Zu der medialen Wahrnehmung der seltsamen Musikgruppe “Frei.Wild” hatte ich mich ja bereits abfallend geäußert, damals noch ohne große Kenntnis von der tatsächlich gespielten Musik. Über meine Verwandtschaft kam ich mittlerweile mit selbiger in Kontakt und kann zumindest verstehen, wieso sie polarisiert; auf mich wirkt das Dargebotene schlicht laienhaft. Nun hat sich jüngst herausgestellt, dass auch diese Musiker einige “Fanshirts” (“Bandpullis”) feilbieten, also Motivbekleidung für ihre Gutfinder.
Eines dieser Shirts trägt außer dem Namen der Musikgruppe den Schriftzug “Scheiß auf Gutmenschen und Moralapostel”, ein anderes “Freiheit”. Ein Shirt mit dem Motiv “Ehre” oder anderen historisch belasteten Begriffen konnte ich im “Onlineshop” der Band bei einer kurzen Recherche soeben nicht finden. Hanning Voigts von der “Frankfurter Rundschau” aber schon:
Und die Bandpullis so: “Freiheit”, “Ehre”, “Scheiß auf Gutmenschen”. Das ist nicht rechtsradikal?
Nö, Hanning, isset unabhängig von der Band selbst nicht, schon deshalb, weil ein “Ehre”-“Bandpulli” augenscheinlich nicht existiert (wobei die Gleichung “Ehre = rechtsradikal” auch noch etwas ist, über das wir uns mal unterhalten müssten). Zu den anderen beiden “Bandpullis” fällt mir allerdings schon etwas mehr ein. Moment, ich muss nur kurz die Hand aus dem Gesicht bekommen.
Erstens: Gutmensch.
“Gutmensch” ist einer dieser Begriffe, bei denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob ihre Verwender überhaupt über ihre Bedeutung nachgedacht haben. Der Duden jedenfalls kennt den Gutmenschen als einen Menschen, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt; einer wie der Brillenschlumpf zum Beispiel.
Ein “Gutmensch” ist also ein besonders nachdrückliches Exemplar eines Moralapostels. Interessanterweise stört das Wort “Moralapostel” Hanning Voigts anscheinend nicht im Geringsten. Früher musste man, um rechtsradikal zu sein, noch Ausländer hassen, heute genügt es, sich nicht in die eigene Moral reinreden zu lassen. Wen wundert’s da, dass die Medien entdecken, dass laut Medienberichten immer mehr Leute “dem Rechtsradikalismus” nahestehen, wenn dessen Definition aus Mangel an Reflexionsvermögen immer weiter greift? Ein gesellschaftlicher Konsens ist wünschenswert, Sittenwächter aber sind es nicht, denn die Definitionsmacht über diesen Konsens obliegt nicht Einzelnen. (Anarchie ist die Herrschaft des Stärkeren. Das hat schon mal nicht funktioniert.)
Zweitens: Freiheit.
Leute, die Shirts mit “Freiheit” drauf tragen, sind rechtsradikal. Ach nein, nicht ganz, Henning Voigts findet Freiheit ja auch dufte, aber nur andere Freiheit. Bedrückend: 57 Prozent der Deutschen ist die Freiheit besonders wichtig. Wenn “Frei.Wild” auf die Shirts also nicht “Freiheit”, sondern “Freiheit (wie sie Hanning Voigts meint)” drucken ließen, wäre alles in bester Ordnung, nehme ich an.
Wie genau er das meint und inwiefern sich seine Freiheit von “Frei.Wild“s Freiheit unterscheidet, weiß ich leider nicht, was die Entscheidung, ob ich jetzt die gute oder die schlechte Freiheit gut finde, allein in Herrn Voigts’ Hände legt. Wie ärgerlich. Bis dieses Problem beseitigt wurde, werde ich also bis auf Weiteres jede Form der Freiheit ablehnen.
Wer möchte schon für einen Rechtsradikalen gehalten werden?


Also die Band und deren Pullis sind mir ja egal, aber ich komm jetzt doch nicht drumrum kurz den Schlaubi raushängen zu lassen: Alter — die Herrschaft des Stärkeren ist Anomie und nicht Anarchie! Ein Fehler den schon Thomas Hobbes mit seinem ziemlich dämlichen Werk Leviathan gemacht hat in dem er einen angeblichen Naturzustand herbeifabuliert, innerhalb dessen der Mensch dem Menschen ein Wolf sei, er aber nicht verstand, dass die Gewalt im Bürgerkrieg damals eine direkte Folge der monarchistischen Herrschaft war. Anders gesagt: Wenn der deutsche obrigkeitshörige Untertan auf einmal feststellt, dass die Polizei und der Staat aus welchem Grund auch immer zusammenbrechen, fehlt ihm jede Orientierung eines friedlichen Miteinanders, schließlich war der Frieden in seinem Kopf immer durch die Gewalt der Polizei garantiert. Und schon haben wir die selbsternannte Bürgerwehr, die nach kleinbürgerlichen und häufig wenig reflektierten Mechanismen der Selbstjustiz loszieht, verurteilt und “vollstreckt” und natürlich andere, die sich dagegen wehren, wenn sie denn stärker sind. Nein, Nein, Nein — das ist keine Anarchie. Das ist Chaos und Anomie. Oder auch die Herrschaft des Stärkeren.
Anarchie ist die Abwesenheit von Herrschaft, somit die Staatsform, in der Autonomie (griechisch “Selbstverwaltung”) gedeihen kann. Das mag friedlich funktionieren, aber nur, bis der Mob sich zusammenrottet. Und das wird er.
Auch wenns nach Wortklauberei klingt — Anarchie ist keine Staatsform, da Staaten Herrschaftssysteme sind. Im strengsten Sinne hast Du aber Recht, dass Anarchie die Abwesenheit von Herrschaft ist — nicht mehr und nicht weniger. Das bedeutet allerdings auch, dass es Ordnung geben muss. Denn eine Gesellschaft ohne Ordnung bedeutet Herrschaft der Stärkeren und kann somit keine Anarchie sein.
Sobald diese Ordnung nicht dazu in der Lage ist einen solchen Mob zu verhindern ist es keine Anarchie mehr. In meinen Augen macht Anarchie deshalb nur Sinn als permanenten kreativen Prozess, in dem man versucht Herrschaft, Gewalt und Hierarchiemißbrauch zu verhindern bzw. abzubauen.
Wortklauberei? Oh, das ist schön. Wer ist denn “man”? “Man” versucht, Herrschaft zu verhindern — womit die Herrschaft also in der Hand des Mobs liegt? Was passiert mit Menschen, die mit der Anarchie nicht einverstanden sind? Wer entscheidet das?
Hmmm,
entweder man hat ein Gewaltmonopol, ob das nun “geteilt” ist oder einfach nur bedeutet “willst Du mein Freund nicht sein schlag ich Dir den Schädel ein” ist egal, echte Anarchie hat es genausowenig im großen Stil gegeben wie echter Sozialismus.
Es gibt(gab?) zwar einige Indianerstämme in Südamerika die keinerlei Besitzbegriff kennen, also jeder nimmt von jedem weil es da ist aber das sind die Ausnahmen der Regel.
Das Problem ist nunmal, das hat ja schon Mark Twain erkannt, das es KEINE unabhängige Presse gibt die objektive überprüfte Informationen liefern auch gegen die Regierungen und “Entscheider”.
Bestes Beispiel wie reiner Kapitalismus funktioniert sieht man aktuell an der Gesetzgebung in Japan, die ausschließlich wegen des Supergaus von Fukushima erlassen worden ist.
Und welchem Zweck dient dieses Gesetz ?
Echte “Freiheit” gibt es auch nicht weil es immer Abhängigkeiten gibt, ich muß atmen, ich muß trinken, ich muß essen und das Umgesetzte dann wieder loswerden (von der Fortpflanzung …).
Solange ich nun in der freien Natur die Symbiose zwischen Flora und Fauna eingehen kann ist das kein großes Problem, dann sammele ich Früchte, jage Mammuts und mach mir mein Feuerchen in der Höhle.
Allerdings haben die Nomaden schnell entdeckt das die Sesshaften einfachere Beute sind als die Mammuts und daher eben lieber die Ernte der Sesshaften geraubt haben als zu jagen, bis dann Gruppen bei den Sesshaften sesshaft geworden sind um sie gegen Ovolus aka den zehnten vor ihren “Kameraden” zu “beschützen”.
Und somit wurde der “Adel” gegründet s.o.
Das ist heute noch so, wer schwarz in der Bahn fährt weil er sich die Fahrkarte und damit auch das “erhöhte Beförderungsentgelt” nicht leisten kann geht auf Staatskosten=Steuergelder für eine Woche in den Bau wegen einem “Schaden” von 1,50 €, während die Milliardenbetrüger “systemimmanent” sind und auch wenn Millionen an Steuerhinterziehung oder Kindesmißbrauch festgestellt werden die “Adeligen” höchstens die Steuern zurückzahlen müssen OHNE das sie ins Gefängnis gehen.
Und nun erkläre mir mal wo das aktuelle System “Freiheit ™” für JEDEN beinhaltet ?
Du bist frei Dir jeden Tag den Arsch für den “Geldadel” aufzureißen damit Du Deinen Kindern einmal im Monat eine Kinokarte spendieren kannst, nur um dann von der “Qualitätspresse” als Sozialschmarotzer bezeichnet zu werden, weil ja der “Geldadel” das so befiehlt und wir wissen ja “Des Brot ich ess, des Lied ich sing!”.
Und das ist es was mich am meisten ankotzt, diese Falschheit der “Journaille” .…
Leute die es schwer haben werden niedergeschrieben während überführte Betrüger als “Helden” dargestellt werden.
So und um nunmal auf das eigentliche Thema zu kommen, Bands die den “freien Markt™” und den “Nationalismus” bedienen sind nunmal eher in der konservativen “rechten” Ecke zu verorten.
Bands die gegen die “Herrschenden” singen werden automatisch vom Verfassungsschutz beobachtet und im Bericht genannt, NSU Morde werden dagegen NICHT als rechtsradikal eingeschätzt usw. usf.
Ob nun frei.wild konkret zur Volksverhetzung aufruft oder es “sarrazinesk” erledig bleibt sich im Endeffekt gleich, denn wir wissen ja dank Sarrazin und Konsorten das es “ausschließlich” an den Genen liegt *KOPFTISCH*
Sollte sich einer dieser “Glanzköpfe” mal die Mühe machen z.B. das alte Genomprojekt der Uni Tübingen wegen Herkunft und Genom durchzuarbeiten, der würde feststellen das in Toitschland die meisten Menschen eben eher einen “arabischen” Genomtypus haben und keine “blonde Herrenrasse” vorhanden ist.
Es geht aber nicht um Objektivität, sondern Demagogie und reinem Glauben an die bestehende “Leistungsgesellschaft” aka “Geldadel”.
Und genau deren simple Vorstellungen, das nämlich sie aufgrund ihrer Herkunft (Genom) anderen überlegen sein müssen (sonst hätte “Gott™” das ja nicht so gewollt) werden durch Sarrazin&Konsorten samt Springerpresse und Bertelsmann verbreitet.
Und ganz ehrlich wenn man sich den Hintergrund für die “Empörung” wegen frei.wild ansieht, was fällt einem da auf ?
So und nachdem ich mir nun den allgemeinen Frust über das asoziale System runtergerubbelt Äh weggeschrieben habe, gönne ich mir ’ne Buddel Glühwein :-P
Bin ja mal gespannt ob Du meinen Rant hier veröffentlichst ;-)
Warum sollte ich nicht? Ich bin ja keiner von diesen Linksbloggern, die bei wirren Meinungen LALALA brüllen und auf “Löschen” drücken. Jeder darf sich hier frei nach Schnauze zum Horst machen.
Dabei stimmst du mir doch sogar zu: Echte Anarchie hat es nie gegeben. Warum? Weil auch ihre Verfechter Angst haben, dass sie dann nicht zur Mehrheit gehören, sondern diejenigen sind, die die Schattenseite der Anarchie zu spüren bekommen.
Nein *glugger*,
Du hast das Prinzip von Anarchie und Sozialismus nicht verstanden.
Bei beiden Gesellschaftsformen *glugger* geht es darum das der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, der Unterschied ist einfach nur das bei Anarchie jeder MIT jedem und eben NICHT GEGEN jeden ist (wie im Kapitalismus™) und zwar OHNE Machtmonopol und beim Sozialismus eben der Staat mit Machtmonopol dafür sorgt das ALLEN Bürgern ALLES Lebensnotwendige KOSTENFREI zur Verfügung gestellt wird, weil eben die “Besserverdienenden” solidarisch sind.
Im Kommunismus der Sowjietunion gab es sowohl Anteile von Kapitalismus als auch Sozialismus.
Z.B. gab es eine freie medizinische Versorgung, da wurden dann Ärzte und Krankenschwestern auf Staatskosten mitten in Sibirien via Hubschrauber abgesetzt und haben dort alle UMSONST versorgt !
Allerdings gab’s da halt auch die “Machtelite” *glugger* die halt auch mal mit dem “Feind” getanzt hat wenn’s was hübsches abzusahnen gab ;-)
Und nach dem “Zusammenbruch” der UDSSR konnte man schön sehen was “Kapitalismus” wirklich ist, denn die ganzen Multimilliardäre dort haben das Geld nicht durch “ehrliche Arbeit™” erworben.
Und die guten Bilder vom Kometeneinschlag sind auch dem reinen Kapitalismus der Versicherungen geschuldet, denn vor der “Wende™” konnte jeder Schäden bei der Regierung regulieren lassen und wenn er/sie/es nicht wirklich absolut groben Unfug begangen hatte war es gegessen, während jetzt ALLES erstmal in Zweifel gestellt wird und sich deswegen eingebürgert hat eine Totalüberwachung zu veranstalten.
Das Problem liegt *glugger* einfach darin das ab einer gewissen Anzahl Menschen es ein regulierendes Normativ braucht, ob das ein Glaube ist, miteinander Reden oder ein Machtmonopol bleibt sich gleich.
Beispiel: Von allen Ländern der Welt (>150 oder so) nimmst Du jeweils ein Kind im Alter von 5–6 Jahren und sperrst alle in ein und denselben Raum mit lecker Happenpappen, Buntstiften, Plüschtieren und anderem Spielzeug.
Was denkst Du tun die Kinder die sich gegenseitig nicht verstehen können miteinander ?
OK hast nachgedacht …
Nun nimm dieselben Kinder als Jugendliche sagen wir 10 Jahre nachdem sie wieder in ihren Ländern waren und mache dasselbe nun mit Spirituosen, Grill und lecker Happenpappen.
Was tun ein und dieselben Menschen nun miteinander ?
Und das, ausschließlcih das ist das Grundübel m(
Gib Kindern in Zentralafrika aktuelle Tablettcomputer oder Smartphones und siehe da die können die nach einigem herumspielen bedienen und haben ihre Freude dran, entgegen der Erwartungen der “Herrenmenschen” m(
Das Problem liegt im System selber das sich ja durch eben diese “Herrenmenschen” definiert.
Wenn ALLEN die gleiche Bildung und eine OBJEKTIVE Berichterstattung zur Verfügung steht funktioniert das System “Herrenmensch” eben nicht mehr.
Und jetzt erkläre mir mal warum wir verschiedene Schulsysteme haben und man Abitur braucht um ein Studium das zum Doktor führt haben muß ?
*glugger*
So und nu hab’ ich zuviel intus :-P
P.S.: Zum Horst mach ich mich nicht, das ist meine Meinung und läßt sich auch i.d.R. belegen, außer ich habe einen richtig dicke im Tee :-P
Daher denk mal darüber nach ob Du Dich mit Deiner Aussage nicht selber “geoutet” hast und wie heißt nochmal die Kleidermarke die man möglichst nicht tragen soll, neben weißen Schnürsenkeln im Springerstiefel mein ich :-P
Meine Güte, ist dieser Kindersprech (“*glugger*”) in einer so genannten “politischen Diskussion” anstrengend zu lesen. Es ist aber bezeichnend, dass Leute, die Anarchie befürworten, allesamt keinen sturzfreien Satz in jeglicher Sprache herausbekommen. Was sagt das über Anarchie aus?
Braucht man nicht zwangsläufig. Bitte informiere dich besser. Allerdings halte ich auch den Doktortitel für überflüssig.
Zum Kern deiner vergluckerten Aussage (nach fünfmal lesen konnte ich da tatsächlich so etwas wie eine Aussage erkennen): “das bei Anarchie jeder MIT jedem und eben NICHT GEGEN jeden ist”. Anarchie ist somit eine Utopie, die daran scheitert, dass Menschen Egoisten sind. Im Zweifel gilt es, die eigene Stellung bestmöglich zu festigen. Anarchie ist mit Menschen nicht machbar.
Eins noch: Als was genau hab’ ich mich denn “geoutet”? Erhelle mich! Ich bin schon ganz neugierig.
Wenn ich die argumentativen Ausführungen betrachte, klingt das schon ganz gut. Ich möchte da nur auf eine Sache hinweisen oder zuspitzen:
Sozialismus, der real praktizierte Sovjetkommunismus und Kapitalismus sind alle konkrete Ausrichtungen der Staatspolitik. Das Problem in den “kommunistischen” Versuchen war jetzt nur, dass sie einerseits zwar die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund gerückt (Schulen, Krankenhäuser, etc.) andererseits aber am Prinzip Herrschaft festgehalten haben. Anders als diese Staatspolitiken ist Anarchie eine Frage der Einstellung und ein Prozess, der unterschiedliche Staats- oder Gesellschaftsformen zur Folge hat. Insofern ist die Aussage, Anarchie ist nicht machbar falsch — denn Anarchie ist kein konkretes umsetzbares Modell, sondern eine Haltung und ein Prozess, die die bestehenden Modelle beeinflusst und ändert.
Anders als in den größeren anarchistischen Versuchen, wurde dort eben nicht selbstbestimmt gearbeitet (was ja gerade dem menschlichen Egoismus entspricht), sondern für einen von außen festgesetzten Fünfjahresplan für eine abstrakte riesige letztlich anonyme Gesellschaftskonstruktion.
Dabei gabs da ja einige größere Gebiete, in denen der Kommunismus eine anarchistische Ausrichtung hatte, etwa Kronstatt oder die Machno-Bewegung in der Ukraine, die von den Bolschewiki irgendwann blutig niedergeschlagen wurden. Oder in anderen Teilen Europas mit einer syndikalistischen Ausrichtung die Pariser Commune oder Spanien 1936. Allen gemeinsam war, dass sie sich trotz fehlender Unterstützung von außen mitunter recht lange halten konnten und letztlich nicht an inneren Widersprüchen zerbrochen sind sondern durch Armeen zerschlagen wurden.
Der Punkt mit dem Egoismus ist halt, dass dieser in der Regel als destruktiv missverstanden wird. Dabei ist Egoismus einer der stärksten Antriebskräfte die wir haben (neben Empathie). Ob er destruktiv wird oder nicht hängt von den gesellschaftlichen Regeln ab. Wenn ich am meisten profitiere, indem ich andere aussteche führt mein Egoismus dazu dass ich eben andere aussteche, die dann verlieren (Grundlage der meisten Ballsportarten — wir gegen die). Wenn ich aber am meisten profitiere, indem ich mich sozial verhalte, werde ich mich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sozial verhalten -> siehe Couchsurfing.
Und die Mär von dem einen Betrüger, der alles zum Einsturz bringt, ist an der Realität von Couchsurfing ad absurdum geführt. Das ist das was ich anfangs meinte mit Ordnung. Es gibt Absprachen, wie Menschen auf so etwas reagieren und wie sie dem vorbeugen können. Und obwohl es solche Fälle gerade hier in Deutschland gab, ist Couchsurfing (auch hier) nicht zusammengebrochen.
Da fehlt der Optativ. Anarchie ist eine Haltung und ein Prozess, hat aber etwas zum Ziel, was nicht funktionieren kann — da hilft auch jedwelche Änderung und Beeinflussung nicht.
Nein, die wenigsten Menschen halten ihren Egoismus für destruktiv, tatsächlich glauben sogar viele, sie seien am Gemeinwohl interessiert, wohl aus Angst vor Verurteilung, die jedoch berechtigt wäre. Menschen sind nicht so wie dein Utopia es verlangt.
“denk mal darüber nach” Sätze mag ich übrigens nicht. Die kommen immer so schrecklich von oben herab…
Ich finde sie ja eher komisch…
“Das Prinzip der wohlwollenden Interpretation fordert, dass man Ideen, gegen die man argumentiert, im bestmöglichen Licht darstellt.[1] Insbesondere in der Philosophie und Rhetorik sollen demnach alle Äußerungen von Diskurspartnern als rational und, bei Meinungsverschiedenheiten, in ihrem bestmöglichen, stärksten Sinn verstanden werden. Ziel dieses methodologischen Prinzips ist, den Aussagen Anderer nicht Irrationalität, Trugschlüsse oder Unwahrheiten zuzuschreiben, wenn eine schlüssige, rationale Interpretation ebenfalls möglich ist. Nach Simon Blackburn[2] „zwingt es den Hörer dazu, die Wahrheit und Rationalität in den Äußerungen des Anderen zu maximieren.“[3] Argumente, die systematisch gegen das Prinzip der wohlwollenden Interpretation verstoßen, werden zuweilen als Strohpuppe stigmatisiert.”
Oh, das ist natürlich aus der Wikipedia zitiert.
In einem anderen Buch (The philosophers toolkit) wird noch darauf hingewiesen, dass dieses Vorgehen zu stärkeren Argumenten führt, da man die Gegenargumente nicht auf schlechten Karikaturen des tatsächlichen Arguments aufbaust, sondern auf der stärkstmöglichen Interpretation. Auch wenn das Argument tatsächlich schwächer ist, macht das Sinn, da dieses Vorgehen die Schwäche des anderen vo Augen führt.
Muss jemand, der ein Buch schreibt, wissen, wovon er spricht? (Und worauf beziehst du dich?)