Yetis sollten nicht Cosmopolitan lesen, Männer keine Frauenzeitschriften. So weit der Mythos. Man würde als Mann aber manchmal vielleicht schon gern wissen, was die Frauen so bewegt, und dabei hilft für wenig Geld ein Tratsch- und Modeheftchen wie “JOY”. Auf der Website der “JOY” (Vorsicht: Website der “JOY”!) ist zurzeit unter anderem eine Galerie der “Busenblitzer” mit positiv beeindruckten Kommentaren zu finden, somit teilen die Frauen mit den Männern offensichtlich zumindest eine nennenswerte Vorliebe: das Möpsegucken.
Aber ich wollte ja eigentlich näher auf die gedruckte “JOY” eingehen. Das mache ich jetzt mal.
Grundsätzlich hat die “JOY” gegenüber der bereits an anderer Stelle erwähnten “Jolie” bezüglich der grellbunten Aufmachung und des Sprachstils (“Fashion we love”, gut Englisch das ist) keinerlei Einschränkungen, und auch die Themen sind sehr ähnlich. Sogar Mila Kunis ist wieder “exklusiv” vertreten; was man eben so “exklusiv” nennt.
Besonders angetan hat’s mir aber das Titelthema “Die Kunst, eine unberechenbare Frau zu sein”, das genau so treffend “Wie man Männer auf lange Sicht effizient verjagt” heißen könnte. Womöglich nicht zufällig lautet ein anderes Titelthema “So entwaffnen Sie Nervensägen”. Blöderweise sind damit immer nur die Anderen gemeint. Aber vorweg gibt’s trends, außer scheußlicher Mode wird hier auch das “stylische” (“JOY”) Smartphone Sony Xperia V empfohlen, dank dessen “neuem LTE-Standard” man “noch schneller Filme gucken” könne; der genaue Zusammenhang wird leider nicht näher erläutert.
Auf Seite 26 gibt es einige Umfrageergebnisse zu lesen, die mich belustigen. 69 Prozent der umbefragten Frauen sind der Ansicht, Heiratsanträge seien Männersache, 32 Prozent denken manchmal beim Geschlechtsverkehr an einen anderen Mann, immerhin 36 Prozent sind der Meinung, Männer und Frauen könnten keine Freunde sein. 5 der letzteren 36 Prozent vertreten die Ansicht, Freundschaft zwischen den Geschlechtern sei nur möglich, wenn man schon mal miteinander in der Kiste gewesen sei. Schönen Dank auch, Emanzipation und vermeintliche Abschaffung der Rollenbilder.
(Apropos Rollenbilder: Auf Seite 22 wird beworben, mit welchen Mitteln die mir völlig unbekannte Schauspielerin Jessica Chastain ihren “Porzellanteint” — also ihr Püppchengesicht — betont. Ich ziehe meine Anklage zurück und erkläre die Emanzipation der Frau für gescheitert. Glück gehabt.)
Ein bisschen weltfremd wird es auf Seite 30, auf der “20 Dinge, die Sie ab 30 keinesfalls mehr tun sollten” aufgezählt werden. Ding Nummer 5 ist “In einer WG wohnen (Ausnahme: Model-WG)”; damit das Püppchen (Seite 22) jenseits der magischen 30 bloß nicht die Hoffnung verlieren möge, jemals eine Chance auf gemeinsames Kotzen zu haben. Models über 29 weihen doch nur noch Geschäfte für mollige Mode ein, dachte ich. Interessant sind aber auch die Punkte 13 (“Irgendetwas von Hello Kitty besitzen”) und 14 (“Sich Sonntagmorgens [sic!] für den Gang zum Bäcker schminken”). Das sind so die Dinge, von denen ich als Mann ja immer hoffe, dass es noch Frauen unter 30 gibt, die nie auch nur auf die Idee kämen, gegen eine dieser Empfehlungen zu verstoßen. Aber man will ja gut aussehen beim Brötchenkaufen. Kein Wunder, dass ich meist solo bin: Ich kaufe Brot immer ungeschminkt. Verdammt.
Den langweiligen Artikel über Mila Kunis — sie sehe “sich selbst gar nicht als Sexbombe”, und damit hat sie vollkommen Recht — genügt es zu überfliegen, es geht um Ashton Kutcher, Knutschen in der Öffentlichkeit und ähnlich irrelevanten Quark. Auch die Auflistung der “starken Männer 2013” kann man getrost beiseite lassen, zu sehen sind allesamt muskelbepackte Schönlinge, bevorzugt wohl oberkörperfrei. Oberflächliche Männer, die nur auf den Körper achten, seien wirklich schlimm, wurde mir einmal gesagt. Dank der “JOY” weiß ich nun wenigstens, was damit gemeint war.
Der Text, auf den ich mich besonders gefreut hatte — der mit der unberechenbaren Frau — entpuppt sich beim Lesen als mehrseitige Ansammlung von Plattitüden (“Erotik kann alles sein”, “Männer hören beim Sex eh nicht so richtig zu”, aber “Reden ist Sex” — wie auch immer). Der Tenor lautet: Mit einem Mann muss man spielen, man muss ihn betteln lassen. Frauen, die sich an einen solchen Ratgeber halten, brauchen ihn wahrscheinlich noch häufiger. Übrigens finde ich das in diesem Artikel inflationär verwendete Wort “Schwanz” für das männliche Glied nicht sehr erotisch. Gibt es dazu eigentlich auch schon einen Ratgeber in einer Ausgabe der “JOY”?
Für diese Enttäuschung entschädigt der Folgeartikel “Rote Karte für Nervensägen”. Er enthält 16 Tipps, wie man nervige Mitmenschen effizient anzicken kann, und sollte somit im Portfolio keiner Frau fehlen, die als solche wahrgenommen werden möchte. Dass einerseits aus dem Buch “Sorry, hier sitzt schon meine Tasche” zitiert wird (Tipp Nummer 7), andererseits aber Leute, die einen Sitzplatz mit ihrer Tasche belegen, selbst als “Nervensägen” identifiziert werden (Tipp Nummer 15), ist wahrscheinlich sogar beabsichtigt. Immerhin möchte man ja die größte Nervensäge von allen werden; auch eine Art von joy.
Tipp Nummer 10 ist ebenfalls beachtlich: Man sucht auf Facebook nach wichtigen Dingen, vermutlich Schminktipps oder was “JOY”-Leserinnen halt so suchen, und findet nur doofes Geschwätz von einer Facebook-Freundin. Zwei Lösungsmöglichkeiten werden vorgeschlagen: Man solle entweder “niemanden interessiert’s!” drunterschreiben oder die Meldungen der “Freundin” einfach ausblenden. Man könnte stattdessen auch einfach die Freundschaft kündigen, aber so was macht man ja als Frau nicht. Da muss man ja zusammenhalten. Nur konsequent erscheint da Tipp 16 gegen “hartnäckige Anbagger-Idioten”: “Glotzen Sie ihn unverwandt mit einem Gesichtsausdruck zwischen Schock und Debilität an — und zwar mindestens 30 Sekunden.” Der typischen “JOY”-Leserin genügt es nicht, als Zicke identifiziert zu werden. Es muss schon mindestens zu einer geistesgestörten Zicke genügen.
Weiterhin in der “JOY”: Beziehungen lassen sich retten, indem man sich regelmäßig zu “Sexdates” trifft, sensible Haut ist “die Diva unter den vier Hauttypen”, außerdem Tipps zum “Figurproblem Birne” (kein Witz!) und ein Trenchcoat als “Trend fürs Büro”.
Und ich dachte immer, Männermagazine seien bescheuert.


Senfecke:
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