Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

NetzfundstückePolitik
Wahl nicht erforderlich.

Falls jemand von meinen Lesern in Schleswig-Holstein wohnt und sich noch unschlüssig ist, ob er übermorgen wählen gehen sollte: Ach nö. Auszählen will das ja auch keiner.

Auf der Internetseite zur Landtagswahl ist zurzeit (Stand: 4. Mai 2012, 1:00 Uhr) ein Verweis zu finden:

„Soeben eingetroffen“ und wenig spektakulär sind diese Ergebnisse „vom Wahlabend“ – also von übermorgen – bereits seit spätestens gestern:

Es ist wirklich überaus reizend von der Landeswahlleiterin und/oder dem Statistischen Amt, dass sie und/oder es „ihren“ und/oder „seinen“ Bürgern ein wenig Arbeit erspart und ihnen so ein wenig mehr Freizeit verschafft. Könnte man das für die anderen Bundesländer nicht auch…?

Nein? Schade.

(teilweise via Nachtwächter)


Nachtrag: Offenbar hat man begonnen, die Testergebnisse zu entfernen, oder sie von Anfang an lediglich auf einzelnen Seiten eingefügt. Ich empfehle allerdings, die Ergebnisse übermorgen mit denen auf dem Bildschirmfoto zu vergleichen und sich gegebenenfalls zu wundern.

NetzfundstückePolitik
1 Partei gefällt das.

Der nordrhein-westfälische Landesverband der Grünen geht jetzt in den Wahlkampf. Irgendeiner der für die Wahlwerbung Verantwortlichen hat wohl davon gehört, dass die Piratenpartei unter anderem deshalb so viel Zustimmung erhält, weil sie sich für mehr Bürgerbeteiligung einsetzt, und weil die Grünen ganz gut darin sind, etablierte Konzepte (Angriffskrieg, Stuttgart 21) zu adaptieren, sobald man sie lässt, machen die Grünen jetzt auch was mit diesem Demokratiezeug, von dem jetzt alle reden, natürlich mit einem fetzigen Spruch, um überhaupt beachtet zu werden:

„Einmischen“ wird hier also versinnbildlicht mit dem nach oben gereckten Facebook-Daumen namens „Gefällt mir“, das vorgeblich angestrebte Mitspracherecht des Bürgers heruntergebrochen auf die großzügige Genehmigung, auf einem „sozialen Netzwerk“ irgendeinen Blödsinn (Angriffskrieg, Stuttgart 21, die Grünen) per Klick gut zu finden, denn ein „Gefällt mir nicht“ ist nicht vorgesehen und Facebook so egal wie wahrscheinlich den Grünen. Gern dafür, dagegen zu sein, niemals aber dagegen, dafür zu sein.

Facebook als Sinnbild gelebter Demokratie. Der Börsengang wird sicher lustig.

NetzfundstückePiratenpartei
Das Niveau des Christian Sickendieck

(Vorbemerkung: Zur Verdeutlichung der verqueren Weltsicht des vorbezeichneten „Bloggers“ ist es diesmal leider unvermeidlich, auf einige seiner Artikel direkt zu verweisen. Ich bitte um Nachsicht.)

Noch 2009 veröffentlichte Hetzblogger Christian Sickendieck unter dem lustigen Titel „Sensation: Neues Logo der Piratenpartei geleakt“ eine Reichsflagge mit Piratensegel als „Satire“. Allgemein fand er es zeitweilig ziemlich spaßig, die liberal-soziale Piratenpartei mit NSDAP-Assoziationen zu belegen: Und alle so: „Heil“, ja, da lacht der Demokrat. Am 4. Oktober 2009, nur wenige Tage, nachdem er der Piratenpartei einen überschrittenen Zenit attestiert hatte, fand er es erneut satiretauglich, dümmliche Neonazis als typische Piraten darzustellen.

Als die Diskussion um Bodo Thiesen allmählich abzuflachen begann, war das noch kein Grund für Christian Sickendieck, seine populistischen Hetzthesen ein wenig zurückzufahren. Im Mai 2010 nannte er die Piratenpartei einen bösartigen Kindergarten und blies im November desselben Jahres zum Abgesang: „Die Piratenpartei liegt am Boden“.

Irgendwer scheint ihm aber in der Folgezeit einen kräftigen Schlag auf den Schädel verpasst zu haben, denn danach kam eine Weile gar nichts mehr – und im September 2011, nach dem „sensationellen Erfolg“ (Chr. Sickendieck) des Berliner Landesverbandes der Piratenpartei, lobhudelte er:

Mit dem Berliner Landesverband der Piraten gab es endlich wieder eine links-liberale Alternative, keine Protestpartei, sondern eine realistische Alternative für junge, politisch interessierte und gebildete Menschen.

Gestern schrieb derselbe Christian Sickendieck, der 2009 lustige Nazisatiren über die Piratenpartei für so treffend hielt, dass er keinen Widerspruch als Kommentar duldete, unter der Überschrift „Das Niveau des Vizekanzlers“:

Wenn er aber im selben Satz zu den Piraten vor Somalia schwenkt um dann abzuschließen, Piraten seien nicht sympathisch, dann ist dies nicht nur ein demokratisches Foul, sondern eine Ungeheuerlichkeit. Rösler vergleicht die Piratenpartei Deutschland mit Mördern und denkt dabei, er wäre witzig. Das ist das Niveau der FDP im Jahr 2012. (…) Es scheint, als sei Philipp Rösler charakterlich nicht im Ansatz befähigt, den Liberalen vorzustehen, noch viel weniger unser Land als Regierungsmitglied zu vertreten.

Was das über Christian Sickendieck aussagt? Nun, es scheint, als sei Christian Sickendieck charakterlich nicht im Ansatz befähigt, ein politisches Blog zu führen, noch viel weniger unser Land als Wähler zu vertreten.

Er hat sicher nur die Pointe nicht verstanden.


Bonuswitz: Die Piraten sind eine gefährliche Partei. Sie bedrohen das eingespielte politische System. (Frankfurter Rundschau, nicht Christian Sickendieck.)

MusikNerdkramsNetzfundstücke
Soziale Wiedergabelisten: musicplayr

Nachdem die GEMA YouTube mal wieder erfolgreich dazu bringen konnte, noch mehr Inhalte als bislang zu filtern („rechtsfreier Raum“?), stehen Musikfreunde, die sich nicht dazu durchringen können, sich einen guten Proxy einzurichten, schon wieder vor der Frage: Wohin jetzt?

Wo man Musikalben streamen kann, ist kein Geheimnis mehr: Grooveshark, simfy, Rdio und – wahrscheinlich noch 2012 – WiMP sind nur vier der Dienste, bei denen man mehr Musik hören kann als man überhaupt Zeit dafür findet. (Dass all dies kein Ersatz für einen womöglich hübschen Tonträger ist, bedarf, nehme ich an, keiner gesonderten Erläuterung.)

Was diesen Diensten jedoch meist fehlt, ist eine brauchbare Wiedergabelistenverwaltung, wie YouTube sie hat. Hier kommt der Dienst musicplayr (wer braucht schon Vokale?) ins Spiel, den ich vor einer Weile auf schallgrenzen.de gefunden habe und der Lieder von zahlreichen Quellen – zurzeit YouTube, Vimeo, Dailymotion, Soundcloud und diverse Musikblogs – in beliebig vielen Wiedergabelisten organisieren kann. Was an Liedern nirgends im Internet gefunden werden kann, kann auch einfach – wie bei Grooveshark – hochgeladen werden, ist allerdings dann zwar in der eigenen Wiedergabeliste für jeden sicht-, jedoch aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar. Lieder, die man selbst hochlädt, kann man auch nur selbst hören.

musicplayr ist also bezüglich seiner Ausrichtung irgendwo zwischen lokaler Wiedergabeliste und Grooveshark anzusiedeln. Videofunktion ist nicht, aber das muss ja auch nicht sein. (Nachtrag: Videofunktion ist doch, mein Fehler.) Alles dreht sich um die Listen. Ich zitiere dreist:

Es können öffentliche Listen geaddet und Songs kommentiert und bewertet werden. Das Zusammenstellen von Listen ist kinderleicht, die Reihenfolge der Songs kann jederzeit geändert werden. Alle Songs können direkt über den integrierten Player inklusive Video abgespielt werden. Seine Playlisten kann man mit einigen Genre-Tags (Post-Rock fehlt!!) kennzeichnen. Nutzer folgen so einander und entdecken neue Musik.

Der größte Nachteil: Der Dienst ist immer noch in der „geschlossenen“ Betaphase, was, wie meist, bedeutet: Ohne Einladung kommstu nisch rein. Einladungen kann jedoch jeder angemeldete Nutzer nach Belieben verteilen, ich selbst momentan 18.

Bei Interesse also einfach einen Senf hinterlassen.


Nachtrag vom 22. Oktober 2012: musicplayr.com ist nun nicht mehr nur nach Einladung zugänglich. Also hereinspaziert!

NetzfundstückePiratenpartei
Schmalhans des Tages: Dr. Wolfgang Herles, ZDF (ehemals JU).

Dieser Artikel ist Teil 4 von 15 der Serie Schmalhans des Tages

Bald sind schon wieder irgendwo Wahlen, und das CDU-geführte ZDF ist davon so überrascht, dass es nicht mal Zeit hatte, kurz die Wikipedia zu konsultieren.

„Dr.“ Wolfgang Herles, Leiter der Redaktion Literatur und Moderator der Sendung „Das Blaue Sofa“ und somit natürlich prädestiniert, kluge Dinge über progressive Politik zu schreiben (Bücher und Blogs haben ja alle was mit Text zu tun), senfte also in das ZDF-Blog hinein:

Shitstorms, der freiwilige (sic!) Verzicht auf Privatsphäre und Dauerschnattern im Netz, sind neuere Erscheinungen der Massenkultur, doch keine demokratische Errungenschaft, auf der sich eine richtige Partei gründen ließe.

Der erste Satz wäre nur ohne das Komma nach „Netz“ wenigstens teilweise richtig und wahrscheinlich besser verständlich, also denkt es euch weg. Ja, „neuere Erscheinungen“ als das Christentum sind genannte Punkte, aber ich nehme an, was ein Mailboxnetz ist und dass solche vor Jahrzehnten schon diese „neueren Erscheinungen“ aufwiesen, weiß Dr. Wolfgang Herles nicht – „Internet ist das mit dem blauen e“, Diskussion beendet. Aber er hat Recht: Shitstorms sind keine geeignete Basis für eine Partei. Was jedoch will er damit sagen?

Ach, um die Piraten geht’s, und die mag er gar nicht:

Für mich sind sie schon deshalb unwählbar, weil sie geistiges Eigentum enteignen, vergesellschaften wollen. In diesem Punkt halte ich sie für verfassungswidrig.

Sie wollen was? Wenn ich jemanden „enteigne“, nehme ich ihm sein Eigentum; wenn ich also „geistiges Eigentum“ (besser: geistige Monopolrechte) enteigne, hat das „geistige Eigentum“ kein Eigentum mehr? Watis? Nein, darum geht es der Piratenpartei bekanntlich nicht, sondern es geht ihr darum, dass die Urheber von ihren Werken besser leben können als die Rechteverwerter, die zu ihnen ja in der Regel eher wenig beitragen.

„Verfassungswidrig“ waren übrigens laut Bundesverfassungsgericht so manche Gesetze, die eine ganz andere Partei in den vergangenen Jahren zu erlassen versucht hat; in ihrer Jugendorganisation, der „Jungen Union“, war früher auch ein gewisser Wolfgang Herles Mitglied. Immerhin: Mit Verfassungswidrigkeiten kennt er sich bestens aus.

Leider schreibt er stattdessen etwas zu Themen, die nur eines geringen Rechercheaufwands bedurft hätten:

Eine außerparlamentarische Protestbewegung ist bei den Piraten nicht zu erkennen, trotzdem sind sie bereits eine Partei. Sie sind eher von Technik besessen als von Ideen.

Für Wolfgang Herles sind der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur, der Chaos Computer Club, der c-base e.V., in dessen Räumlichkeiten die Piratenpartei Deutschland gegründet wurde, und The Pirate Bay, Keimzelle der ersten Piratenpartei in Schweden, also nicht zu erkennen. Vielleicht hilft Brillenputzen.

Wolfgang Herles, geistig enteigneter Blogger beim ZDF: Auch eine Art von Karriere.

NetzfundstückeSonstiges
Umzugsfetischisten

Der Zufall wollte es, dass ich heute mit meinem Mobilbrowser versehentlich auf einer dieser neumodischen „Erotik“-Webseiten gelandet war, als ich in ein Funkloch geriet.

Somit bot sich mir für kurze Zeit die Gelegenheit, den ganz realen mindfuck von vorgeblich „erotischen“ clips in Textform zu genießen. Und was da manche Leute für Fetische haben!

„Tschüss, Blondie!“

Mein Favorit ist allerdings das hier:

Ist das so etwas wie auf cybervally.com gezeigt?

Da geht mir ja schon richtig die Düse; Frauen, die auf Webcams starren.
Und damit kann man Leute anlocken?

Netzfundstücke
Kurz verlinkt XCIV: Offene Briefe für jedermann

Offene Briefe sind ja zurzeit ein recht beliebtes Mittel, sich öffentlich zu äußern. Womöglich werden demnächst die ersten Tageszeitungen dazu übergehen, ihre Leserbriefseiten „Seite für offene Briefe“ zu nennen.

Wem hierzu partout nichts einfallen will, dem hilft nunmehr der Offener-Brief-Generator für jeden nur erdenklichen tagespolitischen Anlass, auf Wunsch auch in „Gedicht“-Form:

Liebe FDP.

Mit Verwirrung
habe ich Ihr Wahlprogramm überflogen
und sehe mich daher genötigt,
sofort ein Gedicht zu schreiben.

Hihi!

(via Mario Sixtus)

NetzfundstückePolitik
Norbert Röttgen: Politik auf Kindisch

Nur mal so gefragt:

  1. Ist es nicht ein wenig gewagt, nach den diversen Geschichten über CDU-Politiker und minderjährige Gespielinnen mit einem solchen Plakat aufzuwarten?
  2. Wo hat der Onkel Norbert da eigentlich seine Hände? (Ist das Kind echt, oder ist es eine Bauchrednerpuppe? Und wie lautete in diesem Fall die Antwort auf die Frage?)
  3. Wenn die CDU Politik „aus den Augen eines Kindes“ macht, was bedeutet das eigentlich?

Na ja; CDU eben. Wenigstens das können sie: Sich stilvoll selbst in die Pfanne hauen.

(via Twitter, unter anderem @fraeulein_tessa)

Netzfundstücke
Kurz verlinkt XCI: Haarig: Hitlershampoo nur für Männer.

Max Goldt hat einmal geschrieben, es gebe keinen schlechten türkischen Frisör, was man daran sehe, dass es keine schlecht frisierten türkischen Männer gebe.

Nun könnte man daraus folgern, dass die Beobachtung, türkische Männer hätten Einheitsfrisuren, nicht ganz falsch ist, und dass das an die Disziplin in einer Armee erinnert, schweift vielleicht ein bisschen zu weit ab.

Tatsächlich aber brechen in der Türkei jetzt haarte Zeiten für die Anhänger der Dämoni- und Tabuisierung Haardolf Adolf Hitlers und schlechter Frisuren an, denn:

„Warum benutzt Du ein Frauenshampoo, wenn Du keine Frau bist?“, donnert Adolf Hitler in einem neuen türkischen Wer(b)espot. „Bist Du ein Mann, benutzt Du Biomen!“ Im Off brandet tosender Applaus der Volksmassen auf.

(…)

Hitler wird im Spot freilich nicht ausdrücklich als Judenmörder gepriesen, sondern soll als Symbol für Virilität herhalten, oder was man in der Türkei darunter versteht. Als betont männlich gilt auch Erdogan, besonders wenn er gegen Israel zu Felde zieht.

Der türkische Mann: Viril wie Hitler und garantiert kein Frauenshampoo in den gegelten Haaren.

(Mit Dank an M.!)

NetzfundstückePiratenpartei
Kurz verlinkt LXXXIX: Goethes Erben

Heute vor 180 Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe.

Heute vor 0 Jahren berichtete „DerBastard“ über 16-jährige Nachwuchsblogger und zitierte:

Wir kauften uns Eis & Cola, wobei Marions Cola nach Pisse schmeckte. Nach jedem Schluck schrie sie PISSE xD. Mit dem eis schossen wir rum.. schöne Sauerei C: ..

Was wohl die Deutschen in 180 Jahren von uns halten werden?


Apropos Idioten:

Wie Vertreter der Piratenpartei heute gegen 14 Uhr erfuhren, wies die Webpräsenz des saarländischen Landtags eine kritische Sicherheitslücke auf. (…) Angeblich wurde ebenso eine Datei mit Konfigurationsdaten über das Betriebssystem ausgelesen. Nach den Angaben auf Twitter geht daraus hervor, dass es sich um ein Betriebssystem aus dem Jahr 2003 handelt, für das seit 2005 keine Sicherheitsupdates mehr bereitgestellt werde. (sic!)

Natürlich; warum sollte man einen Server, der erst einmal problemlos läuft, auch gelegentlich mal warten? Is‘ doch das gute Linux, das geht nie kaputt.

PISSE. xD

(Das war jetzt ein wenig unsachlich.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXXXVIII: Tobias Eggendorfers Inkonsequenz

Dada Dudu Didi wies heute auf den vor wenigen Tagen gehaltenen Vortrag „Pleiten – Pech – Pannen: die Geschichte des Computers“ hin, auf dem unter anderem folgendes gesprochen wurde:

Viren, Würmer und Trojaner…wer hat die heutzutage nicht auf seinem Rechner? Ok, zwei, drei Linuxnutzer sind am Stand. Das ist ganz positiv.

Dass der Vortragende „Prof. Dr.“ Tobias Eggendorfer bei der Hochschule der Polizei in Hamburg und somit im Umfeld derer, die in staatlichem Auftrag dafür sorgen, dass Leute „Viren, Würmer und Trojaner“ auf ihrem Rechner haben, „arbeitet“, ist durchaus interessantes Hintergrundwissen.

Noch interessanter wird es im Detail: Der Vortrag wurde unter anderem „präsentiert“ von der Linux Foundation, und wie von Microsoft bezahlte Studien Linux gern einmal nicht als sonderlich überragend darstellen, so ist natürlich auch dieser Vortrag vor allem einseitig und zielt darauf ab, die Auftraggeber möglichst gut dastehen zu lassen.

Einige der während des Vortrages gezeigten Folien etwa thematisieren verschiedene Pufferüberläufe in Windows-Systemdiensten, die zu massenhafter Verbreitung von Schadsoftware führten. Dass Herr Eggendorfer nur am Rande darauf eingeht, dass auch Linuxdienste häufiger einmal dringend korrigiert werden müssen, ist nur wenig erstaunlich. (Zum Thema „sicheres Linux“ ließ ich mich bereits an anderer Stelle ausführlich aus.)

Ich hoffe jedoch, meinen Lesern entgeht nicht das entscheidende Detail: Das Präsentationsgerät ist ein Apple-Laptop. Apple ist die Firma, die ein Betriebssystem zum Lebensstil erhoben hat, gegen das Windows Vista und Windows 7 wahre Bollwerke sind. Jetzt kann es natürlich sein, dass auf diesem Apple-Laptop anstelle des vorinstallierten Mac OS X Windows oder vielleicht auch Linux oder BSD (wobei ich das bezweifle) verwendet werden, aber warum wird dann überhaupt ein Apple-Laptop verwendet?

War wahrscheinlich gerade billig.

Netzfundstücke
Schwarzer Tee mit schwarzem Tee.

Ach so:

(via mind. halbgar; weiterhin sehr empfehlenswert!)

Netzfundstücke
Strukturwandel: Christoph Kappes hat sich im semantischen Web verlaufen

Und dann ist da noch Christoph Kappes, Geschäftsführer der mir völlig unbekannten Gesellschaft „Fructus“, die wahrscheinlich irgendwas mit Obst macht, der aber trotzdem in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages herumsitzt und also bestrebt ist, der Bundesregierung das Internet mal so richtig durchzuerklären. Was ihn zu einem Sachverständigen macht, wüsste ich nur allzu gern, aber Dieter Gorny, Gründer von Viva, gehört der Kommission ja ebenfalls an, was die Messlatte schon recht niedrig legt.

Dieser Christoph Kappes nun hat gestern was gebloggt, nämlich eine ausführliche Stellungnahme als Antwort auf Fragen zum Thema „Strukturwandel der politischen Kommunikation und Partizipation“, also inwiefern das Internet politische Schwerpunkte und Interessen in und aus der Gesellschaft beeinflusst und/oder andersherum, und ich möchte die Pointe schon mal vorwegnehmen:

Ich bin sehr gespannt, ob man mich für einen Spinner hält.

Ja. Weiterlesen ‘Strukturwandel: Christoph Kappes hat sich im semantischen Web verlaufen’ »

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz verlinkt LXXXVII: Rechtsfreier Raum. (Die unendliche Geschichte.)

Twitter machte mich soeben darauf aufmerksam, dass wieder mal der „rechtsfreie Raum Internet“ „wirksam“ „bekämpft“ werden soll:

Für Deutschland schlägt die Studie dennoch ein “vorgerichtliches Mitwirkungsmodell” vor, das aus einem zweistufigen Warnhinweissystem besteht. Der Provider soll einen Internetnutzer warnen, wenn er mutmaßlich illegales Material verwendet hat.

Ich mag die deutsche Sprache auch, weil ihre Pronomina so flexibel sind.
„Lieber Internetnutzer, wir haben mutmaßlich illegales Material verwendet. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Provider.“

Dass sogar der – leider immer noch an Facebook gebundene und somit nicht empfehlenswerte – Streamingdienst Spotify hierzulande in Zusammenarbeit mit der Musikindustrie betrieben werden kann, ohne, dass sie sich über die deshalb ausbleibenden CD-Verkäufe beschweren würde, wertete ich als Zeichen der Einsicht. Schade.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Three Eleven

Seit dem 11. September (2001, A.d.V.) ist die Welt nicht mehr dieselbe. Sogar Datumsangaben werden seitdem solidarisch US-amerikanisiert, selbst dann, wenn sie mit den USA nichts zu tun haben, sondern an besagtem Tag nur irgendein Ärgernis geschah.

Etwa anlässlich des Jahrestages – feiert man das eigentlich? – der Havarie des Kernkraftwerkes Fukushima am 11. März 2011, der das so genannte „Nachrichtenmagazin“ N24 heute dazu verleitete, folgende bescheuerte Überschrift zu wählen:

Japan gedenkt „3/11“

Dass Japan (valider, aber unnötig dramatisierender pars pro toto) „3/11“ gedenkt, halte ich für unwahrscheinlich, denn Datumsangaben werden in der japanischen Sprache nicht in US-amerikanischer Schreibweise getätigt; soll heißen, dass es gut sein kann, dass in den Vereinigten Staaten lebende Japaner „3/11“ gedenken, die in Japan lebenden Japaner aber vermutlich eher so etwas wie „3月11日“ – und weil keiner weiß, wie um alles in der Welt man das aussprechen soll, fasst man es im Deutschen einfach ganz anders zusammen: „Japan gedenkt dem Atomreaktorunglück von Fukushima“, notfalls (gemäß genannter Regel) „Japan gedenkt Fukushima“.

Dass man bei N24 lieber Englisch schwätzt, ist vor dem Hintergrund von Pearl Harbor besonders amüsant. Aber Solidarität geht vor – mit wem, ist ja dann auch egal.

(Mit Dank an L.!)