(Den folgenden Text werde ich einmal im Dialekt der mir nahezu täglich begegnenden Jugend zu verfassen versuchen, weil ich mal wissen will, wie das ist.)
Also ich geh so vorgestern wieder durch Hannover über’n Weihnachtsmarkt und vorher so in den Zeitschriftenladen im Bahnhof und ich seh da so ’ne Menge Zeugs.
Neben Computermagazinen, die voll den Mist schreiben (“Rapidshare leersaugen”, sic!), hatten die auch Bücher und so.
(Herrje, das fühlt sich schäbig an. Apropos schäbig. Ich unterbreche das Experiment hier und fahre wie gewohnt fort.)
Außer dem üblichen Politikbrei (“Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen”, für Teil 2 schlage ich “Die Abzocker: Wie raffgierige Autoren damit Geld verdienen” vor) hat zu meiner Erschütterung der Anteil an Büchern über den Kulturverfall Deutschlands zugenommen. Einige Beispiele:
Einige haben daraus gar eine Serie gemacht und verdienen so gleich das Doppelte:
Einige Autoren nennen nicht nur Anekdoten, aus denen sie den Umstand herleiten, dass “wir” “verblöden”, sondern warten auch mit Ursachen für diesen Umstand auf. Einige benennen dabei das Fernsehen als Übeltäter, andere die Politik, wieder andere kommen auf ganz andere Ideen, aber eines vergessen sie allesamt:
Ein Volk, das alle Jahre wieder sein durch Finanzkrisen und Krieg arg dezimiertes klägliches Gehalt für Bücher ausgibt, die es darüber informieren, dass es doof ist, wird die wahren Ursachen für den Kulturverfall nie gänzlich zu begreifen imstande sein.
Die Mutter der Idioten, so sagt man, gebiert täglich.
(Übrigens habe ich in der Nacht von gestern auf heute erstmals selbst erlebt, dass einige Verkehrsunternehmen jedes Mal völlig überrascht sind, wenn es im Winter schneit.)







Ist Dir bekannt, dass der Winter 2010, astronomisch gesehen, am 22. Dezember um 00:38 MEZ beginnt?
Ja, wer tatenlos zusieht wie er seiner Identdität beraubt wird und sich aus Brüssel den Krümmungsgrad seiner auf dem
Bauernmarkt verkauften Gurken vorschreiben lässt, muss sich schon eine gewisse Verblödung vorwerfen lassen
Wenden wir uns nun wieder fröhlichen Themen wie der Finanzierung von Rettungsschirmen zu
Der Kluge gibt solange nach, bis er am Ende doch der Dumme ist!
Gehst du davon aus, dass sich die geschilderte Lage am 22. Dezember signifikant ändern wird?
Ich habe lediglich darauf hinweisen, dass der Herbst mal wieder ausgefallen und die Überraschung durchaus berechtigt ist.
Die Bahn hat also ernsthaft gedacht, Mitte Dezember würde es endlich anfangen zu regnen?
Das macht es keinesfalls besser.
was zum…? bei kälte schneit es?????????? glaube eher die bahner verblöden.
komisch nur dass so ein transsibirischer zug auch bei schnee faehrt.
Die sind ja auch mit den Industrieanlagen gebaut worden, die sie den Deutschen damals weggenommen haben.
weggenommen ist in dem Falle relativ, “zurückgenommen” würde wohl eher passen.
Worum gings nochmal?
Hach, Winter, so wie früher, mal schauen, wie lang wir das Glück haben werden. (Wobei früher™ nicht so ein Wirbel war, weil man bspw. bei der Bahn noch eins-zwei Leute hatte, die sich drum gekümmert haben, dass der Laden läuft, andererseits, mhh, wenn ich an 78 denk, oder war das 79? Ach ja.)
Ja, relativ; ist eben die Frage, was rechtens war, was nicht.
“Schneekatastrophe”, “Schneechaos”; früher hieß das “Schnee”, aber damit kann man keine Leser gewinnen. Seufz.
20 Mio Russen gegen eine Eisenbahn, mhh, mir fällt das relativ leicht, da eine rechte Relation zu vermissen.
Dir fehlt schlicht die nötige Fantasie.
Oh, einer der sich an die Winter der 70er erinnert. Endlich jemand, der mit mir bereits im Leben steht.
Ich bezweifle irgendwie, dass Jugendliche sich auch nur annähernd so ausdrücken würden wie du, tux. Dir fehlt da ganz klar noch ein wenig praxisnahe Erfahrung. Aber so gehts ja vielen. Zum Beispiel den Menschen, die jedes Jahr aufs neue “Jugendsprach-Wörterbücher” vermarkten.
Offenbar fährst du zu selten Bus.
Ich bin früher sehr viel Bus gefahren. Jahrelang im Schnitt 1–2 Stunden täglich. Dann bekam ich meinen Führerschein :p
Ich möchte darauf aber nicht näher eingehen, sondern vielmehr auf einen (oder eine Reihe von) Denkfehler(n):
Die von dir verunglimpfte Gruppe junger Menschen hat wohl eher wenig Interesse an Zeitschriften(läden), erst recht nicht, wenn sie eigentlich auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt ist, wo ordentlich getankt werden soll, vielleicht noch ein paar “Bitches abgeschleppt” oder “Handys klargemacht” werden. Da stören Zeitschriften einfach.
Selbst für den Fall, dass bewusst der Zeitungsladen angesteuert wird: Vorrang haben ganz klar FHM, Playboy und Computerbild Spiele. Eventuell noch die Juice oder vergleichbare Magazine. Würde man zugeben, auch noch andere Zeitschriften in Augenschein genommen zu haben, wäre das schon derbe uncool. Das Eingeständnis, in seiner Freizeit Bücher gesehen zu haben, die nichts mit Schule zu tun haben, könnte gar in einer Katastrophe enden.
Weiterhin fehlen in deiner Formulierung noch diverse “ey”, “so”, “Alter!” sowie ähnliche Begrifflichkeiten und die Grammatik ist nicht fehlerhaft genug.
Die Büchertische befanden sich inmitten der einschlägigen Zeitschriftenregale. Ach, nein, mir sind schon Jugendliche begegnet, die “ey, ischab gestern so ’n Buch gelesen und so” sprachen, um die Umstehenden zur Neugier zu verleiten.
Übrigens gehe ich nicht davon aus, dass solche Leute sich Bücher kaufen, sondern vielmehr diejenigen mit Halbwissen, die inter.. inti.. klug erscheinen möchten und so alles noch viel schlimmer machen.
Früher gingen die Kinder nicht 10–14 Jahre zur Schule, um nervlich zu Wracks gemacht zu werden. Und studierten dann dann vielleicht noch weitere 6 Jahre, um dann als Hartz4-Empfänger zu leben.
Sie halfen damals ihren Eltern, gingen zu den Bauern in der Erntezeit, kannten kein Fernsehen, kein Internet, keinen PC, keine Drogen, bekamen ab und an ein paar richtige hinter die Löffel, bewegten sich täglich an der frischen Luft, aßen keinen solchen Vergiftungsmüll wie heute — das ist der Grund, warum das andere Menschen waren, als diese Konsumdeppengenerationen wie heute. Die Generationen von heute sind das Zuchtergebnis ihrer politischen Beherrscher.
Das heißt, Schläge halten Kinder mündig?