Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Hier geht’s um Software – je nerdiger, desto besser.

In den NachrichtenNerdkrams
Apropos Monokulturen

Die Entwickler des Zwergenbrowsers Opera hatten vor einer Weile angekündigt, die eigene Browserengine Presto durch WebKit zu ersetzen. WebKit, eine Abspaltung des aus KDE stammenden KHTML, das als Grundlage für Konqueror diente, ist zwar auch alles andere als fehlerfrei, jedoch aufgrund der Verwendung in Safari sowie Chromium (und Google Chrome) recht verbreitet. Obendrein könne man sich, so Opera, mit dem Wechsel auf die Entwicklung des Browsers selbst konzentrieren und müsse nicht mehr so viel Energie in die Unterstützung immer neuer Webstandards stecken. (Dass man die kurzerhand entlassenen Mitarbeiter eigens für die Entwicklung der Engine eingestellt hatte, sei hier mal nicht weiter verfolgt, ist halt die Krise und so.)

Ein Rückblick: In den 1990er Jahren tobte der so genannte Browserkrieg. Das im Websegment noch vergleichsweise neue Unternehmen Microsoft hatte mit der Integration eines Webbrowsers in sein Betriebssystem Windows das Quasimonopol von Netscape, dessen Browser „Navigator“ beziehungsweise Internetsuite „Communicator“ allgegenwärtig schien, angegriffen. Netscape fand das natürlich weniger gut. Ein Ergebnis der folgenden Rechtsstreitigkeiten war es, dass Microsoft in Europa alternativ browserfreie Versionen seines Betriebssystems anbieten musste. (Und gegen die Bündelung von Chrome mit Chrome OS, gegen die Bündelung von Safari mit Apple-Systemen sagt natürlich keiner was. Google und Apple sind eben „die Guten“.) Netscape versank trotzdem in der Bedeutungslosigkeit und stellte seinen Code unter eine freie Lizenz. Nach einigen Umstrukturierungen sind daraus inzwischen SeaMonkey und Mozilla Firefox erwachsen. Die dominanten Engines waren lange Zeit Gecko (Mozilla/SeaMonkey), Trident (Microsoft) und WebKit (Google/Apple).

Nun hat Google beschlossen, sich aus der Teamarbeit mit Apple zurückzuziehen und seine eigene Engine zu entwickeln. Mit Blackjack und Nutten. Das neue Produkt soll „Blink“ heißen (alle guten Namen waren wohl schon weg), und Opera kündigte an, dass sie sich anschließen würden. Auf den einen Wechsel kommt es nun tatsächlich auch nicht mehr an. Mozilla entwickelt derweil gemeinschaftlich mit Samsung unter dem Projektnamen Servo (ich möchte meine Anmerkung zum Thema „gute Namen“ – weiter oben zu finden – hier nochmals gedanklich eingefügt wissen) ebenfalls eine neue Engine, die künftig in Firefox eingesetzt werden (und somit Gecko wohl ersetzen) soll.

Mit diesen Änderungen wird der Status Quo aber nicht verbessert, sondern verschoben. Wo Webentwickler früher den Nischenbrowser Opera berücksichtigen mussten, der sich oft ganz anders verhielt, ist es künftig der Nischenbrowser Safari, der unter Mac OS X (und – modifiziert – iOS) nach wie vor den Standard darstellt. Der künftige Status von Gecko verbleibt derweil ungeklärt, was in diesem frühen Entwicklungsstadium noch nicht weiter erstaunt. Webentwickler stehen künftig vor einem ähnlichen Problem wie bislang, nur die Prioritäten verschieben sich zwischen den Browsern.

Es ist natürlich nicht verwerflich, wenn über Jahre gereifte Software gelegentlich neu aufgebaut wird, um Altlasten rückstandsfrei entsorgen zu können. Das ist bei Betriebssystemen nicht anders als bei Browserengines. Die Lobhudeleien gegenüber Opera, dass man nun endlich keine Rücksicht mehr nehmen müsse, erscheinen mir jedoch etwas verfrüht, gerade auch wegen der unklaren Zukunft von WebKit – von dem es obendrein eine unüberschaubare Anzahl an Versionen gibt, beinahe jedes Betriebssystem und jeder unterstützte Browser hat sein „eigenes“ WebKit – und Gecko. Auch weiterhin wird es wenige dominante Browser und viele kleine Wettbewerber mit einer unter Umständen zu berücksichtigenden Anzahl an Benutzern geben. Leichter wird das Leben jedenfalls nicht.

Den Benutzer muss es zumindest nicht scheren: Ein Browser sollte stets danach ausgewählt werden, ob er den persönlichen Ansprüchen genügt. Mit welcher Technik die Webseiten angezeigt werden, ist aus Benutzerperspektive zweitrangig, so lange die Anzahl an Darstellungsfehlern überschaubar bleibt. (Die Acid-Tests geben zwar bunte Bilder und große Zahlen aus, spiegeln jedoch nicht die Realität im Web wider.)

Damals, in den 1990er Jahren, war das alles irgendwie leichter.

NerdkramsProjekte
OpenDownload² und das mit den Downloadpfaden

Meine Firefox-Erweiterung OpenDownload² erfreut sich stetiger Beliebtheit. Die Benutzerbewertungen befinden sie überwiegend für essenziell, und es sei unbegreiflich, warum so eine Funktionalität nicht schon längst Teil von Firefox selbst sei. So weit der Eigenlob.

Eine Funktion, die viele Benutzer jedoch vermissten, war es, den Standard-Downloadpfad anzupassen. OpenDownload² speichert auszuführende Dateien üblicherweise in <temp>/mozOpenDownload, aber viele Benutzer würden gern ein anderes Verzeichnis wählen. Nun hat das einen großen Nachteil: OpenDownload² ist eine ziemlich reinliche Erweiterung. Dateien, die älter als einen Tag sind, werden bei jedem Klick auf „Ausführen“ automatisch entfernt. Was passiert, wenn man zum Beispiel den Desktop als Downloadordner festlegt, ist der Fantasie des Lesers überlassen.

Ich könnte diese Aufräumroutine optional machen, aber auch dann müsste der Benutzer diese Option verstehen und aktivieren – menschliches Versagen auch weiterhin nicht ausgeschlossen. Auch das „Sperren“ „wichtiger“ Verzeichnisse kommt eher nicht in Frage, da diese von System zu System variieren. Mit OpenDownload² 3.3.0 – veröffentlicht vor kurzem und bereits durch Version 3.3.1 abgelöst – bin ich einen Kompromiss eingegangen: Es ist nun nicht mehr nur möglich, sondern auch zielführend, unter about:config die Zeichenkette extensions.openDownload2.downloadPath anzulegen, die den gewünschten Downloadpfad angibt.

Warum so umständlich? Nun, about:config warnt den Benutzer beim ersten Aufruf, dass alles, was er hier ändert, nachhaltigen Schaden anrichten kann:

about-config

Ein Konfigurationsdialog ist schnell gedankenlos ausgefüllt. Wer aber diesen Umweg in Kauf nimmt, der sollte wissen, was er tut – davon gehe ich zumindest aus. „Falsche“ Pfade funktionieren zumindest nicht. Das Vorhandensein des Pfades wird von OpenDownload² überprüft.

Und wie entkommt man der Aufräumroutine? Tja, gar nicht. OpenDownload² ist kein Ersatz für einen Downloadmanager oder den normalen „Speichern“-Knopf von Firefox. Wer eine auszuführende Datei dauerhaft behalten möchte, der sollte sie auf der Festplatte speichern und manuell ausführen – das ist nur wenig mehr Aufwand. Alternativ berichtete ich im Dezember 2011 über DropIt, das Dateien stapelweise in vorgegebene Ordner verschieben kann. Als Linux- und BSD-Nutzer schreibt man sich für so etwas vermutlich eher ein Shellscript.

Zu beachten ist, dass das Verschieben natürlich erst nach dem Ausführen durchgeführt werden sollte, da OpenDownload² sonst die Datei nicht mehr finden kann und eventuell unschöne Fehlermeldungen ausgibt.

Weitere Anregungen sind willkommen.

NerdkramsNetzfundstücke
Verführerisch schlechtes Webdesign

Aus Versehen habe ich über diesen Beitrag zum zehnjährigen „Geburtstag“ von WordPress die Website von Monika Thon-Soun, nach eigenen Angaben „Fachfrau & Autorin“ in WordPress-Dingen mit „Beratung & Humor“, gefunden. In der Tat finde ich sie sehr lustig.

Bereits der initiale Aufruf mit aktiviertem NoScript (leider in der heutigen Zeit unverzichtbare Erweiterung zum Schutz vor nervtötenden Animationen und unfreundlichen Zeitgenossen) lässt mich schallend lachen: Frau Thon-Soun setzt auf Comic Sans. Comic Sans. Kann man als Webdesigner machen, muss man nicht. Sollte man vielleicht auch nicht.

Webdesign-in.de ohne JavaScript

Mit aktiviertem JavaScript wird die hässliche Comic Sans durch eine hässliche Schriftart aus dem Internet ersetzt. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht wahrscheinlich nicht, dass die Vielzahl an Schriften nicht nur nicht sonderlich zur grafischen Ausgewogenheit beiträgt, sondern dass einige Schriftarten auch ziemlich kaputt aussehen. Aber ich habe keine Ahnung, ich bin ja keine Fachfrau.

Webdesign-in.de mit JavaScript

Bereits auf dieser Startseite erklärt Frau Thon-Soun, was sie unter „modernem Webdesign“ („WebDesign“, ebd.) versteht:

modernes WebDesign (…)

» ist nie perfekt und nie fertig – ausbaufähig
» bietet Textgestaltung – lesefreundlich

„Ausbaufähige Textgestaltung“. Hübsch zusammengefasst. Und sie selbst kommt diesen eigenen Forderungen wie nach? Nun, auch das erfährt der geneigte Besucher:

der WebDesigner in mir…

» Webstandards
» CSS3 und HTML5 genauso wie XHTML strict
(…)
» ihre Kunden verführen

Ein kurzes Lacherchen (ja, Humor hat’se) über das mit dem Verführen und dann zurück zur Sache.

Webstandards und CSS3 will Frau Thon-Soun also beherrschen. Das ist für den Besucher vielleicht nicht ganz so lustig, die Fehlerkonsole von Firefox bekommt aber schon fast keine Luft mehr vor Lachen. Da stehen dann so Zeilen wie:

Warnung: Deklaration erwartet, aber ‚*‘ gefunden. Übersprungen bis zur nächsten Deklaration
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 332

Der Code in besagter Zeile: .wp_page_numbers ul{display: inline-block; *display: inline; *zoom: 1;width:100%;}. Was immer das machen soll, direkt irgendwelche Standards erfüllt es nun nicht unbedingt. Das gleiche passiert Frau Thon-Soun noch an verschiedenen anderen Stellen.

Gut, einen Fehler verzeiht man schnell, auch, wenn er mehrmals gemacht wird. (Aus Fehlern zu lernen ist nicht verpflichtend, auch dann nicht, wenn man irgendwas mit Webdesign macht.) Firefox verzeiht aber weniger leicht als der Mensch. Diesen Fehler ebenfalls:

Warnung: Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border-radius‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 183

Frau Thon-Soun schreibt dort border-radius:none. Kann man machen, ist halt falsch. In eine ähnliche Kategorie fallen Fehler wie dieser:

Warnung: Farbe erwartet, aber ’noneimportant‘ gefunden. Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 551

Warnung: Farbe erwartet, aber ’noneimportant‘ gefunden. Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 552

Zweifelsohne: noneimportant ist keine Farbangabe. Gemeint war vielleicht: border:none !important; – aber Frau Thon-Soun macht was mit diesem Webdesign, die macht solche Fehler nicht. Und schon gar nicht mehrfach.

Sie ist halt Profi. Wenn sie was versiebt, dann wenigstens richtig:

Warnung: Identifikator für Pseudoklasse oder Pseudoelement erwartet, aber ‚ ‚ gefunden. Regelsatz wegen ungültigem Selektor ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 734

Warnung: Unerwartetes Dateiende beim Suchen nach Abschließende } eines ungültigen Regelsatzes.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 736

(Für die grauenvolle Grammatik in Firefox-Fehlermeldungen kann sie zumindest wahrscheinlich nichts.)

Die zahllosen „Warnungen“ aufgrund von Präfix-CSS-Angaben (etwa -moz-border-radius) möchte ich hier gar nicht weiter auseinandernehmen, obige Beispiele sollten genügen.

Frau Thon-Soun hat ihrer Website den Seitentitel „professional WebDesign barrierefrei“ gegeben. Ja, doch, Humor hat sie.


Nachtrag: In den Kommentaren zu eingangs erwähntem Beitrag wirft mir Frau Thon-Soun vor, mich hinter eventueller Satire zu verstecken. Ich teile diese Auffassung nicht.

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: ZEIT ONLINE und sein Ressort Analog

Zum Ende vom Google Reader hat auch Kai Biermann, seines Zeichens Redakteur im „Ressort Digital“ für das fragwürdige Onlineblatt „ZEIT ONLINE“, auch was geschrieben. Was bedeutet das Ende dieses RSS-Dienstes? Tja, ganz einfach:

Nun verbreitet allein Facebook News – und das ist nicht offen.

Nachrichten gibt es nun nur noch per Facebook, schreibt Kai Biermann. Natürlich: Ginge es nach den großen Zeitungsverlagen (die ZEIT gehört allerdings meines Wissens nicht zu den aktiven Unterstützern des Leistungsschutzrechts), ist das Internet sowieso keine valide Quelle, um sich zu informieren. Dort wird ja nur raubkopiert.

Wir lernen: Wer Nachrichten online lesen will, muss sich jetzt bei Facebook anmelden. NewsBlur, Tiny Tiny RSS, Feedly und (nicht zuletzt) die „Live-Lesezeichen“ von Firefox gibt es nicht. Bilder wie dieses sind gefälscht:

FeedDemon

Danke, Kai Biermann, für diesen Einblick in Ihr „Ressort Digital“. Darauf wäre ich ohne Sie nie gekommen.

(via Alarmknopf, dort ausführlicher nachzulesen)

In den NachrichtenNerdkrams
Google, der Kundenfresser

Diesmal hat Google seine Kunden unterschätzt. In welchem Zusammenhang? Tja, am 1. Juli wird beim Google Reader der Stecker gezogen. Der Google Reader war jahrelang ein verbreiteter RSS-Leser (siehe auch), der irgendwann so erfolgreich wurde, dass eine Vielzahl an Desktop-RSS-Lesern (etwa RSSOwl) und Onlinediensten (etwa das leider ziemlich scheußlich zu bedienende Feedly) ihn als Synchronisationsquelle verwendeten.

Googles Begründung für den Schritt belustigt mich: Man wolle zum Einen seine Energie in weniger Produkte stecken müssen (selbst fahrende Automobile, elektronische Brillen und ein soziales Netzwerk für Brasilianer haben offenkundig Priorität; nach meinem Kenntnisstand hat jedoch seit Jahren niemand mehr an Google Reader Entwicklungsarbeit betrieben), zum Anderen nutze ohnehin niemand mehr RSS. Bereits wenige Minuten nach der Ankündigung waren die Server von Feedly, NewsBlur und der selbst zu hostenden Alternative Tiny Tiny RSS mit einem Vielfachen der gewohnten Serverlast nur noch schwer bis gar nicht zu erreichen. Der Ansturm der Niemande war offenbar gewaltig.

Für viele auf den Google Reader aufbauende RSS-Leser sieht die Zukunft auch nicht rosig aus. FeedDemon wird eingestellt, RSSOwl wird zumindest nicht mehr synchronisieren können. Die diversen „gReader“- und ähnlichnamigen apps unter Android werden vermutlich auch kein langes Leben mehr vor sich haben. Zumindest Feedly hat bereits angekündigt, rechtzeitig ein dem Google Reader ähnliches API zur Verfügung zu stellen, das Entwicklern solcher Programme eine einfache Migration (wahrscheinlich: einfach URI ändern und läuft wieder) ermöglichen wird. Ich vermute, weitere Anbieter werden folgen. Für den einfachen Anwender, der keine Synchronisation benötigt, wird sich ohnehin wahrscheinlich nicht viel ändern.

Diese Entwicklung ist erneut ein Beleg dafür, dass es eine fatale Fehlentscheidung sein kann und meist sein wird, seine digitale Existenz in die Hände eines einzigen Anbieters zu legen – das Funktionieren des eigenen workflows liegt dann allein in seinem Ermessen. Alternativen gibt es zuhauf. Selbst, wer darauf angewiesen ist, seine RSS-Feeds auf mehreren Geräten verfolgen zu können, kann zu Feedly oder NewsBlur greifen. Empfehlenswert ist es aber aus genanntem Grund, auf dem eigenen Server oder eigenen Webspace Tiny Tiny RSS oder das recht hübsche, jedoch nicht kostenlose Fever zu installieren. Das ist ziemlich einfach, das bekomme sogar ich hin. Der Vorteil: Man wird keine unangenehmen Überraschungen erleben. Gute (also übersichtliche und einigermaßen komfortable) Clients für mobile Geräte gibt es meines Wissens für jeden der genannten Dienste.

Warum Google noch an Google Mail festhält? E-Mail ist in Zeiten „sozialer Netzwerke“ doch längst so gut wie tot. Aber dann wissen wir ja jetzt schon, welcher Dienst beim nächsten Google-Frühjahrsputz aussortiert wird. Sollen die Leute doch zu Google+ wechseln, sagt Google, denn über Google+ kann man sicherlich auch das eine oder andere Blog lesen; natürlich nicht ansatzweise so komfortabel und übersichtlich wie mit einem brauchbaren RSS-Leser, aber das ist nun mal die Zukunft. Und niemand braucht mehr etwas anderes.

Vielleicht braucht aber auch einfach niemand Google. Das könnte sich allmählich herumgesprochen haben.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CXLVIII: Erklärbärjournalismus

Sebastian Heiser von der „taz“ schrieb im Februar:

Ich sehe ja meine Aufgabe und meine besondere Dienstleistung als Journalist gerade darin, alles so weit wie möglich zu vereinfachen, damit es verständlicher wird.

Er betrachtet sich also als einen Erklärbären, der wie sonst nur die „Computer-BILD“ Lesern auch einfache Dinge noch einfacher verständlich macht („sprich: Wörd“).

Ein aktuelles Beispiel für diesen Erklärbärjournalismus gefällig? Gestern ließ das Unternehmen Evernote seine Benutzer per Blogartikel (und wenig später per Aktualisierung der Software) wissen, dass irgendwo im System offenbar eine Lücke aufgetreten sei, über die es kurzzeitig noch Unbekannten möglich gewesen sei, „Zugriff auf Benutzerinformationen wie Benutzernamen, E-Mail Adressen (sic!) und den (sic!) verschlüsselten Passwörtern“ zu erhalten.

In anderen Worten (Golem.de): Es wurden Benutzerdaten kopiert.

In wiederum anderen Worten (SPIEGEL ONLINE): Es wurden Passwörter gestohlen. Ist halt Quatsch. Wenn ich etwas stehle, hat der ursprüngliche Besitzer es nicht mehr. Wenn ich etwas kopiere, hat er es immer noch. Ich bitte die SPIEGEL-ONLINE-Verantwortlichen, an dieser Stelle einmal nachzusehen, ob in irgendwelchen Artikeln Sätze fehlen, die ich hier in älteren Beiträgen zitiert habe, denn dafür bin ich genau so vorgegangen: Ich habe die ursprünglichen Daten kopiert. (Nach aktuellem Stand der Gesetzesentwicklung ist das zwar bald böse illegal, aber immer noch kein Diebstahl.)

Kommentator „Michael K“ schrieb übrigens unter Sebastian Heisers eingangs erwähnten Beitrag:

Wenn Sie das Gefühl haben, nur zwischen “kompliziert” und “falsch” wählen zu können, dann verstehen Sie Ihre Aufgabe nicht.

Da scheint Sebastian Heiser immerhin nicht allein zu sein.

NerdkramsNetzfundstücke
Google, der sorgende Monopolist. Der will nur spielen.

Erinnert sich noch jemand an die diversen Monopolklagen gegen Microsoft? Microsoft sei, so hieß es noch vor wenigen Jahren, ein fieser Monopolist, weil es mit der Kombination aus Windows und Office eine Markt beherrschende Stellung einnimmt und obendrein die Dreistigkeit besitzt, seinem Betriebssystem einen Medienspieler und einen Browser beizufügen, und müsse daher zerschlagen werden. Mindestens.

Ein Jahrzehnt später spricht von Microsoft kaum noch jemand, das Hauptaugenmerk liegt auf den Kontrahenten Apple und Google. Google ist, das lässt uns Martin Weigert heute in einem ansonsten eigentlich lesenswerten Text wissen, schlicht zu gut für diese Welt:

Selbstfahrende Autos, die revolutionäre Cyberbrille Google Glass, eigene Ladengeschäfte, Tablets und Smartphones unter eigener Marke, (…) ein geplanter Musikstreamingservice à la Spotify, Google Maps und natürlich die Websuche sowie das Werbevermarktungsgeschäft gehören zu den zahlreichen Eckpfeilern des Unternehmens – und in dieser Aufzählung fehlen sogar noch einige Tätigkeitsfelder. In allen Segmenten ist der Konzern aus Mountain View einziger ernstzunehmender Anbieter, Marktführer oder zumindest eine der treibenden Kräfte.

Nicht schlecht, Google ist sogar „einziger ernstzunehmender Anbieter“ oder gar „Marktführer“ in einem Bereich, in dem es außer Planung (Musikstreaming) noch nicht viel vorzuweisen hat und in dem es bereits zahlreiche etablierte Anbieter gibt. Chuck „Google“ Norris: Marktführer in einem Markt, den es noch nicht mal betreten hat. Logisch.

Google ist kein Monopol. Wer will, kann mit Bing oder DuckDuckGo suchen statt mit Google, über Outlook oder Yahoo E-Mails verschicken statt über Gmail, Videos bei Dailymotion hochladen statt bei YouTube und so weiter.

Ein Monopol ist kein Monopol, wenn es Alternativen gibt – gut, dass das damit abschließend geklärt ist. Konsequent hatte die SED in der DDR auch kein Monopol, es gab ja andere Parteien. Die wurden nur nicht gefragt. Nur für Microsoft kommt diese Information zu spät. Ärgerlich, dass Martin Weigert damals nicht protestiert zu haben scheint.

Aber das war ja auch nur Microsoft und nicht Google. Google ist gut.

Das Besondere an der Entwicklung ist, dass Google diese Rolle (als omnipräsenter Bestandteil des täglichen Lebens, A.d.V.) bis dato fast ausnahmslos durch von den smartesten Menschen auf diesem Planeten geschaffene, hochgradig qualitative, leistungsfähige und für Millionen Menschen sehr attraktive Produkte erreicht hat, nicht durch das (Aus)-Nutzen monopolistischer Strukturen.

Ja, Google weiß, was Hausfrauen wünschen. Mir scheint, Martin Weigert mag Google sehr – immerhin erwähnt er solches an mehreren Stellen im Text. Dass er dann gegen Ende des Textes doch noch kurz die Gefahren eines allgegenwärtigen, zentralen Konzerns, in dessen Hand jeder Mensch auf einfachste Weise alle Daten über sein Leben legen kann, anspricht, scheint ihm beinahe in der Seele weh zu tun.

Der Unterschied zwischen einem Monopol und einer Markt beherrschenden Stellung ist es nach meinem Sprachempfinden, dass ein Monopolist es Konkurrenten schwer macht, mit den eigenen Produkten (etwa Betriebssystemen) zu konkurrieren. Dazu passt diese Meldung:

Bisher hatten Chromebooks nur bedingt Unterstützung für eine INstallation (sic!) alternativer Betriebssysteme. Ein Hauptgrund dafür ist die Firmware der Geräte. Matthew Garret hatte bereits erwähnt, dass Google bei den Chromebooks sehr restriktiv ist.

„Na gut“, denkt sich Martin Weigert jetzt möglicherweise, „vielleicht ist Google ja doch ein Monopolist. Aber ein guter!“ – Feines Google bekommt sicher immer feines Fressi zu Hause bei Weigerts.

(Ja, das war jetzt etwas polemisch.)

Nerdkrams
DashClock: Auf dass der Sperrbildschirm von Android endlich einen Sinn ergeben möge!

Eine der etwas seltsameren Funktionen von Android ist die Anzeige des so genannten „Sperrbildschirms“ (oder lockscreens – scheußliches Wort). Legt man es kurz zur Seite und wartet, bis der Bildschirm ausgeht, wird das Gerät in der Regel „gesperrt“. Das bedeutet im Standardfall: Man sieht einen langweiligen Bildschirm mit ’ner Uhr und unten so einem Schiebeding, das man nur nach rechts schieben muss, um sein Smartphone wieder benutzen zu können. Keine relevanten Informationen (außer „wie spät ist es denn?!“), obwohl auf dem Bildschirm viel Platz dafür wäre. (Der Sicherheit dient’s eh nicht: PIN-Eingabe ist optional.)

Android-Sperrbildschirm

Abhilfe schafft das Widget „DashClock“. DashClock ist eine quelloffene Android-app, die sich als alternativer Sperrbildschirm verwenden lässt und die man als Erweiterungsentwickler um allerlei Spielereien erweitern kann. Unter Android 4.2 (AOSP-Version, unter herstellerseitig angepassten Android-Versionen könnte sich das Vorgehen ein wenig unterscheiden) geht das folgendermaßen:

Zunächst muss man nach erfolgter Installation von DashClock (etwa aus dem Play Store heraus) den Sperrbildschirm aufrufen (also den Bildschirm aus- und wieder einschalten) und ihn ganz nach links wischen (also den Bildschirm „nach rechts verschieben“), bis die Seite, die nur ein „Plus“-Zeichen enthält, erscheint. Dies ist der Bearbeitungsmodus. Dieses Pluszeichen ist zu berühren.

Android-Sperrbildschirm mit Pluszeichen

Eine alphabetisch sortierte Liste an verfügbaren „Widgets“ sollte erscheinen, „DashClock“ unter ihnen. Nach der Auswahl von DashClock wird es möglich sein, die anzuzeigenden Elemente auszuwählen und durch Ziehen an eine geeignete Stelle zu verschieben. Unten befindet sich ein Feld mit der Beschriftung „Erweiterungen hinzufügen“, über das etwaige installierte Erweiterungen (dazu unten mehr) zur Verfügung stehen.

DashClock-Einstellungen

Sind alle gewünschten Informationen vorhanden, kann das Einstellungsmenü per Druck auf das „Häkchen“ oben links geschlossen werden. Noch immer im Bearbeitungsmodus kann man nun nochmals überprüfen, ob man nichts vergessen hat (natürlich lässt sich alles auch später noch anpassen):

DashClock-Vorschau

Nun muss der neue DashClock-Bildschirm nur noch nach rechts verschoben (gedrückt halten und ziehen) werden, um an die Stelle des bisherigen Sperrbildschirms zu treten, und die Einrichtung ist erfolgreich abgeschlossen:

Android-Sperrbildschirm mit DashClock

In meinem Beispiel habe ich außer den mitgelieferten Anwendungen „Wetter“ (zu Demonstrationszwecken) und „Datum/Uhrzeit“ auch den Twitter-Client Falcon Pro eingebunden, der seit einigen Tagen standardmäßig eine eigene DashClock-Erweiterung mitbringt. Etliche weitere dieser Erweiterungen, sogar für ungelesene Facebook- und WhatsApp-Nachrichten, den Batterieladestand und viele andere Anzeigemöglichkeiten, lassen sich per Play Store installieren, sie lassen sich dann über den Einstellungs-„Knopf“ oben rechts im Sperrbildschirm (hierfür wie oben beschrieben wieder in den Bearbeitungsmodus wechseln) hinzufügen.

Zu beachten ist jedoch, dass jede Erweiterung wiederum ein wenig Batteriekapazität benötigt. Man sollte daher Aufwand und Nutzen in jedem Fall einzeln abwägen.

Nerdkrams
WhatsApp, hike und warum es mich nicht interessiert.

WhatsApp gehört zu den Diensten, deren Popularität mich irritiert.

Das Prinzip hinter WhatsApp ist es, dass Leute, die ihre gegenseitige Mobiltelefonnummer kennen, sich anstelle einer SMS-Flatrate auch über das Internet schriftlich unterhalten können. Natürlich könnte man, wenn man schon ohne technische Zeitbeschränkung mobil (meist per Smartphone) im Internet sein Dasein fristen kann, stattdessen auch AIM, ICQ, Yahoo! IM, (noch) den MSN Messenger, Jabber, Gadu-Gadu oder einen der anderen ungezählten instant messenger nutzen, aber das ist vermutlich nicht en vogue genug.

So muss man statt der ICQ-, Jabber- oder sonstigen Kennung eben nur noch die Telefonnummer des zu Nervenden kennen und einmalig irgendwo eintragen. Das hält die Anzahl der irgendwo zu notierenden Zahlen zwar schön klein, hat aber den Nachteil, dass die eigene Telefonnummer quasi zum Allgemeingut wird; zumal WhatsApp immer wieder mit Sicherheitslücken, über die sich ein Benutzerkonto (und somit eine eigentlich eindeutige Identität) einfach übernehmen lässt, von sich reden macht. (Man füttere die Suchmaschine des Vertrauens mit den Suchbegriffen „WhatsApp“ und „unsicher“.)

Dazu kommt, dass es bei WhatsApp mit einer Internetflatrate allein nicht getan ist. Die app kostet einmalig oder – wenn man, wie wohl jeder halbwegs vernünftige Zeitgenosse, kein iPhone besitzt – jährlich eine geringe Gebühr.

Was ist also zu tun? Nun, entweder mietet man eine SMS-Flatrate und löst das Problem so elegant, was aber voraussetzt, dass die möglichen Kontaktpersonen ähnlich verfahren, oder man steigt auf Jabber um, das nebenbei Schnittstellen zu ICQ, AIM, Google Talk, dem Facebook-Messenger, StudiVZ und einigen weiteren Diensten bereitstellt und nebenbei auch auf dem heimischen PC/Laptop funktioniert.

Oder man guckt sich mal hike an.

hike (über die üblichen Quellen zu installieren) ist eine neue, recht hübsche und vor allem jahresgebührenfreie Alternative zu WhatsApp, funktioniert genau so und ist bisher noch nicht durch schlechte Presse aufgefallen.

hike

Woran es noch fehlt? Vor allem an der Bekanntheit. Der Nutzen von hike steht und fällt – wie’s bei „sozialen Netzwerken“ ebenfalls zutrifft – mit der Anzahl seiner Nutzer. Die könnt ihr übrigens selbst ziemlich einfach ändern.

Wie aber ist das Dilemma zu lösen, dass jeder „Kontakt“ einen anderen Dienst bevorzugt – einer Facebook, ein anderer WhatsApp, wiederum ein anderer SMS und/oder hike, von Joyn mal ganz zu schweigen? Wahrscheinlich nur, indem man selbst an jeder dieser Kommunikationsformen teilnimmt.

Alternativ könnte man auch einfach auf Jabber setzen. Darüber kann man zwar – normalerweise – weder SMS-Nachrichten verschicken noch mit WhatsApp-Benutzern in Kontakt treten, aber es umgeht das Problem ziemlich elegant, indem man es gar nicht erst zu einem Problem macht. Um die Jahrtausendwende herum musste man bei MySpace sein, wenig später bei StudiVZ, dann bei Facebook, nun bei WhatsApp. Die Karawane zieht weiter, der Sultan setzt sich in seine schattige Oase (Jabber) und weint ihr keine Träne nach.

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt CXLV: Der Mythos vom unabhängigen „cyberspace“

(Vorbemerkung: Eigentlich gehört dieser Artikel in die Kategorie der „Schmalhänse des Tages“. Da der Protagonist aber weder Deutscher noch in der CDU ist, würde ich die Serie vollständig brechen – ich bitte daher die Umkategorisierung zu verzeihen.)

Das mit diesem freien Internet, das ist nicht gut. Das Internet als Lebensraum oder gar als teilweise oder vollständig inkludierte Parallelgesellschaft, so ein Quatsch. Fax ist ja auch kein Lebensraum.

A liberal regime will pass legislative safeguards against government misuse of data and communications and will generally take a light hand, when it comes to regulation and taxation, in the interest of personal freedom and ease of commerce. But the fact that bad states may abuse the power to regulate telecommunications does not mean that benign states lack, or should lack, that power. (…) If you’re not convinced by now that the very notion of cyberspace is silly, try substituting “fax” or “telephone” or “telegraph” for “cyber” in words and sentences. The results will be comical. “Activists denounced government criminal surveillance policies for colonizing Fax Space.” “Should Telephone Space be commercialized?” (…) Like other intellectual-political fads of the late 20th century, including neoliberal economics and neoconservative foreign policy, the idea of cyberspace as a parallel reality free from government regulation and commercial corruption was confused in its conception and doomed in practice.

Frei übersetzt:

Ein liberales Regime wird gesetzliche Schutzmaßnahmen gegen regierungsseitigen Missbrauch von Daten und Kommunikation (sic!) errichten und generell im Interesse persönlicher Freiheit und der Vereinfachung des Handels in Bezug auf Regulierung und Besteuerung eher sachte agieren. Der Umstand jedoch, dass böswillige Staaten die Macht, Telekommunikation zu regulieren, missbrauchen könnten, bedeutet nicht, dass freundliche Staaten diese Macht nicht haben sollten. (…) Wenn Sie noch nicht davon überzeugt sind, dass der Begriff des „Cyberspaces“ blöd ist, probieren Sie einmal, „Fax“ oder „Telefon“ oder „Telegraf“ in Wörtern und Sätzen durch durch „Cyber“ zu ersetzen. Die Ergebnisse werden komisch sein. „Aktivisten prangerten Überwachungspolitik der Regierung für Kriminelle zur Kolonisierung des Faxspaces an.“ „Sollte der Telefonspace kommerzialisiert werden?“ (…) Wie andere intellektuell-politische Marotten des späten 20. Jahrhunderts, einschließlich neoliberaler Wirtschafts- und neokonservativer Fremdenpolitik, wurde die Idee des Cyberspaces als Parallelwelt frei von staatlicher Regulierung und kommerzieller Kompromittierung in seinen Grundzügen verwirrt und in der Praxis zerstört.

Der Autor dieser konfusen Zeilen ist Michael Lind, ein US-amerikanischer Nationaldemokrat (natürlich aus Texas, wen wundert’s?) mit neokonservativer Vergangenheit. Falls euch jetzt beim Lesen ein kalter Schauer über den Rücken läuft: Der Text wird übrigens deutlich lustiger, wenn man sich vorstellt, wie Michael Lind ihn auf einer Apfelsinenkiste auf dem Marktplatz einer beliebigen deutschen Kleinstadt vorträgt. Probiert es mal aus!

NerdkramsNetzfundstücke
Legalsoftwarez-BB.

Was „warez“ sind, muss ich hoffentlich niemandem, der schon mal was mit diesem Internet gemacht hat, erklären – es handelt sich um einen Szenebegriff für in nicht immer mit den Lizenzbedingungen kompatibler Weise kopierte Computerprogramme (bis hin zu ganzen Betriebssystemen). Ich wage zu behaupten: Niemand, der noch ganz bei Trost ist, käme auf die Idee, eine Internetseite namens „warez-irgendwas“ – abgesehen vielleicht von „keine-warez.de“ (derzeit anscheinend nicht registriert) – zu eröffnen und dort ausschließlich freie und kostenlose Software zu veröffentlichen.

(Für solche Zwecke gibt es ohnehin bereits genug Portale, darunter Gizmo’s Freeware und FreewareBB.)

Insofern habe ich gerade amüsiert zur Kenntnis genommen, dass das „warez“-Portal Warez-BB (aus Gründen nicht verlinkt), auf dem seit Jahren immer wieder neue Windowsversionen, allerlei Systemprogramme und ähnliches Gedöns einen Platz finden, neben einer Information, dass man Organisationen wie die Free Software Foundation finanziell unterstützt, diesen Hinweistext am Fuß jeder Seite anzeigt:

Warez-BB respects the rights of others and is committed to helping third parties protect their rights. Our terms of service offer anyone to send inquiries to (Mailadresse).

Frei übersetzt: „Wir, das Schwarzkopien-Forum, berücksichtigen die Rechte Dritter und helfen gern, die Verbreitung von Schwarzkopien einzudämmen. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail.“

Das scheint nicht allzu oft zu passieren.

Nerdkrams
Ponys sind scheiße.

Gelegentlich scheint es eine gute Idee zu sein, den Medien wieder einmal darzulegen, warum die Netzbürger keine homogene Masse („die Netzgemeinde“, als wäre das eine Sekte) sind. Aus aktuellem Anlass mache ich das heute einmal am Beispiel der Meme.

Also: Ich bin Netzbürger. Und obwohl ich seit „geilo, mein neues 56k-Modem geht ja richtig ab“ im Internet herumkaspere und gelegentlich auch am dortigen Sozialleben teilnehme, finde ich die meisten Meme ziemlich bescheuert.

Ein „Mem“ (etymologisch irgendwie mit „memory“ verwandt) ist unter anderem ein Kurzwort für Internetphänomene. Dies bezeichnet wiederkehrende Bilder, Texte, Videos oder auch und Phrasen, die sich über das Internet verbreiten und sich zum Teil auch ins wirkliche Leben ausbreiten, etwa das recht bekannte „Trollface“ als Erkennungsmerkmal eines Provokateurs, das sich längst auch auf Demonstrationen und T-Shirts wiederfindet, ebenso die anderen Gesichter.

Und bevor jetzt jemand behauptet, die im Internet hätten komplett bescheuerte Ideen und ohne das Internet wären sie weiser: Das mit den Memen geht auch andersherum. Ein bekanntes Mem aus dem wirklichen Leben ist zum Beispiel der Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, bis heute in abgewandelter Form weitergetragen und vieltausendfach persifliert. Ein „Mem“ ist also eigentlich nichts anderes als ein geflügeltes Wort in digitaler Darreichung. Und auch die Leute aus dem wirklichen Leben haben oft keine besseren Meme im Angebot, denn sie stammen meist aus dem Fernsehen (oder zumindest von YouTube).

Ein paar Beispiele: Im Frühjahr 2012 machten sich im Internet Ponyavatare breit, entlehnt aus der Fernsehserie „My Little Pony“. Für mich als Netzbürger ist das trotzdem ungefähr so nachahmenswert und attraktiv wie Barbie und Pokémon. Auch andere Fernseh- und weitere Serien und Filme schafften es zu geradezu viralen Memen, das Rickrolling mit Rick Astley hat es gar zu einem eigenen Wikipedia-Artikel geschafft. Andere YouTube-Phänomene wie Boxxy sind irgendwann weitgehend in Vergessenheit geraten, während sich das Xzibit-Mem „Yo dawg“, vermutlich entstanden aus der Fernsehserie „Pimp My Ride“, erstaunlich lange hält.

Dabei reißen Meme auch Leute mit, die es sonst mit dem Internet nicht so haben. Der Film „V wie Vendetta“ etwa, in dem ein maskierter Mann aus Rache für die Misshandlung durch die Regierung Gebäude in die Luft sprengt und durch seinen Tod letzten Endes die Diktatur beendet, inspirierte die Gründung und das Auftreten von „Anonymous“. Kennen sollte man zumindest die Szene, in der alle Bürger der Stadt, ebenfalls mit solchen Masken ausgestattet, das Militär umringen.

Warum eigentlich „Anonymous“? Nun, das ist der angezeigte „Name“ nicht angemeldeter Benutzer im Forum „4chan“, wo sich die meisten Meme initial verbreiten, sei’s nun Boxxy, sei’s die Vendetta. 4chan muss man nicht kennen, das Niveau dort ist überschaubar, und auch wenn es quasi für jedes Thema ein eigenes Forum gibt (selbst ein Musikforum ist dort rege aktiv) und ich das Konzept „Anonymous“ und einige ihrer „Operationen“, selbst LulzSec, ausdrücklich gutheiße: Man muss schon reichlich pubertär sein, um länger als nötig dort zu verbringen. (Ähnliches gilt für das deutschsprachige Pendant Krautchan, wo die „Anonymous“-Benutzer schlicht „Bernd“ heißen – damit wurde dieser Name ebenfalls zu einem allerdings selten benutzten Mem.)

Intellektuell interessant sind allerdings die Meme, die historischen oder literatischen Bezug aufweisen. Dass diese Meme normalerweise Teil von Creepypasta (also im Wesentlichen Horrorgeschichten) sind, ist bemerkenswert, aber nicht störend. Einige von ihnen sind durchaus gut gemacht.

Ein Beispiel ist die Legende vom Slender Man, einem großgewachsenen, fahlen Mann ohne bekanntes Gesicht, der nachts Kinder holt oder so. Eine faszinierende Figur, auf die wir stolz sein können: Das Vorbild war der Großmann, ein vor mehreren Jahrhunderten im Schwarzwald lebender, geheimnisvoller Kindesentführer, dessen Existenz bis heute nur belegt, nicht jedoch bewiesen wurde. Endlich mal ein erfolgreiches deutsches Exportgut!

Diejenigen, die der internationalen Belletristik näher stehen als deutscher Lokalgeschichte, sind womöglich mit den Werken H. P. Lovecrafts wie dem Necronomicon und dem Cthulhu-Mythos vertraut. Die Spannung, die H. P. Lovecraft erzeugt, liegt darin begründet, dass das Böse meist zu erahnen, aber nie greifbar ist. So funktionieren die meisten Romane von Stephen King, so funktionieren zahlreiche Folgen von „Akte X“, so funktioniert „Creepypasta“ und so funktioniert Zalgo. Zalgo? „Zalgo“ ist ein Wort ohne nähere Bedeutung, das seit 2004 belegt ist. Zalgo ist der Name einer körperlosen Entität, die in jeder Wand wohnt und darauf wartet, zu leben; deren baldige Ankunft sich manifestiert in andauernden Geräuschen, blutenden Augen, zerfließendem Text bis hin zu völliger Unkenntlichmachung der Wirklichkeit, mithin das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Zalgo is͔̦̟̳͔̹̓̋͗ͯͭ͡tͥͩ ̂̕Ķ̼͙͔̭̙̙̆ͭ̈̃ͫ͂ọ̙̼̱̿̽ͫ̍r̮͇̰͇͙͉͌͢r̝̠̽̓ͬͬ̂̂uͥ͑p̉ͯ͏̸̛̪̻̯͙̦̙͙t̷̬͉͎̰̟̙͕̩ͪ͗̅ͭ̐̇̓ͮi̶̢̗̪͉͛̓ͫͅo̴̰̺̤̲̥̪͆̉ͣ̈̌n̂̆҉̸͖̲͙̼͡.̡̼͉̬͚̎̾͒̉͛ ̇̂̉ͨ͒҉͚̲̲̯̱͖͝Z̧̡̡̥͈̻͕̞̤̺͔̼͂ͭ̽ͩͫ̔͘͢a̷͉͓̲͉̻̦̖̦̟̠̼͉̬̟̪͎͑ͪ̈̄̌̀͠͡l̶̛̞̯̯̞͉̘̦̲͊̾̒ͯ͒̾͆ͬ̆͐̆ͭ̿͗̀g̷̢̯̻͔̘̯̬̰̽̽ͭ͗̔̾̿ͨo̡̗͚͖͔ͨ͗̑ͩ̈́̀ͫͪ̂ͮ͂̽ͯͨ́̚̚̕͞ ͎̪͍͓͈̳͖̩̤͉̻͖̤͉͖̪͙͓̓̌̿̅̒͗̏̽̌̍̋̐̀̋̍̔͑̈ͦ̕͢͠i̒͆̏ͮ̔̃͊͛ͩ͐͌ͭ̀̃ͣ҉̷̢̨̣̖̝͚̹̹͕̜̪̩̱̻͍̙̻̗̙̹͠ͅs̈͌̃̅ͥ͒̒̚҉̩̟̩͎̭̙͖̳̝̮͘͟͜t̶̶̙̱̞̫̟̼̖͈͑͗̃ͩ͆ͫ͋ͭ̍͟͞ͅ ̬̤͔̣̝̮͉̗̮̲͖̝̝̺̯͋̈ͦ̽̽͐͐ͦ̍̆͘͜͢͝C̶̸̡̘̰̘̯͈̘̭͔̘̈́̃̀̑͑ͦͨ̕h͚̯͎͕̻͍̻̙̫̲̙̬̪̰̪̓ͩͯ̇ͥ̓̌́a̒͊̿ͣͯ͗͗̔̔̈͂̊͟҉҉͎̳̪̹̮̦̰̰̤͇̗̠̩̖̙͉͙̕͠ȏ̏̍̀̆́͑ͯ͑҉̶̡͚̙̺̘̙ͅş̵̴̯̼͎̞̩͉͚̳̯̪͈̤͍̹̫̖̯̃̏̓̒ͭ̈́ͩͧ.̸̢̛͙̹̬̼̦̬̠̫̤͉̦͙͕͔̘̉̈́̔͛̍̉͑̑͗͛̓ͦͯ͡

Zalgo

Verzeihung, ich schweife gelegentlich ab. Nun, so weit, so gut.

Worauf ich eigentlich – außer, dass es deutlich zu viele Meme gibt – hinauswollte? Das habe ich, ehrlich gesagt, vergessen. Ich improvisiere: Auf – wieder mal – Twitter werden zurzeit gern neue Meme kreiert, so genannte „Filmmeme“. Unter Hashtags wie #FDPFilme, #wurstfilme und #Waffelfilme werden Filmnamen entstellt, etwa „Waffeln im Sturm“. Das sei zum Abbrechen lustig, heißt es, und bleibt nicht bei einigen wenigen Ausnahmen, sondern schafft es in jeder Reinkarnation in die trending topics. In anderen Worten: Binnen weniger Minuten ist auch eine gut sortierte Twitterliste voller total lustiger Einwortwitze. Aber ihr irrt: Das ist nur zum Brechen. Hört auf damit.

Und, ihr Medien, schreibt endlich mit: Auch, wenn man als Netzbürger Meme kennt und die bestehende Regierung nicht mag, ist man noch lange kein typischer Verbreiter von grauenvoll schlechten Memen.

Und Ponys sind auch scheiße.

NerdkramsNetzfundstücke
Das Imperium trollt zurück

(Vorbemerkung 1: Es folgt mal wieder ein vollkommen unlustiger Text über irgendwas mit Computern.
Vorbemerkung 2: Ich bin seit Jahren Android-Nutzer, der Kauf eines Konkurrenzproduktes ist vorerst nicht geplant.)

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Nerdkrams
Android 4.2, Tasker und das Problem mit dem Flugmodus

Ich verwende seit einiger Zeit die ziemlich gute app Tasker, um Aufgaben zu planen und damit etwa von kurz nach 1 bis 9 Uhr den Flugmodus zu aktivieren, um ein wenig Strom zu sparen. Das hat lange (von, wenn ich mich recht entsinne, Android 2.3 bis 4.1.x) ziemlich gut funktioniert.

Mit Android 4.2 führten die Entwickler eine neue Beschränkung ein und verbieten es Anwendungen wie Tasker und seiner bekannten Konkurrenz-app Locale nun, direkt auf den Flugmodus zuzugreifen. Eine entsprechende Änderung wurde in Tasker 1.3.3u2 eingebaut:

Android 4.2+: made Airplane Mode, Airplane Radios, Stay On, Wifi Sleep unavailable (Google restriction)

Bestehende Aufgaben behält Tasker zwar bei, informiert den Benutzer jedoch darüber, dass Anweisungen wie „mach um 2 Uhr den Flugmodus an“ fortan schlicht ignoriert würden.

Das Popup, in dem diese Information zu finden ist, wird unmittelbar von Tasker angezeigt und weist obendrein auf die Lösung hin: Man möge doch bitte ein gerootetes Gerät verwenden (das sollte heutzutage ja beinahe der Normalfall sein; Fragen hierzu nehme ich im Kommentarbereich entgegen) und sich das Secure-Settings-Plugin herunterladen.

Tasker besitzt bekanntlich ein umfangreiches Plugin-System, in das sich beliebige Anwendungen einklinken können; so ist es zum Beispiel möglich, auch Anweisungen von anderen apps als Aufgabe zu planen. Eine solche app ist Secure Settings (die kostenlose Version genügt hier vollkommen), das Tasker und Locale laut Beschreibung um Funktionen wie „Bluetooth an/aus“, „Schriftgröße ändern“ und eben eine Feinjustierung des Flugmodus‘ erweitert.

Das klang gut. Also habe ich besagte app installiert, in meiner „Nachtmodus“-Aufgabe die Aktion „Plugin – Secure Settings“ hinzugefügt, drückte dort auf „Bearbeiten“ und fand – nichts. Schriftgröße, Kameraaktionen, SIP-Anrufe, nur kein Flugmodus vorhanden. Das frustrierte mich so sehr, dass ich meine naturgegebene Faulheit überwand und nach einer Lösung für das Problem suchte. Diese fand ich schließlich im XDA-Developers-Forum. Der entscheidende Satz lautet:

Launch Secure Settings, go over to the Helper tab and install the helper.

Hier war das Popup seitens Taskers ein wenig missverständlich – ich hatte somit schlicht nicht daran gedacht, mich vor dem Anlegen der Aufgabe mit der app selbst zu beschäftigen.

In Secure Settings selbst also befindet sich ein Tab namens „Helper“, wo es – root-Rechte vorausgesetzt – genügt, den „Helper“ zu installieren:

Nun ist es möglich, in Tasker über Aktion – Plugin – Secure Settings über die nun hinzugekommenen Einträge entweder den Flugmodus zu aktivieren/deaktivieren („Airplane Mode“) oder zu entscheiden, welche Verbindungen in den Flugmodus gesetzt werden sollen („Airplane Mode Radios“). Ich habe mich für erstere Lösung entschieden:

Sollte noch jemand ein ähnliches Problem haben, kann es gut sein, dass Secure Settings es löst. Die Gründe für die neuerlichen Restriktionen seitens der Android-Entwickler sind mir übrigens unbekannt und regen mich ein bisschen auf.

NerdkramsNetzfundstücke
PDF und ODT per Userscript und Google Docs direkt im Browser betrachten

(Vorbemerkung: Aus Datenschutzgründen ist es ratsam, folgenden Trick nur anzuwenden, wenn man weiß, wie man eine unter Umständen unerwünschte „Profilierung“ durch Google verhindert.)

Ich bitte die etwas sperrige Überschrift zu entschuldigen, ich bin momentan etwas abgelenkt. Ich stieß jedoch während meiner Touren durch das Internet unlängst auf ein interessantes Userscript.

(Ein kurzer Exkurs: Userscripts sind im Wesentlichen im Browser ablaufende Javascripts. Nutzer von Opera können diese von Haus aus nutzen, Firefox-Nutzer können Greasemonkey einsetzen. Für Chrome/Chromium gibt es Tampermonkey [Vorsicht: Verweis führt auf den Google-Webstore], und auch für den Internet Explorer habe ich schon Lösungen gesehen, etwa IE7Pro. Zumindest Greasemonkey bindet installierte Userscripts in das browsereigene Erweiterungssystem ein, so dass automatische Aktualisierungen und Aktivieren/Deaktivieren kein Problem darstellen. Paranoide Zeitgenossen wie ich können ein wenig beruhigt sein: Normalerweise verhindert der Browser, dass ein Userscript Unfug anstellt.)

Ein großes Ärgernis beim Browsen sind manche Plugins, etwa solche zur Anzeige von Dokumenten wie PDF- und OpenDocument-Dateien. Oft sind diese instabil und/oder langsam und trüben so die Freude am Lesen im Browser ein wenig. Alternativ kann man die Dokumente meist auch herunterladen und im jeweils gewählten Betrachter öffnen, aber das wäre ein störender Zwischenschritt, da man dafür das Browsen unterbrechen müsste.

Auf Userscripts.org – eine Website, auf der Besucher selbst geschriebene Userscripts einsenden können, auch von mir sind einige darunter – fand ich nun eine ziemlich elegante Lösung in Form des Docs Online Viewers. Dieser blendet nach der Installation (normalerweise: einfach auf „Install“ klicken) neben Links zu unterstützten Dateien ein zusätzliches Symbol ein. Klickt man auf dieses Symbol, so wird die verlinkte Datei in einem neuen Tab in Google Docs statt im Standard-Anzeigeplugin geöffnet, Adobe-Reader- und ähnliche Plugins kann man also getrost entsorgen:

Zu den unterstützten Formaten zählen ODT, DOCX, PDF, ZIP, RAR und sogar das gute, alte WPD. Ich finde das prima. Man sollte allerdings tunlichst davon absehen, vertrauliche und berufliche Dokumente auf diesem Wege zu öffnen. Andererseits: Wer vertrauliche und berufliche Dokumente auf einer Website verlinkt, hat es wahrscheinlich nicht besser verdient.