Archiv für die Kategorie ‘Sonstiges’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

Sonstiges
Medienkritik XCII: „JOY“ und „Jolie“ im Männercheck

Ein neuer Monat, ein paar neue Frauenzeitschriften. Grellbunt wetteifern im Zeitschriftenregal, wie so oft, turnusmäßig auch „JOY“ und „Jolie“, beide häufige Gäste in dieser Rubrik, um die Gunst der Käuferinnen. Ach, was soll’s Gegender? Natürlich auch der Käufer, steht doch immer auch vieles darin, was auch dem Manne gefällt.

Vieles? Man wird sehen.

1. „JOY“

joy juni 2015

In knalligen Farben legt die „JOY“ vor: Das Extraheft „107 Beauty-Tipps“, das wohl zur titelbildlich kolportierten Mission, aus jeder Leserin eine beknackt aussehende Frau mit schlechter Haut und kaputten Haaren zu machen, beitragen soll, mag neckisch sein, allerdings begeht Chefredakteurin Ann Thorer bereits im editorial einen Fauxpas, indem sie die „liebe Leserin“ anspricht. Als wären wir Männer nicht an Mode („die 70 coolsten Kleider des Jahres“), Sport („Yoga, Radfahren, Joggen & Co.“, wer immer die Kompagnons sein mögen) und unserem Aussehen („stylische 3-Minuten-Frisuren“, so was trage ich ja gratis, sowie „Make-up ohne Pannen“) interessiert!

Aber darum soll’s nicht gehen; vielmehr – passend zum auf Seite 17 abgedruckten „klugen Satz des Monats“ von Shailene Woodley, der „Keiner entwickelt sich weiter, wenn er sich an dem misst, was es schon gibt.“ lautet – empfiehlt die „JOY“ aus einer Auswahl der Dinge, die es schon gibt, „22 kleine Verführungstricks, die jeden Mann verrückt nach Ihnen machen“. Man möchte ja als Mann schon gern wissen, wieso man so verrückt ist. Dazu zählt offenbar:

Ach Mist, zu viel Bodylotion erwischt! „Süßer, kann ich dir was abgeben?“ Hui, das flutscht aber…

Hui. – Oder:

Ein Klassiker: Schlüpfen Sie beim Abendessen aus einem Ihrer Schuhe und führen Sie Ihren Fuß vorsichtig in Richtung seines besten Stücks. Hi, Kleiner…

„Kleiner“. Ich bin schon ganz rollig. Aber da geht noch mehr:

Guten Morgen! Versüßen Sie ihm das Aufwachen, indem Sie Ihre nackten Brüste mit kreisenden Bewegungen an seinem Rücken reiben. Das sorgt für eine extraschnelle Auf-STEH-Phase (hihihi).

(Zitat unverfälscht abgetippt; resp.: sic!)

Vollends zum Orgasmus aber treibt mein Zwerchfell Tipp 19:

Geben Sie ihm einen Grapefruit-Blowjob. Dafür die Enden der Frucht abschneiden und in der Mitte ein Loch in der Größe des Penis-Durchmessers bohren. Wenn sein bestes Stück so weit ist, drüberstülpen und auf und ab bewegen …

Die meinen das ernst.

Tipp 22 („greifen Sie ihm ohne Vorwarnung in den Schritt“) fragt abschließend:

Männer sind in Sachen Sex einfach gestrickt. (Ach so! A.d.V.) Warum nicht auch mal Sie?

Beim Sex so einfach gestrickt zu sein, dass man sich für die erfolgreiche Verführung eines einfach gestrickten Mannes – die typische Leserin legt auf einen Mann mit Stil offensichtlich keinen Wert – Obstbegattungstricks aus einem Quietschbuntmagazin anlesen muss, gehörte bislang allerdings auch nicht zu den Dingen, um die ich Frauen beneidet habe.

Vielleicht ist die Konkurrenz ja schlauer.

2. „Jolie“

jolie juni 2015

Die „Jolie“ hält dagegen: Zwar gibt es hier statt 107 nur „55 coole Beautytricks“, dafür aber auch „36x Traumbody“ („Die schönsten Bikinis für jeden Figurtyp“, ich bin dann mal einkaufen) und „15 Tipps, die sofort glücklich machen“ („Das Instant-Rezept für gute Laune“), darunter „Traurige Musik hören“ („What?“, ebd.), „Den Müller machen“ („Jubeln wie der Bayern-Star“) und „Das Bett machen“. Schade, dass es nur für 15 gereicht hat – so war für die unerlässlichen weiteren Tipps „Den Rasen mähen“, „Einkaufen“ und „Zahnarzttermine vereinbaren“ leider kein Platz mehr. Aber ich helfe doch gern!

Dafür hilft mir im Gegenzug die „Jolie“ wie auch die „JOY“ dabei, zu verstehen, wie ich für alle Beteiligten (noch) besseren Sex haben kann: „Setzen, Sex!“ („Sexschule für Männer“) lautet die Überschrift; vermutlich sollten die Männer zumindest froh sein, dass die Zeit der Züchtigung durch den Rohrstock bereits lange genug zurückliegt. Die sechs „Lektionen“ (sowie der unvermeidliche „Exkurs: G-Punkt“, wobei Letzterer, ich zitiere, „sozusagen im ersten Stock“ liege) sind wie eine typische Schullaufbahn aus der Sicht von jemandem, der nie eine Schule besucht hat, strukturiert:

Einführungsveranstaltung: Verführung

(…) Um eure Hand auf unserem Po platzieren zu dürfen, reicht es (…) nicht, dass wir uns angeschickert eine Portion Pommes Schranke geteilt haben. (…) Ihr sagt schmunzelnd „Selbst Ketchup steht dir“ und schaut schief grinsend ein bisschen zu lang auf unseren Mund? Hot!

Während die „JOY“-Zielgruppe sich also aus blöden Frauen mit wenig stilvollen Männern zusammensetzt, geht man bei „Jolie“ von Frauen ohne Tischmanieren und Männern ohne Subtilität aus. Schön, dass Kavalierstum auch 2015 noch zur Besonderheit genügt.

Pflichtpraktikum: Knutschen

(…) Man kann es sich vorstellen, wie wenn zwei Katzen aufeinandertreffen, sich erst mal vorsichtig beschnuppern, umkreisen und sich dann aneinanderschmiegen und -werfen. (…) Probieren Sie mal Folgendes aus: „Einmal mit der Zunge über die Lippen der Freundin fahren, dann erst mal aufhören, die Berührung nachwirken lassen. Wenn sie mehr will, sich langsam steigern, in kleinen Bewegungen rantasten.“

Wenn mehrere Katzen aufeinandertreffen, ist das selten vorsichtiges Beschnuppern, so weit ich das bisher miterlebt habe; und man schelte mich einen Narren, wenn ich irre, aber die Vermutung liegt nahe, dass eine Frau, der man über den Mund leckt, wenn sie knutschen will, das nur wenig betörend findet. Sei’s drum, Theoriefindung ist angesichts der dürftigen Quellenlage vielleicht auch unangemessen.

Fortbildung: Fummeln

Schon klar: Ihr habt selbst keine Brüste, deswegen stimmen euch unsere naturgemäß sehr aufgeregt. Das ist auch gut so – zumindest so lange, bis ihr sie komisch mit dem Finger pikt und dabei am besten auch noch „Möp-möp“ oder „Ding-dong“ sagt.

Manno! :lachtot:

Prüfungsphase: Sex

(…) Während [die Erregungskurve] bei euch meist von null auf geil verläuft, brauchen wir eine gewisse Aufwärmphase. Statistisch gesehen liegt die bei 20 Minuten.

Nützliches Sexutensil Nr. 1: eine Eieruhr.

„Achten Sie auf Ihre Körpersprache“, rät [Sex-Coach] Vanessa del Rae. (…) Ihr Tipp: die taoistische Rhythmustheorie. Neunmal kurz eindringen, einmal tief, dann achtmal kurz, zweimal tief, siebenmal kurz, dreimal tief, und wenn man bei eins angekommen ist, das Ganze rückwärts. „Das ist zielführender als ein Rein-raus-Einerlei. (…) Auch Kreisen kommt immer gut!“

Nützliches Sexutensil Nr. 2: ein Rosenkranz.

Zusatzausbildung: Cunnilingus

(…) Vanessa del Rae rät (…) zum „Adlersuchsystem“, also kreisen, aber nicht direkt landen.

Mit Kreisen hat die Frau es offenbar. Das Adlersuchsystem kenne ich allerdings von Computernutzern, es zeichnet sich dadurch aus, dass es quälend lange dauert und man bei konsequenter Nutzung auch langfristig keine qualitativen Fortschritte machen wird.

Abschlusspräsentation: Orgasmus

(…) Und wenn’s bei uns mal nicht klappt? Nicht so wild, so lange ihr euch danach nicht grunzend auf die Seite rollt. Lieber eine Ehrenrunde drehen! (…) Die Erektion schwillt ja erst langsam ab …

„Nicht so wild, aber ändern müsst ihr’s schon“. Grunz.

3. Fazit

Die „Jolie“ erweist sich zwar als das Magazin, das zumindest in der Theorie Klügeres zu lehren beabsichtigt, allerdings scheint man dort – anders als bei der „JOY“ – seine eigenen Tipps nicht selbst auszuprobieren. Der Sieger? Unentschieden. Sicher ist nur: Bereits am 5. Juni dieses Jahres erscheint von beiden Zeitschriften die Juli-Ausgabe. Das ist nichts für Männer. Wir mögen es logisch.

Habe ich jedenfalls irgendwo gelesen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtSonstiges
[TW: GNTM]

Bislang war ich der Ansicht, die grauenhafte Fernsehsendung „Germany’s Next Topmodel“, in der entgegen ihrem Namen allerlei eher mittelmäßig aussehende junge Frauen ohne Scham- oder Selbstwertgefühl darum wetteifern, sich für die maximale Dauer einer Staffel nach Kräften blamieren zu dürfen, beleidige lediglich die Intelligenz der Zuschauer, Verwandten und Teilnehmerinnen. Offensichtlich ist mir da ein wichtiger Aspekt entgangen, wie mir die Folgen der gestrigen Bombendrohung – als wäre die nicht schon bescheuert genug – aufgezeigt haben:

Die Jury – samt Thomas Hayo und Wolfgang Joop – soll an einem geheimen Ort untergebracht worden sein. (…) Zunächst sei auch ihnen von einer „technischen Störung“ berichtet worden, erst etwa 20 Minuten nach dem Abbruch sei mit der Evakuierung der Halle begonnen worden, sagt der Insider unter Berufung auf einen Publikumsgast. (…) „Wenn die 10.000 Menschen verrecken, ist es nicht so schlimm, wie wenn die Promis (sic! A.d.V.) verrecken“, sagte demnach eine 23-Jährige aus Ludwigshafen.

Zumindest kann man den Machern der Sendung nicht vorwerfen, ihren Zuschauern vorzuspielen, sie seien ihnen wichtig und kein austauschbares Element im Konzept, weil’s ja eben schon egal ist, wie die Kinder heißen, die ihr Taschengeld für den Unsinn verplempern.

Apropos verplempern: Hat Hans-Peter Uhl eigentlich schon die Vorratsdatenspeicherung gefordert?


Triggerwarnung des Tages: Lateinische Klassiker.

In den NachrichtenSonstiges
Medienkritik in Kürze: Deutsche Überleichen

In Frankreich ist ein Flugzeug abgestürzt; aber keine Sorge, die Hinterbliebenen werden nicht im Stich gelassen: Die betroffenen Unternehmen setzten die Titelbilder ihrer Twitter- und Facebook-Accounts auf schwarzweiß. Betroffenheit stilvoll zu zelebrieren ist eine Kernkompetenz des modernen Deutschen, so lange es seinesgleichen (Nichtmuslime meist, bei Katastrophen wenigstens Deutsche) trifft: „Keine Überlebenden, viele deutsche Opfer“ beklagt SPIEGEL ONLINE, auch ZEIT.de betrauert „viele Deutsche“. Ausländische Medien wie 20min.ch scheren sich derzeit nicht um die Nationalität der Passagiere, wie’s auch SPIEGEL ONLINE nicht interessiert, woher Passagiere stammen, wenn sie nicht aus Deutschland kommen: An Bord des Airbus befinden sich 162 Menschen, na bitte, das ist journalistische Berichterstattung ohne Betroffenheitsgesülze (sieht man einmal von dem Breitbildaufmacher mit der weinenden Frau ab), aber das verkauft sich schlecht und hat wohl auch nicht so viele Leute interessiert.

Ein ausländisches Flugzeug stürzt im Ausland ab und kein einziger Deutscher kommt zu Schaden? Wie schade; denn dann muss Mitmensch „Journalist“ ja das eigentliche Geschehen (Flugzeugabsturz, materieller und menschlicher Schaden) zur Meldung machen. Ein beruflicher Glücksfall aber für jeden dieser Seelenverkäufer, wenn ein deutsches Flugzeug mit deutschen Passagieren in eine deutsche Wohnsiedlung fiele!

Ich befürchte, ich habe die Aufgabe eines Journalisten bisher völlig falsch verstanden.

Nachtrag vom 28. März 2015: Wer es lesen will, erfährt also, was das Pilotenschwein geträumt hat, warum der schon immer eine Sau war und man nur den gesunden Volkskörper hätte fragen müssen, wie man solche ausmerzt.


Schlechte Nachrichten: Jugendliche kommen vor lauter Internet gar nicht mehr zum Drogennehmen. Wie soll aus denen nur was werden?

Sonstiges
Ferkeleien

Glückliche Skurrile Umstände ließen mich der aktuellen Ausgabe des Magazins „Heavy Rubber“, offensichtlich ein Fachorgan für Freunde der völligen Gummiummantelung sexuell interessanter Menschen, habhaft werden. Offensichtlich handelt es sich bei „Heavy Rubber“ nicht um einen einfachen Latexfetisch, vielmehr um eine Vorliebe dafür, den Sexpartner nur noch erahnen zu können. Unter dem Stichwort „Heavy Rubber“ findet man im Internet jedenfalls Gasmasken und dergleichen. Anscheinend gibt es einen fluiden Markt für derlei Entspannungsgerät. Fragt ihr euch nicht auch manchmal, was eure Nachbarn nachts so treiben?

In dieser Ausgabe kommt neben manch anderer Fetischikone auch „Saeborg“, eine Latexkünstlerin, die nach eigener Aussage momentan an einer Schlangenfigur arbeitet, zu Wort. In ganzer sexueller Pracht erstrahlt Frau „Saeborg“ übrigens auf diesem Bild:

Saeborg Playmobil

In der „Heavy Rubber“ abgedruckt ist sie allerdings wie folgt:

Saeborg Schwein

Es handelt sich um eine glänzende Doppelseite. Interessenten erhalten gern eine laminierte Farbkopie.

So haben sich die Achtundsechziger das mit der „freien Liebe“ wahrscheinlich nicht vorgestellt; aber auch Bauern brauchen Wärme. – Ich lasse mich nicht gern für einen verklemmten Konservativen halten, schon gar nicht sexuell, weshalb ich mich mit der Bewertung an dieser Stelle vielleicht doch lieber zurückhalte. Zumindest wäre es wohl unangemessen, von dieser einen Künstlerin auf alle Menschen zu schließen, die sich für „Heavy Rubber“ interessieren. In der „Heavy Rubber“ kommen immerhin auch normale Menschen zu Wort, zum Beispiel Lara Aimée, ihres Zeichens niederländisches Modemodel, das von seiner Leidenschaft wie folgt schwärmt:

Meine Liebe zu Gummi reicht von einfachen, leicht anzuziehenden Sachen bis hin zu komplexen Outfits mit vielen Schichten. (…) Die (mit Masken usw., A.d.V.) verbundene Anonymität macht es mir leichter, aus der Komfortzone herauszukommen. Niemand sieht mich oder meine Gefühle; ich kann machen, was ich will. (…) Die Scheinwerfer und der Applaus geben mir einen großen Kick, während ich den Laufsteg herunterstolziere, (sic) in den schönsten Kreationen der besten Designer.

In den schönsten Kreationen.

Der besten Designer.

Lara Aimée

Wieher.

(irre kichernd ab)

Mir wird geschlechtSonstiges
Rudelbums für Anfänger: „Cosmopolitan“, ein Magazin für Unentschlossene

Hui, eine neue „Cosmopolitan“ („Endlich wieder Montagmorgen“, ebd.) mit Gwen Stefani vornedrauf, und dann gleich so ein toller Aufmacher:

Cosmopolitan März 2015

Neue Flirt-Tipps für mehr Spaß und bessere Typen
(Wir haben sie, wissenschaftlich erwiesen!)

Nun ja, selbst Genderforscher und Mediengestalter dürfen sich heutzutage „Wissenschaftler“ nennen, wenn sie an der richtigen (bzw. eben grundfalschen) Hochschule „studiert“ haben; aber wer wäre besser geeignet als ein Frauenmagazin (vgl. „JOY“ et al.)? Eben; und bei der „Cosmopolitan“ hat man wohl ohnehin in letzter Zeit Sonderschulungen in erfolgreicher Schnackselanbahnung absolviert, denn direkt vor den „neuen Flirt-Tipps“ wird ein „neues Orga-Tool für Polyamore“ angepriesen, eine Art app zur Terminplanung, damit man nicht versehentlich die Partner verwechselt.

In dieser Hinsicht erkenne ich zumindest ein Muster; im selben Heft gibt die Drehbuchautorin („Drehbuch-Queen“) Anika Decker im Gespräch mit der „Cosmopolitan“-Autorin Julia Rotherbl bekannt, sie bedaure es, dass es ihr anders als in ihrem neuen, nur nebensächlich erwähnten Film bislang nicht gelungen sei, Liebeskummer durch Sex mit möglichst vielen Männern nacheinander zu verdrängen. Und ich war bislang der Überzeugung, das Gewese um die „große Liebe“ in Mädchenzeitschriften sei schon nur noch schwerlich an Peinlichkeit zu überbieten. – Andererseits erklärt Moritz Pontani im wiederum gleichen Heft, Männer säßen nicht allein zwecks Spermienbelüftung gern breitbeinig herum:

Unsere geöffneten Beine, vor allem die Oberschenkel, fungieren hier als Fluchtlinien oder Lotsen. Sie weisen euch den Weg zum zentralen Fluchtpunkt, unseren Hosenmittelpunkt. Er schreit euch förmlich weit geöffnet zu: „Hier liegt ein Prachtstück, Baby! Greif zu!“

Ach so.

Damit wäre die Zielgruppe der „Cosmopolitan“ ziemlich klar definiert: Flittchen zwar, aber doch zumindest solche, die auch mal neue Filme ansehen und wahrscheinlich just in diesem Moment ihren Partner (oder jeden von ihnen) ausführlich über die Geschehnisse in dem kürzlich verfilmten Weichspül-Fickroman „50 Shades of Grey“ in Kenntnis setzen; Frauen von Welt also, blöderweise von einer anderen.

Wie ein Mann sich anlässlich eines Rendezvous‘ zu verhalten habe, erklärt die Website der „Cosmopolitan“ – was aber müsse man als eine solche Frau tun, um mehr Spaß und „bessere“ Typen – besser als wer oder was? – beim Flirten zu erzielen? Nun, folgende neue Tipps befolgen:

Regel 1: Das Beuteschema erweitern

Bessere Typen lassen sich finden, indem man weniger wählerisch ist; mach‘ Sachen. Ein solcher Traummann aus dem erweiterten Beuteschema sei, so die immer gleiche Julia Rotherbl, c/o „Cosmopolitan“, einer, der „irgendwann vielleicht sogar bereit dazu [sei], den Nachwuchs zu hüten, während Mama ins Büro geht“ – einer ohne eigene Karriere also, auf den „starke Single-Ladys“ (ebd.) ein wenig mitleidig hinabblicken können. Emanzipation am Arsch, aber der Siegeszug der softies (also Weichbirnen) ist nicht aufzuhalten. „77% der Frauen sagen: Meist entscheide ich, ob aus einem Date mehr wird“, die anderen 23 Prozent werden bestimmt von denen bevormundet, die Fluchtlinien auf ihre Hosen zeichnen.

So einen softie jedenfalls hat wohl jede Frau aus dem „Cosmopolitan“-Publikum sowieso im Freundeskreis, daher:

Regel 2: Den eigenen Freundeskreis scannen

Dass das in Kombination mit einem Hang zu wechselnden Intimpartnerschaften möglicherweise den Freundeskreis zerreibt und ausdünnt, sei gnädig verschwiegen. „Je länger man Single ist, desto wichtiger und größer wird der Freundes- und Bekanntenkreis“ (Regel 10); es wäre doch wirklich schade um all die mögliche Beute.

Wenn die „selbstbewusste Single-Lady“ ihren Leumund beim Befolgen dieser Regel erst einmal zur Genüge gemindert hat, eilen die so genannten „neuen Medien“ gern zu Hilfe:

Regel 3: Selbstbewusst surfen

Nämlich: „auf Dating-Webseiten nach einer neuen Liebe suchen“, und zwar „tough“ (J. Rotherbl), denn sonst mache man sich als Frau nur selbst klein, während man für weniger einsam gehalten werde, wenn man sich auf dem virtuellen Fleischmarkt energisch selbst anzupreisen wisse. Selbstbewusstsein, dies sei „Cosmopolitan“-Leserinnen kurz erklärt, beinhaltet im Übrigen auch, zu seinen Schwächen (Scham, „Cosmopolitan“-Abonnement oder noch schlimmer) zu stehen und vermeintlich schlechte Eigenschaften zu akzeptieren, statt sie zu überschminken. Aber wem sag‘ ich das?

Frauen natürlich, denen man auch so etwas erklären muss:

Regel 4: Nicht auf ein Date warten

Die Zeit, so die Argumentation, die man damit verbringe, auf „den Einen“ zu warten, könne man stattdessen auch nutzen, um im Alltag „tausende andere Möglichkeiten, neue Bekanntschaften zu knüpfen“, wahrzunehmen. Dass „der Eine“ dann früher oder später keine Lust mehr hat, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit abserviert zu werden, wird dabei implizit geduldet. Soll er sich halt ein bisschen beeilen, der Arsch.

Denn:

Regel 5: Sich auf keinen Fall klein machen

Den Anderen hingegen schon, wenn Zuwiderhandlung der Erfüllung der Regeln im Weg steht. „Starke Single-Ladys“ wollen starke Ladys bleiben und sich vielleicht zur LP weiterentwickeln. Aber auf keinen Fall zur Sonderpressung:

Regel 6: Leicht zu kriegen sein
Regel 7: Beim ersten Date Sex haben

Klar: Je schneller eine Frau zur Sache kommt, je offensiver sie baggert, desto lieber greift der typische „Cosmopolitan“-Leserinnen-Zielmann zu. „Null(!) Prozent der deutschen Single-Männer stehen darauf, wenn ihnen die Flirtpartnerin die kalte Schulter zeigt“, und „wie frustrierend wäre es denn, nach drei Monaten Dating festzustellen, dass man im Bett nicht harmoniert?“. Allerdings finden auch „null(!)“ Prozent der mir bekannten Singlemänner eine Frau, die leicht „zu kriegen“ in beiderlei Sinne ist, dauerhaft interessant, aber die lesen auch keine „Cosmopolitan“, sondern Blogs und politische Magazine.

Es muss wiederum ja auch nicht von Dauer sein:

Regel 8: So bald wie möglich streiten

Dabei gehe es darum, herauszufinden, ob die (zweifelsfrei) beiden Dickköpfe, die mit den „neuen Flirt-Tipps“ zueinander gefunden haben, einander auch im Falle unterschiedlicher Ansichten zu einem Thema (zum Beispiel der Qualität der „Cosmopolitan“) noch zu dulden imstande sind. Nur zur Sicherheit gibt „Cosmopolitan“ den eher schüchternen ihrer Leserinnen noch einen Rat, der die Umsetzung dieser Regel erleichtern soll:

Regel 9: Keine Kompromisse eingehen
Regel 12: Die biologische Uhr abstellen

Dabei gehe es darum, sich bei der Partnerwahl nicht mit jemandem abzufinden, bei dem das „Knistern“ (J. Rotherbl) ausbleibe. Der Traummann müsse es sein! Zwar ist dies vielleicht einer der häufigsten Gründe, dass die typische „starke Single-Lady“ eben ein Single ist, aber wer aufgibt, hat schon verloren.

Es eile ja auch nicht, die quasi sprichwörtliche „Torschlusspanik“ sei „kein guter Ratgeber“. Lieber bis ins hohe Alter allein bleiben als mit jemandem zusammen zu sein, der nicht „richtig gut“ (zum Beispiel Omar Sy, „Cosmopolitan“, gleiches Heft) ist, scheint das Credo zu lauten, das die „Cosmopolitan“ hier ausgibt. George Clooney („scharfer Schauspieler“, britische Website der „Cosmopolitan“, 2008) sieht ja auch in vergleichsweise hohem Alter noch aus wie jemand, den man als „Cosmopolitan“-Leserin gern vom Fleck weg heiraten würde – warum dann nicht auch die Leserin selbst?

Unsicher? Da hilft nur eins:

Regel 10: Nur auf den Bauch hören

Der Bauch sei der einzige Außenstehende, dessen Einschätzung des potenziellen neuen Partners zählen solle, Meinungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (ihr erinnert euch: das sind diejenigen Personen, mit denen man vorher allerlei, ähem, Bekanntschaften geknüpft hat) hingegen nicht. Der Bauch als zuverlässiger Beziehungsratgeber ist natürlich nur eine Metapher: „Schließlich müssen nur Sie sich in ihn verlieben“. Allzu viel Zeit bleibt der „starken Single-Lady“ sowieso nicht für den Austausch:

Regel 11: Dating als Fulltime-Job betrachten

Trotz eher mauer Bezahlung: „Was würden Sie denken, wenn Sie Ihrer Affäre morgens um acht eine WhatsApp-Nachricht schicken und den ganzen Tag über nichts von ihm hören?“, da ist ja die Frage schon falsch, denn es geht bei den „Dating-Regeln“ ja letztlich um’s Verlieben, wofür zumeist anderes Verhalten bedeutsam ist als bei einer Affäre, die sich von einer Beziehung ja auch in ihrer Innigkeit zu unterscheiden pflegt, aber so wichtig ist das vielleicht auch nicht; die Regel lautet jedenfalls zusammengefasst, dass man als Teil der Zielgruppe rund um die Uhr erreichbar sein sollte, falls einer der zu Fick- und/oder Romantikzwecken anvisierten Herren trotz der anstrengend künsatlichen Persönlichkeit der jeweiligen „Lady“ auf ihre Nachrichten antworten. Die will man ja nicht warten lassen.

Plural? Aber natürlich!

Regel 13: Nicht nur auf einen Typen setzen

„Multi-Dating ist mittlerweile ganz normal, ja fast schon Trend“, und wer will schon aus der Mode kommen?

Früher ist man ja einfach in eine Bar gegangen.

NetzfundstückeSonstiges
He, Matthias Heine (Feuilleton, „WELT“)!

Es ist ja löblich, dass Sie sich gegen eine Verharmlosung des Nationalsozialismus‘ auch im Ausland engagieren und klar das Übel benennen, das sich hinterrücks anschleicht, wenn man mit dem Vorwurf des Grammatiknazitums allzu sorglos um sich wirft.

Blockwarte und Grammatiknazis

Aber wie genau wehrt man sich eigentlich gegen Sie?


Nachtrag, auch mal schön trotz anderem Thema: Logo: Steht nicht drauf, dass etwas passieren kann, dann lasse ich etwas passieren, klage und schiebe Doofheit vor. Es gibt diesen Schlag Menschen.

FotografieSonstiges
#31c3

Die Creeper-Card-Fraktion zeigt dieses Jahr Flagge. Das ist gut, dann kommt man mal zu was. Nunc est bibendum.

Tasting 31c3

Beziehungsweise eben: Wie jetzt, Amnesty International?

31C3 – Mit Kunst die Gesellschaft hacken

Diese Jugend. Aus der wird auch nichts mehr. Prost Mahlzeit.

Sonstiges
Zeitungssterben (Symbolbild)

Nüsse

:irre:

Sonstiges
Eine Frage des Alters

Im Übrigen rufen die alltäglichen Nachrichten über Tötungen, die dem journalistischen Ethos, sachlich zu berichten, dahingehend widersprechen, dass sie einen Fokus auf Alter, Geschlecht, Verwandtheitsgrad oder ähnliche Eigenschaften des Opfers statt auf den Sachverhalt der Tötung legen, ebenso wie erboste bis erschrockene Leserkommentare, die insbesondere aufgrund des Alters, Geschlechts, Verwandtheitsgrades oder ähnlicher Eigenschaften des Opfers voll des Mitgefühls und/oder der Rage sind, in mir weniger Kummer als vielmehr eine Frage hervor, da die Intensität des Mitgefühls zu steigen scheint, je jünger das Opfer ist:

Ab welchem Alter des Opfers wird seine Tötung eigentlich gesellschaftlich geduldet?

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Die nehmen doch alle Drogen.

Der aktuelle „stern“ („investigativ“, stern.de) brilliert mit einer knallhart recherchierten Titelgeschichte, die zweifellos ihresgleichen sucht:

STERN

Cannabis wird zur Volksdroge, den „Sommer der Liebe“ haben die „stern“-Redakteure wohl bedroht verschlafen, und wie gefährlich ist [sie] wirklich? Onanieren macht bekanntlich blind und Rockmusik gewalttätig. Der „stern“ wiederum macht vermutlich blöd. Wie gefährlich ist er wirklich?

In einem Interview, das eine Dreiviertelseite (Seite 46) einnimmt, darf Rainer Thomasius (Suchtmediziner) seine fachliche Meinung zum Thema Cannabiskonsum kundtun. Weil sich das noch nicht besonders interessant liest, ersetze ich in folgenden Auszügen „Cannabis“ durch „Bier“ – nur, um einmal zu sehen, wie das aussieht:

Der Forschungsstand zeigt eindeutig, dass Bier zu schweren Gesundheits- und Sozialschäden führen kann. Das gilt sicherlich in Abhängigkeit davon, wie viel von dieser Sustanz konsumiert wird und in welchem Lebensalter. (…) Diejenigen, die früh in den Bier-Konsum eingestiegen sind, weisen bereits im Erwachsenenalter Intelligenzdefizite von sieben bis acht IQ-Punkten auf. (…) [Cannabis-Befürworter Barack Obama] übersieht, dass es einen riesengroßen Unterschied macht, ob zweiprozentiges Bier auf ein einigermaßen ausgereiftes Studentenhirn wirkt oder achtprozentiges auf das Gehirn eines Pubertierenden.

Wie der „stern“ auf das Gehirn eines Lesers wirkt, ist wahrscheinlich noch nicht ausreichend erforscht, aber irgendein Feindbild braucht’s halt. Onanieren macht blind und Kiffen halt blöd und einsam, während Säufer später erfolgreiche Journalisten werden können (oder bleiben; YMMV, wie’s der geübte Internetnutzer zu sagen pflegt).

Auf Seite 114 macht der „stern“ übrigens Werbung für Riesling-Sekt. Was kann damit schon passieren?

PersönlichesSonstiges
Wie Kabel Deutschland mich einmal nicht als Kunden wollte

Hallo, Kabel Deutschland,

ich beschäftige mich ja schon eine Weile mit euch, nicht nur, weil ihr mit eurer „Flatrate“-Drosselung ein Vorreiter in etwas wart, das nicht sehr vorbildlich ist, sondern auch, weil ihr ja quasi allgegenwärtig seid.

Und es wurde nicht besser, als euch Vodafone kaufte und die schlimme Marke O2 mitbrachte, deren Kundendienst weder viel mit Kunden noch mit Dienst zu tun hat. Vodafone ist mir zumindest in lustiger Erinnerung, seit die Vertreter dieser Firma auch für euch zuständig sind: Als mir einmal einer von ihnen einer eurer Prospekte andrehen wollte und ich ihn auf sein Vodafone-Namensschild ansprach, verdeckte er es schnell. Es muss eine Freude sein, für eure Chefs zu arbeiten.

Dass O2 Kunden schon mal ablehnt, weil sie im falschen Stadtbezirk wohnen, kann ich euch natürlich schwer vorwerfen. Auch, dass euer Kundendienst im Internet (Vorsicht: JavaScript-Pflicht) nicht besonders positiv bewertet wird, kann ja mal passieren – wer zufrieden ist, hat selten was zu nörgeln. Dass ihr das Gebot der Netzneutralität nicht kennt, ist für den Verbraucher zu verschmerzen. Ihr müsst ja auch von irgendwas leben.

Aber mir scheint, ihr werdet einfach zu groß.

Weiterlesen ‘Wie Kabel Deutschland mich einmal nicht als Kunden wollte’ »

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Frauentitel, Oktober 2014.

Es wird Herbst, die Frauenzeitschriften schlagen wieder aus.

Die „JOY“ (Ausgabe für Oktober 2014) verspricht „Hammer-Haare“ – keine schöne Aussicht:

JOY Oktober 2014

Außerdem: „Das verrät Ihr Name über Sie“ und „Die geheimsten Locations“ Berlins, also nicht einfach nur geheim, sondern richtig dolle geheim, wie man es aus einer unerforschten Kleinststadt wie Berlin eben kennt.

Anderswo geht es längst um Wichtigeres:

ok! Oktober 2014

Das Magazin „ok!“ stellt mit Gerissenheit sicher, dass ich die Ankündigung unten rechts dreimal lese, und ansonsten scheint sich eine Lena Gercke (wer ist das?) von einem Sami Khedira (wer ist das?) getrennt zu haben. „Das Power-Paar in der Krise“, denn es gehört schon eine Menge power dazu, Teil eines Paars zu sein, das für irgendwas bekannt geworden ist.

Trennungen scheinen ohnehin gerade en vogue zu sein, weiß man auch bei „InTouch“, deren Titelredaktion es andererseits als „Kilo-Schock“ erachtet, wenn man von Schwangerschaft schwerer wird:

InTouch 40-2014

Außerdem, so „InTouch“, sei irgendeine Sabia hinsichtlich irgendeiner Sylvie zu weit gegangen. Sabia, so berichtet „Closer“ (Motto: „Stars, die wirklich interessieren“) wiederum, habe Sylvie nämlich zum Weinen gebracht:

Closer 40-2014

Außerdem noch eine Trennung, diesmal sogar mit jemandem, den ich kenne: Cora und Ralf Schumacher nämlich hätten sich ebenfalls getrennt. Warum das berichtenswert ist? Na, es sei ja auch ein „Schock für [den] kranken Schumi“ (Michael Schumacher, A.d.V.). Herzlose Cora „&“ Ralf – hätten die nicht warten können, bis es „Schumi“ wieder besser geht?

:wallbash:

Sonstiges
Pur, mild und ursprünglich

Heda, Katjes Fassin GmbH & Co. KG,

danke, dass ihr mir nachdrücklich erläutert, wie purer, milder und ursprünglicher Lakritzgenuss schmecken muss, immerhin habt ihr eurem offenbar neuen Produkt „Back to the Roots“ ganze 5 – in Worten: fünf – Prozent Süßholzsaft beigemischt.

Back to the roots

„Ohne tierische Gelatine“, wie’s halt bei natürlichem Lakritzgeschmack so unnatürlich ist, dass es noch mal groß draufgedruckt werden muss. Lakritz schmeckt, „glaubt ihr“ eben am Besten, wenn möglichst wenig Lakritz drin ist.

Katjes? Katnoh!

Sonstiges
Medienkritik in aller Kürze: Bikini ideal mit 90-90-90

Ach, „JOLIE“.

Jolie Juli 2014

Warum 90-90-90 jetzt unser liebstes Schönheitsideal ist

Die Antwort liegt auf der Hand:

Wie Facebook-Freunde unser Selbstwertgefühl beeinflussen

Und man möchte ihnen ja auch etwas bieten, nicht?

So schummeln Sie sich einen sexy Bikini-Body

Mahlzeit!

Sonstiges
Medienkritik XCI: Brain-Killer Intouch

In der Welt der Frauenzeitschriften gibt es nicht nur Magazine mit Brüllbuchstaben wie JOY und JOLIE, auch mit kleinen Buchstaben kann großer Quatsch auf’s Papier gebracht werden.

Weiterlesen ‘Medienkritik XCI: Brain-Killer Intouch’ »