MusikNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: “Nein, die andere Freiheit.”

Zu der medi­alen Wahrnehmung der selt­samen Musik­gruppe “Frei.Wild” hat­te ich mich ja bere­its abfal­l­end geäußert, damals noch ohne große Ken­nt­nis von der tat­säch­lich gespiel­ten Musik. Über meine Ver­wandtschaft kam ich mit­tler­weile mit sel­biger in Kon­takt und kann zumin­d­est ver­ste­hen, wieso sie polar­isiert; auf mich wirkt das Darge­botene schlicht laien­haft. Nun hat sich jüngst her­aus­gestellt, dass auch diese Musik­er einige “Fan­shirts” (“Band­pullis”) feil­bi­eten, also Motivbek­lei­dung für ihre Gutfind­er.

Eines dieser Shirts trägt außer dem Namen der Musik­gruppe den Schriftzug “Scheiß auf Gut­men­schen und Morala­pos­tel”, ein anderes “Frei­heit”. Ein Shirt mit dem Motiv “Ehre” oder anderen his­torisch belasteten Begrif­f­en kon­nte ich im “Onli­neshop” der Band bei ein­er kurzen Recherche soeben nicht find­en. Han­ning Voigts von der “Frank­furter Rund­schau” aber schon:

Und die Band­pullis so: “Frei­heit”, “Ehre”, “Scheiß auf Gut­men­schen”. Das ist nicht recht­sradikal?

Nö, Han­ning, isset unab­hängig von der Band selb­st nicht, schon deshalb, weil ein “Ehre”-“Bandpulli” augen­schein­lich nicht existiert (wobei die Gle­ichung “Ehre = recht­sradikal” auch noch etwas ist, über das wir uns mal unter­hal­ten müssten). Zu den anderen bei­den “Band­pullis” fällt mir allerd­ings schon etwas mehr ein. Moment, ich muss nur kurz die Hand aus dem Gesicht bekom­men.

Erstens: Gut­men­sch.

“Gut­men­sch” ist ein­er dieser Begriffe, bei denen ich mir nicht ganz sich­er bin, ob ihre Ver­wen­der über­haupt über ihre Bedeu­tung nachgedacht haben. Der Duden jeden­falls ken­nt den Gut­men­schen als einen Men­schen, der sich in ein­er als unkri­tisch, über­trieben, nervtö­tend o. ä. emp­fun­de­nen Weise im Sinne der Polit­i­cal Cor­rect­ness ver­hält, sich für die Polit­i­cal Cor­rect­ness ein­set­zt; ein­er wie der Bril­len­schlumpf zum Beispiel.

Ein “Gut­men­sch” ist also ein beson­ders nach­drück­lich­es Exem­plar eines Morala­pos­tels. Inter­es­san­ter­weise stört das Wort “Morala­pos­tel” Han­ning Voigts anscheinend nicht im Ger­ing­sten. Früher musste man, um recht­sradikal zu sein, noch Aus­län­der has­sen, heute genügt es, sich nicht in die eigene Moral reinre­den zu lassen. Wen wundert’s da, dass die Medi­en ent­deck­en, dass laut Medi­en­bericht­en immer mehr Leute “dem Recht­sradikalis­mus” nah­este­hen, wenn dessen Def­i­n­i­tion aus Man­gel an Reflex­ionsver­mö­gen immer weit­er greift? Ein gesellschaftlich­er Kon­sens ist wün­schenswert, Sit­ten­wächter aber sind es nicht, denn die Def­i­n­i­tion­s­macht über diesen Kon­sens obliegt nicht Einzel­nen. (Anar­chie ist die Herrschaft des Stärk­eren. Das hat schon mal nicht funk­tion­iert.)

Zweit­ens: Frei­heit.

Leute, die Shirts mit “Frei­heit” drauf tra­gen, sind recht­sradikal. Ach nein, nicht ganz, Hen­ning Voigts find­et Frei­heit ja auch dufte, aber nur andere Frei­heit. Bedrück­end: 57 Prozent der Deutschen ist die Frei­heit beson­ders wichtig. Wenn “Frei.Wild” auf die Shirts also nicht “Frei­heit”, son­dern “Frei­heit (wie sie Han­ning Voigts meint)” druck­en ließen, wäre alles in bester Ord­nung, nehme ich an.

Wie genau er das meint und inwiefern sich seine Frei­heit von “Frei.Wild“s Frei­heit unter­schei­det, weiß ich lei­der nicht, was die Entschei­dung, ob ich jet­zt die gute oder die schlechte Frei­heit gut finde, allein in Her­rn Voigts’ Hände legt. Wie ärg­er­lich. Bis dieses Prob­lem beseit­igt wurde, werde ich also bis auf Weit­eres jede Form der Frei­heit ablehnen.

Wer möchte schon für einen Recht­sradikalen gehal­ten wer­den?

Senfecke:

  1. Also die Band und deren Pullis sind mir ja egal, aber ich komm jet­zt doch nicht drum­rum kurz den Schlaubi raushän­gen zu lassen: Alter — die Herrschaft des Stärk­eren ist Anomie und nicht Anar­chie! Ein Fehler den schon Thomas Hobbes mit seinem ziem­lich däm­lichen Werk Leviathan gemacht hat in dem er einen ange­blichen Naturzu­s­tand her­beifab­u­liert, inner­halb dessen der Men­sch dem Men­schen ein Wolf sei, er aber nicht ver­stand, dass die Gewalt im Bürg­erkrieg damals eine direk­te Folge der monar­chis­tis­chen Herrschaft war. Anders gesagt: Wenn der deutsche obrigkeit­shörige Unter­tan auf ein­mal fest­stellt, dass die Polizei und der Staat aus welchem Grund auch immer zusam­men­brechen, fehlt ihm jede Ori­en­tierung eines friedlichen Miteinan­ders, schließlich war der Frieden in seinem Kopf immer durch die Gewalt der Polizei garantiert. Und schon haben wir die selb­ster­nan­nte Bürg­er­wehr, die nach klein­bürg­er­lichen und häu­fig wenig reflek­tierten Mech­a­nis­men der Selb­stjus­tiz loszieht, verurteilt und “voll­streckt” und natür­lich andere, die sich dage­gen wehren, wenn sie denn stärk­er sind. Nein, Nein, Nein — das ist keine Anar­chie. Das ist Chaos und Anomie. Oder auch die Herrschaft des Stärk­eren. :aufsmaul:

    • Anar­chie ist die Abwe­sen­heit von Herrschaft, somit die Staats­form, in der Autonomie (griechisch “Selb­stver­wal­tung”) gedei­hen kann. Das mag friedlich funk­tion­ieren, aber nur, bis der Mob sich zusam­men­rot­tet. Und das wird er.

  2. Auch wenns nach Wortk­lauberei klingt — Anar­chie ist keine Staats­form, da Staat­en Herrschaftssys­teme sind. Im streng­sten Sinne hast Du aber Recht, dass Anar­chie die Abwe­sen­heit von Herrschaft ist — nicht mehr und nicht weniger. Das bedeutet allerd­ings auch, dass es Ord­nung geben muss. Denn eine Gesellschaft ohne Ord­nung bedeutet Herrschaft der Stärk­eren und kann somit keine Anar­chie sein.

    Sobald diese Ord­nung nicht dazu in der Lage ist einen solchen Mob zu ver­hin­dern ist es keine Anar­chie mehr. In meinen Augen macht Anar­chie deshalb nur Sinn als per­ma­nen­ten kreativ­en Prozess, in dem man ver­sucht Herrschaft, Gewalt und Hier­ar­chiemißbrauch zu ver­hin­dern bzw. abzubauen.

    • Wortk­lauberei? Oh, das ist schön. Wer ist denn “man”? “Man” ver­sucht, Herrschaft zu ver­hin­dern — wom­it die Herrschaft also in der Hand des Mobs liegt? Was passiert mit Men­schen, die mit der Anar­chie nicht ein­ver­standen sind? Wer entschei­det das?

  3. Hmmm,
    entwed­er man hat ein Gewalt­monopol, ob das nun “geteilt” ist oder ein­fach nur bedeutet “willst Du mein Fre­und nicht sein schlag ich Dir den Schädel ein” ist egal, echte Anar­chie hat es genau­sowenig im großen Stil gegeben wie echter Sozial­is­mus.
    Es gibt(gab?) zwar einige Indi­an­er­stämme in Südameri­ka die kein­er­lei Besitzbe­griff ken­nen, also jed­er nimmt von jedem weil es da ist aber das sind die Aus­nah­men der Regel.
    Das Prob­lem ist nun­mal, das hat ja schon Mark Twain erkan­nt, das es KEINE unab­hängige Presse gibt die objek­tive über­prüfte Infor­ma­tio­nen liefern auch gegen die Regierun­gen und “Entschei­der”.
    Bestes Beispiel wie rein­er Kap­i­tal­is­mus funk­tion­iert sieht man aktuell an der Geset­zge­bung in Japan, die auss­chließlich wegen des Super­gaus von Fukushi­ma erlassen wor­den ist.
    Und welchem Zweck dient dieses Gesetz ?
    Echte “Frei­heit” gibt es auch nicht weil es immer Abhängigkeit­en gibt, ich muß atmen, ich muß trinken, ich muß essen und das Umge­set­zte dann wieder loswer­den (von der Fortpflanzung …).
    Solange ich nun in der freien Natur die Sym­biose zwis­chen Flo­ra und Fau­na einge­hen kann ist das kein großes Prob­lem, dann sam­mele ich Früchte, jage Mam­muts und mach mir mein Feuerchen in der Höh­le.
    Allerd­ings haben die Nomaden schnell ent­deckt das die Sesshaften ein­fachere Beute sind als die Mam­muts und daher eben lieber die Ernte der Sesshaften ger­aubt haben als zu jagen, bis dann Grup­pen bei den Sesshaften sesshaft gewor­den sind um sie gegen Ovo­lus aka den zehn­ten vor ihren “Kam­er­aden” zu “beschützen”.
    Und somit wurde der “Adel” gegrün­det s.o.
    Das ist heute noch so, wer schwarz in der Bahn fährt weil er sich die Fahrkarte und damit auch das “erhöhte Beförderungsent­gelt” nicht leis­ten kann geht auf Staatskosten=Steuergelder für eine Woche in den Bau wegen einem “Schaden” von 1,50 €, während die Mil­liar­den­be­trüger “sys­temim­ma­nent” sind und auch wenn Mil­lio­nen an Steuer­hin­terziehung oder Kindesmißbrauch fest­gestellt wer­den die “Adeli­gen” höch­stens die Steuern zurück­zahlen müssen OHNE das sie ins Gefäng­nis gehen.
    Und nun erk­läre mir mal wo das aktuelle Sys­tem “Frei­heit ™” für JEDEN bein­hal­tet ?
    Du bist frei Dir jeden Tag den Arsch für den “Gel­dadel” aufzureißen damit Du Deinen Kindern ein­mal im Monat eine Kinokarte spendieren kannst, nur um dann von der “Qual­ität­s­presse” als Sozialschmarotzer beze­ich­net zu wer­den, weil ja der “Gel­dadel” das so befiehlt und wir wis­sen ja “Des Brot ich ess, des Lied ich sing!”.
    Und das ist es was mich am meis­ten ankotzt, diese Falschheit der “Jour­naille” .…
    Leute die es schw­er haben wer­den niedergeschrieben während über­führte Betrüger als “Helden” dargestellt wer­den.
    So und um nun­mal auf das eigentliche The­ma zu kom­men, Bands die den “freien Markt™” und den “Nation­al­is­mus” bedi­enen sind nun­mal eher in der kon­ser­v­a­tiv­en “recht­en” Ecke zu verorten.
    Bands die gegen die “Herrschen­den” sin­gen wer­den automa­tisch vom Ver­fas­sungss­chutz beobachtet und im Bericht genan­nt, NSU Morde wer­den dage­gen NICHT als recht­sradikal eingeschätzt usw. usf.
    Ob nun frei.wild konkret zur Volksver­het­zung aufruft oder es “sar­razi­nesk” erledig bleibt sich im End­ef­fekt gle­ich, denn wir wis­sen ja dank Sar­razin und Kon­sorten das es “auss­chließlich” an den Genen liegt *KOPFTISCH*
    Sollte sich ein­er dieser “Glanzköpfe” mal die Mühe machen z.B. das alte Genom­pro­jekt der Uni Tübin­gen wegen Herkun­ft und Genom durchzuar­beit­en, der würde fest­stellen das in Toitsch­land die meis­ten Men­schen eben eher einen “ara­bis­chen” Genom­ty­pus haben und keine “blonde Her­ren­rasse” vorhan­den ist.
    Es geht aber nicht um Objek­tiv­ität, son­dern Dem­a­gogie und reinem Glauben an die beste­hende “Leis­tungs­ge­sellschaft” aka “Gel­dadel”.
    Und genau deren sim­ple Vorstel­lun­gen, das näm­lich sie auf­grund ihrer Herkun­ft (Genom) anderen über­legen sein müssen (son­st hätte “Gott™” das ja nicht so gewollt) wer­den durch Sarrazin&Konsorten samt Springer­presse und Ber­tels­mann ver­bre­it­et.
    Und ganz ehrlich wenn man sich den Hin­ter­grund für die “Empörung” wegen frei.wild ansieht, was fällt einem da auf ?
    So und nach­dem ich mir nun den all­ge­meinen Frust über das asoziale Sys­tem run­tergerubbelt Äh weggeschrieben habe, gönne ich mir ’ne Bud­del Glüh­wein :-P
    Bin ja mal ges­pan­nt ob Du meinen Rant hier veröf­fentlichst ;-)

    • Warum sollte ich nicht? Ich bin ja kein­er von diesen Links­blog­gern, die bei wirren Mei­n­un­gen LALALA brüllen und auf “Löschen” drück­en. Jed­er darf sich hier frei nach Schnau­ze zum Horst machen. ;)

      Dabei stimmst du mir doch sog­ar zu: Echte Anar­chie hat es nie gegeben. Warum? Weil auch ihre Ver­fechter Angst haben, dass sie dann nicht zur Mehrheit gehören, son­dern diejeni­gen sind, die die Schat­ten­seite der Anar­chie zu spüren bekom­men.

      • Nein *glug­ger*,
        Du hast das Prinzip von Anar­chie und Sozial­is­mus nicht ver­standen.
        Bei bei­den Gesellschafts­for­men *glug­ger* geht es darum das der Men­sch und seine Bedürfnisse im Mit­telpunkt ste­hen, der Unter­schied ist ein­fach nur das bei Anar­chie jed­er MIT jedem und eben NICHT GEGEN jeden ist (wie im Kap­i­tal­is­mus™) und zwar OHNE Macht­monopol und beim Sozial­is­mus eben der Staat mit Macht­monopol dafür sorgt das ALLEN Bürg­ern ALLES Leben­snotwendi­ge KOSTENFREI zur Ver­fü­gung gestellt wird, weil eben die “Besserver­di­enen­den” sol­i­darisch sind.
        Im Kom­mu­nis­mus der Sowji­etu­nion gab es sowohl Anteile von Kap­i­tal­is­mus als auch Sozial­is­mus.
        Z.B. gab es eine freie medi­zinis­che Ver­sorgung, da wur­den dann Ärzte und Kranken­schwest­ern auf Staatskosten mit­ten in Sibirien via Hub­schrauber abge­set­zt und haben dort alle UMSONST ver­sorgt !
        Allerd­ings gab’s da halt auch die “Machtelite” *glug­ger* die halt auch mal mit dem “Feind” getanzt hat wenn’s was hüb­sches abzusah­nen gab ;-)
        Und nach dem “Zusam­men­bruch” der UDSSR kon­nte man schön sehen was “Kap­i­tal­is­mus” wirk­lich ist, denn die ganzen Mul­ti­mil­liardäre dort haben das Geld nicht durch “ehrliche Arbeit™” erwor­ben.
        Und die guten Bilder vom Kome­tenein­schlag sind auch dem reinen Kap­i­tal­is­mus der Ver­sicherun­gen geschuldet, denn vor der “Wende™” kon­nte jed­er Schä­den bei der Regierung reg­ulieren lassen und wenn er/sie/es nicht wirk­lich abso­lut groben Unfug began­gen hat­te war es gegessen, während jet­zt ALLES erst­mal in Zweifel gestellt wird und sich deswe­gen einge­bürg­ert hat eine Totalüberwachung zu ver­anstal­ten.
        Das Prob­lem liegt *glug­ger* ein­fach darin das ab ein­er gewis­sen Anzahl Men­schen es ein reg­ulieren­des Nor­ma­tiv braucht, ob das ein Glaube ist, miteinan­der Reden oder ein Macht­monopol bleibt sich gle­ich.
        Beispiel: Von allen Län­dern der Welt (>150 oder so) nimmst Du jew­eils ein Kind im Alter von 5–6 Jahren und sperrst alle in ein und densel­ben Raum mit leck­er Hap­pen­pap­pen, Bunts­tiften, Plüschtieren und anderem Spielzeug.
        Was denkst Du tun die Kinder die sich gegen­seit­ig nicht ver­ste­hen kön­nen miteinan­der ?
        OK hast nachgedacht …
        Nun nimm diesel­ben Kinder als Jugendliche sagen wir 10 Jahre nach­dem sie wieder in ihren Län­dern waren und mache das­selbe nun mit Spir­i­tu­osen, Grill und leck­er Hap­pen­pap­pen.
        Was tun ein und diesel­ben Men­schen nun miteinan­der ?
        Und das, auss­chließl­cih das ist das Grundü­bel m(
        Gib Kindern in Zen­tralafri­ka aktuelle Tablettcom­put­er oder Smart­phones und siehe da die kön­nen die nach einigem herum­spie­len bedi­enen und haben ihre Freude dran, ent­ge­gen der Erwartun­gen der “Her­ren­men­schen” m(
        Das Prob­lem liegt im Sys­tem sel­ber das sich ja durch eben diese “Her­ren­men­schen” definiert.
        Wenn ALLEN die gle­iche Bil­dung und eine OBJEKTIVE Berichter­stat­tung zur Ver­fü­gung ste­ht funk­tion­iert das Sys­tem “Her­ren­men­sch” eben nicht mehr.
        Und jet­zt erk­läre mir mal warum wir ver­schiedene Schul­sys­teme haben und man Abitur braucht um ein Studi­um das zum Dok­tor führt haben muß ?
        *glug­ger*
        So und nu hab’ ich zuviel intus :-P

        P.S.: Zum Horst mach ich mich nicht, das ist meine Mei­n­ung und läßt sich auch i.d.R. bele­gen, außer ich habe einen richtig dicke im Tee :-P
        Daher denk mal darüber nach ob Du Dich mit Dein­er Aus­sage nicht sel­ber “geoutet” hast und wie heißt nochmal die Klei­der­marke die man möglichst nicht tra­gen soll, neben weißen Schnürsenkeln im Springer­stiefel mein ich :-P

        • Meine Güte, ist dieser Kinder­sprech (“*glug­ger*”) in ein­er so genan­nten “poli­tis­chen Diskus­sion” anstren­gend zu lesen. Es ist aber beze­ich­nend, dass Leute, die Anar­chie befür­worten, alle­samt keinen sturzfreien Satz in jeglich­er Sprache her­aus­bekom­men. Was sagt das über Anar­chie aus?

          Und jet­zt erk­läre mir mal warum wir ver­schiedene Schul­sys­teme haben und man Abitur braucht um ein Studi­um das zum Dok­tor führt haben muß ?

          Braucht man nicht zwangsläu­fig. Bitte informiere dich bess­er. Allerd­ings halte ich auch den Dok­tor­ti­tel für über­flüs­sig.

          Zum Kern dein­er ver­gluck­erten Aus­sage (nach fünf­mal lesen kon­nte ich da tat­säch­lich so etwas wie eine Aus­sage erken­nen): “das bei Anar­chie jed­er MIT jedem und eben NICHT GEGEN jeden ist”. Anar­chie ist somit eine Utopie, die daran scheit­ert, dass Men­schen Ego­is­t­en sind. Im Zweifel gilt es, die eigene Stel­lung best­möglich zu fes­ti­gen. Anar­chie ist mit Men­schen nicht mach­bar.

          Eins noch: Als was genau hab’ ich mich denn “geoutet”? Erhelle mich! Ich bin schon ganz neugierig.

  4. Wenn ich die argu­men­ta­tiv­en Aus­führun­gen betra­chte, klingt das schon ganz gut. Ich möchte da nur auf eine Sache hin­weisen oder zus­pitzen:

    Sozial­is­mus, der real prak­tizierte Sov­jetkom­mu­nis­mus und Kap­i­tal­is­mus sind alle konkrete Aus­rich­tun­gen der Staat­spoli­tik. Das Prob­lem in den “kom­mu­nis­tis­chen” Ver­suchen war jet­zt nur, dass sie ein­er­seits zwar die Bedürfnisse der Men­schen in den Vorder­grund gerückt (Schulen, Kranken­häuser, etc.) ander­er­seits aber am Prinzip Herrschaft fest­ge­hal­ten haben. Anders als diese Staat­spoli­tiken ist Anar­chie eine Frage der Ein­stel­lung und ein Prozess, der unter­schiedliche Staats- oder Gesellschafts­for­men zur Folge hat. Insofern ist die Aus­sage, Anar­chie ist nicht mach­bar falsch — denn Anar­chie ist kein konkretes umset­zbares Mod­ell, son­dern eine Hal­tung und ein Prozess, die die beste­hen­den Mod­elle bee­in­flusst und ändert.

    Anders als in den größeren anar­chis­tis­chen Ver­suchen, wurde dort eben nicht selb­st­bes­timmt gear­beit­et (was ja ger­ade dem men­schlichen Ego­is­mus entspricht), son­dern für einen von außen fest­ge­set­zten Fün­f­jahre­s­plan für eine abstrak­te riesige let­ztlich anonyme Gesellschaft­skon­struk­tion.

    Dabei gabs da ja einige größere Gebi­ete, in denen der Kom­mu­nis­mus eine anar­chis­tis­che Aus­rich­tung hat­te, etwa Kro­n­statt oder die Mach­no-Bewe­gung in der Ukraine, die von den Bolschewi­ki irgend­wann blutig niedergeschla­gen wur­den. Oder in anderen Teilen Europas mit ein­er syn­dikalis­tis­chen Aus­rich­tung die Paris­er Com­mune oder Spanien 1936. Allen gemein­sam war, dass sie sich trotz fehlen­der Unter­stützung von außen mitunter recht lange hal­ten kon­nten und let­ztlich nicht an inneren Wider­sprüchen zer­brochen sind son­dern durch Armeen zer­schla­gen wur­den.

    Der Punkt mit dem Ego­is­mus ist halt, dass dieser in der Regel als destruk­tiv missver­standen wird. Dabei ist Ego­is­mus ein­er der stärk­sten Antrieb­skräfte die wir haben (neben Empathie). Ob er destruk­tiv wird oder nicht hängt von den gesellschaftlichen Regeln ab. Wenn ich am meis­ten prof­i­tiere, indem ich andere aussteche führt mein Ego­is­mus dazu dass ich eben andere aussteche, die dann ver­lieren (Grund­lage der meis­ten Ball­sportarten — wir gegen die). Wenn ich aber am meis­ten prof­i­tiere, indem ich mich sozial ver­halte, werde ich mich mit ein­er hohen Wahrschein­lichkeit sozial ver­hal­ten -> siehe Couch­surf­ing.

    Und die Mär von dem einen Betrüger, der alles zum Ein­sturz bringt, ist an der Real­ität von Couch­surf­ing ad absur­dum geführt. Das ist das was ich anfangs meinte mit Ord­nung. Es gibt Absprachen, wie Men­schen auf so etwas reagieren und wie sie dem vor­beu­gen kön­nen. Und obwohl es solche Fälle ger­ade hier in Deutsch­land gab, ist Couch­surf­ing (auch hier) nicht zusam­menge­brochen.

    • Anar­chie ist kein konkretes umset­zbares Mod­ell, son­dern eine Hal­tung und ein Prozess, die die beste­hen­den Mod­elle bee­in­flusst und ändert.

      Da fehlt der Opta­tiv. Anar­chie ist eine Hal­tung und ein Prozess, hat aber etwas zum Ziel, was nicht funk­tion­ieren kann — da hil­ft auch jed­welche Änderung und Bee­in­flus­sung nicht.

      Nein, die wenig­sten Men­schen hal­ten ihren Ego­is­mus für destruk­tiv, tat­säch­lich glauben sog­ar viele, sie seien am Gemein­wohl inter­essiert, wohl aus Angst vor Verurteilung, die jedoch berechtigt wäre. Men­schen sind nicht so wie dein Utopia es ver­langt.

  5. “denk mal darüber nach” Sätze mag ich übri­gens nicht. Die kom­men immer so schreck­lich von oben herab…

  6. :?
    “Das Prinzip der wohlwol­len­den Inter­pre­ta­tion fordert, dass man Ideen, gegen die man argu­men­tiert, im best­möglichen Licht darstellt.[1] Ins­beson­dere in der Philoso­phie und Rhetorik sollen dem­nach alle Äußerun­gen von Diskurspart­nern als ratio­nal und, bei Mei­n­ungsver­schieden­heit­en, in ihrem best­möglichen, stärk­sten Sinn ver­standen wer­den. Ziel dieses method­ol­o­gis­chen Prinzips ist, den Aus­sagen Ander­er nicht Irra­tional­ität, Trugschlüsse oder Unwahrheit­en zuzuschreiben, wenn eine schlüs­sige, ratio­nale Inter­pre­ta­tion eben­falls möglich ist. Nach Simon Blackburn[2] „zwingt es den Hör­er dazu, die Wahrheit und Ratio­nal­ität in den Äußerun­gen des Anderen zu maximieren.“[3] Argu­mente, die sys­tem­a­tisch gegen das Prinzip der wohlwol­len­den Inter­pre­ta­tion ver­stoßen, wer­den zuweilen als Stroh­puppe stig­ma­tisiert.”

  7. Oh, das ist natür­lich aus der Wikipedia zitiert.
    In einem anderen Buch (The philoso­phers toolk­it) wird noch darauf hingewiesen, dass dieses Vorge­hen zu stärk­eren Argu­menten führt, da man die Gege­nar­gu­mente nicht auf schlecht­en Karika­turen des tat­säch­lichen Argu­ments auf­baust, son­dern auf der stärk­st­möglichen Inter­pre­ta­tion. Auch wenn das Argu­ment tat­säch­lich schwäch­er ist, macht das Sinn, da dieses Vorge­hen die Schwäche des anderen vo Augen führt.

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