PolitikIn den Nachrichten
Das unerträgliche Gepöbel junger Politikerinnen

Wir schreiben das Jahr 2014. In ein­er der hässlicheren deutschen Städte zieht sich eine dama­lige chan­cen­re­iche Kan­di­datin der Piraten­partei Deutsch­land halb aus, um die britis­chen Luft­stre­itkräfte schriftlich um die erneute Bom­bardierung der­sel­ben Stadt zu bit­ten. Der Fall find­et inter­na­tionale Aufmerk­samkeit und sorgt für partei­in­ter­nen Zwist, der schließlich, weil der Rauswurf zu lange dauert, zum Aus­tritt eines Teils des “anti­deutschen” Flügels führt. Die meis­ten dieser Flügelkämpfer find­en Zuflucht bei den “Linken”, der auf­grund der promi­nen­ten Neuzugänge schnell einige namhafte gemäßigte Mit­glieder ent­fliehen, weil sie das abse­hbare Elend lieber von außen betra­cht­en wollen.

Der ehe­ma­li­gen Piratenkan­di­datin tat das nach eigen­er Aus­sage furcht­bar leid, nicht so gemeint, hup­si. In der “Linken” wird sie später — wie auch andere dümm­lich han­del­nde Exmit­glieder ihres Exflügels — hoch ange­se­hen sein und für sie im Berlin­er Abge­ord­neten­haus (das waren die mit dem Flughafen) herum­sitzen. So weit, so sprechend für die Zustände in Berlin.

Ein Sprung ins Jahr 2017: Eine junge Ham­burg­er “Poli­tik­erin”, die eben­falls für die “Linke” in den Bun­destag einziehen möchte und ander­swo mit weinen­dem Emo­ji bekan­nt­gibt, sie möchte Deutsch­land “nie mehr wieder sehen”, bit­tet — wenig­stens mal mit Klam­ot­ten an — herzend um eine Liste von Trot­tel­pornos, also von Fil­men, die den Tod ein­er bes­timmten Men­schen­gruppe (hier: Deutsch­er) abbilden. Weil es nicht jed­er so amüsant find­et, dass sich jemand merk­lich bess­er fühlt, wenn er seinen (und selb­st den eige­nen) Mit­bürg­ern beim Ster­ben zusieht, wurde natür­lich auch in mitunter deut­lich über­trieben­em und ähn­lich unange­brachtem Maße darauf reagiert, denn wenn eine junge Deutsche Deutsche ster­ben sehen möchte, dann gilt das doch sich­er auch für die eigene Fam­i­lie und die eigene Per­son, nicht wahr?

Nein, natür­lich nicht wahr, es war nicht so gemeint, hup­si:

In einem State­ment charak­ter­isierte Ram­batz ihr Post­ing als eine Mis­chung aus „Unbe­darftheit und eigensin­niger Ironie“ und klagte über Mord­dro­hun­gen und „recht­en Shit­storm“. Ihr Post sei lediglich „satirisch über­spitzt“ gewe­sen, nun werde sie jedoch „mit Mord und Verge­wal­ti­gung bedro­ht“.

Denn der deutsche Staat, das muss man doch ver­ste­hen, ist zwar eine eklige Ein­rich­tung, die man nie wieder sehen möchte und deren Bewohn­er bitteschön zwecks Belus­ti­gung min­destens virtuell ster­ben soll­ten, aber das ist natür­lich iro­nisch über­spitzte, unbe­darfte Satire, was man schon daran erken­nt, dass es kein biss­chen witzig ist. Satire und Ironie (ich hätte jet­zt eher auf Zynis­mus getippt) dür­fen bekan­ntlich alles, auch gewalt­samen Tod spaßig find­en, so lange es der Tod ander­er Men­schen ist und der so Wün­schende nicht rechts ist, denn dann ist es nicht mehr lustig.

Man ver­ste­he mich nicht falsch: Wer jeman­dem höch­st­selb­st Gewalt andro­ht, der ist aus­nahm­s­los ein Men­sch, mit dem man nicht näher etwas zu tun haben wollen sollte, wed­er in der Poli­tik noch in der Kneipe. Die satirisch über­spitzten und bes­timmt auch total iro­nis­chen und unbe­darften Reak­tio­nen von Men­schen, die den Spaß an gewalt­sam ster­ben­den Völk­ern unab­hängig von der Form ihres Ein­wands zu Recht für einiger­maßen wider­lich hal­ten, recht­fer­ti­gen jedoch im Nach­hinein keineswegs, dass jemand, der das ver­has­ste Deutsch­land trotz­dem mitregieren will (denn auch ein Arbeit­ge­ber, den man scheiße find­et, zahlt manch­mal ein aus­re­ichen­des Gehalt), das mit der Men­schen­würde in einem solchen Umfang aktiv missver­ste­ht.

Anders als im Fall ihrer deutsch­land­kri­tis­chen Berlin­er Parteikol­le­gen hat hier der Bun­desvor­stand der Partei jedoch nicht helfend inter­ve­niert, son­dern die Abgabe des Lis­ten­platzes emp­fohlen. Im näch­sten gewählten Par­la­ment wird Sarah Ram­batz also ziem­lich sich­er keinen Platz erhal­ten, was der “Linken” zwar grund­sät­zlich pos­i­tiv anzurech­nen ist, mich aber vor die Frage stellt, warum die Freude über den Film­tod von Deutschen so viel schw­er­er zu wiegen scheint als die Bitte um die reelle Bom­bardierung deutsch­er Großstädte.

Vielle­icht hätte sie sich auch ausziehen und beschriften sollen.

Warum sie sich in ein­er Partei organ­isiert haben, kann ich mir nicht erk­lären.
Hannes Kling

Senfecke:

  1. Und das schlimme daran: Das wird nicht mehr bess­er. Prak­tisch eine ganze Gen­er­a­tion ist kom­plett ver­hun­zt. Und wie man an Anette Kahane gut sehen kann, ändern sich Men­schen meist nicht. Muss man eigentlich alle lebenslänglich von der Ausübung eines noch so kleinen Amtes auss­chliessen, son­st wer­den die wie Anette Kahane auch noch im fort­geschrit­te­nen Alter viel Unheil anricht­en.

  2. Diese Frau ist mir allein auf­grund der nach­fol­gen­den Schnap­pat­mung gepaart mit Lynch- und Verge­wal­ti­gungs­dro­hun­gen rechter Kreise sym­pa­thisch. “Inglo­ri­u­ous Bas­terd” war zum Beispiel ein­er mein­er Lieblings­filme, den ich mehrfach genossen habe. Oder “Der läng­ste Tag”, in dem die Alli­ierten die Nazis aus der Nor­mandie vertreiben. Ander­er­seits dür­fen nach dem Duk­tus des aufgeregten Autors tux auch keine Doku­men­ta­tio­nen über den Holo­caust gezeigt wer­den, denn da ster­ben auch Deutsche. Sog­ar Fam­i­lien­ange­hörige von noch Leben­den. Gut! Die hat sie nicht gemeint. Die LINKE hat natür­lich Angst um Wäh­ler, die ihren Stan­dort­na­tion­al­is­mus (den der LINKEN) angekratzt sehen.

  3. “Ander­er­seits dür­fen nach dem Duk­tus des aufgeregten Autors tux auch keine Doku­men­ta­tio­nen über den Holo­caust gezeigt wer­den, denn da ster­ben auch Deutsche. Sog­ar Fam­i­lien­ange­hörige von noch Leben­den. Gut! Die hat sie nicht gemeint.”

    Tux hat nicht geschrieben, dass Filme von ster­ben­den Deutschen nicht gezeigt wer­den dür­fen. Darum geht’s auch gar­nicht, es geht um nach solchen Fil­men zu fra­gen (ich nehme an zum Zwecke des sich daran ergötzens. Jeden­falls wollte sie wahrschein­lich keine Doku damit drehen …)

    Zum irgend­was ver­bi­eten neigt Ihr ide­ol­o­gisch verblende­ten Men­schen. Genau wie zum pro­jizieren, daher hast Du wahrschein­lich irgend­was mit ver­bi­eten in Tux’ Artikel gele­sen was da nicht ste­ht.

    Inglo­ri­ous Bas­ter­ds: Ja, geil­er Film. Ich bin mir nur bei manchen ide­ol­o­gisch verblende­tem Men­schen heutzu­tage nicht sich­er, ob sie nicht auch ein Kino mit ‘Nazis’ (also alles was nicht links oder mitte ist) drin anzün­den wür­den, wenn sie wüssten, dass sie damit davonkom­men …

  4. Jung, frech, attrak­tiv, pro­vokant, fem­i­nis­tisch, undeutsch und oben­drein noch Straight Edgerin. Das ist jedem bürg­er­lich Linken dann wohl doch zuviel.

    Hier merkt man gle­ich, wie dünn doch die Decke der Tol­er­anz ist, wenn sich eine pala­mentspoli­tisch uner­fahrene New­com­erin ein­er nass­forschen Rhetorik bedi­ent. Da wird ihr dann gle­ich unmoralis­ches und unethis­ches Denken unter­stellt, wie oben:

    “Weil es nicht jed­er so amüsant find­et, dass sich jemand merk­lich bess­er fühlt, wenn er seinen (und selb­st den eige­nen) Mit­bürg­ern beim Ster­ben zusieht, wurde natür­lich auch in mitunter deut­lich über­trieben­em und ähn­lich unange­brachtem Maße darauf reagiert, denn wenn eine junge Deutsche Deutsche ster­ben sehen möchte, dann gilt das doch sich­er auch für die eigene Fam­i­lie und die eigene Per­son, nicht wahr?”

    Die organ­sierte Sprach­polizei (Parteisil­ber­rück­en, Medi­en, Blog­ger) hat das dann auch wieder zurecht­gerückt. Deutsch­land sagt DANKE!

    • “Jung, frech, attrak­tiv, pro­vokant, fem­i­nis­tisch, undeutsch und oben­drein noch Straight Edgerin. Das ist jedem bürg­er­lich Linken dann wohl doch zuviel. ”
      Bek­loppt und zu naiv/dumm für den Job wäre meine Wort­wahl.

    • “Straight Edgerin”, war das nicht “don’t smoke, don’t drink, don’t fuck”? Das erk­lärt einiges.

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