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Ulti­ma­ti­ve Iran­an­rei­che­rung

Mal wie­der ein wenig poli­ti­sche Belu­sti­gung, weil die rest­li­che Welt wohl noch im Neu­jahrs­suff schwelgt:
Der Proll­blog­ger hat Frau Mer­kels übli­che Neu­jahrs­an­spra­che sei­ner hoh­len Phra­sen beraubt und die For­mu­lie­run­gen pole­mi­siert. Könn­te ich eigent­lich auch mal machen.

Ein Aus­zug:

Das ist der Auf­trag. Poli­tisch müs­sen und wer­den wir die Bedin­gun­gen schaf­fen, damit die Ver­ant­wor­tung in den näch­sten Jah­ren Schritt für Schritt an die Afgha­nen über­ge­ben wer­den kann. Genau dazu dient die Afgha­ni­stan-Kon­fe­renz Ende Janu­ar in Lon­don.

Wie üblich baue ich auf das kur­ze Gedächt­nis. Denn die­ses Geschwa­fel wie­der­ho­le ich mit mei­nen Kom­pli­zen mit der läp­pen­den Mono­to­nie einer dada­isti­schen Lit­ur­gie schon seit Jah­ren, und da ist nix mit ?Ver­ant­wor­tung? für die Men­schen in Afgha­ni­stan. Wird auch so schnell nicht kom­men.

Und jedes Jahr sal­ba­dert sie ähn­lich gehalt­lo­se Sät­ze vor sich hin, und jedes Jahr wie­der wird sie beju­belt für nicht erbrach­te Lei­stun­gen. Ich hät­te viel frü­her in die Poli­tik gehen sol­len, dann wür­de man mich ver­mut­lich für einen bril­lan­ten Rhe­to­ri­ker und nicht für einen ver­bit­ter­ten Klein­bür­ger hal­ten, der dum­mes Zeug auf eine unter­durch­schnitt­li­che Inter­net­sei­te schmiert. Ver­dammt.

Zumal es doch heut­zu­ta­ge ohne­hin weit­ge­hend unge­fähr­lich ist, Poli­ti­ker zu sein: Das Volk schießt ent­we­der dane­ben oder kommt gar nicht erst auf die Idee, sei­ne eige­ne poli­ti­sche Macht durch mehr als nur ein Kreuz­chen oder eine Unter­schrift aus­zu­drücken. Selbst Ray Davies, als Mit­glied der Kinks jemand, der sich mit so was aus­kennt, beklagt im Gespräch mit SPIE­GEL-Online-Redak­teu­ren der feh­len­de Rebel­li­ons­geist der Jugend. Zwar beschreibt er pri­mär die in sei­ner Hei­mat, aber bekannt kommt es einem dann doch auch vor:

Aber seit den Acht­zi­gern ist aller Wider­stand bei der Jugend ver­pufft. Ich habe den Ein­druck, dass die Stu­den­ten heut­zu­ta­ge vor allem wild dar­auf sind, nicht auf­zu­fal­len, um mög­lichst schnell in einem gro­ßen Kon­zern unter­zu­kom­men. Es gab mal ein Schimpf­wort namens Yup­pie – das ist heu­te das Stan­dard­ziel der Jugend! Rebel­len sind in die­sem Jahr­tau­send wohl uncool.

Dass man in den 60-ern revo­lu­tio­nä­re Aktio­nen im Sinn hat­te, nur weil sie „cool“ (mein der­zeit favo­ri­sier­tes uneng­li­sches Wort hier­für: leger) waren, bezweif­le ich, aber ich kann noch­mals aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass jeden­falls für mich in mei­nem bis­he­ri­gen, von zahl­rei­chen Pha­sen wir­rer poli­ti­scher Ansich­ten gepräg­ten Leben die cool­ness nie von all­zu hoher Bedeu­tung war. Trotz alle­dem und unter Berück­sich­ti­gung des ins­ge­samt eigent­lich erstaun­lich zahn­lo­sen Bil­dungs­streiks im ver­gan­ge­nen Jahr: Ray Davies hat Recht.

(Na, bald sind wie­der Wah­len.)

Ach so, Wah­len, ich habe fröh­li­che Geräu­sche von mir gege­ben, als ich dies las:
Tehe­ran stellt dem Westen ein Ulti­ma­tum bezüg­lich der eige­nen Uran­an­rei­che­rung.

Auch wenn die der­zei­ti­ge Regie­rung der USA von die­sem Ulti­ma­tum nicht viel hält (und ver­mut­lich bereits selbst ein neu­es Ulti­ma­tum ver­fasst, auf dass die der­zeit leben­den Gene­ra­tio­nen noch lan­ge Spaß an der Kin­de­rei haben mögen): End­lich mal was ande­res als immer nur reden.
So wenig mir auch der Gedan­ke behagt, dass sich ein klei­nes, von Fana­ti­kern bevöl­ker­tes Land von einem gro­ßen, von Fana­ti­kern regier­ten Land zu irgend­wel­chen Dumm­hei­ten hin­rei­ßen las­sen könn­te: Die Chuz­pe gefällt mir. Ganz ehr­lich.

Wobei das Anse­hen erste­rer Fana­ti­ker im Moment doch eher nied­rig ist; Moham­med-Kari­ka­tu­rist Kurt Wester­gaard wur­de schon wie­der fast zum Opfer eines Mord­ver­su­ches. Es ist erschreckend, wie weit man­che Men­schen gehen wür­den, um ihren Gott (ist er denn selbst wehr­los?) vor längst gesche­he­nem zu bewah­ren; erstaun­lich hin­ge­gen ist es, dass offen­bar aus­schließ­lich der Islam sol­che Eife­rer anzieht. Ein „Bil­der­ver­bot“ exi­stiert auch im Chri­sten­tum und im Juden­tum, des­sen Ver­tre­ter sich sonst qua­si stän­dig von irgend­je­man­dem dis­kri­mi­niert füh­len. Und was macht ein Jude, wenn man sei­nen Glau­ben kari­kiert, wie es zum Bei­spiel in eini­gen Tages­zei­tun­gen in der isla­mi­schen Welt bis­wei­len prak­ti­ziert wird? Er ver­übt nicht etwa Anschlä­ge auf Men­schen­le­ben oder schreit „Stür­mer-Stil“, wie es nicht ein­mal selbst Betrof­fe­ne gern unge­fragt tun, son­dern er zeich­net eige­ne anti­se­mi­ti­sche Kari­ka­tu­ren; weil er eben ver­stan­den hat, was eine Kari­ka­tur bedeu­tet.

(Das war jetzt alles teil­wei­se ein biss­chen pole­misch. Ent­schul­digt bit­te.)

Senfecke:

  1. Zu poli­ti­schen The­men äuße­re ich mich grund­sätz­lich nicht. Phra­sen sind es auch nicht ein­mal ansatz­wei­se wert, kom­men­tiert zu wer­den.

    Was die Stu­den­ten der 80er angeht: Ich habe unter Albrecht stu­diert. Damals soll­ten Stu­di­en­ge­büh­ren ein­ge­führt wer­den. Die Stu­den­ten der Uni Han­no­ver hat­ten sich erfolg­reich dage­gen gewehrt. Ich erin­ne­re mich noch, wie wir uns einer Rei­ter­staf­fel am Bann­kreis des Nie­der­säch­si­schen Land­ta­ges gegen­über sahen…und dann rann­ten und mit den Behelm­ten „Katz und Maus“ spiel­ten. Ja, das ging noch ab! Heu­te undenk­bar.
    Die SPD unter­stüt­ze damals die Gegen­wehr der Stu­den­ten gegen Stu­di­en­ge­büh­ren. Aller­dings hat­te die­sel­be SPD nach ihrem Wahl­sieg auch nichts bes­se­res zu tun, als sofort Stu­di­en­ge­büh­ren ein­zu­füh­ren und erheb­lich Ein­schnit­te ins sozia­le Netz ins­ge­samt vor­zu­neh­men.
    Wirk­li­che Gegen­wehr zeig­ten Stu­den­ten nach die­ser Zeit gegen die sie betref­fen­den Refor­men nicht mehr. Alles was dann kam, kann nur nur noch als lust­lo­ses und von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teil­tes Auf­flackern eines Pro­te­stes bezeich­net wer­den.

    Der Begriff „Yup­pie“ war wohl nie wirk­lich und höch­stens nur vor­der­grün­dig ein Schimpf­wort. Ins­ge­heim woll­ten wohl fast alle Yup­pies sein, und vie­le sind es dann auch gewor­den. Denn: War­um sonst soll­te man denn stu­die­ren? Um im Armen­haus zu lan­den? Nein, son­dern um Koh­le und dann auf dicke Hose zu machen! Das durf­te (darf) man nur nicht öffent­lich zuge­ben.

  2. Ich berich­ti­ge: Bann­mei­le. Eine Kor­rek­tur­funk­ti­on wäre hier nicht schlecht.

  3. Eine eige­ne Edi­tier­funk­ti­on für Kom­men­ta­re ist doof. Da kön­nen böse Leu­te nach zwei Jah­ren noch Gemein­hei­ten hin­ter­las­sen, ohne dass ich es mer­ke­le, äh, mer­ke.

    (Sich zu Phra­sen äußern ist nicht immer das dümm­ste, was man machen kann. Es lenkt, immer­hin, so schön ab.)

  4. Ich mein­te auch eine Edi­tier­funk­ti­on für eine kur­ze Zeit­span­ne (viel­leicht 1/2 Std. ) nach Abga­be des Kom­men­tars. Ok., in mei­nem Fal­le hät­te auch das nicht gereicht.
    Das zur Ablen­kung Gesag­te ist selbst­ver­ständ­lich kor­rekt. Das ist ist natür­lich der Sinn der Phra­sen und der „Re-Phra­sen“.

  5. Didi: Ok., in mei­nem Fal­le hät­te auch das nicht gereicht.

    Eben. (Ich spie­le sowie­so ab und zu mal hier her­um, bspw. die Zitat­funk­ti­on, aber so recht viel modi­fi­zie­ren möch­te ich im Kom­men­tar­be­reich auch nicht; die paar Kom­men­ta­re loh­nen den Auf­wand noch nicht.)

    ;)

    Didi: Das zur Ablen­kung Gesag­te ist selbst­ver­ständ­lich kor­rekt. Das ist ist natür­lich der Sinn der Phra­sen und der “Re-Phra­sen”.

    Die Rephra­sen haben manch­mal sogar mehr Sinn als die Phra­sen, auf die sie sich bezie­hen…

  6. Ich habe mich jedoch ent­schie­den: Phra­sen beach­te ich nicht. Sie füh­ren zu kei­nem Ergeb­nis. Genau­so wenig wie das Kom­men­tie­ren sich selbst dis­qua­li­fi­zie­ren­der Kom­men­ta­to­ren und deren Kom­men­ta­re, wenn Du weist, auf wel­chen jüng­sten Vor­fall ich mich bezie­he…

  7. Mist, jetzt habe ich mich schon wie­der ver­schrie­ben und kann’s nicht kor­ri­gie­ren…

  8. So lan­ge alle wis­sen, was gemeint ist, sind der­lei Feh­ler wahr­lich neben­säch­lich. :) Nein, wel­chen Vor­fall meinst du?

  9. Hast Du ’ne (anony­me) Email? Goog­le nach mei­nem voll­stän­di­gen Namen und schicke mir eine Mail über die Site.

  10. Inspec­tor Clou­seau und der „Rosa­ro­te Pan­ther“ sind bekannt? Dann auch der ver­rückt gewor­de­ne Vor­ge­setz­te Clou­se­aus.

  11. Du willst doch nicht die Delin­quen­ten eines Ver­la­ges mit dem rechts­treu­en Clou­seau ver­glei­chen, oder?

  12. Da feh­len mir schier die Wor­te. Übri­gens: Ori­gi­nel­ler Kom­men­tar Basi­ans bei Horst.

  13. … und ich habe immer noch kei­ne Ahnung, wovon du redest, ver­flixt. Red mal Klar­text, hier ver­klagt dich kei­ner dafür.

  14. Oh Mann, Du bist doch sonst weder auf den Kopf noch auf den Mund gefal­len, wie ich gera­de wie­der an ande­rer Stel­le bemer­ken konn­te…

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