Als jemand, der seit den Neunzigern Webbrowser verwendet, hatte ich mir sehr früh angewöhnt, Interessantes, über das ich im Web stolpere, in meine Lesezeichensammlung aufzunehmen. Als ich irgendwann anfing, ab und zu auch mal andere Browser auszuprobieren, war dieses Herumkopieren und/oder Importieren der bookmarks.html-Datei – wir hatten ja nichts – zwar etwas lästig, aber das musste ja auch nicht so oft sein. Bei meinen bisher letzten zwei Alltagsbrowsern – erst dem Netscape-Browser und seinen Nachfolgern, dann seit bald zehn Jahren Vivaldi – blieb ich ja einigermaßen lange.
Im Laufe der Jahre trennte ich meine Sammlung auf, „habe ich gelesen und will ich mir merken“ blieb an Ort und Stelle, aber „habe ich gerade gefunden und muss ich mir bei Gelegenheit genauer ansehen“ verlagerte sich passenderweise hin zu Später-lesen-Diensten: Erst nutzte ich hierfür (das erst in Pocket umbenannte und später eingestellte) Read-It-Later, dann vorübergehend Instapaper und das leider ziemlich fehlerbehaftete Wallabag, inzwischen habe ich dafür meine eigene Lösung entwickelt. Jetzt habe ich wenigstens jemanden, den ich beschimpfen kann, wenn etwas nicht funktioniert. (Leider ist dieser Jemand sehr faul.)
Da mit jedem größeren Browserwechsel auch die browsereigenen Synchronisierungsfunktionen gegenstandslos wurden, experimentierte ich eine Zeit lang mit anderen Möglichkeiten, Lesezeichen einigermaßen datenschutzfreundlich von einem Browser in den anderen zu bekommen. Aus verschiedenen Gründen bin ich auf Applegeräten jüngst dazu übergegangen, wieder häufiger den Safari-Browser zu verwenden, den ich während einer kurzen Zeit, in der ich sowohl Windows als auch macOS im Alltag nutzte, bereits etwas intensiver einsetzte und dessen Lesezeichen ich (unter Windows) mittels der iCloud mit Vivaldi abglich. Was jedoch nicht brauchbar zu funktionieren scheint, ist die iCloud-Integration von Vivaldi unter macOS, was ich erst herausgefunden habe, als ich mal wieder den Safari öffnete und dort von einigen Website-„Favoriten“ begrüßt wurde, deren zugehörige Benutzerkonten ich längst gelöscht hatte.
Ich hätte also schon wieder den aktuellsten Stand, also den aus Vivaldi, umständlich ex- und in Safari importieren müssen, was nicht ganz leicht ist, weil Safari Vivaldi als Browser nicht „kennt“.
Zeit also, darüber nachzudenken, wie viele Lesezeichen ich wirklich brauche.
Für eine Bestandsaufnahme griff ich abermals auf Buku zurück, das (inzwischen eine Weboberfläche mitbringt und) mir offenbarte, dass ich wohl über 370 Websites in der aktuellen „kannste immer mal brauchen“-Sammlung – vulgo: Lesezeichenleiste – hatte. Regelmäßig von dort aufgerufen hatte ich in den vergangenen Monaten exakt fünf (davon zwei tatsächlich immer noch aus dem „Morning Coffee“), die allermeisten Websites, die ich noch häufiger besuche, sind sowieso stets in irgendwelchen Tabs und Tabgruppen geöffnet. Defekte Links sind in der Zahl übrigens noch eingerechnet, da prüfen handelsübliche Webbrowser ja normalerweise selten den aktuellen Zustand.
Was mir aber Lesezeichen direkt im Browser bringen, von denen ich nicht weiß, ob ich sie überhaupt jemals wieder aufrufen werde und welchen Webbrowser ich dafür dann nutzen werde, war eine folgerichtige Anschlussfrage. Beantwortet habe ich sie mit einem harten Schnitt: Seit gestern Abend habe ich in keinem von mir oft genutzten Webbrowser mehr auch nur ein einziges Lesezeichen. Meine „TODO“-Linkliste verbleibt in meiner Installation von 42links, die bisherige Lesezeichenleiste ist vollständig in Buku und GNU Emacs verschoben worden. Dort ist sie auch leichter aufzuräumen. Die fünf häufigeren Links sind leicht wiederzufinden, aber ich kenne sie mittlerweile auch auswendig, was ein weiteres Argument dagegen ist, sie dauerhaft griffbereit vorzuhalten. – Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass mir jetzt etwas Wichtiges fehlt, was sicher auch manches über meine Lesezeichensammlung aussagt. Oft scheint ein „habe ich gelesen und will ich mir merken“ eher ein „habe ich gelesen und kann jetzt weg“ zu sein. Meine Vermutung ist, dass ich damit nicht allein bin.
Und den Webbrowser zu wechseln, und sei es nur vorübergehend, bereitet jetzt auch wieder weniger Kopfzerbrechen.


Ich hatte mich in Sachen „Read it later“ nach dem Ende von Pocket etwas umgesehen und bin letztlich bei Inoreader gelandet, der mir gleich Feedly noch mit abgelöst hat. Bin bisher zufrieden damit. Lässt sich in der Bezahlversion auch ganz gut anpassen und automatisieren. Damit kann man ganz gut auch Seiten folgen, die eigentlich keine Feeds mehr anbieten (braucht ja keiner, gibt ja Insta).
Oje, oje. Ein RSS-Leser ist nur sehr bedingt als Später-lesen-Liste zu gebrauchen. Und Seiten, die keine Feeds mehr anbieten, bekommen von mir normalerweise einfach welche generiert. Das Letzte, das mir einfiele, ist es, unzähligen Websites auf irgendwelchen „Plattformen“ zu folgen. Da findet man ja nichts wieder. Keine Ahnung, was Websitebetreiber sich davon erhoffen. Zuspruch von Deppen?
RSS Feedreader sind unheimlich praktisch. Ich bekomme ganz schnell einen Überblick. Im Feedreader merke ich mir gar nichts, wenn ein Header mein Intersse geweckt hat wird im Browser die Seite geöffnet und bei Bedarf auch in die Lesezeicehn aufgenommen. Es ist absolut bedauerlich, daß RSS Feeds im sletener werden. Die Anbieter wollen eben die Nutzer auf Ihre mit Werbung verseuchten Seiten leiten. Das hätte gerade noch gefehlt. Wer in seinem Blog keinen RSS Feed anbietet ist raus.
Mir ist tatsächlich seit dem Erfolgszug von RSS nur ein einziges Blog begegnet, das keinen hatte. Aber ja, viele verwechseln das Verschwinden von RSS-Funktionen (auch aus Browsern) mit „dem Tod von RSS“ und handeln entsprechend. Das ist etwas schade.
Ich bin bei Linkwarden gelandet, selbst gehostet in Docker: https://github.com/linkwarden/linkwarden
Das hat sowohl eine iOS‑, als auch Android-App. Im Browser nutze ich die SingleFile-Erweiterung im Zen-Browser, es gibt aber wohl auch noch andere Add-Ons für FF, Chrome, etc…
Das Schöne ist, dass ich mir z. B. auch interessante Artikel o. ä. direkt in Linkwarden als HTML, PDF, Screenshot (!), oder im „Readable“-Format speichern kann.
Das ist tatsächlich ein nützliches Feature. Docker hatte ich für 42links auch noch geplant, aber irgendwie kommen unzählige andere „wollte ich ja auch noch“ dazwischen. An Linkwarden hatte mich irgendwas gestört. Ich glaube, es funktioniert nicht unter OpenBSD.
Wenn man was Vernünftiges lesen will, hilft meist das Antiquariat.
Ach nun, der Kommentar ist aber auch ein bisschen oll.
Was ja wiederum irgendwie passt.
Gegen exakt das selbe Phänomen setze ich inzwischen seit mehr als ca. 2 Dutzend Monaten shaarli ein (https://github.com/shaarli/Shaarli). Kann zwar nicht viel, reicht mir aber vollkommen. Die Tagging-Funktionalität deckt >97% meiner Bedürfnisse ab, und für Überblick sorgt eine angeheftete Notiz, die als „Index“ für die eingesetzten Tags und für Meta-Erklärungen missbraucht wird, damit ich vielleicht auch in einigen Jahren imstande bin zu, mich bisschen zurechtzufinden.
shaarli ist nett, leider aber auch so hässlich, dass ich lieber selbst was programmiert habe. Gut, über meine Designfähigkeiten ließe sich auch diskutieren…