Sonstiges
Geständnis eines Coronaleugners

Na gut, ich gebe es zu: Ich gehöre zu denen, die einige vermeintliche Schutzmaßnahmen gegen so Viren für irrational halten und das nicht etwa schweigend verarbeiten, sondern das auch im Gespräch mit anderen Menschen kundtun. Im derzeit üblichen Sprachgebrauch der öffentlichen und privaten Berichterstattung werde ich deshalb entgegen theologischem Rat pauschal als Leugner Coronas beschimpft und in einem Kontext mit denen genannt, die daraus per Demonstrationsrecht ein event zu machen beabsichtigen.

In Bayern dürfen höchstens 100, in Baden-Württemberg hingegen bis zu 500 Menschen in Innenräumen miteinander feiern; in Berlin sind es nur 25. Wie – das wirke wie eine willkürliche Festlegung der Regierung ohne Sinn und Verstand? Coronaleugner! Da kann ich Abstand tragen und Maske halten, so viel ich will: Nasen werden gerümpft und das Etikett ist angeheftet.

Leute wie ich sind daran schuld, dass Kneipen in die Insolvenz getrieben werden. Wir halten uns zwar an die Regeln, aber wir kritisieren ihren Umfang; das verlockt schlichte Gemüter in Hörweite zum Zwergenaufstand und deswegen müssen Bars schließen. Entschuldigung!

Ich habe mir diese Schelte freilich auch verdient. Wer bin ich schon, dass ich mir Einwände zu Beschlüssen anmaße, deren Herleitung ich nicht verstehe? Ich bin kein Virologe und auch kein Gesundheitsminister, was macht mich dann zu einer Koryphäe in der Diskussion, ob Corona bei Ganztagstrinkern nun erst ab 22 Uhr oder ab 23 Uhr ausbricht? Vielleicht ist gemeinsames Rauchen um Mitternacht (nicht verboten) ja zurzeit wirklich gesünder als gemeinsames Saufen (streng verboten). Wenn manche Studien feststellen, dass die als „Masken“ akzeptierten Stoffstücke, mit denen man heutzutage hustend Bus fahren soll und darf, viel zu grobmaschig sind, um einen über Kosmetik hinausgehenden Nutzen zu haben, wieso sollten dann nicht ausgerechnet diese Studien falsch sein? Und, wer weiß, vielleicht gibt es Laphroaig (oder gar – man darf träumen – Glengoyne) für rein oder drauf ja doch nicht auf Rezept.

Wer weiß schon noch, was wahr ist? Man sollte auf die Wissenschaft hören, hieß es noch vor wenigen Wochen, aber seit die Wissenschaft um Mäßigung beim Beschneiden der Freiheit des Einzelnen bittet, ist diese Empfehlung kaum noch zu hören. Pah, Wissenschaftler! Was verstehen die schon von Politik?

Wenn an die Stelle von Argumenten Gefühle treten, ist an Diskutieren nicht zu denken. Das würgt alles ab.
Svenja Flaßpöhler, ganz anderer Kontext

Senfecke:

    • Das ist so das Problem, wenn man auf „die Wissenschaft“ hört: Der kleinste gemeinsame Nenner ist immer, dass es keinen größeren gibt.

      (Dass ausgerechnet dieser Einwand zuerst kommt, überrascht mich allerdings.)

      • Nun ja, so ist Wissenschaft nun einmal. Wenn man aber AAPS online, eine kleine rechtskonservative Vereinigung, zitiert, und zum Beispiel Natures neulichen Beitrag ignoriert, finde ich das tendenziös.
        https://www.nature.com/articles/d41586-020-02801-8

        Leider beruht Wissenschaft letztendlich häufig auf Vertrauen. Ich verlasse mich lieber auf Nature. Und das, obwohl ich Maskentragen auch nicht mag!

        • Ich finde den Boten weniger interessant als die Botschaft, aber das bleibt jedem selbst überlassen.

          Ich würde mir klügere Einwände gegen die Studien wünschen als „aber die sind rechts“.

          • Du bist internetaffin genug, um zu verstehen, dass du für jede gewünschte Botschaft einen Boten findest.

            Die klügeren Einwände findest du beispielsweise in dem verlinkten Nature Artikel. Jetzt liegt es nur am Grad deiner Ambiguitätstoleranz, dich damit offen auseinanderzusetzen.

    • Sicher haben Masken irgendwo einen Nutzen. Sonst gäbe es sie ja nicht.
      Nur haben wir hier keinerlei Ansprüche an eine Maske. Man kann sich auch was Selbstgehäkeltes vor die Futterluke spannen. Das wurde in Korea sicher nicht untersucht.

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:? 
8) 
:lol: 
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