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Musik 12/2025 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 29 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Oh! Ein Jah­res­be­ginn! Ihr wisst, was das bedeu­tet, näm­lich, dass es Zeit für die ein­zig rich­ti­ge (d.h. mei­ne) Liste der besten Musikal­ben des Jah­res 2025 ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern (haha, Jah­res­rück­blicke im Novem­ber, haha­ha) erschie­ne­ne neue Album von Ulver trotz­dem nicht recht­zei­tig zu hören geschafft habe. Ich füh­re es daher nur der Form hal­ber auf.

Ergän­zend sei fest­ge­hal­ten: Die Musik­grup­pe Skil­let Lickers, inzwi­schen in der vier­ten Gene­ra­ti­on aktiv, fei­ert im nun begon­ne­nen Jahr ihren 100. Geburts­tag. Die Rol­ling Stones soll­ten sich nicht so auf­füh­ren mit ihren Jubi­lä­en.

Zur Punk­mu­sik des Jah­res 2025 erlau­be ich mir – schon im April 2025, wäh­rend ich die­se Ein­lei­tung nie­der­schrei­be – eine des­il­lu­sio­nier­te Vor­ab­be­mer­kung: Musi­ker, die sich in ihren Tex­ten über das Üble auf der Welt bekla­gen, trei­ben damit, wenn sie es ein Lied lang machen, etwas Hörens­wer­tes, wenn sie es zwei Lie­der lang machen, etwas wenig­stens Inter­es­san­tes; aber wenn man als Musi­ker sei­ne kom­plet­te Kar­rie­re auf zwei bis drei leicht mit­ge­brüll­te Paro­len beschränkt und also außer dem erkennt­nis­ar­men „Poli­zei doof und Nazis schlecht“ nicht viel mit­zu­tei­len hat, dann ver­schwen­det man damit mei­ne Zeit und das mag ich nicht so. Macht doch mal was mit Blu­men oder Autos.

Der bis heu­te von vie­len unter­schätz­te, doch inzwi­schen ver­stor­be­ne Lou Reed sprach schon Ende der 1960er Jah­re mit den Vel­vet Under­ground, was an damals zeit­ge­nös­si­scher Musik eine Last ist: „Cheap simi­an melo­dies, hill­bil­ly out­gush for illi­te­ra­te ramblings, for cheap under­stan­ding, for mass under­stan­ding, (…) busi­ness and busi­ness and cheap, stu­pid lyrics and simp­le mass rever­se while the real thing is dying“ („The Mur­der Mystery“). Ich wünsch­te, die seit­dem gera­de­zu explo­dier­te Men­ge an Musik, die auf uns ein­pras­selt, könn­te wenig­stens mit schie­rer Mas­se die­sen Effekt umkeh­ren. Statt­des­sen war es gar nicht so leicht, Behal­tens­wer­tes im Jahr 2025 zu fin­den – man­ches hat­te sei­ne Höhe­punk­te (so etwa „All That Is Over“ von Sprints), mach­te die­sen Ein­druck aber mit Füll­ti­teln zunich­te, wie­der ande­res war ein­fach nur ent­täu­schend bis ermü­dend. Mein per­sön­li­ches Ergeb­nis des­sen, was neben der über­wäl­ti­gen­den Men­ge an Lächer­lich­keit übrig blieb, folgt.


  1. Krat­zen – III
    „Wo ich mir Zukunft ver­sprach / liegt nun Ver­gan­gen­heit brach.“ (Immer)

    Krat­zen, das „2017 in Köln gegrün­de­te Trio“, „ver­bin­det Kraut­rock und New Wave. Sie nen­nen es Kraut­wa­ve“ (Krat­zen über Krat­zen) und eigent­lich könn­te ich das so ste­hen las­sen.

    Moto­rik-Beat, New-Wave-Gitar­ren, Gesang mit NDW-kon­for­mem Hall; har­ter Tobak ist es nicht, womit ich die­se Liste begin­nen las­se, aber ich habe es mir auch nicht zur wesent­li­chen Auf­ga­be gemacht, mög­lichst vie­len Lesern auf die Nüs­se zu gehen, son­dern, die­se jähr­li­chen Zusam­men­fas­sun­gen zu nut­zen, um mei­ner­seits eine Aus­re­de zu haben, end­lich mal wie­der mehr Musik zu hören. Klappt, wür­de ich behaup­ten.

    Was sonst noch drin­steckt, ist Post­punk, aber das ist ja auch wie­der ein wei­tes Feld. Mehr Smit­hs als The Fall, das sei erklärt. Krautrock­fans mögen’s hören mögen.

    Stream: TIDAL, Band­camp, Amazon.de.

  2. neu­tral – låg­liv

    Nach­dem das erle­digt wäre, kann es ja jetzt doch los­ge­hen mit dem har­ten Tobak. Von der von mir schon an ande­rer Stel­le emp­foh­le­nen kali­for­ni­schen Helen Scar­sda­le Agen­cy kommt zer­brech­li­cher Indu­stri­al aus Schwe­den in Form des Albums „låg­liv“, was Schwe­disch ist und unge­fähr „das Leben eines Tau­ge­nichts“ bedeu­tet.

    Das erste der bei­den fast zwan­zig­mi­nü­ti­gen Stücke, „enhet / röda sten / sömngång / punkt“, klingt ein­gangs wie eine Pho­no­gra­phen­auf­nah­me eines Kin­der­ka­rus­sells, die in einem Sado-Maso-Stu­dio neben einer Metall ver­ar­bei­ten­den Fabrik abge­spielt wird, dazu mur­melt Sofie Her­ner etwas ins Dik­ta­phon, das zu ver­ste­hen ich in skan­di­na­vi­schen Spra­chen zu wenig ver­siert bin. Bald kommt eine gera­de gestimmt wer­den­de E‑Gitarre hin­zu, bevor etwa zur Halb­zeit alles in sich zusam­men­fällt und eine dämo­ni­sche Spiel­uhr kurz die Füh­rung über­nimmt, bis schließ­lich ein pani­scher Mönchschor ein Regal mit­tels Bohr­ma­schi­ne an der Wand zu befe­sti­gen beginnt und anschlie­ßend Applaus emp­fängt. Klingt irre? Ist es auch. Soll­te ich der­einst beer­digt wer­den, möch­te ich, dass im Rah­men der Fei­er­lich­kei­ten („Trau­er­fei­er“ ist ja auch noch so ein Wort, mit dem man in „unse­rem“ „Kul­tur­kreis“ wenig anzu­fan­gen ver­mag) unter ande­rem irgend­was von die­ser Plat­ten­fir­ma läuft. Damit die nor­ma­len Men­schen mich weni­ger ver­mis­sen. (Die­se sind hier­mit aus­ge­la­den.)

    Das zwei­te Stück ist anders selt­sam. Stimm­ver­frem­dungs­übun­gen unter Was­ser wer­den beglei­tet von zunächst tro­pi­scher Per­kus­si­on, dann von einem kläf­fen­den viel zu klei­nen Hund, dann wie­der von einer dys­to­pi­schen Fabrik, wor­auf­hin eine ver­stimm­te Western­gi­tar­re kurz solie­ren darf. Der Gitar­rist flüch­tet jedoch vor einem Gewit­ter, die Stimm­ver­frem­dungs­übun­gen klap­pen aber anschei­nend auch bei Gewit­ter. Fin­de ich gut.

    Das Leben ist zu kurz für Musik, die nicht her­aus­for­dert. „låg­liv“ for­dert her­aus.

    Stream und Vinyl: Band­camp.

  3. Bank Myna – Eimu­ria

    Ande­res Land, ande­re Musik. Bank Myna kom­men aus Paris und tra­gen den Namen eines süd­asia­ti­schen Vogels, hier­zu­lan­de eher als Ufer­mai­na bekannt. Ihr 2025er Album „Eimu­ria“, angeb­lich live ein­ge­spielt, hin­ge­gen wur­de, glaubt man dem Inter­net, nach einem alten Wort für Glut benannt, was irgend­wie passt.

    Ich höre kräf­ti­gen Post­rock mit eini­gem Gedro­ne und weib­li­chem (und zum Glück eng­lisch­spra­chi­gem) Gesang, zumin­dest mich ein biss­chen an Anna von Hauss­wolff erin­nernd, was aber auch dar­an liegt, dass ich ein­fach zu weni­ge Ver­glei­che ken­ne, was ver­mut­lich vor allem an mir selbst liegt. Das Inter­net fin­det, die­ses Album könn­te Fans von Earth und BIG|BRAVE gefal­len, und weil ich Earth und BIG|BRAVE eben­falls mag, könn­te das hin­kom­men. „Eimu­ria“ ist ziem­lich inten­siv und damit genau das, was uns Kopf­hör­er­hö­rern bis­wei­len den Tag ver­süßt.

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  4. Pearl Hand­led Revol­ver – Tales You Lose

    Pearl Hand­led Revol­ver sind eine Grup­pe von Musi­kern aus Groß­bri­tan­ni­en, die das sel­ten bestell­te Feld zwi­schen Funk, Blues, Psy­che­de­lic Rock und R’n’B zu beackern behaup­tet. Ihr fünf­tes Album sei ein „Kopf­sprung in ihre tief­sten Groo­ves und Psy­che­de­lic-Rock-Erkun­dun­gen“, fabu­liert der Pres­se­text. Das lässt auf­hor­chen.

    Die­ses – wohl ihr fünf­tes – Album atmet dann auch in der Tat den Geist der 70er. Ich höre Blues­rock mit viel Ham­mond­or­gel und gele­gent­li­che Psy­che­de­lic-Aus­brü­che (völ­lig zutref­fend beti­tel­tes Lied, das klingt, wie es heißt: „Jun­kies“). Spon­tan tun sich mir Asso­zia­tio­nen an Brot­her Grimm und Joe Bona­mas­sa auf, etwas Deep Pur­ple auch. Sän­ger Lee Ver­non wird bis­wei­len mit Jim Mor­ri­son ver­gli­chen, was stimm­lich schon irgend­wie hin­kommt und zur Musik auch passt, nur dass Pearl Hand­led Revol­ver es mit spär­lich instru­men­tier­ten Span­nungs­bö­gen nicht so haben. Frü­her hät­te man „Tales You Lose“ wohl fet­zig genannt, und weil ich es mag, wie man frü­her gere­det hat, mache ich das jetzt ein­fach auch.

    „Pearl Hand­led Revol­ver“ ist das 2025er Album für die­je­ni­gen, die eigent­lich lie­ber ein neu­es Album aus den 70ern hät­ten. So könn­ten die Doors heu­te klin­gen, taten sie aber nie.

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  5. Nytt Land – Songs of the Shaman

    Nytt Land, weiß die Wiki­pe­dia, sei eine „Nor­dic-Ritu­al-Folk-Band“ aus Sibi­ri­en. Der Sän­ger spielt neben­bei Flö­te und Tal­har­pa und nennt sich „Nord­man“, zwei der fünf Musi­ker spie­len unter ande­rem Maul­trom­mel, zwei wei­te­re wenig­stens eine Trom­mel. Die von mir auf­find­ba­ren Tex­te der ver­schie­de­nen Alben sind auf Spra­chen wie Alt­nor­disch, Färö­isch oder Islän­disch gehal­ten. Wer jetzt schon kei­nen Bock mehr hat, der möge die­ses Album über­sprin­gen.

    Den Übrig­ge­blie­be­nen wün­sche ich einen wachen Geist und die Bereit­schaft für völ­lig Ande­res, denn das wer­det ihr brau­chen. Die Band selbst schreibt zum Album, dort inter­pre­tier­ten sie, daher auch der Titel, „tra­di­tio­nel­le scha­ma­ni­sche Lie­der oder Zau­ber­sprü­che der man­dschu-tun­gu­si­schen Eth­no-Lin­gu­istik­grup­pen Sibi­ri­ens. Die­se Lie­der ver­wen­den alte musi­ka­li­sche Tech­ni­ken wie Kehl­kopf­ge­sang und Trom­meln und wur­den in ihrer Ori­gi­nal­spra­che auf­ge­nom­men“. Als der ver­mut­lich nicht Ein­zi­ge hier im Inter­net, dem das sibi­ri­sche Scha­ma­nen­tum weit­ge­hend unbe­kannt ist, der aber für das Erfah­ren von Natur­re­li­gio­nen und tra­di­tio­nel­len Kul­tu­ren grund­sätz­lich emp­fäng­lich ist, respek­tie­re ich die Ernst­haf­tig­keit des Unter­fan­gens (es wur­de, ver­si­chern die Musi­ker, dar­auf ver­zich­tet, Zau­ber­sprü­che auf­zu­neh­men, die Scha­den ver­ur­sa­chen könn­ten) und lau­sche dem, was hier zele­briert wird.

    Ich möch­te „Hoge Yage“, das mir noch Wochen spä­ter einen der merk­wür­di­ge­ren Ohr­wür­mer mei­nes Lebens berei­ten soll­te, exem­pla­risch für „Songs of the Shaman“ her­aus­grei­fen. Es beginnt mit rhyth­mi­scher Per­kus­si­on, wor­auf­hin Sän­ge­rin „Krau­ka“ sel­bi­ge mit Beschwö­rungs­for­meln in einer mir gänz­lich unbe­kann­ten Spra­che über­singt. Irgend­wann set­zen Maul­trom­mel und Kehl­kopf­ge­sang im Hin­ter­grund ein, die die­ses in der Tat wie das, was ich banau­sen­haf­ter West­eu­ro­pä­er mir unter einem magi­schen Gei­ster­tanz vor­stel­le, klin­gen­de Ereig­nis beglei­ten, bis schließ­lich nach fünf Minu­ten nur noch ein wenig ener­gisch stamp­fen­de Trom­mel übrig­bleibt und dann ver­stummt. Ich füh­le mich hin­ter­her wie durch das Jen­seits spa­ziert. Auch mal inter­es­sant.

    Was für eine ver­rück­te Idee. Was für ein ver­rück­tes Album.

    Stream, CD, Vinyl: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  6. Tech­ni­co­lor Blood – Evo­lu­ti­on Now

    Und da wir vor­hin schon beim Post­rock waren, machen wir mit Post­punk wei­ter und lan­den fol­ge­rich­tig bei Tech­ni­co­lor Blood aus Mont­re­al. Die dor­ti­ge Post­rock­sze­ne ist inter­na­tio­nal bekannt, aber auf sei­nem wohl zwei­ten Stu­dio­al­bum haben die vier Her­ren es sich anders über­legt.

    Eine Pri­se Fuzz und Stoner haben sie wohl­weis­lich auf­ge­nom­men, um das ver­meint­lich fer­tig­be­acker­te Feld des Post­punks wenig­stens nicht mit immer den­sel­ben öden Pflan­zen über­wu­chern zu las­sen; dabei ver­zich­ten sie aller­dings groß­teils auf ein Über­maß an Ver­zer­rung, und auch der Gesang hält sich in der Abmi­schung zurück. Das Inter­net zieht hier Ver­glei­che zu den ziem­lich guten Ver­stär­ker (denen aus Ken­tucky, nicht den ande­ren) und hat damit gar nicht mal Unrecht. Schwer psy­che­de­lisch (hea­vy psy­che­de­lic) sei die­ses Album, steht anders­wo, dafür ist dann aber doch zu wenig „zähes Gewa­ber“ (eine der schön­sten Beschrei­bun­gen von Pink-Floyd-Musik, die ich je gele­sen habe) ent­hal­ten. „Evo­lu­ti­on Now“ sitzt irgend­wo zwi­schen den Stüh­len und ist des­we­gen inter­es­sant, es also sowohl in die­se Liste auf­zu­neh­men als auch zwi­schen zwei sti­li­stisch ande­re Alben zu set­zen erschien mir fol­ge­rich­tig.

    Stream und/oder Down­load: Band­camp, TIDAL.

  7. Ampli­fier – Gar­gan­tu­an
    „I’m run­ning from the future and the past.“ (Guil­ty Plea­su­re)

    Vor eini­gen Jah­ren habe ich mal irgend­wo geschrie­ben, dass ich die (bri­ti­sche, nicht jedoch ihre bel­gi­schen Namens­vet­tern) Band Pla­ce­bo für schwer erträg­lich hal­te, weil ich zwar nicht unbe­dingt was gegen all­ge­gen­wär­ti­ge Key­boards habe, aber der elend nöli­ge Sän­ger mir nicht so recht Freu­de berei­tet. Zum Glück haben Ampli­fier eine ande­re Beset­zung.

    Man­che eher expe­ri­men­tier­freu­di­ge Bands, die mit Ampli­fier gern mal ins New-Art­rock-Was­ser gewor­fen wer­den, etwa die zu Recht hoch­ge­schätz­ten Oce­an­si­ze und die auf­grund der Tren­nung vor – huch! – auch schon wie­der bald zwan­zig Jah­ren in den Neu­ver­öf­fent­li­chun­gen sehr feh­len­den Aereo­gram­me, hat die Zeit sozu­sa­gen auf dem Gewis­sen, aber Ampli­fier, seit weni­gen Jah­ren nur noch als Duo aktiv, ziehen’s seit 1999 durch. Das ist erst mal eine Lei­stung. Dass Ste­ve Duro­se von eben­die­sen Oce­an­si­ze nach deren Auf­lö­sung bis 2020 auch bei Ampli­fier spiel­te, spricht im Übri­gen ver­mut­lich für sich.

    Nun also „Gar­gan­tu­an“. Die für Ampli­fier nicht unbe­dingt unge­wöhn­li­che Key­board­do­mi­nanz rückt „Gar­gan­tu­an“, ich habe es ein­gangs ange­deu­tet, in die (sehr gro­be) Nähe von Pla­ce­bo, aber ohne deren stän­di­ge Fan­fa­ren. Ein­ge­bet­tet wird das in eine zuse­hends inten­si­ve­re Welt­raum­land­schaft; als begön­ne man „Gar­gan­tu­an“ auf der Auto­bahn („Gate­way“), beob­ach­te­te, wie die Umge­bung zuse­hends futu­ri­sti­scher wird („King Kong“), und flö­ge schließ­lich („Long Road“) ent­spannt durch das All. Dass die eher all­tags­ori­en­tier­ten Tex­te mit dem musi­ka­li­schen The­ma wenig zu tun haben, darf als egal gel­ten, denn dar­um geht es ja auch nicht immer. Zu den Key­boards gesel­len sich schnei­dend riff­ende Gitar­ren und ein hell­wa­ches Schlag­zeug mit Bewe­gungs­drang. Die zwei Her­ren bau­en hier ein mono­li­thi­sches Klan­g­un­ge­tüm auf, das für die voll­stän­di­ge Ent­zif­fe­rung ver­mut­lich mehr Hör­durch­läu­fe braucht; fest steht, dass es reich belohnt wird.

    Ampli­fier schei­nen inso­fern auch 2025 noch eine gute Anlauf­stel­le für die­je­ni­gen Hörer zu sein, die in der Schnitt­men­ge aus New Art­rock und Spa­ce­rock nach neu­en Ideen suchen. Möge es mun­den. (Oder wie heißt das bei Musik? Möge sie ohren?)

    Stream, Down­load und/oder Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  8. Mine­rall – Strö­mung

    Dave Schmidt, vor­ran­gig als Sula Bass­a­na bekannt für unge­fähr zwei­und­fünf­zig (plus/minus fünf­zig) Musik­pro­jek­te aus dem wei­ten Bereich der psy­che­de­li­schen Rock­mu­sik, nahm 2023, glaubt man dem Inter­net, an einer Ver­an­stal­tung in aus­ge­rech­net Han­no­ver teil, in deren Rah­men eine wei­te­re Grup­pe (ein wei­te­res Pro­jekt?) namens Mine­rall ins Leben geru­fen wur­de, des­sen Debüt­al­bum mit dem schier ent­zücken­den Namen „Bügeln“ bei mir 2024 schon Mon­tags­mu­sik spie­len durf­te. „Strö­mung“ ist nun das zwei­te Album, ent­stan­den wohl im Rah­men der­sel­ben Auf­nah­me­sit­zung.

    Dar­ge­bo­ten wird in den bei­den Stücken zu je „unge­fähr“ zwan­zig Minu­ten Län­ge – nun – eine Art Moto­rik-Spa­ce­rock. Ein stoi­sches Schlag­zeug, bedient übri­gens von Tom­my Hand­schick, regel­mä­ßi­gen Lesern mei­ner frag­wür­di­gen Tex­te schon mal als Teil von Kom­by­nat Robo­tron begeg­net, beglei­tet ein wabern­des Geräu­sch­un­ge­tüm, das bis­wei­len an Hawk­wind erin­nert, anson­sten aber wie ein Amal­gam der musi­ka­li­schen Hin­ter­grün­de der betei­lig­ten Musi­ker klingt.

    Vier­zig Minu­ten Kopf­rei­se für die, die dafür kei­ne ande­ren Dro­gen als Musik brau­chen; Men­schen wie mich und mög­li­cher­wei­se auch die, die hier immer noch mit­le­sen, also. Bit­te, gern gesche­hen.

    Stream (Vinyl ist gera­de schwer erhält­lich, exi­stiert aber wohl auch): Band­camp.

  9. mclus­ky – the world is still here and so are we
    „Tell me you’re pre­cious wit­hout being pissed on!“ (kaf­ka-esque nove­list franz kaf­ka)

    Mal was ande­res, näm­lich erdi­ger Rock. Mclus­ky, der­zeit anschei­nend wie auch der Titel die­ses Albums sowie sämt­li­che Stücke dar­auf kon­se­quent klein geschrie­ben, sind eine Post-Hard­core-Band, aber davon merkt man nichts, aus Car­diff, aber davon auch nicht. Ihr neue­stes, vier­tes Album, näm­lich die­ses, wur­de bei Ipe­cac ver­öf­fent­licht, was, wie der geneig­te Musik­freund weiß, als Kri­te­ri­um zum Inter­es­se­schü­ren durch­aus hin­rei­chend ist. Eine „Schön­heit“ sei das Album, eti­ket­tiert die „VISIONS“, aber klas­sisch schön will es gar nicht sein.

    Nein, auf „the world is still here and so are we“ geht es so sump­fig zu wie einst bei den wun­der­vol­len Shel­lac. Hier und da („chekhov’s guns“) bricht der Cross­over-Nu-Metal der frü­hen 2000er her­vor, aber im Wesent­li­chen haben wir es hier mit kräf­tig gepfef­fer­tem Noi­se­r­ock und eben­sol­chen Tex­ten (etwa in „peo­p­le per­son“: „explo­ding kids can kill the mood / can kill the mood if kid explo­si­ons aren’t your heart’s desi­re“; der „tages­schau“ gefällt das) zu tun. Nur drei der Tex­te haben ein „expli­zi­te Lyrik“-Etikett, aber danach suche ich mir die Musik hier ja auch nicht aus. Text­lich soll es gar kei­nen Spaß machen, aber musi­ka­lisch geht es gar nicht anders. Mis­an­thro­per Krach ist anders schön. „Bla­b­ber­mouth“ zieht das Fazit, es sei „egal, ob irgend­wer von uns ver­steht, was hier pas­siert“, wenn es doch „der­ma­ßen gut“ klin­ge. Stimmt.

    Nör­ge­lei? Klar: Das Album könn­te mei­net­we­gen län­ger sein. Aber es ist ja ver­mut­lich nicht das letz­te.

    Stream, Down­load, Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  10. Colos­se­um – XI

    Das Able­ben von Jon Hise­man hat sei­ne Jazz­rock­com­bo zum Glück nicht ihre Zel­te abbre­chen las­sen, son­dern, wie es sich anhört, erst recht befeu­ert. Das kennt man so ähn­lich ja von Gong. Am Schlag­zeug sitzt in sei­ner Nach­fol­ge seit 2020 Mal­colm Mor­ti­more, eini­gen Lesern mög­li­cher­wei­se von Gent­le Giant (oder jeden­falls von deren Album „Three Fri­ends“) bekannt und auch sonst seit Jahr­zehn­ten recht umtrie­big, wei­ter­hin an Bord sind von der „alten“ Gar­de seit 1969 bzw. 1970 „Clem“ Clemp­son (Gitar­re, Key­boards), Mark Clar­ke (Bass) und Chris Far­lo­we (Gesang). So viel zu den nack­ten Zah­len.

    „XI“, das – ätsch! – neun­te Stu­dio­al­bum (sofern man die zwei EPs „Bread & Cir­cuses“ und „The Kett­le“ nicht mit­zählt) die­ser ver­dien­ten Com­bo, beginnt schon mit ordent­lich Groo­ve. Chris Far­lo­we hat auch mit mitt­ler­wei­le 85 Jah­ren immer noch den Soul von frü­her und auch sonst schließt man naht­los an die eige­ne Geschich­te an: der sprin­gen­de Herr auf dem Titel­bild war so ähn­lich schon auf dem Live­al­bum von 1971 zu sehen.

    Es ist fest­zu­hal­ten, dass die Musi­ker im Alter anschei­nend ihren zwei­ten Früh­ling erfah­ren, denn wäh­rend die letz­ten Stu­dio­al­ben bis 2014 weit­hin als ent­täu­schend wahr­ge­nom­men wer­den, geht es seit dem Vor­gän­ger „Resto­ra­ti­on“ (2022) wie­der qua­li­ta­tiv auf­wärts, und wer – wie ich – die „Valen­ty­ne Suite“ für bis­her uner­reicht im Schaf­fen Colos­se­ums hält, der dürf­te schon ange­sichts der Titelliste fest­stel­len, dass hier eine fast neun­mi­nü­ti­ge „Eng­lish Gar­den Suite“ ent­hal­ten ist, die rein instru­men­tal gehal­ten ist und am ehe­sten wie frü­her klingt. Natür­lich soll­te kei­ne Musik­grup­pe auf jede Wei­ter­ent­wick­lung ver­zich­ten, man betrach­te die­sen Ein­wurf daher viel­mehr als nost­al­gi­sches Seuf­zen denn als plum­pe Kri­tik am Neu­en. Um die „Suite“ her­um­ge­wo­ben sind zeit­lo­se Stücke wie das eröff­nen­de, fun­ki­ge „Not Get­ting Through“, das jeden­falls mich an die jün­ge­ren Uriah-Heep-Wer­ke erin­nern­de „Hun­ters“ und die aus­nahms­wei­se von Mark Clar­ke gesun­ge­ne (weil wohl auch geschrie­be­ne) Blues­rock­hym­ne „Gypsy“. Ich gebe zu, die Geschich­te von Colos­se­um in den letz­ten Jah­ren eher ver­nach­läs­sigt zu haben, und kann daher nicht mit hin­rei­chen­der Treff­si­cher­heit Ver­glei­che zu den vor­he­ri­gen Alben zie­hen, aber als für sich allein ste­hen­des „Alters­werk“, das „XI“ wohl ist, ist es mehr als nur erfreu­lich.

    Schön, dass das Colos­se­um noch steht. Es lebe (noch lan­ge und) hoch.

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  11. SUMAC and Moor Mother – The Film
    „Seems like every time there’s a bomb, there’s a round of applau­se“ (Sce­ne 5: Breathing Fire)

    Krat­zen wir mal am ande­ren Extrem.

    Für das Album „The Film“ hat sich das Post­me­tal­trio SUMAC mit der Expe­ri­men­tal­mu­si­ke­rin Moor Mother, die sonst bei der Free-Jazz-Com­bo Irrever­si­ble Ent­an­gle­ments ins Mikro­fon spricht, zusam­men­ge­tan. Zu hören gibt es fol­ge­rich­tig eine Art Free Jazz­me­tal, recht frei im Rhyth­mus, ver­fei­nert von besag­ter Musi­ke­rin, die aus­weis­lich des Inter­nets sowohl Syn­the­si­zer und Effekt­ge­rä­te als auch das Mikro­fon bedient. Gesang ist das nicht, statt­des­sen wird über­wie­gend Poli­ti­sches teils ruhig, teils auf­ge­regt erzählt. Am Ende des zwei­ten Stücks, „Sce­ne 2: The Run“, kommt Grow­ling ins Spiel. Das macht aber wohl wer anders.

    Die Grund­stim­mung von „The Film“ ist ver­stö­rend. Ich weiß nicht, ob es dazu tat­säch­lich einen Film gibt, aber anse­hen wür­de ich mir einen sol­chen schon. Mich erin­nert das Album strecken­wei­se an „Lulu“, teils an „The Cher­ry Thing“, aber hek­ti­scher. Dass das Album in den letz­ten fünf Minu­ten trotz­dem eher sanft aus­klingt, macht’s zu einer run­den Sache. (Sind Ton­trä­ger nicht mei­stens rund?) Emp­feh­lung abseits die­ser Liste: Etwas von Irrever­si­ble Ent­an­gle­ments zur Ein­stim­mung hören. Dann ist „The Film“ nur fol­ge­rich­tig.

    Stream, Kas­set­te, CD, Vinyl, Down­loads: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  12. OSMIUM

    Von 2005 bis 2008 nann­te sich die bra­si­lia­ni­sche Prog­me­tal­band Day­d­ream XI statt­des­sen Osmi­um. Dies ist eine ande­re Grup­pe, aber der Name war ja wie­der frei. Die­je­ni­gen OSMIUM die im Juni 2025 ihr namen­lo­ses (oder eigen­be­nann­tes?) Debüt­al­bum raus­brach­ten, um das es hier gehen soll, sind statt­des­sen ein Quar­tett aus Ber­lin.

    Eine Art Panik­in­du­stri­al, vom Pres­se­text als „elek­tro­me­cha­ni­scher Metal“ beschimpft, gibt es hier zu hören, her­ge­stellt mit­hil­fe einer Klang­ku­lis­se aus drei­er­lei selbst ent­wor­fe­nen Instru­men­ten, zu dem der Stimm­künst­ler Rul­ly Shaba­ra stöhnt, röchelt und schreit. Asso­zia­tio­nen: Nine Inch Nails, Aphex Twin, Film­mu­sik für Welt­kriegs­do­kus. Da, wo es mal ruhi­ger wird (etwa in „Osmi­um 4“), quietscht und brummt es in eine metal­li­sche Käl­te hin­ein, so dass man selbst da ein kaum erklär­li­ches Unwohl­sein ver­spürt. Wahr­schein­lich ist das Absicht. Es gibt ein lesens­wer­tes Inter­view zu den Hin­ter­grün­den des hier auf Plat­te Gepress­ten, das ich hier­mit als wei­ter­emp­foh­len betrach­te. Aus­weis­lich der Band­camp­sei­te zum Album wird hier erfolg­reich die Gren­ze zwi­schen der Aus­drucks­form von Maschi­nen und der­je­ni­gen von Men­schen ver­wischt, und ich stim­me zu. So ähn­lich müs­sen Cyber­men klin­gen, wenn die jemals dies­seits von Doc­tor Who vor­kom­men soll­ten. (Lan­ge dau­ert das wohl auch nicht mehr.)

    „Osmi­um“ (das Album) will gar nicht gefal­len und tut es nach klas­si­schen Kri­te­ri­en auch nicht. Ein ande­rer Rezen­sent schrieb irgend­wo, es sei geeig­net, um den Kopf zwi­schen zwei Pop­mu­sikal­ben wie­der zu erden, und wahr­schein­lich stimmt das. Aber so viel Pop­mu­sik höre ich gar nicht. Nein, wer Gefäl­li­ges braucht, der braucht das Gegen­teil von dem hier. „Osmi­um“ (das Album) ver­langt statt­des­sen dem Hörer einen Sinn für die Avant­gar­de ab. Zum Glück habe ich den und bin daher ange­tan.

    Stream, Vinyl und/oder Down­load: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  13. Ran­ges – Sin

    Zah­len­ver­rück­te – dies ist übri­gens das drei­zehn­te Album auf die­ser Liste – dür­fen sich ent­zücken las­sen: Auf den sie­ben Stücken auf „Sin“ ver­to­nen Ran­ges aus Mon­ta­na die sie­ben Tod­sün­den, nament­lich – soweit ich das ver­stan­den habe – Hoch­mut („The Fal­con Can­not Hear the Fal­co­ner“), Neid („Their Eyes Sewn Shut“), Wol­lust („Bound To The Black Wind“), Völ­le­rei („Three Throats“), Gier („Pro­di­gal“), Jäh­zorn („The Red Mist“) und Faul­heit („Idle Hands“). Hand hoch, wer noch kei­ne von ihnen (und sei’s Wol­lust) jemals began­gen hat. Die Plat­te für sie­ben­und­zwan­zig US-Dol­lar gibt es in sie­ben ver­schie­de­nen Farb­va­ri­an­ten, den Down­load für sie­ben US-Dol­lar. Ihr merkt: Sub­til sind die Musi­ker nicht.

    Das gilt nicht nur für die Ver­packung und die Ver­mark­tung, son­dern auch für die Musik selbst. Zu hören gibt es weit­ge­hend ener­gi­schen Post­rock mit dem alten Laut-lei­se-Spiel. Ran­ges erfin­den das Gen­re nicht neu, aber bewe­gen sich treff­si­cher in ihm wie auf einer gro­ßen Spiel­wie­se, so dass das, was hier aus dem Kopf­hö­rer gewit­tert, nicht nach Scha­blo­ne klingt, son­dern danach, dass hier Musi­ker am Werk sind, die sich abre­agie­ren wol­len und es gar nicht so ungern hät­ten, wenn ihr Publi­kum sich ihnen anschließt.

    Ran­ges malen breit­wan­dig, aber kei­ne gepunk­te­ten Berg­seen, son­dern rei­ßen­de Sturz­flu­ten, die alles unter sich begra­ben, das sich ihnen in den Weg stellt. Hoch­emo­tio­na­le Musik für die­je­ni­gen, deren Emo­tio­nen emp­fäng­lich für Musik sind. Sel­ten klan­gen Tod­sün­den so ein­la­dend, man möch­te zu ihnen abhot­ten, wie die jun­gen Leu­te sagen bzw. mal sag­ten. Ich mache das mal und emp­feh­le unter­des­sen wei­ter.

    Stream, Kauf, Run­ter­la­den: Band­camp, TIDAL.

  14. We Lost the Sea – A Sin­gle Flower

    Die jähr­li­che Dosis Post­rock wird über­dies vor­an­ge­bracht von einer Grup­pe, die im Rah­men die­ser Rezen­si­ons­rei­he seit Jah­ren immer mal wie­der zu Gast ist, näm­lich We Lost the Sea. Deren 2025er Album „A Sin­gle Flower“ beginnt zurück­hal­tend mit Gitar­re und ein wenig beglei­ten­dem Rhyth­mus, bevor nach etwas über drei Minu­ten erst­mals das ein­setzt, was der geneig­te Postrock­freund ver­mut­lich bereits erwar­tet, näm­lich das vol­le Breit­wand­ki­no.

    We Lost the Sea gestal­ten auch auf „A Sin­gle Flower“ pracht­vol­le Klang­land­schaf­ten, die über wei­te Strecken einem Freund des musi­ka­li­schen Früh­lings gefal­len könn­ten. (Ist ja auch bald wie­der so weit.) Gesun­gen wird nicht, was gut ist. Der etwas plum­pe Dis­co­stampf­rhyth­mus von „Ever­ything Here is Black and Blin­ding“ zieht mei­ne Bewer­tung etwas run­ter, aber irgend­was ist ja immer und We Lost the Sea ver­söh­nen mich ja meist schnell.

    Dass aus­ge­rech­net im mit Abstand kür­ze­sten Stück „The Gloa­ming“ Sophie Tru­deau (bekannt min­de­stens von den nicht beson­ders eili­gen God­speed You! Black Emper­or) am Streich­in­stru­ment aus­hilft, ist ein Detail, das wahr­schein­lich mal wie­der nur ich für bemer­kens­wert hal­te. Gro­ße Über­ra­schun­gen gibt es dar­über­hin­aus nicht und das ist auch gut so. Fei­ne Schei­be.

    Stream, Down­load und (Vinyl ist aus­ver­kauft, aber trotz­dem) Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  15. Half Past Four – Fin­ding Time

    Ich weiß, ich weiß, ich emp­feh­le hier eigent­lich meist nur obsku­ren Krach. Das liegt dar­an, dass mir obsku­rer Krach gefällt. Doch machen wir uns nichts vor: Das hier ist Pop, aber guter.

    2018 erhoff­te ich mir eine Fort­set­zung ihres damals aktu­el­len Albums „Land of the Blind“. Die­se liegt nun vor; der Titel „Fin­ding Time“ ist da schon Pro­gramm. Für die, die’s damals nicht ver­folgt haben, wie „gele­sen“ heut­zu­ta­ge wohl heißt, fas­se ich deren Trei­ben kurz zusam­men: Half Past Four, ein kana­di­sches Quin­tett um die Sän­ge­rin Kyree Vibrant, die sonst was mit Fil­men macht, habe sich vor ein paar Jah­ren, so teilt’s deren Web­site mit, dazu ent­schie­den, sich voll­stän­dig dem Pro­gres­si­ve Rock hin­zu­ge­ben. Das soll­te man nicht ver­wech­seln: Das, was Musik­grup­pen heu­te machen, wenn sie ver­su­chen, so zu klin­gen wie sol­che Musik­grup­pen, die in den 1970er Jah­ren pro­gres­si­ve Musik gespielt haben, nennt man „Oldies“. „Retro­rock“. Schlimm­sten­falls, und das geht man­cher­seits als Belei­di­gung durch, „Neo­prog“. (Das bedeu­tet nicht, dass ich Musik­grup­pen, die ver­su­chen, so zu klin­gen wie sol­che Musik­grup­pen, die in den 1970er Jah­ren pro­gres­si­ve Musik gespielt haben, unbe­dingt schlecht fin­de. Aber Wör­ter haben eine Bedeu­tung und „pro­gres­siv“ heißt „vor­wärts“ und nicht „wie frü­her“.)

    Natür­lich steht auch neun Jah­re nach dem Vor­gän­ger die immer noch groß­ar­ti­ge Sän­ge­rin im Vor­der­grund. Auf ihrer eige­nen Web­site zitiert sie gern Ver­glei­che mit Les­lie Hunt, Kate Bush und Grace Slick. Las­se ich gel­ten. Beim Hören dach­te ich gele­gent­lich an Lee Trif­fon, Kim Wil­de (wie­so auch immer) und – ja – auch Kate Bush, wel­che nicht die übel­sten Dran­denk­künst­le­rin­nen sind. Die Musik dahin­ter, und da stimmt der Ver­gleich mit Les­lie Hunt und damit District 97 auf mehr als eine Art, ist wohl tat­säch­lich als „moder­ner Pro­gres­si­ve Rock“ zu begrei­fen: Unab­hän­gig von den Titel­län­gen, ange­sichts derer fast jeder Radio-DJ dan­kend abwin­ken wür­de, gibt es grund­sätz­lich radio­taug­li­che Ideen (das geht schon im eröff­nen­den „Tomor­row­less“ los), die, damit nie­mand aus Ver­se­hen spon­tan Bock dar­auf bekommt, sich im Ede­ka an der Wurst­the­ke anzu­stel­len (Paw­low funk­tio­niert), von Jazz- (man höre etwa „Bran­ches“) und Math­rock­ideen durch­zo­gen sind. „Hand­werk­lich von höch­ster Qua­li­tät“ fin­det ein ande­rer Rezen­sent das und irrt nicht.

    Mich freut, dass die Musi­ker wie­der, nun, die Zeit gefun­den haben, auch wenn wir es hier mit einem neu­en Gitar­ri­sten zu tun haben, der jedoch bemer­kens­wer­te Akzen­te setzt. Hof­fent­lich dau­ert das näch­ste Album nicht noch mal neun Jah­re.

    Stream und/oder Down­load: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  16. Fieldwork – Thereu­pon

    Noch mal Jazz, dies­mal nicht von alten Mei­stern, son­dern von einem jun­gen (oder jeden­falls erst 1971 gebo­re­nen) Herrn, näm­lich Vijay Iyer. Die­ses in New York hei­mi­sche, und man muss es wohl so nen­nen, Mul­ti­ta­lent (die eng­lisch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia listet allein Kom­po­nist, Band­lea­der, Pro­du­zent, Autor und Pro­fes­sor auf; Jazz­mu­si­ker sind oft ein sehr eige­nes Völk­chen) ist nicht nur Kopf eini­ger Musik­pro­jek­te, son­dern dann und wann auch mal gleich­be­rech­tig­tes Mit­glied, so auch im Trio Fieldwork, das seit 2002 vier Stu­dio­al­ben ver­öf­fent­li­chen ließ, wobei das drit­te, „Door“ (2008), schon eine Wei­le zurück­liegt. Die ande­ren bei­den Musi­ker im Trio sind Tyshawn Sorey und Ste­ve Leh­man, bei­de selbst aus­ge­wie­se­ne Exper­ten und Band­lea­der mit jeweils eige­nem Wiki­pe­dia­ar­ti­kel. (Von wegen, ich hör’ immer nur obsku­ren Kram von Musi­kern, die nie­mand kennt…)

    Hier also liegt nun das vier­te Album von Fieldwork, „Thereu­pon“, vor. Gesun­gen wird nicht und das ist in Ord­nung so. Das gan­ze Album durch­zieht ein Mit­wipp-Groo­ve, dabei wird es aber nie wirk­lich belie­big; das Trio an Kla­vier, Saxo­phon und Schlag­zeug durch­zieht die neun Stücke mit einer Spiel­freu­de, die ansteckend ist und also den Hörer (oder zumin­dest mich) hier und da zum Sitz­tanz ver­lei­tet. An tra­di­tio­nel­le Jazz­for­men hal­ten sich die Musi­ker eher aus Ver­se­hen, statt­des­sen ent­fa­chen sie einen wah­ren Wir­bel­sturm (ent­facht man eigent­lich Wir­bel­stür­me?) aus Rhyth­mus, Melo­die und gekonnt Impro­vi­sier­tem, der mir durch­aus mehr als ein­mal ein aner­ken­nen­des Nicken ent­lockt. Das ist Zustim­mung genug.

    Das und natür­lich mei­ne hie­si­ge Emp­feh­lung, die hier­mit erteilt ist.

    Stream, Down­load, Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  17. La Dis­pu­te – No One Was Dri­ving The Car
    „You car­ved ‚Die Young‘ with a pen / in the skin below your neck“ (Ste­ve)

    Den unge­fäh­ren Stil der US-Ame­ri­ka­ner La Dis­pu­te beschrieb ich bereits 2013, damals stell­te ich „Geschep­per und Geschrei“ (d.h. Screa­mo-Stil) fest. Es scheint sich seit­dem man­ches geän­dert zu haben, denn geschrien wird hier kaum noch.

    „No One Was Dri­ving The Car“ ist das, was man wohl heut­zu­ta­ge ein Spo­ken-Word-Album nennt: Es wird viel gespro­chen. Dabei klingt Sänger/Sprecher Jor­dan Drey­er aller­dings sehr unge­dul­dig, als wäre die Schlan­ge vorm Klo uner­träg­lich lang. – In den letz­ten Jah­ren, erfährt man, sei die sonst grund­sätz­lich unpo­li­tisch han­deln­de Band zuse­hends wüten­der gewor­den und das müs­se jetzt raus. An den Tex­ten, plum­pe Paro­len fin­det man hier nicht, erkennt man kei­ne über­mä­ßi­ge Poli­ti­sie­rung, wohl aber fin­det man in ihnen einen gewis­sen fata­li­sti­schen Welt­schmerz. Es hat Grün­de, dass auch das ein Wort ist, das es ins Eng­li­sche geschafft hat.

    Die Musik dazu ist gut trei­bend, kurz­wei­lig im besten Sin­ne und bis­wei­len (Rein­hör­emp­feh­lung: „Top-Sel­lers Ban­quet“) bei­na­he tanz­bar. La Dis­pu­te sind hier wie The Fall auf Speed und die Pixies auf Tech­no, sowohl die Post als auch das Hard­core in „Post-Hard­core“. Gepaart mit der dem Album inne­woh­nen­den Ver­zweif­lung an der Welt und dem gan­zen Rest ergibt das ein gutes Stück Musik, von dem man ent­we­der depres­siv oder gera­de­zu ansteckend fröh­lich wird. Bei jeden­falls mir war’s Letz­te­res.

    Stream, Down­load und/oder Ton­trä­ger (Letz­te­re nur bei Ama­zon): Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  18. Deaf Club – We Demand a Per­ma­nent Sta­te of Hap­pi­ness

    Apro­pos ner­vö­se Musik.

    Deaf Club klin­gen an Gesang und Instru­men­ten eigent­lich fort­wäh­rend wie vom wil­den Affen gebis­sen. Sie „ver­lan­gen“ auf ihrem zwei­ten Album „andau­ern­de Glück­se­lig­keit“ und das hört man auch. Deaf Club spie­len einen fieb­ri­gen, hoch­ex­plo­si­ven Hard­co­re­punk für Men­schen, die heu­te noch zu wenig Kaf­fee hat­ten. Dass das Cover­bild des Albums die Frie­dens­be­we­gung gra­fisch zitiert, ist ein schö­nes Detail, das mit dem Inhalt des Albums aller­dings kaum kor­re­liert. Fried­lich ist hier gar nichts.

    „Panik schü­ren­den Punk­rock“ nann­te das „New Noi­se Maga­zi­ne“ das, was Deaf Club hier anrich­ten, und dem ist kaum zu wider­spre­chen. „We Demand a Per­ma­nent Sta­te of Hap­pi­ness“ ist musi­ka­li­sches Cha­os der ange­neh­me­ren Art. Manch­mal schril­le (gelun­ge­ne Vor­ab­sin­gle: „Nihi­list for Dum­mies“), stets aber fie­se Gitar­ren flie­gen aus dem Kopf­hö­rer, wor­über der sowie­so eif­ri­ge Justin Pear­son ener­gisch ins Mikro­fon schreit, wäh­rend ein über­dreh­ter Schlag­zeu­ger die Trom­mel­fel­le win­del­weich prü­gelt. Mr. Bungle tref­fen auf Dil­lin­ger Escape Plan. „We Demand a Per­ma­nent Sta­te of Hap­pi­ness“ gibt dem geneig­ten Hörer fort­wäh­rend auf die Fres­se und das fühlt sich nicht mal schlecht an.

    Live sei es immer bes­ser als auf Plat­te, heißt es über Rock­mu­sik. Das gehe mehr ab. Nun habe ich Deaf Club bis­her nicht live gese­hen, aber wenn da noch mehr geht, fürch­te ich, ich muss da sowohl mal hin als auch hin­ter­her drin­gend mei­ne Ohren unter­su­chen las­sen. Aber das wird’s wert gewe­sen sein.

    Kras­se Schei­be.

    Stream, Down­load, Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  19. Zato­krev – …Bring Mir­rors To The Sur­face

    Zato­krev, man ahnt es ange­sichts des Namens, kom­men selbst­ver­ständ­lich – rich­tig – aus Basel. Zu ihren musi­ka­li­schen Vor­bil­dern gehö­ren, glaubt man dem Inter­net, die groß­ar­ti­gen Neu­ro­sis, zu Gehör brin­gen sie fol­ge­rich­tig schwe­ren, atmo­sphä­ri­schen Post­me­tal.

    Das Album walzt sich ins Gehör wie sonst nur Bay­ern Mün­chen durch die Bun­des­li­ga, ist dabei aber auch deut­lich weni­ger lang­wei­lig. Dabei geben sie dem Hörer genug Zeit, sich auf das ein­zu­las­sen, was ihm, man muss es wohl so aus­drücken, hier druck­voll wider­fährt: Fünf der Stücke sind über neun Minu­ten lang. Tat­kräf­ti­ge Hil­fe erhal­ten die Schwei­zer von Kol­le­gen von Minsk, mit denen sie schon 2018 zusam­men ihr bis dahin letz­tes Stu­dio­le­bens­zei­chen, näm­lich eine Split-EP, raus­ge­bracht hat­ten, eben­so wie von eini­gen wei­te­ren Kol­le­gen aus der Sze­ne. Das Gast­spiel des Zeal-&-Ardor-Front­manns Manu­el Gagneux („Unwin­ding Spi­rits“) ist auf die­sem Album nur als fol­ge­rich­tig zu ver­ste­hen.

    Bei­na­he aus dem Rah­men fal­len dage­gen die bei­den sehr gegen­sätz­li­chen Stücke „Blood“ und „Faint“: Wäh­rend Letz­te­res ein (zu kur­zes, aber) wah­res Noi­se­ge­wit­ter über den unvor­be­rei­te­ten Hörer ein­bricht, was mir als altem Krach­freund das Album ja erst so rich­tig ver­edelt, nimmt „Blood“ ab etwa der Hälf­te der Lauf­zeit das Tem­po etwas her­aus. Wer zuhört und jetzt glaubt, er kön­ne kurz ver­schnau­fen, der möge sich damit ein biss­chen beei­len, denn bereits im fol­gen­den „The Only Voice“ geben Zato­krev wie­der Voll­gas.

    „…Bring Mir­rors To The Sur­face“ ist ein musi­ka­li­scher Mahl­strom, von dem sich mit­rei­ßen zu las­sen nicht die schlech­te­ste Idee ist. Die Rück­kehr an Land hat was Rei­ni­gen­des. Ich mag das.

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  20. TV Cult – Indu­stry

    TV Cult kom­men aus Köln, aber ver­zich­ten zu mei­ner Freu­de auf Mund­art­ge­sang. Das kann man ja von hin­rei­chend bekann­ten Musik­grup­pen aus Köln nicht immer behaup­ten.

    Was Pearl Hand­led Revol­ver (sie­he oben) für die 70er sind, sind TV Cult für die (bes­se­ren) 80er. Mögt ihr Joy Divi­si­on und/oder Idles? Dann mögt ihr auch TV Cult. „Indu­stry“, ihr zwei­tes Stu­dio­al­bum, klingt vor allem dreckig, hei­se­ren Gesang gibt’s gra­tis oben­drauf. Das Album tra­ge, las ich anders­wo, sei­nen Namen unter ande­rem, um der gewal­ti­gen Arbeit Rech­nung zu tra­gen, die in die Pro­duk­ti­on des Albums geflos­sen ist. Kann sein.

    Gut gemacht ist es auf jeden Fall: Hier und da flie­ßen im Hin­ter­grund des mal wütend, meist fru­striert daher­kom­men­den Rhyth­mus­fun­da­ments Syn­the­si­zer­me­lo­dien ein (wie frü­her), Ohr­wurm­po­ten­ti­al hat für die, die sich jetzt schon ange­spro­chen füh­len, sowie­so vie­les, wobei ich mich selbst immer wie­der dabei erwi­sche, dass ich ja eigent­lich noch mal „Over­pres­su­re“ hören könn­te.

    „Aber das ist doch alles schon mal da gewe­sen!“ mögt ihr jetzt den­ken. Das ver­hält sich bei Musik ja in den letz­ten Jahr­zehn­ten des Öfte­ren so. Aber muss denn immer alles noch nie da gewe­sen sein? – Inno­va­ti­on? Nein. Tol­le Musik? Ja!

    Stream, Down­load, Kauf: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  21. LÜT

    Aus Nor­we­gen stammt das Punk­rock­quar­tett mit dem urnor­we­gi­schen Namen LÜT. Zuvor, weiß das Inter­net, spiel­ten sie seit 2010 als The Wol­ves zusam­men, nen­nen sich seit 2015 LÜT und hat­ten zwei Alben und diver­se Beset­zungs­än­de­run­gen hin­ter sich gebracht, bevor sie 2022 noch mal von vorn anfin­gen und nun in Ori­gi­nal­be­set­zung ein kon­se­quent selbst­be­ti­tel­tes Album auf­nah­men. So weit die Geschich­te.

    Ein Groß­teil des hier Ent­hal­te­nen ist auf Nor­we­gisch, das gut klingt, aber mir nicht geläu­fig ist, gesun­gen, eine Aus­nah­me ist ein­zig das auch noch schwäch­ste Lied auf dem Album, „Glücks­schmied“, in dem aus­ge­rech­net Bela B., wohl selbst der Grup­pe zuge­neigt und mit den Die Ärz­te bereits nach ihnen auf­ge­tre­ten sei­end, den anson­sten nor­we­gi­schen Refrain auf Deutsch singt und eine eini­ger­ma­ßen unin­ter­es­san­te Stro­phe bei­steu­ert. Das Lied hat es frei­lich nicht ganz leicht, denn LÜT machen auch in ihrer Mut­ter­spra­che Spaß und gehen ab. Eine musi­ka­li­sche Nähe zu zeit­ge­nös­si­schem Deutsch­punk (d.h. „Indie“) kann ich aus­ma­chen, ver­ste­he aber immer­hin kein Wort. Dafür gibt es ziem­lich vie­le Hum­meln im Hin­tern.

    Das Album ist tat­säch­lich nur etwas über eine hal­be Stun­de lang, aber die Zeit wird kom­plett durch­ge­prescht. Wer Ruhe haben will, der ist hier falsch. Fin­de ich gut und gehe dazu ab.

    Stream und Vinyl: Amazon.de, Band­camp, TIDAL.

  22. Jo Mont­go­me­rie – Eph­eme­ral Ritu­als

    Von der Helen Scar­sda­le Agen­cy gab es 2025 noch mehr Gutes für die Freun­de gepfleg­ter Geräu­sche. Die mir zuvor unbe­kann­te Jo Mont­go­me­rie aus Man­che­ster etwa, dort eti­ket­tiert unter „Musi­que con­crè­te“, was gar nicht schlecht passt, hat eine sie­ben Stücke ent­hal­te­ne CD / einen sie­ben Stücke ent­hal­ten­den Down­load raus­ge­bracht.

    Wer nicht zwin­gend Rhyth­mus, Har­mo­nie oder auch nur Melo­die braucht, son­dern ganz zufrie­den damit ist, etwas zu haben, das den Kopf mehr befreit als ihn anzu­stren­gen, ohne dabei in die seich­te Fahr­stuhl- bzw. Bügel­mu­sik zu kip­pen, dem könn­ten die Ritua­le gefal­len. Jo Mont­go­me­rie webt einen Geräusch­tep­pich mit aller­lei Zir­pen, Pho­no­gra­phen­pul­sie­ren, Don­ner­grol­len und auch mal Tele­fon­klin­geln (sehr schön: das in Über­ein­stim­mung mit sei­nem Titel immer näher zu kom­men schei­nen­de „you bet­ter run“) ins Ohr des unvor­be­rei­te­ten Hörers, um den sich „Eph­eme­ral Ritu­als“ wie eine Bla­se legt und über eine – Helen-Scar­sda­le-Agen­cy-erfah­re­ne Leser haben das ver­mut­lich schon geahnt – ver­las­se­ne, aber noch voll funk­ti­ons­tüch­ti­ge Fabrik mit­ten in einer futu­ri­sti­schen Wüsten­ge­gend trägt, wäh­rend er nach und nach nicht nur sei­ne Äng­ste, son­dern unwei­ger­lich auch sei­ne Hoff­nung ver­liert, bevor sie ihn am Schluss (auch gut benannt: das for­dernd ble­chern grol­len­de „ever­ything is silent“) wie­der absetzt und ver­lässt, als wäre nie etwas gesche­hen.

    Ich habe eine Schwä­che für Musik wie die­se. Sie hat etwas Kathar­ti­sches an sich, eine irgend­wie befrei­en­de Wir­kung eben. Die mil­de Klau­stro­pho­bie, die damit ein­her­geht, ist ein Neben­ef­fekt, der wie­der ver­schwin­det. Was bleibt, ist Stil­le.

    Stream, Down­load und/oder Kauf: Band­camp 1, Band­camp 2.

  23. Bak­er-Beck-Wys­ki­da – Trze­cia (Dru­gi)

    Ehe­mals Super­grou­pi­ges zum Schluss.

    Bak­er-Beck-Wys­ki­da waren Aidan Bak­er (Nad­ja u.a.), Tim Wys­ki­da (zumin­dest mir vor allem von Insect Ark bekannt) und der vor der Fer­tig­stel­lung des Albums ver­stor­be­ne Daron Beck (Pin­ki­sh Black). Ent­hal­ten sind vier Stücke zwi­schen 8:18 und 14:30 Minu­ten, die vor allem denen gefal­len dürf­ten, die gegen instru­men­ta­les Elek­tro­ni­sches nichts ein­zu­wen­den haben. Bak­er-Beck-Wys­ki­da erschaf­fen gro­ße Atmo­sphä­re, ohne dabei so ermü­dend zu wer­den wie wei­land Tan­ge­ri­ne Dream in ihren schwäch­sten Pha­sen.

    Das drit­te Stück „Dzie­wiå­ty“ pol­tert nach dem flä­chi­gen, hier und da auch mal spa­cig hüp­fen­den Beginn ziem­lich uner­war­tet los. Indu­stri­al, wo man ihn nicht erwar­tet, ist mein lieb­ster Indu­stri­al. Ich den­ke kurz an „Rav­vi­van­do“ von Faust und bin ent­zückt. Dem gegen­über steht das vier­te und zweit­läng­ste Stück mit dem kein biss­chen ver­wir­ren­den Titel „Dzie­siå­ty“, das ähn­lich indu­stri­el­len Klän­gen eine schwer­mü­ti­ge Stim­mung zur Sei­te stellt, die mich an ein Begräb­nis den­ken lässt, dis­so­nant unter­stützt. Kei­ne Ahnung, ob Daron Beck wuss­te, dass sein Able­ben nicht mehr lan­ge dau­ern wür­de, aber es wür­de es erklä­ren. Zu Gra­be getra­gen hat die­ses Stück jeden­falls min­de­stens die­ses Album.

    Schön, es noch gehört zu haben.

    Kas­set­te (!) und Stream: Band­camp, TIDAL.


Reicht. Ergän­zun­gen? Gern hier drun­ter. Genör­gel? Spä­ter viel­leicht. Wei­te­res, wenn alles Rele­van­te beim Alten bleibt, gibt es hier in einem Jahr.

Jah­res­rück­blick

Musik 12/2024 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se
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Senfecke:

  1. Ergän­zung:

    Clo­a­k­ro­om – Last leg of the human table
    https://cloakroom.bandcamp.com/album/last-leg-of-the-human-table
    (Hat mich ziem­lich abge­holt, weil irgend­wie Stoner-Down­tem­po-Hill­bil­lie-Punk-Metal oder so. Gen­re­tech­nisch schwer fest­zu­na­geln, i like that kind of stuff.)

    (16) – Gui­de for the mis­gui­ded
    https://16theband.bandcamp.com/album/guides-for-the-misguided
    (Schwer, vari­an­ten­reich, fett)

    Unto others – Never, Never­land
    (Straigh­ter Metal/Rock mit (glau­be) Sisters of Mer­cy-Gedächt­nis­ge­sang, läuft oft auf mei­nen Gerä­ten)

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