Im vielleicht abgelaufenen Jahr 2023, weil mich aufgesetztes kalendarisches Feiern fürchterlich ermüdet, habe ich meinen Geburtstag konsequent ignoriert und der Rest der Welt hat das auch weitgehend getan. Ich bin zwar trotzdem weit über meinem Mindesthaltbarkeitsdatum (noch essbar?), doch rieb man es mir nicht einmal ironisch unter die Nase. Auch mal schön.
Zwischenstand meiner Persönlichkeitsentwicklung: Ich habe 2023 erstmals souveräne Worte in ein politisch gemeintes Mikrofon mit Publikum gesprochen, ohne schon beim Gedanken daran Nervenflattern zu bekommen. Freunde haben mir versichert, dass das nicht bedeute, dass ich normal werde. Ich bin beruhigt.
Die Mehrwertsteuer wird jetzt wieder erhöht. Ich weiß nicht, warum mir das gerade einfällt, während die immer lauteren, dafür immer weniger sichtbaren Silvesterknaller den Spaziergang verleiden. Draußen vor dem Fenster zeigen die Menschen schon wieder seit Tagen viel zu überschwänglich ihren Stolz darauf, dass sie die Uhr (hat vermutlich Zeiger) nicht lesen können. Ich hingegen nehme auch zu diesem Jahreswechsel nicht an der seit Tagen stattfindenden Knallerei teil, es ist im letzten Jahr genug zerplatzt. Meine Freundes- und Kulturkreise bleiben in stetigem Wandel, teilweise mit Absicht. Die traditionelle Neujahrszigarre fällt dieses Jahr aus, das lässt mehr Zeit, mich mit meinen Gedanken zu beschäftigen. Scheiße.
Traurigkeit wird durch Intelligenz verursacht: Je mehr man bestimmte Dinge versteht, desto mehr wünscht man sich, sie nicht zu verstehen. Charles Bukowski oder so
Gute Sätze (ohne Präfix, der Dramaturgie wegen) für 2024: Mehr Mittelmaß wagen und dann die eigenen Erwartungen übererfüllen, so dass es in Summe wieder passt. Immerhin: Im jüngst abgelaufenen Jahr habe ich nur ungefähr fünfmal melancholisch an früher gedacht. Es geht voran. Das Ziel für 2024: Nur noch höchstens viermal melancholisch an früher denken. Es ist immerhin immer noch dieselbe Pluseins. Das war ja auch nicht immer so.
Das fürchterlichste Getränk des Jahres 2023 war seltsamerweise nicht das Glas Irish Pickleback, das mir jemand angedreht hat, der mal gucken wollte, ob ich Whisky mit Essiggurke mag (es war jedoch eine ziemlich gute Gurke), sondern ein Craftbier mit Kaffeegeschmack. Meine Neugier auf Dinge, die eklig klingen, wird mich mit etwas Glück noch mal umbringen. Darauf einen Tabascoshot und ein bisschen Musik.
Prost Neujahr.
