtig, denn ich hatte nicht gewahnt, dass Jappy seinen fehlenden Jugend- mit übervorsichtigem Seniorenschutz wettmacht, der mich von einer erfolgreichen Anmeldung (mit anschließender Berichterstattung und folgender Abmeldung) mit einer Fehlermeldung abhielt:

Jappy.de: Achtung! du kannst dich erst bei Jappy anmelden, wenn du mindestens 14 Jahre alt bist.

Na, dann eben nicht.

NetzfundstückePolitik
YouTube und die Staatsverträge

Heyo auch, YouTube,

dass die GEMA euch zwingt, hin und wieder Videos schlechter und weniger schlechter Musiker (zum Beispiel Bob Dylan) in guter alter deutschenfeindlicher Tradition länderspezifisch auszublenden, wie ihr ja auch für Besucher aus anderen Teilen der Welt gern mal irgendwas sperrt, ist altbekannt. Der Grund für zumindest ersteres ist ja, dass ihr der GEMA kein Geld zahlen wollt; raffgieriger Haufen, der das nun mal ist, sagt der Volksmund.

Ebenfalls altbekannt ist es ja, dass es Deutschland finanziell eher mau geht, und die Schuld tragen Griechenland und der Euro und die Banken und vermutlich Hitler höchstselbst, wenn man nur lange genug herumfragt. Neu ist aber, dass sich das Geschäftsmodell der GEMA – Erpressung von deutschen Bürgern, um von US-amerikanischen Großkonzernen dann doch noch irgendwie Geld zu bekommen – als lohnende Alternative auch in der Regierung herumgesprochen hat.

Jetzt mal ganz unter uns, YouTube, uns könnt ihr’s doch sagen: Will die Regierung etwa auch Geld von euch, zum Beispiel zum Schuldenabbau? Und welches düstere Geheimnis barg das entfernte Video – womöglich ein Musikvideo der CDU?

Dann bedanke ich mich natürlich herzlich.

(Der Vollständigkeit wegen: Mit ausländischem Proxy oder ausländischem VPN ist das Video natürlich problemlos abrufbar, ebenso in der 2DF-„Mediathek“; und ich kann Entwarnung geben: Zu sehen ist keine singende CDU.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LIX: Facebook / Senfautomatismen

Sascha Lobo, von dem man nicht viel halten muss, hat eine trotzdem eigentlich ganz interessante Kolumne auf SPIEGEL Online mit ziemlich viel Text zum Thema „Facebook ist an allem schuld“ befüllt, um dieser These ausführlich zu widersprechen. Ich nehme seine Pointe schon mal vorweg:

Facebook ist nicht Treiber, sondern Profiteur einer allgemeinen Datenbegeisterung. Und die ist die logische Folge der digitalen Vernetzung.

Und das ist das eigentlich Erschreckende; dass die „allgemeine Datenbegeisterung“ als naturgegeben akzeptiert wird, während Medienschaffende unfassbar viel Geld dafür bekommen, die Symptome ausführlich nicht gut zu finden. Andererseits: Ich beneide sie ein bisschen darum.


Noch ein kurzer Hinweis in, mehr oder weniger, eigener Sache:

ix hat ein WordPress-Plugin geschrieben, das Kommentatoren das immer wiederkehrende Schreiben von „Hätte von mir sein können“, „Volle Zustimmung!“ oder „LOL“ erleichtern sollte, indem es selbige Bemerkungen als Schaltflächen an das Kommentarfeld anheftet.

Inspiriert von Nerdcore und einem meiner Kommentatoren missbrauche ich es nunmehr für Albernheiten und politische Zitate. Ergänzungswünsche bitte einfach unten hineinsenfen!

Netzfundstücke
Schuh allein macht auch nicht glücklich

Kaum ist der Papst abgereist und auch noch vom letzten Provinzblatt meist für eigentlich ganz gut befunden worden, herrscht wieder Dürre in den Medien des Landes. Damit die überbezahlten Schmierfinken aber trotzdem irgendwie ihr Pensum abliefern können, wechseln sie vom so genannten „Journalismus“ kurz zur Werbung und versuchen sich als Psychoanalytiker.

Das konservative Quatschblatt DIE WELT beschäftigt zu diesem Zweck mindestens eine Frau, und diese Frau darf dann heute auch mal Welt.de befüllen und behauptet auf der Basis irgendwelcher kruden Studien von „eBay-Wissenschaftlern“ (ich wusste nicht einmal, dass es solche Personen gibt), dass Glücklichsein eigentlich gar nicht so schwierig ist.

Denn nichts hat bei Frauen so einen Einfluss auf die Zufriedenheit wie der Kauf von neuen Schuhen. Und nichts hat bei Männern einen derartigen Einfluss auf die Zufriedenheit wie zufriedene Frauen.

Glückliche Paare: Männer, die ihren Frauen wöchentlich neue Schuhe kaufen.

Die Wissenschaftler von Ebay (das klingt wie „Der Zauberer von Oz“, findet ihr nicht? A.d.V.) haben herausgefunden, dass der Bayer (zufrieden) 18 Prozent mehr schwarze Schuhe kauft als der Bundesdurchschnitt. Schwarze Schuhe scheinen also schon mal etwas glücklich zu machen.

Vielleicht macht es auch glücklich, einen albernen Dialekt zu sprechen oder auch einfach jeden Tag fränkisch zu frühstücken: Einen Tag, der mit Weißbier beginnt, kann selbst mir als eingeborenem Niedersachsen eigentlich nichts mehr vermiesen. (Je mehr Weißbier, desto zufriedener werde ich. Gibt es dazu schon eine Studie?)

Und warum sind Hamburger so zufrieden? Ganz einfach: Hamburger tragen die höchsten Absätze (mehr als acht Zentimeter). Und von oben betrachtet sieht die Welt einfach schöner aus.

Und sind Hamburger also unglücklicher als Hamburgerinnen, weil sie in diesen gesundheitsschädlichen „Schuhen“ meist nicht laufen können und also auch keine tragen? Die Autorin schweigt dazu. Einen Anhaltspunkt liefert vielleicht das „Modell Blow“, das als eines der Beispiele für weiblich orientiertes Schuhwerk den Artikel „ziert“:

Das Modell „Blow“ stellt eine gebückte Frau dar. Die angewinkelten Beine bilden den Absatz und die Zehen finden in einem rot umrandeten Peeptoe Platz, welcher den Mund darstellt.

Da gehen sie hin, die Jahrzehnte weiblicher Emanzipation. Das Glück, heißt es, hat oft einen bitteren Humor.

Genau wie ich.

NetzfundstückePiratenparteiPolitik
Piratenpartei: Nebenwirkung Meinungsbildung

Die gestrige Wahl in Berlin hatte wie immer keinen Wahlverlierer, von der F.D.P. (1,8 Prozent der Stimmen und somit weniger als die NPD) einmal abgesehen. Auch Wahlverlierer Klaus Wowereit, dessen SPD ohne jegliches Programm angetreten ist und dafür im traditionell SPD-regierten Berlin nicht einmal 30 Prozent der Stimmen bekam, ließ sich wie selbstverständlich als bestätigter Obermotz feiern, immerhin waren all die anderen Parteien noch schlechter.

Insofern gab es eigentlich nichts spannendes über die Wahl zu berichten, also wandten sich die Medien wie schon anlässlich der Bundestagswahl 2009 der Piratenpartei zu, die mit Pauken, Trompeten und 8,9 Prozent der Stimmen ins Abgeordnetenhaus einzog. Und als hätte man nicht das ganze Portfolio an Unsinn über die Piratenpartei damals schon abgefeuert, macht man es gleich noch mal. Bei Nerdcore gibt es das Bullshit-Bingo für die heutigen Leitartikel, und ich nehme an, läse ich mehr als eine Tageszeitung, ich könnte den Zettel heute vollständig abhaken:

Und immer wieder tauchen die längst zur Genüge beantworteten Fragen auf. Die grüne „Liberale“ Zora Hocke etwa hält es für ein Unding, dass die Piratenpartei keine Frauenquote lanciert; sich mal ein wenig zu informieren und festzustellen, dass Frauen in der Piratenpartei sogar Landesvorsitzende werden dürfen, gar Bundesvorsitzende, wenn sie sich nur zur Wahl stellten, war wohl gerade nicht drin, so eine grüne Wahlparty ist eben anstrengend. In die gleiche Kerbe schlug übrigens Claudia Roth, die die Piraten „an Bord willkommen“ hieß, „Piratinnen“ gebe es ja nicht so viele; ganz anders bei den Grünen, die konsequent Geschlechter trennen und somit einigermaßen abstoßenden Sexismus praktizieren, übrigens.

Unverändert steht in der Bundessatzung der Piraten:

Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.

Wer Politik machen will, sollte dafür zunächst einmal Ahnung mitbringen. Brüste statt Befähigung – nun, das mag bei den Grünen funktionieren, aber eine Wahl gewinnt man so ja nicht. (Eigentlich ist es erstaunlich, dass ein Herr Fischer Außenminister werden durfte, ohne auf jedem Parteitag der Grünen als Sexist beschimpft zu werden, der gefälligst Platz für eine Frau machen soll, wissenschon, Frauenquote.)

Die, wir erinnern uns, strahlenden Sieger in der SPD, deren „wählt lieber uns statt irgendwelcher Protestparteien“ den Piraten einigen Zuspruch gegeben haben dürfte, machen sich derweil darüber lustig, dass Kandidaten der Piratenpartei Fragen, auf die sie nicht vorbereitet sind, nicht mit irgendwelchem leeren Geschwätz, sondern ehrlicher Unwissensbekundung beantworten, und stellen damit eher sich selbst bloß, denn Schadenfreude ist keine Gegenmaßnahme, ist die eigene Mehrheit in Gefahr. Ganz anders aber, und das erstaunt mich am meisten, die Haltung von Christian Sickendieck, dessen Hetzblog ich hier aus traditionellen und politischen Gründen auch weiterhin unverlinkt lasse, der am 10. Mai 2010 noch schrieb:

Die Piratenpartei wird eine kleine Splitterpartei bleiben. (…) Die Piratenpartei segelte einen Sommer durch das politische Deutschland, nun ist die Titanic auf den Eisberg der Irrelevanz aufgelaufen.

Diese irrelevante Splitterpartei nun bedachte derselbe Christian Sickendieck gestern Abend mit diesen Worten:

Der sozial-liberale Landesverband der Berliner Piraten hat vielleicht kein All-Inklusive-Angebot, aber sie bietet durchaus eine politische Alternative. Diese heißt nicht Protest, sondern ist eine neue Form der Politik: Ehrlichkeit, Transparenz, Soziales und Bürgerrechte. (…) Die Berliner Piraten haben den Wählerinnen und Wählern eine Alternative, keinen Protest, ein Programm angeboten. Damit haben sie einen sensationellen Erfolg errungen.

Der „sensationelle Erfolg“ ist hier vielleicht vielmehr, dass Christian Sickendieck kurzzeitig vergessen hat, dass er die Piratenpartei eigentlich gar nicht mag.

Jetzt gilt es, dem Wähler zu zeigen, dass seine Stimme nicht „im Gully“ (Guido Westerwelle 2009 über die Piratenpartei) ist. Dass da vermutlich Entwarnung gegeben werden kann, haben die Medien jetzt immerhin schon verstanden.

Nachdem wir die Formalien nun also fünf Jahre nach Parteigründung endlich beiseite schaffen konnten: Ein dreifaches Arrr! für die 15 Enterpiraten – und allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel!