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Höchst erfreulicher Briefwechsel wegen eines Wikipedia-Löschantrages

Für all diejeni­gen mein­er Leser, die sich für die Antwort auf die total span­nende Frage inter­essieren, wie es eigentlich in meinem Postein­gang aussieht, fol­gt hier eine kurze Antwort aus aktuellem Anlass:
Eine vortr­e­f­fliche Mail lan­dete gestern in meinem Postein­gang und ver­an­lasst mich zu ein­er Kor­rek­tur.

Während ein­er mein­er zahlre­ichen in der deutschsprachi­gen Wikipedia ver­sumpften Stun­den bemerk­te ich, eher zufäl­lig, einen Löschantrag auf das Lem­ma The Void’s Last Stand, was ein­er­seits gut war, denn son­st hätte sich die fol­gende Geschichte nicht ergeben, und ander­er­seits ger­adezu danach zu schreien schien, dass ich mir das mal anse­he.

The Void’s Last Stand, ihr erin­nert euch sich­er, ist die Aach­en­er Antwort auf The Mars Vol­ta und ihr Debü­tal­bum eine Wucht. Meine eilig hingeschmierte Lobeshymne auf diese wirre Geräuschansamm­lung wurde prompt auf der Inter­net­seite der Band zitiert, und ich werde immer noch gut unter­hal­ten, lausche ich wieder ein­mal den Klän­gen dieser Musik­er; Grund genug, mich in der Löschdiskus­sion wie auch im Artikel selb­st kreativ zu betäti­gen. Der Begriff “Löschipedia”, der gern für die deutschsprachige Wikipedia ver­wen­det wird (weil’s hier eben so etwas wie Min­destvo­raus­set­zun­gen für Artikel gibt und nicht jed­er Schmonz enzyk­lopädisch wertvoll ist), ist bei ständig steigen­den Artikelzahlen (es gibt natür­lich auch immer weniger, was noch nicht geschrieben wurde) jeden­falls besten­falls Bock­mist.

Das Ziel der de.WP (ich kürze das jet­zt mal ab) ist es keines­falls, alles nur erden­kliche Wis­sen der Men­schheit zu sam­meln, andern­falls hätte eben­so jedes Lebe­we­sen, über das irgend­je­man­dem irgen­det­was bekan­nt ist, einen eige­nen Artikel ver­di­ent, mich eingeschlossen; vielmehr geht es um den Auf­bau ein­er Enzyk­lopädie über The­men aus allen Fach­bere­ichen, sei es Recht, Biolo­gie oder Musik. Dass bloße Wer­be­texte eben­so keinen Platz in einem solchen Kom­plex bekom­men soll­ten wie Dif­famierungsauf­sätze (“Felix aus der 9b riecht nach Nil­lenkäse!”) oder nicht genehmigte Kopi­en urhe­ber­rechtlich geschützter Kolum­nen, stellt, so sollte man meinen, keine beson­dere Hürde dar, und es kann doch eigentlich auch nicht allzu schw­er sein, für zum Beispiel eine Musik­gruppe, der man über die Gren­zen des eige­nen Heimat­dor­fes hin­aus­ge­hende Bekan­ntheit unter­stellt, Nach­weise zu find­en, die ihr sel­bige bescheini­gen, und wenn doch, sollte man mal in Erwä­gung ziehen, dass man mit sein­er Ein­schätzung vielle­icht doch daneben lag. Schon toll, diese Wikipedia, so lange alles drin­ste­ht, was man sucht; und fehlt etwas, bloß nicht selb­st Hand anle­gen, lieber warten, bis es jemand anders tut, und sich der­weil darüber aufre­gen, dass man nie find­et, was man sucht, und über­haupt, warum selb­st einen Artikel schreiben, wenn keine Gegen­leis­tung in Form von min­destens aus­führlichen Dankess­chreiben von den Admin­is­tra­toren höch­st­per­sön­lich zu erwarten ist? Das ist ja wohl das Min­deste!

An dem Beispiel so ein­er gemein­schaftlich erar­beit­eten Enzyk­lopädie inklu­sive gemein­schaftlich erar­beit­etem Regel­w­erk kann man die soziale Kom­pe­tenz der Mitwirk­enden erken­nen. Die dig­i­tale Bohème als Spiegel­bild der mod­er­nen Ellen­bo­genge­sellschaft — klingt wie ein pri­ma Buchti­tel. (Eventuelle Autoren, die jet­zt auf dumme Gedanken kom­men, wer­den gebeten, sich rechtzeit­ig aus der Deck­ung zu trauen.)

Verzei­hung, mir ent­glitt das The­ma. Zeit, es wieder einz­u­fan­gen:

Als ich ger­ade an der Verbesserung und, hof­fentlich, Ret­tung des Artikels arbeit­ete, schrieb mir Sänger Jonas Win­gens, der wie ich bisweilen in der progrock-dt-Mail­ingliste mit­disku­tiert, eine Dankesmail, aus der sich ein Dia­log entwick­elte, in dessen Ver­lauf es, natür­lich, auch um das bere­its erwäh­nte Album ging. Zufäl­lig erfuhr ich so, dass es inzwis­chen eine Neuau­flage mit aus­re­ichend gut les­baren Buch­staben gibt, die, wohl weil die Pro­duk­tion so großer Buch­staben über­mäßig viel Geld und Arbeit kostet, nicht mehr im Eigen­ver­trieb für 4 Euro exkl. Ver­sand (selb­st schuld, wer meinen Kaufempfehlun­gen nicht rechtzeit­ig Folge leis­tet), son­dern für einen etwas höheren Betrag via Long Hair Music — ein CD-Ver­trieb, der auch son­st über­aus gute Musik im Kat­a­log feil­bi­etet — erhältlich ist. Sollte nun also jemand als Neuleser hier ein­tr­e­f­fen und meine Jahres­rückschau 2009 lesen: Mein dama­liger Kri­tikpunkt bezgl. der Schrift­größe ist hier­mit nichtig.

Und jet­zt bleibt zu hof­fen, dass der Löschantrag in der Wikipedia abgelehnt wird. Die Entschei­dung fällt dem­nächst.