Vor einiger Zeit stand mir der Sinn danach, in einem Internetforum mal über etwas anderes zu schreiben statt nur über Musik. Der vollständige Beitrag folgt aus aktuellem Anlass fast unverändert.
Ich stellte die prägnant kurze Frage:
Ist Deutsch „uncool“?
Beunruhigend ist’s allemal:
Wo immer man hingeht, man begegnet Sprachverhunzern.
Das sind längst nicht mehr nur die „Menschen mit Migrationshintergrund“; ich wage sogar zu behaupten, dass sich dies in den letzten Jahren um 180° gedreht hat:
Während sich „Neudeutsche“ in der Regel darum bemühen, möglichst fehlerfrei die zugegebenermaßen nicht gerade einfache deutsche Sprache zu erlernen, sprechen die heranwachsenden „Altdeutschen“ (also die BRAVO-Generation) heute oft schon besser Türkisch und Englisch als Deutsch.
Das beginnt schon bei der Schreibweise:
Man muss sich nicht mehr gezielt auf Chatseiten herumtreiben, um sein Auge durch „mA!n ShadZz“ und ähnlich abstruse Schreibweisen vergewaltigt zu bekommen.
Natürlich könnte man jetzt einwerfen, ich sähe das viel zu eng, und „Hauptsache man versteht’s“ – und da hätte man vielleicht sogar Recht. Aber mein Verständnis hat auch seine Grenzen, und eures hoffentlich auch. Auch wenn’s für manche belustigend sein mag, niveauvolle Fragen wie „yo Alder was geht?“ miterleben zu dürfen – denen, die aufgrund ihrer Schul- und/oder Allgemeinbildung wohl anderes gewohnt sind, pfeift da manchmal der Hamster aus dem letzten Loch, sozusagen.
Von sinnlosen Anglizismen und Phrasen„dummys“ wie „von daher“ (also „von von dort“?) und „einmal mehr“ (wo „erneut“ doch viel kürzer wäre!) mal ganz zu schweigen; aber so lange die Gesellschaft Englisch als Weltsprache akzeptiert, statt die Sprache Goethes [1] und Schillers im Ausland zu fördern, ist dagegen wohl kein Kraut gewachsen.
Ich suche allerdings noch immer den Grund für diese schweigende Sterbehilfe fürs Deutsche. Globalisierung hin, „Coolness“ her – muss das sein?
Wir sind inzwischen so weit, dass Rucksäcke bei ALDI als „Body Bags“ (Leichensäcke) verkauft werden, weil das englische (sic!) Wort „rucksack“ zu deutsch klingt – nachzulesen zum Beispiel hier. Warum tut ALDI – ein Lebensmittelgeschäft, das nun wirklich nicht auf internationale Kundschaft ausgerichtet ist – so etwas? Verkauft sich etwas besser, wenn der Kunde es nicht versteht? Dasselbe Spielchen gab’s ja schon bei Volkswagen, allerdings hat sich die Lage dort aufgrund der Intervention eines gewissen Herrn Teunis (siehe Link) wieder ein wenig zum Besseren gewendet.
Zumal die Amerikaner – unsere „kulturellen Vorbilder“ [2] – selbst die deutsche Sprache vielfach in ihren „Kaugummidialekt“ übernehmen; als Beispiele seien da nur mal „mensch“, „rucksack“ (siehe oben) und „gemuetlichkeit“ genannt.
Ich vermute, Schuld an alldem tragen die Medien, allen voran die Musikbranche (womit wir über Umwege doch wieder beim Thema Musik angelangt wären).
Unfeinerweise verkaufen sich hierzulande „I love you-Songs“ immer noch weitaus besser als „Ich liebe dich-Lieder“ [3]. Weil die deutsche Sprache Assoziationen an Heino hervorruft? Weil so weniger Leute verstehen, wie dämlich eigentlich die Texte sind? Wer weiß…
Auch die Intervention deutschsprachiger „Musiker“ wie Bushido ändert die Situation kaum zum Besseren; „isch fick deine Mutter“ ist ja nicht unbedingt ein Satz, den man im Alter von 14 oder 15 richtig schreiben können sollte.
Gehöre ich mit dieser Ansicht zu einer aussterbenden Rasse? Liegt Wolf Schneider falsch, wenn er, wie ich, fordert, endlich wieder Deutsch zu reden?
Fast scheint es mir so.
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Legende:
[1] der vermutlich eher gesächselt hat
[2] was über die Kultur sicherlich einiges aussagt
[3] frei zitiert nach einem uralten BILD-Titel – mea culpa!

Deutsch ist knorke.
Hallo,
es ist nach meiner Meinung nach so, dass wir uns von vielen anderen Ländern Redewendungen und Worte aufdrücken lassen.
Es wäre sicherlich besser deutsche Bezeichnungen zu Verwenden um unsere Sprache nicht aussterben zu lassen.
Viele Grüsse
Brigitte Müller
Ich stimme uneingeschränkt zu.