In den NachrichtenNetzfundstücke
Die digitale Elite und ihr sozialer Aufstieg

Sascha Lobo, Mitunterzeichner des Internet-Manifests und Werbefigur für ein sich ansonsten offenbar (zu Recht) nur wenig beachtet fühlendes Telekommunikationsunternehmen, hat im Tagesspiegel versucht, die vergangenen zehn Jahre irgendwie zusammenzufassen:

Die wichtigste Veränderung der letzten zehn Jahre ist, dass Gesellschaft inzwischen im Netz stattfindet. Nicht ausschließlich, aber maßgeblich. Auch die scheinbaren Schlagworte für die nuller Jahre – 9/11, WM, Obama – zeigen das.

Wie üblich überschätzt Herr Lobo die „Netzgesellschaft“ massiv. Die Internetnutzer sind nicht dafür verantwortlich zu machen, dass seit fast zehn Jahren der „Krieg gegen den Terror“ die Nachrichten bestimmt, sie haben die WM nur als Zuschauer verfolgt (und das größtenteils vermutlich nicht im Internet), und an der Wahl des Herrn Obama tragen sie auch keine maßgebliche Schuld. Menschen, die kommunizieren, verändern dadurch noch nicht die Gesellschaft. Dadurch, dass man seit inzwischen mehreren Dekaden so etwas wie Telekommunikation über Computer betreiben kann, verlagert sich das Leben noch nicht ins Internet, nur seine Ausdrucksformen tun es.

Die vielen von der New Economy ausgespuckten Menschen mochten ihren Glauben an die digital vernetzte Wirtschaft verloren haben. Sie wandten sich trotzdem nicht vom Netz ab, sondern erforschten die Bereiche des Internet, in denen der schnelle Börsengang keine Rolle spielte.

Einige der vom „Web 2.0“ ausgespuckten Menschen schaffen, sobald sie es zu ausreichend Ruhm und Reichtum geschafft haben, den Sprung aus ihrer eigenen, mit sich selbst vernetzten digitalen Welt und gehen dann Zeitungslesern mit ihrer Besessenheit auf die Nerven. Muss das eigentlich sein?

(Zwei Dinge, die übrigens auch nicht sein müssen:
Die menschliche Kälte in deutschen Krankenhäusern – wenn Leute mit Todesangst allein gelassen werden – und, eigentlich schon wieder satiretauglich, Energiesparlampen, die tödliche Giftstoffe freisetzen, was dann natürlich für den Energieverbrauch nicht sonderlich schlimm ist, immerhin. Und so recht gefährlich ist das ja nur, wenn man unsachlich damit umgeht und gerade Neugeborene in der Nähe sind. Das bisschen Quecksilber! Man reiche mir einen Gegenstand zum Draufbeißen.)

Senfecke:

  1. So ganz Unrecht hat S. L. nicht. Es gibt viele verhaltensauffällige Menschen, die den ganzen Tag zu Hause verbringen und die ihre fehlenden sozialen Kontakte durch die Nutzung des Netzes zu kompensieren versuchen. Beispiel: Was früher u. a. der CB-Funk war sind heute teilweise die Foren, Blogs, und ganz besonders die Chats, in der übelsten Form z. B. Camfrog. Nachdem ich mir das angesehen hatte, habe ich den Müll ganz schnell wieder deinstalliert.

  2. Funker und Löter sind das, was man heute „Nerds“ nennt. Gab es schon immer, man sollte sie aber nicht „die Gesellschaft“ nennen. :)

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