Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Hier geht’s um Software – je nerdiger, desto besser.

In den NachrichtenNerdkrams
PRISM? Digitale Mündigkeit!

Ich werde gelegentlich gefragt, warum ich als Alternative zu dem nicht erst wegen PRISM und TEMPORA höchst bedenklichen Onlinedienst Google Mail grundsätzlich empfehle, einen eigenen Mailserver aufzusetzen. Sei das nicht übertrieben, wenn man es mit einem Durchschnittsnutzer zu tun hat, der nur mal eben seinen Mailverkehr abwickeln will?

Tja: Nein.

Dabei ist das eigentliche Problem nicht einmal, dass es schwierig ist, einen „fertigen“ Mailanbieter zu finden, der garantiert keine Hintertürchen für NSA oder BND offen hält und den Inhalt von Mails nicht an Werbepartner verscherbelt. (Ob es einen solchen überhaupt gibt, bleibt festzustellen.) Das Problem ist das mit der digitalen Mündigkeit.

Menschen möchten grundsätzlich die Kontrolle darüber, was sie wem preisgeben, behalten. Sie möchten wissen, wer ihr Leben wie und warum mitbestimmt. Da kann es kulturelle Unterschiede geben, aber ich habe die Hoffnung, dass es zum Beispiel ein politisch radikaler Monarch dieser Tage schwer haben dürfte, in Deutschland eine Alleinherrschaft zu errichten. Die Menschen würden Fragen stellen, auch, weil es schon mehr als genug Diktaturen auf deutschem Boden gab. Demokratie (parlamentarisch) haben die meisten Deutschen gelernt, sie haben das Recht auf Mitbestimmung zumindest prinzipiell verstanden. Anders verhielte es sich wahrscheinlich, wenn sie nie von dem Konzept einer Demokratie gehört hätten. Viele Bürger, die in einer Diktatur leben, kennen alternative Staatsentwürfe vielleicht nicht einmal und halten eine Diktatur daher für eine gute Lösung. (Andere halten sie auch in Kenntnis demokratischer Prinzipien für eine solche. Das hat dann andere Gründe.)

So ähnlich verhält es sich nach meinem Dafürhalten mit der digitalen Mündigkeit. In einer Zeit, in der der gemeine Nutzer über all der Bequemlichkeit des Internets zusehends an Rechten und Privatsphäre verliert, ist es insbesondere wichtig, dass er das Konzept versteht. Google Mail kann nützlich und irre bequem sein, das stelle ich nicht in Abrede. Für den „DAU“, den „dümmsten anzunehmenden User“, sei alles Andere vollkommen irrelevant, höre ich oft. Aber warum sollte ein solcher „DAU“ immer einer bleiben? Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass mehr Menschen sich für die Probleme von Drittanbieterdiensten interessieren würden, wüssten sie um deren Schwächen.

Das Versenden und Empfangen von E-Mails über von Dritten kontrollierte Server ist ungefähr wie das Versenden einer Postkarte. Es ist wünschenswert, dass der Postbote (der Mailserver) nur die Adresse liest und weitergibt, aber wirklich wissen können es weder Absender noch Empfänger. Konsequent schreibt auch hoffentlich niemand Vertrauliches auf eine Postkarte. Das beliebte Gegenargument, man schreibe in Mails sowieso nie etwas, was niemand wissen dürfe, wird an dieser Stelle meist von denen angebracht, die Gardinen vor ihr Fenster hängen und beim Toilettengang die Tür hinter sich schließen. Warum tun sie das?

Eine mögliche Lösung zur Wahrung des Datenschutzes auch gegenüber Geheimdiensten ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung etwa per GnuPG. Hierbei wird ausschließlich verschlüsselter Text über die fremden Mailserver geschickt, den nur der (überprüfbare) Absender und der jeweilige Empfänger lesen können. Diese Art der Sicherheit nimmt jedoch (je nach verwendetem Mailprogramm) ein wenig Komfort aus der Kommunikation, zudem ist sie bei vielen Webmailanbietern nicht einmal möglich. Die von mir vorgeschlagene Alternative ist, wie erwähnt, die Installation eines eigenen Mailservers. Ein solcher Server ist günstig zu bekommen (ein leistungsschwacher vServer genügt, bei Internetflatrate kann oft auch bereits der heimische Router oder ein ausrangierter Altrechner ohne Mehrpreis als Mailserver eingerichtet werden) und ermöglicht die volle Kontrolle darüber, was mit dem Postein- und -ausgang passiert.

Dass dafür mindestens rudimentäre Systemkenntnisse von Vorteil sind, ist neben dem Einrichtungs- und Wartungsaufwand (gelegentliche Sicherheitsaktualisierungen werden natürlich empfohlen) der einzige nennenswerte Nachteil dieser Lösung. Tatsächlich gibt es im Internet viele mal umfangreiche, mal eher rudimentäre Anleitungen für Mailservernovizen aller Betriebssysteme, auch Windowsnutzer können sich mit wenigen Klicks einen funktionierenden Mailserver ins Wohnzimmer stellen.

E-Mail ist auch nur ein Beispiel für die Problematik. Habt ihr mal darüber nachgedacht, ob der Facebook-Chat wirklich ein Gespräch unter vier Augen ist? Wisst ihr so genau, was technisch passiert, wenn ihr eurer Flamme per WhatsApp ein peinliches Bild von euch sendet? Würde es euch unberührt lassen, wenn eure Skype-Telefonate über eine dumme Sicherheitslücke offen im Internet landen? Das mag alles im Vergleich mit selbst kontrollierten Lösungen (zum Beispiel Diaspora, Jabber und Mumble) so unglaublich praktisch sein, aber ist es das wert?

Es mag bequem sein, mit bunten Knöpfen und „machste an und läuft“ an der Hand durch das Internet geführt zu werden. Aber würdet ihr einen Fremden auf der Straße bitten, kurz auf eure Geldbörse aufzupassen, nur weil er unverdächtig lächelt?

Ihr werdet vom Staat (von welchem auch immer) nur deshalb bei allem, was ihr tut, beobachtet und präventiv belauscht, weil es euch nicht schert. Niemand kann euch dazu zwingen, den nötigen Aufwand zu treiben, um Herr über euer digitales Dasein zu bleiben. Ihr solltet nur wissen, dass ihr dazu jederzeit die Chance habt.

Nutzt sie. Habt Mut, euch eures eigenen Verstandes zu bedienen.

Ihr habt nur die Freiheit, die ihr euch nehmt. Das solltet ihr niemals vergessen.

Nerdkrams
„Ja oder Ja?“

Wer glaubt, allzu schräge Programmtexte seien stets die Schuld eines Übersetzers, der könnte zum Beispiel die Android-app STweaks als Gegenbeispiel nehmen:

STweaks

„Es wird festgelegt, wie man mit I/O-Anfragen umgeht und wie man mit ihnen umgeht.“

Beides! Praktisch!

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CLXIX: Eine Frist für die Frist!

Google gefällt das:

Seit Monaten drohen europäische Datenschützer mit Sanktionen – doch bisher hat Google nichts an der Sammlung seiner Nutzerdaten verändert. Nun gibt es erneut eine Frist, das Super-Profil an europäisches Recht anzupassen.

„Und wenn’s wieder nicht klappt, dann eben mit der nächsten.“
— Hausmarke: Mädchen No. 1

In den NachrichtenNerdkrams
„Und plötzlich merkt ihr, dass man sich an einem Messer ja verletzen kann.“

Vielleicht hätte man es ja wissen können. Schon 2011 erkannten auch eher langsame Medien wie SPIEGEL ONLINE, dass Richard Stallman Recht hat, wenn er schreibt, dass die cloud vor allem Enteignung bedeutet.

Wer seine Daten, wie öffentlich und belanglos sie auch sein mögen, auf einen fremden Server hochlädt, der gibt damit die Herrschaft über diese Daten ab. Wie kann ein Nutzer der cloud prüfen, was der Serverbetreiber mit den Daten anstellt? Aber es ist doch so praktisch, sein digitales Leben auf Google und Facebook – nicht nur bei fremden Anbietern, sondern auch in einem fremden Land – zu verteilen, man hat ja nichts zu verbergen.

Und trotzdem muss erst PRISM, ein Überwachungsszenario, das von Geheimdiensten schon seit Jahren – von der Öffentlichkeit nicht weiter zur Kenntnis genommen und für Hirngespinste von Aluhüten, also Datenschützern, gehalten – auch im Inland praktiziert wird, daherkommen, bis deutsche Blogger aus allen Wolken (eben aus der cloud) fallen:

Lange war sich die Netzwirtschaft einig: Daten und Rechenprozesse sind in der Cloud am besten aufgehoben. Doch im Lichte der US-Internetüberwachung erscheint das Konzept plötzlich wie eine ziemlich dumme Idee.

Was die Wirtschaft sagt, wird schon stimmen. Natürlich kann man es auch überleben, wenn man russisches Roulette spielt. Dass erst jemand auf die eine Kugel im Lauf hinweisen muss, bevor die Mitspieler merken, dass da irgendetwas gefährlich sein könnte, ist allerdings ein bisschen bedenklich. Wie unfassbar naiv seid ihr eigentlich, ihr Martin Weigerts und ihr Netzwirtschaftler dieses Landes, dass ihr glaubt, der lächelnde Mann im Anzug mit dem Geldkoffer, dem ihr zufällig an der Bushaltestelle begegnet, sei vertrauenswürdig genug, dass ihr ihm eure Passwörter und euer Leben anvertrauen könnt, falls ihr beides mal verloren haben solltet?

Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären paranoid gewesen.

Nerdkrams
Todo.txt und Orgmode: Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht?

Zu den Dingen, die den durchschnittlichen Benutzer mehrerer Computer (etwa Laptop und Smartphone und Spiel-PC) trotz (oder wegen) all des Webzweinullquatsches immer noch zu überfordern scheinen, gehört es offenbar, eine Liste zu erledigender Dinge anzufertigen, die auf allen benutzten Systemen gleichermaßen zur Verfügung steht. Wie sonst ist es zu erklären, dass immer wieder neue Varianten des Konzepts „Liste von Dingen mit Datumsangabe“ als neues kommendes Ding angepriesen werden?

All die Wunderlists, Toodledos und Astrids haben jedenfalls eines gemeinsam: Sie machen es zu kompliziert.

Früher, bevor der Computer Dinge verkomplizierte, bestanden solche Listen noch aus reinem Text, wichtige deadlines wurden gelegentlich auch in papiernen Kalendern notiert. Besondere Speicherformate waren nicht notwendig, auch keine Dechiffriermethoden: Benötigt wurden lediglich Lese- und Schreibkenntnisse.

Im Jahr 2003 entstand mit dem orgmode ein erstaunlich später Versuch, dieses einfache Konzept in digitaler Form nachzubilden. Die entstehenden Dateien enthalten Prioritäten, Datumsangaben und auch sonst allerlei Informationen, die man für ein todo benötigen könnte. Der essenzielle Vorteil gegenüber oben genannten Alternativen: Die .org-Dateien sind reine Textdateien ohne besondere Formatanweisungen – sie lassen sich in jedem Texteditor fehlerlos und einfach bearbeiten. Mit MobileOrg gibt es auch eine Android-app inklusive einer Möglichkeit, die .org-Dateien per Internet freizugeben, was für uns Mehrgerätenutzer ein deutliches Plus ist. (Ob diese app ein widget zur schnellen Übersicht noch zu erledigender Aufgaben besitzt, weiß ich leider nicht.)

Doof am orgmode ist es, dass man mehr oder weniger an Emacs gebunden ist. Einige weitere Texteditoren neben Emacs, der die Referenzimplementierung des orgmodes bis heute beherbergt, haben inzwischen auch Syntaxhighlighting und weitere Unterstützung für das orgmode-Format als Plugin erhalten; stets aktuell ist jedoch nur die Originalversion, Inkompatibilitäten nicht ausgeschlossen. Außerdem hat die Aufteilung in mehrere Dateien zwar strukturelle Vorteile, aber den Nachteil, dass es komplizierter wird, alle Aufgaben im Blick zu behalten.

Die von mir zurzeit bevorzugte Alternative ist Todo.txt. Dieses Format folgt ähnlichen Zielsetzungen wie der orgmode, ist jedoch frei von den erwähnten Nachteilen: Zum Einen gibt es keinen Standardeditor für das Format (es ist nicht einmal ein offizielles Plugin vorhanden), zum Anderen beschränkt sich das Format auf eine einzige Datei (eben die Datei Todo.txt), was nicht nur die Übersicht, sondern auch das Synchronisieren erleichtert. (Offiziell wird zurzeit nur Dropbox unterstützt, natürlich funktioniert aber auch jeder andere ähnliche cloud-Dienst.) Dafür ist es möglich, für jeden Eintrag eine Priorität, Anfangs- und Enddatum, einen „Kontext“ und ein „Projekt“ festzulegen. Es gilt: Jede Aufgabe entspricht einer Zeile.

Ein Beispiel:

Diese Zeile besagt: Die höchstpriorisierte („(A)“) Aufgabe – Teil des Projekts „nichtblog“ im Kontext „online“ – wurde am 4. Juni 2013 geplant. Hierbei sind fast alle Angaben optional – valide wäre also auch einfach:

Eine ausführliche Formatbeschreibung (englischsprachig) ist im Projektwiki zu finden.

Es gibt diverse Desktopeditoren für Todo.txt, unter anderem für Windows und Linux. Einige von ihnen sind auf der Projektwebsite verlinkt. Ich meinerseits benutze in der Regel den von mir bereits 2011 gepriesenen Editor Sublime Text für diese Aufgabe – immerhin handelt es sich bekanntlich um „normale“ Textdateien. Um mir das trotzdem ein bisschen zu vereinfachen, entwickle ich gelegentlich ein Syntax-Highlighting-Plugin für Sublime Text, das Farbkodierungen für die einzelnen Elemente hinzufügt.

Außer dem recht mächtigen Kommandozeilenskript „Todo.txt CLI“ gibt es von der Entwicklerin auch eine mobile app für iOS und Android, die ein Dropboxkonto zwar zwingend voraussetzt, aber alles Nötige mitbringt. Auch ein widget ist verfügbar:

Todo.txt-Widget (Screenshot von Gina Trapani, lizenziert unter by-nc-sa)

Natürlich ist das alles weniger cool als die umfangreich gestaltete Hype-app der Wahl zu benutzen. Andersherum betrachtet aber: Todo.txt und .org-Dateien werden noch verfüg- und benutzbar sein, wenn die kleinen Unternehmen, die für die Alternativen verantwortlich sind, längst nicht mehr existieren.

Man kann es auch übertreiben mit dem vermeintlichen Komfort.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Kurz verlinkt CLIX: Das BKA und der Markenrechtstrojaner

Nachdem vor einigen Jahren ein erster „Bundestrojaner“, also ein mit illegalen Methoden arbeitendes Werkzeug zur mehr oder weniger unbemerkten Onlineüberwachung vermeintlicher Straftäter, eher weniger regelkonform war, hat das Bundesinnenministerium nun nachgebessert:

Das Bundesinnenministerium hat zehn Lizenzen des FinSpy-Trojaners für die „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ (Quellen-TKÜ) erworben. (…) Das BKA will den eingekauften Trojaner übergangsweise einsetzen, bis die Behörde eine Überwachungssoftware in Eigenregie entwickelt hat.

Dass auch bei diesem neuen Trojaner nicht alles regelkonform abläuft, steht außer Frage. Der Konzern hinter „FinSpy“ beziehungsweise „FinFisher“, Gamma International, sieht sich bereits mit der ersten Klage konfrontiert; nicht jedoch wegen der Entwicklung illegal verwendbarer Anwendungssoftware, sondern aus markenrechtlichen Gründen:

Mozilla hat die Firma Gamma International abgemahnt, welche die Überwachungs-Software FinFisher, auch bekannt als Staats-Trojaner, herstellt. Der Grund: Diese Software gibt sich als Firefox aus und begeht damit einen Missbrauch der Mozilla-Marke.

Dabei ist zur Erklärung erwähnenswert, dass der Trojaner nicht so tut, als sei er ein Browser:

Gammas Software ist komplett eigenständig und benutzt lediglich Mozillas Markenzeichen um sich als Firefox und damit als vertrauenswürdiges Programm zu tarnen. Der Spionage-Trojaner gibt sich als Firefox.exe aus und beinhaltet die dazugehörigen Hersteller-Informationen wie die Versionsnummer von Firefox und Copyright-Hinweise von Mozilla. In den Quellcode wurde außerdem das “Assembly Manifest” von Firefox wortwörtlich eingebunden.

Die Zuständigen bei Gamma International können allerdings froh sein, dass sie ihr Produkt nicht davidbowie.exe genannt haben. Der GEMA traue ich inzwischen alles zu.

NerdkramsNetzfundstücke
„Einmal Ubuntu – immer Ubuntu?“ oder: PEBKAC! (2)

Im Dezember 2011 schrieb ich bereits über das gefährliche Selbstverständnis von Linuxnutzern, die aus mir bis heute unklaren Gründen der Meinung sind, der eigenen Blödheit („oh, ein Link, gleich mal draufklicken“) begegne man nicht etwa, indem man Grundwissen über Sicherheitskonzepte lernt, sondern, indem man einfach das Betriebssystem wechselt. Linux passt schon auf, dass ich keinen Unsinn mache.

Tja.

Am Montag veröffentlichte SPIEGEL-ONLINE-Autor Frank Patalong das Ergebnis seines Selbsttests nach einem Jahr Ubuntu. Man muss nicht allzu viel über Betriebssysteme wissen, um darüber informiert zu sein, dass die Firma Canonical, die hinter Ubuntu steht, ihr Bestmögliches tut, um die Ähnlichkeiten zu anderen linuxbasierten Systemen möglichst gering zu halten. „Ubuntu = Linux“ ist also keine allzu gute Gleichung, auf der man einen solchen Artikel aufbauen sollte.

Und der Artikel ist entsprechend grauenvoll geworden.

Schon der Einleitungssatz lässt den Fachmann schief grinsen: Von „Nie wieder Viren“ ist dort die Rede. Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht dieser heise-security-Artikel von 2012, der über einen Trojanerbaukasten berichtet, der auch Linux abdecken können soll, und auch The Register warnte 2012 vor Linux-Rootkits. Wer trotz Kenntnisnahme hiervon weiterhin die Lüge verbreitet, Linux sei virenfrei und sicher, der ist ein gefährlicher Mensch, der im Zweifelsfall mittels seiner bewussten Lügen großen Schaden anrichten kann. Ich empfehle solche Menschen zu meiden.

Noch mal für Doofe (zum Beispiel Frank Patalong) zum Mitschreiben: Kein Betriebssystem ist sicher. Haben wir’s? Gut.

Weiter im Text. Warum überhaupt Linux? Nun:

Als Anfang Januar 2012 ein Trojaner meinen eigentlich gut geschützten Windows-Rechner in Sekunden unbrauchbar machte, stand ich mit dem Rücken zur Wand (…). Mein Umstieg auf Linux war also mehr als nur die Konsequenz des Virenfrusts – er war eine Notmaßnahme.

Habt ihr aufgepasst, liebe Leser? Erkennt ihr die Pointe? Gut. Weiter:

Wenn Linux läuft, dann gut. Die meisten Nutzer, die vor allem schreiben, das Internet nutzen, ein wenig Fotobearbeitung treiben und Medieninhalte abspielen, bleiben bei Linux, wenn sie sich einmal darauf eingelassen haben (…).

Das ist bei Windows, PC-BSD, Mac OS X und, meinetwegen, eComStation jetzt auch nicht unbedingt anders, aber vielleicht fehlten einfach noch ein paar Silben für die nächste Honorarstufe.

Viel umlernen muss man auch nicht, wenn man zu Ubuntu oder zum eng verwandten Mint wechselt. Die Office-Programme sind von denen in der Windows-Welt kaum zu unterscheiden, die Internetbrowser sind identisch, Grafik- und Mediensoftware funktioniert sehr ähnlich.

Wenn man von Windows zu Ubuntu (nicht Lubuntu, Xubuntu, …) wechselt, sitzt man zunächst mal ratlos und/oder (in meinem Fall) angewidert vor der grauenhaften Unity-Oberfläche:

Unity 5.12 (Quelle: Wikipedia)

Da muss man nicht viel umlernen, nur eben beinahe alles. Aber Feinheiten fallen nicht weiter ins Gewicht.

Dass LibreOffice und SoftMaker Office und Firefox und The GIMP unter Linux aussehen wie unter Windows, ist keine große Überraschung. Wer unter Windows allerdings Microsoft Office, Photoshop und den Internet Explorer – in den aktuellen Versionen ist er durchaus akzeptabel – einsetzt, der wird ein Problem haben. Kleinkram, nicht wahr?

Es folgt ein kurzer Absatz über Dinge, die unter Linux nerven, aber eigentlich überhaupt nicht nerven, ist ja alles nicht so schlimm; religiöse Beschwichtigungsformeln eben. Danach wird es aber wieder interessant:

Meist stellen Nutzer auch keine Lücken im Softwareangebot fest (fast 40.000 kostenfreie Programme).

Unter Windows gibt es vermutlich deutlich mehr kostenfreie Programme. Ist das ein Argument? Wahrscheinlich nicht. Aber wo kommt die Zahl her? Tja, steht da nicht. Ich unterstelle, sie ist frei erfunden. Nicht belegte Zahlen lassen stets Raum für Skepsis. (Überhaupt: Kostenlos. SoftMaker Office zum Beispiel kostet Geld, ist LibreOffice trotzdem in mancher Hinsicht klar überlegen. Qualität hat manchmal ihren Preis. Aber auch die Kostenloskultur scheint einen großen Reiz auf Linuxnutzer auszuüben, da stellt man die Qualität gern hinten an – was einiges erklärt.)

Ein positives Erlebnis ist der Performance-Zuwachs. Mit Ubuntu startet mein Arbeitslaptop rund viermal schneller als unter Windows, auf meinem Netbook fällt der Unterschied noch größer aus.

Hier hat Herr Patalong geschummelt: Ohne die Versions- oder Hardwareangaben kann diesen Test niemand widerlegen. Dass Windows 8 im Regelfall deutlich schneller startet als etwa Windows Vista (und nach meinen Erfahrungen auch Ubuntu 12.04), ist zumindest messbar.

Meine Arbeitsrechner sind über eine verschlüsselte Ubuntu-Cloud-Applikation ständig synchronisiert, Manuskripte wird mir kein Virus mehr ins digitale Nirvana befördern können.

Die Ubuntu-Cloud ist also verschlüsselt, und niemand, auch kein Geheimdienst, wird jemals darauf zugreifen können. Blinder Technikglaube hat schon manchem Menschen das Leben schwer gemacht. Eine Cloud-Applikation dient im Zweifel allein der Entmündigung ihrer Benutzer, die die Kontrolle über ihre eigenen Daten an ein kommerziell orientiertes Unternehmen abtreten. Freiwillig. Diesen Satz möge man bitte so oft lesen, bis man das flaue Gefühl der Erkenntnis verspürt. Bei einer solchen Kurzsichtigkeit ist es beinahe schon egal, dass Herr Patalong die Lüge von den fehlenden Viren nochmals wiederholt.

Vor diesem Hintergrund bekommt ein abschließender Satz eine ganz andere Sinnebene:

Das macht es zum idealen Betriebssystem für Leute, die sich als reine Nutzer verstehen, die sich mit Fragen der Software und Sicherheit nicht befassen wollen oder können.

Wer nämlich wirklich an Sicherheit interessiert ist und sich ein wenig damit beschäftigt, der wird schnell lernen, dass ein Umstieg von Windows auf Linux nur einige Symptome bekämpft, die Ursache – Leichtgläubigkeit im Umgang mit dem System – jedoch noch verschlimmert. Ansonsten schafft man es immer noch zum SPIEGEL-ONLINE-Redakteur. Auch eine Art „Karriere“.

Didi, überzeugter, zum Glück aber wenig überzeugender Linuxprediger, schrieb, Windows und seine Nutzer seien ein Problem. Ich halte dagegen: Das Problem sitzt immer vor’m Bildschirm. PEBKAC.

Aber wer gibt schon gern zu, dass er selbst das Problem ist?

In den NachrichtenNerdkrams
Apropos Monokulturen

Die Entwickler des Zwergenbrowsers Opera hatten vor einer Weile angekündigt, die eigene Browserengine Presto durch WebKit zu ersetzen. WebKit, eine Abspaltung des aus KDE stammenden KHTML, das als Grundlage für Konqueror diente, ist zwar auch alles andere als fehlerfrei, jedoch aufgrund der Verwendung in Safari sowie Chromium (und Google Chrome) recht verbreitet. Obendrein könne man sich, so Opera, mit dem Wechsel auf die Entwicklung des Browsers selbst konzentrieren und müsse nicht mehr so viel Energie in die Unterstützung immer neuer Webstandards stecken. (Dass man die kurzerhand entlassenen Mitarbeiter eigens für die Entwicklung der Engine eingestellt hatte, sei hier mal nicht weiter verfolgt, ist halt die Krise und so.)

Ein Rückblick: In den 1990er Jahren tobte der so genannte Browserkrieg. Das im Websegment noch vergleichsweise neue Unternehmen Microsoft hatte mit der Integration eines Webbrowsers in sein Betriebssystem Windows das Quasimonopol von Netscape, dessen Browser „Navigator“ beziehungsweise Internetsuite „Communicator“ allgegenwärtig schien, angegriffen. Netscape fand das natürlich weniger gut. Ein Ergebnis der folgenden Rechtsstreitigkeiten war es, dass Microsoft in Europa alternativ browserfreie Versionen seines Betriebssystems anbieten musste. (Und gegen die Bündelung von Chrome mit Chrome OS, gegen die Bündelung von Safari mit Apple-Systemen sagt natürlich keiner was. Google und Apple sind eben „die Guten“.) Netscape versank trotzdem in der Bedeutungslosigkeit und stellte seinen Code unter eine freie Lizenz. Nach einigen Umstrukturierungen sind daraus inzwischen SeaMonkey und Mozilla Firefox erwachsen. Die dominanten Engines waren lange Zeit Gecko (Mozilla/SeaMonkey), Trident (Microsoft) und WebKit (Google/Apple).

Nun hat Google beschlossen, sich aus der Teamarbeit mit Apple zurückzuziehen und seine eigene Engine zu entwickeln. Mit Blackjack und Nutten. Das neue Produkt soll „Blink“ heißen (alle guten Namen waren wohl schon weg), und Opera kündigte an, dass sie sich anschließen würden. Auf den einen Wechsel kommt es nun tatsächlich auch nicht mehr an. Mozilla entwickelt derweil gemeinschaftlich mit Samsung unter dem Projektnamen Servo (ich möchte meine Anmerkung zum Thema „gute Namen“ – weiter oben zu finden – hier nochmals gedanklich eingefügt wissen) ebenfalls eine neue Engine, die künftig in Firefox eingesetzt werden (und somit Gecko wohl ersetzen) soll.

Mit diesen Änderungen wird der Status Quo aber nicht verbessert, sondern verschoben. Wo Webentwickler früher den Nischenbrowser Opera berücksichtigen mussten, der sich oft ganz anders verhielt, ist es künftig der Nischenbrowser Safari, der unter Mac OS X (und – modifiziert – iOS) nach wie vor den Standard darstellt. Der künftige Status von Gecko verbleibt derweil ungeklärt, was in diesem frühen Entwicklungsstadium noch nicht weiter erstaunt. Webentwickler stehen künftig vor einem ähnlichen Problem wie bislang, nur die Prioritäten verschieben sich zwischen den Browsern.

Es ist natürlich nicht verwerflich, wenn über Jahre gereifte Software gelegentlich neu aufgebaut wird, um Altlasten rückstandsfrei entsorgen zu können. Das ist bei Betriebssystemen nicht anders als bei Browserengines. Die Lobhudeleien gegenüber Opera, dass man nun endlich keine Rücksicht mehr nehmen müsse, erscheinen mir jedoch etwas verfrüht, gerade auch wegen der unklaren Zukunft von WebKit – von dem es obendrein eine unüberschaubare Anzahl an Versionen gibt, beinahe jedes Betriebssystem und jeder unterstützte Browser hat sein „eigenes“ WebKit – und Gecko. Auch weiterhin wird es wenige dominante Browser und viele kleine Wettbewerber mit einer unter Umständen zu berücksichtigenden Anzahl an Benutzern geben. Leichter wird das Leben jedenfalls nicht.

Den Benutzer muss es zumindest nicht scheren: Ein Browser sollte stets danach ausgewählt werden, ob er den persönlichen Ansprüchen genügt. Mit welcher Technik die Webseiten angezeigt werden, ist aus Benutzerperspektive zweitrangig, so lange die Anzahl an Darstellungsfehlern überschaubar bleibt. (Die Acid-Tests geben zwar bunte Bilder und große Zahlen aus, spiegeln jedoch nicht die Realität im Web wider.)

Damals, in den 1990er Jahren, war das alles irgendwie leichter.

NerdkramsProjekte
OpenDownload² und das mit den Downloadpfaden

Meine Firefox-Erweiterung OpenDownload² erfreut sich stetiger Beliebtheit. Die Benutzerbewertungen befinden sie überwiegend für essenziell, und es sei unbegreiflich, warum so eine Funktionalität nicht schon längst Teil von Firefox selbst sei. So weit der Eigenlob.

Eine Funktion, die viele Benutzer jedoch vermissten, war es, den Standard-Downloadpfad anzupassen. OpenDownload² speichert auszuführende Dateien üblicherweise in <temp>/mozOpenDownload, aber viele Benutzer würden gern ein anderes Verzeichnis wählen. Nun hat das einen großen Nachteil: OpenDownload² ist eine ziemlich reinliche Erweiterung. Dateien, die älter als einen Tag sind, werden bei jedem Klick auf „Ausführen“ automatisch entfernt. Was passiert, wenn man zum Beispiel den Desktop als Downloadordner festlegt, ist der Fantasie des Lesers überlassen.

Ich könnte diese Aufräumroutine optional machen, aber auch dann müsste der Benutzer diese Option verstehen und aktivieren – menschliches Versagen auch weiterhin nicht ausgeschlossen. Auch das „Sperren“ „wichtiger“ Verzeichnisse kommt eher nicht in Frage, da diese von System zu System variieren. Mit OpenDownload² 3.3.0 – veröffentlicht vor kurzem und bereits durch Version 3.3.1 abgelöst – bin ich einen Kompromiss eingegangen: Es ist nun nicht mehr nur möglich, sondern auch zielführend, unter about:config die Zeichenkette extensions.openDownload2.downloadPath anzulegen, die den gewünschten Downloadpfad angibt.

Warum so umständlich? Nun, about:config warnt den Benutzer beim ersten Aufruf, dass alles, was er hier ändert, nachhaltigen Schaden anrichten kann:

about-config

Ein Konfigurationsdialog ist schnell gedankenlos ausgefüllt. Wer aber diesen Umweg in Kauf nimmt, der sollte wissen, was er tut – davon gehe ich zumindest aus. „Falsche“ Pfade funktionieren zumindest nicht. Das Vorhandensein des Pfades wird von OpenDownload² überprüft.

Und wie entkommt man der Aufräumroutine? Tja, gar nicht. OpenDownload² ist kein Ersatz für einen Downloadmanager oder den normalen „Speichern“-Knopf von Firefox. Wer eine auszuführende Datei dauerhaft behalten möchte, der sollte sie auf der Festplatte speichern und manuell ausführen – das ist nur wenig mehr Aufwand. Alternativ berichtete ich im Dezember 2011 über DropIt, das Dateien stapelweise in vorgegebene Ordner verschieben kann. Als Linux- und BSD-Nutzer schreibt man sich für so etwas vermutlich eher ein Shellscript.

Zu beachten ist, dass das Verschieben natürlich erst nach dem Ausführen durchgeführt werden sollte, da OpenDownload² sonst die Datei nicht mehr finden kann und eventuell unschöne Fehlermeldungen ausgibt.

Weitere Anregungen sind willkommen.

NerdkramsNetzfundstücke
Verführerisch schlechtes Webdesign

Aus Versehen habe ich über diesen Beitrag zum zehnjährigen „Geburtstag“ von WordPress die Website von Monika Thon-Soun, nach eigenen Angaben „Fachfrau & Autorin“ in WordPress-Dingen mit „Beratung & Humor“, gefunden. In der Tat finde ich sie sehr lustig.

Bereits der initiale Aufruf mit aktiviertem NoScript (leider in der heutigen Zeit unverzichtbare Erweiterung zum Schutz vor nervtötenden Animationen und unfreundlichen Zeitgenossen) lässt mich schallend lachen: Frau Thon-Soun setzt auf Comic Sans. Comic Sans. Kann man als Webdesigner machen, muss man nicht. Sollte man vielleicht auch nicht.

Webdesign-in.de ohne JavaScript

Mit aktiviertem JavaScript wird die hässliche Comic Sans durch eine hässliche Schriftart aus dem Internet ersetzt. Dem aufmerksamen Betrachter entgeht wahrscheinlich nicht, dass die Vielzahl an Schriften nicht nur nicht sonderlich zur grafischen Ausgewogenheit beiträgt, sondern dass einige Schriftarten auch ziemlich kaputt aussehen. Aber ich habe keine Ahnung, ich bin ja keine Fachfrau.

Webdesign-in.de mit JavaScript

Bereits auf dieser Startseite erklärt Frau Thon-Soun, was sie unter „modernem Webdesign“ („WebDesign“, ebd.) versteht:

modernes WebDesign (…)

» ist nie perfekt und nie fertig – ausbaufähig
» bietet Textgestaltung – lesefreundlich

„Ausbaufähige Textgestaltung“. Hübsch zusammengefasst. Und sie selbst kommt diesen eigenen Forderungen wie nach? Nun, auch das erfährt der geneigte Besucher:

der WebDesigner in mir…

» Webstandards
» CSS3 und HTML5 genauso wie XHTML strict
(…)
» ihre Kunden verführen

Ein kurzes Lacherchen (ja, Humor hat’se) über das mit dem Verführen und dann zurück zur Sache.

Webstandards und CSS3 will Frau Thon-Soun also beherrschen. Das ist für den Besucher vielleicht nicht ganz so lustig, die Fehlerkonsole von Firefox bekommt aber schon fast keine Luft mehr vor Lachen. Da stehen dann so Zeilen wie:

Warnung: Deklaration erwartet, aber ‚*‘ gefunden. Übersprungen bis zur nächsten Deklaration
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 332

Der Code in besagter Zeile: .wp_page_numbers ul{display: inline-block; *display: inline; *zoom: 1;width:100%;}. Was immer das machen soll, direkt irgendwelche Standards erfüllt es nun nicht unbedingt. Das gleiche passiert Frau Thon-Soun noch an verschiedenen anderen Stellen.

Gut, einen Fehler verzeiht man schnell, auch, wenn er mehrmals gemacht wird. (Aus Fehlern zu lernen ist nicht verpflichtend, auch dann nicht, wenn man irgendwas mit Webdesign macht.) Firefox verzeiht aber weniger leicht als der Mensch. Diesen Fehler ebenfalls:

Warnung: Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border-radius‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 183

Frau Thon-Soun schreibt dort border-radius:none. Kann man machen, ist halt falsch. In eine ähnliche Kategorie fallen Fehler wie dieser:

Warnung: Farbe erwartet, aber ’noneimportant‘ gefunden. Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 551

Warnung: Farbe erwartet, aber ’noneimportant‘ gefunden. Fehler beim Verarbeiten des Wertes für ‚border‘. Deklaration ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 552

Zweifelsohne: noneimportant ist keine Farbangabe. Gemeint war vielleicht: border:none !important; – aber Frau Thon-Soun macht was mit diesem Webdesign, die macht solche Fehler nicht. Und schon gar nicht mehrfach.

Sie ist halt Profi. Wenn sie was versiebt, dann wenigstens richtig:

Warnung: Identifikator für Pseudoklasse oder Pseudoelement erwartet, aber ‚ ‚ gefunden. Regelsatz wegen ungültigem Selektor ignoriert.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 734

Warnung: Unerwartetes Dateiende beim Suchen nach Abschließende } eines ungültigen Regelsatzes.
Quelldatei: http://www.webdesign-in.de/wp-content/themes/mts-webdesign-12/style.css
Zeile: 736

(Für die grauenvolle Grammatik in Firefox-Fehlermeldungen kann sie zumindest wahrscheinlich nichts.)

Die zahllosen „Warnungen“ aufgrund von Präfix-CSS-Angaben (etwa -moz-border-radius) möchte ich hier gar nicht weiter auseinandernehmen, obige Beispiele sollten genügen.

Frau Thon-Soun hat ihrer Website den Seitentitel „professional WebDesign barrierefrei“ gegeben. Ja, doch, Humor hat sie.


Nachtrag: In den Kommentaren zu eingangs erwähntem Beitrag wirft mir Frau Thon-Soun vor, mich hinter eventueller Satire zu verstecken. Ich teile diese Auffassung nicht.

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik in Kürze: ZEIT ONLINE und sein Ressort Analog

Zum Ende vom Google Reader hat auch Kai Biermann, seines Zeichens Redakteur im „Ressort Digital“ für das fragwürdige Onlineblatt „ZEIT ONLINE“, auch was geschrieben. Was bedeutet das Ende dieses RSS-Dienstes? Tja, ganz einfach:

Nun verbreitet allein Facebook News – und das ist nicht offen.

Nachrichten gibt es nun nur noch per Facebook, schreibt Kai Biermann. Natürlich: Ginge es nach den großen Zeitungsverlagen (die ZEIT gehört allerdings meines Wissens nicht zu den aktiven Unterstützern des Leistungsschutzrechts), ist das Internet sowieso keine valide Quelle, um sich zu informieren. Dort wird ja nur raubkopiert.

Wir lernen: Wer Nachrichten online lesen will, muss sich jetzt bei Facebook anmelden. NewsBlur, Tiny Tiny RSS, Feedly und (nicht zuletzt) die „Live-Lesezeichen“ von Firefox gibt es nicht. Bilder wie dieses sind gefälscht:

FeedDemon

Danke, Kai Biermann, für diesen Einblick in Ihr „Ressort Digital“. Darauf wäre ich ohne Sie nie gekommen.

(via Alarmknopf, dort ausführlicher nachzulesen)

In den NachrichtenNerdkrams
Google, der Kundenfresser

Diesmal hat Google seine Kunden unterschätzt. In welchem Zusammenhang? Tja, am 1. Juli wird beim Google Reader der Stecker gezogen. Der Google Reader war jahrelang ein verbreiteter RSS-Leser (siehe auch), der irgendwann so erfolgreich wurde, dass eine Vielzahl an Desktop-RSS-Lesern (etwa RSSOwl) und Onlinediensten (etwa das leider ziemlich scheußlich zu bedienende Feedly) ihn als Synchronisationsquelle verwendeten.

Googles Begründung für den Schritt belustigt mich: Man wolle zum Einen seine Energie in weniger Produkte stecken müssen (selbst fahrende Automobile, elektronische Brillen und ein soziales Netzwerk für Brasilianer haben offenkundig Priorität; nach meinem Kenntnisstand hat jedoch seit Jahren niemand mehr an Google Reader Entwicklungsarbeit betrieben), zum Anderen nutze ohnehin niemand mehr RSS. Bereits wenige Minuten nach der Ankündigung waren die Server von Feedly, NewsBlur und der selbst zu hostenden Alternative Tiny Tiny RSS mit einem Vielfachen der gewohnten Serverlast nur noch schwer bis gar nicht zu erreichen. Der Ansturm der Niemande war offenbar gewaltig.

Für viele auf den Google Reader aufbauende RSS-Leser sieht die Zukunft auch nicht rosig aus. FeedDemon wird eingestellt, RSSOwl wird zumindest nicht mehr synchronisieren können. Die diversen „gReader“- und ähnlichnamigen apps unter Android werden vermutlich auch kein langes Leben mehr vor sich haben. Zumindest Feedly hat bereits angekündigt, rechtzeitig ein dem Google Reader ähnliches API zur Verfügung zu stellen, das Entwicklern solcher Programme eine einfache Migration (wahrscheinlich: einfach URI ändern und läuft wieder) ermöglichen wird. Ich vermute, weitere Anbieter werden folgen. Für den einfachen Anwender, der keine Synchronisation benötigt, wird sich ohnehin wahrscheinlich nicht viel ändern.

Diese Entwicklung ist erneut ein Beleg dafür, dass es eine fatale Fehlentscheidung sein kann und meist sein wird, seine digitale Existenz in die Hände eines einzigen Anbieters zu legen – das Funktionieren des eigenen workflows liegt dann allein in seinem Ermessen. Alternativen gibt es zuhauf. Selbst, wer darauf angewiesen ist, seine RSS-Feeds auf mehreren Geräten verfolgen zu können, kann zu Feedly oder NewsBlur greifen. Empfehlenswert ist es aber aus genanntem Grund, auf dem eigenen Server oder eigenen Webspace Tiny Tiny RSS oder das recht hübsche, jedoch nicht kostenlose Fever zu installieren. Das ist ziemlich einfach, das bekomme sogar ich hin. Der Vorteil: Man wird keine unangenehmen Überraschungen erleben. Gute (also übersichtliche und einigermaßen komfortable) Clients für mobile Geräte gibt es meines Wissens für jeden der genannten Dienste.

Warum Google noch an Google Mail festhält? E-Mail ist in Zeiten „sozialer Netzwerke“ doch längst so gut wie tot. Aber dann wissen wir ja jetzt schon, welcher Dienst beim nächsten Google-Frühjahrsputz aussortiert wird. Sollen die Leute doch zu Google+ wechseln, sagt Google, denn über Google+ kann man sicherlich auch das eine oder andere Blog lesen; natürlich nicht ansatzweise so komfortabel und übersichtlich wie mit einem brauchbaren RSS-Leser, aber das ist nun mal die Zukunft. Und niemand braucht mehr etwas anderes.

Vielleicht braucht aber auch einfach niemand Google. Das könnte sich allmählich herumgesprochen haben.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt CXLVIII: Erklärbärjournalismus

Sebastian Heiser von der „taz“ schrieb im Februar:

Ich sehe ja meine Aufgabe und meine besondere Dienstleistung als Journalist gerade darin, alles so weit wie möglich zu vereinfachen, damit es verständlicher wird.

Er betrachtet sich also als einen Erklärbären, der wie sonst nur die „Computer-BILD“ Lesern auch einfache Dinge noch einfacher verständlich macht („sprich: Wörd“).

Ein aktuelles Beispiel für diesen Erklärbärjournalismus gefällig? Gestern ließ das Unternehmen Evernote seine Benutzer per Blogartikel (und wenig später per Aktualisierung der Software) wissen, dass irgendwo im System offenbar eine Lücke aufgetreten sei, über die es kurzzeitig noch Unbekannten möglich gewesen sei, „Zugriff auf Benutzerinformationen wie Benutzernamen, E-Mail Adressen (sic!) und den (sic!) verschlüsselten Passwörtern“ zu erhalten.

In anderen Worten (Golem.de): Es wurden Benutzerdaten kopiert.

In wiederum anderen Worten (SPIEGEL ONLINE): Es wurden Passwörter gestohlen. Ist halt Quatsch. Wenn ich etwas stehle, hat der ursprüngliche Besitzer es nicht mehr. Wenn ich etwas kopiere, hat er es immer noch. Ich bitte die SPIEGEL-ONLINE-Verantwortlichen, an dieser Stelle einmal nachzusehen, ob in irgendwelchen Artikeln Sätze fehlen, die ich hier in älteren Beiträgen zitiert habe, denn dafür bin ich genau so vorgegangen: Ich habe die ursprünglichen Daten kopiert. (Nach aktuellem Stand der Gesetzesentwicklung ist das zwar bald böse illegal, aber immer noch kein Diebstahl.)

Kommentator „Michael K“ schrieb übrigens unter Sebastian Heisers eingangs erwähnten Beitrag:

Wenn Sie das Gefühl haben, nur zwischen “kompliziert” und “falsch” wählen zu können, dann verstehen Sie Ihre Aufgabe nicht.

Da scheint Sebastian Heiser immerhin nicht allein zu sein.

NerdkramsNetzfundstücke
Google, der sorgende Monopolist. Der will nur spielen.

Erinnert sich noch jemand an die diversen Monopolklagen gegen Microsoft? Microsoft sei, so hieß es noch vor wenigen Jahren, ein fieser Monopolist, weil es mit der Kombination aus Windows und Office eine Markt beherrschende Stellung einnimmt und obendrein die Dreistigkeit besitzt, seinem Betriebssystem einen Medienspieler und einen Browser beizufügen, und müsse daher zerschlagen werden. Mindestens.

Ein Jahrzehnt später spricht von Microsoft kaum noch jemand, das Hauptaugenmerk liegt auf den Kontrahenten Apple und Google. Google ist, das lässt uns Martin Weigert heute in einem ansonsten eigentlich lesenswerten Text wissen, schlicht zu gut für diese Welt:

Selbstfahrende Autos, die revolutionäre Cyberbrille Google Glass, eigene Ladengeschäfte, Tablets und Smartphones unter eigener Marke, (…) ein geplanter Musikstreamingservice à la Spotify, Google Maps und natürlich die Websuche sowie das Werbevermarktungsgeschäft gehören zu den zahlreichen Eckpfeilern des Unternehmens – und in dieser Aufzählung fehlen sogar noch einige Tätigkeitsfelder. In allen Segmenten ist der Konzern aus Mountain View einziger ernstzunehmender Anbieter, Marktführer oder zumindest eine der treibenden Kräfte.

Nicht schlecht, Google ist sogar „einziger ernstzunehmender Anbieter“ oder gar „Marktführer“ in einem Bereich, in dem es außer Planung (Musikstreaming) noch nicht viel vorzuweisen hat und in dem es bereits zahlreiche etablierte Anbieter gibt. Chuck „Google“ Norris: Marktführer in einem Markt, den es noch nicht mal betreten hat. Logisch.

Google ist kein Monopol. Wer will, kann mit Bing oder DuckDuckGo suchen statt mit Google, über Outlook oder Yahoo E-Mails verschicken statt über Gmail, Videos bei Dailymotion hochladen statt bei YouTube und so weiter.

Ein Monopol ist kein Monopol, wenn es Alternativen gibt – gut, dass das damit abschließend geklärt ist. Konsequent hatte die SED in der DDR auch kein Monopol, es gab ja andere Parteien. Die wurden nur nicht gefragt. Nur für Microsoft kommt diese Information zu spät. Ärgerlich, dass Martin Weigert damals nicht protestiert zu haben scheint.

Aber das war ja auch nur Microsoft und nicht Google. Google ist gut.

Das Besondere an der Entwicklung ist, dass Google diese Rolle (als omnipräsenter Bestandteil des täglichen Lebens, A.d.V.) bis dato fast ausnahmslos durch von den smartesten Menschen auf diesem Planeten geschaffene, hochgradig qualitative, leistungsfähige und für Millionen Menschen sehr attraktive Produkte erreicht hat, nicht durch das (Aus)-Nutzen monopolistischer Strukturen.

Ja, Google weiß, was Hausfrauen wünschen. Mir scheint, Martin Weigert mag Google sehr – immerhin erwähnt er solches an mehreren Stellen im Text. Dass er dann gegen Ende des Textes doch noch kurz die Gefahren eines allgegenwärtigen, zentralen Konzerns, in dessen Hand jeder Mensch auf einfachste Weise alle Daten über sein Leben legen kann, anspricht, scheint ihm beinahe in der Seele weh zu tun.

Der Unterschied zwischen einem Monopol und einer Markt beherrschenden Stellung ist es nach meinem Sprachempfinden, dass ein Monopolist es Konkurrenten schwer macht, mit den eigenen Produkten (etwa Betriebssystemen) zu konkurrieren. Dazu passt diese Meldung:

Bisher hatten Chromebooks nur bedingt Unterstützung für eine INstallation (sic!) alternativer Betriebssysteme. Ein Hauptgrund dafür ist die Firmware der Geräte. Matthew Garret hatte bereits erwähnt, dass Google bei den Chromebooks sehr restriktiv ist.

„Na gut“, denkt sich Martin Weigert jetzt möglicherweise, „vielleicht ist Google ja doch ein Monopolist. Aber ein guter!“ – Feines Google bekommt sicher immer feines Fressi zu Hause bei Weigerts.

(Ja, das war jetzt etwas polemisch.)

Nerdkrams
DashClock: Auf dass der Sperrbildschirm von Android endlich einen Sinn ergeben möge!

Eine der etwas seltsameren Funktionen von Android ist die Anzeige des so genannten „Sperrbildschirms“ (oder lockscreens – scheußliches Wort). Legt man es kurz zur Seite und wartet, bis der Bildschirm ausgeht, wird das Gerät in der Regel „gesperrt“. Das bedeutet im Standardfall: Man sieht einen langweiligen Bildschirm mit ’ner Uhr und unten so einem Schiebeding, das man nur nach rechts schieben muss, um sein Smartphone wieder benutzen zu können. Keine relevanten Informationen (außer „wie spät ist es denn?!“), obwohl auf dem Bildschirm viel Platz dafür wäre. (Der Sicherheit dient’s eh nicht: PIN-Eingabe ist optional.)

Android-Sperrbildschirm

Abhilfe schafft das Widget „DashClock“. DashClock ist eine quelloffene Android-app, die sich als alternativer Sperrbildschirm verwenden lässt und die man als Erweiterungsentwickler um allerlei Spielereien erweitern kann. Unter Android 4.2 (AOSP-Version, unter herstellerseitig angepassten Android-Versionen könnte sich das Vorgehen ein wenig unterscheiden) geht das folgendermaßen:

Zunächst muss man nach erfolgter Installation von DashClock (etwa aus dem Play Store heraus) den Sperrbildschirm aufrufen (also den Bildschirm aus- und wieder einschalten) und ihn ganz nach links wischen (also den Bildschirm „nach rechts verschieben“), bis die Seite, die nur ein „Plus“-Zeichen enthält, erscheint. Dies ist der Bearbeitungsmodus. Dieses Pluszeichen ist zu berühren.

Android-Sperrbildschirm mit Pluszeichen

Eine alphabetisch sortierte Liste an verfügbaren „Widgets“ sollte erscheinen, „DashClock“ unter ihnen. Nach der Auswahl von DashClock wird es möglich sein, die anzuzeigenden Elemente auszuwählen und durch Ziehen an eine geeignete Stelle zu verschieben. Unten befindet sich ein Feld mit der Beschriftung „Erweiterungen hinzufügen“, über das etwaige installierte Erweiterungen (dazu unten mehr) zur Verfügung stehen.

DashClock-Einstellungen

Sind alle gewünschten Informationen vorhanden, kann das Einstellungsmenü per Druck auf das „Häkchen“ oben links geschlossen werden. Noch immer im Bearbeitungsmodus kann man nun nochmals überprüfen, ob man nichts vergessen hat (natürlich lässt sich alles auch später noch anpassen):

DashClock-Vorschau

Nun muss der neue DashClock-Bildschirm nur noch nach rechts verschoben (gedrückt halten und ziehen) werden, um an die Stelle des bisherigen Sperrbildschirms zu treten, und die Einrichtung ist erfolgreich abgeschlossen:

Android-Sperrbildschirm mit DashClock

In meinem Beispiel habe ich außer den mitgelieferten Anwendungen „Wetter“ (zu Demonstrationszwecken) und „Datum/Uhrzeit“ auch den Twitter-Client Falcon Pro eingebunden, der seit einigen Tagen standardmäßig eine eigene DashClock-Erweiterung mitbringt. Etliche weitere dieser Erweiterungen, sogar für ungelesene Facebook- und WhatsApp-Nachrichten, den Batterieladestand und viele andere Anzeigemöglichkeiten, lassen sich per Play Store installieren, sie lassen sich dann über den Einstellungs-„Knopf“ oben rechts im Sperrbildschirm (hierfür wie oben beschrieben wieder in den Bearbeitungsmodus wechseln) hinzufügen.

Zu beachten ist jedoch, dass jede Erweiterung wiederum ein wenig Batteriekapazität benötigt. Man sollte daher Aufwand und Nutzen in jedem Fall einzeln abwägen.