Archiv für die Kategorie ‘Sonstiges’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Schön und schlank und viel zu dünn

Apropos Ernährung: Kennt ihr noch die BRAVO?

Die BRAVO ist nicht nur ein schlechtes „Jugendmagazin“, es gibt auch ein Onlineportal zu selbigem. Auch dort widmet man sich natürlich den wirklich dringenden Problemen eines jugendlichen Lebens: Trink‘ dich schön und schlank! Mit einer vegetarischen Diät lassen sich nicht nur lästige Pfunde vertreiben! Wer zu dick ist, um zu flirten, sollte erst mal abnehmen! Schwimm‘ dich schlank! Meine Mutter ist zu dick! Schön und schlank mit Wasser! Schlank werden ist keine Hexerei! Finger weg von „Smoothies“, die machen fett!

Und was macht die gedruckte BRAVO derweil? Richtig:

Lena iss etwas

„Lena, du bist zu dünn!“

Zeitungen und Zeitschriften machen mich gereizt. Will sie überhaupt nicht mehr lesen.
Leo Tolstoi

Sonstiges
Trendkost

Trends, Trends, das ist der Trend jetzt! Das tut man neuerdings so!
Foyer des Arts: Trends

Was ist eigentlich ein Trend?

Die Wikipedia ahnt:

Ein Trend ist eine neue Auffassung in Gesellschaft, Wirtschaft oder Technologie, die eine neue Bewegung bzw. Marschrichtung auslöst.

Das Gegenteil eines Trends, so lehrt’s uns T-Online, ist übrigens eine Sünde. Tjaja, die Kirche, der olle Trendsetter!

Und wo wird hinmarschiert? Zu hässlichen Stiefeln, kreischbunten Klamotten und Nichtfrisuren, denen gemein ist, dass sie an Reiz verlieren, sobald sich genug Leute finden, denen es nicht zu lächerlich vorkommt, sich von überbezahlten junkies Tipps für’s Aussehen geben zu lassen: am anfang als keine sau die marke kannte, war ich eine der ersten (…) aber JETZT total peinlich-.- (Schreibweise wie im total peinlichen Original).

Auch sonst hat die Bewegung ein paar amüsante Anglizismen und vor allem idiotische Ideen im Schlepptau. Das dämliche Heft „freundin“ etwa „ziert“ zurzeit folgendes Titelblatt:

freundin 06/2014

Ja, wo sind sie denn, die guten Männer? Ich weiß es nicht, ich habe den Artikel sicherheitshalber nicht gelesen. Meine Aufmerksamkeit allerdings zog diese Behauptung auf sich:

Der große Food-Trend: Vegan genießen

Veganes Essen? Es gibt Holz. Möglicherweise schmeckt das tatsächlich jedem, probiert habe ich es noch nicht. Aber sind Essgewohnheiten ein Trend? – Zweifelsohne steigt die Zahl derer, die sich vegan ernähren, gefühlt stetig an, lässt man den Umstand, dass man Veganer vor allem daran erkennt, dass sie keine zwei Sätze am Stück ohne stolze Beschreibung ihres Lebensstils mehr zu sprechen imstande scheinen und so natürlich ihresgleichen hervorlocken, einmal unberücksichtigt.

Food-Trend, denn bei Ernährung geht es nicht um Genuss oder wenigstens Sättigung, sondern um Mode. Die meinen das ernst!

Nächsten Monat in „freundin“: „Täglich was trinken – was ist dran am neuen Toptrend?“

Was ist „in“ und was ist „out“? Die Frage ist doch falsch gestellt!
Die Ärzte: Gabi & Uwe in: Liebe und Frieden

PolitikSonstiges
Medienkritik in aller Kürze: Der Ströbele, der Kornblum, der Reichelt und der Jauch.

Bis vor wenigen Minuten saßen im „Ersten“ diverse geistige Lichtgestalten, darunter BILD-„Chefreporter“ Julian Reichelt, der ehemalige US-amerikanische Botschafter John Kornblum und der schwammige Inzestbefürworter Hans-Christian Ströbele von der ehemaligen Friedenspartei „Bündnis 90/Die Grünen“ bei Günther Jauch herum und tauschten sich darüber aus, ob die NSA jetzt irgendetwas falsch gemacht habe oder nicht. Auf Twitter wird bejubelt, wie elegant das Team USA (Reichelt und Kornblum) argumentativ zerlegt wurde, natürlich insbesondere von der schönen Piratin Marina Weisband, wie etwa @nadnoennas befindet:

„Und wenn wir gar nichts davon hätten, wir sollten es tun, weil es richtig ist.“ @afelia sagt, wofür es sich zu kämpfen lohnt. #jauch

Ja, die Deutschen kämpfen; was man eben so Kampf nennt. Deutsche ohne tatsächliche politische Entscheidungsgewalt unterhalten sich im Fernsehen mit US-Amerikanern ohne Entscheidungsgewalt über das Handeln von Institutionen, die von einem Sender namens „Das Erste“ vielleicht noch nichts gehört haben. So, Frau Weisband, kämpft’s sich eben leicht.

Im Anschluss an das Wortgefecht sendet „Das Erste“ jetzt ein Interview mit Edward Snowden, Berieselung für die Menge. Nach diesem Fernsehabend gehen alle Beteiligten zu Bett, morgen reden sie dann wieder über irgendwelche Dschungelsendungen und das Wetter. Ja, es lohnt sich zu kämpfen. Und warum versauert ihr vor dem Fernseher?

Der Mann mit der Mütze geht nach Haus‘
und uns’re Achtung nimmt er mit und unseren Applaus.
Udo Jürgens: Der Mann mit der Mütze

In den NachrichtenSonstiges
Viel Schall und Rauch um nichts

Hihi:

Ein Vorname wie „Pumuckl“ oder „Pepsi-Carola“ kann für ein Kind zur Qual werden – doch Deutschland ist offener geworden und bei Standesämtern werden ungewöhnliche Namenswünsche von Eltern immer seltener abgelehnt. (…) Eine Rückbesinnung auf traditionellere Namen macht das Münchner Standesamt aus: „Der Trend geht zu traditionellen Namen zurück“, sagt Leiter Gerhardt Wirsing.

„Wirsing“.

Der Leiter des Standesamtes, Frank Neubert, sagt: „Was in manchen Ohren fremd und exotisch klingt, kann in anderen Gegenden ein gebräuchlicher Vorname sein.“ Dazu zählt er Moka und Jazz für Mädchen sowie Orlando und Filou für Jungs.

Ein „Filou“ ist, das weiß das Wörterbuch, ein nichtsnütziger Lebemann. Zumindest das ist tatsächlich gebräuchlich. Einfach mal wieder Bus fahren!

Vor ein paar Jahren war es ja noch Sitte, seine Kinder nach Städten zu benennen. Ein kleiner Leinfelden-Echterdingen, der aus dem Kinderparadies abgeholt werden wollte, ist mir zum Glück noch nicht begegnet; dafür jede Menge Aldahs und Diggas.

Ob das Standesamt das durchgehen lassen würde?

Er ist über zehntausend Jahre alt / und hat viele Namen.
Ton Steine Scherben: Mein Name ist Mensch

Sonstiges
Jim, Lukas und die Critical Whiteness

Die jüngste Folge der scheußlichen Schundsendung „Wetten, dass…?“, so weiß das Internet zu berichten, beinhaltete als wie üblich lahme „Stadtwette“, dass es nicht gelingen würde, eine Mindestanzahl an Einwohnern, die sich freiwillig als Jim Knopf und Lokomotivführer Lukas verkleiden würden, bis zum Ende der Sendung ins Studio zu bekommen. Das wurde natürlich zur allgemeinen Unterraschung bravourös trotzdem geschafft. Blöd: Jim Knopf ist eine dunkelhäutige Figur.

Und so wurden in alter Tradition Gesichter bemalt, damit klar sein möge, wer Lukas ist und wer nicht. Nachdem es aber zumindest seit einigen Jahren weitgehend verpönt ist, Menschen eine helle Hautfarbe aufzudrängen (und Michael Jackson war ja nun wirklich auch kein schöner Mann), ist es jetzt offenbar auch unerwünscht, wenn sich edle Weiße freiwillig zum N-Wort machen: „(…) das elendige #Blackfacing hat einen Shitstorm Deluxe verdient.“ Es darf nicht sein, dass jemand von unseren Gebühren – keif, zeter, schäum – seine Hautfarbe für’s Fernsehen verdunkelt. (Zur Erinnerung für diejenigen, die das Buch nie gelesen und die Aufführung nie gesehen haben: Jim Knopf ist der Held der Geschichte. Nein, ich musste das auch gerade nachlesen.)

Klar kann man sich zum Spaß das Gesicht anmalen. Das Problem dabei: Man kann das wieder abmachen. Dunkelhäutige haben da keine Wahl.
@KatiKuersch

Man kann sich zum Spaß das Gesicht aber nicht nur „schwarz“, sondern auch „weiß“ anmalen – wer es denn mag, kann das auch verewigen lassen. Dass sich am „Trend“ der Hautaufhellung – der geneigte Leser möge nur einmal die Gesichtscremeabteilung einer ausreichend großen Drogerie aufmerksam zur Kenntnis nehmen – niemand so nachdrücklich stört wie an einer lahmen Unterhaltungssendung, passt trotzdem gut ins Bild: Das Schönheitsideal der absoluten Bleichheit, wie sie schon im 18. Jahrhundert in Frankreich als ein solches galt, ist unumstößlich. (Nerds sind halt sexy.) Menschen, die sich die Haut in Solarien rösten lassen, machen also gleich mehrere Dinge auf einmal verkehrt.

Ich finde es ein wenig schade, dass die meisten derjenigen, die die ansonsten vollkommen belanglose „Stadtwette“ mit irgendwelchen wirren Begründungen als voll kacke beschimpfen und mit Schaum vor dem Mund wütende E-Mails an das ZDF – selbstverständlich unter Pseudonym – verfassen, nur ein Kontra, nicht aber ein Pro geäußert haben. Was wäre ihnen denn lieber gewesen als ein bemalter Jim Knopf – kein Jim Knopf? Zwei Lukasse? Bloß keinen Dunkelhäutigen darstellen!

Seit dem 11. Jahrhundert hält sich (entgegen anders lautenden älteren Quellen) übrigens das Gerücht, einer der drei Weisen (Caspar, Melchior und Balthasar) sei dunkelhäutig gewesen, was sich auch auf die Tradition des Sternsingens ausgewirkt hat; einer der drei führenden Sternsinger wird meist ebenfalls geschwärzt, sofern er’s nicht sowieso schon ist. Ein alljährliches Beklagen dieses Brauchs bleibt seltsamerweise noch aus.

Die selektive Wahrnehmung der kritischen Weißen ist nicht die beste, wie mir scheint.

NetzfundstückeSonstiges
Hundert Prozent (2, in aller Kürze): Halb gesichert, halb geraten

Die Grundannahme der letzten paar Rechtschreibreformen, es sei empfehlenswert, dass die Leute so schreiben, wie sie reden, wurde dadurch verwässert, dass die Leute nicht so reden, wie sie sollten.

Ein prominentes Beispiel: Man nimmt nichts mehr an, man ist sich zu 99 Prozent sicher. Detaillierter wird’s dort, wo wirklich Leute aufeinandertreffen, die Ahnung haben, zum Beispiel ShortNews: Zu 99,9 % sicher, Google verlässt China. (Dass Google China auch drei Jahre später noch mehr oder weniger intakt ist, muss dem Schreiber so nicht peinlich sein – das sind vermutlich die fehlenden 0,1 Prozent.) Nur noch sichererererer ist wirklich sicher: Bitte um Bewertung – Rückbewertung ist euch 1000000% sicher!

Und wenn man etwas schlicht nicht weiß? Dann weiß man es natürlich trotzdem: Ich bin mir zu 50 Prozent sicher.. dass er was von mir will .

Darauf ein Prosit mit Hochprozentigem. Mindestens eintausend!

NetzfundstückeSonstiges
Das Fest, dessen Name nicht genannt werden darf

Wenn man dann überhaupt einfach mal darüber nachdenkt, was das alljährliche Weihnachtsbohei – Kaufhausfassaden sind bereits seit Wochen mit grünem Plastik „verziert“, und mir wird davon schon ganz festlich in der Hose – eigentlich ist, bekommt man ja durchaus leichte Zweifel daran, dass man daran teilnehmen sollte, weil man das eben so macht.

Es gibt eigentlich nur zwei valide Gründe, zeitlichen oder anderweitigen Aufwand in Weihnachtsvorbereitungen zu investieren. Der volkstümliche der beiden Gründe ist die Tradition im christlichen Abendland. (Wer die Weihnacht als billige Ausrede benutzt, etwas mit der Familie zu unternehmen, der hat das mit der Familie übrigens noch nicht so ganz verstanden.) Diese Tradition sieht von außen wahrscheinlich etwas seltsam aus: Christlich Sozialisierte in Deutschland – hier hat das mit den Bäumen wohl seinen Ursprung – gedenken der Geburt eines Toten, indem sie einen ebenso toten Nadelbaum in ihr Wohnzimmer stellen und Plastikspielzeug um ihn herum verteilen. Da platzt einem doch der Kopf.

Ein Blick nach Osten: Religiös am nächsten kommt dem Weihnachtsfest im Buddhismus wahrscheinlich das Vesakhfest, an dem Geburt, Erleuchtung und Verlöschen von Siddharta Gautama („Buddha“) gefeiert werden. Anlässlich dieses Festes wird unter anderem auch geschenkt:

Ein wichtiges Element des Festtages ist die Übung in Gebefreudigkeit, also das Schenken – so werden Spenden an Klöster gegeben und vor allem Bedürftige und Pilger mit Lebensmittel versorgt und verpflegt.

Diese merkwürdige Angewohnheit des Schenkens – dieses Jahr sollen’s pro Kopf durchschnittlich 288 Euro sein, von denen nur in Ausnahmefällen Bedürftige Malteser, Rotkreuzler, Peruaner sowie Zirkusbedienstete mit und ohne Kamel, Esel und Panflöte profitieren – ist also keine Eigenheit kapitalistischer Staaten, sondern weltweit akzeptiertes Brauchtum. Verständlich: Wer den Rest des Jahres ein selbstsüchtiges Ekelpaket ist, dem ist jede ihm aufgedrängte Gelegenheit zur Revanche eventuell gerade gut genug.

Mit dem Christentum hat das alles sowieso nicht viel zu tun; der biblische Jesus fand für jene, die ihre Menschlichkeit in verfügbarem Geld bemessen wollten, recht deftige Worte: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Da sich die Menschen somit einig sein sollten, dass das Christentum in ihrer persönlichen Feierlichkeit normalerweise keine Rolle mehr spielt (und gleichzeiig bigott aufheulen, wenn jemand anstrebt, den Stuss aus den Kalendern tilgen zu lassen), fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass man selbst im fundamentalistisch christlichen Staatenbund USA inzwischen darauf verzichten, die selbstdefinierte Christlichkeit (rattattattatta!, wissenschon) an die – *Sonnenbrille aufsetz* – große Glocke – yeahzu hängen, und seine Weihnachtsbäume „holiday trees“, also „Feiertagsbäume“, nennt. Anhänger anderer Religionen (außer den Muslimen, die haben in den USA nicht viel Grund zu feiern) werden somit nicht mit störenden westlichen Werten konfrontiert und begehen statt Weihnachten eben ein religionsübergreifendes Fest, das man nur zufällig wie Weihnachten feiert. O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte. Konsequent sollte der Weihnachtsmann („Santa Claus“) künftig den Namen „Holiday Man“ tragen. Superhelden sind ja immer mal wieder im Kommen.

Anhänger späterer Religionen werden eines Tages vor ihren Geschichtsbüchern sitzen und sich über die Christen scheckig lachen. Das sieht dann sicher total witzig aus.

Mir wird geschlechtSonstiges
Medienkritik in Kürze: „freundin“, „myself“, „Women’s Health“: Bleibt alles anders.

Junge Frauen lassen sich zunehmend gern auf ihr Äußeres reduzieren.
Meredith Haaf

Das Magazin „freundin“ informierte im Juni 2013 seine Leserinnen darüber, dass es durchaus positiv sei, sich nicht zu verbiegen: „Ich bin gut, so wie ich bin!“

Und weil der Zustand, dass es gut ist, weil man ist, wie man ist, ein doch eher langweiliger ist, wird Monat für Monat an den Kiosken vorgebeugt. Momentan hat’s dort Dezemberausgaben einiger namhafter Frauenzeitschriften. Auszüge gefällig?

Die – ausgerechnet – „freundin“ empfiehlt „edle Make-ups“ gegen allzu natürliches Aussehen:

freundin 25-2013

Die „myself“, die die Vorliebe für Natürlichkeit ja schon im Namen trägt, empfiehlt „Abnehmen – einfach wie nie“ (sogar an den Feiertagen), denn die Zielgruppe der „myself“ scheinen Frauen zu sein, die sich beim Essen nicht beherrschen können:

Myself 12-2013

Die „Women’s Health“ („It’s Good to Be You“, vulgo sei, wie du bist) hat außer den 27 Seiten Extra-Beauty (heißt nicht irgendein bekanntes Pferd so ähnlich?) auch einen besonders wichtigen Tipp für den Winter: „Das bringt Ihre Beine in Bestform“.

Women's Health 12-2013

In den kommenden Ausgaben, ich wäre fast willens darauf zu wetten, wird es voraussichtlich dann schockierende Studien darüber zu lesen geben, dass ein Großteil der Frauen unzufrieden mit ihrem Aussehen ist. Wer trägt die Schuld daran? Die Männer, versteht sich. Frauen machen so was ja nicht.

Frauen reduzieren Männer darauf, dass Männer Frauen auf ihr Äußeres reduzieren.
Luca Raimondo

NetzfundstückePersönlichesSonstiges
Schauspiel und Kunst. / Ich gründe aus Versehen eine Religion.

Die deutsche Ausgabe der Huffington Post, die Qualitätsautoren wie Boris Becker in ihren Reihen hat, wird auf Twitter schon so ausführlich und genussvoll zum Abfall erklärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein diesen Text – irgendwas mit Sinnfindung, die hier wohl selbst vergebens wäre – tät‘ ich dann zwecks Anschauung doch dann gern mal weiterempfehlen.


Ein ganz anderes Thema ist ja auch viel interessanter. Eine Bekannte wies mich heute auf einen ihr bis dahin unbekannten Film hin, den sie zu sehen beabsichtigte; dies nicht etwa aufgrund nennenswerter Handlung, sondern weil eine Schauspielerin, die sie sehr schätze, Teil der Besetzung sei und der Film somit wahrscheinlich gar nicht schlecht sein könne. Das ist ziemlich skurril. Zwar gibt und gab es Filmkünstler, die in einer bestimmten Phase ihrer Karriere ausnahmslos hervorragende Werke hervorgebracht haben (Woody Allen und Luis Buñuel gehören dazu), dies lag aber nicht an den beteiligten Personen selbst, sondern am Zusammenspiel derer Fähigkeiten mit dem jeweiligen Drehbuch. Man stelle sich einmal Woody Allens „Der Stadtneurotiker“ mit Til Schweiger in der Hauptrolle vor, um das Problem zu begreifen.

Schauspieler werden oft als „Gesicht des Films“ missverstanden, in dem sie agieren. Tatsächlich aber zeichnet einen guten Schauspieler, wenn es nicht gerade um Slapstickkomödien geht, aus, dass er eben nicht als er selbst auffällt, sondern dem Zuschauer das Gefühl realen Geschehens im Beisein Unbekannter vermittelt. Insofern ist sogar Helge „Adolf“ Schneider ein besserer Schauspieler als zum Beispiel, ich erwähnte ihn bereits, Til Schweiger. Ich würde niemals einen Film nur deshalb ansehen, weil ich einen der Schauspieler mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab entstiege und sich entschlösse, von nun an Liebesromane zu verfilmen, würde ich das allenfalls mit gerümpfter Nase und krauser Stirn zur Kenntnis nehmen und mich nicht umgehend ins Kino begeben. Das wäre mir unangenehm.

Eigentlich, so fuhr die Bekannte fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut diese Schauspielerin denn ihre Rolle erfülle, denn sie sei im wahren Leben hübsch und sympathisch, was schon vollkommen genüge, um einen entsprechenden Film zu schätzen zu wissen. Mein Einwand, sie habe vermutlich nie ein Wort mit dieser Schauspielerin gewechselt, beendete den Dialog leider unsanft, bevor ich weitere Kenntnisse daraus gewinnen konnte.

Zu meiner Zeit waren Filme ja noch wegen der Handlung interessant.


In der Blogosphäre wird momentan rege eines dieser so genannten „Stöckchen“ weitergereicht, also eine Sammlung von Fragen, die man nach der Beantwortung einem anderen Blogger weiterleitet. Die ursprünglichen Fragen stammen vom BR und richten sich an die Netzgemeinde. Höhlenmalereigemeinde my ass. Es geht um die Gretchenfrage, wie das Netz es eigentlich so halte mit der Religion, und während ich noch nicht davon überzeugt bin, dass diejenigen, die sich selbst als Nerdblogger betrachten (könnten) und lustige 1337-Fake-sonstwie-Domains benutzen, irgendeiner retrovertierten Weltanschauung viel abgewinnen können und das Konzept eines devoten Glaubens im freien Netz ungefähr so interessant finden wie den BR, würde ich auf eine der gestellten Fragen ungefragterweise doch gern etwas näher eingehen (die anderen sind mir zu doof oder wurden im verlinkten Blog schon ausführlich genug zur Kenntnis genommen), nämlich gleich die erste:

Woran glaubt die Netzgemeinde?

Ich würde ja sagen, ich glaube an den menschlichen Verstand, aber ich kenne Twitter. Was steht uns wohl überwiegend liberalen, technikbegeisterten Freidenkern denn so an Religionen abseits derjenigen Religionen, für die sich der Unterschied zwischen Leben und Glauben nur in Form irgendwelcher absurden Rituale manifestiert, zur Verfügung? Ich bin ein großer Anhänger der Church of Satan, da sie einen rationalen, unaufgeregten Lebensstil predigt, und ich bin durchaus (von ihr selbst völlig unabhängig) versucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wiederum ebenso wenig eine Sache des Glaubens wie es meine Übereinstimmungen mit den anderen größeren Religionen sind. „Du sollst nicht töten“ ist ein durchaus vernünftiges Gebot, der Glaube dahinter mit dem weltfremden Bild (beziehungsweise eben Nichtbild) von einem Schöpfergott, der uns irgendwann alle ins Fegefeuer werfen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit meinem Selbstverständnis als denkender Mensch vereinbar. Es gilt also zur wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage alternative Glaubensgemeinschaften heranzuziehen.

Die Church of Revengeday? „Wir glauben an das Internet“ bzw. an „wissen wir selbst nicht“, ja, das klingt nach einem typischen Internetnutzer, aber seinen virtuellen Lebensraum zur Religion zu erheben halte ich für gefährlich, mit dem Netz wird auch ohne Religionsstatus schon genug Schindluder betrieben. Mein Bett ist ja auch keine Religion. Passt dann eine dieser Internetreligionen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Fliegenden Spaghettimonster? An sich interessant, aber einige der acht „Gebote“ dieser Religion bereiten mir gehöriges Kopfzerbrechen, schon wegen ihrer linksfeministischen Ausrichtung. Eine Religion ist doch keine Partei, herrje.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Diskordianismus. Eine zweifelsfrei interessante Idee, die aber in ihren Grundzügen nichts anderes als „Denke selbst!“ besagt – das ist wahrscheinlich nicht das, was mit der Frage gemeint war. Eines allerdings gefällt mir schon, nämlich der Teil mit dem diskordianischen Papst. Ich exkommuniziere in meiner Eigenschaft als unfehlbarer Papst euch allesamt hiermit ebenso wie mich und damit ist die Sache dann auch erledigt. Da kommt der Kopimismus der Netzgemeinde schon eher entgegen, der Glaube an Filesharing, mithin an die Ehrwürdigkeit sozialen Teilens (zum Beispiel von Musik). Wiederum ist dies aber eine Religion, deren Zusammenhang zum allgemeinen Glaubensbegriff ich nicht verstehe. „Ich glaube an Filesharing“ ist wie „ich glaube ans Einkaufen“. Habe ich jetzt versehentlich den Shoppismus ins Leben gerufen? Gedenkt meiner dereinst als Papst der Lehre von Rewe, Amazon und Saturn!

Nein, die Netzgemeinde glaubt eigentlich nur daran, dass sie als homogene Einheit lediglich ein Hirngespinst schlechter und offenbar überbezahlter (weil übermotivierter) „Journalisten“ von öffentlich-rechtlicher Gnade ist. Der Glaube war in dunklen Zeiten stets eine Zuflucht für Menschen, die keine Hoffnung mehr zu finden vermochten. Was das Netz betrifft, bleibt insofern zu konstatieren: Gott ist tot. Wir machen uns jetzt unsere eigenen Götter („A-Blogger“) und lassen sie im Fernsehen und auf Twitter dumme Dinge sagen, die dann trotzdem als unsere Meinung dargestellt und von den Politikern nichtsdestoweniger vollkommen ignoriert werden. Was nämlich will die Netzgemeinde? Erst mal Sascha Lobo fragen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

Sonstiges
Medienkritik LXXXII: Das kann auch jedem anderen Internetnutzer passieren.

Mike hat die dieswöchige Ausgabe des SPIEGEL derart überzeugend gelesen, dass ich nicht umhin kam, mir die digitale Ausgabe auch mal zu, nun ja, besorgen, und zwar wegen eines einzigen Artikels. Dieser Artikel trägt die Überschrift „Der Tag, an dem ich schwul wurde“ und beschreibt einen Selbstversuch des SPIEGEL-Mitarbeiters Uwe Buse – hihi -, der ein paar White-Hat-„Hacker“ (inflationär verwendete Berufsbezeichnungen genieße ich bevorzugt mit Vorsicht) auf die Frage angesetzt hat, was für Möglichkeiten sich so ergeben, wenn man vollen – auch physischen – Zugriff auf fremde Hardware erhält.

Das macht der investigative SPIEGEL-Mensch dann etwa so:

Zwischen uns auf dem Tisch liegen ein Laptop und ein Handy. Auf beide Geräte haben meine Hacker Spionageprogramme geschleust (…).

So funktioniert die Infektion in freier Wildbahn: Drückt den Bösewichtern eure Hardware in die Hand und geht mal für eine Weile aus dem Zimmer. :D

Dabei hat er doch so schön vorgesorgt:

Der Virenscanner des Laptops meldet: Dieser Rechner ist virenfrei.

Und was die „Hacker“ da nicht so alles Spannendes herausfinden!

Nachdem die Hacker auch meine E-Mails durchforstet haben, wissen sie, dass ich verheiratet bin, zwei Kinder habe, eine Tochter und einen Sohn, der noch in den Kindergarten geht. Meine Hacker kennen den Namen meiner Frau, Birgit.

Manche müssen dafür Herrn Buses Mails lesen, andere nur den SPIEGEL. So kann’s gehen. Und was die „Hacker“ sonst so tun? Sie besorgen sich Amazon- und Google-Passwörter und gucken mal hinein. Das sei aber auch nicht weiter schwer:

Den Hackern werden all diese Informationen auf sehr komfortable Weise geliefert. Es ist kaum Expertenwissen vonnöten.

Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man offenbar auch nicht viel wissen. Eine steile Karriere steht so jedem Menschen offen, der leidlich gut lesen und schreiben kann. Wenn da nur nicht der Ekelfaktor wäre!

Zumindest hat sich der Autor ein paar höfliche „Hacker“ ausgesucht, die vorher nachfragen:

Meine Hacker lassen mich wissen, dass sie mir nun noch Kinderpornos auf den Rechner schieben können, danach könnten sie die Polizei alarmieren. Ich bitte sie dringend, von dieser Idee Abstand zu nehmen.

Schade, vielleicht wäre der Artikel dann doch noch was geworden.

Gibt es eine Moral von der Geschichte? Klar:

Um künftig besser auf solche Angriffe vorbereitet zu sein, frage ich meine Hacker ein paar Tage später, wie ich mich schützen kann. (…) Keine Windows-Rechner mehr benutzen, sagen sie, sondern Linux als Betriebssystem. Software-Updates immer installieren, und zwar schnell, das gilt vor allem für den Viren-Scanner.

Linux, nicht erst seit 2003 ein bequemes Angriffsziel von Schuften, sieht so ein „Hacker“ natürlich besonders gern auf fremden Geräten. Da hilft auch nicht, dass die im Artikel verwendete Malware namens Mobistealth „für Android, nicht für Linux“ – das lasse ich der Dämlichkeit wegen einfach mal als Zitat stehen – verfügbar ist. Und Virenscanner („Viren-Scanner“)? Ihr wisst schon, das war das, das den Rechner anfangs virenfrei nannte.

Der SPIEGEL hat im Printressort halt nicht so fähige Autoren wie Frank Patalong.

Sonstiges
Medienkritik LXXXI: Mein lieber Scholli! „Jolie“ und der tägliche Penis.

Erinnert ihr euch noch an die „Jolie“, das Mode- und Tratschkäseblatt, das ich letztes Jahr schon mal versehentlich gelesen habe? Jetzt ist mir dieses Malheur bei der Novemberausgabe 2013 (ist ja schon Anfang Oktober, da wird’s Zeit) doch glatt ein zweites Mal passiert!

Angesichts dieser Titelgeschichte mag man mir das allerdings auch verzeihen:

Jolie-11-13

„Ein typischer Tag im Leben eines Penis“ wird also in dieser Ausgabe – natürlich aus der Sicht einer Frau – beschrieben. Zum Glück wissen wir, dass Sexismus gegen Männer nicht existiert, sonst wäre ich ernsthaft verwundert; auch wegen der Leserbriefe: Eine Leserin schreibt, ihr Blick sei in der vorherigen Ausgabe an „sexy Davey“, einem oberkörperfreien Muskelprotz, hängen geblieben, und es sei „schade“, dass er schwul sei. Ja, so ein Ärgernis, dass nicht jeder Schönling bereit ist, eure Fleischeslust zu stillen.

Nackte männliche Oberkörper laden offenbar dazu ein, die Männer auf’s Körperliche zu reduzieren. Wenn die Männer allerdings nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sollen sie lieber angezogen bleiben, sonst sind sie eklige Sexisten und dürfen nicht mehr öffentlich Schlagzeug spielen. Will you be a small weak woman and suck my dick? You know… while we’re all being sexist here.

Aber wir waren ja beim Thema „ein Tag im Leben eines Penis“, und ohne darüber zu sinnieren, ob es nicht „eines Penisses“ heißen müsste (denn von Leuten, die für die „Jolie“ mit „6 sexy Frisuren Trends“ schreiben, ist kein gepflegter Umgang mit der deutschen Sprache mehr zu erwarten), nehme ich euch gleich eine Überraschung: Es steht genau das darin, was ihr vermutet.

Dabei sind Stellen wie diese hier (8:45 Uhr) noch nicht einmal das Schlimmste:

Da beneide ich meine weiblichen Kollegen, die haben ihre Eier IM Körper, wie sich das gehört. Nur wir müssen uns mit diesem anhänglichen, nutzlosen Missgeschick der Evolution herumschlagen.

Dafür haben Männer normalerweise keine Brüste, ätsch. Aber dieser Penisprotagonist meckert nicht nur, er freut sich durchaus auch über die Annehmlichkeiten in seinem Leben:

(15:20 Uhr) Hurraaaa! TITTEN!!!

Die gibt’s natürlich nicht immer:

(19:00 Uhr) Hätte ich Hände, würde ich eher mich selbst reiben. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

So ein Tagebuch ist ohne eine ordentliche Sexszene natürlich nicht vollständig; die folgt um 23:20 Uhr:

Oh, Vorsicht mit den Zähnen, Prinzessin. Ja, so ist es besser. Oh ja. Ja. Genau so. Mmmmm. Jaaa. (usw.)

Im „Intro“ zur Rubrik „Pssst …!“, in der es um „Liebe, Lust, Leben“ geht, wird erklärt:

Neurowissenschaftler (…) haben entdeckt, dass Müdigkeit durch die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin verursacht wird (…). Also egal ob Lachen oder Gähnen – Hauptsache happy!

Das Gähnen, das mich gerade überkommt, hat also nichts damit zu tun, dass die „Jolie“ ein furchtbar ödes Groschenheftchen ist. Sie macht mich nur total fröhlich. Schön, dass das geklärt ist.


Laut dieser Ausgabe der „Jolie“ ist Topmodel Miranda Kerr („Hochkaräter der Modelszene“, jolie.de, 19. August 2013; „die schöne Australierin“, jolie.de, Anfang 2013; „die stylischste Mutter“, jolie.de, Ende 2011; „die Allerschönste“, „meine Inspiration“ und so weiter und so fort, jolie.de-Nutzerinnen, Ende 2012) übrigens „nun wirklich kein Anhaltspunkt für irgendwas“. Ist was dran – welche Frau will schon ein schönes Model und/oder eine gut aussehende Mutter werden?

In den NachrichtenPolitikSonstiges
Kurz verlinkt CXCIV: Spitzel, Schwule, SPD

Ups:

Der Geheimdienst hat offenbar nicht nur etliche Journalisten unrechtmäßig in einer Extremismusdatei gespeichert. Jetzt kam heraus, dass einer der Bespitzelten wohl Opfer einer peinlichen Namensverwechslung wurde.


Apropos spitz: Der Chef des italienischen Nahrungsmittelkonzerns Barilla hat nichts dagegen, wenn Schwule Nudeln in den Mund nehmen. Nur bitte nicht die von Barilla.

Non faremo pubblicità con omosessuali, perché a noi piace la famiglia tradizionale. Se i gay non sono d’accordo, possono sempre mangiare la pasta di un’altra marca.

Auf Twitter folgten zahlreiche Boykottaufrufe, und es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis jeder, der sich im Supermarkt mit Barillaprodukten erwischen lässt, über Jahre hinweg als Homosexuellengegner gebrandmarkt wird. Andererseits ist bereits heute die Meute längst weiter gewandert; da man sowieso gerade bei Nudeln war, geht es nun um Nudeln mit Ketchup, und alle sind ganz überrascht darüber, dass Studenten oft mit sehr wenig Geld auskommen müssen. Blöderweise immer erst nach einer Wahl.


Ach, Wahlen. Da war ja was. Eine Regierung ist aber immer noch nicht in Sicht. Peter Sigmar Gabriel weiß Rat:

Parteichef Sigmar Gabriel schlägt (…) nun vor, die Mitglieder in der Sache zu befragen – er verbindet damit die eigene politische Zukunft.

Das macht das Ergebnis natürlich um so spannender.

Nachtrag von 19:42 Uhr: Peer Steinbrück wird’s jedenfalls nicht machen. Blöd: Das Buch „Vorerst gescheitert“ hat schon ein anderer geschrieben. Vielleicht wäre es bei all den Rücktritten der letzten Tage aber erholsam, würden nur noch diejenigen mit der Presse reden, die nicht von irgendeinem Amt zurück- oder nicht wieder antreten. Wie angenehm entspannend wären die Nachrichten dann!

In den NachrichtenSonstiges
Kurz verlinkt CXCIII: Fahr’n, fahr’n, fahr’n oder Wireless LAN?

SPIEGEL ONLINE, Oktober 2011:

Zum dritten Mal in diesem Jahr ist ein ICE an Wolfsburg vorbeigerauscht.

Deutsche Bahn, September 2013:

Die Deutsche Bahn erlaubt Reisenden ab sofort für 30 Minuten täglich die kostenlose Nutzung der WLAN-Hotspots an über 100 Bahnhöfen (darunter Wolfsburg, A.d.V.). Pendlern dürfte dies gerade recht kommen.

Oder halt Leuten, die von Wolfsburg aus irgendwo hinwollen.

„Glaubt man aber, dass der Fortschritt dieser Welt etwa aus dem Gehirn von Mehrheiten stammt und nicht aus den Köpfen einzelner?“
— Adolf Hitler

In den NachrichtenSonstiges
Kurz verlinkt CLXXXVII: Die Reinheit der Apfelrasse muss gewahrt bleiben!

Der Äppelladen GRAVIS so:

Die Apple-Kette Gravis vertreibt künftig auch Produkte des direkten Apple-Rivalen Samsung.

Applekunden so:

Einst war GRAVIS ein Händler der Apple und Zubehör führte und die Kunden dabei wohl war. (…) Ich kann nur nein sagen, so ein Laden sieht mich nicht. Das Geld lasse ich woanders.

Wer will schon ein Applegerät (mit Samsung-Hardware drin) kaufen, das von der räumlichen Nähe zu Samsunggeräten besudelt wurde? Ein Sakrileg!!1

(Abt.: Kannste dir nicht ausdenken, sowas.)

Sonstiges
Gegen Gewalt! (Also gegen die falsche jedenfalls.)

(Vorbemerkung: Im Folgenden verlinke ich in Ermangelung wirklich zuverlässiger Quellen mehrfach auf die Google-Suche. Ich empfehle vor einem Klick auf diese Verweise vorübergehend JavaScript und Cookies zu deaktivieren.)

Wie friedfertig die Menschen in diesem Land doch sind, obwohl ihr Land weltweit Soldaten stationiert hat, ist doch immer wieder erfreulich. Glaubt man Google, so sind die gewaltfreien Engagements hierzulande vielseitig: Die Bürger setzen sich zum Beispiel mit Sprache und Millionen gegen rechte Gewalt (etwa 1,3 Millionen Ergebnisse), männliche Gewalt gegenüber Frauen (etwa 1,14 Millionen Ergebnisse) und nicht zuletzt Gewalt an Kindern (immerhin noch etwa 461.000 Ergebnisse) ein.

Was haben all diese Gewaltverhinderungen gemeinsam? Richtig: Sie differenzieren. Es scheint eine allzu weltentrückte Vorstellung zu sein, die Überzeugung, man lehne Gewalt immer und grundsätzlich und unter allen Umständen ab, ohne Einschränkungen nach außen hin zu vertreten; offenbar gibt es Qualitätsabstufungen in der Beurteilung von Gewalt. Eine gedankliche Trennung von schlimmer Gewalt (etwa „von rechts“) und weniger schlimmer Gewalt (zum Beispiel Männer, die Männer schlagen) ist en vogue, denn, so lautet eine gängige Argumentation, wenn ein deutscher Mann einen anderen deutschen Mann schlägt, sei das ja nicht so schlimm wie Gewalt von deutschen Männern gegen männliche Asylanten, weil isso. Es fehlt die Fähigkeit zu erkennen, dass es keine qualitativen Unterschiede in gewaltsamen Übergriffen gibt, denn wo zieht der Mensch die Grenze zwischen akzeptabler und inakzeptabler Gewalt? Wo liegt momentan der Konsens? Sofern er erstaunlicher- wie erfreulicherweise lautet, dass Gewalt immer und unter allen Umständen keine vertretbare Lösung ist, warum fällt es euch dann so schwer, die Phrase „gegen Gewalt“ ohne jedes Adjektiv und ohne jede sonstige Einschränkung zu verwenden?

Gewalt, das lasst euch gesagt sein, ist niemals angemessen, auch nicht, um größeres Leid zu vermeiden. (Wäre sie das, dann wären die deutschen Kampfeinsätze im Ausland nichts, wofür wir uns schämen sollten, sondern ein Akt der Notwehr gegen Taliban und ähnliche Bösewichte, die uns ja quasi jeden Tag direkt bedrohen und so.) Wenn ihr das nächste Mal gefragt werdet, ob ihr Interesse daran habt, euch gegen irgendeine Unterkategorie von Gewalt zu engagieren, empfehle ich euch daher milde Ablehnung und (optional) Vogelzeigen. Wer Gewalt qualitativ abstuft, der hat das Prinzip der Gewaltspirale noch nicht verstanden und ist potenziell selbst Gewalttäter, denn in seinen Augen gibt es offenbar nicht so schlimme Gewalt. Es ist also auch in eurem Interesse, die Gesellschaft solcher Zeitgenossen bestmöglich zu meiden.

Es gibt übrigens einen Verein namens Menschenrechte für die Frau. Die Pointe überlasse ich ganz eurer Fantasie.