In den NachrichtenWirtschaft
Experten: Wenn man etwas anzün­det, könn­te es brennen.

(Vorbemerkung: Ich habe von Finanzwirtschaft nicht über­mä­ßig viel Ahnung, aller­dings qua­li­fi­ziert mich das offen­bar zu einer Expertenaussage.)

Die Banken, so stand es gestern in der schlim­men Tageszeitung, mach­ten zwar Geldgeschäfte preis­wer­ter, aller­dings warn­ten Experten davor, dass sie auch Krisen beför­der­ten. Ich beglück­wün­sche die­se Experten zu ihrer Expertise, ver­gra­be mein Gesicht in einer Hand und mel­de Zweifel an.

Tatsächlich sind die essen­zi­el­len Geldgeschäfte in der Privatwirtschaft (Geld erhal­ten, Geld für etwas aus­ge­ben, selbst: Geld lei­hen und ver­lei­hen) prin­zi­pi­ell auch ohne eine Bank kosten- und mehr­auf­wands­los mög­lich. Nehmen wir an, es gäbe kei­ne Banken und durch Banken beför­der­te Quatscherfindungen wie Scheckkarten, so wäre der Fluss des Geldes nur schwer­lich preis­wer­ter mach­bar: Das Gehalt in der inzwi­schen sprich­wört­li­chen Lohntüte zu erhal­ten kostet eben­so wenig Transaktionsgebühren wie jeman­dem etwas mit Bargeld abzu­kau­fen, selbst der Ablauf des Geldverleihs ist „kosten­los“ mög­lich, rech­net man ein­mal die Inflation nicht ein (was ja auch eine Bank sel­ten kon­se­quent tut). Schwierig wird es erst, wenn der gewünsch­te Kredit die Mittel des Verleihers über­steigt. Hier kom­men Banken ins Spiel.

Banken sind prin­zi­pi­ell Kreditinstitute, also Einrichtungen, die über aus­rei­chend Kapital ver­fü­gen, um grö­ße­re Mengen Geldes vor­über­ge­hend ver­lei­hen und (im Falle von „Einlagen“) ver­zin­sen zu kön­nen. Dieses Geld stammt zum Großteil von Investoren im wei­te­ren Sinne, also Leuten, die Geld in die Bank gebracht haben, was dazu führt, dass das Geld, was gera­de ver­lie­hen wur­de, im tat­säch­li­chen Bestand nur noch vir­tu­ell vor­han­den ist. Zum Glück für die Banken ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Großteil der Einlagernden gleich­zei­tig sei­ne Einlagen aus­ge­zahlt haben möch­te, über­schau­bar gering. Eigentlich wäre so eine Bank also für eine halb­wegs intak­te Gesellschaft nur in Sonderfällen wirk­lich not­wen­dig und kei­ne tra­gen­de Säule des Miteinanders; aber auch andern­falls wäre es eigent­lich nicht von Belang, ob Banken nun dau­er­haft Bestand haben oder nicht.

Wenn da nicht der Kapitalbedarf wäre.

Für den prin­zi­pi­ell nicht mit beson­de­ren Zusatzkosten ver­bun­de­nen Geldtransfer, der in einer gesun­den Zivilisation nicht mit Bürokratie und Fußnoten ver­bun­den ist, hät­te so eine Bank gern Geld, denn die Verwaltung die­ses Kapitals ist mit hohem Personalaufwand ver­bun­den. Die „Arbeit“ eines Vorstandsvorsitzenden ist dabei um das über Hundertfache so viel wert wie die eines ein­fa­chen Schalterbediensteten, die Zahlen im Computer ver­wal­ten sich immer­hin nicht von allein. Vor eini­gen Jahrzehnten hat die Deutsche Bank die­se Gehälter noch mit „Arisierung“ erwirt­schaf­tet, aller­dings scheint dies in den letz­ten Jahren etwas an Popularität beim Publikum ein­ge­büßt zu haben, wes­halb ande­re Einnahmequellen auf­ge­tan wer­den muss­ten. Die Finanzierung durch Großspenden („Rettungsschirm“) ist dabei eine Sonderform, ent­stan­den aus der Sorge dar­um, dass die Gehälter von Bankvorständen womög­lich sonst deut­lich gerin­ger als das Bruttoinlandsprodukt von Monaco sein müss­ten. (Wenn noch jemand nicht ver­stan­den haben soll­te, wor­in eigent­lich das Problem mit dem Kapitalismus besteht, und sich von lästi­gen Details wie dem Raubbau von Rohstoffen und der Kernaussage von Werbung, dass so ein Bürger gar kein Interesse haben, son­dern nur mit aus­rei­chend wenig Stolz ver­se­hen sein muss, dann möge er sich die­se Zahlen ein­fach mal vor Augen füh­ren. Aber das führt hier viel­leicht zu weit.) Um den Lebensstandard ihrer Mitarbeiter zu hal­ten, inve­stie­ren Banken mit dem Geld derer, die es ihr zum Aufpassen anver­traut haben, zum Beispiel in risi­ko­rei­che Geschäfte wie Firmenanteile und Haushypotheken oder den Kauf ande­rer Banken für lächer­lich gerin­ge Preise in Milliardenhöhe, stets in der Hoffnung, es erge­be sich ein deut­li­cher Gewinn dar­aus, der dann an die eige­nen Kunden Vorstandsmitglieder aus­ge­schüt­tet wer­den kann. Das klappt manch­mal, manch­mal aber auch nicht; und wenn es nicht klappt, hal­ten Menschen, deren beruf­li­ches Dasein ver­zicht­bar ist, ihr Gesicht vor eine Kamera und spre­chen ins erst­be­ste Mikrofon Dinge hin­ein, die sug­ge­rie­ren, dass das jetzt zwar ver­ständ­li­cher­wei­se ent­täu­schend sei, die schick­sals­be­dingt kapi­ta­li­sti­sche Gesellschaft aber ohne eine Bank nicht aus­kä­me, wes­halb man da ja lei­der nichts machen könne.

Anders gesagt: Die Gewinnabsicht von Banken ist der Auslöser jeder bis­her bedeu­ten­den Finanzkrise, und das kei­nes­wegs nur mög­li­cher­wei­se. Ohne eine gra­vie­ren­de Umwälzung des Systems ist eine Besserung nicht mach­bar. Zyniker könn­ten eine Verstaatlichung von Banken vor­schla­gen, nach­dem der Steuerzahler vie­le von ihnen ja mitt­ler­wei­le sowie­so „bezahlt“ hat, aller­dings über­sä­hen die­se Zyniker dann die Erfolgsgeschichte ande­rer Staatsunternehmen wie der Deutschen Bahn, die ja durch­aus auch weit davon ent­fernt ist, ledig­lich kosten­deckend zu arbei­ten (bezie­hungs­wei­se nicht zu arbeiten).

Oder man macht das mit den Fackeln und Heugabeln. Springt, ihr Widerlinge. Als hüb­schen Nebeneffekt berei­nigt man die Gesellschaft damit auch gleich um die ver­blie­be­nen F.D.P.-Wähler.


In wei­te­ren Nachrichten: Obama fin­det die Todesstrafe pro­ble­ma­tisch. Er ist sich nur noch nicht sicher, warum.

Senfecke:

  1. Falsch:
    „Banken sind prin­zi­pi­ell Kreditinstitute, also Einrichtungen, die über aus­rei­chend Kapital ver­fü­gen, um grö­ße­re Mengen Geldes vor­über­ge­hend ver­lei­hen und (im Falle von „Einlagen”) ver­zin­sen zu kön­nen. Dieses Geld stammt zum Großteil von Investoren im wei­te­ren Sinne, also Leuten, die Geld in die Bank gebracht haben, was dazu führt, dass das Geld, was gera­de ver­lie­hen wur­de, im tat­säch­li­chen Bestand nur noch vir­tu­ell vor­han­den ist. “

    Richtig:

    Geschäftsbanken
    haben die Macht der Giral- oder Buchgeldschöpfung durch Kreditvergabe.

    Als Basis dient das Fractional Banking System.

    Geschäftsbanken kön­nen auf Basis von Reservesätzen Geld, qua­si aus dem Nichts durch Kredite, aus­ge­ben. Es wird also ent­ge­gen dem alle­ge­mei­nen (Miss)verständnis nicht das Geld der Sparer wei­ter­ver­lie­hen, son­dern durch die Kreditvergabe wer­den wei­te­re Bankguthaben (KEIN Zentralbankgeld, sprich gesetz­li­ches Zahlungsmittel) erzeugt. Das geschieht durch einen Buchungssatz, der so genann­ten “Bilanzverlängerung”. Die Zinsen jedoch (nähe­res im Kapitel Zins & Zinseszins) wer­den Nie mit erzeugt. Das gene­riert eine Endlosspirale.

    Auch der Staat ist auf die­se Art der “Geld”schöpfung ange­wie­sen, denn die Geschäftsbanken sind die haupt­säch­li­chen Gläubiger der Staatsschulden. Gibt der Staat nun neue Staatsanleihen her­aus, wer­den die­se im wesent­li­chen von Geschäftsbanken aufgekauft.
    Hier ergibt sich ein dop­pel­ter Vorteil für die Bank, denn Staatsanleihen kön­nen auch als “Sicherheiten” bei der Zentralbank (mit einem klei­nen Abschlag, der sog. Risikoprämie) hin­ter­legt wer­den, um noch mehr Geld von der Zentralbank zu bekom­men und noch mehr Kredite zu ver­ge­ben. Dies geschah jedoch lan­ge mit der fal­schen Annahme, Staaten könn­ten nicht Pleite gehen.
    Ein sol­cher Staatsbankrott schlägt sich natür­lich enorm auf die Bilanzen der Banken durch, da die gekauf­ten Staatsanleihen plötz­lich nicht ein­mal mehr das Papier wert sind, auf dem sie stehen.

    Droht der Bank der Bankrott, fol­gen wei­te­re Konsequenzen.

    1. wer­den die Kredite der Kreditnehmer ein­ge­for­dert um die eige­nen Verluste irgend­wie aufzufangen.

    2. es wer­den kei­ne Kredite mehr an die Wirtschaft ver­ge­ben – in einem auf Pump (Kredit) auf­ge­bau­ten Wirtschaftssystem kommt es dadurch zu hef­ti­gen Problemen für die Unternehmen und die Belegschaft.

    Um einen sol­chen Zusammenbruch zu ver­mei­den, wer­den von­sei­ten der jewei­li­gen Regierung immer wie­der Hilfspakete in zig Milliardenhöhe geschnürt um die­ses schwä­cheln­de, erkrank­te System am lau­fen zu hal­ten. Außerdem spricht man sehr ger­ne Garantien für die Banken aus. Diese Garantien sind ein­zig und allein durch die Steuergelder der Bürger gedeckt.

    In die­sem Zusammenhang hat sich die Aussage ”too big to fail” – zu groß um zu schei­tern aus­ge­bil­det. Würde eine gro­ße Bank in Deutschland zusam­men­bre­chen, wäre eine Kettenreaktion zu erwar­ten, außer­dem wür­den Punkt 1 + 2 der Realwirtschaft zusätz­li­chen Schaden zufügen.

    “Wenn Banken zu groß sind, plei­te zu gehen, dann sind sie ein­fach zu groß.”
    Hjalmar Schacht (1877 – 1979), deut­scher Bankier

    Sie sehen, die Macht der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken (den Financiers der Staaten) wird in der brei­ten Masse unver­ständ­li­cher­wei­se deut­lich unterschätzt.

    http://www.geldsystem-verstehen.de/geldsystem-erklaert/geldschoepfung/geschaeftsbank/
    -----

    http://www.petersdurchblick.com/2011/05/bundesbank-bestatigt-geldschopfung-aus.html

    http://www.wirtschaftslexikon.co/d/geldschoepfung/geldschoepfung.htm

    • Die Realwirtschaft ist nicht durch den Zusammenbruch von Banken, son­dern durch ihre Existenz bedroht.

      (Ich sag­te doch, ich habe kei­ne Ahnung.)

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