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Schmalhans des Tages: Torsten Albig, SPD.

Dieser Artikel ist Teil 13 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

In der, aus­gerech­net, Fernsehsendung “Die Anstalt”, in der bekan­nte und weniger bekan­nte Kabaret­tis­ten das Pub­likum unter Beifall und Gejohle, allerd­ings anson­sten fol­gen­los zur Erre­gung über die bizarre Poli­tik vornehm­lich des hiesi­gen Lan­des anzure­gen ver­suchen, wurde kür­zlich (Achtung: Flash!) pointiert darauf hingewiesen, dass der Begriff des poli­tisch Linken und Recht­en sich in den let­zten Jahrzehn­ten dahinge­hend ver­schoben hat, dass in den großen Parteien von CDU/CSU bis zur “Linken” allein ein irgend­wie rechter gemein­samer Wertekanon vor­liegt.

Ein aktuelles Beispiel dafür liefert Schleswig-Hol­stein. Die Schleswig-Hol­steine­sen haben im Jahr 2012 — fast wollt’ ich schreiben: n.Chr. — die christliche CDU-Regierung durch eine sozialdemokratis­che SPD-Regierung aus­ge­tauscht. Man sollte nun annehmen, dass die SPD sich wenig­stens vorder­gründig mehr für reale und weltliche Poli­tik statt für die Anbe­tung von Geis­ter­we­sen inter­essierte, ins­beson­dere unter der Prämisse, dass nur wenig mehr als die Hälfte der Ein­heimis­chen Mit­glied der De-fac­to-Staatskirche (Chris­ten­tum) ist. Pustekuchen:

Schleswig-Hol­steins Min­is­ter­präsi­dent Torsten Albig (SPD) wird am Mon­tag von Papst Franziskus in Pri­vatau­dienz emp­fan­gen. (…) Die Pap­stau­dienz find­et im Rah­men ein­er Reise Albigs mit Erzbischof Heße statt. Auf dem Pro­gramm des zweitägi­gen Aufen­thalts ste­hen gemein­same Gesprächen mit der deutschen Botschaf­terin beim Heili­gen Stuhl, Annette Scha­van, und dem Gen­er­alsekretär der Gemein­schaft von San­t’Egidio, Cesare Zuc­coni, sowie ein Gottes­di­enst im Peters­dom.

Nun kön­nte man dur­chaus einen gewis­sen Witz darin sehen, dass im Vatikan auch ein Gespräch mit ein­er verurteil­ten Betrügerin (CDU, natür­lich) anste­ht, wom­it das alles wun­der­schön zusam­men­wächst, aber inter­es­san­ter ist dann doch, dass das SPD-gebeutelte Ober­haupt eines Bun­des­lan­des mit ein­er ein­stel­li­gen Prozentzahl an Katho­liken es für seine Auf­gabe zu hal­ten scheint, beru­flich (also keines­falls als Pri­vat­mann) in aller Pracht mit dem Papst zu par­lieren und einem Gott, keines­falls also dem Wäh­ler­sou­verän, zu dienen, jegliche Lip­pen­beken­nt­nisse über die Tren­nung von Staat und Kirche als solche ent­lar­vend. Dass Katholizis­mus, in den ver­gan­genen zwei Jahrtausenden nicht ger­ade ein Fanal für Bürg­er­rechte und eine lebenswerte Zukun­ft, über aus­re­ichend empfehlenswerte Antworten auf drin­gende poli­tis­che Fra­gen unser­er Zeit ver­fügt, darf bezweifelt wer­den.

Torsten Albig hätte nun die Möglichkeit, Zweifel an seinem Ansin­nen zu zer­streuen, wenn er möglichst bald bekan­nt­gibt, dass es außer­dem poli­tis­che Gespräche mit “Dagi Bee” und Tim Cook geben wird. Den Vor­wurf der ein­seit­i­gen poli­tis­chen Bee­in­flus­sung durch eine schein­bar wahl­los aus­gewählte poli­tik­ferne Min­der­heit kann er nur glaub­würdig aus­räu­men, indem er zeigt, dass seine poli­tis­chen Entschei­dun­gen unter Abwä­gung aller Einzelin­ter­essen zus­tandekom­men.

Davon würde ich mir dann vielle­icht sog­ar ein Video anse­hen.

Die Übertreter aber wer­den ver­til­gt miteinan­der, und die Got­t­losen wer­den zulet­zt aus­gerot­tet.
Psalm 37,38

(via Patrick Brey­er)

Schmalhans des Tages

Schmal­hans des Tages: Angela Merkel, CDU. Schmal­hans des Tages: Thomas de Maiz­ière, CDU.