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Medi­en­kri­tik XX: Sex and vio­lence, melo­dy and silence.

Die min­de­stens scheuß­li­che Ange­wohn­heit, jeden noch so beklopp­ten Ein­spiel­film in so genann­ten „Nach­rich­ten­ma­ga­zi­nen“ mit Musik zu unter­ma­len, wer­den sich die Sen­dungs­ma­cher wohl so bald auch nicht mehr abge­wöh­nen. Manch­mal, immer­hin, ent­ste­hen so Zusam­men­stel­lun­gen, die den­je­ni­gen, der eher der Musik als der Erzäh­lung folgt, ein Lächeln abrin­gen. Als die Wahl­kampf­stra­te­gen der CDU für die Wahl­wer­bung Ange­la Mer­kels das Lied „Angie“ der Rol­ling Stones erwähl­ten, wur­de der Text von den Medi­en gern zitiert und kom­men­tiert, was sicher­lich all­ge­mein lobens­wert ist, schon wegen der kul­tu­rel­len Bil­dung der Kon­su­men­ten (und so). Und nun kam mir vor­hin doch tat­säch­lich – in der guten, alten ARD, will sagen: dem „Ersten“ – ein fil­mi­scher Bericht über Herrn und Frau Oba­ma unter, der, natür­lich, unbe­dingt musi­ka­li­sche Unter­ma­lung brauch­te. Zu einem sol­chen Anlass nimmt man dann auch natür­lich nicht ein­fach irgend­ein Lied, son­dern das gute alte Instru­men­tal­stück „The Last Time“ (1966) von Andrew Loog Old­ham, das eine Adap­ti­on des gleich­na­mi­gen Musik­stückes der Rol­ling Stones (schon wie­der die!) von 1965 ist und das die Grund­la­ge für ein ande­res, heu­te eher mit die­ser Melo­die asso­zi­ier­tes Musik­stück bil­det, näm­lich „Bit­ters­weet Sym­pho­ny“ von The Ver­ve: I need to hear some sounds that reco­gnize the pain in me, yeah.

Der Bericht über die Oba­mas wur­de also von einem Lied beglei­tet, des­sen Text, wenn­gleich in der Adap­ti­on nicht vor­han­den, unter ande­rem so lau­tet:

You don’t try very hard to plea­se me,
with what you know it should be easy.

Wenn wir anneh­men, dass mit „You“, ähn­lich wie in „Angie“, Herr Oba­ma gemeint ist, ergibt die­se Text­stel­le Sinn (hat Herr Oba­ma in der Pha­se sei­ner Inau­gu­ra­ti­on noch gro­ße Reden geschwun­gen, wur­de bis­lang aus komi­schen Grün­den nur über­aus wenig umge­setzt), und der Rest des Tex­tes passt auch:

There’s too much pain and too much sor­row,
I guess I’ll feel the same tomor­row.

Eine bes­se­re Lied­wahl, lie­be ARD, hät­te selbst ich unter Auf­wen­dung maxi­ma­ler Bis­sig­keit und mög­lichst kei­nes Ras­sis­mus‘ nur schwer­lich tref­fen kön­nen.

Da freue ich mich doch schon auf die näch­sten Ein­spiel­fil­me über Wolf­gang Schäub­le (Lied­vor­schlag: „Karn Evil 9″ von Emer­son, Lake & Pal­mer) und Gui­do Wester­wel­le (Lied­vor­schlag: „Die Bie­ne Maja“ von Karel Gott). Hihi.


Apro­pos Medi­en: Auf WELT.de, dem digi­ta­len Arm des kon­ser­va­ti­ven Sprin­ger-Blat­tes DIE WELT (weil man in sol­cher­lei Krei­sen ja bevor­zugt in gro­ßen Let­tern kra­keelt), beschwert sich Elke Bod­de­ras der­zeit dar­über, dass die Panik von der Vogel Zie­gen Schweinegrippen-„Pandemie“ von, auf­ge­merkt!, der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) geschürt und dadurch die Bericht­erstat­tung seriö­ser Medi­en (ich neh­me an, sie meint das ihre) nach­hal­tig beein­flusst wur­de.

Feynsinn.org kom­men­tiert zu Recht: „(…) der Nach­richt ihr Aus­schlach­ten durch den Bou­le­vard anzu­la­sten, ist eine Glanz­lei­stung jour­na­li­sti­scher Heu­che­lei, für die ein neu­er Preis aus­ge­lobt wer­den soll­te“; zumal sich doch wochen­lang gera­de die gei­sti­gen Ergüs­se der Sprin­ger­jour­na­li­sten gegen­sei­tig noch in Panik­schü­ren zu über­tref­fen wuss­ten: „Jeder drit­te Deut­sche kriegt die Schwei­negrip­pe“ (WELT), von den Ergüs­sen der nied­rig­prei­si­gen Alter­na­tiv­ma­ga­zi­ne aus dem glei­chen Ver­lag fan­gen wir lie­ber gar nicht erst an. Und dann stellt sich her­aus, dass das alles gar nicht stimmt und all die natür­lich vor jour­na­li­sti­scher Sorg­falt bei­na­he schon glän­zen­den Berich­te und Befürch­tun­gen im Wesent­li­chen schlicht unwahr sind. Frech­heit.

Böse, böse WHO!

Senfecke:

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