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Tortenpolitiker (2): Die haben Bärte, die haben Bärte.

Im Feb­ru­ar dieses Jahres bewarf ein Bek­loppter Beat­rix von Storch mit ein­er Torte, um damit irgend­was auszu­drück­en, wobei unklar bleibt, was das wohl sein mochte, sind Torten­würfe doch seit Jahren kein beson­ders rev­o­lu­tionär­er Akt mehr: “Bill Gates mit Torte bewor­fen” (Dai­ly News, Feb­ru­ar 1998), jed­er Men­sch braucht halt ein Hob­by, allerd­ings waren so manche, die heute bei jedem clow­nesquen Torten­wurf gegen den jew­eili­gen Klassen­feind johlen, 1998 noch nicht ein­mal geboren. Die Pocherisierung der Poli­tik ist zumin­d­est tra­di­tion­sre­ich.

Der um frühere Pöbelpi­rat­en (“DIE LINKE AUFMISCHEN!!11!”, ich berichtete) bere­icherten und damit voraus­sichtlich dem­nächst implodieren­den “Linken”, die in aus­gerech­net Magde­burg in Ruhe zu tagen ver­suchte, scheint dieser äußere Klassen­feind abhan­den gekom­men zu sein, aber an Clowns man­gelt es ihnen keineswegs:

Ein unbekan­nter Mann war in die Tagung­shalle auf dem Messegelände der Stadt gestürmt, war bis zur ersten Rei­he vorge­drun­gen und hat­te der Linken-Frak­tionsvor­sitzen­den Sahra Wagenknecht eine Schoko­laden­torte ins Gesicht gewor­fen. Dabei rief er unver­ständliche Parolen.

Das hat Frau Wagenknecht jet­zt davon! Poli­tis­che Botschaften sind seit 2005 ja auch irrel­e­vant, die Torte zählt. Aus den Rei­hen der linken ehe­ma­li­gen Pöbelpi­rat­en tönte es bere­its Anfang der Woche unter ein­er Kapuze her­vor, “jet­zt” sei “Sahra dran”, denn gemein­hin für intel­li­gent gehal­tene Poli­tik­er jed­welchen Geschlechts will man in gewis­sen Kreisen nicht in den eige­nen Rei­hen wis­sen, kon­trastieren sie das eigene Brett vor dem Kopf doch mit jedem Wort. Links­sein war schon immer das Priv­i­leg des niedri­gen Bil­dungs­standes, linke Parteien in der Geschichte schon immer die Parteien der ein­fachen Arbeit­er und Bauern. “Links­sein den Dum­men!” wäre übri­gens auch eine her­vor­ra­gend skandier­bare Parole.

Bedauer­lich ist nur, dass es sich bei der Betorteten wie schon bei Frau von Storch um eben eine Frau han­delt, was die linke Maxime von der Unan­tast­barkeit der Weib­lichkeit wom­öglich beina­he ins Wanken gebracht hätte, was auch den während sein­er Rede unsan­ft unter­broch­enen Parteivor­sitzen­den bewegte:

Riexinger ergriff nach der Rede­pause sofort Partei für Wagenknecht. Gewalt gegen Frauen sei nicht zu tolerieren, sagte er.

Ob Gewalt zu tolerieren ist, scheint bei Linken also maßge­blich davon abzuhän­gen, gegen wen sie aus­geübt wird. Bernd Riexinger bekam allerd­ings präven­tiv Schützen­hil­fe aus den Rei­hen der Kosovopartei: Gewalt sei kein Mit­tel der poli­tis­chen Auseinan­der­set­zung, gab der gle­iche Poli­tik­er auf Twit­ter zu ver­ste­hen, der noch im Novem­ber 2015 beim “Deutsch­land­funk” gut­ten­bergte, es gebe “bes­timmte Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen, wo man mit anderen Mit­teln nicht vorankommt und wo der bewaffnete Kon­flikt”, Quatsch, “der Krieg das let­zte Mit­tel ist”. Allmäh­lich gerät man als anti­deutsch­er Link­er offen­sichtlich in eine Sit­u­a­tion, in der man selb­st von den Mitk­lassenkämpfern ver­meintlich rechts über­holt wird; was let­z­tendlich, wenn sich auch die Partei “Die Linke” let­z­tendlich als lediglich für ein bil­lig abzu­greifend­es Pöstchen geeignet her­aus­gestellt hat, was den men­schlichen Fäh­nchen im Wind, die sich für wer­weißwie fortschrit­tlich hal­ten, zum Teil wahrschein­lich dur­chaus genü­gen mag (der Kampf gegen das Schweinesys­tem will ja schließlich vom Schweinesys­tem anständig bezahlt wer­den), alter­na­tiv­los zur “Über­win­dung” der Parteien — selb­st die MLPD wird, Auf­schrei!, von einem alten weißen Mann geleit­et — führen wird.

Es wird Torte geben.

Dieser linke Radikalis­mus ist genau diejenige Hal­tung, der über­haupt keine poli­tis­che Aktion mehr entspricht. Er ste­ht links nicht von dieser oder jen­er Rich­tung, son­dern ganz ein­fach links vom Möglichen über­haupt. Denn er hat ja von vorn­here­in nichts anderes im Auge als in neg­a­tivis­tis­ch­er Ruhe sich selb­st zu genießen.
Wal­ter Ben­jamin

Senfecke:

  1. Was ist denn eigentlich, wenn ich zur “Mit­telk­lasse” gehöre? Einkom­mens- und automäßig?

    P.S.: Und den neulich von dir kri­tisierten “Horst Schöpp­n­er” mit seinem Artikel im ND kenne ich per­sön­lich. Ich habe seine Dok­torar­beit lek­to­ri­ert, bevor er sie ein­gere­icht hat. Der Mann ist heute Klei­n­un­ternehmer und macht Wer­be­filme für die großdeutsche Indus­trie. Kein Witz, eher tragisch. Aber schön, dass er trotz allem gegen die AfD agi­tiert. Daher werde ich Klar­na­men und Adresse auch diskret behan­deln :D

  2. Wir waren in unser­er Jugend gemein­sam gewalt­bere­it. Du darf­st das alles ganz beruhi­gend unter “Sen­ti­men­tal­ität” abbuchen. Auch wenn der Phäno­typ des poli­tis­chen Geg­n­ers heutzu­tage ganz anders am ide­ol­o­gis­chen Garten­za­un auf­taucht.
    :aufsmaul:

    • Der Inhalt des wirren Gebrabbels, mit dem man seine ver­quere Denkweise “begrün­det”, wird durch Gewalt­bere­itschaft ein­drucksvoll zu Irrel­e­van­tem erk­lärt.

  3. Da stimme ich dir zu. Wenn das Gewalt­monopol von Vati Staat ern­sthaft in die Real­ität umge­set­zt würde. Und nur dann.

    Aber was macht der allmächtige Überwachungsstaat, wenn es um Flüchtling­sun­terkün­fte geht? Find­et er via pri­vatem oder eigen­em Per­son­al die Brand­s­tifter, find­et er sie via Überwachungskam­eras oder Funkzel­lenüber­prü­fung? Nö. Komisch …

    Meine These: Die recht­sradikalen Ver­brechen wer­den nicht aufgek­lärt, weil der Polizeiap­pa­rat — vor allem im Osten, aber auch in Bay­ern — mit Recht­sradikalen durch­seucht ist. Und dann fragt man sich schon, ob man als Antifaschist die Sache nicht selb­st in die Hand nimmt, wenn der Fascho-Staat keinen Bock dazu hat …

    • Selb­stjus­tiz ist halt im Zweifels­fall das Recht der größeren Armee. Ahnst du, was das Prob­lem sein kön­nte?

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