Heute mal wieder nur eine kleine Nachrichtenumschau:
Das Thema Loveparade beherrscht noch immer die Medien, und endlich kommen auch mal andere Menschen als nur die ewig in jedes bereitstehende Mikrofon heulenden Angehörigen (na, man muss ja Prioritäten setzen, Pietät ist wurscht; Hauptsache, mal mit der Presse reden!) zu Wort, die mir doch so langsam auf die Nerven gehen.
So schreibt etwa HD Schellnack über die subjektive Verklärung des Vorfalls:
Die 19 Todesopfer von gestern sind ganz sicher unfassbar… aber sie nehmen sich bescheiden aus gegen die 4152 Menschen, die 2009 auf Deutschlands Straßen im Verkehr ums Leben kamen (und diese Zahl ist ein historischer Tiefstand). Der plötzlich eintretende, unfallartige, unerwartete Tod betrifft und stärker als das schleichende, uhrwerkartige Risiko, das wir eingehen, wenn wir eine Autobahnauffahrt herabfahren. Das ist so schrecklich wie verständlich, der unsichtbare tröpfelnde Tot von fast 5000 Einzelnen bleibt unsichtbarer, 19 Opfer in einem medialen Spektakel sind präsenter.
In die gleiche Kerbe schlägt André F. Lichtschlag vom Magazin eigentümlich frei:
Am 29. Mai 1985 starben 39 Menschen beim Europapokalendspiel im Brüsseler Heysel-Stadion. Schlägereien zwischen Fußball-Hooligans hatten eine Massenpanik ausgelöst. In den folgenden Wochen wurde umfangreich über das Wesen fanatischer Fußballfans und ihre Mitverantwortung an der Katastrophe diskutiert. (…) 25 Jahre später sterben 19 Menschen bei einer vergleichbaren Katastrophe in Duisburg anlässlich der Loveparade. Eigenartigerweise findet eine Diskussion über eine mögliche Mitverantwortung der Teilnehmer auch im Ansatz nicht statt.
Zählt nur Tod, der sich dank anwesender Presse medial ausschlachten lässt, noch etwas? Wird ein Mensch zu einer Person öffentlichen Interesses, wenn die Zahl der Menschen, inmitten derer er stirbt, ausreichend groß ist? Tod verkauft sich gut, fast besser noch als Brüste.
Zur Abwechslung mal eine ganz andere Meldung gibt es auf netzpolitik.org zu lesen:
Ein französischer “Terrorismusexperte” (erstaunlich, wofür es inzwischen “Experten” gibt; ist das ein anerkannter Hochschulabschluss?) versucht, die Gefahren von “Al-Qaida-Handbüchern im Internet” zu illustrieren, und hält ein arabisches Handbuch in die Kamera.
Ein C++-Handbuch.
Für so lustig ich das auch befinde (Informatiker, die neuen Terroristen?), so erhellend ist es auch; erklärt es doch, woher unsere Politiker die zahlreichen Gefahren des Internets nehmen, die außer ihnen nur wenige Menschen nachvollziehen können: Gefährlich ist, was man nicht versteht.
(Nicht umsonst beherrscht die vor allem für den Aufbau von Internetpräsenzen wie etwa dieser hier genutzte Interpretersprache PHP den Befehl die(), also stirb! [Den Witz habe ich schon lange nicht mehr gemacht.])
Nachtrag:
Gerade flimmert über den Fernsehschirm wieder einmal ein Bericht über die Loveparade, wie immer wird vergebens nach den Gründen gefragt. Mein Lieblingssatz, der die Impertinenz aller Beteiligten hübsch illustriert: “[Die Raver] treffen sich hier zum Trauern.” — Das klingt nach einem aufregenden Flashmob.



Das Schöne an diesem Keinblog ist immer wieder, dass Du aktuelle
Ereignisse von der wahren Seite beleuchtest, statt den üblichen
Medienmüll nachzuplappern. Gefällt mir immer wieder, ganz ehrlich,
ohne Teufelchen.
“Endlich sagt’s mal wer” find ich ja auch zum Kotzen, gerade in der heutigen Zeit, in der jeder Seppel seinen Senf selbst ins Netz schmieren kann.
Ansonsten werd ich für mein Geplapper oft genug als einsamer, verbitterter Autist bezeichnet. Ob das immer gut ist?
Ich habe jedenfalls gelernt, selbst zu denken. Ich bin kein Freund davon, mich selbst zu belügen.
Daher: Danke.
Einsam kann ich nicht beurteilen, vielleicht allein (?); auch nicht
Da hast Du, damit
verbittert, aber in jedem Fall BÖSARTIG
die übliche Netiquette wieder eingehalten wird
Ich sehe das mal als Kompliment.
Genauso war’s auch gemeint
Ach so. Mist!