In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Stra­ßen­gucken 2.0

Goog­le Street View erhitzt die Gemü­ter, Für und Wider trom­pe­ten dem generv­ten Leser der­zeit von jeder Nach­rich­ten­sei­te und aus jedem Web­log ent­ge­gen. Man­che (via) machen sich über die ver­meint­li­che Para­noia lustig, ande­re stim­men in den gefähr­li­chen Dumm­schwall eines Mark Zucker­berg (Face­book immer­hin) mit ein, der ein­mal sag­te, wer nicht wol­le, dass er im Inter­net erscheint, sei selbst dafür ver­ant­wort­lich, Daten­schutz sei eh von gestern:

Wer nicht will, dass das Bild sei­nes Hau­ses bei Goog­le Street View erscheint, der hät­te sein Haus nicht an eine öffent­li­che Stra­ße bau­en sol­len. So ein­fach ist das.

Anders, mit­hin etwas niveau­lo­ser, aber prä­gnan­ter aus­ge­drückt: Wer nicht will, dass sich mit einer Kame­ra bewaff­ne­te Unter­arm­fe­ti­schi­sten täg­lich einen auf sei­nen Anblick run­ter­ho­len, soll­te kei­ne T‑Shirts mehr tra­gen. Auch das ehe­ma­li­ge Nach­rich­ten­ma­ga­zin SPIE­GEL Online geizt nicht mit der­lei Plat­ti­tü­den: Sor­ge um den Daten­schutz sei in einer offe­nen, glo­bal ver­netz­ten, kom­mu­ni­ka­ti­ven Welt nicht zeit­ge­mäß. Also wei­ter CDU wäh­len. (Das steht da aller­dings nicht.)

Man muss aber auch zuge­ben, dass die Pro­test­ler sich in der Öffent­lich­keit oft ziem­lich däm­lich anstel­len:

„Ich sehe gar nicht ein, dass jemand ohne mein Ein­ver­ständ­nis mein Haus foto­gra­fiert”, sagt Lud­wig Hil­le­sheim aus Wersten.

Wem das Haus gehört, vor dem er auf der ange­füg­ten Foto­gra­fie zu sehen ist, geht aus dem Arti­kel nicht her­vor, es soll­te mich aber auch nicht son­der­lich erstau­nen, ist es das sei­ne. (Dass Goog­le den Arti­kel mit sei­nem Namen und sei­nem Bild längst indi­ziert haben dürf­te, wage ich bei­na­he schon gar nicht mehr zu erwähnen.)

Zu mei­ner Zeit hat­te man noch Spaß am Rei­sen, erforsch­te die gro­ßen Städ­te die­ser Welt per pedes und nicht per Com­pu­ter. Dass kein hoch auf­lö­sen­der Bild­schirm die­ser Welt die­se Ein­drücke auch nur annä­hernd ver­mit­teln kann, ist eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, den­noch ist das häu­fig­ste Argu­ment, das mir bis­lang ent­ge­gen­scholl, dass man jetzt auf Besich­ti­gungs­tour gehen kön­ne, ohne sei­nen Hin­tern vom Sofa erhe­ben zu müs­sen, „man hat ja noch ande­res zu tun”, zum Bei­spiel bei Goog­le rumklicken.

Netzwertig.com nennt Street View „Per­len vor die Säue wer­fen”, also etwas Exzel­len­tes einem unwer­ten Pöbel kre­den­zen – mit „Pöbel” mei­nen die uns – und rät: „Die sind’s nicht wert. Goog­le, lass es ein­fach sein”.
Nun, das sind wir uns in der Tat nicht wert. Goog­le, lass es ein­fach sein.

Dan­ke im Voraus.


Nach­trag: Wer hat eigent­lich die unsin­ni­ge Mode ein­ge­führt, alles, was einem Zweck dient, als „Tool” zu bezeich­nen? For­mu­la­re auf Web­sei­ten wer­den nun­mehr als „Online-Tool” dekla­riert; wie nen­nen die­se Leu­te dann eigent­lich Fen­ster? „Raus­guck-Tools”?

Senfecke:

  1. Ich gehö­re nicht mehr der Genera­ti­on der Goog­le-begei­ster­ten Daten­strip­per an. Auch, wenn man das natür­lich immer rela­tiv zu dei­ner Genera­ti­on sehen kann.

  2. Da ja bei Euch lang­sam die Bür­ger­stei­ge (soweit vor­han­den) hoch­ge­klappt wer­den und auch heu­te Abend kein öffent­li­ches Ver­kehrs­mit­tel mehr vor­bei­kom­men dürf­te, was Anlass bie­ten wür­de, in der näch­sten Dorf­dis­se vor­bei­zu­schau­en, hast Du jetzt die Mög­lich­keit, Dich bei Caschy zum The­ma zu echauf­fie­ren: http://stadt-bremerhaven.de/google-street-view-und-datenschutz/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+stadt-bremerhaven/dqXM+(Caschys+Blog)
    Ich erwar­te einen har­ten Infight. Ich schaue dann mal in den Wer­be­pau­sen rein.

  3. Ich habe den Text bereits über­flo­gen und als Nach­trag ver­linkt. Mir fehlt die Muße, jedem Goog­le-Fan­boy sepa­rat die Mei­nung zu geigen.

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