Finanziell wird es für die weit überwiegende Mehrheit der Rechteinhaber keinen Unterschied machen, ob sie von Spotify oder von Anna’s Archive keine Tantiemen erhalten.
Man muss Musiker und ihr Tun schon außerordentlich geringschätzen, um Spotify auch nur einen Cent zu bezahlen. Geld verdienen Musiker mit Konzerten und mit Tonträgerverkäufen (Empfehlungen von mir gibt es wie gewohnt zu Jahresbeginn, denn Menschen, die schon im November irgendwas von „Jahresrückblicken“ delirieren, sollten auch nur elf Monatsgehälter im Jahr bekommen, so etwas wie einen Dezember kennen diese Knalltüten ja gar nicht mehr und würden das daher vermutlich nicht mal bemerken; aber ich schweife ab), dies freilich bevorzugt bei den Musikern selbst, weil dann weniger Einnahmen aufgeteilt werden müssen. Wer unbedingt glaubt, eine digitale Leihbibliothek für Musik sei die einzig vernünftige Möglichkeit zu regelmäßigem Musikkonsum, dem stehen weniger musikerfeindliche Alternativen bis heute zur Verfügung. Zu TIDAL schrieb ich ja schon 2015 manches und bin dort heute trotzdem immer noch Kunde, was Gründe hat.
Die Mission von Annas Archiv (regelmäßige Leser erinnern sich), dem zweifelsohne auch weiterhin vor allem mit wirkungslosen DNS-Sperren begegnet werden wird, ist dabei eine, die kulturpolitisch wertvoller ist als die Urheberrechtsextremisten es medial herbeiplärren möchten: Angesichts staatlicher Löschfristen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Entfernung umstrittener kultureller Inhalte aus vielen Bereichen des Lebens, von Rechteinhaberinsolvenzen und nicht zuletzt auch Datenverlusten, die über die Jahrzehnte durchaus mal vorkommen können, ist ein von Freiwilligen gepflegtes Archiv des geistigen Eigentums möglichst vieler Künstler und anderer Menschen einer der wenigen Garanten für die Bewahrung dessen, was sonst vergessen würde.
Seit Jahrtausenden ist der Mensch kreativ tätig, und vieles, was wir heute über das Leben vor langer Zeit wissen, ist eine Folge massiver Rechteverletzung. Den Unterschied zwischen Grabräuberei (man stört die Totenruhe eines längst Verstorbenen und nimmt die Wertsachen mit) und Archäologie (man stört die Totenruhe eines längst Verstorbenen und nimmt die Wertsachen mit) möge mir beizeiten ein Klügerer erläutern, dennoch wird die so erhaltene Kultur heute als wertvolles Allgemeingut wahrgenommen. Was spricht eigentlich dagegen, so auch mit Musik und Filmen von heute zu verfahren, die andernfalls verschwinden könnten? Selbst von der nicht völlig unbeliebten BBC-Serie Doctor Who sind bis heute einige Folgen verschollen, weil schlicht niemand (teils aus technischen, teils aus rechtlichen Gründen) eine „Raubkopie“ (allein das Wort schon!) angefertigt hat.
Mit Annas Archiv wäre das nicht passiert.


Wie viel GEMA kostet eigentlich eine Musikempfehlung?
Ja.
Das kommt darauf an …
OT: Testaufruf „Annas Archive“ bringt nur ein paar kleine Buchstaben oben links. Wasmachchnfalsch?
Das hängt vom Aufruf und den Buchstaben ab.
„Geld verdienen Musiker mit Konzerten und mit Tonträgerverkäufen.“
Weil MP3 kein Tonträger ist, darf man deren Zeug für lau verschleudern ?
Dann aber verdienen Musiker doch nur noch Geld mit Konzerten ?! Wenn die dann auch noch mitgeschnitten und frei kopiert werden, nä ?! Von was Leben Musiker dann ?
Die Piratenpartei war auch lustig. Bei 14 Umfrageprozenten im Bund laberte einer von denen die Absicht in die Kameras, das Urheberrecht komplett streichen zu wollen.
Wenige Tage später flogen die Piraten mit unter 4 Prozent für immer raus. Das wars dann mit der Partei der Kreativen.
Das nächste Monopol möchte das Kulturgut Musik auch konservieren, der Nachwelt erhalten und schmeißt noch einen Bonus oben drauf.
Nachdem datt Chantal aus Niederkassel fünf Atomkraftwerke von Standby auf Volllast hochgefahren hat, basteln ihr Hallen voller Rechner, Musik bis sie ihr gefällt.
Mir genügt es auf alte Platten zu verlinken. Die stehen meist in limited edition bezahlt im Regal.
Alte Platten und Bands auch deshalb, weil in der Musik allgemein und in manchen Genres speziell nichts Neues zu erfinden ist.
Nur im Kapitalismus muss alles „neu“ sein !