NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XXII: Ana­chro­ni­sti­sche Klick­strecken

Und schon haben die Olym­pi­schen Spie­le wie­der ihre übli­che Tra­gö­die:

Die Spie­le von Van­cou­ver begin­nen mit einer Tra­gö­die. Kurz vor der Eröff­nungs­fei­er ist der geor­gi­sche Rod­ler Nodar Kuma­ri­ta­schwi­li beim Trai­ning aus der Bahn geflo­gen – und an sei­nen Ver­let­zun­gen gestor­ben.

All dies, ver­steht sich, gar­niert mit einer ein­träg­li­chen Klick­strecke mit Foto­auf­nah­men vom Unfall­her­gang; für die umfas­sen­de Bericht­erstat­tung natür­lich drin­gend not­wen­dig und nicht etwa blo­ßer Sen­sa­ti­ons­jour­na­lis­mus, doch nicht beim SPIEGEL, nein!

Wo doch sonst schon alles so schön recher­chiert wur­de, so dass nicht ein­mal die die­sen Text in sei­ner Gesamt­heit noch eben kurz hin­ge­schlu­dert haben­den Jour­na­lis­mus­lehr­lin­ge eine Dis­kre­panz bemer­ken konn­ten, zum Bei­spiel in den ersten Sät­zen inkl. Über­schrift; ich zitie­re noch­mals:

Unfall bei Olym­pi­schen Spie­len

Die Spie­le von Van­cou­ver begin­nen mit einer Tra­gö­die. (Ach­tung, jetzt kommt’s:) Kurz vor der Eröff­nungs­fei­er ist der geor­gi­sche Rod­ler (…) an sei­nen Ver­let­zun­gen gestor­ben.

Das dürf­te ein neu­er Rekord sein: Der erste „Olym­pia-Tote“, der schon tot war, bevor die Olym­pi­schen Spie­le über­haupt begon­nen haben! Na, wenn das mal kei­ne Medail­le gibt. Klar – „Im Vor­feld der olym­pi­schen Spie­le schließ­lich töd­lich Ver­letz­ter“ ist kei­ne so schön kur­ze Über­schrift. Kor­rekt­heit wird kor­rekt hint­an gestellt, die wesent­li­chen Inhal­te (Sport­ler, Olym­pia, tot) ste­hen ja drin.

Wohl wis­send, dass er für Splat­ter- und Unfall­bil­der sei­nen Inve­sti­ga­ti­v­jour­na­lis­mus, wie üblich, unge­ach­tet die­ses Tex­tes mit zahl­rei­chen neu­en Besu­chern rech­nen dürf­te, bleibt mir nur noch übrig, dem SPIEGEL ein nach­hal­ti­ges „Buuuuh!“ zuzu­ru­fen, wie es sich für schlech­te Lei­stung gehört. Bit­te näch­stes Mal bes­ser machen!


Ein wenig fröh­li­cher stimmt die­ser auf Spreeblick.com ent­deck­te und für gut befun­de­ne Ver­weis:
David Sanchez erklärt das mit den Bie­nen und den Blu­men ohne Bie­nen und Blu­men, dafür mit Kugel­schrei­bern. Zum Kugeln, sozu­sa­gen.