Im August schrieb ich wortreich über “Liquid Feedback”, ein Organ der “Liquid Democracy”, der bedingungslosen Basisdemokratie, also, die in der Piratenpartei konsequent verfolgt wird.
Gestern nun verkündete das bisher für den Betrieb dieser Plattform zuständige Team, es sehe sich, maßgeblich auch gezeichnet von den von mir angesprochenen innerparteilichen Querelen und Anfeindungen gegenüber dem System “Liquid Feedback” an sich, nunmehr außerstande, das Projekt weiterhin zu pflegen. Fefe verkürzte den “offenen Brief” so, dass es für manche den Anschein haben könnte, das mit dem “Liquid Feedback” sei nun erledigt:
Das Liquid-Feedback-Team der Piraten wirft entmutigt hin.
Tatsächlich haben die Entwickler aber nur ihre aktive Unterstützung für den Einsatz des nicht piratenparteieigenen Systems in der Piratenpartei eingestellt, es wird auch weiterhin nicht einfach fallen gelassen:
Aufgrund unserer Erfahrungen, die wir im Jahr 2010 in der Piratenpartei gemacht haben, möchten wir das Projekt LiquidFeedback bis auf weiteres nur noch außerhalb der Piratenpartei aktiv vorantreiben. Die Nutzung von LiquidFeedback steht der Piratenpartei und anderen Parteien weiterhin als Angebot offen. Angenommen und ordnungsgemäß umgesetzt werden muss dieses Angebot jedoch zukünftig von euch, denn wir haben keine Kraft mehr.
Keinesfalls verliert die Piratenpartei jetzt also einen der wesentlichen Gründe, ihr einen Wahlerfolg zu bescheren, lediglich die Techniker, die die Plattform am Leben erhalten sollen, sind fortan andere. Natürlich sind hierfür die Bewerbungen für jeden Interessierten offen. Eine entsprechende Klarstellung stellte der Bundesvorstand heute ins Internet.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem:
Der Branchendienst “Meedia” zeigt seit gestern recht anschaulich, wieso man den Web‑2.0‑Unsinn, in dem jeder, unabhängig von geistigem Tiefstand, seinen Brei ins Internet speien darf, besser nicht allzu ernst nehmen sollte. Konkret beömmelt sich der Schreiber darüber, dass ein Tier in einer Trickserie sich seines Schwanzes schämt:
“Stimmt was nicht mit deinem Schwanz?”
“Nein, aber es gibt auch nichts was er wirklich gut kann, während die anderen mit ihren langen Schwänzen im Zirkus auftreten könnten.”
Leider verschweigt “Meedia”, welchen Begriff für das verlängerte Rückgrat eines Tieres man redaktionsseitig bevorzugen würde. Die Einleitung spricht für sich:
Denn bei Sätzen wie “Mein Schwanz kann sogar Versteck spielen” oder “Jeder Schwanz hat etwas Hervorragendes” denken viele wohl eher an einen Porno.
Bei “Meedia” kann dies sogar sein, die beabsichtigte Klientel des KiKas, ehemals des Kinder(!)kanals, hat allerdings mit Pornografie normalerweise noch nicht viel am Hut. Wahrlich ist all das, wie man bei “Meedia” glaubt, eine peinliche Vorstellung; leider für die Falschen. Aber es ist durchaus wissenswert, was so im Hirnkast’l eines “Meedia”-Mitarbeiters vor sich geht, denn es hilft immens bei der Bewertung des Dienstes: Ein Internetportal, dessen Redakteure schon beim Betrachten einer Kinderserie an sich halten müssen, “nicht lauthals loszulachen”, sobald es um Schwänze geht, sollte man künftig schlicht meiden.
(via Stefan Niggemeier, dort noch alberner)


