Archiv für die Kategorie ‘Sonstiges’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

Sonstiges
Ferkeleien

Glückliche Skurrile Umstände ließen mich der aktuellen Ausgabe des Magazins „Heavy Rubber“, offensichtlich ein Fachorgan für Freunde der völligen Gummiummantelung sexuell interessanter Menschen, habhaft werden. Offensichtlich handelt es sich bei „Heavy Rubber“ nicht um einen einfachen Latexfetisch, vielmehr um eine Vorliebe dafür, den Sexpartner nur noch erahnen zu können. Unter dem Stichwort „Heavy Rubber“ findet man im Internet jedenfalls Gasmasken und dergleichen. Anscheinend gibt es einen fluiden Markt für derlei Entspannungsgerät. Fragt ihr euch nicht auch manchmal, was eure Nachbarn nachts so treiben?

In dieser Ausgabe kommt neben manch anderer Fetischikone auch „Saeborg“, eine Latexkünstlerin, die nach eigener Aussage momentan an einer Schlangenfigur arbeitet, zu Wort. In ganzer sexueller Pracht erstrahlt Frau „Saeborg“ übrigens auf diesem Bild:

Saeborg Playmobil

In der „Heavy Rubber“ abgedruckt ist sie allerdings wie folgt:

Saeborg Schwein

Es handelt sich um eine glänzende Doppelseite. Interessenten erhalten gern eine laminierte Farbkopie.

So haben sich die Achtundsechziger das mit der „freien Liebe“ wahrscheinlich nicht vorgestellt; aber auch Bauern brauchen Wärme. – Ich lasse mich nicht gern für einen verklemmten Konservativen halten, schon gar nicht sexuell, weshalb ich mich mit der Bewertung an dieser Stelle vielleicht doch lieber zurückhalte. Zumindest wäre es wohl unangemessen, von dieser einen Künstlerin auf alle Menschen zu schließen, die sich für „Heavy Rubber“ interessieren. In der „Heavy Rubber“ kommen immerhin auch normale Menschen zu Wort, zum Beispiel Lara Aimée, ihres Zeichens niederländisches Modemodel, das von seiner Leidenschaft wie folgt schwärmt:

Meine Liebe zu Gummi reicht von einfachen, leicht anzuziehenden Sachen bis hin zu komplexen Outfits mit vielen Schichten. (…) Die (mit Masken usw., A.d.V.) verbundene Anonymität macht es mir leichter, aus der Komfortzone herauszukommen. Niemand sieht mich oder meine Gefühle; ich kann machen, was ich will. (…) Die Scheinwerfer und der Applaus geben mir einen großen Kick, während ich den Laufsteg herunterstolziere, (sic) in den schönsten Kreationen der besten Designer.

In den schönsten Kreationen.

Der besten Designer.

Lara Aimée

Wieher.

(irre kichernd ab)

Mir wird geschlechtSonstiges
Rudelbums für Anfänger: „Cosmopolitan“, ein Magazin für Unentschlossene

Hui, eine neue „Cosmopolitan“ („Endlich wieder Montagmorgen“, ebd.) mit Gwen Stefani vornedrauf, und dann gleich so ein toller Aufmacher:

Cosmopolitan März 2015

Neue Flirt-Tipps für mehr Spaß und bessere Typen
(Wir haben sie, wissenschaftlich erwiesen!)

Nun ja, selbst Genderforscher und Mediengestalter dürfen sich heutzutage „Wissenschaftler“ nennen, wenn sie an der richtigen (bzw. eben grundfalschen) Hochschule „studiert“ haben; aber wer wäre besser geeignet als ein Frauenmagazin (vgl. „JOY“ et al.)? Eben; und bei der „Cosmopolitan“ hat man wohl ohnehin in letzter Zeit Sonderschulungen in erfolgreicher Schnackselanbahnung absolviert, denn direkt vor den „neuen Flirt-Tipps“ wird ein „neues Orga-Tool für Polyamore“ angepriesen, eine Art app zur Terminplanung, damit man nicht versehentlich die Partner verwechselt.

In dieser Hinsicht erkenne ich zumindest ein Muster; im selben Heft gibt die Drehbuchautorin („Drehbuch-Queen“) Anika Decker im Gespräch mit der „Cosmopolitan“-Autorin Julia Rotherbl bekannt, sie bedaure es, dass es ihr anders als in ihrem neuen, nur nebensächlich erwähnten Film bislang nicht gelungen sei, Liebeskummer durch Sex mit möglichst vielen Männern nacheinander zu verdrängen. Und ich war bislang der Überzeugung, das Gewese um die „große Liebe“ in Mädchenzeitschriften sei schon nur noch schwerlich an Peinlichkeit zu überbieten. – Andererseits erklärt Moritz Pontani im wiederum gleichen Heft, Männer säßen nicht allein zwecks Spermienbelüftung gern breitbeinig herum:

Unsere geöffneten Beine, vor allem die Oberschenkel, fungieren hier als Fluchtlinien oder Lotsen. Sie weisen euch den Weg zum zentralen Fluchtpunkt, unseren Hosenmittelpunkt. Er schreit euch förmlich weit geöffnet zu: „Hier liegt ein Prachtstück, Baby! Greif zu!“

Ach so.

Damit wäre die Zielgruppe der „Cosmopolitan“ ziemlich klar definiert: Flittchen zwar, aber doch zumindest solche, die auch mal neue Filme ansehen und wahrscheinlich just in diesem Moment ihren Partner (oder jeden von ihnen) ausführlich über die Geschehnisse in dem kürzlich verfilmten Weichspül-Fickroman „50 Shades of Grey“ in Kenntnis setzen; Frauen von Welt also, blöderweise von einer anderen.

Wie ein Mann sich anlässlich eines Rendezvous‘ zu verhalten habe, erklärt die Website der „Cosmopolitan“ – was aber müsse man als eine solche Frau tun, um mehr Spaß und „bessere“ Typen – besser als wer oder was? – beim Flirten zu erzielen? Nun, folgende neue Tipps befolgen:

Regel 1: Das Beuteschema erweitern

Bessere Typen lassen sich finden, indem man weniger wählerisch ist; mach‘ Sachen. Ein solcher Traummann aus dem erweiterten Beuteschema sei, so die immer gleiche Julia Rotherbl, c/o „Cosmopolitan“, einer, der „irgendwann vielleicht sogar bereit dazu [sei], den Nachwuchs zu hüten, während Mama ins Büro geht“ – einer ohne eigene Karriere also, auf den „starke Single-Ladys“ (ebd.) ein wenig mitleidig hinabblicken können. Emanzipation am Arsch, aber der Siegeszug der softies (also Weichbirnen) ist nicht aufzuhalten. „77% der Frauen sagen: Meist entscheide ich, ob aus einem Date mehr wird“, die anderen 23 Prozent werden bestimmt von denen bevormundet, die Fluchtlinien auf ihre Hosen zeichnen.

So einen softie jedenfalls hat wohl jede Frau aus dem „Cosmopolitan“-Publikum sowieso im Freundeskreis, daher:

Regel 2: Den eigenen Freundeskreis scannen

Dass das in Kombination mit einem Hang zu wechselnden Intimpartnerschaften möglicherweise den Freundeskreis zerreibt und ausdünnt, sei gnädig verschwiegen. „Je länger man Single ist, desto wichtiger und größer wird der Freundes- und Bekanntenkreis“ (Regel 10); es wäre doch wirklich schade um all die mögliche Beute.

Wenn die „selbstbewusste Single-Lady“ ihren Leumund beim Befolgen dieser Regel erst einmal zur Genüge gemindert hat, eilen die so genannten „neuen Medien“ gern zu Hilfe:

Regel 3: Selbstbewusst surfen

Nämlich: „auf Dating-Webseiten nach einer neuen Liebe suchen“, und zwar „tough“ (J. Rotherbl), denn sonst mache man sich als Frau nur selbst klein, während man für weniger einsam gehalten werde, wenn man sich auf dem virtuellen Fleischmarkt energisch selbst anzupreisen wisse. Selbstbewusstsein, dies sei „Cosmopolitan“-Leserinnen kurz erklärt, beinhaltet im Übrigen auch, zu seinen Schwächen (Scham, „Cosmopolitan“-Abonnement oder noch schlimmer) zu stehen und vermeintlich schlechte Eigenschaften zu akzeptieren, statt sie zu überschminken. Aber wem sag‘ ich das?

Frauen natürlich, denen man auch so etwas erklären muss:

Regel 4: Nicht auf ein Date warten

Die Zeit, so die Argumentation, die man damit verbringe, auf „den Einen“ zu warten, könne man stattdessen auch nutzen, um im Alltag „tausende andere Möglichkeiten, neue Bekanntschaften zu knüpfen“, wahrzunehmen. Dass „der Eine“ dann früher oder später keine Lust mehr hat, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit abserviert zu werden, wird dabei implizit geduldet. Soll er sich halt ein bisschen beeilen, der Arsch.

Denn:

Regel 5: Sich auf keinen Fall klein machen

Den Anderen hingegen schon, wenn Zuwiderhandlung der Erfüllung der Regeln im Weg steht. „Starke Single-Ladys“ wollen starke Ladys bleiben und sich vielleicht zur LP weiterentwickeln. Aber auf keinen Fall zur Sonderpressung:

Regel 6: Leicht zu kriegen sein
Regel 7: Beim ersten Date Sex haben

Klar: Je schneller eine Frau zur Sache kommt, je offensiver sie baggert, desto lieber greift der typische „Cosmopolitan“-Leserinnen-Zielmann zu. „Null(!) Prozent der deutschen Single-Männer stehen darauf, wenn ihnen die Flirtpartnerin die kalte Schulter zeigt“, und „wie frustrierend wäre es denn, nach drei Monaten Dating festzustellen, dass man im Bett nicht harmoniert?“. Allerdings finden auch „null(!)“ Prozent der mir bekannten Singlemänner eine Frau, die leicht „zu kriegen“ in beiderlei Sinne ist, dauerhaft interessant, aber die lesen auch keine „Cosmopolitan“, sondern Blogs und politische Magazine.

Es muss wiederum ja auch nicht von Dauer sein:

Regel 8: So bald wie möglich streiten

Dabei gehe es darum, herauszufinden, ob die (zweifelsfrei) beiden Dickköpfe, die mit den „neuen Flirt-Tipps“ zueinander gefunden haben, einander auch im Falle unterschiedlicher Ansichten zu einem Thema (zum Beispiel der Qualität der „Cosmopolitan“) noch zu dulden imstande sind. Nur zur Sicherheit gibt „Cosmopolitan“ den eher schüchternen ihrer Leserinnen noch einen Rat, der die Umsetzung dieser Regel erleichtern soll:

Regel 9: Keine Kompromisse eingehen
Regel 12: Die biologische Uhr abstellen

Dabei gehe es darum, sich bei der Partnerwahl nicht mit jemandem abzufinden, bei dem das „Knistern“ (J. Rotherbl) ausbleibe. Der Traummann müsse es sein! Zwar ist dies vielleicht einer der häufigsten Gründe, dass die typische „starke Single-Lady“ eben ein Single ist, aber wer aufgibt, hat schon verloren.

Es eile ja auch nicht, die quasi sprichwörtliche „Torschlusspanik“ sei „kein guter Ratgeber“. Lieber bis ins hohe Alter allein bleiben als mit jemandem zusammen zu sein, der nicht „richtig gut“ (zum Beispiel Omar Sy, „Cosmopolitan“, gleiches Heft) ist, scheint das Credo zu lauten, das die „Cosmopolitan“ hier ausgibt. George Clooney („scharfer Schauspieler“, britische Website der „Cosmopolitan“, 2008) sieht ja auch in vergleichsweise hohem Alter noch aus wie jemand, den man als „Cosmopolitan“-Leserin gern vom Fleck weg heiraten würde – warum dann nicht auch die Leserin selbst?

Unsicher? Da hilft nur eins:

Regel 10: Nur auf den Bauch hören

Der Bauch sei der einzige Außenstehende, dessen Einschätzung des potenziellen neuen Partners zählen solle, Meinungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (ihr erinnert euch: das sind diejenigen Personen, mit denen man vorher allerlei, ähem, Bekanntschaften geknüpft hat) hingegen nicht. Der Bauch als zuverlässiger Beziehungsratgeber ist natürlich nur eine Metapher: „Schließlich müssen nur Sie sich in ihn verlieben“. Allzu viel Zeit bleibt der „starken Single-Lady“ sowieso nicht für den Austausch:

Regel 11: Dating als Fulltime-Job betrachten

Trotz eher mauer Bezahlung: „Was würden Sie denken, wenn Sie Ihrer Affäre morgens um acht eine WhatsApp-Nachricht schicken und den ganzen Tag über nichts von ihm hören?“, da ist ja die Frage schon falsch, denn es geht bei den „Dating-Regeln“ ja letztlich um’s Verlieben, wofür zumeist anderes Verhalten bedeutsam ist als bei einer Affäre, die sich von einer Beziehung ja auch in ihrer Innigkeit zu unterscheiden pflegt, aber so wichtig ist das vielleicht auch nicht; die Regel lautet jedenfalls zusammengefasst, dass man als Teil der Zielgruppe rund um die Uhr erreichbar sein sollte, falls einer der zu Fick- und/oder Romantikzwecken anvisierten Herren trotz der anstrengend künsatlichen Persönlichkeit der jeweiligen „Lady“ auf ihre Nachrichten antworten. Die will man ja nicht warten lassen.

Plural? Aber natürlich!

Regel 13: Nicht nur auf einen Typen setzen

„Multi-Dating ist mittlerweile ganz normal, ja fast schon Trend“, und wer will schon aus der Mode kommen?

Früher ist man ja einfach in eine Bar gegangen.

NetzfundstückeSonstiges
He, Matthias Heine (Feuilleton, „WELT“)!

Es ist ja löblich, dass Sie sich gegen eine Verharmlosung des Nationalsozialismus‘ auch im Ausland engagieren und klar das Übel benennen, das sich hinterrücks anschleicht, wenn man mit dem Vorwurf des Grammatiknazitums allzu sorglos um sich wirft.

Blockwarte und Grammatiknazis

Aber wie genau wehrt man sich eigentlich gegen Sie?


Nachtrag, auch mal schön trotz anderem Thema: Logo: Steht nicht drauf, dass etwas passieren kann, dann lasse ich etwas passieren, klage und schiebe Doofheit vor. Es gibt diesen Schlag Menschen.

FotografieSonstiges
#31c3

Die Creeper-Card-Fraktion zeigt dieses Jahr Flagge. Das ist gut, dann kommt man mal zu was. Nunc est bibendum.

Tasting 31c3

Beziehungsweise eben: Wie jetzt, Amnesty International?

31C3 – Mit Kunst die Gesellschaft hacken

Diese Jugend. Aus der wird auch nichts mehr. Prost Mahlzeit.

Sonstiges
Zeitungssterben (Symbolbild)

Nüsse

:irre:

Sonstiges
Eine Frage des Alters

Im Übrigen rufen die alltäglichen Nachrichten über Tötungen, die dem journalistischen Ethos, sachlich zu berichten, dahingehend widersprechen, dass sie einen Fokus auf Alter, Geschlecht, Verwandtheitsgrad oder ähnliche Eigenschaften des Opfers statt auf den Sachverhalt der Tötung legen, ebenso wie erboste bis erschrockene Leserkommentare, die insbesondere aufgrund des Alters, Geschlechts, Verwandtheitsgrades oder ähnlicher Eigenschaften des Opfers voll des Mitgefühls und/oder der Rage sind, in mir weniger Kummer als vielmehr eine Frage hervor, da die Intensität des Mitgefühls zu steigen scheint, je jünger das Opfer ist:

Ab welchem Alter des Opfers wird seine Tötung eigentlich gesellschaftlich geduldet?

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Die nehmen doch alle Drogen.

Der aktuelle „stern“ („investigativ“, stern.de) brilliert mit einer knallhart recherchierten Titelgeschichte, die zweifellos ihresgleichen sucht:

STERN

Cannabis wird zur Volksdroge, den „Sommer der Liebe“ haben die „stern“-Redakteure wohl bedroht verschlafen, und wie gefährlich ist [sie] wirklich? Onanieren macht bekanntlich blind und Rockmusik gewalttätig. Der „stern“ wiederum macht vermutlich blöd. Wie gefährlich ist er wirklich?

In einem Interview, das eine Dreiviertelseite (Seite 46) einnimmt, darf Rainer Thomasius (Suchtmediziner) seine fachliche Meinung zum Thema Cannabiskonsum kundtun. Weil sich das noch nicht besonders interessant liest, ersetze ich in folgenden Auszügen „Cannabis“ durch „Bier“ – nur, um einmal zu sehen, wie das aussieht:

Der Forschungsstand zeigt eindeutig, dass Bier zu schweren Gesundheits- und Sozialschäden führen kann. Das gilt sicherlich in Abhängigkeit davon, wie viel von dieser Sustanz konsumiert wird und in welchem Lebensalter. (…) Diejenigen, die früh in den Bier-Konsum eingestiegen sind, weisen bereits im Erwachsenenalter Intelligenzdefizite von sieben bis acht IQ-Punkten auf. (…) [Cannabis-Befürworter Barack Obama] übersieht, dass es einen riesengroßen Unterschied macht, ob zweiprozentiges Bier auf ein einigermaßen ausgereiftes Studentenhirn wirkt oder achtprozentiges auf das Gehirn eines Pubertierenden.

Wie der „stern“ auf das Gehirn eines Lesers wirkt, ist wahrscheinlich noch nicht ausreichend erforscht, aber irgendein Feindbild braucht’s halt. Onanieren macht blind und Kiffen halt blöd und einsam, während Säufer später erfolgreiche Journalisten werden können (oder bleiben; YMMV, wie’s der geübte Internetnutzer zu sagen pflegt).

Auf Seite 114 macht der „stern“ übrigens Werbung für Riesling-Sekt. Was kann damit schon passieren?

PersönlichesSonstiges
Wie Kabel Deutschland mich einmal nicht als Kunden wollte

Hallo, Kabel Deutschland,

ich beschäftige mich ja schon eine Weile mit euch, nicht nur, weil ihr mit eurer „Flatrate“-Drosselung ein Vorreiter in etwas wart, das nicht sehr vorbildlich ist, sondern auch, weil ihr ja quasi allgegenwärtig seid.

Und es wurde nicht besser, als euch Vodafone kaufte und die schlimme Marke O2 mitbrachte, deren Kundendienst weder viel mit Kunden noch mit Dienst zu tun hat. Vodafone ist mir zumindest in lustiger Erinnerung, seit die Vertreter dieser Firma auch für euch zuständig sind: Als mir einmal einer von ihnen einer eurer Prospekte andrehen wollte und ich ihn auf sein Vodafone-Namensschild ansprach, verdeckte er es schnell. Es muss eine Freude sein, für eure Chefs zu arbeiten.

Dass O2 Kunden schon mal ablehnt, weil sie im falschen Stadtbezirk wohnen, kann ich euch natürlich schwer vorwerfen. Auch, dass euer Kundendienst im Internet (Vorsicht: JavaScript-Pflicht) nicht besonders positiv bewertet wird, kann ja mal passieren – wer zufrieden ist, hat selten was zu nörgeln. Dass ihr das Gebot der Netzneutralität nicht kennt, ist für den Verbraucher zu verschmerzen. Ihr müsst ja auch von irgendwas leben.

Aber mir scheint, ihr werdet einfach zu groß.

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Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Frauentitel, Oktober 2014.

Es wird Herbst, die Frauenzeitschriften schlagen wieder aus.

Die „JOY“ (Ausgabe für Oktober 2014) verspricht „Hammer-Haare“ – keine schöne Aussicht:

JOY Oktober 2014

Außerdem: „Das verrät Ihr Name über Sie“ und „Die geheimsten Locations“ Berlins, also nicht einfach nur geheim, sondern richtig dolle geheim, wie man es aus einer unerforschten Kleinststadt wie Berlin eben kennt.

Anderswo geht es längst um Wichtigeres:

ok! Oktober 2014

Das Magazin „ok!“ stellt mit Gerissenheit sicher, dass ich die Ankündigung unten rechts dreimal lese, und ansonsten scheint sich eine Lena Gercke (wer ist das?) von einem Sami Khedira (wer ist das?) getrennt zu haben. „Das Power-Paar in der Krise“, denn es gehört schon eine Menge power dazu, Teil eines Paars zu sein, das für irgendwas bekannt geworden ist.

Trennungen scheinen ohnehin gerade en vogue zu sein, weiß man auch bei „InTouch“, deren Titelredaktion es andererseits als „Kilo-Schock“ erachtet, wenn man von Schwangerschaft schwerer wird:

InTouch 40-2014

Außerdem, so „InTouch“, sei irgendeine Sabia hinsichtlich irgendeiner Sylvie zu weit gegangen. Sabia, so berichtet „Closer“ (Motto: „Stars, die wirklich interessieren“) wiederum, habe Sylvie nämlich zum Weinen gebracht:

Closer 40-2014

Außerdem noch eine Trennung, diesmal sogar mit jemandem, den ich kenne: Cora und Ralf Schumacher nämlich hätten sich ebenfalls getrennt. Warum das berichtenswert ist? Na, es sei ja auch ein „Schock für [den] kranken Schumi“ (Michael Schumacher, A.d.V.). Herzlose Cora „&“ Ralf – hätten die nicht warten können, bis es „Schumi“ wieder besser geht?

:wallbash:

Sonstiges
Pur, mild und ursprünglich

Heda, Katjes Fassin GmbH & Co. KG,

danke, dass ihr mir nachdrücklich erläutert, wie purer, milder und ursprünglicher Lakritzgenuss schmecken muss, immerhin habt ihr eurem offenbar neuen Produkt „Back to the Roots“ ganze 5 – in Worten: fünf – Prozent Süßholzsaft beigemischt.

Back to the roots

„Ohne tierische Gelatine“, wie’s halt bei natürlichem Lakritzgeschmack so unnatürlich ist, dass es noch mal groß draufgedruckt werden muss. Lakritz schmeckt, „glaubt ihr“ eben am Besten, wenn möglichst wenig Lakritz drin ist.

Katjes? Katnoh!

Sonstiges
Medienkritik in aller Kürze: Bikini ideal mit 90-90-90

Ach, „JOLIE“.

Jolie Juli 2014

Warum 90-90-90 jetzt unser liebstes Schönheitsideal ist

Die Antwort liegt auf der Hand:

Wie Facebook-Freunde unser Selbstwertgefühl beeinflussen

Und man möchte ihnen ja auch etwas bieten, nicht?

So schummeln Sie sich einen sexy Bikini-Body

Mahlzeit!

Sonstiges
Medienkritik XCI: Brain-Killer Intouch

In der Welt der Frauenzeitschriften gibt es nicht nur Magazine mit Brüllbuchstaben wie JOY und JOLIE, auch mit kleinen Buchstaben kann großer Quatsch auf’s Papier gebracht werden.

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Sonstiges
Medienkritik XC: „JOY“: So werden Sie besonders widerstehlich!

JOY Juni 2014Mein heimliches Lieblingsfrauenmagazin „JOY“ – ihr erinnert euch sicher – geht in seiner aktuellen Ausgabe der Frage nach, die wohl jede Frau bewegt:

Männer verraten: Das macht Frauen unwiderstehlich

Dieses interessante Thema kommt natürlich nicht ganz zu Anfang der „JOY“ an die Reihe, denn außerdem will noch allerlei Klatsch und Tratsch verbreitet sein, aufgelockert von Lebenshilfe wie dem Tipp, Erholung – „Oooohhhmmm …“ – müsse sein, und dass Ohm etwas mit Ver- beziehungsweise Entspannung zu tun hat, zeugt entweder von einem guten Gespür für Wortspiele oder für das Bedürfnis nach einem Rechtschreibwörterbuch, sowie dem Artikel „Ihr inneres GPS“. Ein GPS ist, wie der kluge Leser weiß, ein System zur einigermaßen genauen Bestimmung des eigenen Standorts, weshalb die Abkürzung auch für „Global Positioning System“, „globales Positionierungssystem“, steht. Moment: Die Leserinnen der „JOY“ haben einen Kompass verschluckt? Aber nein:

10 Gründe, warum Sie in der Liebe auf Ihren Bauch hören sollten

Ach so – das Bauchgefühl. Nicht rational erfassbar und nicht besonders gut dazu geeignet, herauszufinden, wo man sich gerade ungefähr befindet, aber die typische „JOY“-Leserin weiß eben nicht, was ein GPS ist (außer „das blinkt so lustig“), da kann man schon mal ein Detail vergessen. Schon hilfreicher – zwei Seiten weiter – ist in der Rubrik „Monitor“ zu lesen, wie diejenige „JOY“-Klientel so tickt, die sich dadurch auszeichnet, gern an bescheuerten Umfragen teilzunehmen:

JOY-Umfrage zu Achselhaaren

„Aber die stars machen das doch auch!“

Einer dieser stars, Gastautorin Sophie Andresky, „Deutschlands erfolgreichste Erotik-Autorin“ („JOY“), durfte seine fehlende Lebenserfahrung in einer eigenen Kolumne unter Beweis stellen:

Stellen Sie sich mal eine wunderschöne Flötenmelodie inmitten eines Rockkonzerts vor. Klingt absurd? Eben.

Eben nicht, und der geneigte Musikfreund weiß das, aber in der Welt der „JOY“ ist alles sauber geordnet: Rockmusik hat Gitarren und andere Musik hat eben Flöten. „JOY“, das Magazin für ordnungsliebende Hausfrauen. – Ist es also richtig, was andere tun? Sollte die typische „JOY“-Leserin nicht vielmehr darauf bedacht sein, selbst größtmögliche Attraktivität zu erreichen? Das klärt eins der Titelthemen, nämlich (ich kündigte es ja oben bereits an):

Männer verraten: Das macht Frauen unwiderstehlich

Befragt wurden die üblichen Schönlinge und wenige Alibi-„Nerds“, allesamt typische Männer also; und diese gaben dann dies als Kriterien für weibliche Unwiderstehlichkeit an. Zwischen den üblichen Nullaussagen (die Frau solle „lustig“ und „authentisch“ sein) verbirgt sich auch tatsächlich etwas Lesenswertes; ein gewisser „Mark“ äußerte klug:

Frauen, die sich auch direkt nach dem Aufstehen mögen, finde ich super. (…) Eine unwiderstehliche Frau geht auch ohne Make-Up zum Bäcker, weil sie weiß, dass sie natürlich schön ist.

Passend dazu gibt’s in dieser Ausgabe der „JOY“ auf insgesamt, wenn ich mich nicht verzählt habe, 27 Seiten Schminktipps und Werbung für entsprechende Produkte, darunter auch zur Erzielung eines nude looks, also zum Schminken, so dass man ungeschminkt aussieht. Das ist wohl diese „natürliche Schönheit“, die „Mark“ empfiehlt.

„Adewale“, ein weiterer Mann in der Reihe der Befragten, nennt „intelligente (…) Frauen“ das „Nonplusultra“. Blöd, wenn man stattdessen zur Zielgruppe der „JOY“ gehört.

Falls ihr übrigens auf diese Pointe gewartet habt: Zu den „Geschenken mit Geschmack“ – ein weiteres Titelthema – zählen offenbar weder aromatisierte Kondome noch essbare Unterwäsche. Ganz schön prüde, diese „JOY“.

Mir wird geschlechtSonstiges
Medienkritik LXXXVI: Cosmopolitan deckt auf: Von Schwärmen und Därmen

Cosmopolitan April 2014Die diesmonatige „Cosmopolitan“ – nach Eigenaussage in der enthaltenen Zooey-Deschanel-Lobhudelei ein „Magazin, das sonst Bühne ist für sexy-selbstbewusste Frauen, die es faustdick hinter den Ohren haben“ – enthält einen Artikel namens „Ihr Schwarm: Der Darm“, in dem Giulia Enders (begeisterte Medizinstudentin) derart enthusiastisch darüber referiert, wie großartig das menschliche Verdauungssystem doch sei, dass ich mir das Heftchen nicht entgehen lassen konnte. Welcher Mann lässt einmalige Chancen, sein Wissen über die Frauen weiter zu vertiefen, schon gern ungenutzt?

Und was interessiert die Frauen so?

Nun:

11 Männer, 1 Frage: Was ist wirklich guter Sex?

Im zugehörigen Artikel – passend zum heutigen „Schnitzel-und-Blowjob-Tag“ – kommen 11 total natürliche Männer und eine Statistik zu Wort: 82 Prozent der Männer sei es „laut secret.de“ – dass einer der Befragten dieses Portal empfiehlt, ist sicherlich nur ein Zufall – wichtig, dass Frauen „auch mal“ die Initiative ergriffen, aber nur etwa die Hälfte der 11 Männer schilderte ein entsprechendes Erlebnis. Da hat jemand nicht aufgepasst!

(Den lustigen, wenigstens nur eine Seite langen Artikel „Die Pimmel-Perspektive“, in dem Redaktionspimmel Max König im Namen der Männer dringliche Fragen wie „Bevorzugt ihr Jüngere?“ pauschal beantwortet und der die Rubrik „Sex“ in dieser Ausgabe der „Cosmopolitan“ beschließt, möchtet ihr gar nicht erst lesen. Wirklich nicht.)

Sonst so? Ein raumgreifendes Thema scheint mal wieder das Aussehen zu sein, gleich drei Titelthemen wetteifern um Aufmerksamkeit, mal mit Gegensätzen, …

Ungesund leben, super aussehen: Party, Fast Food, Stress – so sieht es Ihnen keiner an

… mal mit Hyperlativen:

Kündigen Sie das Gym!: Die effektivsten Hometrainings – Kicken sogar Couch-Potatoes!

Und was macht man dann, wenn man als gestresste Partylöwin mit Faible für ungesunden Pappfraß endlich aufgehört hat, ein Gymnasium Fitnessstudio zu besuchen? Klar: Man wird Topmodel und trägt hässliche Fummel:

Sporty chic: GNTMs zeigen, wie man den Megatrend trägt

(Im Inhaltsverzeichnis ist übrigens von „Sporty Chic(ks)“ die Rede. Zum Gackern.)

„Super aussehen“ ist dabei leichter als es der Titel suggeriert:

(…) mit den neuen Cremes pflegen Sie Kater, Stress und kleine Sünden einfach weg!

Wegpflegen hat durchaus Charme, obwohl ich das Wort eher in schlechten Altenheimen als im „Beauty“-Bereich einer Frauenzeitschrift verortet hätte. Ich erwäge es nichtsdestotrotz beizeiten in meinen aktiven Wortschatz zu übernehmen.

Es gibt jetzt sogar Cremes speziell für Werktage und das Wochenende, (sic!) und sogar Masken für den Tag nach der Party.

Maske

Und warum soll man dann auf heimische Kraftübungen setzen? Weil man sich, statt allein zu japsen, dabei auch auf Englisch anbrüllen lassen kann:

Unser Tipp für Ihre Fitness: Zu Hause den Computer hochfahren. Ehrlich! Denn via Skype kann man nun mit den Fitnessgurus aus New York trainieren.

Es war schon lange klar: Wir nerds sind den Frauen immer um eine Mateflaschenlänge voraus. Wir verzichten nicht nur auf das Fitnessstudio, sondern sogar auf die passenden Gurus und das Zeit raubende Training. Wir machen uns eben sehr ungern zum Affen.

Darum verzichten wir auch auf den „Sex Slang“ (sic!), den Wortschatz, der „definitv“ (sic!) „nur für Erwachsene ist“:

Komasutra: Zwei Betrunkene haben Sex (oder versuchen es zumindest).
Ameisentitten: Gänsehaut.
Ready for Freddy: Beschreibt eine Frau, die geil auf Sex ist.

(Und das geht eine ganze Seite lang so.) :aufsmaul:

Zum Schluss der „Cosmopolitan“ „erklärt“ Moritz Pontani, „warum Männer nichts mit Büchern anfangen können“:

Auuuh! Vampirsagas sind nix für Männer. Besser: Zeitungen! Hinter dem Wissensteil macht ihr Ego ähnliche Geräusche

Bücher, das weiß die aufgeklärte „Cosmopolitan“-Leserin nämlich, sind immer etwas mit Vampiren. Andere Bücher gibt es nicht. Oder doch?

Es ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass sie, wenn sie denn mal lesen, Klassiker, Sachbücher, Historienbücher oder die Zeitung lesen (übrigens doppelt so viel wie ihr).

Männer lesen keine Bücher. Nur Sachbücher. Und Klassiker. Und Historienbücher. Aber keine Bücher!

Auuuh!

NetzfundstückeSonstiges
*küsst sich*

Das Internet ist außer sich vor Freude:

Die Künstlerin Tatia Pllieva bat 20 einander völlig unbekannte Menschen, sich vor der Kamera zu küssen. Das Video davon wurde zu einem viralen Hit.

Selbst das fast vergessene Twitterkonto @SchriftTube, dessen Betreiber bekannte YouTube-Videos in maximal 140 Zeichen nacherzählt, wurde reaktiviert und beschrieb es ähnlich, ebenso unzählige sonstige Twitter-Spaßvögel wie @nutellagangbang.

Und in der Sprache der Jugend mag’s tatsächlich um ein Video gehen, in dem sich jemand küsst: „Habt ihr euch geküsst? Iiiihh, die haben sich geküsst!“ Ein Paar (nicht notwendigerweise miteinander liiert) küsst sich, wie es sich sonst streitet, liebt, prügelt, trennt und verklagt; nämlich normalerweise gar nicht. (Es existiert tatsächlich mindestens ein auch als Film erfolgreicher Roman über eine Person, die sich schlägt, aber darüber darf ich nicht reden.) Eine spannende Ausnahme ist jedenfalls „fickt euch!“, denn das meint fast immer die Gesamtheit von Einzelpersonen.

Auch in dem Video küsst sich niemand – Menschen küssen dort einander, wie sie sonst eben auch einander lieben und verklagen, wenn sie sich nicht gerade in so einer Phase befinden. (Genau so falsch machen’s immerhin auch sprachgewandte Liedtexter wie Die Ärzte, die „halten Händchen, küssen sich“ im Lied „Regierung“ als üblichen Umgang von Pärchen miteinander beschrieben; ganz anders dagegen Rammstein in „Herzeleid“: „Bewahrt einander vor der Zweisamkeit“.)

Ich bin allerdings schon etwas enttäuscht. Knutschende Paare langweilen mich – zwanzig Personen, die sich küssen, hätte ich allerdings durchaus gern gesehen.