NetzfundstückeSonstiges
Leser (innen und außen)

Da fiel mir doch beim gedankenlosen Herumklicken gerade mal wieder ein Weblog eines Mitglieds der Piratenpartei auf, das die Satzung der Partei, die sich unter anderem die längst fällige Abschaffung der Sonderstellung von Frauen auf die Segel geschrieben hat, offenbar noch nicht vollständig gelesen hat:

Die in der Piratenpartei Deutschland organisierten Mitglieder werden geschlechtsneutral als Piraten bezeichnet.

Und dann schauen wir mal in die Suchfunktion des Piratenweibes Weblogs (was schon ärgerlich genug klingt) und finden erst mal mehrere Seiten „Piratin“ und, au contraire, immerhin ein Ergebnis für „unpiratig“, und das hat es in sich, betont die Verfasserin doch dort, dass es wichtig sei, auf die „Außenwirkung“ seiner Wortwahl zu achten, wenn man Pirat ist.

Ich möchte der Piratendame hier keine bösen Absichten unterstellen, ich nehme auch an, dass sie diesen Text nicht zur Kenntnis nehmen wird, aber es ist doch schon erstaunlich, mit welchem Selbstverständnis manche Menschen einerseits (zu Recht) gegen die Grundprinzipien der Piratenpartei verstoßende Äußerungen kritisieren und dann aber andererseits aktiv gegen die Ziele der Partei handeln. Warum sollte man auch die eigene Sonderstellung aufheben wollen?

Aber diese für Frauen leider keinesfalls ungewöhnliche Haltung ist nicht der Grund für diesen Beitrag; vielmehr kam ich ursprünglich auf diesem Beitrag an, der das Vorhaben der CDU, die deutsche Sprache endlich im Grundgesetz zu verankern (was ich, anders als so manch andere Idee der CDU, ausdrücklich für gut befinde), ordentlich durch den Kakao zieht und dabei leider auf dem Niveau „Microsoft heißt, haha, Kleinweich“ bleibt.

Und dort verlinkt die überzeugte Frau auf die Seite, die eigentlich im Zentrum meiner Kritik stehen sollte. Diese Seite nennt sich „CeiberWeiber“, was auch immer ein Ceib sein mag, bietet eben diesem Artikel Speicherplatz und schmeißt auch sonst fröhlich mit Binnenmajuskeln um sich.

Dass es sich um ein „Frauen Onlinemagazin“ (nur echt mit Deppen Leerzeichen) handelt, mag anhand des URL schon erraten worden sein, und konsequent wäre es somit ohnehin, von ausschließlich Leserinnen auszugehen; aber was findet man, klickt man auf den Verweis zu dem Artikel, vor? LeserInnen! Und, als wäre das noch nicht wunderlich genug, wird es wiederholt; gleich dreimal ist von LeserInnen und immerhin einmal von TürkInnen die Rede.

Über die inhaltliche Bedeutung eines Binnen-Is (hat diejenigen, die solcherlei verwenden, eigentlich schon mal jemand gefragt, ob es ihre Intention war, den Frauen nur die Endung, den Männern aber die Bedeutung eines Wortes zu überlassen?) wurde anderswo schon ausreichend geschrieben, das möchte ich – ich bin ja nicht ALF! – nicht immer wieder nur wiederkäuen, aber mir kam beim Lesen plötzlich die Frage in den Sinn, wie man es eigentlich „korrekt“ verwendet.

Ein einfaches Beispiel: Zwei Männer und eine Frau betreten in beliebiger Reihenfolge eine Eisdiele. Handelt es sich nun im Falle eines gemeinschaftlichen Eiserwerbs um Eiskäufer, um Eiskäuferinnen oder um EiskäuferInnen? Gemäß der allgemeinen Verwendung wäre letzterer Fall zutreffend, es handelt sich also um eine Gruppe von Eiskäufern, in denen mindestens ein Mitglied männlichen Geschlechts ist. Die Endung „-innen“ ist aber ein Indikator für die Pluralform, zwei Exemplare eines Eiskäufers sind und bleiben Eiskäufer ohne Suffix, es muss also mehr als nur einen weiblichen Eiskäufer in der Gruppe geben. Wäre also „EiskäuferIn“ korrekt – zwei Eiskäufer und eine Eiskäuferin?

Hilfe!

Nachtrag: Lieben Dank an das Weib, allein aus dem Betreten folgt noch kein Kauf. Logikfehler hiermit beseitigt.

Senfecke

Bisher gibt es 9 Senfe:

  1. Dieser Artikel egalisiert Deine getwitterte Mucke ;) Sehr amüsant, null Problemo!

  2. Gern geschehen. Aber ich glaube, da kommt noch was nach. Diskutiere auf der Seite des Weibes mit dem Weib über das Weib, jedenfalls mehr oder weniger. Interessanter Diskurs, aber ich würde gern schlafen gehen. Mache ich jetzt, glaube ich, auch erst mal.

    Was die Mucke betrifft: Ich habe trotz konträren Musikgeschmacks herzlich gelacht. Lies dort vor allem mal die Kommentare. ’n Brüller, echt. ;)

  3. Ich schenke Ihnen ihr Impressum:

    Domain-Whois entfernt, kann jeder beliebig selbst nachlesen, wenn’s gewünscht ist.

    Anmaßung entfernt.

  4. Isi: Ich schenke Ihnen ihr Impressum:

    Nicht nötig, danke.

    (Huch, da habe ich doch tatsächlich die Aufmerksamkeit der Radikalfeministinnen auf mich gezogen. Das wollte ich nicht.)

  5. Ich bewahre es für Sie auf. Rückfragen darum bitte an mich!

  6. Werde es beherzigen.

  7. > Aber diese für Frauen leider keinesfalls ungewöhnliche Haltung…

    Damit disqualifizierst Du Dich schon als jemand mit grundsätzlichen Vorurteilen gegenüber Frauen.

  8. Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.

  9. PINGBACK: Mit piratigen Grüßen » Blog Archive » Hirnfick 2.0 » Tuxprojekt

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