Archiv für die Kategorie ‘Sonstiges’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

NetzfundstückeSonstiges
Typisch Niedersachsen.

Das hat noch gefehlt: Auch Niedersachsen wird auf der kommenden CeBIT 2012, der laut „Themenspezial“ auf niedersachsen.de „beudendsten (sic!) IT-Messe“, wenn’s eben für die bedeutendste nicht reicht, mit einem Stand vertreten sein. Das ist ein konsequenter Schritt, ist Niedersachsen – Motto: „Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.“ – doch vor allem als das Bundesland mit der größten digitalen Innovationskraft bekannt. Euch etwa nicht?

Für den Innovationsstand auf der CeBIT gibt es auch eine Informationsbroschüre: Diese hier.
(Hinweis: Die Datei ist etwas über zweieinhalb MiB groß.)

Das Titelbild ist schon ziemlich umwerfend:

Ein gezogener Netzwerkstecker symbolisiert das EDV-Innovationsland Niedersachsen wohl ungefähr so gut wie der braune Fleck im Kopfbereich, der sich wie ein roter Faden durch das corporate design der Vermarktungskampagnen Niedersachsens zieht. Nach Vergrößerung erkennt man: Es handelt sich um Pferdeäpfel. „Sie kennen unsere Pferde, dies ist ihr Dung.“

Auf der Themenseite „Innovatives Niedersachsen“ wird verdeutlicht, wofür Niedersachsen sonst noch gern stehen würde: Für mehr Religiösität, mehr weiße Kittel („Laborkittel“, natürlich), mehr Mobilität, all das jeweils veredelt mit dem braunen Klumpen der niedersächsischen Pferde.

Typisch Niedersachsen.

Sonstiges
Medienkritik LXIV: Im Focus der Säufer

Nett auch, „Focus“, ist deine dieswöchige Kampagne gegen den Alkohol sicher gemeint, aber sie wirkt doch ein wenig altmodisch; wie du, „Focus“, selbst allerdings auch. Das Titelblatt ist bereits vielsagend:

Feiernde Jugendliche – das ideale Symbolbild für ein Titelbild zum Thema „Die Gefahren des Alkoholkonsums“. Wurden die abgebildeten Jugendlichen eigentlich vorher darüber informiert, dass sie nun an beinahe jedem Zeitschriftenstand weithin sichtbar als potenziell komasaufende Menschen gekennzeichnet werden? Falls noch irgendwer dachte, beim „Focus“ würde man vielleicht wenigstens ein bisschen sachlich an das Thema herangehen, bist du, „Focus“, wenigstens so freundlich, diese Hoffnung mit dem Untertitel „Was tolerieren?“ zunichte zu machen. Man weiß schon vor dem Lesen des Artikels: Ah, konservative „Experten“ werden zu Wort kommen, die wortreich zu erklären versuchen, wieso Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen abnehmen sollte, wenn man nur kräftig genug mit dem rechten Zeigefinger wedelt.

Und so ist es auch.

Der Tenor des Artikels lautet im Wesentlichen: Alkoholmissbrauch sei typisch jugendlich, wobei der „Focus“ das „jugendliche“ Alter zwischen 10 und 25 Jahren ansiedelt (und dabei mal eben Menschen Mitte 20 mit Grundschulkindern vergleicht), und ihm komme man nur mit Autorität bei. Das erinnert mich ein wenig an die Simpsons-Episode „Allgemeine Ausgangssperre„. Dass mir regelmäßig stark alkoholisierte Prekarier über 30 begegnen, ist sicher nur die berühmte Ausnahme von der Regel.

Und der Wortlaut des Artikels ist noch bescheuerter. Darin steht zum Beispiel gleich zu Anfang dies:

Alkohol gilt – trotz aller Gefahren – als der Rohstoff für gute Stimmung, gerade unter Jugendlichen.

„Gerade unter Jugendlichen“: Ältere nehmen stattdessen richtige Drogen – oder wie ist das zu verstehen? Eigentlich ist es doch aber genau andersherum: Als Jugendlicher experimentiert man mit allerlei Substanzen, erst später fixiert man sich auf den Alkohol. Welche Jugendlichen wurden da gefragt – die drei vom Titelfoto?

Das ist noch nicht Besorgnis erregend genug, also legt der „Focus“ noch ein wenig Betroffenheit nach und schildert zwei Fälle: Ein Jugendlicher hat im Alkoholrausch beinahe jemanden zu Tode getreten, ohne zu wissen, warum. Böse Jugendliche, böser Alkohol. Für Fall Nummer 2 musste man ein wenig nachhelfen:

Auch der Tod eines 44-jährigen Familienvaters nach einer Schlägerei am Vatertag in Rostock im vergangenen Jahr lässt sich als furchtbares Ende eines Besäufnisses auffassen. Zwar war der Täter 24 Jahre alt, aber er hatte schon in Teen-Jahren gezeigt, dass er mit Alkohol nicht umzugehen vermochte.

Beinahe wäre die schöne These vom brutalen Alki-Teen gekippt, aber zum Glück war der Täter schon als Kind versoffen. Gerade noch gerettet!

Um das Bild der verkommenen Schnapsleichenjugend zu komplettieren, versucht man sich im Hause „Focus“ auch mal an den anderen Drogen, lässt es aber zum Glück nach einem kurzen Absatz bleiben; vielleicht hat das Autorentrio „Ellen Daniel / Kurt-Martin Mayer / Herbert Weber“ noch rechtzeitig bemerkt, dass es von dem ganzen modernen Zeug eigentlich so gar keine Ahnung hat, weil die eigene Jugend schon ein paar Jahrzehnte her ist:

Der Wirkstoffgehalt von Haschisch, Marihuana und Cannabisblüten schwankt um bis zu 40 Prozent, wurde kürzlich auf einer Bundestagsanhörung bekannt.

Dass man so etwas im Bundestag erfährt, ist interessant zu wissen. Dass es in der Jugend der Autoren anscheinend nur Cannabis mit konstantem THC-Gehalt gab, übrigens auch. Aber wir waren ja noch beim Alkohol und schwanken schwenken da auch gleich wieder hin. Die Autoren haben nämlich nicht nur keine Ahnung vom Kiffen, sondern auch keine Ahnung vom Miteinander unter Jugendlichen:

Doch Bollern bleibt cool, oder welche Jugendworte für die geplante Promilleaufnahme (wie alken, bingen, saufen) auch immer gerade angesagt sind (durstig sein zum Beispiel heißt „unterhopft sein“).

Dass es „angesagte“ Begriffe für’s Saufen gibt, wusste ich noch nicht, aber „bollern“, „unterhopft sein“ und „bingen“, von der Ortschaft und dem Verb für die Benutzung der Suchmaschine „Bing“ einmal abgesehen, las ich heute zum ersten Mal und hörte ich noch nie. Zu meiner Zeit gab es keine homogene „Jugendsprache“. Ich werd‘ alt.

Und was wäre so ein Artikel ohne ein ausführliches Gespräch mit einem „Experten“? Er wäre wertlos. Also holt sich das trio infernale den konservativsten „Experten“, der gerade greifbar war, nämlich den Jugendpsychiater Michael Günter, und überschreibt das Gespräch so plakativ, dass man sofort sieht, was darin steht, ohne es lesen zu müssen:

Dieser „Experte“ hat dann auch gleich die Lösung für alle Alkoholprobleme parat: Einfach verbieten!

Das Trinken einfach verbieten – raten Sie auch das den Eltern, ist so etwas überhaupt durchsetzbar?
Je jünger die Kinder sind, desto mehr Sinn sehe ich darin, klare Verbote auszusprechen.

Weil nämlich:

Ich halte Restriktionen und deren Überwachung für geeignete flankierende Maßnahmen.

So einfach ist die Welt: Wenn man Kindern den Alkohol verbietet, trinken sie keinen mehr. Vielleicht sollte man ihnen auch das Rauchen und das Stehlen verbieten. – Ach so, das ist es schon? Dann will ich mal nichts gesagt haben. Wissen, wovon man spricht, ist ja auch eher so Mittelalter.


Für meine regelmäßigen Leser abschließend noch ein ebenfalls prozenthaltiger Hinweis bezüglich der F.D.P.: Null Prozent.

PiratenparteiSonstiges
Medienkritik LXIII: c’t: Vor Piraten den Nerz nicht sehen

In der neuen Ausgabe 4/2012 des Magazins c’t verweist Autorin Ragni Zlotos auf die Initiative „Kinder wollen singen“ und bringt dabei beinahe alles durcheinander, was nur irgendwie möglich war.

„Kinder wollen singen“ ist ein Projekt von Sebastian Nerz, auch bekannt als „tirsales“ und gegenwärtiger Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland. Im Umfeld der Piratenpartei wurde vor etwas längerer Zeit von (unter anderem) Christian Hufgard auch der Verein „Musikpiraten e.V.“ gegründet, der sich für die Verbreitung freier Musik einsetzt. Personelle Überschneidungen sind quasi ausgeschlossen, inhaltliche – mit Ausnahme des Schwerpunktes auf gemeinfreier Musik – eigentlich auch. Während aber „Kinder wollen singen“ keinerlei Hinweise auf die „Musikpiraten“ enthält, machten letztere gleich mehrfach Werbung für erstere, was offenbar ein Fehler war, denn Ragni Zlotos ist sichtlich überfordert und schrieb deshalb dies:

(…) Ein ähnliches Angebot [wie Kitalieder, A.d.V.] gibt es auch auf der Seite Kinder wollen singen. Die Gruppe aus dem Umfeld der Piratenpartei nennt sich Musikpiraten. (…)

Es ist lobenswert, dass die Musikpiraten für ihre Mühen auch einmal mit einer Erwähnung in einer relevanten Fachzeitschrift belohnt werden; schade nur, wenn es die falschen Mühen sind.

„Piraten sind alle gleich.“
— unbekannter Autor in ganz anderem Zusammenhang

Sonstiges
Etikettenschwindel

Aus der beliebten Serie „Hätt‘ ich das gewusst!“ folgt eine brandneue Episode nach einem allerdings bereits bekannten Drehbuch:

Ach so!

Manchmal frage ich mich, was das für Menschen sein müssen, um deretwillen Inhaltsinformationen wie die gezeigte eigentlich nötig sind. Treffen möchte ich diese Menschen aber auch nicht unbedingt, ich hätte Angst um meinen Verstand.

Apropos Verstand: Der Zufall wollte es, dass ich heute meinen Blick über das DVD-Regal eines nahen Supermarktes schweifen ließ. Zu meiner Belustigung und eurer Unterhaltung folgt eine Premiere hier auf dieser kleinen Internetpräsenz, nämlich ein Suchspiel. Es geht um den Titel dieser DVD über die „Sängerin“ LaFee. (Das reimt sich.) Welcher meiner bevorzugt zynischen Leser findet die Pointe? (Tipp: Ein Klick an der richtigen Stelle offenbart die Lösung.)

Viel Vergnügen und: Hihi!

Sonstiges
Kakapo statt Schlecker!

(Vorbemerkung: Ich habe, so weit ich mich erinnere, noch niemals etwas bei Schlecker gekauft und finde gesonderte Drogeriemärkte, die mindestens Mondpreise als gemeinsame Eigenschaft teilen, auch grundsätzlich immer ein wenig einfältig, gar überflüssig.)

Ach, ihr Gutmenschen, die ihr jetzt alle, den Zeigefinger schwingend, beeindruckt von den total überraschenden Erkenntnissen zu den Interna von Schlecker zum Boykott von Lohndumping betreibenden Ladenketten aufruft (und somit vermutlich binnen weniger Tage mangels Alternativen verhungern und verdursten werdet, denn einkaufen könnt ihr ja nun nirgends mehr), um wenigstens einen geringen Teil zu einer besseren Welt beizutragen:

Bevor ihr also sterbt, lasst euch sagen, dass es auf der Welt noch größeres Unglück gibt als die soziale Marktwirtschaft mit ihren neoliberalen Idealen, die den Leuten das Leben schwer macht. Der Kakapo ist vom Aussterben bedroht. Es leben – ausschließlich auf Neuseeland, in Hannover könnte ich das Aussterben ja noch verstehen – noch etwa 130 Exemplare, Tendenz sinkend.

Der Kakapo ist ein flugunfähiger Papageienvogel und wahrscheinlich die älteste noch lebende Vogelart, obendrein die einzige, deren bloße Nennung das Kind in mir ständig albern kichern lässt („Kackapo, hihihi!“). Blöderweise riecht er angeblich zwar „angenehm“, aber ziemlich streng nach allerlei Natürlichem, was ein Grund dafür ist, dass seine Fressfeinde nicht lange suchen müssen. (Amüsante Vorstellung: Menschen, die an Kakapos riechen, um das dann zu dokumentieren.)

Wenn ihr also etwas für eine bessere Welt tun wollt, hört auf, gegen die soziale Marktwirtschaft zu demonstrieren, denn die lässt es in der Regel kalt. Vergesst all die großkapitalistischen Albrecht-Brüder und ihre Gesinnungsgenossen. Wenn euch danach ist, solche Läden zu boykottieren, dann tut das, aber erwartet nicht, dass es in anderen Läden anders ist. So lange Regierungen das tolerieren, wird es sich nicht ändern. Demonstriert also nicht gegen die Herren Schlecker, demonstriert gegen die Regierung.

Und wenn ihr zwischendurch noch etwas Freizeit habt, rettet den Kakapo. Dem Wort zuliebe.

Sonstiges
„Bannt die Votze !“

Über das Spiel League of Legends und seine Klientel habe ich an anderer Stelle schon etwas geschrieben.

Eines möchte ich noch hinzufügen: Wie die meisten Spiele, in denen so Menschen aufeinander treffen, besitzt auch League of Legends ein Meldesystem, mithilfe dessen es möglich ist, Spieler, die sich danebenbenehmen, zu verpetzen. Als Ergänzung gibt es das „Tribunal“, in dem Spieler ab Stufe 30 demokratisch darüber richten können, ob gemeldete „Fälle“ sanktioniert werden sollten oder nicht.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

„Ich will nicht mehr auf diesem Planeten leben.“
— Hubert J. Farnsworth, c/o „Futurama“

Sonstiges
Medienkritik LX: Sag’s mit RTL

Seit einigen Tagen wirbt der blöde Fernsehsender RTL mit der RTL-Kampagne („RTL Kampagne“) „Sag’s auf Deutsch“ gemeinsam mit prominenten, ausländischstämmigen „Paten“ dafür, dass Migranten hierzulande mehr Deutsch sprechen. Hierfür wurden mehrere Kurzfilme („Spots“) gedreht, deren Kern der folgende ist:

RTL Kampagne – Sag's auf Deutsch

So wenig ich auch an dieser Kampagne auszusetzen habe, bin ich doch recht überrascht von dem Umstand, dass sie aus dem Hause RTL stammt. Ja, natürlich sollte man die Sprache des Landes, in dem man lebt, irgendwann einmal zumindest zu verstehen lernen. Aber ist RTL dabei eine große Hilfe?

Denn wie selbstverständlich heißt der Streaming-Anbieter von RTL nicht etwa „RTL jetzt“, was kurz, prägnant und verständlich wäre, sondern RTLNOW, konsequent in Brüllbuchstaben geschrieben. Nachrichten präsentiert die Sparte „News“, auch in Videoform („Video-News“), lobenswert ist aber immerhin, dass man bei RTL den Bindestrich noch aus der „Schule“ kennt, nur die Abteilung für Klatsch und Tratsch („Star News“) hat davon nicht viel mitbekommen. Natürlich unterhält man bei RTL auch eine „RTL Community“.

Als Vorläufer der Aktion „Sag’s auf Deutsch“ hat RTL übrigens vor drei Jahren einen Integrationspreis erfunden, der nicht etwa „Integrationspreis“, sondern com.mit Award heißt. Einer der hierfür Verantwortlichen, Chefredakteur Peter Kloeppel, hat sich im Jahr 2011 zum Thema „Sag’s auf Deutsch“ folgendermaßen geäußert:

Es geht dabei gar nicht unbedingt um steile Karrieren, sondern vielmehr darum, dass die gemeinsame Sprache Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben hier ist. (…)
Das konkrete Ziel der Kampagne ist, Menschen jeden Alters davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, dass man in Deutschland die deutsche Sprache spricht und versteht.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist es, dass Peter Kloeppel kein erfülltes Leben in Deutschland führt und so implizit seinem Unmut hierüber Luft machte. Das wäre bedauerlich. Die zweite, wahrscheinlichere ist es, dass Peter Kloeppel ernsthaft der Meinung ist, der Prekariatssender RTL mit all seinen news und awards und spots und communitys sei ein gutes Vorbild. Das wäre ebenfalls bedauerlich.

Ich erlaube mir, den Werbetext für „Sag’s auf Deutsch“ zu zitieren:

‚Sag’s auf Deutsch‘ – so lautet der Titel einer Social-Kampagne, die ab Montag, 24. Oktober, breit gefächert im RTL-Programm eingesetzt wird. Zehn Prominente aus den Bereichen TV, Sport, Mode und Politik, alle mit Migrationshintergrund, geben in den 60- bzw. 90-sekündigen Spots klare Statements dazu ab, wie wichtig gute Deutschkenntnisse für eine gelungene Integration in die Gesellschaft hierzulande sind.

Hervorhebungen habe ich diesmal nicht gesondert vorgenommen, der Text spricht für sich. Wer integriert eigentlich die RTL-Mitarbeiter in die Gesellschaft? Peter Kloeppel jedenfalls nicht.

J’accuse …!

Sonstiges
Skandal: Justin Bieber nackt!

Wahrscheinlich jedenfalls, wenn er duscht. Da ich aber nun eure Aufmerksamkeit habe, ihr perversen Schweinchen von der Boulevardpresse, hoffe ich, ihr verzeiht mir diese List, denn ich hätte da mal ein paar Fragen an euch:

  1. Was ist eigentlich mit EHEC passiert? Sind die Erreger in den warmen Süden geflogen oder an eurer Nichtbeachtung zugrunde gegangen?
  2. Wurden die für den Staatstrojaner Verantwortlichen inzwischen zur Rechenschaft gezogen oder hat dieses Verbrechen am deutschen Volke mit der vorübergehenden Aussetzung seines Einsatzes seinen Nachrichtenwert für euch verloren?
  3. Die Diktatur in Weißrussland interessiert euch nur, wenn einer der Euren darunter leiden muss, richtig?
  4. Werden in der Ukraine nach euren zaghaften Protesten immer noch massenhaft Hunde zu Tode gequält? Falls ja, warum endete eure Berichterstattung darüber schon nach wenigen Tagen?
  5. Apropos Verbrecher: Sind die überführten Kinderschänder in den Diensten der katholischen Kirche mittlerweile allesamt gestorben, oder genügt eine Strafversetzung für augenblickliche mediale Rehabilitierung?
  6. Habe ich die Rücktrittsforderungen an den Verfassungsfeind Hans-Peter Uhl bisher nur übersehen, oder arbeitet ihr noch daran?
  7. Worin, glaubt ihr, liegt der Unterschied zwischen Journalismus und Populismus?

Ich bin schon sehr gespannt!

Sonstiges
Beliebige Gewinne

Ja, Firma APC™, zur Weihnachtszeit werden oft die merkwürdigsten Angebote angepriesen, namhafte Hersteller schleudern ihre Produkte zu, nun ja, Schleuderpreisen auf den Markt wie zur Verhöhnung derer, die ihr sauer erspartes Geld für diese Produkte ausgegeben hatten.

Dass die potenziellen Kunden im Markenrausch eigentlich gar nicht mehr so viel Wert auf die Unterscheidung legen, was sie da eigentlich in Aussicht gestellt bekommen, so lange es nur teuer ist und sich also zum Prahlen eignet, haben eure, Firma APC™, Werbestrategen schnell erkannt und für eure neue Werbekampagne, die mir in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift c’t auffiel, das Prinzip des russischen Prämienroulettes erdacht:

Mit etwas Glück gewinnt man einen dieser neumodischen all-in-one PCs – nur echt mit Deppen Leerzeichen – des Unternehmens Lenovo, obwohl man eigentlich nur an der Verlosung eines iPods teilnimmt; oder andersherum oder beides oder gar nichts, je nach Lust und Laune.

Aber immerhin kostenlos.

Sonstiges
Kurze Notiz zu Domian.

Der Zufall und das Album des Jahres – mehr dazu am Jahresende -, anlässlich dessen die Musikheroen Metallica und Lou Reed gemeinsam auftraten und dabei Zuschauer und Zuhörer verwirrten (wer Metallica erwartet, kann mit Lou Reed meist nichts anfangen, und umgekehrt), ließen mich am gestrigen Abend dem merkwürdigen Radiosender „1LIVE“ lauschen.

Dem Konzert und der anschließenden Fragerunde folgte die Sendung „Domian“. Den Anfang habe ich verpasst, aber offenbar ging es um das Thema Tod.

„Domian“ ist, dies konnte ich bislang in Erfahrung bringen, eine von einem Herrn Domian moderierte Ratgebersendung, bei der Leute anrufen können, denen sonst niemand zuhört, um über Dinge zu sprechen, die ihnen gerade so einfallen. Die voyeuristische Ader des Menschen bedankt sich, seine ratio wendet sich angewidert ab.

Allein den schwarzen Humor wird’s freuen: Um kurz vor 2 Uhr morgens rief ein – seinem Idiom nach zu urteilen – junger Mann an, dem ein dementer Greis vor das Auto gelaufen und jüngst verstorben war und den darob ein schlechtes Gewissen plagte. Herr Domian nun schlug vor, er solle sein Beileid schriftlich bekunden; so überrolle er die Angehörigen nicht. Immerhin!
Dass danach eine beschwingte Frau anrief, die nur einmal öffentlich ihre Freude über ihre gerade erfolgte Scheidung bekunden wollte, gab der Sendung einen surrealen Anstrich.

Anscheinend sollte ich das Schaffen von Herrn Domian künftig etwas aufmerksamer verfolgen.

Sonstiges
Vorsicht: Koffein macht wach!

Ich wüsste ja schon gern, welche Umstände dazu geführt haben, dass die Hersteller von koffeinhaltigen Getränken, Zigarettenherstellern nicht unähnlich, explizit darauf hinweisen, dass das enthaltene Koffein nicht nur die Wachheit erhöht, sondern obendrein, völlig unerwarteterweise, auch die Müdigkeit senkt:

(Andererseits: Nein, lieber nicht.)

Sonstiges
Nachtrag zum gestrigen Weltmännertag

Wie jetzt …

… nicht mal Titten?

In den NachrichtenSonstiges
Trotzdem.

Morgens aufstehen, weil man noch müde ist.

Zur Arbeit gehen, weil es dort viel zu tun gibt.

Einer Feier beiwohnen, weil der Gastgeber ein Unsympath ist.

Bier trinken, weil man noch fahren muss.

Einfach öfter mal etwas tun, weil es eigentlich obwohl heißen müsste.

Das Leben kann so anders sein.


Apropos „anders“: Welt.de schafft es mal wieder, jede Freude über eine Überschrift im Text vergessen zu lassen.

So heißt es dort:

Die Bundesrepublik genießt bei jungen Migranten einen exzellenten Ruf. Und sowohl in Europa als auch in Übersee steigt das Interesse an der deutschen Sprache.

Das sind doch mal positive news Neuigkeiten, bedenkt man, dass die Benutzung der deutschen Sprache hierzulande nicht unbedingt beliebt ist. Blöderweise relativiert Welt.de das schon wenig später:

Umso erfreulicher, dass wir in Europa und Übersee ein steigendes Interesse an der deutschen Sprache registrieren dürfen. Und zwar nicht aus selbstloser Liebe zu Goethe, Schiller und Heine, sondern weil immer mehr gut ausgebildete, junge Ausländer in der Bundesrepublik ein Land sehen, in dem man sein Glück machen kann. Wir können diese Menschen gut gebrauchen. Immer mehr Branchen rufen verzweifelt nach Facharbeitern und Ingenieuren – und siehe da, sie kommen. (…) Als Einwanderungsland konkurrieren wir weltweit um die besten Köpfe.

Diesen Text empfehle ich nur in kurzen Abschnitten zu lesen, denn überhöhter Konsum kann schnell zu Brechreiz führen. Es sei, so Autor C.C. Malzahn von Welt.de, nicht etwa besonders wichtig, dass die deutsche Sprache sich verbreitet, sondern sie sei lediglich ein wichtiges Mittel zum Zweck; und zwar nicht etwa aus kulturellem Interesse, sondern aus bloßen wirtschaftlichen Überlegungen heraus: Je besser Ausländer Deutsch sprechen, desto eher seien sie befähigt, einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden, denn die Wirtschaft suche dringend nach ausgebildeten Fachkräften, und im Inland seien die anscheinend – das schreibt C.C. Malzahn allerdings nicht – nur schwer zu finden, obwohl hier ebenfalls viele Menschen Deutsch sprechen. Die paar Millionen arbeitsloser deutschstämmiger Akademiker verlangen eben einfach zu viel Geld für ihre Arbeit. Mit „selbstloser Liebe“ kann man eben keine Familie ernähren.

Manchmal vergisst man fast, dass Welt.de ein konservatives Medium ist. Schön, dass man manchmal wieder daran erinnert wird.

MusikSonstiges
Medienkritik LVIII: Tom Waits im Rolling Stone (wenigstens haben sie es versucht)

Eine (meist) liebe Leserin machte mich vor einigen Monaten darauf aufmerksam, dass Tom Waits, seines Zeichens eigenwilliger Sangeskünstler, ziemlich aufregende Musik hervorbringt. Unter dem Eindruck von „Bone Machine“, dessen Schrägheit in wundersamer Weise mit meiner Affinität zu musikalischer Schrägheit harmoniert, stimmte ich in ihre Lobhudeleien ein; und erblickte heute im Zeitschriftenregal eines Supermarktes ebenjenen Tom Waits auf der Titelseite des normalerweise eher beliebigen Magazins „Rolling Stone“. Da ich noch ein wenig Zeit bis zum nächsten Termin hatte, wagte ich aufgrund des verheißungsvollen Titels den Kauf.

Es war undurchdacht von mir, trotz gegenteiliger Erfahrungen davon auszugehen, der „Rolling Stone“ hätte sich ausnahmsweise dazu entschlossen, seriös zu werden. Tatsächlich wird des Titelhelden Schaffen nur wenig erwähnt, das Album „Bone Machine“ kommt ebenso wie „Mule Variations“ und das Dreifachalbum „Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards“ je einmal, jeweils eher beiläufig erwähnt vor, das vorletzte Album „Real Gone“ immerhin zweimal. Hauptsächlich geht es um „Bad As Me“, das aktuelle Album von Tom Waits, und um die Person des Interpreten, als wäre das eigentlich auch schon alles, was man von Tom Waits wissen muss.

Für die, die noch nie etwas von Tom Waits gehört haben, erklärt es Jörn Schlüter, offenbar Schreiberling beim „Rolling Stone“, gern einmal am Beispiel des Stückes „Hell Broke Luce“ („brutale Militär-Persiflage“, J. Schlüter) von diesem aktuellen Album:

Das Lied schwankt durch die Schützengräben wie ein Panzer auf Stelzen.

Fünf Euro in die Wortspielkasse bitte.

Dass ich noch nie einen Panzer auf Stelzen gesehen habe, der durch Schützengräben schwankt, kann ich dem Autor nicht zum Vorwurf machen und führe es aus guter Absicht vorerst auf meine fehlende militärische Vergangenheit zurück. Eines würde mich dann jedoch schon interessieren: Nehmen wir an, ein Panzer auf Stelzen gerät auf dem Weg durch Schützengräben tatsächlich ins Schwanken – was genau hat das Lied damit zu tun?

Jörn Schlüter hätte diese Frage Tom Waits stellen sollen, denn diese Antwort hätte mich wirklich sehr interessiert: „Herr Waits, Ihr Lied ‚Hell Broke Luce‘ schwankt durch die Schützengräben wie ein Panzer auf Stelzen, warum ist das so?“ Das hat er natürlich nicht getan, sondern weiter an seiner Reputation gearbeitet. Wahrscheinlich möchte Jörn Schlüter nicht, dass ihn nur die Leser dieses Artikels für verkrampft peinlich und eigentlich gar nicht sehr an seinem zu beschreibenden Objekt (Tom Waits) interessiert halten, was er mehrfach zu verstehen gibt:

Mit „Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards“ erschien ein Dreifach-Album mit Ausgesondertem und Vergessenem. Man überlegte, ob Waits wohl in die Schlussrunde eingebogen war.

(Hervorhebung von mir.)

War er aber nicht, der Tom Waits, und so nutzte Jörn Schlüter die Gelegenheit, auch ihm, Tom Waits, gegenüber einmal zu zeigen, dass Musik mit Anspruch ihn, Jörn Schlüter, deutlich überfordert, und schaffte es in all seiner Naivität dann doch noch, mich zum Schmunzeln zu bringen, indem er fragte:

Ihre Lyrics lesen sich manchmal wie Gedichte – auch auf diesem Album erinnert mich einiges an Charles Bukowski, der Sie zu Beginn Ihrer Karriere beeinflusst hat. Haben Sie ihn jemals getroffen?

Charles Bukowski kennt er zumindest namentlich, vielleicht auch nur vom Hörensagen, und vielleicht ist der Umstand, dass sich Tom Waits‘ Liedtexte selten reimen, auch schon die einzige Parallele, die Jörn Schlüter zwischen Tom Waits, dem Musiker, und Charles Bukowski, dem Poeten, erkennt. Gratulieren sollte man Jörn Schlüter aber zu der großartigen Erkenntnis, dass man Liedtexte, häufig rhythmisch unterlegt, nicht nur als Prosa oder Busfahrplan (S. Gärtner), sondern auch als Gedicht, als Lyrik („lyrics“) eben, lesen kann. So sieht Musikjournalismus 2011 aus.

Und ich verstehe allmählich, wieso Jörn Schlüter dieses Gespräch führen durfte: Die Alternative, ein Interview mit dem Journalisten gegenüber selten toleranten Lou Reed und Metallica, hätte er nicht lange durchgestanden.

Sonstiges
Medienkritik LVI: Gefährlich!

Ach, noch was, „Braunschweiger Zeitung“:

Dich lese ich ja eher zur Unterhaltung als zur Information, denn das kann deine Redaktion nachweislich besser. Aber in letzter Zeit mache ich mir etwas Sorgen. Dein Überschriftenausdenker wurde doch nicht etwa gefeuert?

Man lebt schon gefährlich im Braunschweiger Umland; dort gibt es sogar Löwen!

(Tut mir Leid, ich habe aus Protest den Pointenausdenker gefeuert.)