KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Mean­while Pro­ject Ltd – Marseille

Meanwhile Project Ltd - MarseilleLan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Heu­te ist inter­na­tio­na­ler Tag des Jazz. Zwar könn­te ich die­sen Tag nut­zen, um mir sel­ber mit Miles Davis (des­sen ödes Getrö­te mich wirk­lich nicht reizt) kei­nen Gefal­len zu tun, statt­des­sen arbei­te ich die Liste der ange­fal­le­nen Alben die­ses Jah­res ab, bevor sie noch län­ger wird. Da wäre zum Bei­spiel das Köl­ner Duo Mean­while Pro­ject Ltd, das gemein­sam mit Gast­mu­si­kern aus dem hei­mi­schen Sub­way Jazz Orche­stra unter dem Titel „Mar­seil­le“ ein recht ange­nehm zu hören­des Album auf­ge­nom­men hat, das Mit­te April raus­kam. Gesun­gen wird auf Eng­lisch. Immer­hin kein Kölsch!

Die bei­den Vor­ab­sin­gles „Seli­na“ und „Idols Shaking Hands“ zei­gen die sti­li­sti­sche Brei­te der Musi­ker zwi­schen Rock- (erste­re Sin­gle) und Kla­vier­mu­sik (zwei­te­re Sin­gle) bereits weit­ge­hend auf, aber dafür sind wir heu­te ja nicht hier ver­sam­melt. Das Ohren­merk bit­te ich statt­des­sen ins­be­son­de­re auf den Anfang, also auf das Titel­stücks, und die zwei­te Hälf­te der Mit­te des Albums zu rich­ten, denn dort kom­men die Orche­ster­mu­si­ker zu vol­lem Ein­satz. Selbst das abschlie­ßen­de „Ghost with a Toy“, für letz­te Stücke lei­der nicht üblich, zeigt kei­ne Anzei­chen für qua­li­ta­ti­ves Nachlassen.

Das soll frei­lich nicht hei­ßen, dass der Rest des Albums unin­ter­es­sant wäre: Gera­de das melan­cho­lisch stim­men­de „Idols Shaking Hands“ oder das wun­der­voll pul­sie­ren­de „Lost on Demand“ hät­ten mir fast bereits beim ersten Hören einen Druck auf „Wie­der­ho­len“ ent­lockt. Aber nach irgend­was muss ich hier ja sor­tie­ren, sonst wirkt das so nach Wer­be­zet­tel und das mag ich nicht.

Ande­rer­seits: Gera­de jetzt ist ein biss­chen Wer­bung für gute Musik viel­leicht kei­ne schlech­te Idee. Mor­gen, am 1. Mai, zum Bei­spiel wird die Musik­platt­form Band­camp, auf der auch „Mar­seil­le“ zu fin­den ist, auf jeg­li­che finan­zi­el­le Antei­le an Plat­ten- und Down­load­ver­käu­fen ver­zich­ten, um gebeu­tel­ten Musi­kern das Leben nicht noch schwe­rer zu machen. Besorgt euch, wenn ihr Down­loads par­tout lie­ber besitzt als die Schall­plat­te, „Mar­seil­le“ also lie­ber mor­gen, und zwar hier. Das War­ten ist es wert.

Gern gesche­hen.