Archiv für die Kategorie ‘Politik’.

Politik regt mich auf, und wenn ich mich aufrege, muss ich schreiben, sonst gibt’s Tote.

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Iwan des Tages: Putins gefährliche Reichsbürger

Dass in Georgensgmünd ein Mensch mit gemeinhin für falsch gehaltener Auffassung von Völkerrecht und legal erworbenen Waffen (denn es ist bekanntlich ein sehr wichtiges Grundrecht, sich unter Umständen ein Mordinstrument unter’s Kopfkissen legen zu dürfen) einen Polizisten erschossen hat, führt gegenwärtig zu allerlei gesellschaftlichen Urteilen wie etwa dem, dass man doch bitteschön etwas gegen diese Terroristen unternehmen möge, womit natürlich die „Reichsbürger“ und nicht etwa die Waffenbesitzer gemeint sind, denn bekanntlich ist man als unbewaffneter Geschichtsverdreher wesentlich gefährlicher als wenn man bloß ein bewaffneter Spinner ist, unter völliger Ausblendung des Umstands, dass proportional mehr Frauen als „Reichsbürger“ irgendwen umbringen und trotzdem nahezu niemand fordert, man möge Frauen doch bitte unter Beobachtung stellen.

Klar – „Reichsbürger“ sind in ihrem ganzen Handeln viel verdächtiger. SPIEGEL ONLINE „erklärt“ dazu:

Scrollt man durch die Seite, tritt man ein in eine Blase, in der (…) das Finanzsystem kurz davor ist, die Welt in den Abgrund zu kollabieren, Behörden nur daran arbeiten, die Bürger zu schröpfen, Medien lügen, westliche Regierungen auf den dritten Weltkrieg gegen Russland drängen. Der einzige Mächtige, der hier des Bösen unverdächtig ist: Wladimir Putin.

„Ach so“, wird der verständige „SPON“-Leser nun denken, „dann ist ja alles klar“, denn wer das Finanzsystem kritisiert, staatlichen Institutionen oder gar der Bundesregierung die Armut von Bürgern vorwirft und dann sogar noch dreist behauptet, westliche Medien oder gar hochrangige Politiker würden die Konfrontation mit Russland verschärfen wollen, dessen Präsidenten er überdies nicht einmal durch entsachlichende Dämonisierung zu verteufeln wagt, der kann nur ein Terrorist oder mindestens ein Sympathisant sein.

Verdammter Putin.

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Dichten soll sich wieder lohnen, aber Anna-Lena Scholz ist nicht inspiriert.

Bob Dylan hat, das hat wohl inzwischen selbst derjenige Großteil der Menschheit, dem umgehängte Medaillen einfach mal schnuppe sind, mitbekommen, jüngst wenig überraschend den Nobelpreis für Literatur, genauer: für, überwiegend, seine Liedtexte, erhalten. #Steinmeier gefällt das. Bob Dylan wurde auch deshalb ausgezeichnet, weil er nun seit über 50 Jahren, allen Ausfällen (man munkelt, es seien religiöse Alben unter seinem Namen erschienen) zum Trotz, Gedichte geschrieben und vertont hat, die den soundtrack ganzer sog. Bewegungen bildeten, seltsame Stimme hin oder her. Irgendwelche Antworten werden noch heute in den Wind geblasen, Bob Dylan aber verweilte nicht lange. Ikone sein zu wollen hat ihm ohnehin offenbar nie gelegen: Als ihm die verdammten Hippies zu viel Aufmerksamkeit zuteil werden ließen, offenbar in der Hoffnung, er möge für den Rest seines Lebens ihre Lieblingslieder quasi als menschliches Radio wiedergeben, steckte er seine Gitarre in die Steckdose und beschloss, dass die Lagerfeuerlieder künftig andere Menschen machen mögen. So behauptet es jedenfalls die Legende.

Bob Dylan – Maggie's Farm (Champaign 1985).mp4

Bob Dylan ist nicht erfolgreich geworden, weil er dem Idealbild eines glatten Künstlers entsprach, sondern gerade auch wegen seiner Texte. Friedenshymnen wurden bald von subtiler, selten auch brachialer Gesellschaftskritik abgelöst – selbst der Präsident der USA, zum Beispiel, habe manchmal nichts an („It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“, Übersetzung von mir), was jahrzehntelang von Jubeln des Publikums begleitet wurde, die sind’s eben auch nicht mehr gewohnt – und blieben zumindest bis Anfang der 1970-er Jahre beeindruckend wort- und bildreich, wie man es sonst nur von wenigen anderen Musikern wie etwa Leonard Cohen kannte.

Dass gereimte Texte, seien sie nun gesungen, gesprochen oder gerülpst, meist zweifelsfrei als Literatur (zumal Lyrik) auszumachen sind, lässt die „historische Zäsur“ (Michael Hübl, Ressortleiter für Kultur bei den „Badischen Neuesten Nachrichten“) noch erstaunlicher wirken. Hat sonst noch niemand aus Musikerkreisen so nachdrücklich gewirkt? Um einen Literaturnobelpreis zu erhalten, hatte der Preisstifter immerhin einst verfügt, selbiger Preis möge derjenigen Person verliehen (muss man den dann eigentlich wieder zurückgeben?) werden, die auf dem Felde der Literatur die herausragendste Arbeit im positiven Sinne verrichtet hat, und daran bestehen vermutlich nur geringe Zweifel.

Bob Dylan Ballad Of a Thin Man

Doof ist nur, dass Bob Dylan ein Mann ist, ein alter weißer obendrein, was die „Geisteswissenschaftsjournalistin“ – das ist vermutlich jemand, der für zu viel Geld zu lange Texte über Leute schreibt, die beruflich tatsächlich geistige Arbeit verrichten – Anna-Lena „Doc“ Scholz zu dem Hinweis veranlasste, dass es wohl nicht sehr inspirierend (ich nehme an: für andersartige Menschen) sei, wenn der diesjährige Nobelpreis ausschließlich an „Männer über 65“ verliehen werde, was ja schon deshalb nicht stimmt, weil drei der elf Preisträger noch nicht über 65 Jahre alt sind, aber Journalismus hat mit Recherche eben nur am Rande etwas zu tun. Welche herausragenden Leistungen junger Frauen von den Preisverleihern nicht ausreichend berücksichtigt worden sein sollen, teilte sie bedauerlicherweise nicht mit, so dass ich nur raten kann: Ist Anna-Lena Scholz offensichtlich seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn nur deshalb nicht ausreichend inspiriert, um Bemerkenswertes zu schaffen, weil die Preisträger 2016 allesamt im Ruf stehen, über ein naturgemäß männliches Geschlechtsteil zu verfügen? Den Scholzpreis für besondere Weiblichkeit bekommen sie so sicher nicht!

Gucken wir uns das mal genauer an. Von den sechs Nobelpreiskategorien Physik, Chemie, Physiologie/Medizin, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften wäre Frau Scholz – sie beschäftigt sich laut Selbstdarstellung außer mit Literatur auch mit der Theorie- und Ideengeschichte der Germanistik sowie mit, als hätte ich es geahnt, feministischer Theorie und literaturwissenschaftlicher Geschlechterforschung, insgesamt also eher mit esoterischen als mit nützlichen Themen – qua Kenntnisstand zumindest für den Nobelpreis für Literatur potenziell qualifiziert. Für das Goldene Brett 2016 kamen ihre Bemühungen um den Feminismus allerdings leider auch zu spät, diesjähriger Preisträger ist, hihi, ein Mann. Nun besteht eine „herausragende Leistung“ im Preissinne nicht darin, dass man Bücher rezensiert, sonst hätte ich sicherlich auch bereits mehrfach den Friedensnobelpreis verliehen bekommen, immerhin rezensiere ich hier mehr oder weniger regelmäßig Texte über Scharmützel irgendwo auf der Welt.

Nein, wer nur Bote eines Werkes ist, der schafft dadurch keine kreative Großtat, die es zu würdigen gilt. Die bisher einzige Zweifachnobelpreisträgerin Marie Curie ließ sich nicht davon abhalten, dass die vorherigen für ihre Verdienste in Physik und Chemie Ausgezeichneten allesamt Männer waren, sie hat einfach gearbeitet, und das in einer Zeit, in der Frauen noch weit davon entfernt waren, das Privileg zu besitzen, die ganze Welt mit ihren regressiven Ansichten über die Relevanz von Geschlechtern bei der Würdigung der Leistungen einer Person zu behelligen; und auch Bob Dylan wäre sicherlich der Letzte, der die Inspiration durch seine Zeitgenossen nicht zu umfassen wüsste: Ohne die Weltgewandtheit seiner einstigen Freundin Suze Rotolo und ohne die Unterstützung seiner folgenden Freundin Joan Baez, selbst erfolgreiche Musikerin, hätte seine Lyrik möglicherweise niemals die nunmehr quasi gekrönte Qualität erreicht, über die manch Geisteswissenschaftsjournalistin heute aufgrund seines (oder auch ihres) Geschlechts die Nase rümpft.

Vielleicht sollte Frau Scholz es mal mit Singen versuchen.

Bildung ist eine Ressource, die von jeher ungleich verteilt wird.
Anna-Lena Scholz

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Iwan des Tages: Quis custodiet ipsos custodes?

heise online berichtet:

In den Kabinettsitzungen der britischen Premierministerin Theresa May ist das Tragen der Apple Watch künftig verboten.

Nicht etwa aus rationalen Erwägungen heraus (man weiß ja nie so genau, wohin Apple die Bewegungsdaten funken lässt), sondern natürlich aus der Angst vor dem bösen Wolf:

Als besondere Gefahr sehen die Beteiligten demnach einen Angriff durch russische Computerspezialisten. „Die Russen versuchen, alles zu hacken“, so eine Quelle von The Telegraph.

Die britische Regierung ist übrigens die, die sich den Geheimdienst GCHQ leistet, der, wie das Investigatory Powers Tribunal vor einem Jahr entschieden hatte, nicht nur die ganze Welt, sondern selbstredend auch Abgeordnete des britischen Parlaments mittels Hacks überwachen darf, wie das so ein Geheimdienst nun mal macht.

Verdammter Putin immer.

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Liegengebliebenes vom 8. Oktober 2016

Selbstverständlich geht es den meisten Applekunden ausschließlich um die überragende Technik, was dieses Produkt nahezu schlüssig erklärt: Eine Kerze, die nach neuem Mac riecht.


Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, haben sie gesagt. Die machen Firmen menschlicher, haben sie gesagt.


Eigentlich jedes Mal, wenn ich Vinyl anpreise, kann ich mir sicher sein, dass einige Leser geräuschvoll oder auch völlig lautlos mit dem Kopf schütteln und mich einen rückständigen Konservativen schimpfen, der mit einer rein digitalen Musiksammlung so viel anfangen kann wie ihr Opa mit Rockmusik. Streaming ist die Zukunft und in jeder Hinsicht einer anständigen Plattensammlung überlegen. Mit einer Plattensammlung zum Beispiel fängt man sich nicht mal Malware ein. Voll doof.


Aus der beliebten Reihe „was für ein rückständiger Konservativer könnte denn was gegen den Fortschritt haben?“ übrigens auch: Insulinpumpen lassen sich im Vorbeigehen hacken.


Abschließend das Zitat der Woche, das bitteschön prominent im öffentlichen Raum platziert gehört: „[W]enn die Frage, ob die Bombe gut ist oder ob die Bombe böse ist, beinahe immer damit beantwortet werden kann, wer die Bombe abgeworfen hat, dann kannst du dir völlig sicher sein, dass du schon längst im Krieg bist.“

In den NachrichtenPolitik
Schmalhans des Tages: Torsten Albig, SPD.

Dieser Artikel ist Teil 13 von 14 der Serie Schmalhans des Tages

In der, ausgerechnet, Fernsehsendung „Die Anstalt“, in der bekannte und weniger bekannte Kabarettisten das Publikum unter Beifall und Gejohle, allerdings ansonsten folgenlos zur Erregung über die bizarre Politik vornehmlich des hiesigen Landes anzuregen versuchen, wurde kürzlich (Achtung: Flash!) pointiert darauf hingewiesen, dass der Begriff des politisch Linken und Rechten sich in den letzten Jahrzehnten dahingehend verschoben hat, dass in den großen Parteien von CDU/CSU bis zur „Linken“ allein ein irgendwie rechter gemeinsamer Wertekanon vorliegt.

Ein aktuelles Beispiel dafür liefert Schleswig-Holstein. Die Schleswig-Holsteinesen haben im Jahr 2012 – fast wollt‘ ich schreiben: n.Chr. – die christliche CDU-Regierung durch eine sozialdemokratische SPD-Regierung ausgetauscht. Man sollte nun annehmen, dass die SPD sich wenigstens vordergründig mehr für reale und weltliche Politik statt für die Anbetung von Geisterwesen interessierte, insbesondere unter der Prämisse, dass nur wenig mehr als die Hälfte der Einheimischen Mitglied der De-facto-Staatskirche (Christentum) ist. Pustekuchen:

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) wird am Montag von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen. (…) Die Papstaudienz findet im Rahmen einer Reise Albigs mit Erzbischof Heße statt. Auf dem Programm des zweitägigen Aufenthalts stehen gemeinsame Gesprächen mit der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, und dem Generalsekretär der Gemeinschaft von Sant’Egidio, Cesare Zucconi, sowie ein Gottesdienst im Petersdom.

Nun könnte man durchaus einen gewissen Witz darin sehen, dass im Vatikan auch ein Gespräch mit einer verurteilten Betrügerin (CDU, natürlich) ansteht, womit das alles wunderschön zusammenwächst, aber interessanter ist dann doch, dass das SPD-gebeutelte Oberhaupt eines Bundeslandes mit einer einstelligen Prozentzahl an Katholiken es für seine Aufgabe zu halten scheint, beruflich (also keinesfalls als Privatmann) in aller Pracht mit dem Papst zu parlieren und einem Gott, keinesfalls also dem Wählersouverän, zu dienen, jegliche Lippenbekenntnisse über die Trennung von Staat und Kirche als solche entlarvend. Dass Katholizismus, in den vergangenen zwei Jahrtausenden nicht gerade ein Fanal für Bürgerrechte und eine lebenswerte Zukunft, über ausreichend empfehlenswerte Antworten auf dringende politische Fragen unserer Zeit verfügt, darf bezweifelt werden.

Torsten Albig hätte nun die Möglichkeit, Zweifel an seinem Ansinnen zu zerstreuen, wenn er möglichst bald bekanntgibt, dass es außerdem politische Gespräche mit „Dagi Bee“ und Tim Cook geben wird. Den Vorwurf der einseitigen politischen Beeinflussung durch eine scheinbar wahllos ausgewählte politikferne Minderheit kann er nur glaubwürdig ausräumen, indem er zeigt, dass seine politischen Entscheidungen unter Abwägung aller Einzelinteressen zustandekommen.

Davon würde ich mir dann vielleicht sogar ein Video ansehen.

Die Übertreter aber werden vertilgt miteinander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.
Psalm 37,38

(via Patrick Breyer)

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Tomahawk – God Hates a Coward // Digitale Abgründe in Brüssel

stellt-euch-vor-es-ist-montag-und-ihr-sitzt-nur-muede-rumEs ist Montag, ein Tag der deutschen Einheit, ob wir wollen oder nicht. Der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, wusste, dass Volksabstimmungen gar nicht so gut sind. Folgerichtig empfehlen Deutschlands Linke für den heutigen Tag in bekannt bigotter Weise einen von lästigen Dingen wie Gemeinschaftssinn oder Menschlichkeit befreiten Aufstand des antikapitalistischen Pöbels gegen dieses verdammte Land. Nur hierbleiben wollen sie schon, weil es hier so einfach ist, halbwegs gut zu überleben. Wenn man niemanden in Dresden kennt, ist die Forderung nach einer Einebnung der Stadt bedeutend einfacher zu stellen. Der Mensch ist dem Menschen ein Dingsbums. Ein unglaublich blöder, manchmal, noch dazu. Wer nicht über seinen Schatten springen kann, der hat einerseits Physik verstanden, ist aber andererseits weniger gut geeignet für das, was zählt (i.e. Geborgenheit und etwas Musik). Was fehlt? I wo: Wer. Eine Woche zurück und ein neuer Versuch, noch mal im Arm statt immer nur im Bett einschlafen, mehr muss es ja gar nicht sein.

Da wir gerade bei Blöden waren: Den „Grünen“ gefällt es gar nicht, wenn ein Unternehmen zu viele Kunden hat, denn dann muss eine „missbrauchsunabhängige Entflechtungsmöglichkeit“ her. Ich würde ja die missbrauchsunabhängige Entflechtung der „Grünen“ befürworten, aber dann muss die ja irgendwer anders nehmen. Allerdings ist „Digitalpolitik“ (allein das Wort schon!) auch nicht für jeden Menschen geeignet; der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger etwa hat bisher offenkundig noch nicht mal eine Suchmaschine benutzt, was zumindest die einzige Erklärung für seine Theorie ist, dass kaum ein Nutzer einer solchen Suchmaschine jemals auf ein Suchergebnis klickt. Die lesen alles immer nur in Google, die Leute. Seine Partei, die CDU, hat derweil den Feminismus am Hals: Die Beteiligten hätten (…) vereinbart, das Thema Sexismus „ab sofort (…) in verschiedenen Gremien (…) zu diskutieren“, was mich doch hoffnungsfroh stimmt, dass demnächst Ruhe ist, denn an einer gremienübergreifenden Feministinnengruppe (meinten Sie: Grippe?) haben sich bekanntlich schon ganz andere Parteien verschluckt.

Bitte keine Postkarten aus dem Iran! Stattdessen: Musik aus Amerika. Ist ja auch mal ganz nett.

God Hates A Coward – Tomahawk (live)

Guten Morgen.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Es muss ja nicht immer alles überwacht werden.

Das konnte niemand ahnen: Überwachungskameras dienen der Überwachung. Damit müsse man ja rechnen, wenn man im öffentlichen Raum unterwegs ist, mag mancher nun argumentieren; allein: in all der smarten neuen Welt entgeht hierbei das Wesentliche.

Neulich zum Beispiel hat jemand die Website von Brian Krebs mit einem geradezu lächerlichen DDoS-Angriff von ungefähr 620 Gigabit pro Sekunde nachdrücklich aus dem Web geschubst. Das muss ja ein riesiges Botnetz gewesen sein, nehmt ihr jetzt zu Recht an – denn das ist es, und es ist nicht allein wegen seiner Größe beeindruckend: Es besteht aus Haushaltsgeräten und es werden immer mehr. Schon 2013 waren Bügeleisen willkommene Einfallstore für Schadsoftware, seitdem hat sich bedauerlicherweise einiges am Marktanteil solcher klugen Geräte in die falsche Richtung verschoben.

Es werden ja auch immer mehr: Smarte Ampeln. Smarte Plastikpenisse. Die besten Smartlampen des Jahres. Pro Gerät gibt es ungefähr zwei Sicherheitslücken. Prost Mahlzeit.

Der sicherlich irgendwie begründbaren Begeisterung für das total vernetzte Heim tut solches, bedauerlich!, nur wenig Abbruch, denn der Mist lässt immer neue kleine Firmen, immer weiter gehende Heimwanzen den Markt überrennen. Datenschutz funktioniert nur dann richtig, wenn man es (das Datenschutz, A.d.V.) verinnerlicht hat und es lebt. Wer seine heimische Klobürste vom Büro aus fernsteuern kann und nicht begreift, warum er das kann, der macht es falsch.

Es ist nicht schwer für ein seelenloses Gerät, smarter als manche Menschen zu sein.


Aus der beliebten Reihe „Der Feminismus bringt uns Dinge bei“: Wer eine Frau, die eine Straftat begangen hat, einer Straftat bezichtigt, ist ein armseliger, feiger Frauenverächter.

In den NachrichtenPolitik
Endlich: Verkehr legal gefährden!

„heise online“, 29. September 2016:

Auf einer Autobahn nahe Hamburg kam es Mittwoch wohl zu dem ersten Unfall in Deutschland, an dem ein Tesla mit eingeschalteten Fahrassistenz-Funktionen beteiligt war: Ein Model S fuhr auf einen Bus auf.

„heise online“, 30. (!) September 2016:

Der Bundestag hat einen Gesetzentwurf der Bundesregierung beschlossen, mit dem bereits im Verkehr befindliche Auto-Assistenzsysteme rechtssicher eingesetzt werden sollen, solange der Fahrer eingreifen kann.

Irgendwie muss man die Rentenkasse ja vollkriegen.

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Breit wie ein Bündnis

Das Wesen der parlamentarischen Demokratie ist es, dass sich trotz der im Grunde überzähligen Mittelsmänner zwischen Staatsoberhaupt, Regierung und Volk letztendlich doch dem nominellen Souverän die Möglichkeit bietet, selbst über Nuancen derer, die ihn vertreten, abzustimmen; gesetzt den Fall, es herrscht gerade keine Durchregierungskoalition, versteht sich. Das hebt diese parlamentarische Demokratie wohltuend ab von De-facto-Einparteiensystemen, wie sie gerade in Deutschland nicht völlig unbekannt sind, endete doch eine Wahl in der DDR jahrzehntelang mit dem klaren Sieg der SED, deren Politik letztlich selbst von der dortigen CDU gefördert wurde, während man hier im Westen zumindest die Wahl zwischen der reaktionär-konservativen Politik der CDU/CSU und der reaktionär-konservativen Politik der SPD hat; ferner liefen, versteht sich, die inhaltlich voneinander zumindest mitunter unterscheidbaren Koalitions- und Oppositionspartner.

Nun ist zu viel Auswahl ja bekanntlich nicht gut für die Demokratie, was immerhin das Ausbleiben von Gegenkandidaturen (medial grundsätzlich als „Kampfkandidaturen“ verschrien) in allerlei parteiinternen Gremien erklären mag und wahrscheinlich auch dies:

Unionsfraktionschef Kauder ist alarmiert über die „Anfeindungen gegen die Demokratie“ – und mahnt zur Einigkeit bei der Bundespräsidentenwahl. (…) Der CDU-Politiker plädiert vor diesem Hintergrund dafür, einen Nachfolger für Joachim Gauck zu finden, der „eine breite Zustimmung aller Demokraten erhält“.

Joachim Gauck, selbst als das kleinste gemeinsame Übel ins Amt gestolpert, kennt die Annahme, man könne mit „allen Demokraten“ einen zumindest homogen wirkenden Konsens erreichen, vermutlich noch von früher, als sich dieser Konsens in seinem Heimatland „Blockpartei“ nannte und von allen Demokraten gemeinsam mitgetragen wurde, sofern sie überleben wollten.

In der Demokratie geht die Macht vom Volke aus, doch häufig kehrt sie nicht zu ihm zurück.
Hellmut Walters

In den NachrichtenPolitik
Suzanne Vega – Tom’s Diner

Das alles ist betrüblichEs ist Montag und es ist grau, aber immerhin ein Montag, der mit ihr beginnt, was das Grau in allerlei Farben erhellt; und wenn man es sich hundertmal selbst ausgesucht hat, dann hatte man eben hundertmal, bitteschön, Unrecht.

Google würde gern Twitter kaufen, und wer Google kennt, ahnt, dass das für den Fortbestand Twitters kein gutes Zeichen wäre. Umarmen und zerstören. Sahra Wagenknecht hat derweil der „FAZ“ gegenüber mitgeteilt, die „Linke“ setze sich für einen starken Staat ein. Irgendwo muss man ja anfangen. Die Piratenpartei sei abgetakelt, behauptet derweil der Kiezneurotiker. Nichts mehr zu verlieren zu haben kann aber auch Vergnügen bereiten.

Übrigens: Schon „1984“ gelesen? Es ist nicht nur der Überwachungsstaat, es ist auch die Sprache: Der mögliche Präsidentschaftskandidat einer großen Koalition heißt Ükoka. Das klingt wie ein lustiger Vogel. Ich mag Vögel. Dazu, vielleicht, auch: Luxemburg hat den Religionsunterricht abgeschafft. Luxemburg ist ein feines Land.

Es ist Montag und es wird Herbst.

Tom's Diner Suzanne Vega

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Liegengebliebenes vom 23. September 2016

Was ist besser – Ruby oder Python? Das kommt ganz darauf an.


Google hat einen neuen Spionagemessenger veröffentlicht. Wir sind alle recht überrascht und ein Stück weit betroffen.


Ist das vom „Postillon“? Nein, von „SPIEGEL ONLINE“: Die SPD steckt im Umfragetief, Arbeitsministerin Nahles will nun verstärkt auf soziale Gerechtigkeit setzen.


Schönes Fundstück auch: Blitz und Donner dem Kapitalismus, besuchen Sie uns auf Facebook!


Deutsch/Medien, Medien/Deutsch: Der Rücktritt eines Landesparteivorsitzenden nach einer verlorenen Wahl heißt „Erosion“.


Drei Tage vor seinem Übertritt zu den Brandenburger Grünen tönte der ehemalige Vorsitzende der Berliner Piratenpartei, er sehe das Ausscheiden aus dem Abgeordnetenhaus als Chance, jetzt außerparlamentarisch noch bessere Piratenpolitik zu machen. Meinen herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an die Brandenburger Grünen zu ihrem moralisch integren Neuzugang. Selten habe ich einen geeigneteren Grünen gesehen.


Dazu auch und abschließend: Hadmut Danisch berichtet von Julia „Bomber Harris, Feuer frei!“ Schramms Facebookbeitrag, in dem sie die Piratenpartei als gefährlich für das menschliche Miteinander ihrer Mitglieder bezeichnet. Es ist schön, dass auch Julia Schramm – inzwischen, wie auch das Gros der ehemaligen Berliner Linkspiraten, bei der „Linken“ – eine humanistische Seite zu haben scheint, es ist nur etwas schade, dass sie die Transferleistung nicht erbringt.

In den NachrichtenPolitik
Projekt 18: Läuft (bei der SPD).

Die Berliner Wahlgewinner (historischer Erdrutschsieg, knapp über 20 Prozent der Stimmen) legen kräftig nach:

Der SPD-Parteikonvent hat sich mehrheitlich grundsätzlich für das Ceta-Abkommen mit Kanada ausgesprochen.

Es wäre freilich verkehrt, davon zu sprechen, dass eine wie auch immer geartete Mehrheit außerhalb der SPD „gegen CETA“ wäre, denn das Problem mit CETA ist und war wie auch bei TTIP noch nie seine Existenz, sondern die Art, wie es ausgehandelt wird, nämlich weitgehend versteckt vor Volk und Regierung. Ein demokratisch abgestimmtes Handelsabkommen, in dessen Wortlaut das Volk als Korrektiv einzugreifen Recht und Gelegenheit hat, wäre vermutlich eines, gegen das Protest seiner Grundlage verlustig ginge. So aber hat der designierte Expolitiker und Supermarktleiter Sigmar Gabriel die ehemalige Arbeiterpartei SPD den magischen 18 Prozent noch ein bisschen näher gebracht. Vom Boden der deutschen Sozialdemokratie darf nie wieder Krieg ausgehen.

Ganz schön kleines Volk, das die Völkchenpartei da hat.


Prima Idee übrigens: Selbst fahrende Autos sollten von Grand Theft Auto lernen. Das ist diese Spielreihe, in der man Punkte für’s Dingekaputtfahren bekommt. :aufsmaul:

PersönlichesPolitik
Warum ich die PARTEI nicht wähle

Seit ihrem Bestehen hat die Partei „Die PARTEI“, die es mittlerweile bis ins Europäische Parlament geschafft hat, eine treue und noch wachsende Anhängerschar sogar unter vermeintlich Linken, die mich seit ebenso langer Zeit von der Großartigkeit dieser Partei zu überzeugen versucht. Warum ich sie wählen sollte? Nun, sie sei – ich zitiere – „sehr (!) gut“, das eingeklammerte Ausrufezeichen gehört offensichtlich zum Schlachtruf.

Ich nehme mir jetzt die Zeit, einmal darzulegen, warum das eine unfassbar dämliche Idee von mir wäre, und möchte danach nie wieder etwas davon hören.

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Mir wird geschlechtMusik
Kurz verlinkt: Identifikationspenisse

Lesenswert, übrigens: Offenbar gibt es eine lauter werdende Minderheit, die auch in der Musik das Vorhandensein der richtigen Geschlechtsmerkmale über das Talent stellen möchte.

Als würde das Geschlecht darüber entscheiden, ob jemand ein guter, spannender oder langweiliger Künstler ist. (…) Als würden Konzertbesucher – männlich oder weiblich – das Konzerterlebnis danach bewerten, ob die gespielten Komponisten oder gar die Person am Pult Geschlechtsgenossen sind oder nicht.

Ich für meinen Teil wäre nicht völlig unzufrieden damit, spielten Radios mal was anderes als 90er-Pop mit Ohren betäubendem Frauengesang; aber ich bin natürlich auch ein bisschen eigen, was Musik betrifft.

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Medienkritik in Kürze: Bautzens anderes Level

Zu irgendwelchen Ausschreitungen in Bautzen (Sachsen, natürlich) berichtet „ZEIT ONLINE“:

Nach Angaben der Polizei standen am Mittwochabend auf einem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen überwiegend aus dem rechten Spektrum 20 jungen Asylbewerbern gegenüber. (…) Nach Einbruch der Dunkelheit seien die Asylbewerber von der Polizei aufgefordert worden, den Platz zu verlassen. Sie hätten sich aber geweigert, einige seien dann gewaltsam gegen die Beamten vorgegangen. Die Rechten sollen daraufhin (…) auf die Asylbewerber zugestürzt sein. (…) Aus der Reihe der Asylsuchenden wurden die Beamten den Angaben zufolge unter anderem mit Flaschen und Holzlatten beworfen. (…) Zwar gebe es seit etwa zwei Wochen auf dem Kornmarkt ein Problem mit jugendlichen Flüchtlingen. Auch sei es gelegentlich zu Pöbeleien und Beleidigungen gekommen. „Nun aber geht es um anderes Level“, sagte [Oberbürgermeister] Ahrens.

(Hervorhebungen von mir.)

Der „Tagesspiegel“ erklärt, worin dieses „andere Level“ wohl besteht (Hervorhebung ebenfalls von mir):

Der rechte Mob jagte die jungen Flüchtlinge unter „Wir sind das Volk“-Rufen bis zu ihrer Unterkunft in der Dresdner Straße.

Damit auch ja niemand annehme, da sei beidseitig irgendwas unnötig eskaliert, wird hier durch die Wortwahl noch mal sichergestellt, dass das Weltbild nicht schief hängen möge.

Deutschland hat, wie es scheint, vor allem ein Journalismusproblem.