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Black Mer­da – Black Merda

Black MerdaIn mei­ner Musik­grab­bel­ki­ste fand ich heu­te das Debüt­al­bum einer Musik­grup­pe namens Black Mer­da. „Black Mer­da“? Mit mier­da hat das nichts zu tun, aber frem­de Spra­chen sind schon ein guter Anhalts­punkt. Viel­mehr han­delt es sich um eine afro­ame­ri­ka­ni­sche Schreib­wei­se von „Black Mur­der“, was auch gleich viel schö­ner klingt.

Die Wur­zeln von Black Mer­da lie­gen in den frü­hen 1960er Jah­ren, als eine jun­ge Band, die Impacts, sich all­mäh­lich in die Soul Agents umbe­nann­te und sich als musi­ka­li­sche Unter­stüt­zung für ver­schie­de­ne Soul- und R&B‑Künstler betä­tig­te. Wäh­rend ihrer Zusam­men­ar­beit mit dem Soul­sän­ger Edwin Starr wur­den die anfangs drei, spä­ter vier Her­ren auf die Musik von The Who und ins­be­son­de­re Jimi Hen­drix auf­merk­sam, ihr Cover von „Foxy Lady“ (1967) zeig­te bereits einen Stil­wech­sel an. Tat­säch­lich ver­wan­del­te die Musik der Soul Agents sich in den fol­gen­den Mona­ten immer mehr in einen psy­che­de­li­schen Funk mit Sou­lein­schlag; 1968 erfolg­te schließ­lich die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung für einen Neu­an­fang als Rock­band namens Black Mur­der (wis­sen­schon, Ras­sen­ver­fol­gung und so).

Namen hin oder her – 1970 folg­te schließ­lich die Ver­öf­fent­li­chung des Debüt­al­bums und ich sehe, dass es gut war. Das Gen­re: Unver­än­dert. Schü­fe ich Gen­re­na­men, nänn­te ich’s Soul­funk, aber das gibt es bestimmt schon.

Don Was – Black Mer­da – „Cyn­thy-Ruth“

Text­lich, oh Lord, ist auf dem Album zum Teil offen­sicht­lich, aus wel­cher Not­la­ge her­aus die afro­ame­ri­ka­ni­sche christ­li­che Musik des 20. Jahr­hun­derts ent­stand und wie tief sie sich ins kol­lek­ti­ve Bewusst­sein eines Vol­kes ein­ge­gra­ben hat. „That’s The Way It Goes“ (hier) und „I Don’t Want To Die“ – die­se Titel! – sind neben obi­gem „Cyn­thy-Ruth“ die Lie­der des Albums, die es sti­li­stisch zusam­men­fas­sen: Jimi Hen­drix trifft auf Gos­pel­ge­sang und Her­bie Han­cock. Ich bin begei­stert und nicke ein biss­chen am Takt vorbei.

Mit dem zwei­ten Album „Long Burn the Fire“, 1972 ver­öf­fent­licht, hat­te man sei­tens der Ver­mark­ter aller­dings schon wie­der das Inter­es­se an Black Mer­da (inzwi­schen als „Mer-Da“ bewor­ben) ver­lo­ren. Das waren tur­bu­len­te Zei­ten. Die Mit­glie­der zer­streu­ten sich und nah­men ihre Tätig­kei­ten als Stu­dio­mu­si­ker wie­der auf. 2005, ein Jahr nach dem Tod ihres frü­he­ren Schlag­zeu­gers Tyro­ne Hite, kamen Black Mer­da wie­der zusam­men und ver­öf­fent­lich­ten wei­te­re neue Studioalben.

Manch­mal kom­men sie wieder.


Nach­trag, apro­pos: Das drit­te Album von The Hirsch Effekt ist da und es ist super. Mehr dazu später.