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Meta­kri­tik: Die Ärz­te – Hell

Die Ärzte - HellIch woll­te mich mit Kom­men­ta­ren zu die­sem Album eigent­lich zurück­hal­ten, weil es mich lang­weilt, abzu­bil­den, was sowie­so jeder bestä­tigt: Das neue Album der Die Ärz­te (ich fin­de die­se Dekli­na­ti­on selt­sam, seit ich anders­wo gele­sen habe, dass man eigens einen Namen mit Ä woll­te) ist musi­ka­lisch und text­lich eines der besten ihrer Kar­rie­re und im Fall der Auf­lö­sung eine deut­lich bes­se­re Abschieds­schei­be als das erschreckend lang­wei­li­ge „auch“ und so wei­ter und so fort; so weit, so zutref­fend.

„Hell“ ist ein sti­li­stisch abwechs­lungs­rei­ches und rei­fes, nun ja, Alters­werk gewor­den, das, wie ich schon am Tag der Ver­öf­fent­li­chung lesen muss­te, in die Band­ge­schich­te auch des­halb gut rein­passt, weil es Beklopp­te auf die Pal­me bringt. Mit „Eva Braun“ hat­ten sie Lin­ke geär­gert, mit „Schrei nach Lie­be“ Rech­te, mit der „Claudia“-Trilogie prü­de Müt­ter, mit „♀“ man­che Män­ner­recht­ler und mit „Hel­mut K.“ Hel­mut K.

Wer fehlt noch in der Auf­zäh­lung? Rich­tig: Gen­der- und Que­er­ak­ti­vi­sten. Die­se waren pünkt­lich zur Stel­le und kot­stürm­ten auf Twit­ter, weil ihnen woan­ders nie­mand zuhört, gemein­sam mit rech­ten Publi­zi­sten und lin­ken Müt­tern unter Applaus der AfD, dass das mal gar nicht gin­ge mit dem Text. Geht so nicht. Gar nicht. Belei­digt Schwu­le, weil man nicht schwul wer­den kön­ne, und belei­digt die AfD zu wenig, weil schwul kei­ne Belei­di­gung ist. Voll homo­phob, das. Das ist doch kein Punk ist das nicht.

Und genau des­we­gen fin­de ich es groß­ar­tig.

WOODBURGER

Selbst bei Ama­zon lie­fern sich die Rezen­sen­ten eine beein­druckend emsi­ge Schlacht um die Fra­ge, um die­ses Lied das Album rui­nie­re und ob Die Ärz­te nicht frü­her ins­ge­samt weni­ger ange­passt waren, was auf­rich­tig auch nur jemand fra­gen kann, der ihre Acht­zi­ger und Neun­zi­ger ver­passt hat.

Dass der Rest des Albums kaum weni­ger beein­druckt und viel weni­ger nach drei Solo­al­ben klingt als man­ches, was frü­her raus­kam, geht da zu Unrecht fast etwas unter. Die Ärz­te sind nicht die Toten Hosen, Mit­gröl­hym­nen neh­men sie höch­stens aus Ver­se­hen oder als offen­sicht­li­che Per­si­fla­ge auf, und auch auf „Hell“ ist kein neu­es „Sau­fen“ zu fin­den; statt­des­sen gibt es Stil­par­odien („E.V.J.M.F.“), Punk­rock­ver­beu­gun­gen („Alle auf Bril­le“ und die min­de­stens musi­ka­lisch an „Nimm es wie ein Mann“ ange­lehn­te Sin­gle „Mor­gens Pau­ken“) und ein sogar ganz ange­nehm zu hören­des Lie­bes­lied („Leben vor dem Tod“).

Dass Die Ärz­te 2020 vor allem von denen gehört wer­den, die, wie man es auch nen­nen könn­te, mit der Band alt gewor­den sind, mag stim­men, da schlie­ße ich nicht mal mich selbst aus. Die­se Alt­ge­wor­de­nen aber wer­den mit „Hell“ für die immer­hin acht vol­len Jah­re War­ten nicht nur belohnt, son­dern auch mehr als bloß zufrie­den­ge­stellt. Das schaf­fen nicht vie­le Musik­grup­pen die­ses Alters und dafür wäre ein Dank ange­mes­sen. Mei­ner ist die­ser Text hier.

Davon gern mehr.

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Senfecke:

  1. Man könn­te ein Remix­al­bum machen und nennt es dann Fuck­ing Hell und lässt es sich sponsern.…Zumindest gäbe es dann kei­nen Bier­man­gel bei der vir­tu­el­len Band­tour. Dann halt schön strea­men von den schön­sten Plät­zen der Erde oder zur Not halt auch von allen Lost Places, wo man halt gera­de so spielt und schon geht das Album auch in Coro­na­zei­ten nicht unter, was bestimmt bes­ser kommt, als die Opas bei den Tages­the­men zu erschrecken.

    • Ich wür­de da eher „wie­der“ draus machen. Da kam ja doch eine Men­ge brä­si­ges Zeug vor­her. Anson­sten: Da nich für!

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