Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

NerdkramsNetzfundstückePolitik
Revolutionstüten / Fensterverknappung

Wisst ihr noch, „Die Linke.“ in Berlin?

Ob die Privatisierung der GSW oder der investorenfreundliche Sparkassenverkauf, ob kleinteilige Immobiliengeschäfte über den Liegenschaftsfonds oder die großflächige Betonierung der Spreeufer – die Berliner Linkspartei war sich in den letzten Jahren für wirklich nichts zu schade.

„Die Linke.“ gibt’s jetzt auch mit merchandising:

Privatisierung ist Raub

Im Wald, da sind die Räuber,
halli, hallo, die Räuber.
Volksweise


Nachdem auch Firefox jetzt Chromes desktopuntaugliches Aussehen adaptiert hat, kann man bei Google über weitere „Optimierungen“ nachdenken. So ein Browserfenster stört ja nur beim Angucken der Website.

Das Ziel scheint es zu sein, den „Kioskmodus“ – F11 unter Windows und anderen Systemen – weitgehend überflüssig zu machen. Und was hat so ein Browser noch so alles, was keine Sau braucht? Klar: Die Adresse der angezeigten Website.

Wird schon stimmen, wenn da zum Beispiel „Sparkasse“ auf dem Bildschirm steht. – Lasst doch die lästige Website unter der URL-Leiste auch gleich weg. Sicherer Phishing-Schutz! :mrgreen:

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Von hinten durch die Brust in’s Auge

Aus der beliebten Rubrik „Mit Satzzeichen wär’s nicht passiert!“:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Derweil der kommissarische, zum Glück also wenigstens weitgehend ungefährliche Bundesvorstand der Piratenpartei so:

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen die Erfahrung machen müssen, dass Äußerungen unsererseits, die eigentlich nur der Beantwortung Eurer Fragen dienen sollten, postwendend in neue Klagen (wie erfolgversprechend oder nicht sie auch sein mögen) eingeflossen sind. (…) Es werden keine “öffentlichen” Sitzungen zu “nicht öffentlichen” Sitzungen, sondern die Sitzungen entfallen ganz und werden durch schriftliche Berichte ersetzt.

Man verstößt also so lange gegen die Grundsätze, die für einen kommissarischen Bundesvorstand gelten, etwa, dass seine Macht auf die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags zur Neuwahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sanktionen gefordert werden; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unangemessene Ecke gedrängt zu fühlen und ihr das Mitspracherecht sukzessive abzuschneiden. Wohlgemerkt: Auch dies wegen fehlender Handlungsfähigkeit unbefugterweise.

Im November nannte ich die Wahl des Bundesvorsitzenden gut und richtig. Ich beginne an meiner Aussage zu zweifeln.

Netzfundstücke
UMG: Leck mich im Arsch!

Was passiert eigentlich, wenn man versucht, mittels von YouTube bereitgestellter Techniken in einem „sozialen Netzwerk“ wie Diaspora Musikstücke eines Künstlers zu „teilen“, der seit 223 Jahren tot ist?

Genau:

UMG

Das Urheberrecht muss auch im digitalen Zeitalter sicherstellen, dass Menschen von ihrer geistigen Arbeit leben können.
Ansgar Heveling (CDU)

(via Elias)

Netzfundstücke
Sendeschluss in Neuland

Der Zustand des „öffentlich-rechtlichen Internets“ kurz zusammengefasst:

Ausgewählte Beiträge der „Ortszeit“ gibt es montags bis freitags zwischen 9 und 23 Uhr, samstags zwischen 9 und 17 Uhr sowie sonntags zwischen 13 und 23 Uhr zum Herunterladen[.]

Außerhalb der genannten Zeiten hat die Downloadabteilung, die die Daten auf den Rechner der Besucher schiebt, Feierabend. :irre:

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Autismus, Sascha Lobo, Lächelvermeidung

Missverständnisse über Autismus in den Medien zu suchen ist müßig; der Autismusvergleich für jeden Menschen, der irgendwie anders ist, hat sich schon vor Jahren abgenutzt. Trotzdem finde ich diese Frage – ausnahmsweise mal in einem ausländischen Medium – überaus entlarvend:

Wenn Autismus keine Krankheit ist, wie kann man ihn dann behandeln?

„Wenn ein Holzelefant kein Auto ist, wo kommt dann das Benzin rein?“

(Und wie kann man eigentlich solche „Journalisten“ behandeln?)


Sicher auch nur ein Missverständnis war es, dass ich ernsthaft davon ausgegangen war, Sascha Lobos im Januar in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ veröffentlichter Text mit dem Fazit, „das Internet“ sei kaputt und „der Netzoptimismus“ führe in seiner gegenwärtigen Form vollkommen am Ziel vorbei, habe zur Folge, dass er, Lobo, künftig nicht mehr als „Internet-Experte“ dummes Zeug in Medien, die das Leistungsschmutzrecht fördern, hineinschreiben würde. Er schrieb damals, der „Rechtbehaltewunsch“ sei bei „der Netzgemeinde“ so stark wie nirgends sonst.

Und er, Lobo (SPD), der „Sprecher“, gar Erlöser der „Netzgemeinde“, habe es ja damals schon gewusst, schrieb er also gestern in einem weiteren „FAZ“-Text: Man brauche – Gedankenstrich – „einen neuen Internetoptimismus“. Diesmal einen ohne Dummheiten, meinte er damit; und ich bin optimistisch, dass die kollektive Dummheit, die „uns“ alle paar Wochen einen neuen Text unseres „Vordenkers“ Sascha Lobo zu fressen gibt, „im Internet“ dann demnächst auch mal aufhört.


Noch so ein Phänomen im „Journalismus“ sind im Übrigen gestellte Fotos zur Bebilderung langweiliger Textwüsten. Gezeigt werden meist betont fröhliche, betont traurige oder sonstwie betonte Menschen, mit denen vorher geübt wurde, wie sie möglichst unnatürlich aussehen, damit es besser in die Zeitung passt.

Oder halt zum SWR, wo es ein Foto namens „Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig.jpg“ gibt:

Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig

Na ja, zwei von vier.

Ach, ihr.
Die Ärzte: Ein Lächeln (für jeden Tag deines Lebens)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
PISA beweist: Deutscher Nahverkehr macht Schüler blöd!

Es gibt auch noch gute Nachrichten: Nur ein Fünftel der deutschen Schüler ist zu doof für Alltagsaufgaben, was Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern seinem ehemaligen Status als Land der Dichter und Denker wieder ein wenig näher bringt.

Wie gut können Deutschlands Schüler alltägliche Probleme lösen? Neue Daten aus der Pisa-Studie zeigen: Ein Fünftel der 15-Jährigen ist schnell überfordert. (…) Deutschlands Schüler liegen leicht über dem OECD-Durchschnitt[.]

„Alltägliche Probleme“ – das klingt doch schon weniger nach Intelligenztests („sortieren Sie diese abstrakten Gebilde nach Richtigkeit“) als nach praxisnahem Bildungsvergleich. Was für Probleme waren das denn so?

Die U-Bahn fährt ein, schnell noch ein Ticket kaufen: Tageskarte? Kurzstrecke? Ein Ring? Ermäßigt – oder doch nicht? Eine kleine Entscheidung nur, aber sie lässt täglich Tausende rätseln. Für die Pisa-Studie mussten sich weltweit 15-Jährige mit solchen Aufgaben befassen. (…) Besonders gut schnitten bei diesem Test wieder einmal asiatische Länder ab: Singapur, Korea und die chinesischen Städte Macau, Hongkong und Shanghai stehen erneut an der Spitze. Auch Japan landete weit vorn.

Selbst die Asiaten verstehen das Preissystem von blöden Verkehrsunternehmen wie der üstra also besser als „wir“; bzw. haben sie die gar nicht erst. Daran könnte man natürlich arbeiten, aber man könnte auch einfach jeden, der es nicht versteht, für nicht alltagsfähig befinden. Könnte man. Wie’s halt auch bei anderen Aufgaben so ist:

Schon frühere Studien hatten vor einem „Sockel der Abgehängten“ in Deutschland gewarnt, der Bundesbildungsbericht aus dem Jahr 2012 beispielsweise. Auch diese Pisa-Auswertung zeigt: Fast 20 Prozent der deutschen Schüler erreicht nicht das Basisniveau (Level 2 von 6), in etwa gleich viele Jungen wie Mädchen. Sie können also nur sehr einfache Aufgaben bewältigen, ohne vorauszudenken; beispielsweise schaffen sie es, das günstigste Möbelstück aus einem Katalog auszuwählen. Im Vergleich: In Japan und Korea erlangten weniger als 7 Prozent nur das Basisniveau.

Deutsche Kataloge: Viele Bilder, wenig Fakten. Japanische Kataloge kenne ich allerdings nicht.

Aber nicht nur ökonomisch relevante Aspekte waren in der Studie gefragt:

Wer im Alltag und in der Arbeitswelt bestehen will, so die Forscher, der müsse mehr können, als reines Schulwissen anzuwenden. (…) Der muss auch mal spontan ein fremdes Handy bedienen können, eine Klimaanlage oder einen MP3-Spieler.

Genau – in der Arbeitswelt findet keinen Platz, wer nicht schon in der Schule Fotos auf dem geklauten smartphone machen kann.

„Machen Sie mal die Klimaanlage an!“
„Ich kann das nicht, Chef.“
„Sie sind entlassen!“

Und wer senkt mal wieder den Schnitt? Richtig:

Spitzenwerte hingegen erzielten rund 13 Prozent der deutschen 15-Jährigen. Darunter sind deutlich mehr Jungen (60 Prozent) als Mädchen (40 Prozent), dieser Geschlechterunterschied entspricht dem OECD-Durchschnitt.

Vielleicht sollte die grundlegende Förderung von Mädchen also nicht in Einstellungsquoten bestehen, sondern darin, dass sie erst mal beigebracht bekommen, wie man lebt; also das volle Zugabteil richtig mit MP3s beschallt. Sonst wird ja nie was aus denen!


Was macht eigentlich die „Pirantifa“ grade so? Nun, Oliver Höfinghoff („Geh‘ mir aus der Sonne, sonst knallt’s hier“, hier nachzulesen), Pirat in Berlin, findet, Ali Utlu, schwuler, atheistischer, türkischer Pirat aus Köln, sei aufgrund seiner harschen Kritik an der Antifa klar ein Rassist und damit sowas von raus aus jedem politischen Diskurs. Politischer Diskurs muss heterosexuell bleiben! – Egal. Gegen das System. Fuck die Nuss! Auch, wenn’s schmerzt.

NerdkramsNetzfundstücke
Die Freiheit, Böses zu tun

Erinnert sich noch jemand an Hans-Peter Uhl? Hans-Peter Uhl hatte 2013 für De-Mail geworben. De-Mail war das hier:

Sie können mit De-Mail Ihre Nachrichten und Dokumente, die Sie aufgrund vertraulichen und rechtsverbindlichen Inhalts bisher per Briefpost versendet und empfangen haben (zum Beispiel Verträge und Bescheide), nun auch auf elektronischem Weg rechtssicher und nachweisbar versenden und empfangen.

De-Mail, der feuchte Traum jedes Verfechters des „papierlosen Büros“, hat sich bis heute so wenig durchgesetzt, dass offenbar viele Leute fragen, wie man diesen Datenballast wieder loswird. Tja, ganz einfach auf dem rechtssicheren Weg:

Um Ihren De-Mail-Vertrag zu beenden, senden Sie uns bitte eine unterschriebene Kündigung per Brief oder Fax zu[.]

:-?

(Nachtrag: Rechtliche Hintergründe beleuchtet Didi in den Kommentaren hier untendrunter.)


Und dann war da noch die Free Software Foundation, die über Freiheit und Unfreiheit von Softwarelizenzen wacht. Heutzutage hat anscheinend beinahe jedes Programm eine bestimmte Lizenz, an die die Benutzer gebunden sind. Und wie wenig es braucht, um eine Lizenz „unfrei“ zu machen!

The JSON License: (…) This license uses the Expat license as a base, but adds a clause mandating: “The Software shall be used for Good, not Evil.” This is a restriction on usage and thus conflicts with freedom 0.

Nutzern freier Software muss es erlaubt bleiben, Böses mit der Software zu tun. (Außer gegen die Lizenzbedingungen zu verstoßen, versteht sich; das ist selbst der Free Software Foundation zu böse.)

Das Böse ist immer und überall!
Erste Allgemeine Verunsicherung: Ba-Ba-Banküberfall

(via @horse_mans)

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Studierx der Gallier

Verfechtern des „Gendersternchens“, also der Wortbildung aus Wortstamm + Asterisk + weiblicher Wortendung zur Darstellung mehrerer Geschlechter in einem Wort, hatte ich bislang meist, wenig beeindruckt von der Feminisierung (entscheidend sind im Deutschen nun mal die Endungen), vorgeschlagen, mich erst wieder zu behelligen, wenn sie ein „generisches Neutrum“ etablieren konnten, also eine Wortform, die beschreibt, dass zur angesprochenen Gruppe theoretisch Angehörige jedweden biologischen oder sonstigen Geschlechts gehören könnten, durchaus angetrieben von der Hoffnung, dass sich das nicht so bald ereignen möge.

Das war ganz offensichtlich – jetzt, da die renommierte Humboldt-Universität zu Berlin dieses Ereignis eintreten ließ – eine bescheuerte Idee (lokale Kopie hier):

Es handelt sich bei der Vorlesung um eine der ersten, die angehende Erziehungswissen_schaftlxs besuchen, die also Weichen für xs Studium stellt_setzt_legt und xs Ansichten mitprägt.

(Ausführliche Anal_ysen für schmerzfreie Leser gibt’s hier und anderswo.)

Ich* fü_hle mich* ja bereits dadurch dis_krimi_niert, dass dixs Auto_rxse mir* gegen_über einx Sprachx pfleg_en, dix ich* nicht mehr ver_stehe_sitze_lege.

(Andererseits tät‘ mich eine Audioversion inklusive der Sprechpause in „Wörtern“ wie i_hre schon interessieren. Wer schafft’s, ohne in Unernst zu verfallen?)

Erst in dem Augenblick, als ein allgemeiner Aufschrei oder Aufkreisch der gequälten Menschennatur in jeglicher Kehle emporstieg, nahm er kaltblütig laut, kräftig und amtsmäßig das Wort[.]
Wilhelm Raabe: Christoph Pechlin


Nachtrag, da wir gerade bei Sprache waren: Die Deutsche Bahn wurde zum Sprachwahrer des Jahres 2013 gekürt. Warum? Darum:

Um unsere Mitarbeiter dabei zu unterstützen, haben wir ihnen in unserem firmeneigenen Intranet ein Glossar zum Thema „Anglizismen“ an die Hand gegeben, mit dem sie ihren alltäglichen Sprachgebrauch kritisch unter die Lupe nehmen können, um eine inflationäre Verwendung englischer und scheinenglischer Begriffe zu bremsen. Das Glossar enthält rund 2.200 verbreitete Begriffe mit den jeweiligen deutschen Entsprechungen. (…) „Hotlines“ wurden im Zuge dieses Prozesses zu Service-Nummern.

Nun ja; immerhin nicht „Service Nummern“. :roll:

NetzfundstückeSonstiges
*küsst sich*

Das Internet ist außer sich vor Freude:

Die Künstlerin Tatia Pllieva bat 20 einander völlig unbekannte Menschen, sich vor der Kamera zu küssen. Das Video davon wurde zu einem viralen Hit.

Selbst das fast vergessene Twitterkonto @SchriftTube, dessen Betreiber bekannte YouTube-Videos in maximal 140 Zeichen nacherzählt, wurde reaktiviert und beschrieb es ähnlich, ebenso unzählige sonstige Twitter-Spaßvögel wie @nutellagangbang.

Und in der Sprache der Jugend mag’s tatsächlich um ein Video gehen, in dem sich jemand küsst: „Habt ihr euch geküsst? Iiiihh, die haben sich geküsst!“ Ein Paar (nicht notwendigerweise miteinander liiert) küsst sich, wie es sich sonst streitet, liebt, prügelt, trennt und verklagt; nämlich normalerweise gar nicht. (Es existiert tatsächlich mindestens ein auch als Film erfolgreicher Roman über eine Person, die sich schlägt, aber darüber darf ich nicht reden.) Eine spannende Ausnahme ist jedenfalls „fickt euch!“, denn das meint fast immer die Gesamtheit von Einzelpersonen.

Auch in dem Video küsst sich niemand – Menschen küssen dort einander, wie sie sonst eben auch einander lieben und verklagen, wenn sie sich nicht gerade in so einer Phase befinden. (Genau so falsch machen’s immerhin auch sprachgewandte Liedtexter wie Die Ärzte, die „halten Händchen, küssen sich“ im Lied „Regierung“ als üblichen Umgang von Pärchen miteinander beschrieben; ganz anders dagegen Rammstein in „Herzeleid“: „Bewahrt einander vor der Zweisamkeit“.)

Ich bin allerdings schon etwas enttäuscht. Knutschende Paare langweilen mich – zwanzig Personen, die sich küssen, hätte ich allerdings durchaus gern gesehen.

NetzfundstückeWie die Anderen
Wie die Anderen (3): SEAT jetzt auch mit Rausguckfunktion

(Vorbemerkung: Dies ist der dritte Teil meiner losen Reihe „Wie die Anderen“, diesmal erneut inspiriert von Fefe.)

Old and busted: Wetter-Apps auf Smartphones.

New hotness: Windschutzscheiben.

Mit dem SEAT Portable System und der Wetter Live Funktion im SEAT Ibiza ITECH habt ihr stets das aktuelle Wetter im Blick.

Einmal mit Profis!

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Warnung: Erschreckend echte Darstellung von Alltag!

[TW: Fassungs- und Verständnislosigkeit, Rationalität, Polemik.]

Ich begebe mich gelegentlich auf feministisches Terrain, weil zu den Feministen auch einige kluge Köpfe zählen, die sich durch eine hervorragende Weltsicht und ihre Offenheit in sachbezogenen Diskussionen wohltuend von den anderen Feministen abheben. Manchmal lese ich auf diesem Terrain Tweets, in denen „TW“ vorkommt. Das hat mich zunächst ein wenig irritiert, denn einen Themenwechsel gibt es auf Twitter normalerweise eher selten (schon deshalb, weil es selten um Themen geht). Ich habe das mal nachgeschlagen.

Laut Blog der „Mädchenmannschaft“ (Vorsicht: Blog der „Mädchenmannschaft“) steht das „TW“ für eine „Triggerwarnung“, also eine Warnung davor, dass verlinkte Texte womöglich früher erlittene Pein wieder ins Gedächtnis rufen könnten.

Stellt euch zum Beispiel vor, ihr geht mit ’nem schönen Krimi aufs Klo und denkt an nichts Böses.

Und dann blättert ihr die Seite um und da erwischt es euch plötzlich eiskalt; irgendein Trigger, der euch sofort wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Vorbei ist es mit der Entspannung, vorbei mit der Auszeit, und euch beschleicht einmal mehr das Gefühl: Rape Culture (Vergewaltigungskultur) ist überall.

Ich finde ja auch, Krimis sollte man verbieten und durch irgendwas Harmloses (mit Luftballons) ersetzen. Sie sind voller unnötiger Gewaltdarstellungen!

Man verstehe mich nicht falsch: Dass Vergewaltigungsopfer ungern detaillierte Beschreibungen von Vergewaltigungen lesen, ist mir durchaus nicht unbekannt. Dieser gut gemeinte Ansatz lässt sich allerdings offenkundig hervorragend übertreiben, und der „Mädchenmannschaft“ fiel bei ihrer vorangestellten „Triggerwarnung: Beschreibung von Triggern“ wohl nicht auf, wo das Problem liegen könnte. Der real existierende Feminismus bringt Menschen hervor, die Texte über Vergewaltigung, Trigger, Essstörungen, Ablenkung und dergleichen schon beinahe reflexartig nur noch mit vorangestellter Warnung publizieren, vermutlich insgeheim bedauernd, dass das mit den Stoppschildern für’s Internet nicht geklappt hat, denn dann könnte man das Triggerproblem direkt an der Wurzel lösen. Überall nur noch böse Menschen. Schlimm, schlimm.

Auch vor wirklich schlimmen Dingen wie der Beschreibung von Fehlgeburten wird gewarnt:

Danke fürs Teilen! <3 (Achtung: Lebensrealität)

Da schreibt eine Frau einen (zweifelsfrei lesenswerten, aber auch recht detaillierten) Text über ihre Fehlgeburt und schreibt das sogar extra dran, um Sensibelchen, die mit zu detaillierter Darstellung von Fehlgeburten ein Toleranzproblem haben, davor zu bewahren, versehentlich etwas darüber zu lesen, und dann fällt jemandem auf, dass da noch eine ganz wichtige Warnung fehlt. „Achtung: Lebensrealität“. Kann Spuren von Realität enthalten. Der Umkehrschluss? Ausdrücklich nicht gewarnt werden muss vor flauschigen Katzen und Ponys. (Außer, wenn man als kleines Kind mal von einem Pony runtergefallen ist, dann ist „TW: Huftiere“ natürlich Pflicht, wenn man nicht als respektloser Macker – oder wie auch immer gerade das aktuelle Flauschiwatti-Szeneschimpfwort für normale Leute lautet – erscheinen möchte.)

Sofern hier jemand mitliest, der sich auskennt: Hä?


Auch ’n fieser Trigger natürlich: Unerwünschte Nacktheit.

In den NachrichtenNetzfundstückeWirtschaft
Gib dem veganen Affen Xucker!

Ach, was haben wir nicht alle über den herrlichen Veganerwitz gelacht: „Ganz schön anstrengend, vegan zu kochen. Es gibt Holz.“

Irgendein Vermarkter hat da wohl die Pointe nicht verstanden und präsentiert uns „Xucker“, Zuckerersatz aus Xylit:

1 kg grobkörniger Xucker (Xylit / Xylitol / Birkenzucker) aus Finnland in einer praktischen Dose. Dieses Xylit wurde aus dem Ursprungsmaterial Holz (FSC) hergestellt. Die Körnung ist etwas gröber als die von Haushaltszucker. Vegan.

„Was? Diese Veganer schütten Birken in ihren Tee?!“ Nein, nein, das ist selbstverständlich ein Missverständnis:

Die Bezeichnung Birkenzucker wird aus werblichen Gründen oft benutzt, ist aber irreführend: Es wird in Finnland entgegen aller Behauptungen weder aus Birkenrinde noch -holz hergestellt, sondern zu 95 % aus Buchenholz.

Birken wären ja auch wirklich lächerlich.


Apropos lächerlich: Die USA (das waren die mit der vorübergehenden Staatspleite neulich) haben auch ein paar Werbefachleute rangelassen. Diese Werbefachleute haben auch gleich Maßnahmen ergriffen:

Als prominentes Beispiel kann hier das US-Außenministerium genannt werden, das insgesamt 630.000 US-Dollar in Facebook-Werbung investiert hat, um mehr „Likes“ zu generieren.

Übersetzt: „Die Amerikaner“ haben 463.644 deutsche Stundenlöhne ein paar Leuten zur Verfügung gestellt, die auf dieses alberne „Gefällt mir“-Symbol klicken, sobald einer von ihnen auf Facebook irgendeine Grütze von sich gegeben hat. Geschäftsmodell Dingeanklicken. Ich wäre ein hervorragender Ökonom. Interessant an diesem Vorgang ist aber vor allem die Frage nach dem Nutzen. Klar: Das in „Gefälltmirs“ investierte Geld wird als Werbekosten deklariert. Was auf diese Art beworben werden soll, weiß ich nicht, vielleicht die US-amerikanische Außenpolitik.

Denn wer sich eine neue Politik kaufen möchte, entscheidet sich immer für die mit den meisten Facebookklicks. :irre:

NetzfundstückePolitik
Klatschvieh, QuakeNet, Überwachung

Lesenswert (1): Stefan Niggemeier hat sich für ein paar Stunden zwischen das Publikum diverser Fernsehsendungen gesetzt und ist etwas irritiert.

René, der Warm-Upper, versucht sein Bestes, das Publikum bei Laune zu halten. Bald werden seine Ansagen in den Umbaupausen zu Durchhalteparolen: Nach Spiel neun, verspricht er, werde Wasser verteilt werden, und keine Sorge: Es sei genug für jeden da. Die ersten Worte der Mitarbeiterin, die endlich mit einem Gebinde von Plastikflaschen die Treppe herunterkommt, als Spiel vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun vorbei sind, lauten dann: »Könnt ihr es euch bitte einteilen, wir haben nicht genug für alle.«

Wenigstens werden „leergeklatschte“ (ebd.) Zuschauer gelegentlich unauffällig durch frische, noch über Restwasser verfügende Personen ersetzt; sonst wäre das ja unmenschlich.


Lesenswert (2): Die Betreiber des IRC-Netzes QuakeNet finden die Angriffe auf IRC-Infrastruktur im Auftrag der britischen Regierung nicht zum Lachen.

We urge the British government to initiate an immediate and thorough public investigation into the actions of GCHQ and to assure users, companies and communities who rely on the internet that they are safe from being accidentally targeted by the broad, oppressive and legally grey hammer of agencies under their control.

Da bin ich mal gespannt.


Lesenswert (3): Das US-amerikanische Außenministerium findet, in Russland wird zu viel überwacht.

Besucher der Winterspiele im russischen Sotschi sollen davon ausgehen, dass ihre Kommunikation vom Staat und Kriminellen ausspioniert wird, warnt die US-Regierung.

So viel Einsicht hätte ich ihnen gar nicht zugetraut.

MusikNetzfundstücke
„Danke“, HTC!

Besten „Dank“ für diesen Mehrwert:

Schlankes Design. Bombastischer Sound. Duale Stereo-Frontlautsprecher lassen im Zusammenspiel mit kräftigen Verstärkern alle um Dich herum Deinen Sound hören. Teile Deine Musik, teile Deine Videos, teile Deine Spiele – in der richtigen Lautstärke.

:wallbash:

(Das ist eben der immergleiche Appell an den menschlich-kindlichen Instinkt: Rationalität ist der zu besiegende Gegner derer, die etwas verkaufen wollen; weil man eben mit zwei, drei, vier, fünf und sechs oder zweihundert Klingen Gesichts-, Bein- und sonstwelche Haare noch abber als ab bekommt. Kauf, du Arsch! Mit Höflichkeit, sei’s juveniles Du oder distanziertes Sie, wo doch das Er meist ehrlicher wär‘, verkauft sich ein schlechtes Produkt nicht, es muss schon „witzig“ (Max Goldt, „Was man nicht sagt“) oder wenigstens pfiffig sein. Wenn’s dazu nicht reicht, dann genügt’s jedenfalls zur Statusaufbesserung: „Seht her, mein mobiles Telefon dröhnt meine Lieblingsfunktionsmusik noch aufdringlicher durch den Bus als das eure! Labet euch an seiner Güte!“ Dem letzten französischen König wurde für derartig pompöse Zurschaustellung des Reichtums seiner Vorgänger die „Rübe“ (Holger Roehlig) runtergeschlagen, aber in diese schrecklich engen öffentlichen Verkehrsmittel passt die mobile Taschenguillotine eben auch nicht mehr. Ein Hoch auf die Sparsamkeit und Klammer zu.)

KaufbefehleNetzfundstückePiratenpartei
Sexy, sexy Karpfen (2): Frauen, die auf Särge starren.

Den Welterfolg „Frauen mit erotischen Karpfen“ habt ihr sicher schon alle zu Hause und freut euch über jeden neuen Monat.

Aber ihr wollt sicher nicht immer nur die gleichen Motive im Schlafzimmer hängen haben. Abwechslung gefällig? Nackte Frauen auf erotischen Särgen! Ich bin schon ganz steif.

(Gut, so einen Sarg benutzt man meist nur einmal im Leben, da ist eine ansprechende Präsentation der verschiedenen Angebote natürlich stets willkommen.)


Apropos „will kommen“: Der nordrhein-westfälische Landesverband der Piratenpartei sucht einen Penetrationstester. Gefordert sind mindestens drei Jahre Erfahrung im Bereich Penetrationtesting (die Praxiserfahrung ist nachzuweisen!), freundliches, aber verbindliches Auftreten, Belastbarkeit, Verschwiegenheit und Erfahrung mit Exploit Development.

Diese Ferkel.

(via L.)