Ein aufschlussreiches Gespräch mit Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU, was auch sonst?) hat Tilman Steffen “ZEIT ONLINE” kürzlich geführt. Holger Stahlknecht — wer ihn nicht kennt — ist derjenige, der sich gern zusammen mit anderen CDU-hardlinern wie Uwe Schünemann und Hans-Peter Friedrich ablichten lässt, um auch mal in der Zeitung zu sein. Schon im Kindergarten gab es ja immer Leute, die lieber mit den coolen kids — also den Rowdys — ihre Zeit verbrachten.
Interessant fand ich die Einleitung des Gesprächs: Ein Scheitern des nächsten NPD-Verbots würde den Rechtsstaat stärken, teilte Holger Stahlknecht ihrzufolge mit. Diese Aussage, für sich allein stehend, erschien mir so grandios grotesk, dass ich mich tatsächlich mit dem kompletten Interview befasste. Und es wurde nicht besser!
Er — Holger Stahlknecht — fände ein NPD-Verbot an sich ziemlich prima. Ob er dafür die nötigen Beweise habe? Neien! Müsse er ja auch nicht:
Aus meiner Sicht reicht die Erkenntnis, dass die Partei zur Umsetzung ihrer politischen Ziele Gewalt zumindest billigend in Kauf nimmt. Ob dies dann programmatisch verankert sein muss, sei dahingestellt.
Entscheidend für die Beurteilung der Aggressivität ist, was in den Köpfen der Parteiführer vorgeht. Für mich ist klar, dass die NPD physische und psychische Gewalt nutzt, um ihre politischen Ziele umzusetzen. (…)
Es sind uns Telefongespräche bekannt, in denen NPD-Mitglieder Gewaltakte bei Demonstration gutheißen. Das belegt: Gewalt ist für die NPD ein probates Mittel.
Zur Erinnerung: Der Mann ist in der CDU. Das reicht nicht? Nun:
- März 2003: Merkel (Vorsitzende, CDU) nennt Angriffskrieg gegen den Irak eine “unumgängliche Schadensbegrenzung”.
- 1. Januar 2007: Schäuble (hochrangiger Minister, CDU) will Abschuss von Passagierflugzeugen erlauben.
- September 2010: Mappus (Landeschef, CDU) lässt einen Gegner “seines” Bahnhofsprojekts zum Krüppel schießen.
Das belegt: Gewalt ist für die CDU ein probates Mittel.
Und so weiter und so fort. Wie beurteilen wir nun die Aggressivität der CDU? Holger Stahlknechts Wortwahl war offenbar nicht die klügste. Blöderweise merkt er das nicht mal, wenn man nachfragt:
ZEIT ONLINE: Muss aber nicht die ganze Partei und ihre Führung eine solche Haltung zeigen und nicht nur einzelne Mitglieder oder Gruppen?
Stahlknecht: Ich meine: Wenn es einzelnen Parteigruppen nachweisbar ist, reicht das aus, die aggressiv-kämpferische Grundhaltung zu belegen.
Schön, dass das endlich geklärt ist.
Weiter im Text. Worauf Herr Stahlknecht genau spekuliert, war bis hierhin offen. Erfreulicherweise stellt er anschließend klar, dass ein Verbot der NPD eigentlich gar nicht so wichtig sei, eigentlich wäre es auch ganz gut, bliebe sie erlaubt:
Sollte das Verfassungsgericht die NPD nicht verbieten, sähe ich das nicht als Niederlage. Auch das Scheitern eines NPD-Verbots wäre ein Sieg für den Rechtsstaat. Dann müssen wir uns inhaltlich mit der NPD auseinandersetzen.
(Diese Reihenfolge lasse ich einfach mal so stehen; Hervorhebung von mir.)
Das eigene Tun erscheint oft so viel philanthropischer, wenn man es nur am richtigen Gegenüber misst.
So ein Rechts-Staat braucht andererseits immer eine geeignete Regierung, nicht wahr?


Senfecke:
Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <tt> <span style=""> <strike>
Datenschutzhinweis: Deine IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details findest du hier.