Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

ComputerNetzfundstücke
Fürchtet die Spezialsoftware!

Flieht, ihr Narren!

Spezialsoftware!

(via @NDRnetzwelt)

Netzfundstücke
Alles nur Schall und Niederschlag

Habt ihr schon mal eine Wetterstation für das heimische Wohnzimmer gebastelt?

Falls nicht: Wisst ihr, was ihr dafür braucht?

Richtig: Unter Anderem Einen Schallmesser.

Chile hat die lautesten Fußballfans. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Geräuschdaten aus den Wohnzimmern, die weltweit durch das in die Netatmo-Wetterstation integrierte Sonometers erfasst werden.

:-?

(via Schwerdfegr)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Frieden, Liebe und Mitgefühl

Tierrechtsinitiative Rhein/Main, ca. April 2014:

Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen! (…) Wir akzeptieren allerdings keine (…) diskriminierenden, grenzverletzenden Äußerungen und Verhaltensweisen, (sic!) sowie weitere Unterdrückungsmechanismen.

„Psiram“-Blog nach der Veranstaltung:

[S]elbst ein Schuhgeschäft fiel den Rasenden zum Opfer, hier wurden Kunden am Betreten gehindert. Eier mit der Aufschrift “Mörder”; ein Fruchtgummi-Laden unter massivem Polizeischutz – man mag es sich kaum vorstellen. (…) Seit ein paar Tagen fürchte ich mich ein wenig vor der Entfesselung dieser Idealisten, die mit mir über meine Schuhe reden wollen[.]

„Pro-Vegan“-Blog, Infothek:

Vegan ist Frieden, Liebe und Mitgefühl für alle empfindungsfähigen Lebewesen!

Hauptsache, es wird keine Grenze verletzt. Man ist ja kein Unmensch.

MusikNetzfundstückePersönliches
Dreimal kurz erwähnt: Geschlechtsreife, Gemüsenazis und die gute alte Sehnsucht

Kannte ich noch gar nicht: Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane.


Rührend: Die „Jungle World“ („Club-Mate ist das Getränk des kommenden Aufstands“, 28. April 2011) macht sich Sorgen um die Gesundheit zweier veganer Kochneonazis:

Besorgniserregend hoch scheint der Koffeinverbrauch der beiden Köche zu sein. Gleich drei Kisten einer beliebten Mate-Limonade sind im Hintergrund zu sehen und auch sonst stehen Flaschen des Getränks fast überall in der Küche herum.

Da sieht man mal, wie krank die sind!


Apropos „Jungle World“:

De|si|de|rat, das; -[e]s, -e [lat. desideratum = Gewünschtes]: (…) (bildungsspr.) etw., was fehlt, was nötig gebraucht wird; Erwünschtes[.]

Und eigentlich kennt man das ja, dieses Gefühl, wenn etwas fehlt, etwas gebraucht wird; was dann auch meist gar nicht mal so fern ist, aber doch unnahbar, weil man statt des bequemen Weges vorbei an Wiesen und Flüssen lieber die steinige Abkürzung nimmt, um zu beweisen, dass man es nicht nur bequem haben will, und man bricht auf dem Weg zusammen und rappelt sich dann doch wieder auf, geleitet nur von den Farben und der Stimme, wie in diesem einen Lied, das jeder kennt und das für jeden anders heißt.

From Monument To Masses – "Deafening" – 4/27/07

Und eigentlich ist es trostlos, wenn sie nicht bei einem ist. Aber das kennt ihr ja.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Always look on the dark side of Twitter

Was macht eigentlich der Feminismus gerade so?

Na ja, er spricht über Twitter, das seine Protagonisten nutzen, …

(…) um mitzubekommen, was in der Welt oder bei unseren Freund_innen, Kolleg_innen und anderen Menschen passiert, um GIFs zu posten, um uns zu freuen und manchmal auch aufzuregen – eben für alles, wofür soziale Netzwerke und dieses Internet™ so gut sind. Was wir da schreiben, kann jede_r lesen, es ist über Suchmaschinen auffindbar, kurzum: öffentlich.

Das Internet – ™ – ist also dazu da, um GIFs zu posten und sich zu freuen. Die Wikipedia gehört da gar nicht rein, da lernt man ja nur was. Kranke Scheiße.

Aber was, wenn man sich so freuen will, dass nur diejenigen es sehen, von denen man das will? Auch dafür hat das geschlechtergerechte Twitter-Diskussionsteam von „kleinerdrei“ – vier Frauen, ein Mann (der sich womöglich selbst nicht im Klaren darüber ist, wie der Flauschiwattibegriff „kleinerdrei“ auf jeden denkenden Menschen wirkt) – einen Tipp:

Was vielleicht erst einmal nicht gerade außergewöhnlich klingt, führte in den letzten Jahren dazu, dass sich neben dem öffentlichen “Tageslicht-Twitter” eine kleine Parallelwelt entwickelt hat, bestehend aus großteils geschützten Accounts, die einander folgen. Eine Art Filterbubble in der Filterbubble also, auch bekannt unter dem Namen “Dark Twitter”.

„Auch bekannt“, und zwar exklusiv den fünf Kleinerdreiern, denn außerhalb derer filterbubble voller Blubberblasen kennt eine große Suchmaschine „Dark Twitter“ nur in Form von schwarzweißen Logos und dergleichen, aber Bekanntheit ist eben immer, was man dafür hält. Die „Popstars“ in der BRAVO kennt ja auch niemand, der es klaren Verstandes zuzugeben gewillt wäre.

Aber solcherlei lässt sich ja ändern:

Kleinerdrei-Autor_innen reden öffentlich über Dark Twitter.

Hurra!

Wir erfahren also, was zum Beispiel kleinerdrei-Autorin „Jule“ dazu bewegte, ihr Twitterkonto zuzumachen:

Ich hatte den Eindruck, dass ich einen Ort im Netz brauche, an dem ich sehr geschützt offen teilen kann, was mich bewegt, ohne direkte Konsequenzen in meinem sozialen Leben außerhalb des Social Webs fürchten zu müssen.

„Geschützt offen teilen, ohne dass es jemand sieht“, also eigentlich gar nicht teilen, nur halt öffentlich. Ihr versteht?

Mit dem Vormarsch von Twitter (rammtammtamm, rammtammtamm! A.d.V.) wurde ich auch auf meinem privaten Account stärker als bisher im professionellen Kontext beobachtet. Das sorgte dafür, dass ich mir eine bestimmte Leichtigkeit, die mein Twittern einst bestimmt hatte, stärker zensierte – auch im vorauseilenden Gehorsam. Außerdem war ich neugierig, wie sich die Tweets meiner Freundinnen und Freunde zu denen auf ihren “normalen” Accounts unterscheiden würden, wenn sie geschützt wären.

Vorauseilender Gehorsam gegenüber einer Gruppe von Menschen, denen das Twitterverhalten von „Jule“ weitgehend schnuppe sein dürfte, in Verbindung mit Neugier darauf, wie sich Freunde verhalten, wenn keiner zuguckt, also im Wesentlichen großes Misstrauen gegenüber den Einzigen, die möglicherweise wirklich interessiert, was „Jule“ so an privaten Dingen nichtöffentlich nichtteilt; kein Wunder kommt die deutsche Blogosphäre nicht aus dem Quark. Zu meiner Zeit hat man Freunde ja noch anders definiert.

Mitbloggerixe „Anne“ tut derweil kund:

Immer mehr von meinen Freund_innen hatten einen und ich wollte ausprobieren, ob das für mich vielleicht auch sinnvoll ist. Ich wollte auch gerne wieder ein bisschen back to the roots und so twittern können, wie ich es ganz am Anfang tat (als mein Account noch protected war).

Nichtöffentliches Nichtteilen als gemeinsame Freizeitbeschäftigung sowie als „Befreiung“ von einem Zwang, den „Anne“ niemand auferlegt hat: „Ich durfte frei schreiben, aber ich wollte nicht, und jetzt darf ich das ganz viel mehr, also will ich es auch.“ Kleinerdrei, hihi.

„Maike“ betrachtet das Dunkeltwittern hingegen eher als wellness:

Außerdem war ich neugierig, wie sich so ein geschützter Account wohl anfühlen würde.

Mir läuft’s auch schon kalt den Rücken hinunter. – Wie wohltuend dagegen die bodenständige Begründung von „Lena“:

Diese Unbeschwertheit, die ich von meinen ersten Tweets Anfang 2008 noch kenne, hat sich für mich irgendwann verloren – teilweise durch die vermehrte Nutzung im Arbeitskontext, aber auch dadurch, dass ich manche Gedanken und emotionalen Themen inzwischen einfach nur noch mit einer sehr begrenzten Anzahl von Menschen teilen möchte.

Wenn ich mit einer sehr begrenzten Anzahl von Menschen gesondert kommunizieren möchte, dann tu‘ ich das ja normalerweise nicht auf einer Website, deren Zweck es ist, der ganzen Welt etwas mitzuteilen, sondern nutze Gruppenchats oder E-Mail, aber ich schreibe ja auch nicht für kleinerdrei, wo der Twitter-Stummelsprech deutliche Spuren hinterlassen hat, sondern weiß mein Hirn und das Internet gleichermaßen angemessen zu benutzen. So wird nie etwas aus mir.

Eine spannende Frage folgt leider erst später:

Was bedeutet Dark Twitter (DT) für dich?

Das wurde zwar schon weiter oben in den Grundzügen erläutert, aber bei kleinerdrei sieht man einander gern beim Schwafeln zu, so lange es den eigenen feministischen Grundregeln gehorcht, egal, ob’s von einem Mann kommt:

Daniel: Er bedeutet für mich meine Freund_innen immer mit meinem Smartphone in meiner Tasche zu haben – ein Safe Space, an dem ich mich nicht zurückhalten oder Angst haben muss, verurteilt zu werden. Außerdem geben wir einander sehr viel Rückhalt und spenden Trost, was mir sehr viel bedeutet.

Freunde, die Leid und Trost im Freundeskreis gleichermaßen auf 140 Zeichen beschränken: Angenehm zeitsparend, aber ein bisschen bedauerlich. Andererseits: Safe Space! Bingo!

„Anne“ („Dark Twitter ist ein Gruppenchat auf sehr sensibler Ebene.“) sieht das ähnlich, allerdings naiver als „Maike“:

Ich bin nur mit sehr wenigen Menschen dort verbunden und fühle mich an einen sehr intimen Chat-Raum erinnert – wobei das ja gar nicht so recht zutrifft, weil wir keine homogene Gruppe sind und zum Teil mit unterschiedlichen Menschen verbunden sind und es lediglich einige Überschneidungen gibt. Es ist schon erstaunlich, wie gut es tut, sich öffnen zu können und auch mal Dinge zu äußern, die man sonst für sich behalten hätte. Ich habe viel über und durch die Menschen gelernt, mit denen ich dort verbunden bin.

Man kann dort über alles reden, weil man einander vertraut, obwohl man einander ja oft gar nicht viel gemeinsam hat, aber man kann sich so toll irgendwo zugehörig fühlen, weil so’n Klick auf einen „Folgen“-Knopf schon intimer ist als Sex, seinem Sexualpartner erzählt man ja auch nicht immer alles. Safe Space, ihr wisst schon.

Und was machen die Auto_r/s/en auf „Dark Twitter“ genau anders als im normalen Twitter? „Jule“ gesteht:

Auf Dark Twitter bin ich ungefiltert mit meiner Meinung und meinen Stimmungen. Ich reagiere emotionaler und unmittelbarer auf das, was mir passiert. Ich teile dort nicht so viele Links, sondern reflektiere vor allem über meinen Tag.

Wäre ich etwas zynischer, würde ich mich dankbar zeigen, dass das wenigstens unter Verschluss bleibt; so aber vergleiche ich mit ihrem normalen Account namens @julianeleopold, wo ich nicht überragend viele Links, wohl aber allerlei Befindlichkeiten sehen kann. Ich mag mir ihr dunkles Twitterkonto gar nicht vorstellen: Ein Doppelpunktapostrophklammerauf pro Stunde?

Währenddessen hat „Daniel“ ganz andere Vorstellung von seiner dunklen Zweitidentität:

Ich bin viel expliziter und ungefilterter auf Dark Twitter. Manchmal formuliere ich auch halbgare Gedanken vor mich hin und schaue ihnen beim Wachsen zu.

Lebe, Kreatur! Lebe! Das „geheime Twitter“ als Notizblock für halbgare „Interviews“ mit sich selbst, ungefiltert und ungeschliffen wie die Murmel, die im Kopf des Autor_s_n herumeiert. Alle Neune.

Maike: Ich schreibe auf meinem geschützten Account, ohne lange zu überlegen und voller Vertrauen. Das ist sehr, sehr schön.

Ich schreibe dort, wo es keiner sehen soll, jede blöde Idee auf und freue mich dann, wenn es niemand weitersagt. Das könnte ich auch auf einem Stück Papier oder in einer Notiz in meinem Twittergerät tun, aber da sieht es ja keiner. Das ist sehr, sehr bescheuert.

Was nehmen die Autoren sonst so aus „Dark Twitter“ mit? Nun, „Daniel“ (der mit dem Safe Space) freut sich auch über den Beistand:

Dark Twitter hat mir schon über viele schwere Zeiten hinweggeholfen (an dieser Stelle noch einmal ein dickes Bussi an meine Dark-Twitter-Timeline! <3). Da ich tatsächlich einige Menschen im Dark Twitter habe, die ich vorher noch nicht so gut kannte, habe ich diese noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.

Ein Safe Space voller „Freund_innen“, die man nicht gut kennt; das ist wohl so was wie Facebook, aber Facebook bekommt kein Bussi.

Warum dann überhaupt noch Twitter? Ganz einfach:

Jule: Ich liebe Dark Twitter als Ort, der neben meiner Tageslicht-Timeline Rückzug bietet und Unterstützung. Es ist, wenn es gut ist, der schnellste Weg, Freunde aus dem Internet zu erreichen.

Und:

Daniel: Ich möchte nicht mehr auf Dark Twitter verzichten. Es ist essentieller Bestandteil meiner Twitternutzung geworden und bringt mir liebe Menschen sehr nah, obwohl bzw. trotz dem sie physisch vielleicht weit weg sind.

Und:

Anne: (…) Außerdem mag ich wirklich sehr wie es mich mit Freund_innen näher zusammenbringt, die ich leider viel zu selten offline sehe, weil sie z.B. woanders wohnen oder gerade viel um die Ohren haben.

Und:

Maike: Es ist mir sehr, sehr wichtig. Hier habe ich eine Standleitung zu jenen Menschen, die mir am Herzen liegen mit all ihren wundervollen Facetten, und die ich zum Teil viel zu selten sehen kann.

Wie Internet also. Nur kürzer.

Schön, dass wir darüber gesprochen haben.

(Mit Dank an S.!)

Netzfundstücke
Ziegenkäse oder Wanduhren

Immer noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens? Peter Hahne hilft bei der Auswahl.

Gott oder Geld

(via Stefan Niggemeier)

NetzfundstückePolitik
CDU gegen Wasserhacker

Was AfD, Piratenpartei, Die PARTEI und andere Parteien im Europäischen Parlament gern tun würden, wird in den einschlägigen Medien ja in aller Ausführlichkeit besprochen. Dabei kommen natürlich andere Parteien zu kurz.

Was möchte denn zum Beispiel die CDU erreichen, wenn sie erneut ins Europäische Parlament einzieht? Darüber erfährt man wenig, die CDU ist eben Konsens, da hinterfragt niemand mehr etwas. Erfreulicherweise erteilt aber zumindest das Wahlprogramm Auskunft:

Wir werden Wasser, Strom, Telekommunikationsnetze und andere sogenannte kritische Infrastrukturen vor Angriffen aus dem Internet besser schützen.

Auf dass niemand einen Computerwurm ins Wasser schütte!

(via @tollwutbezirk)

Netzfundstücke
Tinder: Da zündet nix.

Ein maßgeblicher Vorteil des Internets ist es ja auch, dass auch schüchterne Nerds eine geringe Chance haben, gelegentlich Kontakt zu Angehörigen des jeweils anderen Geschlechts aufzunehmen. Die Idee hinter Flirtwebsites wie Parship ist dabei so alt wie nahe liegend.

Nun hat sich das Nerdwesen in den letzten paar Jahren ja überwiegend zum Nomadentum bekannt, man ist ständig unterwegs. Dass klassische Flirtwebsites da stetig an Reiz verlieren, da sich der Aufenthalt dort nicht mal eben an der Ampel oder auf dem Klo ausreichend produktiv gestalten lässt, ist insofern eher ein gesellschaftlicher als ein technischer Wandel. Allein schon das Gefrickel mit den nötigen Anmeldungen im Portal seiner Wahl kann auf kleinen Bildschirmen schnell die Freude an der Überallvernetzung trüben.

Nun hat das deprimierende Facebook ja das mobile Leben insofern vereinfacht, als eine bloße Registrierung auf selbigem Portal die Türen zu allerlei weiteren Diensten öffnet. Der Streamingdienst Spotify etwa war vorübergehend nur für Facebooknutzer geöffnet, geeignete Flirtseiten aber – Facebook selbst eignet sich aufgrund seiner Prüderie wohl nur mäßig gut dafür – fanden bislang keine Verbreitung. Glaubt man dem Trendindikator Twitter (der andererseits auch den dämlichen „Eurovision Song Contest“ als Trend anzeigt), so hat sich nun mit Tinder – zu Deutsch: „Zunder“ – erstmals auch in Deutschland ein geeigneter Dienst etabliert, der diese Nische besetzt.

Bei Tinder handelt es sich zuvörderst um eine Smartphone-app, für deren Benutzung man mindestens 18 Jahre alt sein „muss“. Die Informationen über das eigene Alter holt sich Tinder ebenso wie Profilbilder und den Vornamen von Facebook, und da wohl nur wenige junge Menschen ungeachtet der dortigen Regeln auf Facebook ihren richtigen Namen angeben, ist die Behauptung in den FAQ, die Facebookanbindung sei notwendig, um die Echtheit der potenziellen Partner zu gewährleisten, von vornherein ein Feigenblatt.

Tinder funktioniert im Wesentlichen so, dass nach der Verknüpfung über Facebook regelmäßig abgefragt wird, welche Personen aus einer nach Geschlecht, Alter und Umkreis auswählbaren Gruppe momentan ebenfalls über Tinder online sind. Dass die app erst ab 18 Jahren freigegeben ist, legt nahe, wofür diese Personen dann gehalten werden sollen. Anschreiben kann man sich aber nur, wenn man sich gegenseitig irgendwie ertragen zu können glaubt: Findet Tinder eine „neue“ Person, so werden Name, Entfernung, ein optionaler kurzer (höchstens 500 Zeichen langer) und daher nicht besonders aussagekräftiger Profiltext und diverse Bilder aus dem Facebookprofil dieser Person angezeigt.

Tinder - Quelle: http://www.mikepalumbo.com/2013/07/15/how-not-to-write-an-android-app-part-8/

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Findet man die oberflächlichen Informationen, die man über eine Person erhält, interessant, so wischt man sie nach rechts, wenn nicht, dann wischt man sie nach links. Wischen sich zwei Personen gegenseitig nach rechts, so können sie einander anschreiben. Ein Rückgängigmachen ist nicht möglich, wenn man also unachtsam seine mögliche Traumfrau auf die Negativliste setzt, hat man Pech gehabt. Noch im April 2013 bedauerten die Entwickler das, inzwischen verkauft man es wohl als feature, wie man in den FAQ lesen kann:

You can’t, you only swipe once, Tinder on! #YOSO

Ist Tinder somit überhaupt als Ersatz für ein „Flirtportal“ zu gebrauchen? Um menschlichen Tiefgang scheint es ja nur bedingt zu gehen, denn außer wenigen Fotos, die natürlich meist nur die Schokoladenseite des jeweiligen Benutzers zeigen, und der Information, wie weit man gerade voneinander entfernt ist, erfährt man nicht viel übereinander. Dem Internetaffinen kommt’s gelegen: Angeblich sinkt die Fähigkeit zum ihren Sinn erhaltenden Erfassen von Texten, je mehr Kurztexte wie Tweets man liest. Alles, was über 140 Zeichen hinausgeht, ist somit bereits mehr Information als nötig. Auf Tinder soll man ja auch nicht seinen Traummenschen kennenlernen, das wäre hinderlich für’s wie auch immer geartete Geschäft; es wird der Oberflächlichkeit gefrönt. Statt von Anfang an nur die positiven Seiten eines Menschen kennenzulernen, weiß man vorher quasi nichts über ihn, was über Aussehen und Alter hinausgeht. Klar, für mancherlei reicht’s, aber der hype tut für die Auswahl sein Übriges.

Etwa ein Fünftel aller Tinder-Kontakte, die ihre Fresse gegenseitig ertragen können, hat nach Klärung der weiteren Fakten überhaupt noch miteinander verkehren wollen. Ganz schön heiß, dieses Tinder.

Wir haben das Internet als interaktives Medium überschätzt.
Dieter Gorny, Berufspfeife

In den NachrichtenNetzfundstücke
re:volution geht anders.

Noch bis heute dauert die diesjährige Konferenz „re:publica“ an, auf der die altbekannte Garde der netzpolitischen und feministischen Blogger – und David Hasselhoff – wie jedes Jahr öffentlichkeitswirksam auf ein Podium tritt, um sich selbst dafür zu feiern, dass sie es ja immer schon gewusst hat, und überflüssigerweise darauf hinzuweisen, dass Überwachung von Nutzern nicht in Ordnung ist.

Das ist besonders amüsant, wenn man bedenkt, dass einige der dort anwesenden Schwafler, darunter der ewige Sascha Lobo, sich selbst in einer Firma für gezielte Onlinewerbung, deren Zweck es ist, Benutzer zu beobachten, engagierten oder bis heute engagieren. Kleine widerwärtige, bückgeistige Schergen des Großen Bruders, die ein Ende der großen Bebruderung einfordern, während sie ohne besondere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspähmaschine verwandeln. Wie viele Leute, die ihr Geld damit verdienen, Suchmaschinen mit so genanntem „SEO“-Scheißdreck vollzumüllen, damit auch bloß keiner auf die Idee kommen möge, dass eine Website vielleicht für Besucher interessanter sein sollte als für Suchmaschinen, sabbernd und applaudierend im Publikum saßen, als Thorsten Kleinz sich über das Geschäftsmodell Bullshit lustig machte, kann ich nur erahnen.

Diese gänzlich ironiefreie Zunft der Blender 2.0, deren einzig erlerntes, doch einträgliches Handwerk es ist, die Welt um sie herum gründlich misszuverstehen, wird nur noch übertroffen von denen, die ihnen zujubeln. Endlich sagt’s mal einer!

Es braucht jetzt Lautsprecher. Es braucht Verkäufer. Es braucht gute Verkäufer. Und Lobo ist einer. Beckedahl auch. Also bezahlen wir sie auch dafür, so lange sie einen guten Job machen. Und das tun sie.

Ich habe den Verdacht, dass die beiden Überallredner Markus Beckedahl, dessen mittlerweile unerträglich selbstreferenzielles Blog namens „Netzpolitik.org“ ich seit Monaten einfach nicht mehr zu lesen bereit bin, und Sascha Lobo, der sich binnen weniger Wochen den Tenor seiner Kolumnen von „Das Internet ist kaputt, aber ich schreibe da trotzdem weiter rein“ zu „Das Internet ist gar nicht so kaputt und ich schreibe deswegen weiter rein“ zu verkehren nicht zu blöd war, zwar prinzipiell bejubelt, aber nicht einmal mehr aufmerksam angehört werden. Das ist wahrscheinlich wie auf Konzerten: Das Publikum klatscht bereits, weil es weiß, wer gerade auftritt, und nicht erst, wenn die Darbietung gefällt. So ähnlich ist es bei Markus Beckedahl und Sascha Lobo wahrscheinlich auch.

Nein, es braucht jetzt keine Gründer von Vereinen, die sich anmaßen, für die digitale Gesellschaft zu sprechen, obwohl viele Mitglieder dieser „Gesellschaft“, zum Beispiel ich, überhaupt nicht gefragt wurden, ob sie das wollen. Das Netz braucht jetzt keine Lautsprecher, die viel Falsches reden und nichts handeln außer Werbefirmen zu gründen und dann in den Sand zu setzen. Dass die Freiheit im Internet ständig gefährdet ist, ist richtig, wird sich allerdings mit Reden und Klatschen nicht ändern.

Es braucht jetzt Akteure, die nicht nur eine Sprechrolle einnehmen; solche, die ihre Stunts noch selbst drehen. Blender, die die Falschen blenden, sind nicht in der Lage dazu, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, weil sie selbst Hindernisse sind.

Aber schön, dass es mal jemand gesagt hat. Applaudieren und auf nächstes Jahr freuen. Die Welt wird sicher darauf warten.

NerdkramsNetzfundstückePolitik
Revolutionstüten / Fensterverknappung

Wisst ihr noch, „Die Linke.“ in Berlin?

Ob die Privatisierung der GSW oder der investorenfreundliche Sparkassenverkauf, ob kleinteilige Immobiliengeschäfte über den Liegenschaftsfonds oder die großflächige Betonierung der Spreeufer – die Berliner Linkspartei war sich in den letzten Jahren für wirklich nichts zu schade.

„Die Linke.“ gibt’s jetzt auch mit merchandising:

Privatisierung ist Raub

Im Wald, da sind die Räuber,
halli, hallo, die Räuber.
Volksweise


Nachdem auch Firefox jetzt Chromes desktopuntaugliches Aussehen adaptiert hat, kann man bei Google über weitere „Optimierungen“ nachdenken. So ein Browserfenster stört ja nur beim Angucken der Website.

Das Ziel scheint es zu sein, den „Kioskmodus“ – F11 unter Windows und anderen Systemen – weitgehend überflüssig zu machen. Und was hat so ein Browser noch so alles, was keine Sau braucht? Klar: Die Adresse der angezeigten Website.

Wird schon stimmen, wenn da zum Beispiel „Sparkasse“ auf dem Bildschirm steht. – Lasst doch die lästige Website unter der URL-Leiste auch gleich weg. Sicherer Phishing-Schutz! :mrgreen:

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Von hinten durch die Brust in’s Auge

Aus der beliebten Rubrik „Mit Satzzeichen wär’s nicht passiert!“:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Derweil der kommissarische, zum Glück also wenigstens weitgehend ungefährliche Bundesvorstand der Piratenpartei so:

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen die Erfahrung machen müssen, dass Äußerungen unsererseits, die eigentlich nur der Beantwortung Eurer Fragen dienen sollten, postwendend in neue Klagen (wie erfolgversprechend oder nicht sie auch sein mögen) eingeflossen sind. (…) Es werden keine “öffentlichen” Sitzungen zu “nicht öffentlichen” Sitzungen, sondern die Sitzungen entfallen ganz und werden durch schriftliche Berichte ersetzt.

Man verstößt also so lange gegen die Grundsätze, die für einen kommissarischen Bundesvorstand gelten, etwa, dass seine Macht auf die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags zur Neuwahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sanktionen gefordert werden; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unangemessene Ecke gedrängt zu fühlen und ihr das Mitspracherecht sukzessive abzuschneiden. Wohlgemerkt: Auch dies wegen fehlender Handlungsfähigkeit unbefugterweise.

Im November nannte ich die Wahl des Bundesvorsitzenden gut und richtig. Ich beginne an meiner Aussage zu zweifeln.

Netzfundstücke
UMG: Leck mich im Arsch!

Was passiert eigentlich, wenn man versucht, mittels von YouTube bereitgestellter Techniken in einem „sozialen Netzwerk“ wie Diaspora Musikstücke eines Künstlers zu „teilen“, der seit 223 Jahren tot ist?

Genau:

UMG

Das Urheberrecht muss auch im digitalen Zeitalter sicherstellen, dass Menschen von ihrer geistigen Arbeit leben können.
Ansgar Heveling (CDU)

(via Elias)

Netzfundstücke
Sendeschluss in Neuland

Der Zustand des „öffentlich-rechtlichen Internets“ kurz zusammengefasst:

Ausgewählte Beiträge der „Ortszeit“ gibt es montags bis freitags zwischen 9 und 23 Uhr, samstags zwischen 9 und 17 Uhr sowie sonntags zwischen 13 und 23 Uhr zum Herunterladen[.]

Außerhalb der genannten Zeiten hat die Downloadabteilung, die die Daten auf den Rechner der Besucher schiebt, Feierabend. :irre:

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Autismus, Sascha Lobo, Lächelvermeidung

Missverständnisse über Autismus in den Medien zu suchen ist müßig; der Autismusvergleich für jeden Menschen, der irgendwie anders ist, hat sich schon vor Jahren abgenutzt. Trotzdem finde ich diese Frage – ausnahmsweise mal in einem ausländischen Medium – überaus entlarvend:

Wenn Autismus keine Krankheit ist, wie kann man ihn dann behandeln?

„Wenn ein Holzelefant kein Auto ist, wo kommt dann das Benzin rein?“

(Und wie kann man eigentlich solche „Journalisten“ behandeln?)


Sicher auch nur ein Missverständnis war es, dass ich ernsthaft davon ausgegangen war, Sascha Lobos im Januar in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ veröffentlichter Text mit dem Fazit, „das Internet“ sei kaputt und „der Netzoptimismus“ führe in seiner gegenwärtigen Form vollkommen am Ziel vorbei, habe zur Folge, dass er, Lobo, künftig nicht mehr als „Internet-Experte“ dummes Zeug in Medien, die das Leistungsschmutzrecht fördern, hineinschreiben würde. Er schrieb damals, der „Rechtbehaltewunsch“ sei bei „der Netzgemeinde“ so stark wie nirgends sonst.

Und er, Lobo (SPD), der „Sprecher“, gar Erlöser der „Netzgemeinde“, habe es ja damals schon gewusst, schrieb er also gestern in einem weiteren „FAZ“-Text: Man brauche – Gedankenstrich – „einen neuen Internetoptimismus“. Diesmal einen ohne Dummheiten, meinte er damit; und ich bin optimistisch, dass die kollektive Dummheit, die „uns“ alle paar Wochen einen neuen Text unseres „Vordenkers“ Sascha Lobo zu fressen gibt, „im Internet“ dann demnächst auch mal aufhört.


Noch so ein Phänomen im „Journalismus“ sind im Übrigen gestellte Fotos zur Bebilderung langweiliger Textwüsten. Gezeigt werden meist betont fröhliche, betont traurige oder sonstwie betonte Menschen, mit denen vorher geübt wurde, wie sie möglichst unnatürlich aussehen, damit es besser in die Zeitung passt.

Oder halt zum SWR, wo es ein Foto namens „Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig.jpg“ gibt:

Kinder halten Brief in die Höhe und gucken traurig

Na ja, zwei von vier.

Ach, ihr.
Die Ärzte: Ein Lächeln (für jeden Tag deines Lebens)

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
PISA beweist: Deutscher Nahverkehr macht Schüler blöd!

Es gibt auch noch gute Nachrichten: Nur ein Fünftel der deutschen Schüler ist zu doof für Alltagsaufgaben, was Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern seinem ehemaligen Status als Land der Dichter und Denker wieder ein wenig näher bringt.

Wie gut können Deutschlands Schüler alltägliche Probleme lösen? Neue Daten aus der Pisa-Studie zeigen: Ein Fünftel der 15-Jährigen ist schnell überfordert. (…) Deutschlands Schüler liegen leicht über dem OECD-Durchschnitt[.]

„Alltägliche Probleme“ – das klingt doch schon weniger nach Intelligenztests („sortieren Sie diese abstrakten Gebilde nach Richtigkeit“) als nach praxisnahem Bildungsvergleich. Was für Probleme waren das denn so?

Die U-Bahn fährt ein, schnell noch ein Ticket kaufen: Tageskarte? Kurzstrecke? Ein Ring? Ermäßigt – oder doch nicht? Eine kleine Entscheidung nur, aber sie lässt täglich Tausende rätseln. Für die Pisa-Studie mussten sich weltweit 15-Jährige mit solchen Aufgaben befassen. (…) Besonders gut schnitten bei diesem Test wieder einmal asiatische Länder ab: Singapur, Korea und die chinesischen Städte Macau, Hongkong und Shanghai stehen erneut an der Spitze. Auch Japan landete weit vorn.

Selbst die Asiaten verstehen das Preissystem von blöden Verkehrsunternehmen wie der üstra also besser als „wir“; bzw. haben sie die gar nicht erst. Daran könnte man natürlich arbeiten, aber man könnte auch einfach jeden, der es nicht versteht, für nicht alltagsfähig befinden. Könnte man. Wie’s halt auch bei anderen Aufgaben so ist:

Schon frühere Studien hatten vor einem „Sockel der Abgehängten“ in Deutschland gewarnt, der Bundesbildungsbericht aus dem Jahr 2012 beispielsweise. Auch diese Pisa-Auswertung zeigt: Fast 20 Prozent der deutschen Schüler erreicht nicht das Basisniveau (Level 2 von 6), in etwa gleich viele Jungen wie Mädchen. Sie können also nur sehr einfache Aufgaben bewältigen, ohne vorauszudenken; beispielsweise schaffen sie es, das günstigste Möbelstück aus einem Katalog auszuwählen. Im Vergleich: In Japan und Korea erlangten weniger als 7 Prozent nur das Basisniveau.

Deutsche Kataloge: Viele Bilder, wenig Fakten. Japanische Kataloge kenne ich allerdings nicht.

Aber nicht nur ökonomisch relevante Aspekte waren in der Studie gefragt:

Wer im Alltag und in der Arbeitswelt bestehen will, so die Forscher, der müsse mehr können, als reines Schulwissen anzuwenden. (…) Der muss auch mal spontan ein fremdes Handy bedienen können, eine Klimaanlage oder einen MP3-Spieler.

Genau – in der Arbeitswelt findet keinen Platz, wer nicht schon in der Schule Fotos auf dem geklauten smartphone machen kann.

„Machen Sie mal die Klimaanlage an!“
„Ich kann das nicht, Chef.“
„Sie sind entlassen!“

Und wer senkt mal wieder den Schnitt? Richtig:

Spitzenwerte hingegen erzielten rund 13 Prozent der deutschen 15-Jährigen. Darunter sind deutlich mehr Jungen (60 Prozent) als Mädchen (40 Prozent), dieser Geschlechterunterschied entspricht dem OECD-Durchschnitt.

Vielleicht sollte die grundlegende Förderung von Mädchen also nicht in Einstellungsquoten bestehen, sondern darin, dass sie erst mal beigebracht bekommen, wie man lebt; also das volle Zugabteil richtig mit MP3s beschallt. Sonst wird ja nie was aus denen!


Was macht eigentlich die „Pirantifa“ grade so? Nun, Oliver Höfinghoff („Geh‘ mir aus der Sonne, sonst knallt’s hier“, hier nachzulesen), Pirat in Berlin, findet, Ali Utlu, schwuler, atheistischer, türkischer Pirat aus Köln, sei aufgrund seiner harschen Kritik an der Antifa klar ein Rassist und damit sowas von raus aus jedem politischen Diskurs. Politischer Diskurs muss heterosexuell bleiben! – Egal. Gegen das System. Fuck die Nuss! Auch, wenn’s schmerzt.