(Prolog: Ich bin unverändert Pirat und wünsche jeglicher radikaler Strömung politischer und/oder religiöser Natur mindestens Marcell d’Avis an den Hals.)
Normalerweise verzichte ich dankend darauf, dem gefährlichen Populismus der beiden einschlägig bekannten Autoren von FickMBR (ich weigere mich konsequent, den Namen nicht zu verballhornen) mittels Verlinkung weitere Klientel zu verschaffen, aber in diesem Fall kann, nein, muss er gar als Beispiel dienen, nachdem selbst Politblogger.eu allzu zahm berichtet:
Aaron König, ehem. Bundesvorstandsmitglied der Piratenpartei Deutschland, hat nun, passend zu all dem Aufhebens um Thilo Sarrazin, dessen Buch offenbar auch noch niemand, der sich über seine Inhalte beschwert, überhaupt gelesen hat, gemeinsam mit zwei anderen Menschen eine neue konservative Partei gegründet. Ihr Name ist “Die Freiheit” und ihre politischen Ziele sehen unter anderem so aus:
Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, deren Mitglieder ein Höchstmaß an Freiheit genießen können. Darunter verstehen wir unter anderem die Meinungsfreiheit, die Freiheit der Presse, die Versammlungsfreiheit, die Freiheit vor Kriminalität und Gewalt, die Freiheit der Partnerwahl und die Religionsfreiheit (die auch die Freiheit einschließt, keine Religion zu haben).
Diese Freiheiten gelten für alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Orientierung.
Das sollte eigentlich alles eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht; Freiheit ist in diesem Land die Freiheit der Mehrheit. Da werden auch schon mal legitime Veranstaltungen von so genannten “Wahrern der Demokratie” behindert, die sich hinterher gegenseitig dazu beglückwünschen, wie sehr sie heute wieder die Demokratie gewahrt haben, jedenfalls die eigene. Es wäre ja noch schöner, wenn die Grundrechte auch für die blöden Neonazis gälten; wo kämen wir da hin?!
Und die Forderungen der Partei “Die Freiheit” haben inhaltlich vielleicht — in den Augen der Macher von FickMBR (s.o.) — das Problem, dass sie Freiheit für rigoros alle beinhalten, Meinungsfreiheit für Thilo Sarrazin und Eva Herman eingeschlossen, und dass die drei Parteigründer dem rechten politischen Spektrum nahe stehen. Autor Christian Sickendieck dummsülzt in seinem triefenden Pamphlet gleich mehrfach:
Die Nazi-Schergen haben eine neue Heimat.
Und weiter:
Anders sieht es auf den Publikationen aus, die fast überwiegend vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Egal, wie sie heißen, Politically Incorrect oder auch Gesamtrechts – überall überschlagen sich die freudigen Artikel. Man kann förmlich spüren, wie die Kommentatoren auf die Tastatur onanieren.
FickMBR sollte man allerdings auch mal vom Verfassungsschutz beobachten lassen, denn jemand, der so konsequent mit der Nazikeule um sich schlägt, scheint von einigen Grundregeln unserer Demokratie auch nicht viel zu halten, Respekt vor der Meinung anderer einmal eingeschlossen. Als Aaron König noch in der Piratenpartei war, verunstalteten die beiden Komiker eine Flagge des Dritten Reiches, indem sie anstelle der Swastika das Piratensegel platzierten. Sehr lustig — und von Volksverhetzung nicht weit entfernt.
Und man konnte im Kommentarbereich förmlich spüren, wie die Hausherren, arrogant wie üblich, auf die Tastatur onanieren.
Ach, Piratenpartei; ohne kann er’s echt nicht:
Stefan Aaron König hat die Katze aus dem Sack gelassen, die Piratenpartei muss sich die Frage gefallen lassen, wie sie so eine Type jemals in den Vorstand hat wählen können.
Auch, wenn ich auf eine Antwort vermutlich vergebens warten darf: Nein, muss sie nicht — warum?
Aaron König, ehemals gegen weder das Grundgesetz noch die Satzung der Piratenpartei verstoßendes Vorstandsmitglied, hat eine neue Partei gegründet, die Freiheit auch für islamkritische Äußerungen zulässt. Was für eine “Type” ist er nun?
Ach ja, richtig: Ein “Nazi-Scherge”. Hatte ich überlesen; aber du, Chris, schriebst es ja nicht nur mehrfach, sondern zudem auch noch in Fettdruck, wie es die BILD eben auch macht, wenn sie irgendwelchen verquasten Müll als ganz besonders wichtig hervorheben will.
(Abgesehen davon ist der Begriff ohnehin unsinnig; um ein “Nazi-Scherge”, ein Erfüllungsgehilfe der Nationalsozialisten also, zu werden, wäre Herr König ein paar Dekaden zu spät dran.)
Weiter unten in den Forderungen der “Freiheit” ist übrigens zu lesen:
gegen die Ausbreitung totalitärer Ideologien, insbesondere den politischen Islam
Herr Sickendieck macht daraus:
Ärgerlich ist, dass wieder einmal der Begriff Freiheit von einer politischen Splittergruppe missbraucht wird. Wann immer in der Geschichte totalitäre Systeme Menschen unterdrückt haben, geschah es im Namen der Freiheit. So auch offensichtlich auch in diesem Fall. Freiheit hört beim islamischen Glauben auf. Die bisherigen Aussagen von Stadtkewitz, Doll und König sind als Bullshit zu bewerten. Es geht einzig und allein gegen den Islam.
So weit ist’s in diesem Land gekommen mit dem selbsternannten Journalismus; man hat eine ungefähre Ahnung, wo man recherchieren muss, lässt es aber sein und bewertet ein Unterfangen anhand seiner Teilnehmer. Es geht “gegen den Islam”, weil einer der Gründer nebenbei im islamkritischen Weblog “Politically Incorrect” mittippt und das allein entscheidend ist; wie halt die Piratenpartei auch eine doofe Nazipartei war, weil Aaron König in seinem privaten Weblog den schweizerischen Volksentscheid gegen den Bau von Minaretten als demokratischen Akt gutgeheißen hat, und wie Eva Herman vermutlich in ihrer Freizeit Ausländerjungen erwürgt, lies: gar nicht.
Die Partei “Die Freiheit” hat klare Aussagen zu ihren Forderungen gemacht. Sie pauschal als Mumpitz abzutun, weil sie nicht so schön in das eigene wirre Weltbild passen, ist genau das, nämlich Mumpitz. Aber Hauptsache, der Anfänge wehren; Hauptsache, “Nazis aufs Maul”, weil eben alles, was man nicht versteht, schon ziemlich nazihaft ist und es nicht sein kann, dass ausgerechnet jetzt gerade eine Partei aufs Parkett geführt wird, die Religionskritik nicht mit Fremdenfeindlichkeit verwechselt.
“Gegen den Islam” wäre in der Tat nicht allzu prima; aber das haben die “Freiheit“ler auch nie gefordert. Dazwischen steht noch ein Wort und davor stehen noch mehrere. “[G]egen die Ausbreitung totalitärer Ideologien” mag man bei FickMBR als direkte Kampfansage verstehen, ist man doch seit Jahren einer der Vorreiter totalitärer Propaganda in der deutschsprachigen Blogosphäre, aber dann sollte man mal darüber nachdenken, ob der Fehler tatsächlich bei der “Freiheit” zu suchen ist. “Nazi-Schergentum” jedenfalls ist in einer Partei, die sich gegen totalitäre Ideologien ausspricht, nicht drin.
Die Formulierung ist, zugegeben, etwas schwach; “politischer Islam” existiert so nur in der öffentlichen Wahrnehmung. Ersetzen wir es einmal mit dem Gemeinten, nämlich “Islamismus”. Schon sieht das anders aus. Die Partei “Die Freiheit” spricht sich (ebenso wie übrigens Thilo Sarrazin) dagegen aus, dass die Vertreter der “Religion des Friedens” sich mit Gewalt Gehör zu verschaffen versuchen und die Vertreter des toleranten Westens das als “religiöse Meinungsfreiheit” missverstehen. Leute aus religiösen Gründen mit einer Axt ermorden oder mit einem Messer aufschlitzen zu wollen ist nicht akzeptabel, auch wenn sie Gott, Jesus, Mohammed oder die eigene Mutter als Karikatur in irgendwelchen Zeitungen abdrucken lassen.
Vielleicht, Chris, verstehst du es besser, wenn man es dir mit einem Zitat von Rosa Luxemburg versucht zu erklären:
“Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.”
(Und ich freue mich schon sehr darauf, dass du mich ob dieses Textes nun wieder als niveaulosen Sympathisanten bezeichnest; was du, wie ich vermute, nicht hier, sondern auf deinem Blog tun wirst, wo du ungehindert Gift und Galle spucken kannst und deine Jünger klatschend im Kreis um dich versammelt sitzen, wenn du ihre Meinung BILDest. Womit sich der Kreis dann auch schon schließt.)



niveauloser Sympathisant.
Danke! :oops:
Guter Artikel, ich würde aber solchen Linksnazis wie Sickendieck keine Beachtung schenken, einfach links liegen lassen, wie Hundehaufen auf dem Gehweg.
Das habe ich lange versucht und hatte Erfolg; aber es gibt Momente, in denen es raus muss, und wenn gerade kein anderer da ist, schreibe ich’s halt hier.
Hundehaufen sind auch ekelhaft, aber die werden wenigstens nicht von 90 Prozent aller von mir gelesenen deutschen Blogs verlinkt… ;-)