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Warum nicht gleich eine Bettel-Card?

Ich kön­nte mich jet­zt nach der CDU auch mal wieder über die SPD aus­lassen, aber alles, was es zu diesem lächer­lichen, ehe­mals wenig­stens noch in Ansätzen zur Partei tauglichen Haufen noch zu schreiben gibt, hat Fefe fre­undlicher­weise schon über­nom­men.

Also erwähne ich doch noch mal eben die CDU. (Ich hoffe in eigen­em Inter­esse, dass das in näch­ster Zeit nicht mehr so oft vorkommt.) Ihre Vor­denkerin (nen­nt man das bei der CDU noch so, “Denken”?) U.v.d.L., vom Fam­i­lien- ins Arbeitsmin­is­teri­um straf­ver­set­zt, kann von ihrem ehe­mals bevorzugten Arbeits­bere­ich, den Kindern, ein­fach nicht die Fin­ger lassen:

Kindern aus finanziell nicht allzu gut situ­ierten Fam­i­lien solle kün­ftig eine Bil­dungs-Card (als wäre nicht der Name allein schon blöd genug) zuteil wer­den, fan­tasierte sie pressewirk­sam, mit denen sie, die Kinder, dann kün­ftig Zugang zu Bil­dungs­maß­nah­men haben soll­ten; eine Art Essens­marke für Bil­dung, ein Bil­dungsgutschein qua­si.

Außer­dem solle den Kindern kün­ftig auch die Arbeit­sagen­tur belästi­gend zur Seite ste­hen, um darauf zu acht­en, dass die Kinder gefäl­ligst nach der Grun­daus­bil­dung nicht noch unnötig auf ein teures Studi­um hinar­beit­en, wie etwa auf SPIEGEL Online doku­men­tiert. U.v.d.L. schwadronierte weit­er­hin näm­lich wie fol­gt:

Die Job­cen­ter sollen diese Hil­fen sich­er­stellen. “Dazu wird kün­ftig ein Fam­i­lien­lotse im Job­cen­ter die Auf­gabe übernehmen, das Amt mit allen Sozial‑, Kul­tur- und Betreu­ung­sein­rich­tun­gen vor Ort zu ver­net­zen”, sagte von der Leyen dem Nachricht­en­magazin.

Es ist sich­er nicht verkehrt, dass sich die Regierung zur Abwech­slung auch mal um die sozialen Prob­leme dieses Lan­des schert (auch, wenn mir nicht so recht ein­leucht­en mag, was das Arbeitsmin­is­teri­um mit dem Bil­dungswe­sen zu tun hat); indes werfe ich dann ander­er­seits aber auch die Frage in den Raum: Warum bedarf es für halb­wegs akzept­able Lösungsan­sätze für einige der Prob­leme sozial eher schwach­er Fam­i­lien ein­er ominösen “Card”, auf der Dat­en unklar­er Natur gespe­ichert wer­den? Warum ist es auch der inzwis­chen zweit­en Regierung nach der Schreck­en­sh­errschaft der ehe­mals sozialdemokratis­chen SPD noch nicht möglich, den alten Krem­pel (aber nicht nur, haha, sich selb­st) ein­fach per Dekret zu entsor­gen und eine brauch­bare soziale Struk­tur zu erricht­en? (Und warum heißt das Ding “Card” und nicht “Karte”?)

(Apro­pos Karte, ken­nt ihr den schon? Kommt eine Mut­ter mit ihrer im Erstick­en begrif­f­e­nen Tochter — etwa neun oder zehn Jahre alt — in die Arzt­prax­is, guckt die Emp­fangs­dame die Tochter an, die allmäh­lich begin­nt, im Gesicht eine unan­genehme Farbe anzunehmen, und sagt zur Mut­ter sin­ngemäß dies: “Ja, nun, haben Sie die Krankenkassenkarte dabei? Andern­falls müssen Sie lei­der unver­richteter Dinge wieder gehen.” Das ist so tat­säch­lich passiert. Angesichts solch­er Erleb­nisse freue ich mich immer noch, im Super­markt auch ohne “Deutsch­land-Card”, “Pay­back-Card” (“pay­back” heißt auf Deutsch übri­gens “Rache”, siehe hierzu etwa auch den entsprechen­den Auftritt von Hennes Ben­der) und son­sti­gen Unfug nahezu unbe­hel­ligt zur Kasse vorge­lassen zu wer­den; auch, wenn die blöde Fragerei unnötig Zeit kostet.)

Nun, ich schweife ab. Das ist auch gut so, denn so hat­te ich ein wenig Zeit, tief Luft zu holen. Tat­säch­lich ist mir während des Atemvor­gangs noch eine weit­ere Frage einge­fall­en: Diese “Card” wird mit Geld bestückt, das aus dem Nichts appari­ert oder irgend­wie anders existiert, zumin­d­est ist dem Artikel nicht mehr über die genauen Umstände zu ent­nehmen. Was aber soll passieren, wenn das imag­inäre Geld auf der “aufge­lade­nen” Karte ver­braucht ist? Wer­den die Kinder, die sie anzuwen­den ver­suchen, dann von den entsprechen­den Auto­mat­en als Kinder “besserver­di­enen­der” Eltern erkan­nt oder, ander­sherum, als “zu arm für Armen­förderung”?

Wie auch immer die Antworten auf die Fra­gen laut­en mögen: Die Dreistigkeit, mit der die jew­eils amtierende Regierung raten­weise den Sozial­staat ver­hök­ert, ist alt­bekan­nt, aber dass das Volk das nicht nur ein­fach hin­nimmt, son­dern sich oben­drein mit bloßem Plas­tik als Ersatz für eine tat­säch­liche Verbesserung der Leben­squal­ität abspeisen lässt, ver­schlägt mir dann doch die Sprache. So ungern ich mich auch vul­gär aus­drücke: Ich glaube, dieses Land kann gar nicht so tief in der Scheiße steck­en, dass seine Bürg­er nicht lächel­nd den Kopf­s­tand macht­en.

What in the world has hap­pened to the world?
— King Crim­son: Cage


Und da ich ger­ade so schön in Rage war, habe ich mich daran erin­nert, dass ich einst als Neustu­dent an der Hochschule eines Frauen- und Gle­ich­stel­lungs­büros gewahr wurde, dessen Per­son­al aus fünf Frauen und null Män­nern bestand und noch immer beste­ht, und mir ist einge­fall­en, dass ich es bis­lang ver­säumt habe, die Exis­ten­z­grund­lage dieses Büros dort anzuzweifeln, wo es über­haupt Notiz davon nehmen kann. Dies holte ich nun mit fol­gen­der, hier aus Daten­schutz­grün­den teil­weise zen­siert­er E‑Mail nach:

Schö­nen guten Abend, Frau Unle­ser­lich,

als Stu­dent männlichen Geschlechts — somit als Ange­höriger der schändlichen Män­ner­welt — nahm ich soeben eher zufäl­lig zur Ken­nt­nis, dass meine Rechte als Mann an der Hochschule O. offen­bar auss­chließlich von fünf Frauen vertreten wer­den.

Wie passt das zu Ihrem Anspruch als “Gle­ich­stel­lungs­büro”, bei­den Geschlechtern eine adäquate Behand­lung zukom­men zu lassen? Ich sehe Sie in der Pflicht, zumin­d­est annäh­ernd 50% Ihrer Arbeit auch der Gle­ich­be­hand­lung von Män­nern zukom­men zu lassen, was sich auch in Ihrem Per­son­al äußern sollte; “Gle­ich­stel­lung” bedeutet nicht “sys­tem­a­tis­che Bevorzu­gung des total unter­drück­ten Geschlechts und so”.

Ich hoffe, dass sich in abse­hbar­er Zeit dieses Bild wan­delt. Ich füh­le mich als Mann so keines­falls vertreten!

Sollte sich die Empfän­gerin von dem zu erwartenden Lachan­fall erholt haben und sich zu ein­er Antwort-E-Mail her­ablassen, werde ich dies hier selb­stver­ständlich fröh­lich in die Gegend trompe­ten.

Senfecke:

  1. Warum ist es auch der inzwis­chen zweit­en Regierung…nicht möglich,…eine brauch­bare soziale Struk­tur zu erricht­en?

    M. E. ist die Antwort ganz ein­fach: Weil man noch niemals in der Lage war, der Bevölkerung das zu geben, was sie benötigt: Arbeit. Also verkauft man dem Volk etwas anderes.
    Es geht darum, worum es immer geht: Um Verkauf. Damit ver­an­lasst man die Bevölkerung, über richtig und falsch zu disku­tieren. Das lenkt ab und füllt z. B. Blogs. Dies ist ja keins. Wohl deswe­gen gibt es hier glück­licher­weise nur ab und zu diese Aus­rutsch­er.
    Was macht TinyTo­do?

  2. Was verkauft man dem Volk denn? Ein soziales Netz wohl auch kaum.

    Es wartet darauf, dass ich mich weit­er mit ihm beschäftige. Als näch­stes geplant: “In das Benachrich­ti­gungs­feld min­imieren”. Mal sehen, wie das geht.

  3. Ich bin gegen die Gle­ich­berech­ti­gung und für die völ­lige und maßlose Bevorzu­gung des weib­lichen Geschlechts!

    Auch bin ich für U.v.d.L., diese Frau hat Visio­nen! Macht sie zur Super­min­is­terIN für min­destens Aussen‑, Innen‑, Arbeits‑, Vertei­di­gungs- und Fam­i­lien­min­is­teri­um!

  4. “kommt ne Frau beim Arzt” — ist sie ne Hure. — Und stolz drauf! Sex­uelle Rev­o­lu­tion!

    Desweit­eren sollte ange­merkt wer­den dass misog­y­ne Charak­tere strafrechtlich ver­fol­gt wer­den soll­ten, min­destens. Alle die die Misog­yn-Card nicht besitzen soll­ten min­destens für 2 Jahre in Haft…genau wie Schwarzarbeit­er und Leute die zu viel Hartz4 beziehen.
    Dage­gen sollen Ver­brech­er eine Gefäng­nis-Card bekom­men die ihre Haft auf 1/3 der Zeit verkürzt und die elek­tro­n­is­che Fuss­fe­seln fern hält.

    Mit weib­lichen Grüßen,
    SarahPalinFan19
    USA! USA! USA!

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