Man hätte es wissen können.
Man hätte wissen können, dass das, was passieren sollte, passieren sollte. Dass es so passieren sollte, wie es passieren sollte. Sie wussten es, alle wussten es. Wer sagte, dass die, die es wussten, es nicht wussten, der log. Wissentlich, um sich selbst zu schonen, wissentlich auch wider besseren Wissens.
Man hätte wissen können, dass hinterher wieder alle sagen würden, sie hätten es schon immer gewusst, aber keiner habe ihnen zugehört. Schlimm sind immer nur die anderen. Die anderen, das sind die, die sagen, tja, das ist der Lauf der Dinge. Anpassen und Klappe halten. Sie sagen “haha, das war lustig” und lachen nicht. Sie sagen “endlich sagt’s mal einer” und bleiben selbst stumm, man könnte ja die Leute verschrecken, die sie nie interessiert haben. Und überhaupt, Individualismus ist so 90er.
Man hätte wissen können, dass das, was sie taten, nicht falsch war. Dass die Art, wie sie es taten, zur Lage nichts beitrug. Was empörte, war, was sie nicht taten, und so sahen sie sich selbst tatenlos beim Nichtstun zu, während um sie herum die Welt explodierte. Das Letzte, was sie sahen, war ein Schulterzucken, und sie zuckten zurück, weil sie ihr ganzes Leben schon nur gezuckt hatten. Zuckend in den Untergang, und man bleibt sich treu.
Man hätte es wissen können, ja, ja, hätte. Alles Schwarzmaler und Faschisten, Ewiggestrige, Reaktionäre. Ich weiß, dass ich nichts weiß, wissen Sie? Uralt, kennt man, nichts zu danken, bis bald mal wieder.
Aber hinterher hat es wieder keiner wissen wollen.
(Haspelt doch vorhin eine sichtlich unentspannte Frau fraglichen Alters, die an irgendeiner fragwürdigen Aktion von attac teilgenommen hatte, in die erstbeste Nachrichtenkamera, es sei “echt toll” gewesen, unter freiem Himmel zu schlafen. Darum, werte Frau, werden Sie Hunderte von Obdachlosen beneiden, dessen bin ich mir fast sicher. Andererseits hätten Sie das auch einfacher haben können.)


