In den NachrichtenPolitik
Google und das leidige Thema Datenschutz

Lange schon habe ich hier nichts mehr über den gefährlichen Großkonzern Google geschrieben (ihr wisst schon, das ist die kleine Garagenfirma, die sich zu ungefähr 97 Prozent aus den Einnahmen jener Werbung finanziert, die es anhand der Mailinhalte und so ziemlich jeder weiteren gleichwie persönlichen Eigenschaft seiner Nutzer generiert), und da der ansonsten enttäuschend unrevolutionäre SPIEGEL in seiner dieswöchigen Ausgabe (2/2010) umfassend darüber informiert, warum es keine gute Idee ist, einem Unternehmen, das kommerzielle Interessen vertritt, etwas anderes als einen Eintrag auf seiner Sperrliste zu gewähren, nehme ich das mal zum Anlass, um ein wenig über die Nachrichtensituation zu reflektieren.

Google ist ja dieser Tage auch in den eher politisch orientierten Nachrichtensendungen ein Thema, da die chinesischen Googlemitarbeiter als Reaktion auf die umfassende staatliche Zensur erst mal beurlaubt wurden und es gar im Gespräch ist, die chinesische Googleversion ganz einzustellen; sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung (und eigentlich ein klarer Pluspunkt für China), aber das Problem hier ist, dass mit dieser Nachricht wieder einmal der Zeigefinger in Richtung Ausland geschwungen wird, wodurch man geschickt ein ganz anderes Problem übergeht.

Dass man tunlichst davon absehen sollte, einem Unternehmen, das nicht an EU-Gesetze gebunden ist, allzu viele Informationen über sich preiszugeben, steht auf einem ganz anderen Blatt (gerade auch im Hinblick darauf, dass das Google-„Adsense“-Werbesystem eben auch Google-Mail-Inhalte und unter Umständen vertrauliche Geschäftsdokumente bei diesem unsäglichen Lotus-Notes-Klon Google Wave durchforsten darf; „wer nicht will, dass wir alles über ihn erfahren können, wenn wir wollten, sollte besser auf seine Daten aufpassen“, albern die Konzernsprecher sinngemäß in der Presse herum), aber Google ist nun nicht unbedingt ein Konzern, der „böse Zensurchinesen“ fluchen sollte.

Es folgt ein Bildschirmausschnitt:

„Rechtliche Gründe“ halte ich zwar für einen seltsamen (das Internet kennt keine Staatsgrenzen), aber immerhin für einen nicht völlig aus der Luft gegriffenen Grund. Nur sind es in China ebenfalls „rechtliche Gründe“, die dazu führen, dass manche Webseiten schlicht nicht in einer Suchmaschine aufgeführt werden dürfen. Was also denken sich deutsche Medien dabei, wenn sie sich über China echauffieren, nur weil die Suchmaschinen dort staatlicher Kontrolle unterliegen?

Vermutlich gar nichts.