PersönlichesPiratenparteiMir wird geschlecht
Für den Seelenfrieden: 140 Zeichen Diskussionskultur

(Vorbe­merkung: Aus aktuellem Anlass muss ich mich lei­der doch noch mal über das Ver­hal­ten von Mit­gliedern der Piraten­partei wun­dern. Par­don!)

Manch­mal bin ich doch über­rascht von mir selb­st.

Ich neige ja dur­chaus zu kurzen, mitunter bis­si­gen Bemerkun­gen, weil Weich­spül-Flauschi­wat­ti in der Regel Diskus­sio­nen keineswegs in eine akzept­able Rich­tung zu lenken imstande ist und grund­sät­zlich­es Nett­sein meist nur denen nutzt, die es selb­st nicht sind; deftige, aber klare Worte lassen wenig Raum für Inter­pre­ta­tion und helfen, das Gesicht zu wahren. In manchen Sit­u­a­tio­nen hat das sog­ar tech­nis­che Gründe, etwa auf Twit­ter, wo mir nur 140 Zeichen pro Mit­teilung zur Ver­fü­gung ste­hen, was diesen Dienst für sach­liche, ergeb­nisori­en­tierte und vor allem poli­tis­che Diskus­sio­nen eigentlich untauglich macht. Die Dif­feren­zierung zwis­chen bewusst frech-über­spitzter Lakonie und offen­er Ver­ach­tung fällt offen­sichtlich aber nicht nur der Presse (F. Rein­bold et al.) schw­er, son­dern auch Men­schen, die es längst bess­er wis­sen soll­ten:

Maja Tiegs ist aus der Piraten­partei aus­ge­treten.

Das wäre eigentlich eine, sieht man von der unnöti­gen Diskus­sion über die Wichtigkeit jedes einzel­nen Mit­glieds, das sich aktiv für das Gute engagiert, ab, nicht über alle Maßen bemerkenswerte Nachricht, ganz unab­hängig davon, dass sie in ihrer Parteilauf­bahn dem­jeni­gen Flügel der Partei nahe stand, der sich heute unter anderem dadurch bemerk­bar macht, dass er Geld für Büch­er darüber erbet­telt, dass die Piraten­partei so furcht­bar ist, weil das mick­rige Abge­ord­netenge­halt in Nor­drhein-West­falen, das er dank der Piraten­partei über­haupt nur bekommt, für dieses wichtige Anliegen nicht genügt. So ein antikap­i­tal­is­tisch-link­er Lebensstil will ja auch irgend­wie finanziert wer­den. Mich ärg­ert eigentlich nur dieser Absatz:

Und als ich jet­zt las, wie sich Leute auf ein­er frisch gewählten Kom­mu­nal­liste damit brüsteten, dass sie als Antifem­i­nis­ten gewählt wur­den, musste ich auch das erste Mal sagen: Würde ich in der besagten Stadt wohnen kön­nte ich meine eigene Partei nicht guten Gewis­sens wählen, weil ich davon aus­ge­hen müsste, dass sich diese Kan­di­dat­en sich nicht für meine Belange ein­set­zen oder diese noch ver­schlechtern wür­den.

Der Hin­ter­grund für diesen merk­würdi­gen Vor­wurf ist ein Tweet des von mir auch poli­tisch sehr geschätzten F.D.P.-Flügels der Piraten­partei, in dem er sich und mich als “antifem­i­nis­tis­chen Schutzwall” postiert hat, was von den immer­gle­ichen ehe­ma­li­gen Pirat­en, die noch nach Jahren ihre erbar­menswürdi­ge Exis­tenz durch gele­gentlich ver­sucht­es Klein­twit­tern ihrer früheren Partei zu ver­süßen ver­suchen, was bedauer­licher­weise — der Stachel sitzt offen­sichtlich wirk­lich tief — nie lange anhält, natür­lich begierig aufge­so­gen und hämisch kom­men­tiert wurde, darunter eben auch mit dem frei erfun­de­nen Vor­wurf, irgend­je­mand würde sich “damit brüsten”, als “Antifem­i­nist” (was immer das genau sein soll) gewählt zu wer­den. Tat­säch­lich ste­hen wir bei­de zurzeit auf ein­er Kan­di­daten­liste für eine Kom­mu­nal­wahl, tat­säch­lich fiel in unseren Bewer­bungsre­den kein schlecht­es Wort über den Fem­i­nis­mus.

Das muss man sich noch mal vor Augen führen: Ein bis­lang aktives Mit­glied der Piraten­partei ver­lässt die Partei trau­rig bloggend (weil man offen­bar nicht ein­fach mal still hin­ter sich die Tür schließen kann, weil man nur für trau­riges Bloggen genug getätschelt wird), weil jemand, der die Partei nicht mehr lei­den kann, weil sie während sein­er aktiv­en Mit­glied­schaft nicht linksradikal genug war, behauptet hat, dass jemand, der gar nichts davon weiß, von Leuten, die davon eben­falls gar nichts wis­sen, als “Antifem­i­nist” auf eine Liste gewählt wurde.

Mit Schmud­delkindern spielt man nicht, da fragt man auch nicht nach. Selb­stver­ständlich bilden 140 Zeichen immer und grund­sät­zlich jeden Aspekt der Mei­n­ung des Schmud­delkinds zu einem bes­timmten The­ma ab. Da reicht es schon, ab und zu mal den Brüllfem­i­nis­mus für absurd zu hal­ten, um als Frauen­feind zu gel­ten.

Maja Tiegs beklagte sich weit­er oben in ihrem schlim­men Text, sie habe auch “ver­sucht”, sich “im Bun­de­spres­seteam bzw. genauer gesagt dem Social­me­di­ateam” einzubrin­gen. Unter “Social Media” ver­ste­ht unsere­ins ja zuvörder­st kom­mu­nika­tive Medi­en, in denen man mit- und nicht übere­inan­der redet. Mein irri­tiert­er Kom­men­tar wurde allerd­ings lei­der nicht zur Diskus­sion freigegeben. Wis­senschon: Schmud­delkind. Da muss man nicht zuhören, da kann man gle­ich urteilen.

Denen haben sie doch was in die Bion­ade getan.

Ich kauf’ mir mor­gen ’ne Hutschnur.
Tobias Heine, Piraten­partei, in völ­lig anderem Zusam­men­hang

Senfecke:

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